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Dienstag, 15. Dezember 2020

Das Goldene Brett 2020

Auch in diesem jahr wurde wieder das goldene brett verliehen. Wie immer gab es drei nominierte und eine preisverleihung für das lebenswerk.

Leider kann ich das video der presverleihung nicht hier einbinden, man kann es aber auf der webseite des Goldenen Bretts anschauen. Nominiert waren Attila Hildman (die laudatio für ihn hielten die Hoaxillas) Michael Ballweg und Sucharit Bhakdi. Gewonnen hat letzterer. Den preis für das lebenswerk erhielt Ken Jebsen.

Weil der preisträger gesagt hat, man solle Mozart singen, will ich das jetzt mal tun: musik!

Sonntag, 5. April 2020

Boni für pflegekräfte

Laut ministerpräsident Söder sollen pflegekräfte in Bayern 500€ bonus erhalten. Ob der eine einmalige leistung sein soll oder zukünftig monatlich gezahlt werden soll, blieb bisher unklar. Außerdem bekommen die beschäftigten in allen krankenhäusern, pflege- und seniorenheimen kostenlose verpflegung. Das muß man eher als strafe betrachten, sofern sie den gleichen fraß vorgesetzt bekommen wie die patienten. Zitat eines insassen dieser einrichtungen: »An manchen tagen denke ich, schlimmer als heute kann das essen nicht mehr werden. Aber gleich am nächsten tag muß der koch mir beweisen, daß es noch scheußlicher geht.« In Berlin hat es zur krankenhausverpflegung vor einiger zeit eine studie gegeben, bei der herauskam, daß der schmatzkatz nicht bloß unlecker sondern auch regelrecht ungesund ist.

Die Grünpartei fordert eine »gefahrenzulage« von 500€ monatlich für die mitarbeiter im ärztlichen und pflegerischen sektor - und sogar steuerfrei. Total nett von den Grünen! Wären sie bloß damals nicht an der Bundesregierung beteiligt gewesen, als die steuerfreiheit für schichtzuschläge abgeschafft wurde. Begründet wurde das damit, daß auch spitzenverdiener da begünstigt würden, gelitten haben darunter hauptsächlich nicht-ganz-so-toll-verdiener aus berufen, die wir seit einigen wochen modern als »systemrelevant« bezeichnen. Wenn ich zeit habe, gehe ich mal in den keller und lache über die Grünen.

Freitag, 13. Dezember 2019

And the winner is...

Keine große überraschung: das Goldene Brett geht an die firma Hevert.


Goldenes Brett 2019

Heute abend wird wieder das Goldene Brett verliehen und schon wieder habe ich es verschlafen, meinen kandidaten rechtzeitig zu nominieren.

Mein kandidat wäre die Deutsche Bundesregierung gewesen. Zwar hat die wenigstens mal drüber nachgedacht, den beruf des heilpraktikers abzuschaffen, wie Panorama ende oktober berichtete.

Lustige tatsache ist jedoch, daß man bis heute im kurs.net der Bundesirrenagentur heilpraktikerkurse auf bildungsgutschein findet. Die »ausbildung« für diesen beruf wird also nicht nur nicht abgeschafft, sondern sogar auch noch staatlich gefördert. Die kosten für so eine ausbildung belaufen sich von ca. 2.500€ bis über 20.000€. Man kann die »ausbildung« auch bequem im fernstudium von zu hause aus machen, man muß nur zu einem Präsenzseminar á 20 Stunden (2,5 Tage) zur Vermittlung von Kenntnissen in Anamnese, Untersuchungsmethoden und Injektionstechniken. Die Seminargebühren sind in den Studiengebühren enthalten antanzen. Das hört sich nach einer fundierten ausbildung an. Muß es wohl auch sein, gibt’s schließlich auf bildungsgutschein. Im gegensatz zu meisterkursen.

Übrigens benötigt man keinen dieser kurse, um zur heilpraktikerprüfung auf dem gesundheitsamt zugelassen zu werden. Man benötigt bloß einen schulabschluß (hauptschule reicht), ein sauberes polizeiliches führungszeugnis, ein ärztliches attest über die gesundheit und man muß über 25 jahre alt sein, irgendwelche ausbildungsnachweise sind unnötig. Möchte man die prüfung für einen gesellen-, facharbeiter- oder kaufmannsgehilfenbrief ablegen, ist es zwingend vorgeschrieben, ausbildungsnachweise vorzulegen und wenn man das dritte mal durchgefallen ist, ist schluß. Die heilpraktikerprüfung darf man so oft wiederholen, wie man möchte.

Die prüfung zum heilpraktiker gilt unter den anwärtern als »anspruchsvoll«. Angeblich bräuchte man dafür ein halbes medizinstudium. Stellt sich die frage, weshalb man mit einem halben medizinstudium in einer eigenen praxis auch schwerstkranke behandeln, mit einer halben frisörlehre aber keinen eigenen salon betreiben darf, dafür benötigt man eine abgeschlossene lehre und einen meisterbrief. Die prüfung besteht aus einem ankreuztest und einer mündlichen prüfung. Man muß sechzig fragen in hundertzwanzig minuten beantworden. Vor einigen jahren habe ich mir mal die mühe gemacht, mich durch einige dieser ankreuztests durchzuklicken. Um es vorwegzunehmen: ich wäre durchgefallen. Man muß nämlich mindestens 75% der fragen richtig beantworten und ich habe nur ca. 60 bis 65% geschafft. Das lag unter anderem daran, daß ich mich mit medizinischer terminologie nicht unbedingt perfekt auskenne und somit etliche fragen gar nicht verstanden habe und dann einfach irgendwas angekreuzt habe, mit ein bißchen vokabeln üben könnte ich meine trefferquote sicherlich steigern. Außerdem hat mein viertelmedizinstudium nur aus einem Rotkreuzkurs, den ich für die zulassung zur führerscheinprüftung brauchte, bestanden.

