Wie ich eben gelesen habe, ist der kauf des geländes für die Teslafabrik notariell beglaubigt worden. Weil ich an gescheiterte Brandenburger großprojekte wie BER (Flughafen Willy Brand) oder lastzeppeline (Cargolifter) glaube, freue ich mich sehr auf Tesla, womöglich wird das noch lustig.
Die Cargolifterhalle ist nicht unsichtbar, die ist weithin sichtbar. Da ist jetzt das Tropical Island drin. Aber was machen wir hinterher mit dem Teslagelände, wenn die auf die idee kommen, daß das eine voll saublöde idee ist, mitten im nichts eine riesige fabrik hinzustellen?
Kreative ideen sind gefragt.
Das 1-€-blog wird weiterhin berichten.
»Wovon man nicht schweigen kann, darüber muß man reden.
Das ist meine meinung. Aber nicht die Wittgensteins.« (Mechthild Mühlstein)
- willkommen in der schlangengrube - (nachtrag ostern 2021)
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Mittwoch, 29. Januar 2020
Dienstag, 24. Dezember 2019
Die Blaue Stunde
Wer über die feiertage ein wenig zeit für ein kleines lauschestündchen hat, dem sei der jahresrückblick der Blauen Stunde vom 15. dezember mit Serdar Somuncu und Oliver Kalkofe ans herz gelegt:
Zitat Oliver Kalkofe: [ca. minute 23:24] »Die menschen wählen ein gefühl. In England wurde ein gefühl gewählt. In Amerika wird gefühl gewählt - und zwar seltsame gefühle... «
Keineswegs stimme ich überall zu, aber sehr interessantes gespräch.
Zitat Oliver Kalkofe: [ca. minute 23:24] »Die menschen wählen ein gefühl. In England wurde ein gefühl gewählt. In Amerika wird gefühl gewählt - und zwar seltsame gefühle... «
Keineswegs stimme ich überall zu, aber sehr interessantes gespräch.
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Mittwoch, 18. Dezember 2019
Mut zur sünde
Wer sich selbst oder anderen etwas schönes schenken möchte, könnte zu diesem buch greifen:
»Die Kunst der Bausünde«. Hübsches kleines bildbändchen, in welchem man sowohl gute als auch schlechte, geplante und durch nachträgliche verschlimmbesserung begangene bausünden betrachten kann. Die letzgenannten sind größtenteils die lustigsten - sehr gut gefallen hat mir eine nachträglich verspiegelte plattenbaufassade, in der sich andere plattenbauten spiegeln oder die romantische 70er-jahre-fassade, die offenbar hinter einer glaswand verschwinden sollte - hat schließlich niemand vorher ahnen können, daß man durch glas hindurchschauen kann.
Hier gibt es ein interview mit der autorin des buches. Zitat Turit Fröbe: »Wenige Städte gehen heute noch ein Risiko ein, die meisten setzen auf Unsichtbarkeit oder auf Pseudo-Rekonstruktionen und Neo-Stile. Keiner traut sich mehr, ein echtes Statement zu setzen. Aber Risiko ist gut für die Bauproduktion.« Genau das ist, was mich in den letzten jahren ärgert: Die architektur der letzten jahre ist größtenteils rückwärtsgerichtet und langweilig.
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Samstag, 9. November 2019
101 jahre untergang des kaiserreiches
An sich gibt es über den 9. november nicht viel positives zu berichten. Außer, daß an diesem tag 1918 die monarchie in Deutschland am ende war und 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch scheiterte, woraufhin die NSDAP im gesamten Deutschen reich verboten wurde. Das wäre positiv zu bewerten, wenn es denn dabei geblieben wäre und nicht alles noch viel schlimmer gekommen.
Rassistische krawalle im ganzen land und der beginn einer konterrevolution sind wohl eher kein anlaß zum feiern.
Rassistische krawalle im ganzen land und der beginn einer konterrevolution sind wohl eher kein anlaß zum feiern.
