Montag, 19. August 2019

Sonntag, 18. August 2019

Verabschiedungskultur

Bernd Höcke mal wieder.

Verabschiedungskultur ist nicht grundsätzlich was schlechtes. Ich stell mir vor, Höcke in einer rechtkantigen kiste und es gibt reichlich »Rosen auf den Weg gestreut«.

Peter Fonda

Mal wieder hat es einen dahingerafft. Weil ich ehrlich bleiben möchte, muß ich zugeben, daß ich beim legendären film »Easy Rider« immer eingeschlafen bin. Vermutlich bin ich die einzige, die leider gar nicht weiß, worum es da eigentlich geht.

Udo Lindenbergs version von »Born to Be Wild« war aber wahrscheinlich gar so verkehrt.

Mittwoch, 14. August 2019

Überall tretroller

Seit knapp zwei monaten sind hierzulande e-scooter erlaubt. Ich nenne die dinger trotzdem »tretroller«, auch wenn sie leider gar keine sind, weil man in der stadt ständig auf sie drauftritt oder über sie stolpert und wenn man nicht drüber stolpert, liegen die dinger im gebüsch rum oder zwischen s-bahn-gleisen, wo sie dann auch eher nicht wieder eingesammelt werden - und eingesammelt werden sie zum nächtlichen aufladen oft von lieferwagen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß der verkehr in großstädten dadurch auch nur für einen pfennig umweltfreundlicher würde.

Genutzt werden sie offensichtlich hauptsächlich von touristen, die ansonsten brav zu fuß gegangen wären und gelegentlich von teenies, die nachts kreischend zu dritt auf einem roller durch die straßen brettern. Ist ja strengstens verboten, zu zweit e-scooter zu fahren. Muß man eben zu dritt fahren. In dem alter hätte ich das problem ganz genauso gelöst.

Was mich wundert, ist, daß beispielsweise velomobile  überhaupt kein thema sind. Das wäre doch eine umweltfreundliche alternative - stattdessen wird über allerhand firlefanz und dicke elektroautos diskutiert.

Es geht halt nicht um den umweltschutz. Es geht um geschäftsmodelle. Das kotzt an.

Montag, 12. August 2019

Sonntag, 11. August 2019

75 % für den staat

Ein freund, der ca. mitte der 60er jahre mal in einem kinderheim untergebracht war, hat mir vor etlichen jahren erzählt, daß er unheimlich glück gehabt habe, trotzdem eine vernünftige schulbildung erhalten zu haben. Ein engagierter mensch habe sich damals für ihn eingesetzt, daß er in ein internat kommt. Die anderen kinder mußten, wenn sie ca. 14 jahre alt waren, ihren lebensunterhalt verdienen. Dafür seien sie regelrecht an den nächsten großbauern verkauft worden, bei dem sie als hilfsarbeiter schuften mußten und vom lohn nur ein karges taschengeld behalten durften, das höchstens für eine schachtel zigaretten die woche oder etwas süßkram reichte.

Mich gruselte es, daß es so etwas in der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts hierzulande noch gegeben hat. Wir hatten beide keine ahnung, daß es derartiges bis heute gibt:

Oscar Wilde hat gesagt, daß man für das gute wie für das schlechte, das man tut, bestraft wird. Das stimmt. Allerdings würde ich noch einen obendrauf setzen: man wird immer mindestens doppelt bestraft: es ist nicht schlimm genug, in schlechten verhältnissen aufzuwachsen. Diese leute müssen dafür auch noch zusätzlich 75% ihres einkommens an »strafe« zahlen, obgleich sie im normalfall für ihre lebenssituation überhaupt nichts können.

Gerade die, die staatliche unterstützung dringend brauchen würden, weil sie privat niemanden haben, werden dazu gezwungen, 75% ihres lohns an den staat abzugeben. Dieser staat ist über die erkenntnisse und erziehungsmethoden des 19. jahrhunderts offensichtlich nie wirklich hinausgekommen.

Mittwoch, 7. August 2019

Ratte analysiert wahlprogramme...

... und findet heraus, daß man ganz schön viel zeit zum lesen benötigt und die schwieriger zu lesen sind als Franz Kafka. Ratte ist natürlich keine gewöhnliche leseratte und hat mit niedlichen nagetieren wenig zu tun, sondern ist das »Regensburger Analysetool für Texte« oder kurz einfach Ratte, mit dem man den schwierigkeitsgrad von texten messen kann. Gedacht ist das für die auswahl von texten für den schulunterricht, man kann aber auch wahlprogramme, beispielsweise für die anstehende Landtagswahl in Brandenburg, damit analysieren.

Das hat der rbb kürzlich getan. Die texte werden dann nach anzahl der wörter und Fleschindex bewertet. Der Fleschindex ist nach seinem erfinder Rudolf Flesch, einem experten für die lesbarkeit von texten, benannt. Je höher der Fleschindex, desto leichter ist ein text zu lesen: unter 30 punkte - hochschulniveau, 30 bis 50 punkte - abiturniveau, 50 bis 60 punkte - MSA-niveau, über 60 punkte - einfaches Deutsch.

»Das Schloß« von Franz Kafka schnitt im vergleichstest mit 62,9 punkten ab, danach folgte »die Schachnovelle« von Stefan Zweig. Dann kommt eine weile gar nichts und als nächstes das programm der SPD mit 38,7 punkten, dicht gefolgt von der CDU. Freie Wähler, Linke, Grüne, FDP und AfD kommen alle auf einen Fleschindex von um die 30.

Auf anfrage sagten alle parteien, außer der AfD, die es nicht nötig hatte zu antworten, daß das wahlprogramm für die breite masse nicht das wichtigste im wahlkampf sei. Linke, FDP und Grüne bieten ihr wahlprogramm auch in »Leichter Sprache« an. Zwischen hochschulniveau und niveau von menschen mit lernschwierigkeiten gibt es für die nichts. Und überhaupt soll man sich offenbar mit den programmen gar nicht so genau befassen. Das läßt tief blicken.

Dieser Text hat übrigens einen Fleschindex von 63. Ich bin also ungefähr auf dem gleichen niveau wie Franz Kafka, obwohl ich noch nie vorhatte, ihm irgendwie nachzueifern.

Montag, 5. August 2019

Samstag, 3. August 2019

Deutsche zitronen - nicht bananen!

Europa
von Kurt Tucholsky

Am Rhein, da wächst ein süffiger Wein –
der darf aber nicht nach England hinein –
   Buy British!
In Wien gibt es herrliche Torten und Kuchen,
die haben in Schweden nichts zu suchen –
   Köp svenska varor!
In Italien verfaulen die Apfelsinen –
laßt die deutsche Landwirtschaft verdienen!
   Deutsche, kauft deutsche Zitronen!
Und auf jedem Quadratkilometer Raum
träumt einer seinen völkischen Traum.
Und leise flüstert der Wind durch die Bäume ...
   Räume sind Schäume.

Da liegt Europa. Wie sieht es aus?
Wie ein bunt angestrichnes Irrenhaus.
Die Nationen schuften auf Rekord:
   Export! Export!
Die andern! Die andern sollen kaufen!
Die andern sollen die Weine saufen!
Die andern sollen die Schiffe heuern!
Die andern sollen die Kohlen verfeuern!
Wir?
   Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein:
wir lassen nicht das geringste herein.
Wir nicht. Wir haben ein Ideal:
Wir hungern. Aber streng national.

Fahnen und Hymnen an allen Ecken.
Europa? Europa soll doch verrecken!
Und wenn alles der Pleite entgegentreibt:
daß nur die Nation erhalten bleibt!
Menschen braucht es nicht mehr zu geben!
England! Polen! Italien muß leben!
Der Staat frißt uns auf. Ein Gespenst. Ein Begriff.
Der Staat, das ist ein Ding mitm Pfiff.
Das Ding ragt auf bis zu den Sternen –
von dem kann noch die Kirche was lernen.
Jeder soll kaufen. Niemand kann kaufen.
Es rauchen die völkischen Scheiterhaufen.
Es lodern die völkischen Opferfeuer:
Der Sinn des Lebens ist die Steuer!
Der Himmel sei unser Konkursverwalter!
Die Neuzeit tanzt als Mittelalter.

Die Nation ist das achte Sakrament –!
Gott segne diesen Kontinent.


Zitiert nach Tucholsky - »Gesammelte Werke 1932«, rororo 1975

Man könnte meinen, Tucholsky habe die AfD schon gekannt.

Freitag, 2. August 2019

Gutes aus der region Berlin

Vorhin im supermarkt.

Ein schild mit der aufschrift »aus Deiner region«. Darunter: nichts als bananen. Vielleicht die berühmte, jedoch seltene Spreewaldbanane, die bereits in der DDR als mangelware galt und die ich bis heute noch nie gesehen habe? Da mußte ich doch wenigstens mal auf das etikett schauen. Und was stand drauf?

Equador. Also nicht ganz Spreewald. Aber doch wenigstens fast. Irgendwie scheinen die meinungen, was noch als »regional« gelten kann und was eher nicht, ein bißchen auseinanderzugehen.

Dienstag, 30. Juli 2019

Hitlergruß und nasse hose

In der diskussion zu »das wird man wohl mal sagen dürfen« habe ich ein foto erwähnt. Wie ich entdeckt habe, gibt es eine ganze doku über die entstehungsgeschichte des fotos. Es entstand in Rostock 1992. Die doku ist der reinste gruselfilm, weil sie einem noch mal vor augen führt, wie ganz normale leute, die über jahre hinweg friedlich in nachbarschaft mit ausländern gelebt hatten, sich von einem braunen mob aufhetzen ließen.


Foto am montag (376)

Kleiner panda (ailurus fulgens)

Freitag, 26. Juli 2019

Das wird man wohl mal sagen dürfen

Schrödingers ausländer arbeiten nicht und nehmen uns die arbeitsplätze weg!


SOCIAL MEDIA BULLSHIT-BINGO von Bob wurde auf youtube leider trotz hitqualität weitgehend ignoriert. Das beste musikvideo seit langem. Das muß ich hier auf jeden fall mal rumzeigen.

Dienstag, 23. Juli 2019

Foto am montag (375)

Schon ewig hatte ich keine amphibien mehr gesehen. Ist meist zu trocken für die. Mutmaßlich ist’s eine erdkröte.(bufo bufo).

Dienstag, 16. Juli 2019

Europa nicht den Leyen überlassen!

Martin Sonneborns rede gegen frau von der Leyen:

Wie dämlich die tante am schluß des videos grinst, da könnte man glatt die wut kriegen.

Aber Nico Semsrotts einwurf war auch nicht schlecht:

Montag, 15. Juli 2019

Foto am montag (374)

Wo man auch hinguckt, überall, überall fichtenkreuzschnäbel ringeltauben, die brüten (columba palumbus).

Samstag, 13. Juli 2019

Dümmer geht ümmer: solidarisches grundeinkommen

Nach etwas längerer abstinenz von meinem lieblingsthema »grundeinkommen« mal wieder etwas neues. Sämtliche modelle des »grundeinkommens« seien sie nun »bedingungslos« oder nicht, sind schäbig. Aber das erbärmlichste kommt, wer hätte es ahnen können, natürlich von der SPD und soll ab sofort in Berlin eingeführt werden.

Oh jubel! Auf den neuaufguß der ABM haben alle langzeitarbeitslosen schon lange gewartet, endlich wieder als arbeitnehmer dritter klasse wenigstens malochen zu dürfen!