Warum ist sowas erlaubt?

Die Bundesregierung hätte für die staatlich geförderte quacksalberei das Goldene Brett verdient, jedoch war sie nicht nominiert. Vielleicht im nächsten jahr.

Montag, 16. September 2019

Verbieten erlaubt?

Etwas erstaunt hat mich Robertos aktueller text im ND. Auf den eigentlichen inhalt komme ich gleich noch zurück, aber was mich so sehr verwunderte war folgendes:
Zitat Roberto:»Die Haltung, die man speziell in der deutschen Industriepolitik spürt, wenn sich Bundesgesundheitsministerin Julia Klöckner (CDU) [...]«
Wo ist Jens Spahn geblieben? Nicht, daß ich ihn sonderlich vermissen würde, aber wenn Julia Klöckner plötzlich nicht mehr landwirtschafts-, sondern gesundheitsministerin ist, muß Spahn doch irgendwo abgeblieben sein. Ich geb’ zu, daß ich in den vergangenen tagen nachrichtenmäßig nicht übermäßig viel mitbekommen habe, weil ich momentan ziemlich mit arbeit zugeschüttet bin. Daß Manuela Schwesig aus gesundheitlichen gründen ihr amt als ministerpräsidentin niedergelegt hat, habe ich mitbekommen. Aber Spahn einfach so weg und gegen Klöckner ausgewechselt? Glaube ich nicht - weiß jemand genaueres?

Und dann folgt der sermon, daß die GRÜNpartei ja gar nicht so ist und eigentlich einige sachen verboten gehörten. Bei den GRÜNEN geht es doch immer nur um die bürgerliche empörung, völlig ohne den willen, irgendwas zu ändern. Die sorgen halt gern für heiße luft. Erinnert sich noch jemand an die 90er jahre, als die Grünpartei forderte, daß der liter benzin 5 mark kosten müsse oder an die damalige diskussion ums 3-liter-auto? Nichts davon ist passiert. Trotz GRÜNer regierungsbeteiligung oder vielleicht auch gerade wegen GRÜNer regierungsbeteiligung, denn was ist schon ein bißchen umwelt gegen ein pöstchen im aufsichtsrat?

Muß man das fliegen verbieten? Nein. Es wäre doch interessant, wie viele leute noch fliegen wollten, wenn man nichtfliegern 60 arbeitstage gesetzlichen urlaub zugestehen würde. Klar, es gibt leute, die sind unabkömmlich. Und wer so wichtig ist, darf weiterhin das flugzeug benutzen. Alle anderen können sich überlegen, ob sie anstatt flugreisenirrsinn lieber mehr freizeit genießen möchten.

»Veggie-day« in kantinen? Ja. Und zwar jeden tag. Nicht anstatt des menüs mit fleisch, sondern als alternative dazu. Leider schmeckt das vegetarische essen in kantinen meist wie schmatzkatz am stiel, weil den meisten kantinenköchen nichts besseres einfällt als milchreis mit zimt und zucker oder griesbrei mit backpflaumenkompott und lauter so'n zeug. So etwas ißt doch niemand, der halbwegs bei trost ist. Wahrscheinlich gibt's inzwischen auch so feinschmeckerhighlights wie fleischimitatbouletten und kunstschnitzel, als ob es nicht möglich wäre, ohne kunstprodukte fleischlos zu kochen. Die erste genießbare rataouille meines lebens habe ich natürlich in Frankreich gegessen. Und zwar dort, wo man es am wenigsten erwarten würde, nämlich in einer schulkantine. Wenn es dort möglich ist, gemüseplempe lecker zuzubereiten, dann sollte das auch in Deutschland möglich sein. Nur verderben Deutsche kantinenköche meist das gemüse, so daß geübte kantinenesser oft gemüse verschmähen, obwohl die meisten nicht jeden tag fleisch essen möchten.
Zitat Roberto:»Nur Verbote von fahrlässigen, ausbeuterischen und zerstörerischen Praktiken haben das Potenzial, etwas zu verändern.«
Wenn jemand so argumentiert, zeugt es nicht unbedingt von einem positiven menschenbild. Man kann die leute auch anders dazu bringen, bestimmte dinge zu tun oder eben zu lassen, wenn man ihnen andere wege und möglichkeiten aufzeigt. Dazu wäre es natürlich von vorteil, die verhältnisse umzustürzen und die wirtschaft von »profit« auf »versorgung der menschen« umstellen. Aber das will ja wieder keiner.

Samstag, 16. Februar 2019

Ente oder keine ente?

Der Österreichische physiker und wissenschaftspublizist Florian Aigner hat derzeit ein problem. Er wird von einem homöopathen beschuldigt, ihm ungefragt über amazon sein buch gesendet zu haben und wurde deshalb des stalkings bezichtigt.

Fast habe ich gedacht, denen bei futurezone wäre so ein bißchen die fantasie durchgegangen, denn ein homöopath, der obendrein auch noch Quak heißt, dr Quak gar, erschien mir jedenfalls verdächtig. Aber wenn man eine launige geschichte über einen homöopathen schreiben wollte, wäre es im grunde eher fad, die hauptfigur so zu nennen. Und den homöopathen dr Quak scheint es tatsächlich zu geben. Also eher keine ente.

