Montag, 29. Oktober 2012

Foto am montag (26)

Preußischer herbst.
Weil heute das letzte oktobermontagsfoto erscheint, gibt es heute ausnahmsweise eine kleine bilderserie mit herbstlichen motiven aus Berlin und umgebung.


Wunderschön ist die herbstfärbung der parrotie (parrotia persica), diesen baum sieht man in Deutschland gelegentlich als parkbaum, wie der wissenschaftliche name vermuten läßt, stammt er aus dem Iran.




stachelbart (hericium coralloides)


hallimasch (armillaria mellea)


herbstlorchel (helvella crispa)


Sonntag, 28. Oktober 2012

Ein Industrieller

von Erich Weinert aus »Anonyme Grabschriften«
Unter diesem pompe funèbre
Ruht ein wackerer Arbeitgeber.
Arbeit gab er, und mit offenen Händen
Jeder Kreatur.
Für sich selber nur
Nahm er ganz bescheidene Dividenden.


Passend dazu auf dem friedhof gefunden:
Im detail:
»Arbeit ist des Bürgers Zierde. Segen ist der Mühe Preis.«

Ich glaube kaum, daß ein arbeiter sich so einen schmarrn auf den grabstein schreiben lassen würde. Der ist froh, daß ihm wenigstens auf dem friedhof des bürgers »zierde« und »segen« erspart bleibt.

Aber die »fleißigen arbeitgeber« gönnen sich nicht einmal selbst die letzte ruhe!

Dienstag, 23. Oktober 2012

Am 23. oktober vor sechzig jahren

wurde zum ersten mal in der »Bonner Republik« eine partei verboten. Es handelte sich um die SRPD (Sozialistische Reichspartei Deutschlands), deren mitglieder und wähler hauptsächlich ehemalige NSDAP-wähler waren.

Wie diese form des »staatsantifaschismus« in der BRD der Adenauerära mit ehemaligen NSDAPleuten in höchsten staatsämtern problemlos zusammengingen, erfährt man unter anderem aus diesem interview mit Freerk Huisken vom 6. oktober, welches am 8. im »freien radio potsdam« gesendet wurde.

Montag, 22. Oktober 2012

Sonntag, 21. Oktober 2012

Die gefährlichste band der welt


Ist selbstverständlich nicht die russische band, deren schönen namen man mit »fotze aufruhr« recht gut ins deutsche übertragen hätte, sondern die deren name auf deutsch »feine sahne fischfilet« lautet.

Aber was macht diese band so gefährlich? Haben sie den Kölner Dom, das Ulmer Münster oder wenigstens die Marienkirche zu Rostock gestürmt? Die mutter gottes zu bitten für uns sünder um die erlösung von dem bösen, beispielsweise in gestalt des bundespredigers?

Nichts dergleichen. Wer nicht verfassungsschutzberichtleser ist, kennt diese provinzband aus MeckPomm für gewöhnlich nicht, denn »feine sahne fischfilet« hat es immerhin zu anderthalb seiten im mecklenburgischen verfassungsschutzbericht gebracht.

Das löst in mir ein sonderbares mitgefühl aus: Wer in der jugend nie für ein undergroundfanzine schreiben durfte, hat es im alter schwer. Der kommt zu einer verknöcherten weltanschauung. Beispielsweise, daß, wie im verfassungsschutzbericht sinngemäß zu lesen, der staat zu bestimmen habe, was antifaschismus sei - das ist die vielbeschworene freiheit.

Der verfassungsschutz war über jahre hinweg nicht imstande, morde an ausländischstämmigen mitmenschen zu verhindern, hatte gar ku-klux-clan-mitglieder in den eigenen reihen. Aber immerhin bekommen sie es hin, ein paar junge menschen, die auf dem flachen land von dorf zu dorf tingeln und diese von oben bis unten nach bananen duftende republik nicht übermäßig toll finden, bestens zu überwachen.

Spitzelei nicht reformieren. Abschaffen!

Anmerkung:
Bei der band allerdings handelt es sich natürlich nicht um die gefährlichste band der welt, sondern bloß um die gefährlichste band Mecklenburg-Vorpommerns. Aber das hätte meine sensationsheischende leserschaft nicht hinter dem erkalteten kohleofen hervorgelockt.