Die stadt hat jahrelang öffentliche stellen im gemeinnützigen bereich abgebaut und jetzt sollen zur abwechslung einmal wieder langzeitarbeitslose zum schundlohn die lücken füllen. Mindestlohn oder gar tarif soll es geben, sofern es einen gibt. Das hört sich nahezu gut an, sofern man die ABMwohltaten kennt, die es vor einigen jahren in Berlin gab, bei denen bruttolöhne unter 1000€ oder nur knapp darüber als völlig normal galten. Bei vollzeit beim aktuellen mindestlohn von 9,19€ erhält man einen bruttolohn von ca. 1600€.

Und was bleibt davon übrig? 1.181€20, sagt der brutto-netto-rechner:

Sehr schön ist hier die werbung für die Riester-Rente in der mitte. Klar, wer dermaßen üppig verdient, hat ganz gewiß im monat 175 € im monat für eine windige geldanlage über, um später nicht als armutsrentner zu enden. Schließlich hat man auch geld für eine eigentumswohnung, ein auto, das fährt, eine Montgolfière, eine segelyacht. Und einen außenbordmotor.
Ist das anständig bezahlt?

Ich meine, nein.

Der arbeitsmarktexperte Jürgen Schupp meint, ja. Im interview mit der Zeit
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Die Jobs sind nicht toll bezahlt, aber auch nicht prekär. Ich halte sie für ein faires Angebot.«
Es ist immer wieder schön, wenn irgendwelche professoren, die sehr bequem auf ihren lehrstühlen hocken darüber sprechen, welche arbeitskonditionen sie für andere als »nicht prekär« einstufen.

Einem bericht des rbb zufolge liegt die armutsgefährdungsschwelle (tolle wortschöpfung) in Berlin aktuell bei 1.215€ und meinen bescheidenen berechnungen zufolge liegt der betrag von 1.181€20 leider irgendwie darunter. Und der herr professor meint, daß man in der situation, in der man als »armutsgefährdet« gilt, nicht irgendwie »prekär« beschäftigt wäre. Schöne ansicht. Obendrein ist der mann dann auch noch unredlich, indem er dinge vergleicht, die man so nicht vergleichen kann:
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Das sind je nach Tarif ungefähr 1.200 Euro netto und damit deutlich mehr als der Hartz-IV-Regelsatz von 424 Euro.«
Einmal den nettoverdienst vor abzug der wohnkosten und einmal den regelsatz nach abzug der wohnkosten. Mich erinnert das an diesen schlauen professor, der vor jahren behauptete, man könne billigschuhe für 10€ 20 jahre lang tragen. Sicher, wenn man 40 paare davon hat, könnte es möglich sein. Ansonsten: knifflig.

H4empfänger bekommen im durchschnitt in Berlin im schnitt 916€. Das bedeutet, daß sie 424€ regelsatz für sich und 492€ für ihren vermieter erhalten. Wenn man das Solidarische Grundeinkommen mit h4 vergleichen möchte, muß man also entweder 1.181€20 mit 916€ vergleichen oder, sofern man davon ausgeht, daß die leute die gleiche miete zahlen müssen, oder 689€20 mit 424€. Man hat also mit arbeit 265€20 mehr als ohne.

Da steht man mit dem Solidarischen Grundeinkommen noch beschissener da, als man es mit der ABM war, wo man meist so schlecht verdiente, daß man aufstocken mußte: Da wurde für gewöhnlich so aufgestockt, daß man für gewöhnlich knapp 300€ mehr hatte als ohne arbeit. Plus: mit dem niedriglohn in der ABM bekam man auch den »Berlinpass«, mit dem man den ÖPNV billiger nutzen kann (aktuell 27€50 statt 81€), günstiger ins schwimmbad kommt, bibliotheken nutzen kann, äußerst preisgünstig ins theater und sogar in die oper gehen kann, sofern es kurz vor beginn restkarten gibt. Auch diese nicht unbedingt schönen verhältnisse noch zu verschlechtern ist klassisch SPD. Bei so schönen maßnahmen wundert man sich glatt, daß keiner, der bei trost ist, die noch wählt.

Wenn es im öffentlichen bereich an arbeitskräften mangelt, dann wäre doch beispielsweise eine steile lösung, leute, die dafür geeignet sind auszubilden, umzuschulen oder fortzubilden und ganz normale stellen auszuschreiben, auf die ein jeder sich bewerben kann.

Es ist klar, wer sich beim Solidarischen Grundeinkommen mit wem solidarisieren soll. Umgangssprachlich sage ich dazu »küss die hand, die Dich schlägt!«

Keine wohltat für arme, sondern auch wieder nur maßnahme, etwas zu kaschieren anstatt es zu bewältigen.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Benimmregeln für beutegreifer

Etliche jahre nach dem »problembären« Bruno könnte ein neuer bär nach Bayern eingewandert sein. Hoffentlich hält er sich an die regeln.

Montag, 8. Juli 2019

Freitag, 5. Juli 2019

Journalisten fragen - leser antworten

BLÖD fragt: »Sind wir zu blöd zum löschen?«
Mechthild antwortet: Ja, ihr seid zu blöd zum löschen. Brandstifter wie die der Springerpresse waren als feuerwehr schon immer säglich ungeeignet.

Donnerstag, 4. Juli 2019

EU - posten vertauschen

Frau Rackete droht eine haftstrafe, weil sie menschen gerettet hat, frau von der Leyen soll an die spitze der EU, weil sie schon immer gern über leichen ging. Da gibts nichts mehr zu sagen.

Montag, 1. Juli 2019

Foto am montag (372)

Drei kleine haubentaucher (podiceps cristatus)

Dienstag, 25. Juni 2019

Burger vegan

Ich gebe zu, ich habe mich in der vergangenen woche gewaltig geirrt. Burger war schon immer vegan.

Es enthält roggenvollkornmehl, gerstenmalzmehl und salz. Wie konnte mir das nur entgehen? In sofern spricht relativ wenig gegen vegane lebensmittel. Kann man sehr gut verknuspern.

Montag, 24. Juni 2019

Foto am montag (371)

Nichts für arachnophobiker: ein spinnennest
Wahrscheinlich handelt es sich um hauswinkelspinnen (tegenaria domestica), aber sie sind ja noch so klein.

Sonntag, 23. Juni 2019

Bier trinken gegen nazis

Im Sächsischen Ostritz haben bürger aus protest gegen das rechtsextreme Schild-und-Schwert-Festival 100 kästen bier aufgekauft, damit die nazis nichts zu saufen kriegen. 

Das ist ein heldenhafter einsatz gegen rechts, der mich gleich an die »Licherkette« erinnerte:

Freitag, 21. Juni 2019

Mittsommerrätsel

Weil heute sommeranfang ist, gibt es heute ein insektenrätsel, dessen auflösung ich selbst leider nicht weiß. Die frage ist, was ist das für ein tier?
Es ist ungefähr so groß wie eine große erdhummel, brummt wie eine hummel, sucht die gleichen blühpflanzen auf wie eine hummel, ist aber mit sicherheit keine hummel, denn hummeln bilden staaten, man sieht sie eigentlich selten bloß einzeln. Dies war aber das einzige insekt dieser art, das ich gesehen habe.
Tut mir leid, daß die bildqualität nicht besser ist. Sind bloß händyfotos und man erkennt leider nur ansatzweise, daß das insekt einfach herrlich metallisch blau in der sonne glänzte. Es ist typisch, da bin ich ein mal zu faul, die fotoausrüstung mit zu schleppen und schon entdecke ich etwas interessantes, das ich noch nie gesehen habe.

Hat irgendjemand eine ahnung, was das ist?

Donnerstag, 20. Juni 2019

Karneval und Süßwaren

Manchmal ist Google Maps sogar recht lustig. Anfang der woche war die AfD Neukölln dort als karnevalsverein gelistet und der homöopathiehersteller Hevert als süßwarenladen.

Leider ist das schon wieder geändert, die verstehen halt keinen spaß. Aber es gibt noch bildschirmfotos davon.

Mittwoch, 19. Juni 2019

Falafel, burger, klopse, bekloppte

Zur abwechslung mal wieder das leidige thema, wie man vegetarische bzw. vegane fleischersatzprodukte vernünftig benennen könnte.
»Er riecht wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch und sieht auch ein bisschen so aus. Doch der Beyond-Meat-Burger besteht hauptsächlich aus Wasser, Erbsenproteinen und Pflanzenölen. Obwohl es ihn erst seit Kurzem in Deutschland zu kaufen gibt, wird er gehypt wie kaum ein Lebensmittel. Aber wäre das Interesse auch so riesig, wenn er nicht Burger heißen würde, sondern "Erbsen-Öl-Bratling"? Sicher nicht. Burger, das klingt verheißungsvoll, das gönnt man sich. Bratling klingt nach Reformhaus. Wenn das Ziel ist, dass weltweit weniger Fleisch gegessen wird, sollte dieses Ding auch Burger heißen dürfen.«
Wer essen erwerben möchte, das irgendwie etwas mit »lecker« zu tun hat, kauft ohnehin nichts, wo »burger« auf der verpackung steht. »Orange« vom Handelsblatt hat den Beyond Burger getestet und für weder gesund noch nachhaltig befunden. In dem artikel findet man auch eine zutatenliste. Im Deutschen benennt man derartige dinger als »bratling«. Dieses lustbetonte wort entstammt der reaktionären lebensreformbewegung, die die pioniere des vegetarismus in Deutschland waren und die nicht unbedingt als freunde eines ausschweifenden lebens bekannt waren.

Vielleicht sind die orientalen in der begriffsfindung ein bißchen schlauer: bei denen heißen die klopse mit fleisch »köfte« und die ohne fleisch »falafel« (gab am 18. juni 2019 zu ehren ehren des falafel sogar ein googledoodle). Falafel sind nichts anderes als »kichererbsbratlinge«, nur schmecken sie eben besser. Wahrscheinlich, weil sie nicht aus einer ideologie herraus entstanden sind, sondern mutmaßlich von menschen erfunden wurden, die eben gerade keinen verzicht üben wollten, aber leider nichts besseres hatten. Wenn man mal kein fleisch essen mag, findet man häufig in der traditionellen küche christlicher länder gute hinweise, wie man mit einfachen mitteln etwas leckeres kochen kann, denn durch die fastenzeiten waren die leute dort teilzeitvegetarier.

In der Süddeutschen Zeitung hingegen wird beklagt, daß
»[...]"vegane Leberwurst" künftig in so etwas wie "vegane Sojastreichwurst nach Art einer Leberwurst" umbenannt werden [...]«
müsse. Und sowas sei doch absurd.