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Sonntag, 18. August 2019
Verabschiedungskultur
Bernd Höcke mal wieder.
Verabschiedungskultur ist nicht grundsätzlich was schlechtes. Ich stell mir vor, Höcke in einer rechtkantigen kiste und es gibt reichlich »Rosen auf den Weg gestreut«.
Verabschiedungskultur ist nicht grundsätzlich was schlechtes. Ich stell mir vor, Höcke in einer rechtkantigen kiste und es gibt reichlich »Rosen auf den Weg gestreut«.
Dienstag, 30. Juli 2019
Hitlergruß und nasse hose
In der diskussion zu »das wird man wohl mal sagen dürfen« habe ich ein foto erwähnt. Wie ich entdeckt habe, gibt es eine ganze doku über die entstehungsgeschichte des fotos. Es entstand in Rostock 1992. Die doku ist der reinste gruselfilm, weil sie einem noch mal vor augen führt, wie ganz normale leute, die über jahre hinweg friedlich in nachbarschaft mit ausländern gelebt hatten, sich von einem braunen mob aufhetzen ließen.
Donnerstag, 24. Januar 2019
Heil der dreizehn
Jetzt wird es richtig bekloppt. Sozialminister Hubertus Heil will die »unglückszahl dreizehn« aus dem sozialgesetzbuch auslassen.
Jaja, wir verbieten jetzt auch alle freitage, weil die einfach schlechtes bringen.
Jaja, wir verbieten jetzt auch alle freitage, weil die einfach schlechtes bringen.
Dienstag, 4. September 2018
Woran man nazis erkennt
Unter dem titel »Wie man Nazis erkennt« schrieb Christian Stöcker in seiner kollumne »Der Rationalist« am vergangenen sonntag wie so häufig in den bürgerlichen medien leider kaum gescheites darüber, woran man nazis erkennt.
Weil man nazis heute nicht mehr an glatze, springerstiefeln und baseballschlägern erkennt, ging es zur abwechslung um Hitlergruß, dumpfe parolen, rechte symbole, zeichen und deren abkürzungen, Holocaustleugnung oder den versuch, den Holocaust in vergessenheit geraten zu lassen. Und um nudelsoßen. Und überhaupt: »Allzu groß ist das Repertoire nicht, viele Nazis sind eher schlichte Gemüter.« Und damit begeht herr Stöcker den schlimmsten fehler, den man machen kann. Er spricht einfach den leuten, deren ideen er für verwerflich hält, die fähigkeit zu denken ab, als ob falsches denken nicht ebenso einer gewissen logik folgen würde. Und so kann er sich, wie andere autoren auch, drumrumdrücken zu erklären, woran man nazis eigentlich erkennt: nämlich an ihrer gesinnung.
Was macht faschistisches denken aus?
Die überhöhung des nationalen interesses oder wie Pegidaredner Kubitschek es ausdrückte, daß wahrhaft loyal zum eigenen land sei, dem die größe seines landes wichtiger sei als das eigene leben. Wenn dergestalt überzogene ansprüche an die vaterlandsliebe gestellt wird, muß es einen nicht wundern, daß menschen, die auswärtige wurzeln haben, in den verdacht geraten, daß sie dazu eher nicht bereit sind. Wobei zum glück auch die breite mehrheit der eingeborenen Deutschen mit sicherheit nicht so selbstmörderisch denkt. Faschisten befürworten den krieg und das recht des stärkeren, weshalb sie sich herausnehmen, jene, die sie für schwach oder Undeutsch halten, gegebenenfalls totzuprügeln.