Vielleicht geht es demnächtst wieder etliche nummern kleiner. Womöglich »die ätzendste frau Mecklenburg-Vorpommerns« oder so.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

(Wegen der guten wirtschaftslage…) mir wird schlecht

An sich hatte ich nach den nachrichten von der »guten wirtschaftslage« gar keine lust mehr, mich mit neuigkeiten zu befassen, die im grunde gar keine sind.

Wie beispielsweise die »neuigkeit«, daß das Allensbach Institut im auftrag der irrenagentur nachgewiesen hat, daß es vorurteile gegen h4empfänger gibt..

Wofür braucht es da eine umfrage? Weiß doch jeder mensch, der die vergangenen acht bis zehn jahre nicht verschlafen hat und mit einigermaßen offenen augen durchs leben gegangen ist, aus dem alltäglichen erleben, daß es bereits vor der h4einführung vorurteile gegen arbeitslose gab. Geschürt von CDUleuten in der Springerpresse  und vom »zirkus sarrazyni«, der in der SPD lief, ganz zu schweigen. Siehe auch »Volksverhetzung von staats wegen und staatliche gegenpropagenda«.

Und jetzt soll ausgerechnet die pr-agentur Scholz and Friends, die das konzept für die arbeitgeberpropagandatruppe INSM ersonnen hat, den ruf der arbeitslosen mit der kampagne »ich bin gut!« retten, weil denen aus der irrenagentur mal aufgefallen ist, daß man solche nulpen, wie h4leute im öffentlichen bild dastehen nun auch wirklich keinem arbeitgeber zumuten kann. Dort werden »erfolgsgeschichten« von h4empfängern erzählt, weil man sich nicht mehr drüber einkriegt, was für super karrieren die in diesem staat hinlegen können. Diese PR-agentur hat uns auch so schöne pr-kampagnen beschert wie die mit dem damals noch nicht bundesprediger.

Darüber nachdenken, wofür dieser tolle staat ständig geld raushaut, will ich eigentlich nicht.

Ich bin nicht gut, aber mir ist bereits schlecht.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Dank guter wirtschaftlicher lage: sanktionen für arbeitslose auf rekordniveau

Manchmal kommt man aus dem staunen nicht raus, wozu die »gute wirtschaftliche lage« in diesem staat fähig ist: Sie ermöglicht es nämlich, daß in diesem jahr bis ende juli bereits mehr als 520.000 arbeitslosen die stütze gekürzt werden konnte.

Hierzu sagte irrenagenturvorstand Heinrich Alt:
»Der Wert hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass wir aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation - des Wachstums von Erwerbstätigkeit und Beschäftigung - sehr viele Angebote machen können.«

Wenn es tatsächlich daran läge, müßte es doch 89 % weniger strafen geben, wenn bei 11 % der fälle die meinungen, was eine zumutbare arbeit sei, auseinandergehen. Die gute wirtschaftliche lage ist an allem schuld: Erst daran, daß es keine rente gibt und jetzt an den strafen für h4empfänger.

Ich fange an, was gegen »gute wirtschaftslagen« zu haben.

Montag, 15. Oktober 2012

Foto am montag (24)

Ein wohlbeleibter frosch (ich bin nicht sicher um welche art es sich handelt, deswegen keine weitere angabe), der sich über die herbstsonne genau so freute wie ich. Der goldene glanz seiner augen ist im foto leider nicht so schön zu sehen, wie er tatsächlich war.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Kulturhaus Zinnowitz

Zu meinem artikel »kultur ost - kultur west«, in welchem es um den zerfall des kulturhauses in Zinnowitz geht, schreibt Ronald Mehlhorn:
Ich erinnere mich auch gerne an die Zeit. Hatte 1985 dort meine Feier zur Schuleinweihung mit festlicher Rede und ganz stolz das erste mal mit meinem blauen Halstuch. Sicher war vieles besser aber nicht alles gut und man darf die Vergangenheit auch nicht mit verklärtem Blick sehen, sogern man sich auch dazu hinreißen läßt.

Heute steht nun dort ein erbämliches Stück Bauwerk wo einst getanzt, gesungen, gelacht und in stiller Aufmerksamkeit zugehört wurde. Am 1. Juli 1954 jährt sich die Einweihung des Mittelbaus zum 60. mal.

Ich bin optimistisch, daß in vielen Zinnowitzern der bisweilen stille Wunsch lebt diesen Schandfleck wieder zu einer attraktiven und erschwinglichen Anlaufstelle für Veranstaltungen und Begegnungen aller Art werden zu lassen.