Nicht minder absurd mutet es an, wenn folgende zubereitungen eines namhaften herstellers beide als »leberwurst« durchgehen sollen. Erstmal die nichtvegetarische variante:
»Schweinefleisch (40%), Schweineleber (30%), Speck, Zwiebeln (9%), Äpfel (6%), Kochsalz, Gewürze, Gewürzextrakte, Glucosesirup, Emulgator: Lecithine, Zucker, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, Konservierungsstoff: Natriumnitrit, Rauch.«
Und dann die vegane variante:
»Trinkwasser, Rapsöl, Erbsenproteinisolat (5%), Ballaststoffe: alpha-Dextrin, Inulin; Schnittlauch (3%), Stärke, Kochsalz, natürliches Aroma, Gewürze, Erbsenfasern, Verdickungsmittel: Methylcellulose, Zucker, Emulgator: Lecithine, Karamell, Farbstoff: Eisenoxid.«
Sie enthalten beide kochsalz, gewürze, zucker und als emulgator lecithine. Und das soll gemeinsamkeit genug sein, um beide als »leberwurst« durchgehen zu lassen? Womöglich bin ich ein bißchen arg konservativ, aber ich bin durchaus der auffassung, daß in leberwurst zumindest leber enthalten sein sollte. Wasser und maschinenöl als hauptzutaten sind doch ein bißchen dürftig. Aber immerhin ist auch noch die sonderwohltat methylcellulose mit drin. Nein, gegen methylcellulose ist wenig einzuwenden. Die kann man gut gebrauchen. Wenn man tapeten an die wand kleben möchte, beispielsweise.
»Zurecht kritisieren nun der Vegetarier- und Veganerverband ProVeg und 16 Hersteller wie Rügenwalder Mühle und Dennree die Leitsätze. Sie sind zwar nicht rechtsverbindlich, ein EU-Gesetz wäre es jedoch schon und der Vorstoß der Parlamentarier im April war zumindest ein erster Schritt in diese Richtung.«
Daß ausgerechnet Rügenwalder Mühle meine auffassung nicht teilt, wundert mich nicht. Ist deren geschäftsziel, billiges zeug möglichst teuer als hippes livestyleprodukt zu vermarkten.

Gegen vegetarischen/veganen brotaufstrich ist im grunde nichts einzuwenden, es gibt durchaus genießbares aus vergleichsweise hochwertigen zutaten, der für nichtvegetarier interessant ist, weil er eben kein fleischimitat ist, sondern einfach etwas anderes ist und nach pilzen, gemüse oder kräutern schmeckt.
»Die fleischlichen Assoziationen im Namen könnten damit sogar dazu beitragen, dass Nicht-Vegetarier öfter zu fleischlosen Alternativen greifen.«
Bei mir zumindest nicht. Es ist betrug, irgendwelches zusammengepanschtes zeug als »leberwurst« oder »schnitzel« zu verkaufen, um dem minderwertigen den anstrich zu geben, es sei etwas höherwertiges. Es kann im grunde nicht im interesse von vegetariern sein, daß die lebensmittelindustrie zusammengepanschtes zeug teuer vermarkten kann, weil sie die namen bereits bekannter produkte verwendet. Im interesse von vegetariern wäre es, wenn diese produkte entsprechend ihrer zutaten günstiger angeboten würden, völlig unabhängig davon, wie man das dann nennt.
»Wenn mehr Fleischesser auf Veggie-Schnitzel umstiegen, wäre das ein Schritt, den enorm wachsenden Fleischkonsum einzudämmen, der Klima und Gesundheit schadet. Den Fleischessern gelüstet es ja nicht danach, dass Tiere sterben - sie wollen den Geschmack von Fleisch. Ob der bei Soja-Hack, Saitan-Salami und Beyond-Meat-Burgern genauso gut ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fleischesser zu einem vegetarischen Schnitzel greift, dürfte sehr viel höher sein, wenn auch Schnitzel draufsteht - und nicht Bratling.«
Klar, Beyond Meat aus Amiland heranzukarren ist klimafreundlicher als einfach einen Brandenburger weidebullen zu verspeisen. Als allesfresser benötigt man kein schnitzel aus seitan. Wenn einem danach der sinn steht, kann man ein richtiges essen.

Beim grillen brauchts keine fleischersatzwürste aus soja, wenn mal weniger fleisch auf den grill soll. Stattdessen benötigt man eher ein bißchen fantasie. Man kann beispielsweise auch vegetarisch gefüllte spitzpaprika oder pilzspießchen grillen. Das mit dem fleischersatzzeug ist die conveniencementalität, daß man eben frißt, was einem die industrie vorsetzt.

Damit wird man das plastmüllproblem und den klimawandel ganz bestimmt in den griff kriegen.

Montag, 17. Juni 2019

Sonntag, 16. Juni 2019

Quatuor pour la fin du temps

Mein kommentar zur oberbürgermeisterstichwahl in Görlitz:



Olivier Messian: »Quartett für das Ende der Zeit«. Komponiert und uraufgeführt 1940/41 im Stammlager VIII-A in Görlitz.

Samstag, 15. Juni 2019

Ersäuft in süßgetränken

Im aktuellen test ist ein artikel über den zuckergehalt in limonadengetränken. In Deutschland enthalten sie weit mehr zucker als in anderen ländern.

Ob eine zuckersteuer allerdings hilfreich ist, wenn dann der zucker durch andere süßungsmittel ersetzt wird, ist fraglich. Diabetikern wird seit einiger zeit empfohlen, anstatt süßstoffen zucker zu essen, nur eben weniger süß, weil süßstoffe wahrscheinlich fettleibigkeit noch eher fördern als zucker.

Ministerin Klöckner glaubt immernoch, daß die industrie schon freiwillig weniger zucker verwenden würde. Mein persönlicher eindruck ist ein anderer. Ich habe eher das gefühl, daß die sogenannten »erfrischungsgetränke« heute wesentlich süßer sind als sie mal waren, weshalb ich dieses zeug schon lange nicht mehr trinke, weil die plörre erheblich zu süß ist - das ist auf den geschmack von kleinen kindern ausgerichtet, für die nichts süß genug schmecken kann.
Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: »Hunderttausende Jahre lang stillte der Mensch seinen Durst mit Wasser, seit einigen Tausend Jahren brüht er sich gelegentlich einen Tee, in jüngerer Zeit auch Kaffee auf. Dann, vor etwas mehr als 100 Jahren, betrat Coca-Cola den Markt und veränderte Trinkgewohnheiten wie Körperformen der Menschen rasant. "Vielleicht liegt es daran, dass der Mensch evolutionär nicht daran gewöhnt ist, Kalorien in flüssiger Form aufzunehmen", sagt Peter von Philipsborn, Wissenschaftler der Pettenkofer School of Public Health an der LMU München.«
Das ist allerdings seltsam. Ich hätte schwören können, daß der mensch ein säugetier ist und somit von geburt an daran gewöhnt ist, kalorien in flüssiger form aufzunehmen. Außerdem gibt es eine jahrtausende alte weinbau- und bierbraukultur - wasser galt lange als übel, weil man sich mit dem wassersaufen allerhand pestilenzen einfangen konnte. Man wußte nicht, daß das von krankheitserregern kommt, die man durch simples abkochen abtöten kann.

Vielleicht wäre es fürs erste hilfreich, wenn es einfach keine werbung mehr für süßgetränke gäbe. Aber auch das wird nicht eintreten, das könnte schließlich die industrie schädigen.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Gefahr durch problemwähler: letztwähler!

Da hat doch glatt jemand den wahlwerbespot der PARTEI mit den »letztwählern« ernstgenommen und fordert, »Rentner gebt das wahlrecht ab!«. Das soll wohl irgendwie »umstürzlerisch« sein, ist aber nicht einmal originell, weil es bloß abgekupfert ist. Und dann auch noch diese merkwürdige verquickung zu den verkehrsunfällen, die angeblich besonders häufig von senilen senioren verursacht würden. Der führerschein auf probe wurde ende der 80er jahre eingeführt, weil über 60jährige zu besonders risikofreudigem fahrstil neigen. Traurige tatsache ist, daß die unter 25jährigen überdurchschnittlich häufig verunglücken und nicht, weil sie von rasenden wackelgreisen überfahren werden.

Johanna Roth:»Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend«
Ja. Außerdem brauchen wir darmgrippe, fußpilz und pickel. Unbedingt.
Johanna Roth: »Anderer Leben gefährden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gefährden. Am Sonntagabend, als die Europawahl-Hochrechnungen kamen, zeigte sich: Unter 60 wurde hierzulande mit Blick auf die Straße gewählt, über 60 mit Blick in den Rückspiegel.«
Auch für unter sechzigjährige kann sowohl beim autofahren als auch beim wählen ein blick in den rückspiegel lebensrettend sein.

Interessant ist überdies, daß in dem text  der begriff über sechzigjährige mit rentner gleichgesetzt wird. Das kind hat offensichtlich noch nicht begriffen, daß die derzeitige regelaltersgrenze für die rente derzeit bei knapp 66 jahren liegt und bis zum jahr 2031 auf 67 jahre angehoben wird, sofern bis dahin nicht die rente ab 90 eingeführt wurde.
Johanna Roth:»Anderer Leben gefährden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gefährden. Am Sonntagabend, als die Europawahl-Hochrechnungen kamen, zeigte sich: Unter 60 wurde hierzulande mit Blick auf die Straße gewählt, über 60 mit Blick in den Rückspiegel. Die Zustimmung für die Grünen – die bei den unter 60-Jährigen vorne lagen und bei den Erstwähler*innen so viele Stimmen holten wie Union und SPD zusammen [...]«
Erstwählersterncheninnen sind für gewöhnlich unter 25 jahre alt. Somit können sie sich im jahr 2019 kaum daran erinnern, was in der zeit von 1998 bis 2005 politisch los gewesen ist - und schon gar nicht daran, was vorher war.
Johanna Roth:»Wer jung ist, wählt die Grünen, weil er*sie ein Bewusstsein für den Klimawandel überhaupt nur bei diesen sieht. Weil er*sie weiß, was auf dem Spiel steht. Und vor allem: Weil er*sie selbst davon betroffen ist.«
Zwar habe ich keine ahnung wer Ersternchensie ist, aber sie hat offenbar nicht begriffen, daß das problem des klimawandels schon recht lange bekannt ist und auch schon in den 80er jahren darüber diskutiert wurde, was man dagegen tun kann. Die GRÜNpartei schien dafür bewußtsein zu haben, als sie jedoch mitregieren durfte, war jede sauerei in ordnung, sie wurde von der GRÜNpartei mitgetragen. Ein pöstchen bei RWE, EnBW oder BMW oder so ist eben doch mehr wert als das bißchen umwelt, das vor die hunde geht.

Einer partei, die es für unmöglich hält, flugreisen auf drei stück pro nase und jahr einzuschränken, muß man selbstverständlich ein bewußtsein für den klimawandel unterstellen. Und zwar dafür, wie man den noch schneller hinbekommen kann.
Johanna Roth:»Liebe Mitwählende über 60, wir unter 30 hätten ja auch gerne was von diesem Wohlstand, nicht zuletzt weil wir schon jetzt ärmer sind, als unsere Elterngeneration es je war, uns von Befristung zu Befristung hangeln und eigentlich nie so richtig freihaben, weil wir unsere Wochenenden damit verbringen, die letzte noch bezahlbare Wohnung zu finden.«
Aha. Es geht also gar nicht ums klima, sondern um wohlstand. Hätte ich mir auch denken können.
Johanna Roth:»Leider habt ihr uns aber nicht nur eine prekäre Arbeitswelt hinterlassen«
Die prekäre arbeitswelt ist plötzlich vom himmel gefallen, weil die wähler, die heute über 60 sind (ein glück, daß ich zu denen noch lange nicht gehöre, deshalb habe ich damit nichts zu tun!) dafür gebetet haben, daß bitte, bitte schluß sein möge mit dem wohlstand in dieser welt, und daß es allen menschen späterer generationen schlechter gehen möge.