Bei manchen menschen ist der name offenbar programm.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Seid einig! Alter bilderwitz

Neulich ist mir was passiert. Ich bekam eine ausgabe des graphischen werkes Adolph von Menzels geschenkt. Und einen bleistift. Weil ich auch mal was zeichnen soll. Ob letzteres eine wirklich gute idee ist, weiß ich nicht. Erfreulich ist, daß es leute gibt, die verrückt genug sind, derartiges zu verschenken und ausgerechnet mir, mit dem freundlichen kommentar, daß ich doch bestimmt viel freude am betrachten der bilder des Alten Fritz hätte, weil ich den Preußischen adel ja so sehr schätze.

Und tatsächlich war Menzel mir hauptsächlich genau dafür geläufig. Nicht bekannt war mir bisher, daß er in jungen jahren auch humoristisches zeichnete. Am besten hat mir folgendes gefallen:

»Der unterschied zwischen allopathie und homöopathie.«
Das bild ist 1833 entstanden, also noch zu lebzeiten Hahnemanns - und von meister Hahnemann scheint Menzel nicht übermäßig viel gehalten zu haben, aber sehr gut getroffen.

Freitag, 20. April 2018

Klotürweisheit

Letztens habe ich am bahnhof eine schöne klotürweisheit gefunden:
 
»Das universum liebt Dich und hilft Dir. (Azmuto)«

Aha.

Aber warum sollte es das tun? Dem universum dürfte es schlicht egal sein, was ein paar seltsame erdlinge hier treiben.

Freitag, 2. März 2018

Mal wieder Deutsch

Die Deutsche Sprache geht zur abwechslung mal wieder unter, weshalb die AfD nichts besseres zu tun hat, als zur »rettung der sprache« zu verlangen, daß die Deutsche Sprache als landessprache ins Grundgesetz soll.

Wofür? Das, was »Deutsche Sprache« ist, ist ein seltsamer mix aus recht verschiedenen Germanischen Sprachen, die ohnehin nicht jeder Deutsch sprechende versteht:



Der abgeordnete Johann Saathoff spricht im Bundestag Plattdüütsch - und wird von W. Schäuble darauf hingewiesen, daß er darauf achten solle, daß alle verstehen, was er sagt. Ich kann ihm relativ gut folgen.

In Deutschland gibt es keine irgendwie »einheitliche sprache«, sondern sehr unterschiedliche Germanische Sprachen, die willkürlich als »Deutsch« zusammengefaßt werden. Mindestens auch zwei Slavische Sprachen: Niedersorbisch und Obersorbisch. Und mit sicherheit auch noch welche, an die ich nicht gedacht habe.

Gib Dich nicht auf: lerne Ostdeutsch:

Samstag, 25. November 2017

»König von Deutschland« mit Goldenem Brett geehrt

Am 23. november gab es wieder die höchste auszeichnung, die man für den »blödsinn des jahres« verliehen bekommen kann. Mein favorit hat leider nich gewonnen. Dafür einer, der den preis ebenfalls verdient hat. Den preis für das lebenswerk erhielt Cornelia Bajic und Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte.
Leider kann ich das video von der verleihung hier nicht einbinden, aber wer mag, kann es sich auf der site des Goldenen Bretts anschauen. Ist amüsant wie immer. Während der show wurde ein homöopathisches krebsmedikament hergestellt.

Freitag, 27. Oktober 2017

Nominierung für das »Goldene Brett« 2017

Am 23. november wird in Wien zum 7. mal das »Goldene Brett« verliehen. Wer einen potentiellen kandidaten dafür weiß, kann ihn bis zum 10. november hier nominieren. Gute chancen auf den preis haben besonders dreiste geschäftemacher, die abwegige theorien vertreten.

Samstag, 24. September 2016

Bereit zum kentern

Die ratten verlassen das sinkende schiff. Die Piraten verlassen ihre partei. Nicht erst seit vorgestern. Schon im januar sind zahlreiche ex-Piraten zur LINKSpartei übergetreten und der Berliner ex-landesvorsitzende ist in der vergangenen woche in die SPD eingetreten. Zitat von Spiegel-online»Die Sozialdemokratie stehe dafür, "zügellosem Kapitalismus Schranken aufzuzeigen. Das wird heute mehr gebraucht denn je."« Wie man dem »zügellosen kapitalismus« die schranken aufzeigt, hat ex-bundeskanzler Gerhardt Schröder sehr schön vorgemacht und bei der SPD fehlen sicher noch ein paar clowns für die pause, die sich eher »ne kugel durch den kopf jagen als mitglied der SPD zu sein.«

Nach dem doppel(selbst)mord des Gerwald Claus-Brunner betretenes schweigen. Der Berliner parteivorsitzende, Bruno Kramm, hat sich erstmal nach Finnland abgesetzt. Schließlich sei das für einen musiker wie ihn zu viel. Der kasper ist seit über 25 jahren, unter anderem mit seiner band »Das Ich« im namen der Neuen Deutschen Todeskunst  unterwegs. Inzwischen hat auch er das sinkende piratenschiff verlassen und ist wieder bei der GRÜNpartei, wo er vorher schon einmal war.

Nach der verlorenen wahl schrumpft sich die partei der politisch promisken pöstchenfreunde gesund. Auch wenn uns die nervigeren exemplare leider in der politik bis auf weiteres erhalten bleiben werden, hat sich das mit der Piratenpartei wohl erledigt. Wie ich schon vor jahren über diesen politisch wirren haufen vermutete:

Bereit zum kentern!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

The winner is…

Dr. Stefan Lanka

Voll verdient.