Das Ziel das gemeinsame Bewußtsein dafür zu wecken soll eine Austellung im ersten Halbjahr 2014 in Zinnowitz haben, die dann mit einer Feierlichkeit auf dem Vorplatz des Kulturhauses im Park am 1. Juli endet.

Hierfür ist jede tatkräftige Hand herzlich willkommen. Ich möchte alles beitragen, von der Planung bis zur Ruine, was der Austellung dienlich ist, auch und grade persönliche Geschichten wie die erste Liebe wären eine schöne Anekdote. Viele Bilder, Filme und Ideen für eine Sanierung werden mit einfließen. Ich hoffe ich habe Euer Interesse geweckt und freue mich auf Eure Zusammenarbeit.

dr-roof@gmx.de
Leider kann ich keine persönliche geschichte über das kulturhaus erzählen, weil ich es nur in ruiniertem zustand kenne.

Die idee, durch eine ausstellung aufmerksamkeit für das kulturhaus zu wecken, finde ich gut und bitte deshalb meine leser, es weiterzusagen, daß selbsterlebte geschichte, die im zusammenhang mit dem kulturhaus in Zinnowitz steht, gefragt ist.

Für mich wäre es interessant zu erfahren, wie der kulturbetrieb dort zu DDRzeiten ausgesehen hat.

Freuen täts mich, wenn ich weiterhin darüber höre, was mit dem kulturhaus passiert.

Samstag, 13. Oktober 2012

Herzlichen glückwunsch

Die »Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften« (kurz GWUP) feiert heute ihr 25jähriges jubiläum. Hierzu gratuliere ich.

Zum thema passend gibt es in der ARDmediathek ein video »die wunderhändler - geschäfte mit dem übersinnlichen«.

EU erhält dynamiterfinderpreis für frieden

Weil die Europäische Union weltweit nicht nur für sozialen sprengstoff sorgt, sondern auch bereit ist den »kampf für den frieden« auch mit waffengewalt auszutragen, erhält sie den friedenspreis, der nach dem erfinder des dynamits benannt ist.

Da können die griechischen, portugiesischen und spanischen arbeiter wirklich dankbar sein, daß ihre staaten beizeiten der EU beigetreten sind und sie bloß verhungern müssen anstatt in einem krieg erschossen zu werden.

Ist so wesentlich humaner!

Freitag, 12. Oktober 2012

Hexenjagd

Als ich heute früh bei recht gutem herbstwetter einen stadtspaziergang machte, ging ich in einen buchladen. Das ist an sich nichts erzählenswertes, weil ich trotz elektronischen büchern gern und oft realexistierende geschäfte aufsuche, um dort nach lesenswertem zu gucken.

Im regal lagen nebeneinander Heinz Buschkowski »Neukölln ist überall« und Ursula Sarrazin »Hexenjagd«.

»Vielleicht war das mit der hexenverbrennung nicht in jedem fall eine schlechte idee!« schoss es mir durch den kopf.

Einen moment später stand ich unverrichteter dinge wieder auf der straße und stellte fest, daß schlechte literatur auch ungelesen unmenschliche gedanken hervorruft.

Der sarrazin-champignon (amanita phalloides - weiße farbvariante).

Vorsicht! Auf keinen fall essen - am besten auch nicht anfassen - und wenn, dann nur mit derben gummihandschuhen.

Er ist ein leider nicht seltener giftbolzen, der langsam und qualvoll tötet.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Ostprodukte im westregal

In diskussionen erlebe ich es immer wieder, daß die DDR als wirtschaftlich nicht leistungsfähig bezeichnet wird, weil sie nicht imstande gewesen sei, ihre bürger mit dem notwendigsten zu versorgen.

Das problem der DDR war nicht, daß dort keine hochwertigen waren produziert wurden, sondern daß die DDRwirtschaft für die versorgung der bevölkerung rohstoffe auf dem weltmarkt einzukaufen mußte - und für die weltmarktpreise devisen benötigte. Daher entstand die absurde situation, daß die besten waren an den klassenfeind geliefert wurden.

Diese doku bestätigt, was ich seit jahren immer wieder gesagt und geschrieben habe: zur bunten warenwelt der BRD hatten ärmere leute vor allem wegen der preiswerten waren aus der DDR zugang - zu dingen, die in der DDR oft sehr teuer waren, oder schwer zu bekommen.

