Dienstag, 30. Juni 2015

Sarrazynismus des tages

Zum morgigen 25. jahrestag der währungsunion ein zitat von Thilo Sarrazin, der gemeinsam mit Horst Köhler und Theo Waigel die einführung der DM in der DDR vorbereitete:
»Mit der schlagartigen Einbeziehung der DDR-Wirtschaft in den
D-Mark-Wirtschafts- und Währungsraum gewinnt der Reformprozeß eine neue, gänzlich anders geartete Qualität: Die Hirn zermaternden, fast unlösbaren Fragen, wie in einem planwirtschaftlichen System zügig und ohne zu große soziale Kosten ein funktionierendes Preissystem, Wettbewerb, ein funktionierender Kapitalmarkt verwirklicht werden können, lösen sich in ein Nichts auf, denn mit dem Tag der Umstellung ist alles da.«
Später wurde behauptet und gern geglaubt, daß man vorher nicht hätte wissen können, was passiert, wenn man in einem realsozialistischen staat eine »richtige« währung einführt. Den »vätern« der währungsunion dürfte allerdings sehr klar gewesen sein, daß sie mit der einführung der DM die wirtschaft der DDR auf einen schlag zerstören.

Montag, 29. Juni 2015

Foto am montag (165)

Mittagessen auf der Spree.

Fütterungszeit für die kleinen haubentaucher (podiceps cristatus). Der rotfeder dürfte es weniger gut gefallen haben.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Petition gegen sport

Eigentlich kann ich es befürworten, daß es jetzt eine petition gegen die »Bundesjugendspiele« gibt. Ich kann mich daran erinnern, daß dies »sportfest« und auch das training dazu im sportunterricht für weniger sportbegeisterte schüler eine qual und oft demütigend war. Ich kann mich daran erinnern, daß ich die 100m in weltrekordzeit sprintete, allerdings rekordzeit für die doppelte strecke und dafür vom lehrer ausgelacht wurde.

In ihrem blog schreibt Christine Finke: Sport sollte Spaß machen und ein positives Körpergefühl vermitteln. Aber die Bundesjugendspiele leben von Wertung: Aufwertung und Abwertung einzelner auf Kosten anderer. Oft ist das Lehrpersonal auch noch so unsensibel, die Unterschiede zwischen den Kindern besonders herauszustellen bei der anschließenden Vergabe der Urkunden in der Klasse. Bei einem Wettkampf gehöre es dazu, heißt es dann. Aber welchen Sinn hat ein Wettkampf, dem man sich nicht freiwillig stellt und bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie am unteren Ende der Leistungsskala sein werden?

Ja, das stimmt. Aber ist es der frau doktor Finke noch nie aufgefallen, daß man in der schule fortwährend einem wettbewerb ausgesetzt ist, dem man sich nicht freiwillig stellt?

So weit ich mich erinnere, war die schule war kein ort des lernens, das war die tägliche konkurrenz, die irgendwie überstanden werden mußte.

Wenn ein notenspektrum von eins bis sechs vergeben werden muß, wobei die sechs bei uns nur in ausnahmefällen gegeben wurde, läuft es darauf raus, daß nicht alle gut sein dürfen - vielleicht erinnert sich noch jemand an Sabine Czerny. Die war eine lehrerin in Bayern, die vor einigen jahren in die schlagzeilen geriet, weil sie ihre schüler so gut unterichtete, daß keiner mehr schlecht war. Die frau wurde strafversetzt, weil das leider gar nicht geht, daß sich plötzlich alle für mathe begeistern und alle etwas lernen.

Die schule ist nicht nur bei den »Bundesjugendspielen« bzw. beim sport brutal, sondern auch in Deutsch, Englisch, mathe, chemie und was es sonst noch so gibt. Da werden immer die ungleichen gleich gemessen und in bezug auf die position in der konkurrenz bewertet.

So sympathisch ich die abneigung gegen sport finde, ich werde diese petition nicht unterschreiben. Ich halte sie für falsch. Sie greift einen blöden, kleinen teilaspekt aus der schulbildung raus, welchen ich zufällig besonders wenig mochte, im sportunterricht herrschte für gewöhnlich kasernenhofton. Wer schlappmachte wurde zusammengebrüllt, allein deshalb haßte ich den sportunterricht. Allerdings wurden mitschüler in anderen fächern, in denen ich gut war, nicht minder gequält.

Wenn, dann müßte man schon ein anderes schulsystem wollen.

Dienstag, 23. Juni 2015

Aus gegebenen anlaß

Zum Berlinbesuch. God save the queen


Als alter royalist bin ich entsprechend begeistert. Sofort abschieben in das kleinste nest des commonwealth. Aber was sollen die armen leute dort mit der?