Verleihung »Goldenes Brett«

Heute gibt es ab 20.00 uhr einen live-stream der verleihung des »Goldenen Bretts«. Mein favorit ist zwar schon aus dem rennen, aber trotzdem stehen noch drei interessante kandidaten zur auswahl: Susanne Winter, umweltpolitische sprecherin der FPÖ, die an perpetuum mobiles, wasserbetriebene autos und dergleichen unsinn glaubt. Jim Humble, der behauptet mit ätzendem chlorhaltigen desinfektionsmittel krebs und alles andere heilen zu können. Stefan Lanka, der die existenz von viren leugnet und impfgegner ist.

Wer wird diesmal wohl den begehrten preis erhalten?

Dienstag, 13. Oktober 2015

»Goldenes Brett 2015« kommt

Und wieder habe ich die nominierungsphase zum »Goldenen Brett« verschlafen. Aber die liste der nominierten sieht auch ohne meinen beitrag interessant aus.

Mein favorit unter den nominierten ist auf jeden fall Jürgen Elsässer. Ich drücke ihm ganz fest die daumen, daß er diese trophäe am 21. oktober 2015 verliehen bekommt.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Der fehlende hirn... (part 2)

äh, …schmant, natürlich. (fortsetzung) Es geht nach wie vor um »der fehlende part« vom 28. november 2014.

[…]zwischendurch war das thema der »Arabische Frühling« und seine folgen dran, auf das ich hier nicht weiter eingehen möchte[…]

Moderatorin: »Die presse reagiert verkrampft und beleidigt auf jede kritik gegen sich selbst. Und das liegt jetzt nicht nur daran, daß RTdeutsch ins bild gerutscht ist. Wir sind ein dorn im auge der Deutschen medien. Aber eigentlich eine natürliche folge quasi eine manifestation der medienverdrossenheit und des mißtrauens, das über die letzten monate und jahre hinweg gewachsen ist.«
[Schnitt auf video-aufzeichnung.] Gezeigt wird eine yoga-lehrerin aus Köln mit blonden dreadlocks in einem Berliner zeitschriftenladen und anschließend auf der Friedrichstraße.
Lea Frings: »Was ist nur passiert mit unserer Medienbranche? Wo es früher noch nahmhafte koryphäen gab, namen wie Gaus, Scholl-Latur, Nannen oder Haffner. Da sind die heutigen kollegen ziemlich farblos geworden. Ihre berichterstattung unterscheidet sich im wesentlichen kaum noch voneinander. Ich frag mich manchmal, ob Kai Diekmann seine redakteure überhaupt noch namentlich auseinanderhalten kann. Böse zungen behaupten, Claus Kleber und Gundula Gause wären ein und die selbe person. Was ist nun also los mit unserer freien und ergebnisoffenen berichterstattung?«
Die junge dame scheint ein etwas verschrobenes verhältnis zu bereits verstorbenen, größtenteils konservativen männern zu haben. Hoffentlich ist sie nicht auch noch nekrophil. Etwas merkwürdig scheint sie schon zu sein, wenn sie die behauptung, daß Claus Kleber und Gundula Gause für ein und dieselbe person zu halten, nicht eindeutig ausschließen kann.

Es folgt eine passantenbefragung [bla bla bla bla bla bla bla], langweilig. Was sollen die leute auch spontan sagen, wenn sie ein mikro vor die nase gehalten bekommen und gefragt werden, ob sie mit den Deutschen medien zufrieden sind. Es dürfte leicht sein, ablehnende stimmen zu hören, denn zufrieden ist niemand und am nächsten tag wird doch wieder die BILD gekauft und fernsehn geguckt.

Oder man wähnt sich gar »informiert«, wenn man die erzeugnisse des Kopp-Verlages oder dergleichen konsumiert.

Auch wage ich, anzuzweifeln, daß es diese »freie und ergebnisoffene« berichterstattung je gegeben hat. Das problem daran ist, daß das hauptanliegen der medien nicht ist, menschen mit informationen zu versorgen, sondern daß die hauptsächlich als geschäftsmodell zum geldverdienen da sind.
Lea Frings: »[…] Da werden mal eben ganze kommentarspalten unter artikeln gesperrt, mit dem hinweis darauf, daß die kritischen kommentare ja sowieso nur von Putin-trollen kommen. Wir haben für diesen beitrag nicht die komplette Friedrichstraße gesperrt. Und meine gespächspartnerinnen haben auch kein geld für ihre meinungen bekommen.«
Ich lege meine hand dafür ins feuer, daß bei RTDeutsch noch NIE eine kommentarspalte geschlossen wurde. Was es von anfang an nicht gibt, kann schließlich später nicht dicht gemacht werden.

Zurück ins studio.
Moderatorin: »Warum aber - und so handhaben sie sich selbst - feinde, sich so schwer tun mit kritik, möchte ich nun mit herrn Albrecht Müller von den ›nachdenkseiten‹ besprechen.«
Aha, bei RTdeutsch ist man manchmal doch in der lage, organisationen nennen von denen interviewgäste kommen, wenn die nicht allzu peinlich sind.
Moderatorin: »Hallo Herr Müller! […] Warum tun sich, wie sie sich auch selbst ernennen - feinde - so schwer mit kritik?«
Albrecht Müller: »Zunächcht muß ich sagen, daß es durchaus qualitativ gute beiträge auch in Deutschland gibt, Das problem ist, daß wir auf der anderen seite eine art von mehrheitsmeinung und mehrheitsmeinungsmache haben und diese leute, die auch große interessen vertreten, die fühlen sich gestört durch diejenigen, die deren kampagne und deren meinungsmache hinterfragen.