Montag, 8. Oktober 2012

Foto am montag (23)

Weil ich in der vergangenen woche nichts schönes über die Peenewiesen schrieb, heute ein foto von einem braunkehlchen (saxicola rubetra), das ich dort gemacht habe. Selten gesehen und hier zum ersten mal fotographiert.

Nachtrag: Im bild zu sehen ist ein weibchen - wer das auffälligere männchen im prachtkleid anschauen möchte, schaue sich das bild bei »politik en kultuur« an. Merci, Nadja

Samstag, 6. Oktober 2012

Wegen guter wirtschaftlicher lage: Kein geld für altersrente

Vorhin fand ich auf tagesschau.de ein kurzinterview mit Jochen Hansen vom Institut für Demoskopie Allensbach zum thema altersvorsorge.

Damit ich nicht vergesse, was man im öffentlich rechtlichen fernsehen geboten bekommt, wenn der link in einigen wochen verschwunden sein wird, habe ich den text mitgeschrieben, man kommt aus dem staunen kaum raus (es folgt o-ton tagesschau):

tagesschau: Die ausgaben für die private alterversicherung sind also auf dem niedrigsten stand seit 2005. Warum will niemand mehr investieren?

Jochen Hansen: Im moment ist das gefühl relativ stark verbreitet, obwohl noch immer fast die hälfte anders denkt, wir haben genug getan und das ist sicherlich auch eine folge der relativ guten wirtschaftlichen lage.

tagesschau: Auf der anderen seite machen sich die menschen aber sorgen, wie sie im alter über die runden kommen sollen. Andererseits investieren sie nicht genug. Wie ist dieser widerspruch zu erklären?

Jochen Hansen: Sie kommen immer in den konflikt, mehreres zugleich zu wollen. Und altersvorsorge ist für viele doch etwas, was noch ziemlich weit von ihnen entfernt liegt, so daß die anderen ausgaben eigentlich einen höheren stellenwert haben, sieh es man auf die beruflichen investitionen, sehe man auf die im bereich des tourismus oder eben im bereich des häuslichen und altersvorsorge ist für sehr viele wirtschafts… ähem… gesellschaftliche kreise doch etwas, was dann nicht so dringlich ist und von daher gibt es einen gewissen widerspruch auch, den man aber aushält, weil er nicht innerhalb der nächsten ein, zwei jahren schon einzulösen ist.

tagesschau: Welche rolle spielt denn die schuldenkriese im euroraum in bezug jetzt auf die entwicklung was die altersvorsoge angeht?

Jochen Hansen: Insgesamt ist man schon sehr besorgt, also mehr als die hälfte, die hier wirklich deutliche auch auswirkungen sieht, aber vor allem denkt man, also, es könnte eine gefahr sein, daß nicht mehr genügend staatliches geld für die rentenversicherung da ist, so daß die renten gekürzt werden müßten. Im verhalten allerdings hält sich das, wenn man so will kündigungsverhalten sehr in grenzen, das heißt die meisten reagieren eher gelassen und warten ab.

tagesschau: Wenn vorgesorgt wird, in was vertrauen die Deutschen am meisten?

Jochen Hansen: Im moment sind die immobilien in sehr hohem grade praktisch gewünscht. Aber natürlich vertraut man auch nach wie vor in die gesetzliche rentenversicherung. Und dann in elemente wie gold innerhalb der letzten jahre zunehmend, aber sehr vieles bleibt eigenlich im gleichen rahmen, wie über jahrzehnte fast… wahrscheinlich… ahem… immer für richtig gehalten wurde.
Insgesamt kein wort davon, daß es sich hierbei um eine umfrage im auftrag der Postbank handelt, bei der herauskam, daß nur 16 % der befragten berufstätigen die »Riesterrente« für sicher halten, die staatliche schneidet immerhin mit 48 % ab.

Mit dieser information läßt sich die erste antwort einigermaßen interpretieren - die frage allerdings bleibt genau so dämlich im raum stehen, wie sie von anfang an war: altersvorsorge als »investition« ist eine wette auf das eigene leben - und wenn man jetzt schon nichts zum verknuspern hat, dann sieht es für das alter mau aus.