Es könnte aber auch sein, daß die prekäre arbeitswelt von der regierung so eingerichtet wurde. Der anfangsvorschlag von Peter Hartz war damals, jedem langzeitarbeitslosen 500€ plus warmmiete zu geben, dafür aber zu erwarten, daß die leute an fortbildungen teilnehmen und angebotene arbeitsstellen annehmen und gegebenenfalls, was es vorher auch schon gab, unwilligen das geld zu kürzen. Die GRÜNPARTEI hingegen wollte lieber einen schritt in richtung beschissenes grundeinkommen gehen, weshalb sie es als realistisch ansahen, den regelsatz für langzeitarbeitslose möglichst niedrig anzusetzen. Und dann haben sie mit den Sozen auf den schönen kompromiß des niedrigen regelsatzes bei vollem arbeitszwang und aufweichung des schutzes für arbeitnehmer gemacht.
Johanna Roth:»sondern auch den Planeten zugemüllt mit Kohlekraftwerken und Plastiktüten. Und ihr wollt über unsere Zukunft bestimmen?«
Bevor die GRÜNsternchenInnenpartei mitregiert hat, gab es bei vielen menschen mehr umweltbewußtsein als heute. Da war relativ klar, daß flugreisen, autos, plastikmüll, einwegflaschen schlicht und ergreifend nicht umweltfreundlich sind. Die GRÜNpartei hat keine umweltfreundlichere politik gemacht, sondern hat kapitalismusfreundliche geschäftsmodelle mit durchgedrückt.

Sowas wählt man gern nochmal.

Montag, 10. Juni 2019

Samstag, 8. Juni 2019

Fernreisen durch ganz Deutschland

Leider wurde heute zum letzten mal das »Schöne-Wochenend-Ticket« der Deutschen Bahn verkauft. Wirklich billig war es in den letzten jahren nicht mehr so richtig. Bei seiner einführung mitte der 90er jahre hingegen schon.

Vorhin las ich den artikel in der Wikipedia über das Wochenendticket, das im grunde für ausflügler gedacht war und amüsierte mich über den satz »Tatsächlich nutzten aber unerwartet viele Fahrgäste das neue Ticket auch für Fernreisen durch ganz Deutschland.«

Das wäre dem weltklima ganz gewiß zugute gekommen, wenn mehr Deutsche ihre fernreisen auf Deutschland oder grenznah eingeschränkt hätten.

Freitag, 7. Juni 2019

Elektroautos nicht umweltfreundlich

Wer hätte das nur ahnen können?

Gute doku über elektromobilität, die den wahn zeigt, jetzt die falsche verkehrspolitik der letzten 70 jahre einfach mit elektroautos fortzusetzen.

Harald Lesch:»In Deutschland ist politik vor allem wirtschaftpolitik. Und da werden alle möglichen menschlichen tragödien, umweltkatastrophen irgendwelche einschränkungen, die wo anders stattfinden, die werden einfach weggedrückt.«
Es stimmt, wenn prof. Lesch sagt, daß Deutsche politik vor allem wirtschaftspolitik ist. Nur leider geht das eben auch nicht anders, wenn alles leben der wirtschaft untergeordnet ist. Hier geht es nicht darum zu wirtschaften, damit am schluß so etwas wie ein lebenswertes leben für alle herauskommt, sondern hier wird gewirtschaftet, damit die kapitalvermehrung für eine winzige oberschicht funktioniert.

Noch mal zur erinnerung »Das Schweigen der Quandts«  - für die und ihresgleichen wird hier politik gemacht. Für den rest der leute eher nicht.

Das muß man sich mal reinziehen: pro kilowattstunde batterieleistung werden in der produktion zwischen 100 und 200 kg CO2 freigesetzt und es werden natürlich leistungsstarke autos mit mehr als 100 kW gebaut, weil man mit denen besser kasse machen kann. Das ist alles andere als umweltschonend. Das gibt es jetzt trotzdem, weil sich so wunderbar geld damit verdienen läßt.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Lügengeschichte als bodenbelag

Als ich letztens im Deutschlandfunk hörte, daß sie einer hochstaplerin aufgesessen seien, die behauptet hatte, daß sie mit 19 in Indien in einer klinik sexualaufklärung gemacht hat, erinnerte ich mich recht schnell an diesen beitrag aus Der Zeit, von dem ich damals dachte, ich muß nicht jeden mist glauben, nur weil er in der zeitung steht.

Was hat mich damals skeptisch gemacht? Beispielsweise dieser absatz:
»...nach Indien. Vor zehn Jahren wollte ich wie viele 19-Jährige die Welt retten und so gründeten mein bester Freund und ich eine kleine Klinik in einem großen Slum von Neu-Delhi. Eine meiner ersten Patientinnen...«
Darf in Indien jeder aufschneider einfach eine klinik gründen und dort patienten behandeln, ganz ohne medizinstudium? Ist doch ein bißchen dick aufgetragen, wenn jemand behauptet mit 19 dafür qualifiziert gewesen zu sein, oder nicht? Klar, es gibt auch hochbegabte. Berlins jüngste zahnärztin, um ein beispiel zu nennen, hat ihr  examen mit 22 gemacht. Dafür benötigt man ungefähr genau so lange wie für ein allgemeines medizinstudium.

Der text ist von 2017, das heißt, daß die autorin ihren eigenen angaben zufolge, ca. 1988 geboren sein dürfte. Bedeutet, daß ihre omma, von der im weiteren text die rede ist, jahrgang 1922, bei ihrer aufklärung ungefähr im jahr 2001 bereits 89 jahre alt war und als sie sie mit 19 um rat fragte, 95. Gut, rüstige omma. Aber wenn die mutter doch ärztin ist und die omma ohne rot zu werden über sex reden konnte, warum ist sie dann erst mit 13 aufgeklärt worden? Das ist reichlich spät. Gab es keinen biologieunterricht? Das ist nicht übermäßig glaubwürdig.

Der text hat abgrundtiefe logische löcher. Warum ist mir das aufgefallen, der zuständigen redaktion aber nicht? Lesen und denken die nicht?

Der Zeitredaktion würde ich zurufen wollen: die ist so grandios echt, wie Ihr sie wolltet.

Es spricht überhaupt nichts gegen erfundene geschichten. Entspricht alles der wahrheit, was Wenedikt Jerofejef in seinem poem »Die Reise Petuschki« erzählte? Sehr guter Sowjetischer säuferroman, wahrscheinlich teils authentisch und teils frei erfunden. Karl May wurde beschimpft, weil seine erfundene geschichten als »reiseberichte« gelesen wurden.

Es geht nicht in ordnung, literarische geschichten, also erfundene, als »journalismus« zu verkaufen. Ebensowenig wie sich in sein alter ego dermaßen reinzusteigern, die erfundene jüdische verwandtschaft dann auch noch in der gedenkstätte Yad Vashem einzuschleusen. Aber Hingst den »Goldenen Blogger« aberkennen, weil ihre geschichten erfunden waren? Ich kenne das blog »Read on my dear, read on« nicht und kann die qualität der texte dort nicht beurteilen. Hat sie den preis nun für ihre schreibe oder für ihre angebliche Jüdischkeit bekommen?

Leider kenne ich nur diesen einen text von ihr (oben verlinkt), den fand ich unplausibel aber doch zumindest amüsant.

Dienstag, 4. Juni 2019

Diskriminierung! Unmöglich! Tamponsteuer

Wegen einer petition muß sich der Deutsche Bundestag nun mit einer steuer befassen, die es gar nicht gibt: »tamponsteuer«. Gemeint ist hier der normalmehrwertsteuersatz von 19%. Das sei systematische geschlechtsbezogene diskriminierung. Schließlich sei es kein luxus zu menstruieren und es stimmt sogar auffallend, daß frauen das müssen ob sie wollen oder nicht. Aber bartwuchs sucht sich auch niemand aus. Oder inkontinenz oder hyperhidrose.

Gerechterweise werden in diesem fall allerdings alle geschlechter inklusive der schwulen gleichermaßen diskriminiert. Denn hierzulande sind es nicht allein hygieneartikel, die von frauen benötigt werden, die zum normalmehrwertsteuersatz besteuert werden, sondern grundsätzlich alle hygieneartikel. Selbst banales zeug wie klopapier.

Die mehrwertsteuersätze von 19% und 7% haben nichts mit »luxus« und »dem, was man zum leben braucht« zu tun, es gibt (die merkwürdigen umsatzsteuersätze, die einem begegnen, wenn man sich auf das gebiet der agrarökonomie begibt, lasse ich hier unter den tisch fallen. Die sind für verbraucher eher nicht relevant) eben den vollen steuersatz und den ermäßigten steuersatz. Den ermäßigten satz auf bestimmte eßwaren - längst ausgenommen: sämtliche getränke außer leitungswasser, jedoch inklusive genußmitteln wie tee, kaffee, kakao, sofern es nicht um gesüßte fertigprodukte handelt. Und auf gewisse kulturgüter. Wenn man steuern sparen möchte, kann man schließlich für rückwärtige zwecke die zum ermäßigten steuersatz gekaufte tagespresse einer sinnvollen verwendung zuführen.

Schön ist es, daß ein besonders hippes unternehmen aus süddeutschland die urst angesagte werbeabgetur Scholz & Friends (bekannt für ihre werbestrategien für die INSM, welche unter anderem für eine »flat tax« eintritt. »Flat tax« finden die ultragerecht, denn es gibt einen steuersatz auf alles. Und damit würden nicht nur die tatsächlich armen ein problem bekommen, weil der preis für grundnahrungsmittel deutlich steigen würde, sondern auch einen großteil der relativ wohlhabenden, die glauben, daß das gut wäre, weil sie vergessen, daß dann auch ihre miete besteuert wird und sie keinerlei vorteil davon hätten. Ganz im gegenteil. Ende der randbemerkung.) anheuerte, um ein marketingkonzept für ihre überteuerten produkte zu erfinden.

Ein schmuckes buch zum ermäßigten steuersatz über die menstruation. Sowas braucht die tamponsuchende ganz gewiß, denn immerhin liegen 15 tampons bei. Zum ermäßigten steuersatz kosten auf diesem wege die 15 tampons schlappe 3€11.

Zum regelmehrwertsteuersatz bezahlt man im ganz normalen supermarkt für ein päck tampons aktuell 2€55 (incl. MwSt. 19%), allerdings enthält es anstatt 15 auch bloß 80 stück.

Das ist diskriminierung. Die halten ihr zielpublikum definitiv für doof.

Montag, 3. Juni 2019

Mittwoch, 29. Mai 2019

Foto am montag (367)

Das foto am späten mittwochabend:
Rauchschwalbe (hirundo rustica)

Sonntag, 26. Mai 2019

Die PARTEI hat die wahl gewonnen

Kann irgendwer sonst von sich behaupten, das ergebnis vom letzten mal vervierfacht zu haben? Da muß man doch mal ein glas sekt aufmachen, wie Edmund Stoiber nach der verkackten wahl 2002 sagte.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Gefahr durch problemwähler: briefwähler

An sich hatte ich mir vor etlichen jahren vorgenommen, mich vom demokratiezirkus ins lager der nichtwähler zu verabschieden, weil es schließlich auch das berühmte »kleinere übel« zu verschmähen gilt. Seit es aber die option gibt die partei »die PARTEI« zu wählen, habe ich normalerweise briefwahl beantragt. Damit die wahl dann nicht am inneren schweinehund scheitert: bei regenwetter geht man sonntags besser nicht vor die tür und bei schönem wetter wird der sonntagsausflug lieber ohne umweg über das wahllokal angetreten, so ein wahllokal ist schließlich keine freibierhalle. Also wahlunterlagen nach hause schicken lassen, in ruhe den wahlzettel lesen,
fast einen meter lang, der wahlzettel
die PARTEI ankreuzen, die wahlunterlagen ordnungsgemäß in die briefumschläge packen, zu beliebiger zeit vor dem wahlsonntag einen spaziergang zum zuständigen rathaus machen, den briefumschlag dort in den briefkasten werfen und fertig.