Das erleben Sie nicht als RTdeutsch nun zum ersten mal. Das haben wir als macher der nachdenkseiten nun seit 10 jahren schon erfahren und auch andere blogs [...] medien wie etwa Telepolis oder Niggemeier oder sowas haben immer damit zu tun, daß dann, wenn man medien kritisiert, sie sofort beleidigt sind, sie sofort vermuten, daß da verschwörungstheorien dahinter stecken und dergleichen mehr. Und das ist wirklich eine demokratiefeindliche situation in der wir sind.

Pluralität der meinungen wird schon als störfaktor betrachtet und das entspricht natürlich überhaupt nicht unserem grundverständnis von demokratie. Auch im grundgesetz ist im grunde vorgesehen, bei den paragraphen oder auch artikeln, die die meinungsfreiheit behandeln, daß wichtig ist die pluralität und das war auch der grund, warum wir vor elf jahren begonnen haben mit unseren nachdenkseiten, weil wir gesagt haben, wir müssen einfach aufzeigen, wo wir manipuliert werden. Das ist unser grundanliegen.

Und wenn ich mir anseh, was sie machen, dann machen sie in punkt auf Russische politik auch das, nur das sie ein element mehr hinzufügen, wo Sie zeigen, wie die Deutsche öffentlichkeit von den mehrheitsmedien manipuliert wird [...] «
Immerhin redet er diesmal nicht von »gleichschaltung« und räumt ein, daß es auch gute beiträge in den Deutschen medien gibt. Wäre nur die sache mit der angeblichen »manipulation«.
Moderatorin: »Sie schreiben selber ›wer aufklären will, der muß die glaubwürdigkeit der hauptmedien in zweifel ziehen, und hat somit schon einen schwierigen start.‹ Also rennt quasi gegen eine wand?!«
Albrecht Müller: »Ja, das ist doch so: wenn Sie hundert impulse von der einen meinung haben, ich nehm mal ein praktisches beispiel, kein außenpolitisches, wenn hundert medienbeiträge sagen, die Riesterrente ist prima, dann kommen Sie dagegen nur an, wenn Sie die glaubwürdigkeit dieser absender in frage stellen.

Denn Sie haben ja keine hundert impulse. Wir haben das nicht bei den nachdenkseiten, sie habens nicht, also man ist dann darauf angewiesen, zu zeigen, wie wir manipuliert werden. Und damit auch zu zeigen, wie wenig man diesen medien glauben kann. Und wenn es sich heute in den medien abzeichnet, daß die medienmachenden, ich sags nochmal, nicht alle, so nervös werden, weil auf den blogs immer widersprochen wird. Und weil auch grundsätzlich widersprochen wird.

Und mit fakten gearbeitet wird und was sich da abspielt, das ist genau das ergebnis dessen, daß eben diese mehrheitsmeinungen nicht mehr unkritisiert im raume stehen, sondern daß menschen, medien, so wie wir eben sagen, leute, hier stimmt etwas nicht. Hier werdet ihr manipuliert und macht am besten aus. Lest die dinger nicht mehr, wie etwa Spiegel«
Und nochmal diese merkwürdige behauptung, daß die öffentlichkeit von den mehrheitsmedien »manipuliert« würde. Das kann einem mitunter zwar schon so vorkommen, jedoch muß man doch nur einmal betrachten, wovon die großen zeitungen und deren online-varianten hauptsächlich leben. Von der werbung. Dementsprechend kapitalfreundlich fallen die berichte aus, man möchte schließlich keine kunden vergrämen, auch die potentiellen nicht.
Moderatorin: »Sie haben damals ähm, äh, die Willy Brand kampagne mitgestaltet. Und Sie sind massiv, ähm, Sie haben massiv mit der BILD ZU kämpfen gehabt... «
Albrecht Müller: »Ja, nun gut, wir haben das alles erlebt schon mal, in sofern...«
Moderatorin: »Wie war das denn damals, entschuldigung, das wollte ich noch hinzufügen… «
Albrecht Müller: »Es war sehr schwer, weil sollten nicht glorifizieren, wie es früher war, die Bildzeitung und der Springerkonzern hat gegen diese damalige friedenspolitik total mobilgemacht.

Wir hatten es immer damit zu tun, und wir haben damals schon - eine völlig parallele situation - Willy Brandt hat die leute aufgerufen, sich selbst gedanken zu machen. Und das war der entscheidende faktor, zum beispiel im wahlkampf 1972, das die menschen gesagt haben, wir glauben der Bildzeitung nicht mehr, wir glauben dem ZDF-magazin von herrn Löwental nicht mehr, wir entscheiden selbst, was wir wahrnehmen.

Und wir wollen endlich frieden machen mit der Sowjetunion damals und mit den völkern Osteuropas. Und das war die richtige politik. Und wir haben damals eine ganz andere welt gehabt. Wir haben nicht von sanktionen gesprochen, sondern ein schlüsselwort war damals vertrauensbildende maßnahmen. Also vertrauen bilden zu den vorherigen feinden und sich verständigen und damit, mit der verständigung und mit dem abbau der konfrontation auch die chance zu haben, daß sich dort etwas verändert und so war es ja auch.

Und deshalb bin ich so traurig, daß das alles abgebrochen wird. Alles...«
Sicher ist es traurig, daß es heute keine friedliche politik gegenüber Rußland gibt. Aber die situation heute ist mit der zeit im Kalten Krieg wohl eher nicht vergleichbar. Damals gab es einen zweiten Deutschen staat im osten, den die Bonner Republik nicht anerkannte, weil man sich als rechtmäßiger eigentümer sah.