Ebenso wichtig ist die verherrlichung der geschichte des eigenen volkes. Und in bezug auf den Holocaust ist selbst den faschos klar, daß das eher etwas verherrlichungsunwürdiges ist, weshalb das entweder geleugnet wird oder wenigstens höchstens am rande erwähnt werden soll. Stattdessen soll man lieber an die geistesgrößen denken, die Deutschland hervorgebracht hat. Aber eben nicht wegen ihrer besonderen leistungen, die sie hervorbrachten, sondern weil sie Deutsch waren. Auch wird die volksgemeinschaft mythisiert, woraus zwangsläufig feindschaft gegenüber fremden resultiert. Beliebt ist das lamento »für uns Deutsche ist kein geld da, aber den flüchtlingen wird gegeben.« Als wäre bis 2015 alles in butter gewesen und dann plötzlich wegen der fremden der Deutsche sozialstaat zusammengebrochen und als müßten nun die h4empfänger und armutsrentner deretwegen zum monatsende an alten teebeuteln lutschen - mußten sie vorher schon. Dieser staat hat es nämlich so eingerichtet, daß es hier konkurrenz und somit auch konkurrenzverlierer gibt. Dagegen haben die rechten nichts, solange ausländer nicht dafür zugelassen sind. Und da fühlen sie sich dann vom staat verlassen, von dem sie sich einbilden, daß er zuerst für sie als Deutsche da sein müßte.
All das kann und sollte man selbstverständlich ablehnen - und schon gar nicht mit »unzufriedenheit«, »angst«, »einfache lösung«, »populismus« oder dergleichen entschuldigen. Ja, es macht spaß, über rechte zu lästern und witze über sie zu machen, nur wird das auf dauer dem problem nicht gerecht, wenn man immer nur liest, wie blöde die sind.
Weil man nazis heute nicht mehr an glatze, springerstiefeln und baseballschlägern erkennt, ging es zur abwechslung um Hitlergruß, dumpfe parolen, rechte symbole, zeichen und deren abkürzungen, Holocaustleugnung oder den versuch, den Holocaust in vergessenheit geraten zu lassen. Und um nudelsoßen. Und überhaupt: »Allzu groß ist das Repertoire nicht, viele Nazis sind eher schlichte Gemüter.« Und damit begeht herr Stöcker den schlimmsten fehler, den man machen kann. Er spricht einfach den leuten, deren ideen er für verwerflich hält, die fähigkeit zu denken ab, als ob falsches denken nicht ebenso einer gewissen logik folgen würde. Und so kann er sich, wie andere autoren auch, drumrumdrücken zu erklären, woran man nazis eigentlich erkennt: nämlich an ihrer gesinnung.
Was macht faschistisches denken aus?
Die überhöhung des nationalen interesses oder wie Pegidaredner Kubitschek es ausdrückte, daß wahrhaft loyal zum eigenen land sei, dem die größe seines landes wichtiger sei als das eigene leben. Wenn dergestalt überzogene ansprüche an die vaterlandsliebe gestellt wird, muß es einen nicht wundern, daß menschen, die auswärtige wurzeln haben, in den verdacht geraten, daß sie dazu eher nicht bereit sind. Wobei zum glück auch die breite mehrheit der eingeborenen Deutschen mit sicherheit nicht so selbstmörderisch denkt. Faschisten befürworten den krieg und das recht des stärkeren, weshalb sie sich herausnehmen, jene, die sie für schwach oder Undeutsch halten, gegebenenfalls totzuprügeln.
Ebenso wichtig ist die verherrlichung der geschichte des eigenen volkes. Und in bezug auf den Holocaust ist selbst den faschos klar, daß das eher etwas verherrlichungsunwürdiges ist, weshalb das entweder geleugnet wird oder wenigstens höchstens am rande erwähnt werden soll. Stattdessen soll man lieber an die geistesgrößen denken, die Deutschland hervorgebracht hat. Aber eben nicht wegen ihrer besonderen leistungen, die sie hervorbrachten, sondern weil sie Deutsch waren. Auch wird die volksgemeinschaft mythisiert, woraus zwangsläufig feindschaft gegenüber fremden resultiert. Beliebt ist das lamento »für uns Deutsche ist kein geld da, aber den flüchtlingen wird gegeben.« Als wäre bis 2015 alles in butter gewesen und dann plötzlich wegen der fremden der Deutsche sozialstaat zusammengebrochen und als müßten nun die h4empfänger und armutsrentner deretwegen zum monatsende an alten teebeuteln lutschen - mußten sie vorher schon. Dieser staat hat es nämlich so eingerichtet, daß es hier konkurrenz und somit auch konkurrenzverlierer gibt. Dagegen haben die rechten nichts, solange ausländer nicht dafür zugelassen sind. Und da fühlen sie sich dann vom staat verlassen, von dem sie sich einbilden, daß er zuerst für sie als Deutsche da sein müßte.