Insgesamt geht der trend hin zur briefwahl, außer mir haben das für die Europawahl fast eine halbe million Berliner getan.

Aber diese form der teilnahme an der wahl ist offensichtlich nicht jedem recht.
Bundeswahlleiter Georg Thiel, der politologe Everhard Holtmann von der Universität Halle-Wittenberg und der staatsrechtler Alexander Thiele von der Uni Göttingen sehen probleme.

Der abstimmungszeitraum würde damit auf mehrere wochen ausgedehnt, briefwähler könnten aktuelle ereignisse nicht bei der wahlentscheidung berücksichtigen und außerdem erfordere es das prinzip der gleichheit der wahl, daß die wahlberechtigten über die gleichen informationen verfügten. Seit wann wird bei der wahl darüber nachgedacht, über welche informationen die wähler verfügen? Wurden wähler je vor der wahl abgefragt, ob sie die programme der wählbaren parteien alle gelesen und verstanden haben? Gilt es als manipulation, daß ich potentiellen AfDwählern das AfDwahlprogramm erklärte und sie danach nicht mehr AfD wählen wollten?

Außerdem sei nicht zu sehen, ob der wähler seine stimme selbst abgegeben habe oder womöglich bestochen worden sei.

Als meine wahlunterlagen eintrudelten blieben leider auch diesmal die politiker aus, die mir für meine wahlstimme eine Wannseevilla, ein gut dotiertes pöstchen mit sehr wenig arbeit oder wenigstens freibier angeboten hätten. Schade eigentlich.

Dienstag, 21. Mai 2019

Freitag, 17. Mai 2019

Deutsches alphabet!

Neulich gings beim Spiegel mal wieder um analphabethismus. Und um eine arme frau aus Griechenland, die nur zwei jahre zur ſchule gegangen iſt, weil ſie bereits mit dreizehn jahren als dienſtmädchen hat arbeiten müſſen und deshalb auch in ihrer mutterſprache nicht richtig alphabetiſiert war. Und dann ließ er nicht lange auf ſich warten, der ſcheinbar unvermeidbare fehler:
Zitat Spiegel-online: »Hätte Gotter in ihrer Mutterſprache leſen und ſchreiben gekonnt, hätte ſie das vielleicht auch auf Deutſch gelernt. Denn es liegt in der Regel nicht allein an der fremden Herkunftsſprache, wenn Menschen ſich mit dem deutſchen Alphabet ſchwertun.«
Merken dieſe hirnies bei Spiegel-online nicht, daß ſie ſelbst überhaupt kein Deutſches alphabet, ſondern
   lateinische schrift    verwenden?

Vermutlich tut ſich die mehrheit der nach 1942 eingeſchulten Deutſchen mit dem Deutſchen alphabet ſchwer, weil es ſeit dem nicht mehr gelehrt wird. Leſen mag ſchon noch gehen. Aber ſelbst von hand ſchreiben oder zum bloggen benutzen? Da bekam ich natürlich gleich luſt, ein wenig zu ſpielen und mein blog ſpaßeshalber mal auf Deutſche ſchrift umzuſtellen. Ich mußte tatsächlich ungefähr ganze zwei minuten drüber nachdenken, wie das geht. Bleibt jetzt für immer ſo, wo ich mir ſchon mal die mühe gemacht habe.

Iſt zwar unpraktiſch und ſchlecht lesbar, weil man gern die buchſtaben »ſ«, »f«, »l«, »t« und »k« verwechſelt. Den buchſtaben »ſ« kennen viele nicht einmal mehr, weil er ſchon lange verſchwunden ist, ausgeſtorbener buchſtabe ſozusagen. Das macht aber nichts. Alles funktionale analphabeten, dieſe
Deutſchen, die ihre eigene ſchrift nicht leſen
und ſchreiben können. Demnächſt dann aber
doch lieber weiter in »richtiger« ſchrift, alſo
  lateinischen   buchſtaben.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Im Sparadies der Frisöre

»Es tat so weh. Ein messer trennte mir den bauch auf. Ich schrie vor schmerzen, verstarb, verließ die irdische hölle und erwachte wo? Genau. Im sparadies, wo man ›haarvanagila‹ sang. Und das ist nicht an den haaren hairbeigezogen.«

Wiglaf Droste (27. juni 1961 – 15. mai 2019)



Hoffentlich ist ihm wenigstens das erspart geblieben.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Importglück in der ostzone

Meine erste banane. Importware aus Hessisch Sibirien.

Montag, 13. Mai 2019

Foto am montag (365)

Mal etwas anderes: vögel aus der vogelperspektive:
Stadtspatzen (passer domesticus)

Freitag, 10. Mai 2019

Danke h4tv!

Wenn man auf »bento« liest, liegt es in der natur der sache, eher keine intelektuellen höhenflüge zu erwarten. Aber selbst dort ist es möglich, daß sie sich selbst noch unterbieten. Das hat letzens Thembi Wolf geschafft, als sie schrieb, daß sie dem »Hartz-IV-TV« dankbar sei, weil dort angeblich armut dargestellt würde, wie sie tatsächlich ist. Es ging um eine fotoausstellung mit bildern aus RTL2produktionen.
Zitat Thembi Wolf: »"Es sind nüchterne Bilder, die nicht beschönigen, den Protagonisten aber auch nicht die Würde nehmen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" dazu. Der Artikel heißt: "Armut an den Wänden, Sekt in den Gläsern". Ich verschlucke mich fast. Was soll das heißen – trinken arme Menschen keinen Sekt?«
Was heißt trinken? Arme menschen baden allmorgentlich in schampus, weshalb abends dann immer das geld nicht mehr reicht für bier und schnittchen. Das mit der »würde« ist tatsächlich ein seltsames konstrukt, das aber rein gar nichts damit zu tun hat, ob man sekt trinkt oder nicht, sondern wie man in der öffentlichkeit dargestellt und wahrgenommen wird.
Zitat Thembi Wolf: »Zuerst einmal ist Armut nichts Diffuses. Armut bedeutet, dass das Geld nicht reicht.«
Blödsinn. Ist der sehr-gut-verdiener, der etliche fernreisen im jahr macht, schnieke kleidung trägt, ein dickes auto fährt, seine kohle verpraßt und chronisch pleite ist, weil er auf zu großem fuß lebt, vielleicht arm? Ist der h4empfänger der mit seinem geld einigermaßen über die runden kommt, weil er seine bedürfnisse seinen einkomensverhältnissen angepaßt hat und ein äußerst bescheidenes leben führt deshalb reich, weil er mit seiner knete über den monat kommt?

Und dann kommt frau Wolf darauf, daß ihre lebensrealität in den Amerikanischen serien ihrer kindheit nicht vorkam, weil dort die erwachsenen zur arbeit gingen, was bei ihr zu hause eher nicht der fall gewesen sei.
Zitat Thembi Wolf: »Niemand saß regelmäßig von 9 bis 5 Uhr in einem Büro.«
Warum nur? Womöglich, weil das in Deutschland eine eher unübliche arbeitszeit ist? Hierzulande wird man oft genötigt, bereits um 7 uhr anzufangen und von regelmäßigkeit können viele nur träumen - flexibilität ist gefragt. Außerdem gibt es tatsächlich auch berufe, die nicht im büro ausgeübt werden.
Zitat Thembi Wolf: »Dass auch meine Welt existiert, bestätigte mir nicht das Nachmittagsprogramm auf Vox, sondern das auf RTL2.«
Amerikanische serien geben nicht vor, die lebensverhältnisse in Deutschland abzubilden. Außerdem ist es eine komische vorstellung, sich die existenz der eigenen lebenswelt durch das schrottprogramm im Deutschen privatfernsehen bestätigen lassen zu müssen.

Allerdings schreibt Thembi Wolf, daß sie eine reformschule besucht und ein musikinstrument gelernt habe. Wie viele figuren aus dem »unterschicht-tv« leisten sich privatschulen und musikunterricht?
Zitat Thembi Wolf: »Die TV-Formate heißen heute anders – "Hartz" ist in vielen Titeln – das Prinzip ist geblieben. In "Armes Deutschland" werden pro Folge drei oder vier Deutsche begleitet, die nicht viel Geld haben.«
Bei »Armes Deutschland« werden eben gerade nicht drei oder vier Deutsche mit wenig geld begleitet. Hier wird armut dargestellt, wie sie in den köpfen irgedwelcher drehbuchschreiber windiger produktionsfirmen existiert. Es soll so aussehen, als seien die charaktere alle echt und ihre geschichten quasi vom leben selbst erzählt. Tatsächlich ist alles frei erfunden.

Die unterschiede zwischen dokumentarfilm, doku-soap und »scripted reality« muß man als schreiber bei bento offensichtlich nicht wissen.
Zitat Thembi Wolf: »Sie sind nicht die am Leben scheiternden Schluffis aus den Öffentlich-rechtlichen: schüchtern, grundsympathisch und immer ein bisschen langsam im Kopf. Bemitleidenswert und maximal unschuldig.

Wir sprechen dem Hartz-IV-TV ab, dass es mit Stilmitteln arbeitet. Mit denselben, wie jede Netflixserie: Übertreibung, überzeichneten und fehlbaren Charakteren und einer Dramaturgie. Und wir sprechen denen, die zuschauen, ab, dass sie das wissen.«
Wer soll dieses ominöse »wir« sein, das die stilmittel verleugnet? Es ist doch durchsichtig: die »dramaturgie« ist stets die selbe: es wird der faule h4mensch gezeigt, sich daneben benimmt und kein bock auf arbeit hat. Als gegenpart kommt der workingpoor hinzu, der mindestens 35 stunden pro tag arbeitet, sich den ganzen arsch aufreißt, um seine familie zu ernähren. Für den preis, daß er seine kinder leider vernachläßigen muß, obwohl er so gern mehr zeit mehr für sie hätte.

Das konnte das öffentlich-rechtliche auch schon im jahr 2012 relativ gut als der etwas verquere esoteriker Ralph Boes in der Maischbergertalkshow der fleißigen putzfrau Heidi Ralfs gegenübergestellt wurde: auf der einen seite der »faule« hartzer, der bestimmte arbeiten nicht machen möchte und auf der anderen die fleißige, die mit ihrer plackerei auf keinen grünen zweig kommt aber wahnsinnig stolz drauf ist.
Zitat Thembi Wolf: »Aber auch die Annahme, alle Darstellerinnen müssten Opfer eines ausbeuterischen Systems sein, ist ein Stigma.«
Der begriff »armutsporno« des Britischen »Guardian« trifft die angelegenheit ziemlich gut.