Aber auch was das betrifft, ist es ratsam, sich die interessen anzuschauen. Die Deutsche industrie ist gegen sanktionen. Die Russen waren immer gute geschäftspartner, öl und gas haben die immer zuverlässig geliefert und alles mögliche in Deutschland gekauft. An den bahnlinien, die für die Olympischen Spiele in Sotschi gebaut wurden, haben Deutsche Unternehmen sehr gut verdient. Aus dieser sicht wäre es am vernünftigsten, wenn Rußland in die EU käme und all diese geschäfte ohne auslandsmehrwertsteuer und zoll laufen könnten.

Dafür ist Rußland jedoch zu groß, Deutschland würde seine vormachtstellung in der EU verlieren und das geht eben gar nicht.
Moderatorin: »Sehen Sie aktuell die parallele auch mit dem feindbild Rußland, daß in den medien auch aufgebaut wird?«
Albrecht Müller: »Ja, ich fühle mich erinnert an die fünfziger jahre, ich war sehr früh politisiert, mit zwölf, dreizehn jahren. Und mit vierzehn, fünfzehn war damals schon eine entscheidende auseinandersetzung zwischen ost und west.

Und was, wenn ich heute so höre, was heute so erzählt wird, was gesagt wird, dann ist das die gleiche agitation, die wir damals von der Jungen Union oder von ganz scharfen Rechts Außen in Deutschland gehört haben. Und die leute, die versucht haben frieden zu halten, wie etwa Gustav Heinemann, der spätere bundespräsident oder Willy Brandt oder Egon Bahr, sind zunächt einmal extrem angefeindet worden. Wenn Sie daran denken wie Willy Brandt gehaßt worden ist, wie er verfolgt worden ist.

Das waren die früheren zeiten und dann hatten wir 1990 letztlich diese versöhnung und das ist alles wieder kaputtgemacht worden oder wird zur zeit wieder kaputt gemacht, deshalb bin ich so engagiert in dieser sache und deshalb war ich auch bereit zu diesem interview. «
Natürlich wurde Willy Brandt angefeindet, weil er mit formellen anerkennung der DDR die besitztümer im osten preisgab. Interessanter weise hat er die westgrenze Polens damals nicht anerkannt. Eine versöhnung mit Rußland hat es 1990 nicht gegeben, es war wohl eher so, daß der Kohl dem Gorbatschow ein stück land abgekauft hat.
Moderatorin: »Vielen dank, herr Müller. Kann ich auch nur empfehlen, absolut.

Was ich persönlich nicht verstehe, ist, warum unsere kleine 10-mann-redaktion Euch so nerven. Und warum statt diesem gegeneinander. Und das habt Ihr kreiert, es nicht zu einem nebeneinander kommen kann. So auf die art, wir kritisieren Euch, Ihr kritisiert uns.«
Mich nervt RTDeutsch eher nicht, ich muß es mir nicht angucken. Als kritik an den westlichen medien taugt es allerdings nicht, wenn die beteiligten offenbar nicht über das notwendige hintergrundwissen verfügen. Sicher, wenn man sich vor eine kamera stellt und sagt, daß man Claus Kleber und Gundula Gause nicht mag, ist das schon eine kritik. Nur was für eine - »nein meine suppe mag ich nicht« dazu ist noch jeder dreijährige imstande und einen »kristischen« sender, der auf diesem niveau kritik übt, braucht kein mensch.

Zwar kann sich jeder vor eine kamera hocken und mit leuten quasseln. Ein gutes interview zu führen, will allerdings gelernt sein. Ich habe den eindruck, die haben ihre leute nach aussehen von der straße weg gecastet und das bringt halt nicht so viel.

Die moderatorin der sendung heißt, wie am schluß kurz eingeblendet wurde, Jasmin Kosubek und hat laut eigenden angaben bei der einstellung bei RT »einfach glück gehabt«. Das glaube ich allerdings auch.

Samstag, 29. November 2014

Der fehlende hirn…

äh, …schmant, natürlich.
Am gestrigen freitag lief auf RTDeutsch mal wieder »Der fehlende Part«, diesmal mit Albrecht Müller, was ich mir natürlich angeschaut habe. Allerdings blieb ich beim ersten interviewgast hängen, einem gewissen Michael Westphal, seines zeichens politischer aktivist und referent. Michael wer? Der tennisstar von einst war doch an AIDS gestorben…
Moderatorin:»[…] Michael Westphal, politischer aktivist und referent.«
Dies »berufsbild« scheint für RTdeutsch ausreichend zu sein. Ob er auf eigene faust aktiv ist oder für eine organisation und wenn ja, für welche, scheint der moderatorin, die das pickelalter offenbar kaum überwunden hat, egal zu sein. Mal nebenher: ich habe nichts gegen junge gesichter auf dem bildschirm. Nur wenn sie für ein medium arbeiten, das sich selbst als »kritisch« sehen möchte, sollten die leute schon so weit geschult sein, interviewhanseln wenigstens soweit zu fragen, daß jeder zuseher weiß, wo sie herkommen. Ansonsten könnte sich jeder als »spezialist« für irgendwas ausgeben und einen zuvor auswendig gelernten text aufsagen.

