Donnerstag, 30. Juni 2016

Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs

Robert Gernhardt

Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut



hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.



Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:

Ich find Sonette unheimlich beschissen.



Zu hören ab ca. 2:42

Mittwoch, 29. Juni 2016

Rummelsbucht

Diese auffassung wird keineswegs von allen geteilt. Gerade durch die nähe zum »szenebezirk« Friedrichshain erfreut sich der see großer beliebtheit. Von den ufern wird fleißig geangelt.
Und wo man ans wasser kann, baden immer mehr leute und lassen ihre kinder am flachen ufer plantschen - oder sie gönnen ihren hunden an heißen tagen eine abkühlung.
Nein, es muß nicht jeder meine meinung zur ufergestaltung teilen. Allerdings würde ich mich weigern, auch nur einen fisch aus diesem see zu essen oder in diesem see zu baden. Auch würde ich keinen hund in diesen see jagen.

Zur spaßverderbung muß leider gesagt werden, daß dies mit abstand der giftigste see Berlins ist:
Seit anfang des 19. jahrhunderts wurde der see von den angrenzenden industriebetrieben als sondermüllkippe mißbraucht und bis heute ist auf dem grund des sees eine mehrere meter dicke, giftige schlammschicht, die immer noch dafür sorgt, daß die höchstgrenze für schwermetalle und andere toxische stoffe stets um ein vielfaches überschritten wird.

Für eine vernünftige gewässersanierung hat die stadt Berlin kein geld. Und die GRÜNpartei will den see, so wie er ist, unter »landschaftschutz« stellen. Das würde bedeuten, daß der see als die sondermülldeponie, die er ist, erhalten bleiben muß. In dem fall dürfte nichts wesentliches geändert werden, auch die altlasten dürfen dann nicht fachgerecht entsorgt werden.

Es mag als »cool« gelten, irgendwo zu baden, wo es nicht wirklich erlaubt ist. Jedoch ist es keine gute idee, auf einer sondermülldeponie zu baden. In und um Berlin gibt es badegewässer, die eine erstklassige wasserqualität haben.

Setzt also bitte nicht Eure gesundheit aufs spiel. Badet nicht in der Rummelsburger Bucht.

Freitag, 24. Juni 2016

Jebsi James

Letztens ist mir mal wieder ein video von KenFM über den weg gelaufen und wieder mußte ich an den »Hessi James« aus dem alten Badesalz-Sketch denken. Zum glück muß ich den sketch nicht erklären, weil es ihn bei youtube gibt. Bisher kannte ich den nur in der variante zum hören. Es gibt inzwischen aber auch eine sehr hübsche animation von der Filmakademie Baden-Württemberg zu den originalstimmen. Viel spaß damit:



Mittwoch, 22. Juni 2016

Zum 22. juni 1941

In der jw von heute war ein interessanter artikel dazu von Kurt Pätzold:

»Erst 70 Jahre nach Kriegsende stattete ein Präsident der Bundesrepublik einem sowjetischen Kriegerfriedhof in seinem Staatsgebiet einen Besuch ab und absolvierte das übliche Ritual der Kranzniederlegung an einer Gedenkstele. Das tat 2015 Joachim Gauck. Dass er für diese Demonstration Stukenbrock wählte, war richtig und enthob ihn jeder Stellungnahme zu Inhalt und Form der Ehrungen, die im ostdeutschen Staat als eine selbstverständliche moralische Anstandspflicht angesehen worden waren. Wäre die Wahl auf die Seelower Höhen gefallen, hätte von allen Toten der letzten schweren Kämpfe an der Oder und auf dem Weg nach Berlin die Rede sein können.

Gauck selbst gehört zu den vernarrten Anhängern der Totalitarismusdoktrin. Er weiß, was er an ihr hat. In der Geschichtswissenschaft der Bundesrepublik profilierte sich eine Minderheit als deren Gegner und distanziert sich von der Gleichsetzung von faschistischer Diktatur und politischer Herrschaft der DDR. Das hat Konsequenzen für den Blick auf Tage wie den 22. Juni 1941 und den 8. Mai 1945 und Folgen für den Versuch, das 20. Jahrhundert zum »Jahrhundert des Sieges über den Totalitarismus« einzunebeln, woran permanent gearbeitet wird.«

Dienstag, 21. Juni 2016

Atheisten und konfessionslose - scheißt auf moral!