Samstag, 20. Juni 2015

Neues aus dem sommerloch

Immer wenn das sommerloch um die ecke schaut, kommen die geistigen tiefflieger mit tollen plänen, um es wenigstes mal in die zeitung zu schaffen. So auch Paul Ziemiak, der neue vorsitzende der Jungen Union, der laut Süddeutscher Zeitung auf die glänzende und brandneue idee gekommen ist, eine sonderabgabe für kinderlose zu schaffen, während es für jedes neugeborene tausend euro wurfprämie geben soll.

Als gäbe es nicht schon ausreichend geborene menschen, die in diesem staat kaum wissen, wovon sie eigentlich ihren lebensunterhalt bestreiten sollen. Ich zumindest habe nicht den eindruck, daß die menschheit gerade aussterben würde. Es werden durch die gesteigerte produktivität ohnehin weniger leute gebraucht.

Anstatt es zu organisieren, den leuten, die sowieso schon da sind, ein vernünftiges leben zu verschaffen, soll staatstragendes kindermachen belohnt werden, das ist bestimmt keine besonders schlaue idee.

Montag, 15. Juni 2015

Foto am montag (163)

Frühsommerabend an der Havel. Das geht natürlich nicht ohne rohrsänger - in diesem fall ein drosselrohrsänger (acrocephalus arundinaceus).

Sonntag, 14. Juni 2015

Paul und Paula Ufer

Einer der romantischsten orte in Berlin war in lauen sommernächten das Paul und Paula Ufer an der Rummelsburger bucht. Benannt ist dieser ort nach dem film »Die Legende von Paul und Paula«, weil dort eine bedeutende filmszene gedreht wurde. Man muß den film nicht mögen - angeblich ist das Angela Merkels lieblingsfilm.

Als ich dort vor einigen jahren spazieren ging, gab es rund um die bucht fünf nachtigallen, die dort um die wette sangen, heute gibt es da kaum noch vögel, es sieht dort so aus:


Zweispurige radrennpiste. Und weil in jedem gebüsch nicht nur nachtigallen trapsen, sondern stets auch vergewaltiger lauern, wurde gründlich aufgeräumt:


Niemand der einigermaßen bei trost ist, fühlt sich in so einer umgebung wohl.

Samstag, 13. Juni 2015

(Menschen)freies Kosovo!

Die Republik Kosovo hat 1,8 millionen einwohner. Allein im jahr 2014 begrüßten 37.895 menschen vom Amselfeld die lebensumstände dort so sehr, daß sie um asyl in der EU baten.

Zwar war die NATO sehr daran interessiert, daß es ein »freies Kosovo« geben muß. Was aus den leuten werden soll, die in der nicht lebensfähigen republik klar kommen müssen, hat von anfang an nicht interessiert. Nach der grandiosen befreiung vom »Serbischen joch« tät die freundschaft der westlichen staaten not. Nur hat die eigenartiger weise ausgedient, weil die NATO-stützpunkte jetzt bereits im land sind und die menschenrechte waren nur ein vorwand eine mögliche Serbische vorherrschaft auf dem Balkan zu verhindern.

Die GRÜNIN und abgebrochene theologIN Katrin Göring-Eckard gab dazu folgendes zu protokoll:

Zitat Katrin Göring-Eckard »Eine weitere Entscheidung betraf den Militäreinsatz im Kosovo. Ich tat mich sehr schwer damit, eine Abwägung zu treffen: Auf der einen Seite das Friedensgebot, auf der anderen die Menschenrechte. Wie kann man da eine Abwägung finden?! Damals las ich sehr, sehr viel in der Bibel und sprach mit vielen Leuten darüber, was mir sehr wichtig war. Ich sagte mir, wenn es um Krieg und Frieden geht oder um Leben und Tod, kann man nicht gegen den Glauben handeln. Ich stimmte allerdings für den Militäreinsatz, weil ich beim Abwägen fand, dass es wahrscheinlich richtig war. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es sich als richtig herausgestellt hat.«

Wie schön, daß die entscheidung richtig war. Nicht, weil den menschen mit der bombardierung gedient gewesen wäre. Und nicht, weil es gelungen wäre, daß die menschen dort irgendeine lebensperspektive hätten.

Nein, es ist ja schon genug, wenn wenigstens die freunde von der »Atlantik Brücke« zu ihrem kommen. Wo kämen wir denn hin, wenn unter die menschenrechtsheuchelei denn dann auch noch die bedürfnisse der Kosovarischen bevölkerung fielen?

Liebe menschen aus dem Kosovo, unsere politiker können sich leider nicht mehr daran erinnern, daß es bei der zerstörung Eures landes um Euer menschenrecht auf leben gegangen soll. Und das stimmt leider auch, darum ist es nie gegangen. Die würden Euch jetzt gern nicht als asylbewerber in der EU sehen, da gehört Ihr nicht hin, der westen hat Euch schließlich gerettet.

Kommt trotzdem bitte alle, damit der imperialismus, der Euer land gespalten und in den ruin getrieben hat, wenigstens eine chance bekommt unterzugehen.