Nun gut, wenn etwas wirklich vernünftiges gesagt würde, wäre es im grunde egal, wer es gesagt hat. Wenn allerdings komisches zeug erzählt wird, ist es schon interessant, wo es herkommt.
Moderatorin: »[…] Erdöl ist ein politisches instrument geworden.«
Michael Westphal: »Ja, ähhh, nee, das ist es nicht erst geworden, seit kurzem, sondern schon sehr lange. Erdöl ist einfach der strategische rohstoff auf grund seiner hohen energiedichte und seiner leichten handhabbarkeit. Also ich hab damit die möglichkeit flugzeuge zu betreiben, äh, fahrzeuge zu betreiben, wenn wir zum beispiel daran denken, wie schwierig das früher war, als es… als das erdöl noch nicht benutzt wurde, als verbrennungsmotoren, beispielsweise, noch nicht entwickelt waren, äh, welche kräfte dafür notwendig waren, um die kanonen, beispielsweise zu bewegen. Und jeder, der mal mit dem auto stehengeblieben ist, weil das benzin alle war, der weiß auch, wie viel energie dort drinsteckt.«
Aha. Das hätte zuvor natürlich niemand auch nur geahnt, daß in erdöl »energie« drin ist. Aber komischer ansatz, daß nun ausgerechnet das nicht mehr vorhandensein des benzins im tank der beweis für energie sein soll. Aber schon verstanden, energie merkt man immer dann, wenn der tank leer ist.

Aber weiter:
Moderatorin: »Ist es zufall, daß in den ländern, in denen bestimmte, äh, wo wo es vielleicht noch an der demokratie mangelt - zumindest aus der sicht einiger länder - ähm - auch besch - auch öl - erdölvorkommen sind?«
[…] (gezeigt wird karte mit erdölfördernden ländern) […]
Michael Westphal: »Es fällt auf jeden fall auf, ähm, daß immer gerade dort freiheit, demokratie und menschenrechte herbeigebombt werden müssen, wo also erdöl ist. Ein paradebeispiel ist Libyen […], wo jetzt das tor zur hölle geöffnet ist. Wo also jetzt, äh, im grunde chaos herrscht.«
Sicher sind die lebensumstände in Libyen in den letzten jahren furchtbar, skeptisch macht es trotzdem, wenn menschen, die über politische konflikte im allgemeinen sprechen mit bildern wie »hölle« oder wenn etwas als gut dargestellt werden soll von »paradiesischen zuständen« sprechen. Wenn jemand von persönlichen erfahrungen spricht, und er schlimmes durchgemacht oder schönes erlebt hat, mag ein solches vokabular durchgehen. In allen anderen fällen wirkt das unseriös.

Moderatorin: »Also demokratieexport und erdöl gehören unweigerlich zusammen? [… (unverständlich)]«
Michael Westphal: »Unweigerlich… ähhh… es wird einfach dafür instrumentalisiert. Es wird den leuten eingeredet, dort muß jetzt demokratie hin, weil dort jetzt keine demokratie ist und deshalb müssen wir jetzt dieses land angreifen, deshalb müssen wir jetzt dieses land besetzen. Und gerade im Irak sehen wir das ja. Dort ist die USA 2003 reingegangen in den in den Irak und ja, wie sieht es da heute aus? Äh ja das ist die die demokratie die dort hergestellt werden konnte. Das sehen wir heute im Irak.«
[…] bla bla bla
Michael Westphal: »Ja da haben wir diese synergie zwischen rüstung und erdölförderung […] Königreich Saudiarabien müssen wir eigentlich sagen, wenn wir von demokratie auch sprechen. Das ist also ein staat der kaum etwas anderes macht außer erdöl aus der erde zu pumpen und die USA liefert einfach Saudiarabien die waffen, damit die ressoucen dort geschützt werden können. Das ist der zusammenhang, das ist sozusagen diese… diese synergie, diese symbiose. Diese allianz die sich dort entwickelt hat und die dort auch hergestellt wurde. Dem einen oder anderen sind vielleicht auch die fotos bekannt wo der George W. Bush, also junior zum beispiel mit dem könig zusammen äh, sich umarmt. Das ist ja auch alles dokumentiert. «
Moderatorin: »Vielen dank, Herr Westphal! Gut, daß überall wo es an demokratie fehlt erdöl ist, ne. Das wär sonst echt schade.
[…]«
Interesant ist hier, daß der herr Westphal auf die Amerikanischen waffenlieferungen an Saudiland hinweist, die Deutschen waffengeschäfte jedoch nicht einmal im ansatz erwähnt. Das ist doch komisch. Da hätte eine gute journalistin, die etwas ahnung hat, doch mal bohrend nachfragen müssen. Das konnte die ärmste nun vermutlich gar nicht, weil sie noch nie etwas davon gehört hatte.

Das verschlägt nun erst einmal die sprache. Ein kritischer sender, dessen moderatoren nicht imstande sind, auch nur im geringsten kritisch nachzufragen. Herrn Müller werde ich mich zuwenden, wenn ich diesen schlimmen schock verwunden habe.

Montag, 21. April 2014

Zur zinskritik

Wer demonstriert montags am Brandenburger Tor? Zinskritiker

Daß die zinskritik keine schlaue idee ist, weil es egal ist, ob die besitzlose klasse nun den zins, auch profit genannt, für einen eigentümer, der sein geld als kapital verwendet oder eine fabrik als kapital besitzt, habe ich vor einigen monaten schon mal geschrieben.

Der ursprung der zinskritik ist die schlechte idee, kritik an denen zu üben, die »bloß« geld zum gelingen der wirtschaft gegeben hätten. Die sind zum sündenbock für das nichtgelingen zu machen und - bei faschisten besonders wichtig - ihnen vorzuwerfen, planmäßig den staat zu schwächen, um sich egoistisch selbst zu stärken.