Es wird nicht die realität abgebildet. Stattdessen werden die phantasien des drehbuchschreibers und des publikums bedient. Die darsteller haben oft knebelverträge aus denen sie nicht wieder rauskommen und müssen vor der kamera tun, was ihnen vorgegeben wird. Die sagen nicht, was sie denken oder fühlen, sondern müssen etwas darstellen, was sie überhaupt nicht sind. So etwas kann durchaus spaß machen, ansonsten würde vermutlich niemand schauspieler werden wollen - ich habe mal eine kleine, aber gemeine nebenrolle in einem hörspiel gesprochen und habe durchaus gern die fieslingin gespielt. Das unredliche an diesen angeblichen »dokus« ist, daß sie ebenso »wahr« sind wie sämtliche seifenopern der welt, vom publikum aber größtenteils nicht als fiktion, sondern als realität wahrgenommen werden. Tatsächlich ist die realität von langzeitarbeitslosen oft unspektakulär, weil sie einfach versuchen, mit dem wenigen geld, das sie haben ein möglichst normales leben zu führen. So daß sie, wenn man realitätsnah davon berichten wollte, beim sensationsheischenden RTL2publikum keinerlei quote brächten.

Über Christian und Nathalie, die die »asozialen« in »Armes Deutschland« geben, schreibt Thembi Wolf:
Zitat Thembi Wolf: »Selbst in der Geschichte vom "Ich nehme lieber Hartz IV"-Christian und der rauchenden, schwangeren Natalie steckt diese Nuance. Was schuldet Christian der Gesellschaft? Ist es okay, nicht zu arbeiten? Ist es okay, Arbeit abzulehnen, weil er sich mehr wert ist als den 500-Euro-Job seines besten Kumpels?

Und da ist der Umgang mit dem Stigma der Armut. Studien sagen, Armut führt zu schlechterer Gesundheitsvorsorge. Zu wissen, was gesund ist, ist eine Frage der Bildung. Darf Natalie in der Schwangerschaft rauchen? Wer mal mit Kippe und Kinderwagen unterwegs war, kennt die urteilenden Blicke. Aber solche gesellschaftliche Ächtung prallt an Natalie vielleicht ab.«

Wie sich Christian und Nathalie im richtigen leben verhalten, wird das publikum nicht erfahren. Sie sind, wie schon gesagt, figuren in einer »scripted-reality-show«, die vor der kamera sagen, was sie sollen. Und es geht nicht darum, mal drüber nachzudenken, daß es schon in ordnung ginge, schlecht bezahlt arbeit nicht anzunehmen. Weiter oben wird scheinheilig gefragt:
Zitat Thembi Wolf: »Er will nicht arbeiten, selbst Schuld an der Armut. Schürt das nicht Vorurteile gegen Arbeitslose? Stigmatisiert sie?«
Was denn sonst?
Zitat Thembi Wolf: »Wir verkennen, dass die Hartz-IV-TV-Sendungen hochpolitisch sind.«
Und da ist es schon wieder, dieses »wir« in das man ungefragt eingemeindet wird, auch wenn man es völlig anders sieht.

Natürlich sind diese sendungen hochpolitisch. Es geht darum, die gruppe der arbeitslosen - und speziell der langzeitarbeitslosen - zu diskreditieren.

Zwar ist es in einer konkurrenzgesellschaft zwangsläufig, daß es konkurrenzverlierer gibt. Aber die konkurrenzverlierer sind nach den darstellungen des h4tv grundsätzlich selber schuld. Weil eben dumm, faul, träge und viel zu unmotiviert für den tollen erfolg in der lohnarbeit.

Verachtung gegenüber ärmeren oder weniger leistungsfähigen menschen hat es in dieser gesellschaft schon immer gegeben, seit es diese von Thembi Wolf gelobten formate im fernsehen gibt, hat sich der ton allerdings wesentlich verschärft.
Zitat Thembi Wolf: »Der Wunsch nach "würdevollen" Bildern von Armut war für mich deshalb immer verlogen. Denn es ist nicht das Bedürfnis der Betroffenen – sondern derer, die von außen auf sie blicken und sich ihrer Vorteile und Vorurteile schämen.«
Ja, natürlich ist es verlogen, »würdevolle« bilder von armut zu wünschen. Daß das etwas mit vor- oder vorurteilen oder scham zu tun hätte, ist jedoch auch wieder ein vorurteil. Vielleicht wäre es auch möglich und wesentlich vernünftiger, die abschaffung von armut zu verlangen, statt ihre würdelose darstellung zu bejubeln.

Zitat Thembi Wolf: »Das weiß ich, seit ich klein war und unter Menschen lebte, die meinen 2,90-Latte für die ultimative Dekadenz halten würden.«
Schlechte grammatik. Die 2,90 latte ist in diesem fall offensichtlich kein kaffehaltiges milchschaumgetränk im hochglas, sondern eher ein brett, das an bestimmter stelle sitzt.

Nö, da gibt’s nichts zu danken!

Der dübel ist schuld

Nein, nicht Deutschlands angeblich »frechster arbeitsloser«, sondern dieses ding, das man benötigt, wenn man beispielsweise irgendwas an einer betonwand oder wie in diesem fall kalksandsteinwand festschrauben will.

Nachrichten vom klima- und anwohnerfreundlichsten flughafen der welt. Diesmal geht es um lockere dübel, die den brandschutzbestimmungen nicht entsprechen. Wenn da mal nicht auch ’ne schraube locker ist.

Vielleicht wäre es aber so verkehrt nicht, wenn Berlin für touristen nicht mehr so gut erreichbar wäre. Und ein paar extrastartbahnen für feldlerchen sind auch eine gute sache.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Dialog Imaginär 3


Georg Katzer ( 10. Januar 1935 bis 7. Mai 2019)



Nachtrag: zum tode Georg Katzers im Tagesspiegel - immer gesprächsbereit

Mittwoch, 8. Mai 2019

Was ich vor jahren schon sagte...


Zum tag des sieges über den deutschen faschismus wird am 9. mai in Berlin im Treptower Park (Rosengarten, nahe des Sowjetischen Ehrenmals) gefeiert. Ich freue mich auf ein »klassisches« konzert und nette menschen. Das foto ist ausnahmsweise nicht selbst gemacht, sondern wurde mir von einer aufmerksamen leserin zugesandt. Vielen dank!

Montag, 6. Mai 2019

Foto am montag (364)

Tatsächlich noch nicht ausgestorben:
Biene

Mittwoch, 1. Mai 2019

Blutmai

Bildquelle: AdsD D. FES

Historisches foto vom 1. mai 1929 aus der Kösliner Straße.

In der Jungen Welt vom 29. april war ein guter artikel über den 1. mai 1929 in Berlin.

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Leider habe ich heute wieder die MyGruni-Demo im elendsbezirk Grunewald verpennt (für Nichtberliner: Grunewald ist eins dieser sozial ausgegrenzten villenviertel). Aber der rbb hat darüber berichtet.

Traurig finde ich in dem video den anwohner, der sich darüber beklagt, daß der feiertag für ihn blockiert sei, weil er mit dem auto weder rein- noch rausfahren kann und deshalb zuhause sitzen muß, aber bekundet, daß das demonstrationsrecht und die meinungsfreiheit vorgingen und er sich dem fügen müsse. Wer hat ihn daran gehindert, sein auto vor der demo irgendwo abzustellen, wo er es problemlos ausparken kann? Kann der arme mann die 7€ für die ÖPNVtageskarte nicht berappen (bzw. 7€70 für Berlin+Umland), weil die miete in Grunewald zu teuer ist, so daß er feiertagsausflug ins jrüne ersatzlos ausfallen muß?

Angesichts solcher not kann man sich im grunde nur niedergeschlagen fühlen. Aber das zeigt eben auch, daß diese demo notwendig ist.

Montag, 29. April 2019

Foto am montag (363)

Meine neue nachbarin hegt die finstersten bebrütungsabsichten:
Ringeltaube (columba palumbus)

Sonntag, 28. April 2019

Für Europa reichts

Martin Sonneborn im interview mit Sputnik Deutschland:

Donnerstag, 25. April 2019

Fliegen für den klimaschutz

Im vorletzten jahrzehnt des vergangenen jahrtausends war es erstaunlicher weise bereits bekannt, daß autofahren nicht unbedingt förderlich für die umwelt ist. Und fliegen war als die größte umweltsauerei schlechthin bekannt. Aber seit dem die GrünInnen- äh - ich meine natürlich die GrünsterncheninnenPartei mal sieben jahre mitregieren durften und der Jockel Fischer (z.b.) erst außenminister und dann beratende tätigkeit u.a. bei BMW und RWE übernehmen durfte, ist natürlich alles vom auto über flugmeilen bis hin zum kohle- und atomstrom sauber. Allein die landwirtschaft macht dreck und verseucht die umwelt.

Heute gilt es bei den Grünsterncheninnen schon geradezu als revolutionär, wenn einer vorschlägt, daß jeder zertifikate für »nur« drei flüge im leben pro jahr erhalten soll und wer mehr fliegen will zertifikate von nicht- oder wenigfliegern kaufen muß. Das gab natürlich einen aufschrei, vor allem in der eigenen partei, denn schließlich darf man eine wachstumsbranche wie den reise- bzw. flugmarkt nicht künstlich verteuern. Damit, das reisen mit der bahn künstlich zu verteuern, hatten die figuren von der GrünPartei definitiv kein problem: als sie 1999 die ökosteuer einführten, was es klar, daß die luftfahrt ausgeklammert wird. Die bahn hingegen muß ökosteuer zahlen und im fernverkehr auch den vollen mehrwertsteuersatz, der für flugreisen komplett wegfällt. Das bahnfahren wurde während der regierungszeit der Grünsterncheninnen massiv teurer während das billigfliegen in mode kam. Spritsparende autos, ein tempolimit oder weniger fliegen sind seither eher selten ein thema.

Drei willkürliche beispiele: Katharina Schulze, spitzenkandidatin der GrünPartei im landtagswahlkampf in Bayern jettet mal eben über sylvester und neujahr nach Kalifornien, um dort emissionsfrei ohne den feinstaub der Deutschen privatböllerei das neue jahr zu begrüßen. Die grüne Roth, die über Bangladesch und Kiribati auf die Fidschi-Inseln flog. Geradezu als könne Kiribati nicht von allein untergehen, wenn nicht wenigstens Claudia Roth einmal dort gewesen ist, um dort ganz betroffen aus der wäsche zu gucken. Oder Luisa Neubauer, gesicht der Fridays for Future und ebenfalls mitgliedIn der GrünsterncheninnenPartei. Die hat flugmeilen auf dem tacho, daß man anfangen könnte zu staunen. Die reihe ließe sich mit Hofreiter, Özdemir und wie sie auch sonst noch alle heißen geradezu endlos fortsetzen. Man kann wohl davon ausgehen, daß die nicht mit einem umweltfreundlichen segelflugzeug über das meer geflogen sind - über dem wasser ist die thermik ganz schlecht. Thermiknutzende vögel, wie beispielsweise störche, bekommen bereits beim überqueren der Straße von Gibraltar probleme. Und die ist an der engsten stelle nur ca. 15 km breit.