Und alle anderen natürlich auch.

Laßt lieber vernunft walten als moral! Beim Humanistischen Pressedienst wurde letztens mal wieder bejammert, daß konfessionsfreie diskriminiert würden, weil die kirchen behaupten, daß es ohne gott keine moral gäbe.
Zitat: »Das Hauptargument der Kirchen, mit dem sie ihre andauernde bevorzugte Behandlung gegenüber den Weltanschauungen zu rechtfertigen suchen, ist, dass weltanschaulich Gebundene und Konfessionsfreie keine, zumindest keine richtige Moral hätten. Nur Religionen und insbesondere die Kirchen seien in der Lage, Werte und Moral zu begründen und zu vermitteln. So plakatierte in Berlin die kirchliche Kampagne gegen den staatlichen Ethikunterricht "Pro Reli" 2009 mit der Schlagzeile "Keine Moral ohne Gott!". Dies ist eine eindeutige Diskriminierung nichtreligiöser Menschen, die als moralisch defizitäre Subjekte diffamiert werden.«
Als atheist fühle ich mich davon ehrlich gesagt nicht die bohne diskriminiert. Ich glaube nämlich, daß die moral ein bißchen arg hoch bewertet wird. Was haben denn die alten nazis gemacht? Die haben -zig tausende behinderte, oder was sie dafür hielten ermordet. Und womit haben sie es begründet?

Moral. Die fanden es halt irrsinnig ungerecht, wenn gesunde schuften, um ungesunde durchzufüttern. Mit moral läßt sich im zweifel glatt jede sauerei rechtfertigen.

Bei mir lieber ohne gott und ohne moral. Mit dem verstand wäre womöglich mehr machbar. Wenn alle begreifen würden, daß der mensch ein leben vor dem tod hat, das man ihm nicht unnötig schwer machen sollte, und schon erst recht nicht wegen irgendwelcher gebrechen willkürlich beenden, wäre mit sicherheit mehr menschen geholfen als mit diesem schwammigen suchen nach moral.

Sollen die kirchen doch ihre scheißmoral pachten! Aber möglichst niemand sollte denken, daß das irgendwie etwas vernünftiges wäre.

Sonntag, 19. Juni 2016

Die mitte ist rechts - aber das ist belanglos

Das zumindest findet prof. Klaus Schroeder von der FU Berlin. Und wie immer weiß der kluge herr professor auch sofort, wer schuld ist: Die DDR nämlich.
Schroeder: »Ja. Wir haben in der Tat unter männlichen Jugendlichen in Ostdeutschland einen hohen Anteil von Personen, die sehr rechts eingestellt sind. Im Westen sind es oft die Älteren gewesen, die immer weniger werden. Das ist eine Population, die gewaltbereit ist auch. Und wir können nur hoffen, dass die eingedämmt wird. Das hängt auch damit zusammen, dass die Demokratie dort nicht angekommen ist, dass die DDR immer noch verharmlost wird und damit auch eine Diktatur. Hier muss man aufklären, hier muss man entgegenwirken, damit nicht eine neue rechtsextreme Partei, ausgehend vom Osten, wieder in Deutschland stärker wird.«
Eigentlich könnte es dem herrn professor auffallen, daß die unter 30jährige bevölkerung 26 jahre nach deren ende überhaupt keine nennenswerte erinnerung an die DDR haben kann. Die jungen leute im osten sind schließlich nicht durch ein loch in der zeit aus der DDR in die heutige BRD gefallen, sondern sind in der nachwende BRD aufgewachsen und sozialisiert worden.

Die betrachten nicht die geschichte, sondern als erstes ihre jetzige lage und stellen dabei fest, daß sie irgendwie zu nichts kommen und auf der suche nach der antwort auf diese frage gehen sie genau so blöde vor wie der professor: sie suchen nach schuldigen für ihre lage. Und dabei entdecken sie, daß es hier leute gibt, die hier ihrer meinung nach überhaupt nicht hergehören. Und kommen auf den bescheuterten gedanken, daß wenn wenigstens die nicht da wären, ihre chancen auf ein halbwegs gescheites leben größer wären.