Über den faschistischen zinskritiker Gottfried Feder schreibt Andreas Popp auf seiner seite »Wissensnmanufaktur«folgendes:

An dieser Stelle soll auch der Erfinder dieser Methode der Staatsentschuldung gewürdigt werden. Es ist Gottfried Feder (1883 - 1941), der diese Idee schon 1919 in seinem „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“ veröffentlichte. Heute wird dieser große Wirtschaftstheoretiker leider noch immer mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht, obwohl er ab 1933 keine Rolle mehr spielte und seine Zinskritik von da an von Kapitalisten, Kommunisten und Nationalsozialisten gleichzeitig bekämpft wurde.

War der Feder nun weniger faschist, weil er nach der machtübernahme nicht den posten erhielt, den er sich erhofft hatte?

Feder war faschist der ersten stunde, bereits 1919 mitglied der DAP aus der später die NSDAP hervorging. Hitler selbst würdigte die ideen Feders in »Mein Kampf«, dieser habe ihm die »augen geöffnet«.

Feders grundfaschistische überzeugung soll nun etwas weniger grundfaschistisch oder antisemitisch sein, weil der Hitler offenbar begriffen hatte, daß er mit diesen ideen keinen erfolgreichen staat machen konnte?

Die behauptung mit der verfolgung ist lächerlich: von den kapitalisten wurde er seiner kruden wirtschaftstheorien wegen bestensfalls müde belächelt. Die nazis haben ihn nicht fallen lassen, der bekam pöstchen, auf denen er für die damalige zeit extrem gut versorgt war, allerdings nicht übermäßig viel zu melden hatte.

Zu erfahren, wo die kommunisten damals herrn Feder verfolgt hätten, wäre interessant. Die waren 1933 selbst verfolgt und somit kaum in der lage einen faschistischen sesselfurzer, der seinerseits auf das abstellgleis geschoben worden war, zu verfolgen. Die anhänger Feders verfolgten und ermordeten kommunisten. Nicht umgekehrt. Popps behauptungen sind dreiste lügen.

Offenbar setzt Popp darauf, daß Gottfried Feder den menschen kein begriff ist und er diesbezüglich behaupten kann, was ihm beliebt. Zum ersten mal fiel mir herr Popp auf, als mir vor jahren ein freund eine mail einer bekannten, die in die esoterikszene abgerutscht war, weiterleitete, weil er den inhalt absurd fand. Es ging im weiteren sinne um das BGE (bedingungsloses grundeinkommen) und ein seminar, das man für teuer geld buchen sollte.

Wer war Gottfried Feder?

Gottfried Feder war ein Deutscher ingenieur, geboren 1883, der sich ab 1917 im selbststudium mit volkswirtschaft befaßte. Was er zwischen 1914 und 1918 getrieben hat, ist nicht überliefert. Das liefert grund zur annahme, daß er sich als wackerer Deutscher patriot um den kriegsdienst herumgedrückt hat.

Für Feder besteht das wirtschaftssystem nicht aus kausalen zusammenhängen, sondern aus »geheimnissen«, vielleicht, weil er nichts davon verstand. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß er das alles sehr wohl begriffen hatte, die anderen aber dumm halten wollte, um ihnen die eigenen ideen besser unterschieben zu können.

Feder schreibt von moralischen verwerfungen, gift und krankheiten. Für ihn ist der »mammonismus«, was auch immer das sein soll, eine krankheit. Daß der mensch, der nicht völlig bescheuert ist, nach geld streben muß, wenn er im kapitalismus überleben will, läßt der völlig außen vor.

Bei ihm sind es irgendwelche übersinnlichen kräfte, die angeblich irgendwelche unsittlichen gendanken aufkommen ließen und der kapitalismus an sich ohne zins und mit viel moral wunderbar fortführen.

Schuld daran, daß das nicht geht, sind, wer auch sonst, die juden mit ihrer raffgier, die den rest der welt in zinsknechtschaft zwingen würden.

Das realexistierende prinzip des kapitalismus, wird nur zur hälfte gesehen und die andere hälfte wird geleugnet. Man soll die eine hälfte als »gut« betrachten. Die andere als »böse«.

Ist man ein lohnarbeiter, ist man von beiden seiten abhängig, die einen gleichermaßen aussaugen, das macht keinen unterschied.

Nieder mit der lohnarbeit!

Mittwoch, 19. September 2012

Glänzend inkonsequent

An sich ist nichts aufregendes dabei, wenn eine junge frau ein autobiographisch inspiriertes (mutmaßlich totlangweiliges) buch veröffentlicht. Interessant wird es, wenn man erfährt, daß es sich um eine mitgliedIn der piratInnenpartei handelt, die den begriff des geistigen eigentums als »ekelhaft« bezeichnet hat.

Das paßt sehr gut zu den insgesamt konfusen vorstellungen der piratInnen. Wenn man sich damit befaßt, was das »geistige eigentum« oder das »urheberrecht« ist, kann man auf alles mögliche kommen. Aber »ekelhaft« ist wohl kaum ein geeignetes urteil für ein ding, das dem autor und seinem verlag ein recht zum geldverdienen sichern soll.

Der »fall Schramm« zeigt sehr schön den widerspruch mit der realität, in dem die piratInnen stehen. Natürlich lebt es sich mit einem sechsstelligen betrag auf dem konto angenehmer als ohne. An den kommt man jedoch nur ran, wenn man einen verlag findet, bei dem man geld verdienen kann. Und am zwang zum schacher wollen die piratInnen generell nichts ändern.

Es ist völlig unmöglich gleichzeitig den zwang zum geldverdienen aufrecht zu erhalten und inhaber von urheberrechten vorschreiben zu wollen, daß sie ihr zeug kostenlos hergeben sollen.