All das kann und sollte man selbstverständlich ablehnen - und schon gar nicht mit »unzufriedenheit«, »angst«, »einfache lösung«, »populismus« oder dergleichen entschuldigen. Ja, es macht spaß, über rechte zu lästern und witze über sie zu machen, nur wird das auf dauer dem problem nicht gerecht, wenn man immer nur liest, wie blöde die sind.
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Donnerstag, 1. Februar 2018
Dreckslochländer
In bezug auf Zeit-online, wo letztens gefragt wurde, warum manche länder drecklöcher sind, schreibt Tobias Blanken bei den Salonkolumnisten, daß der begriff »drecksregime« für solche länder angemessen wäre, weil ja nicht die länder an sich »dreckslöcher« wären, sondern das herrschende regime entscheidend sei.
Da ist die gute, alte DDR natürlich nicht weit. Schließlich sprach Donald Trump von »shithole countries«, weil er ein problem mit flüchtlingen aus dem ostblock hat - gegen die menschenmassen aus der DDR will er bekanntermaßen sogar eine mauer errichten lassen. Aber zurück zu Blankens text. Über die DDR schreibt er
Immerhin erkennt herr Blanken, daß für die produktivität andere dinge notwendig sind als bloß fleiß. Ein problem der DDR war, daß sie moderne maschinen, beispielsweise mangels devisen, nicht einfach so auf dem weltmarkt kaufen konnte, weshalb die notwendige modernisierung langsamer als im westen verlief.
Auf jeden fall sollte man darüber nachdenken, was das mit der produktivität übrhaupt bedeutet. Die wurde in Westdeutschland nicht aus langeweile oder wohltätigen zwecken gesteigert, sondern damit mehr gewinn für die unternehmer rausspringt. Produktivitätssteigerung bedeutet nicht unbedingt mehr wohlstand für die leute, die die leistung erbringen, sondern daß härter gearbeitet werden muß. Hierzu schreibt herr Blanken:
Was hat denn die produktivitätssteigerung in der BRD gebracht?
Die leute, die arbeitsplätze hatten, mußten härter arbeiten. Und der rest, den man nicht mehr brauchte, war arbeitslos. In den 80er jahren gab es in der BRD arbeitslosenquoten von 7 – 9 %. 1989 gab es in der BRD mehr als zwei millionen arbeitslose.
In einer volkswirtschaft, in der die anfallende arbeit auf die gesamte arbeitsfähige bevölkerung verteilt wird, geht es nicht drum, aus jedem einzelnen das meiste rauszuprügeln, sondern die notwendige arbeit so zu verteilen, daß sie für die menschen möglichst leichter wird. Das ist ein völlig anderes konzept und läßt sich so nicht besonders gut vergleichen
1950 waren beide Deutschen staaten gegründet, sie fingen an zu wirtschaften - also für beide BIP-index (BIP = Bruttoinlandsprodukt) 100. 1989, also zum ende der DDR war der BIP-index immerhin auf 558 gewachsen. Der der BRD auf 534. Die DDR hatte also ein höheres wirtschaftswachtum als die BRD.
Dabei weiß man doch, daß die damals in der DDR gar nichts hinbekamen. Aber mal ehrlich: in der DDR haben sie aus eigener kraft aus erbärlichen verhältnissen einen immerhin bescheidenen wohlstand geschaffen.