Freitag, 12. Juni 2015

Dresden hat etwas besonderes

Nein, nicht Tatjana Festerling, Dresdner Stollen, Semperoper und das Blaue Wunder, sondern, man schaue und staune, seit 25 jahren »rot«. Ganz ohne gelb und grün:


Mittwoch, 10. Juni 2015

Montag, 8. Juni 2015

Foto am montag (162)

Wellensittiche (melopsittacus undulatus)

21306 wählten diese frau

In Dresden war gestern oberbürgermeisterwahl. 9,6 % wählten Tatjana Festerling:


Zitat Tatjana Festerling: »Willkommen in der freiluftpsychiartrie Deutschland.« oder »Das bruttonationaleinkommen Eures staates wird explodieren, weil die gummimuschi- und plüschpimmelproduktion für die sexualaufklärung in kindergärten und schulen massiv angekurbelt werden muß« oder »kondomabrollwettbewerbe in kindergärten mit anschließender karottenkönigkrönung«

Amüsiert hat mich diese frau Festerling schon, aber diese sächsistischen Dresdner denken offensichtlich nur an schweinskram.

Sonntag, 7. Juni 2015

Gnadenlos

In Saudiland hat der oberste gerichtshof das Urteil gegen den liberalen blogger Raif Badawi bestätigt. Diese entscheidung des gerichts ist letztinstanzlich und »unwiderruflich«, damit wird Raif Badawi seine zehnjährige haft verbüßen müssen, weiterhin drohen ihm 950 peitschenhiebe.

Dem blogger wird vorgeworfen, er habe den islam verspottet, weil er u.a. geschrieben hatte, daß atheisten, christen, juden und muslime gleichwertige menschen sind.

Sicherlich wird dieses urteil den geschäftlichen beziehungen Deutschlands zu Saudi Arabien keinen abbruch tun. Die rüstungsindustrie wird es freuen.

Samstag, 6. Juni 2015

Ge sieben

In der »taz« schreibt Martin Kaul, »taz-redakteur für soziale bewegungen & politik von unten«, in einem artikel folgendes

Zitat: »Repräsentation ist, politikwissenschaftlich betrachtet, die rechtlich autorisierte Ausübung von Herrschaftsfunktionen. Demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs vertreten die Interessen des Volkes. In Elmau zeigt sich, was passiert, wenn diese gute Idee missverstanden wird.«

Zwei sätze, ein widerspruch. Entweder herrschaft oder interessen des volkes. In Elmau wird keine gute idee einfach mißverstanden. In Elmau wird eine schlechte idee einfach ausgeübt. Nämlich herrschaft. Und wenn man herrschaftsfunktionen für »in ordnung« hält, dann muß man auch nicht beweinen, daß eher über das wetter als über den prekären zustand der welt geredet wird, wie der herr »redakteur für politik von unten« im weiteren das tut.

Den prekären zustand der welt hat die herrschaft zufällig nicht aus mißverständnis so eingerichtet, weil sie glauben würde, daß das den leuten gut täte. Sie vertritt nicht die interessen der mehrheit, nur weil sie gewählt wurde. Hier steht immer nur zur wahl, wer minderheiteninteressen gegen die mehrheit vertreten soll.

Freitag, 5. Juni 2015

Zwei nachrichten

Zuerst die gute: Günther Jauchs quasselrunde am sonntagabend wird eingestellt.

Die schlechte: leider nicht sofort. Erst im dezember.

Donnerstag, 4. Juni 2015

FI-FA-vergabe

An sich nervt es nur noch. Schlimmer als bei einer WM wird in so ziemlich allen medien nur noch über die FIFA berichtet, in der vergangenen woche tauchte das thema allein im rss-feed der tagesschau 31 mal auf. Dabei wissen menschen, die ernsthaften journalismus bevorzugen und nicht immer bloß die tägliche satireschau um 20 uhr gucken, bereits seit 15 jahren, daß es bei der FIFA korrupt zugeht:

Wenn Rußland nun wegen bestechungsvorwürfen um die nächste WM bangen muß, dann muß die WM 2006 in Deutschland rückgängig gemacht werden. Mindestens.

Aber am besten fußball und die FIFA gleich ganz verbieten - die kickerei und die machenschaften drumrum sind ohnehin größtenteils kriminell, und daß sport tatsächlich mord ist, hat erst letzten monat der unternehmer Goldberg bewiesen.

Dienstag, 2. Juni 2015

Sonneborn rettet die EU - essen gegen hunger

Sonneborn auf der EXPO in Mailand. Motto »feeding the world«. Ein herr Chulz, Sonneborns chef, vertritt die auffassung, daß die vielen millionen euro für die ausstellung nicht rausgeworfenes geld wären, wenn man es schaffen würde, bei den menschen ein bewußtsein zu schaffen, nicht mehr so viele nahrungsmittel weg zu schmeißen. Das glaube ich allerdings nicht.