Dies mit der »relativ guten wirtschaftlichen lage« zu begründen ist finster. An der selben »relativ guten wirtschaftlichen lage« liegt es nämlich zufälliger weise, daß immer mehr menschen von ihrer arbeit nicht leben können, nebenher sozialleistungen beantragen müssen oder einem zweit- und drittjob nachgeben. Aber vermutlich liegt es an der »relativ guten wirtschaftlichen lage«, daß es diesen zweit- und drittjob überhaupt gibt.

Zum glück muß man vom öffentlich-rechtlichen fernsehen keine nachbohrenden fragen erwarten, stattdessen wird zwar immerhin erkannt, daß da ein widerspruch im raum steht, worin jedoch der widerspruch besteht, wird selbstverständlich nicht angesprochen.

Der widerspruch der hier im raum steht, ist der, daß lohnabhängige menschen, die den gesamten reichtum erarbeiten, den es in der welt gibt, kaum genug zum leben abkriegen, darauf ist das meinungsforschungsinstitut in all den jahren der meinungsforscherei nie gekommen. Ist es möglich, daß die einfach die falschen fragen stellen?

Da wundert es einen nicht, daß die herausgefunden haben wollen, daß die jungen leute ihr geld lieber verjuxen als es fürs altenasyl aufzusparen. Fällt es denn in den bereich »touristik«, wenn man gezwungen wird, täglich 200 km zur arbeit zu fahren - oder ist das »berufliche investition«?

Muß es einen wundern, daß die leute, die noch geld haben, lieber ein haus haben möchten, als es windigen versicherungsvertretern für ihre sexreisen hinterherzuwerfen?

Die erklärung, weshalb der guten wirtschaftlichen lage wegen das geld für die altersrente fehlt, blieb der herr vom Allensbach Institut leider schuldig.

Freitag, 5. Oktober 2012

Das ist der gipfel

Schon wieder demographischer wandel. Als wäre es schlimmer als pocken, pest und cholera gleichzeitig, wird in der FAZ beklagt, daß die lebenserwartung der menschen hierzulande in zukunft weiter steigen würde. Geradezu als sei nicht die krankheit geißel der menschheit, sondern deren überwindung. Auf dergestalte affenscheiße muß man erstmal kommen:

zitat FAZ
»…den künftigen Rentner durch erhöhte Mindestrenten mehr Einkünfte zu verschaffen, als sie im gegenwärtigen System erworben haben. Auch die SPD-Führung setzt auf eine „Solidaritätsrente“, die von der nächsten Generation zusätzlich zu den bereits geschilderten Belastungen übernommen werden soll.«


Aha. Schon mal danach gefragt, wie in diesem system renten erworben werden? Wer ständig malocht, aber nichts bis wenig verdient, bekommt hinterher auch nichts. Das ist nicht nur für alternde, ungelernte niedriglöhner ein problem, sondern gerade auch für junge leute, die bereit sind, sich in der hoffnung auf ausbildung zu bescheiden mit einem minimallohn, oder gar ohne lohn arbeiten. Die lebensmöglichkeiten der jungen leute werden nicht von den gierigen rentnern gefressen, sondern von den kapitalinteressen, da beißt die FAZ kein faden ab.

Die in den vergangenen hundert jahren erhöhte produktivität kommt nicht denen zugute, die diesen reichtum erarbeiten, sondern denen, die arbeiten lassen und von ihrem reichtum nichts in die rentenkasse abgeben. Wobei die »rentenkasse« selbst schon eine erfindung ist, die notwendig ist, weil das system so ausgelegt ist, daß die arbeitende bevölkerung so gehalten wird, daß sie immer arm bleibt.

Die steigende lebenserwartung zweifele ich an. Als meine urgroßmutter geboren wurde, lag die lebenserwartung für neugeborene mädchen bei ungefähr neununddreißig jahren, die geringe lebenserwartung war der schlechten medizinischen versorgung und den harten lebensbedingungen geschuldet. Sie lebte rund zweieinhalb mal so lage. Als kind und junger mensch hatte sie eine gute gesundheit, im alter war sie durch medizinischen fortschritt und ein einigermaßen vernünftiges sozialsystem versorgt.

Bei menschen meiner generation läuft es umgekehrt - ohne fortschrittliche medizin hätten wir (meist) die ersten lebensjahre nicht überlebt. Mag sein, daß die lebenserwartung des menschen steigerbar ist, jedoch nicht ohne geld.