Als klimaverträgliches jahresbudget eines menschen gelten 2,3t CO2. Für Schulzes flug wird das budget von knapp 3 jahren, für Roths flug das von rund 5 jahren und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre das budget von etwas mehr als 15 jahren aufgebraucht. Luisa Neubauer hat es offenbar ein bißchen spät begriffen, daß man schlecht ein hipper um-die-welt-jetter und gleichzeitig klimaretter sein kann, weshalb sie anfang februar im interview mit der MoPo sagte, daß sie nicht flöge und sich selbstverständlich vegan ernähre. Verzicht von einzelpersonen und ablaßhandel bringen nicht besonders viel. Wenn man den CO2ausstoß für den durchschnittlich Deutschen fleischverzehr pro jahr zugrunde legt, kommt man flugmeilentechnisch nicht übermäßig weit: nämlich bloß von Hamburg nach Stuttgart und zurück und das würde ich nicht unbedingt als »weltreise« bezeichnen. Für Schulzes flug wären das neunzehneinhalb jahre fleischverzicht, für Roths flug mehr als sechsunddreißig jahre und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre müßte man schon alt werden wie Johannes Heesters, um die flüge durch fleischverzicht wieder gut zu machen - hundertsieben jahre sind schon eine recht lange zeit.

Es ist auch die verkehrte verkehrspolitik der GrünsterncheninnenPartei mit gewesen, die zu dem zustand geführt hat, daß man besagte strecke Hamburg - Stuttgart für unter hundert euro fliegen kann, während man mit der bahn ungefähr vier mal so lange braucht und dafür mehr als das dreifache löhnen darf, sofern man den regulären preis bezahlen muß. Aber zum glück können die freunde der fliegerei darauf aufmerksam machen, daß der luftverkehr bloß 12 % in der weltweiten CO2bilanz ausmache. Das mag stimmen, jedoch nutzen nur 3 % der weltbevölkerung flugzeuge. Es ist der blanke hohn, daß die immer noch als klimafreundliche partei gelten und wegen der »fridays for future« bei wahlumfragen sehr gute ergebnisse erzielen. Kriegsgewinnler.

Montag, 22. April 2019

Foto am montag (362)

Der osterhase mal wieder.
Ich hab’s ja schon immer gewußt, daß der ein alter trunkenbold ist.

Mittwoch, 17. April 2019

Filmtip der woche

Sonneborn in Straßburg:


Der vollständigkeit halber der von ihm erwähnte film in voller länge, leider nur Englisch mit Englischen untertiteln:



Da packt einen auch neun jahre später noch das gruseln.

Dienstag, 16. April 2019

Die große katastrophe


Nachdem schüler freitags streiken, ist bereits das schlimmste eingetreten: fast die hälfte der grundschüler hat eine schlechte handschrift, wodurch zur abwechslung erneut das abendland untergeht. Unglaublich. Diese kinder heutzutage sind einfach die geborenen analphabeten! Wir hätten uns das früher niemals getraut, eine schlechte handschrift zu haben.

Wenigstens erfährt man aus dem artikel, daß es sich bei der studie eigentlich gar nicht um eine studie über die qualität von schülerhandschriften geht, sondern bloß um eine umfrage, bei der die lehrer die situation einschätzen sollten. Das läßt vermuten, daß die ergebnisse der umfrage vor dreißig oder fünfzig jahren wahrscheinlich ähnlich ausgesehen hätten, ich zumindest kann mich nicht erinnern, daß lehrer je zufrieden mit der schreibleistung ihrer schüler gewesen wären.

Marianela Diaz Meyer, die geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts sagt eigenartige dinge wie »Handschreiben macht schlau. Es ist wichtig, dass die Kinder mit der Hand denken.« Das ist seltsam. Zwar müssen kinder das meiste noch lernen, weil wissen leider nicht angeboren ist, aber denken tun sie trotzdem mit dem kopf und nicht mit den händen. Oder (zitat Marianela Diaz Meyer) »Beim Handschreiben – das belegen auch zahlreiche Studien – geht es um Bildung. Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.« Wer würde es anzweifeln, daß es für schulische leistungen oder bildung von vorteil ist, schreiben zu können?

Aber für das textverständnis? Wenn es notwendig wäre, schreiben zu können, um texte zu verstehen, wäre es ein sinnloses unterfangen, schreibunfähigen klein- oder vorschulkindern vorzulesen. Sie würden nichts verstehen. Und ob das schreiben das lesen unterstützt oder ob es umgekehrt ist, ist ebenfalls fraglich. Lesen und schreiben wurden nicht zu jeder zeit als zusammengehörend betrachtet: die kopisten des mittelalters, die feinsäuberich ganze bibeln abgepinselt haben, konnten häufig nicht lesen. Während die feinen herrschaften, die sich zu jener zeit bücher leisten konnten vorleser hatten, die meist des schreibens unkundig waren.

Die »digitale demenz« beklagten ihrerzeit bereits die Alten Griechen (digital von Lateinisch digitus - finger), denn durch die fingerfertigkeit, dinge aufschreiben zu können, verblöde die menschheit, weil man jeden bockmist aufschreiben könne und sich nichts mehr merken müsse. Wer weiß, was die menschheit alles wußte, bevor die schrift erfunden wurde. Nur werden wir leider nichts davon erfahren, weil nichts davon überliefert wurde.

Montag, 15. April 2019

Montag, 8. April 2019

Foto am montag (360)

Grüner zipfelfalter (callophrys rubi)

Samstag, 6. April 2019

Ende der sommerzeit

Eine der guten nachrichten in der vergangenen woche war, daß dieses blöde zeitumstellen im übernächsten jahr endlich zum letzten mal stattfinden soll. Das ist tatsächlich eine gute sache, denn das mit der »sommerzeit« war von anfang an eine schnapsidee, die nicht beim energiesparen geholfen hat, stattdessen half sie beim verschlafen und zu spät kommen, sofern man dabei hilfe braucht.

Das problem daran ist nur, daß nicht einfach zur normalzeit zurückgekehrt werden sondern in den einzelnen staaten der EU abgestimmt werden soll, welche zeit fortan dauerhaft gelten soll.

Leider sind die Deutschen nicht das schlaueste volk unter der sonne, weshalb es umfragen zufolge eine mehrheit für die sogenannte »sommerzeit« geben soll. Die idioten wollen das künstlich erzwungene früher-aufstehen-als-notwendig ganzjährig haben. Natürlich ist es eine tolle sache, wenn es an lauen sommerabenden lange hell ist und wenn man morgens nicht von lästigem licht zum aufwachen genötigt wird, dann kann man es dem bilche gleichtun und erst sehr spät im jahr aufstehen. Den meisten menschen fällt es merkwürdiger weise leichter, im dunkeln einzuschlafen als im dunkeln aufzustehen.

Wer um sechs uhr früh aufstehen muß, um rechtzeitig auf der arbeit zu sein, müßte in der ewigen »sommerzeit« die meiste zeit des jahres im dunkeln aufstehen. In Berlin haben wir es diesbezüglich noch relativ gut, denn hier geht die sonne in der »sommerzeit« vom 19. april bis zum 22. august um sechs uhr oder früher auf. In Hamburg vom 25. april bis 16. august, in München vom 29. april bis 10. august und in Köln vom 5. Mai bis zum 2. august.In Rußland wurde 2011 die »sommerzeit« dauerhaft eingeführt. Und bereits 2014 wieder abgeschafft, weil es ungesund für die leute war.

In dieser hinsicht unterscheiden sich Deutsche und Russen ganz bestimmt nicht und es wäre vernünftig, wenn man in Deutschland wenigstens in diesem fall von Rußland lernen würde.

Montag, 1. April 2019

Foto am montag (359)

Nach unfreiwilliger pause:
Erlenzeisig (carduelis spinus)

Samstag, 30. März 2019

Verdächtige vornamen

Das habe ich schon immer gewußt: geborene messerstecher heißen Michael oder Andreas. Oder Daniel. Bei Michaels und Andreassen hörstu es schon allein am namen. Das mit den Daniels wundert mich. Aber vermutlich kenne ich einfach nicht ausreichend Daniels, die sich des messerstechens verdächtig machen könnten.

Die »Arier für Dummfragen« (oder kurz AfD) mal wieder. Die wollten beweisen, daß ausländer oder Deutsche mit migrationshintergrund krimineller seien als Deutsche ohne migrationshintergrund. Das ergebnis dürfte ihnen weniger gefallen haben.

Mittwoch, 27. März 2019

Waldfrüchtejoghurtrettung

Den silberfarbenen löffel in waldfrüchtejoghurtrettung hat in diesem monat Rainer Hank mit seiner »fastenmeditation über die verschwendung« in der FAZ gewonnen, weil er einen bereits seit ca. vier wochen abgelaufenen waldfrüchtejoghurt verzehrte als er gerade nichts besseres hatte. Das ist eine meisterleistung, die gewürdigt gehört!

Nun hat der gute mann literaturwissenschaft, philosophie und, ach, auch katholische theologie studiert, weshalb er nicht nur zum thema waldfrüchtejoghurtrettung schreiben sondern zusätzlich beweisen muß, daß er den unterschied zwischen mindesthaltbarkeitsdatum und verfallsdatum nicht weiß, zur erkenntnis gelangt, daß waldfrüchtejoghurtrettung zwar ihn selbst, aber keinen hungernden Afrikaner satt macht und am schluß jedoch ganz genau weiß, daß »aber [...] der Menschheit nur Marktwirtschaft und Kapitalismus [helfen].«

Aber in ordnung. Er hat das ganze mit »fastenmeditation« übertitelt. Und »meditation« bedeutet, man wolle durch nichtdenken zur erleuchtung kommen. Nur das klappt halt immer nicht. Wie man auch an diesem beispiel gut sehen kann.

Herr Hank schreibt darüber, daß er bereits im kindergarten geld gegen den welthunger gespendet habe und beklagt sich, »[k]eine Ahnung« zu haben, »was mit dem Geld von uns Kindern passierte. Hunger und Armut in der Welt hat es jedenfalls erkennbar nicht reduziert«.

Ehrlich gesagt habe ich auch keine ahnung, was mit dem geld passiert ist, das der herr Hank in seiner kindheit in den 50er jahren den betschwestern und -brüdern hinterherwarf. Einige werden damit womöglich sogar sinnvolles angestellt haben, andere nicht. Biblische wunder bewirken konnten die nicht, sondern nur ein paar krümelchen umverteilen. Daß einfach nicht genug nahrungsmittel produziert wurden, konnten die nicht ändern. Am hungerproblem hat der fortschritt in der landwirtschaft was geändert: 1960 lebten rund drei milliarden menschen auf der welt. Von denen waren 40% unterernährt. Heute gibt es eine weltbevölkerung von fast sieben milliarden menschen. Wäre die relation gleich geblieben, müßten heute ca. zweieinhalb milliarden menschen hunger leiden. Es sind aber »nur« ca. 850 millionen. Das sind sicherlich zu viele. Vor allem, wenn man bedenkt, daß es bei den heutigen erträgen locker möglich wäre, mindestens zehn milliarden menschen zu ernähren.

Allerdings sind in armen wie in reichen ländern dank kapitalismus die menschen durch das geld von allem was sie zum leben benötigen ausgeschlossen. Nahrungmittel werden in diesem besten aller wirtschaftssysteme nicht etwa dafür produziert, einfach aufgegessen zu werden. Wie alles andere hat das zeug seinen zweck erfüllt, wenn es verkauft wurde, dann kann man es mit reinem gewissen wegschmeißen, sofern einem der sinn danach steht. Das erkennt man immer besonders gut dann, wenn irgendwo firmenmitarbeiter widerrechtlich eine halbvertrocknete käsebrötchenhälfte oder dergleichen mitgehen lassen, um sie einer sinnvollen verwendung zuzuführen und dann des diebstahls bezichtigt und rausgeschmissen werden. Der fraß ist privateigentum. Der eigentümer darf darüber verfügen, wie er will.