Leider habe ich in den vergangenen monaten immer wieder feststellen müssen, daß diese völlig verkehrten und rassistischen gedanken inzwischen keinesfalls nur unter rechten, sondern auch unter liberalen und linken durchaus verbreitet ist. Allerdings kann man nicht links sein und gleichzeitig rassist. Das ist so glaubwürdig wie ein kommunist, der andere menschen ausgrenzt.

Dienstag, 7. Juni 2016

Hinter der schlagseite

In Konstantin Weckers blog »Hinter der Schlagsahne in meinem Schädel ist noch Luft« (oder so ähnlich) hat Rottenfußer sich mal wieder ausgetobt. Jenes blog lese ich eher selten, allerdings fand ich die überschrift »gesundsein als wachstumsbremse« interessant genug, mal wieder dort vorbeizuschauen. Und wieder alles mögliche konfus zusammengeschmiert - umrühren hinterher nicht vergessen:

Erst wird die fiktive geschichte einer Hollywoodschmonzette mit der realität verwechselt. Dann mal eben nahtlos das Amerikanische gesundheitssystem mit dem Deutschen gleichgesetzt. Allerdings sind das zwei sehr unterschiedliche dinge: in den USA sind sehr viele arme menschen von der medizinischen versorgung generell ausgeschlossen, während in Deutschland seit einigen jahren jeder ein recht auf eine krankenversicherung hat. Zweifellos haben es auch in Deutschland reiche menschen leichter, im krankheitsfall an eine vernünftige therapie zu kommen, aber auch z.b. arbeitslose sind nicht von der medizinischen versorgung ausgeschlossen, man kann das also kaum mit den »Vereinigten Zuständen von Amerika« gleichsetzen. Daß für viele leistungen zugezahlt werden muß, liegt daran, daß unser gesundheitssystem nicht einfach dafür da ist, die menschen mit medizinischen leistungen zu versorgen, sondern wie mit allem geld zu verdienen. Und die gesetzlichen versicherungen lassen den leuten nach kassenlage etwas zukommen.


Selbstverständlich darf in Rottenfußers artikel die gute, alte verschwörungstheorie nicht fehlen, daß ärzte absichtlich fehlbehandeln würden, um ihre »guten kunden« nicht zu verlieren. Rottenfußers sympathie liegt hier natürlich bei den quacksalbern, die tatsächlich ein motiv zu derartigem verhalten haben, weil sie nämlich von niemandem zum gesundwerden gebraucht werden. So zynisch denken komischer weise hauptsächlich menschen, die der sogenannten »alternativmedizin« anhängen. Wer schon einmal versucht hat, einen termin in einer facharztpraxis zu kriegen, weiß, daß das schwierig sein kann, weil es leider viele kranke gibt. Niemand würde leugnen, daß in der wissenschaftlichen medizin behandlungsfehler passieren, auch ein arzt ist ein mensch und menschen machen fehler. Allerdings möchten menschen auch erfolgserlebnisse - im gegensatz zur im artikel erwähnten quacksalberin habe ich es noch nie erlebt, daß irgendein doc traurig gewesen wäre, einen patienten als geheilt ins leben zurück geschickt zu haben. Und im gegensatz zu Rottenfußers gefasel werden in der evidenzbasierten medizin für gewöhnlich nicht symptome sondern krankheitsursachen behandelt.

Es ist eine merkwürdige sache wegen fehlern, die in der evidenzbasierten medizin passieren, dann gleich das kind mit dem bade auszuschütten und zu jemandem zu gehen, der nicht einmal eine fundierte medizinische ausbildung hat. Das ist ungefähr so schlau als würde man, weil schon einmal ein automechaniker beim reifenwechsel vergessen hat, die schauben richtig fest zu ziehen, die karre zu jemandem hinfahren, der zwar keinen blassen dunst vom räderwechseln hat, aber wenigstens nett über das problem redet.