Ohne mich als hellseherin betätigen zu wollen, behaupte ich, daß beim derzeitigen abbau der medizinischen versorgung die lebenszeit der unteren bevölkerungsschichten drastisch sinken wird.

Somit die armen selbstlos die rentenpunkte an die bessergestellten abtreten werden.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Nichts zum feiern


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Ein wenig schöner tag in der Deutschen geschichte und in der weltgeschichte überhaupt, ist der 3. oktober.

Vor 70 jahren gelang zum erstem mal der erfolgreiche start des »aggregat 4«, besser bekannt als V2 bzw. »vergeltungswaffe 2«.

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V2 rakete im Historisch-Technischen Museum Peenemünde, im hintergrund sieht man das kraftwerk, das eigens gebaut worden war, um die energie für die forschung und beginnende serienproduktion der raketen zu sichern.
Daß dies kein anlaß zum feiern sei, sah man 1992 in der Kohlregierung ganz anders.

Der parlamentarische staatsekretär des bundeswirtschaftministeriums Erich Riedl hatte die schirmherrschaft für die zum 50. jahrestag geplante feier im gerade erst zurückeroberten Peenemünde übernommen. Sie wurde nach protesten aus dem in- und ausland kurzfristig abgesagt.

Hier gibt es einen Spiegelartikel vom 5. oktober 1992 von Rudolf Augstein zum thema, in welchem eine ganze ladung unsinn vom »gerechten krieg«, den die Briten geführt hätten, steht.

In der nacht vom 17. auf den 18. august 1943 bombardierte die Britische luftwaffe den norden Usedoms - allerdings nicht die technischen anlagen in Peenemünde, sondern hauptsächlich die zwangsarbeiterbarracken, die sich südlich des ortes Karlshagen im Trassenmoor befanden. Rund 750 menschen überlebten dies nicht. Die allermeisten der toten waren ausländer, die dorthin verschleppt worden waren. Es lag nicht im interesse, die technik zu zerstören - die wollten sie im falle des sieges doch haben, also mußten die arbeiter dran glauben.
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Interessant ist in diesem zusammenhang selbstverständlich auch die rolle des späteren »bundesrepublikvorstehers« Heinrich Lübke, der sich als zentrumsorientierter steigbügelhalter später an nichts früheres erinnern konnte. Auf der oben gezeigten museumstafel wird verharmlosend davon gesprochen, der spätere bundespräsident sei für den »personaleinsatz« verantwortlich gewesen, auf Deutsch heißt das, er war verantwortlich für die dort eingesetzten zwangsarbeiter.
Die V2 gilt als die einzige waffe, deren entwicklung und produktion mehr todesopfer forderte als ihr einsatz. Die produktion soll zwölf- bis zwanzigtausend menschen das leben gekostet haben. Ihr einsatz achttausend.

Das sind mindestens zwanzigtausend zu viel.

Die stadt Antwerpen traf es besonders hart. Dank an Nadja, die hier und hier in ihrem blog bilder von der zerstörung der stadt gezeigt hat.
Im »goldenen westen« wurde immer so getan, als hätte die V2 überhaupt keine relevanz gehabt - als wäre es nicht eine furchtbare waffe gewesen, die ohne vorwarnung eingesetzt werden konnte. Der erfinder Wernher von Braun wurde später als der »vater der mondrakete« verklärt, die blutigen spuren, die nach Peenemünde führten, verwischt.

Und wer wußte im westen schon, wo ausgerechnet Peenemünde liegt?
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Fast friedlich sieht es aus, wenn man heute über die Peenewiesen wandert. Jedoch gibt es in Nordusedom auch 67 jahre nach kriegsende noch gebiete, die man besser nicht betreten sollte. Niemand weiß, welche giftstoffe womöglich in den bunkern, deren reste im bild zu sehen sind, lagerten.
All das ist grund genug, am 3. oktober nichts zu feiern.

Montag, 1. Oktober 2012

Foto am montag (22)

Weil es beschwerden gab, daß ich meinen lesern mit dem »montagsfoto« am liebsten bloß »nen vogel zeigen« wolle, gibt es heute zum dritten mal in folge etwas anderes. Nämlich ein zweites stadtfuchsfoto:
Der saß wie ein ganz besonders braver hund in einer innerstädtischen grünanlage. Und ließ sich völlig gelassen von den begeisterten passanten fotographieren.