Um ein klares bild von der planwirtschaft zu bekommen, müßte man das experiment mit tatsächlich gleichen bedingungen auf beiden seiten wiederholen.
Er lebt leider in einem dreckslochland, in dem man vor politischer indoktrination nicht sicher ist - und so muß man ihm seine voreingenommenheit vielleicht nachsehen.
Da ist die gute, alte DDR natürlich nicht weit. Schließlich sprach Donald Trump von »shithole countries«, weil er ein problem mit flüchtlingen aus dem ostblock hat - gegen die menschenmassen aus der DDR will er bekanntermaßen sogar eine mauer errichten lassen. Aber zurück zu Blankens text. Über die DDR schreibt er
zitat Tobias Blanken: »Beide Staaten fingen nach dem Krieg mit ähnlichem Menschenmaterial an, trotzdem nahm die Produktivität einen anderen Lauf.«Natürlich fing die DDR mit ähnlichen menschen wie die BRD an, jedoch mit anderem, vor allem weniger material. Zwar waren die kriegsschäden auf dem gebiet der SBZ geringer als in den westzonen, doch leistete die SBZ 97 % der reparationsleistungen.
Zitat Tobias Blanken:»Entscheidend für die Produktivität ist nicht die Faulheit oder der Fleiß der Menschen am Arbeitsplatz, sondern wie effizient die Arbeitsprozesse organisiert sind – und welche Technologien zum Einsatz gebracht werden. Und da hat sich die dezentral organisierte Marktwirtschaft gegenüber der hierarchisch organisierten Planwirtschaft als überlegen erwiesen; die privatwirtschaftlichen Unternehmen der BRD konnten nahezu in jedem Jahr aufs Neue höhere Produktivitätszuwächse als die Staatswirtschaft der DDR erzielen. Produktivitätszuwächse, die sich dann über die Jahrzehnte so akkumulierten, dass die DDR trotz ähnlicher Ausgangsvoraussetzungen regulär abgehängt wurde. Und das mit drastischen Folgen, mit einem Drittel der Produktivität der BRD hätte die DDR 1989 die Arbeitszeiten verdreifachen müssen, um das Wohlstandsniveau der BRD zu erreichen. Was aber auch nur in der Theorie möglich ist, da Menschen schlichtweg nicht in der Lage sind, jede Woche aufs Neue eine 120-Stunden-Woche abzureißen.«Wie ich oben bereits dargelegt hatte: auf dem gebiet der SBZ waren vor der staatsgründung der DDR ganze fabriken abgebaut, eisenbahngleise herausgerissen, loks und waggons mitgenommen worden. Nach der demontage von industrie- und eisenbahnanlagen lag die wirtschaftliche leistungfähigkeit bei etwas mehr als der hälfte des vorkriegsniveaus. All das mußte erst wieder aufgebaut werden. Damit waren die ausgangsvorraussetzungen eben alles andere als ähnlich wie im westen, sondern tatsächlich wesentlich schlechter.
Immerhin erkennt herr Blanken, daß für die produktivität andere dinge notwendig sind als bloß fleiß. Ein problem der DDR war, daß sie moderne maschinen, beispielsweise mangels devisen, nicht einfach so auf dem weltmarkt kaufen konnte, weshalb die notwendige modernisierung langsamer als im westen verlief.
Auf jeden fall sollte man darüber nachdenken, was das mit der produktivität übrhaupt bedeutet. Die wurde in Westdeutschland nicht aus langeweile oder wohltätigen zwecken gesteigert, sondern damit mehr gewinn für die unternehmer rausspringt. Produktivitätssteigerung bedeutet nicht unbedingt mehr wohlstand für die leute, die die leistung erbringen, sondern daß härter gearbeitet werden muß. Hierzu schreibt herr Blanken:
Zitat Tobias Blanken:»Heruntergebrochen, wenn ein Bürger der BRD eine Stunde arbeiten musste, um etwas herzustellen, musste ein Insasse der DDR drei Stunden arbeiten.«Erstmal ist es natürlich ein ding, daß die menschen in der DDR für herrn Blanken natürlich keineswegs »bürger« sind, sondern knackigleich »insassen.«
Was hat denn die produktivitätssteigerung in der BRD gebracht?