Desweiteren wird über angeblich »erfundene krankheiten« gelästert, psychische erkrankungen mit teilweise merkwürdigen krankheitsbezeichnungen. Auf diesem gebiet verläuft grenze zwischen krank und normal mit sicherheit fließend. Absurde bezeichnungen für ein leiden sind allerdings kein grund, sich darüber lustig zu machen. Bei kindern und jugendlichen ist laut meiner information die häufigste todesursache keinesfalls komasaufen, drogenmißbrauch oder verkehrsunfall sondern depression. Muß man zum glück nicht ernst nehmen, wenn da fleißig gestorben wird, machen die schließlich alles durch eigene hand.

Im grunde ist Rottenfußers gelaber konfus und inhaltslos wie immer. Jedoch geht mir bei diesem abgrundtiefen zynismus der hut hoch.

Nebenher kann läßt sich auch seine frage »Und warum ignorieren die Kassen hartnäckig mittlerweile bewährte Methoden der Natur- und Komplementärmedizin?« beantworten: in der modernen medizin reicht der schleierhafte begriff »bewährt« zum glück nicht. Es muß nachweisbar sein, daß es tatsächlich hilft. Und das ist bei den ganz toll »bewährten methoden« der quacksalber schlicht und ergreifend nie der fall. Es ist übringens der blanke hohn, daß in den 10er jahren des 21. jahrhunderts eine große, Deutsche Krankenversicherung einem krebspatienten eine für den heilerfolg notwendige computertomographie verweigert, dieselbe kasse absolut wirkungslose homöopathische »behandlungen« jedoch bezahlt.

Und dann wird natürlich auch noch mit idiotie wie »zinskritik« geknüppelt. Was bin ich froh, daß ich nicht hirnchirurg geworden bin, ich würde ungern sehen, was bei menschen, die so denken, eigentlich im kopf ist.

Sonntag, 5. Juni 2016

Volksabstimmung in der Schweiz zum BGE (7)

Wie zu erwarten war, haben die bürger der Schweiz in breiter mehrheit (76,9 %) dagegen gestimmt - wahrscheinlich aus den falschen gründen, aber immerhin dagegen.

Das klägliche ergebnis von bloß 23 % dafür lügt sich die initiative für das grundeinkommen schön, das sei mehr gewesen als erwartet. Im mai hatten sie noch einen weiteren strahl gepißt, daß ihnen 25 bis 30 % so gut wie sicher wären.

Leider wird das nicht das ende der idiotischen diskussion um das grundeinkommen sein, sondern eher erst der anfang. Ich werde weiter darüber schreiben. Nicht fortwährend aber immer wieder.

Samstag, 4. Juni 2016

Gedenken an die opfer der Argentinischen millitärdiktatur



Außenminister Steinmeier hat heute im Park der Erinnerung in Buenos Aires der ungefähr 30.000 opfer der millitärdiktatur gedacht, unter ihnen befanden sich auch ca. 100 Deutsche staatsbürger.
Steinmeier sagte: »Da läßt sich aus rückblickender bewertung immer sagen, daß man noch intersiver in diesen fällen hätte nachgehen müssen.«


Wolfgang Kaleck: »Maßgeblich für die Deutsche außenwirtschaftspolitik war damals, man wollte offene türen für Deutsche unternehmen und atomtechnologie. Man hat der militärdiktatur waffen verkauft. Und damit ist eigentlich alles gesagt.«

Das auswärtige amt unter ex-NSDAP mitglied Genscher hat, im gegensatz zu den USAmerikanischen und Britischen kollegen, nicht verhandelt, um die wirtschaftsbeziehungen nicht zu gefährden. Laut Steinmeiner hätte man das also noch intensiver machen sollen.

Estela de Carlotto, präsidentin der vereiningung »Großmütter der Plaza de Mayo« sagte, daß es eine große bedeutung habe, auch außerhalb von Argentinien wahrgenommen zu werden.

Leider spreche ich kein Spanisch. Aber ich möchte ihr zurufen: »Liebe Estela, seien Sie bitte der Deutschen regierung nicht dankbar. Es ist der blanke hohn: Ihre freunde und verwandte wurden mit unterstützung der Deutschen regierung mit Deutschen waffen ermordet.

»Dear Estela, please, never be thankful to the German government. In the 1970s the German government was informed about the massacres in Argentina and they delivered weapons there. The German export is more important than human lifes. Please, don’t forget your related and friends were killed by German weapons.«