Dagegen hilft auch spenden und fasten und waldfrüchtejoghurtretten nicht.

Montag, 18. März 2019

Foto am montag

Entfällt heute. Internet ist kaputt:(

Alles moppelkotze!

Freitag, 15. März 2019

Fridays for Future

Oder mit 16 wählen?

Hier ein paar argumente dafür:

Natürlich kommt auch »Feinstaub-Andi« zu wort: zitat »Wir brauchen keine schulschwänzer, sondern wir brauchen eine demonstration für politik und für demokratie!« Die schulschwänzer demonstrieren jedoch eben für politik und demokratie. Nur haben sie eben eine etwas andere vorstellung von politik als der »Feinstaub-Andi«

Sehr lustig ist auch der hansel von der AfD, Bernhard Zimniok, der zwar nicht imstande ist, daß wort »Asperger« auszusprechen, aber ganz genau weiß, daß bei den »Fridays for Future«-demos schulschwänzer bejubelt werden, die chemie und physik abgewählt haben.

Man muß kein fan von Greta Thunberg sein. Was mir allerdings negativ auffällt, ist, daß sie von ihren »kritikern« keinesfalls ernst genommen wird. Mit ihrem Asperger sei sie ohnehin gestört - und überhaupt: »erpressung« sei es, wenn so ein junges ding anfange, irgendwelche forderungen zu stellen, weil man so einem »kind« kaum widersprechen dürfe. Was dann eben er grund ist, dem zu widersprechen. Sachlich befaßt sich niemand damit.

Mich stört an den »Fridays for Future«, daß die jugendlichen den politikern vorwerfen, sie würden »ihren job nicht machen.«

Doch, genau das tun sie. Die sind nämlich keineswegs dafür da, irgendwelche sinnvollen dinge zu planen, damit es den menschen, die jetzt und in zukunft leben, gut geht. Die politik ist darauf ausgerichtet, den kapitaleignern möglichst hohe erträge zu bescheren. Und dagegen hilft die senkung des wahlalters nichts, denn auch die 16jährigen können auch nur die selben scheißparteien wählen, die die über 18jährigen schon lange wählen dürfen.

Donnerstag, 14. März 2019

Junger Mann

Jetzt ist schon wieder was passiert. Aber diesmal nicht dem Simon Brenner. Sondern dem autobiographischen protagonist in Wolf Haas’ letztem roman Junger Mann, der sich mit vier jahren zum ersten mal das bein beim skifahren brach und sich dann, als dicklicher dreizehnjähriger in eine etwas zu verheiratete frau verliebt.

Den ersten teil der lesung mit Wolf Haas kann man heute ab 22uhr04 noch einmal auf WDR 5 hören, den zweiten teil gibt’s am kommenden sonntag, 17. März, um 20uhr04 oder am donnerstag, 21. märz um 22uhr04. Ist leider nicht in der mediathek.

Den ersten teil der lesung habe ich bereits gehört. Sehr lustig und empfehlenswert. Wem zwischendurch langweilig ist, kann dort in der mediathek Horst Evers trifft Martin Sonneborn anhören.

Montag, 11. März 2019

Mittwoch, 6. März 2019

Tradition und kultur geht in Deutschland mal wieder kaputt

Nach Kramp-Karrenbauers krampfwitz über intersexulle menschen meinte die transidente buchautorin Katharina Hören im Tagesspiegel:
»Auch ich habe nichts gegen Witze über inter- und transsexuelle Menschen. Wir sind ja auch nicht spaßbefreit und lachen gerne, gerade an Karneval sind wir solche Sprüche gewohnt. Doch wenn jemand Witze macht, müssen die gut sein. Der von Kramp-Karrenbauer war aber ganz und gar nicht gut.«
Gute witze und karneval? Habe ich irgendwann irgendwas verpaßt? Bisher hatte ich den immer den eindruck, daß im karneval die witze immer zäh wie scheibenkleister sind und die leute deshalb immer besonders viel schmerzmittel benötigen, weil man das ohne überhaupt nicht ertragen könnte.

Kramp-Karrenbauer verteidigte ihren »witz«:
»Wenn wir da so verkrampfen, wie wir es in den letzten Tagen getan haben, dann geht ein Stück Tradition und Kultur in Deutschland kaputt und das sollten wir nicht zulassen.«
Geradezu als wäre das witze reißen im karneval etwas anderes erzwungenes gedöns. Aber wenn’s dann schon um tradition geht: traditionell war der karneval dafür gedacht, daß sich das volk über die obrigkeit lustig macht - und nicht umgekehrt.

Dienstag, 5. März 2019

Donnerstag, 28. Februar 2019

Haare Afro, Afro haare, haare, haare

Da hat im fernsehen doch glatt eine weiße frau es gewagt, einem Afrikanischstämmigen mann an den kopf zu greifen. Mitten im fernsehen - in einer kuppelshow, unfaßbar.
Zitat Thembi Wolf:»›Ich muss‹, setzt sie an.

Tu's nicht!

›...deine Haare...‹

NEIN! Du musst gar nichts! Finger weg!

›...nochmal anfassen. Die sind sooo toooll!‹

Grapsch! Ernestine wuschelt dem Bachelor durch den kurzen Afro.«
Unglaublich. Da begibt sich ein nicht-weißer mann, ex-sportfuzzy, der offenbar um jeden preis ins fernsehen will, in eine show, in der er von einer horde weiber belagert wird und wird unsittlich am kopf berührt.
Zitat Thembi Wolf:»[...] trifft vor allem Frauen, mit Afrokrause oder typisch schwarzen Haarstyles wie geflochtenen Zöpfchen. Aber eben auch schwarze Männer [...]«
Nein. Das trifft keineswegs bloß frauen mit Afrokrause und typisch schwarzen haarstyles und schwarze männer, sondern auch personen, die weit davon entfernt sind, irgendwie Afrikanisch auszusehen und auch überhaupt keine »typisch schwarze« frisur haben.
Zitat Thembi Wolf:» [...] Aber das ungefragte Haareanfassen sagt auch: Du bist mir fremd. Du bist exotisch. Ich glaube, das Recht zu haben, dich anzufassen. Du bist dafür da, meine Neugierde zu befriedigen. Damit macht man sein Gegenüber zum Objekt. Ungefragtes Haareangrapschen ist grenzüberschreitend. Ein No-Go.«
Völlig richtig. Haareangrapschen, vor allem, wenn es ungefragt passiert, ist übergriffig und verbietet sich von selbst. Es sind aber nicht allein die verkommenen, rassistischen Europäischen bleichgesichter, die sich Afros gegenüber nicht benehmen. Leider sind Afrikanische männer gelegentlich auch nicht besser und führen sich auf, als hätten sie noch nie einen Mitteleuropäischen menschen gesehen und meinen die haare fremder anfassen zu »müssen«.
Mitteleuropäerin, die maßnahmen gegen das
in-die-haare-grapschen ergriffen hat.
Allerdings wäre ich eher nicht auf die idee gekommen, daß es sich um rassismus handelt. Denn ich bin mir relativ sicher, daß die mecs wahrscheinlich einen Mitteleuropäischen, blonden, jungen mann mit »des yeux bleus très sympathiques« höchstwahrscheinlich eher nicht angegrapscht hätten, weshalb ich so naiv war, das haareanfassen für eine ganz normale belästigung zu halten.
Zitat Thembi Wolf:»Denn das Haare-anfassen ist, gemeinsam mit der ›Wo kommst du wirklich her?‹-Frage wahrscheinlich die am meisten verbreitete Form von Alltagsrassimus.«
Die »wo-kommst-Du-her-frage« soll eine form von alltagsrassismus sein? Wenn sich, beispielsweise, ein Bayer und ein Holsteiner in Köln in einer kneipe kennenlernen, sie sind beide vor einiger zeit dort hingezogen, sprechen aber nicht den ortsüblichen dialekt, ist es nicht völlig unwahrscheinlich daß sie darüber reden, wo sie herkommen. Und wenn einer von den beiden zufällig eine Afroamerikanische oma hat, wird aus einem an sich harmlosen alltagsgespräch plötzlich alltagsrassismus? Das ist seltsam.
Zitat Thembi Wolf:»Meist bleibt es ja auch nicht beim ›Darf ich mal anfassen?‹. Oft folgt ein erniedrigender Vergleich der Haare mit Haushaltsmaterialien (Wolle, Watte, Stroh) oder Tieren (Schaf, Pudel).«
Solche vergleiche sind grenzwertig. Nur wo hört kränkung/beleidigung auf und wo fängt rassismus an? Rothaarige weiße haben häufig ähnliche probleme, daß sie mit nicht unbedingt freundlichen vergleichen bedacht werden: ferkelblond, haut von der farbe eines schweins, weiß wie ein handkäs’, haare wie ein roter köter oder sprüche wie »rote haare, sommersprossen sind des teufels volksgenossen«. Von wenig freundlichen spitznamen, die diese leute dann schnell weghaben ganz zu schweigen. All das ist genau so verletzend und beleidigend gemeint, wie es sich anhört. Nur ist das eben kein rassismus, sondern schlicht und ergreifend menschliche dummheit, daß menschen, die bestimmten normvorstellungen nicht entsprechen, ausgegrenzt und erniedrigt werden.
Zitat Thembi Wolf:»›Don’t touch my hair‹ steht auf T-Shirts und auf Plakaten bei Black-Lives-Matter-Demos. Es gibt Kinderbücher, die so heißen. Dass jeder das Recht auf seinen eigenen Körper hat, müssen schwarze Kinder früh lernen, denn gerade in kleine Afros wandert gern mal eine fremde Hand, während man an der Ampel oder Supermarktkasse steht.«
Falsch. Nicht nur schwarze kinder müssen früh lernen, daß sie ein recht auf ihren eigenen körper haben, sondern alle kinder. Die unart, fremden kindern über den kopf zu streicheln, ob die das nun möchten oder nicht, ist unabhängig von der farbe relativ weit verbreitet.
Zitat Thembi Wolf:»Die Verantwortung zum respektvollen Umgang liegt daher bei den Menschen ohne Afrohaare.«
Logisch. Wegen Europäischer haarfarbe und frisur ist man vollumfänglich verantwortlich für das betragen und die missetaten, die ähnlichaussehende begangen haben, während Thembi Wolf selbstverständlich nichts dafür kann, wenn menschen mit tollen Afrohaaren meinen, ungefragt Europäische haare anfassen zu dürfen.

Der zitierte artikel fing eigentlich so an.
Zitat Thembi Wolf::»Es passiert, wenn man es am wenigsten erwartet. Wenn das Bier kaltgestellt und die Pizza im Ofen ist. Wenn der Kopf eigentlich ausgeschaltet ist – und der Fernseher an, [...]«
Hoffentlich schaltet frau Wolf ihren kopf auch wieder ein. Dann müßte es ihr eigentlich auffallen, daß bei RTLfernsehshows respektvoller umgang ohnehin meist durch abwesenheit glänzt. Und das sogar völlig unabhängig von farbe und frisur.