Die leute, die arbeitsplätze hatten, mußten härter arbeiten. Und der rest, den man nicht mehr brauchte, war arbeitslos. In den 80er jahren gab es in der BRD arbeitslosenquoten von 7 – 9 %. 1989 gab es in der BRD mehr als zwei millionen arbeitslose.
In einer volkswirtschaft, in der die anfallende arbeit auf die gesamte arbeitsfähige bevölkerung verteilt wird, geht es nicht drum, aus jedem einzelnen das meiste rauszuprügeln, sondern die notwendige arbeit so zu verteilen, daß sie für die menschen möglichst leichter wird. Das ist ein völlig anderes konzept und läßt sich so nicht besonders gut vergleichen
Zitat Tobias Blanken:»Aber „Menschen aus Drecksregimen“ läuft womöglich Trumps Intention zuwider, denn „Regime“ klebt nicht an den Menschen, es taugt nicht als Stigmata.«Meines wissens ist »stigmata« plural. Dieser satz ist also einigermaßen verkorkst. Aber jeder macht fehler, nicht nur die plankommission der DDR.
Zitat Tobias Blanken:»Dass die Produktivitätskluft zwischen der BRD und der DDR trotz ähnlichem Menschenmaterial breit wie der Grand Canyon war, geht vermutlich schon gar nicht mehr in seinen Kopf, dass schwarze Einwanderer in den USA sogar überdurchschnittlich performen, noch viel weniger, schließlich müsste der alte Mann mit dem blondierten Haar dann sein krudes Weltbild hinterfragen.«So breit ist der Grand Canyon nun auch wieder nicht. Vielleicht müßte der mann mit den kruden gedanken unter der frisur sein weltbild mal hinterfragen, wenn er weniger vorurteilsbeladen auf die wirtschaft der DDR gucken würde. Die sache dürfte den einen oder anderen erstaunen.
1950 waren beide Deutschen staaten gegründet, sie fingen an zu wirtschaften - also für beide BIP-index (BIP = Bruttoinlandsprodukt) 100. 1989, also zum ende der DDR war der BIP-index immerhin auf 558 gewachsen. Der der BRD auf 534. Die DDR hatte also ein höheres wirtschaftswachtum als die BRD.
Dabei weiß man doch, daß die damals in der DDR gar nichts hinbekamen. Aber mal ehrlich: in der DDR haben sie aus eigener kraft aus erbärlichen verhältnissen einen immerhin bescheidenen wohlstand geschaffen.
Um ein klares bild von der planwirtschaft zu bekommen, müßte man das experiment mit tatsächlich gleichen bedingungen auf beiden seiten wiederholen.
Zitat Tobias Blanken:»Und das Hinterfragen ist eine Disziplin, bei der narzisstische, vorurteilsbeladene Menschen ganz mies performen, in diesem Fall sogar vollkommen unabhängig vom System.«Daß der narzißtische, vorurteilsbeladene mensch nicht unbedingt bestens »performt« hat uns herr Blanken exzellent vorgeturnt. Ob er wohl bereit wäre, seine vorurteile abzubauen, kann man nicht wissen.
Er lebt leider in einem dreckslochland, in dem man vor politischer indoktrination nicht sicher ist - und so muß man ihm seine voreingenommenheit vielleicht nachsehen.
Mittwoch, 3. Januar 2018
40 jahre Kombinat Mikroelektronik
Aus westlicher sicht galt der ostblock in puncto computertechnik als entwicklungsland. Kaum jemand erinnert sich, daß in Bulgarien einst prozessoren hergestellt wurden und dort mit dem Prawez sogar ein Applecompatibler computer gebaut wurde.
In der jw vom 2. januar war ein interessanter artikel von Jörg Roesler über halbleitertechnologie in der DDR. Darin schreibt er:
Den gesamten artikel kann man hier lesen.
In der jw vom 2. januar war ein interessanter artikel von Jörg Roesler über halbleitertechnologie in der DDR. Darin schreibt er:
»Eigentlich – denn es wurde von den »Aufarbeitern« in den Medien einiges unternommen, um die Mikroelektronik in ihr Bild von der DDR-Wirtschaft einzupassen: Die Zuwendung zur Mikroelektronik in der DDR sei allein auf das Renommierbedürfnis der SED-Führung, insbesondere von Generalsekretär Erich Honecker und seines Wirtschaftssekretärs Günter Mittag zurückzuführen. Die SED-Führung habe die Vorstellung, die Bundesrepublik auf ökonomischem Gebiet einzuholen – ursprünglich eine Idee Walter Ulbrichts – nicht aufgeben wollen. Man habe sich aber technologisch überhoben. Statt des erhofften Millionengeschäftes sei die Mikroelektronik zum Milliardengrab geworden. Als Beweis für die verfehlte Technologiepolitik wird gern die Geschichte vom Ein-Megabit-Chip erzählt. Mit diesem Speicher sollte technologisch der Anschluss an westliche Standards erreicht werden. Im September 1988 sei der erste Ein-MB-Chip mit großem propagandistischen Aufwand – das Neue Deutschland berichtete seitenlang darüber – an Erich Honecker übergeben worden, der sich beeilte, damit vor Michail Gorbatschow zu prahlen. Dabei sei der Chip überhaupt nicht funktionsfähig gewesen. Honecker und Mittag hätten schlicht geblufft. Der 40. Jahrestag der Gründung des Kombinats Mikroelektronik am 1. Januar 1978 soll Anlass sein, sich anhand dieses Beispiels einmal genauer mit den wirklichen Problemen und Errungenschaften der DDR-Mikroelektronik zu beschäftigen.
[...] Haben die Medien also recht, wenn sie die Milliarden Mark verschlingende Mikroelektronikförderung in der DDR als ein »technologisches Desaster« bezeichnen? Nein. Man darf nicht vergessen, dass zwischen beiden Schätzungen mehr als ein Jahrzehnt rasanter Entwicklung der Mikroelektronik im Weltmaßstab lag und dass das in den Plänen der DDR von 1976 angestrebte Weltniveau 1988/89 nicht mehr mit dem der zweiten Hälfte der 70er Jahre vergleichbar war. Die SZS-Studie lässt damit immerhin auch diese Schlussfolgerung zu: Die DDR hatte sich im Wettbewerb auf diesem Gebiet nicht abhängen lassen. Das aber war angesichts der Hindernisse, die ihr in den Weg gelegt wurden, eine bemerkenswerte technologische Leistung.«
Den gesamten artikel kann man hier lesen.
Mittwoch, 22. November 2017
Typisch Höcke: immer nur stelen
Das ZPS (Zentrum für Politische Schönheit) hat dem führer fraktionsvorsitzenden der AfD Thüringen, Bernd Höcke, ein eigenes »denkmal der schande« vor die tür gesetzt.
Hierfür hat das ZPS das grundstück neben Höckes anwesen angemietet. Sehr schöne, weil gewaltfreie aktion, die installation soll bis ende 2019 stehen bleiben. Hier gibts bilder.
Hierfür hat das ZPS das grundstück neben Höckes anwesen angemietet. Sehr schöne, weil gewaltfreie aktion, die installation soll bis ende 2019 stehen bleiben. Hier gibts bilder.
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Donnerstag, 12. Oktober 2017
Wohnen im kapitalismus
Daß es für viele menschen alles andere als eine gemütliche einrichtung ist, daß mit dem bedürfnis nach wohnraum immer auch noch eine rendite erwirtschaftet werden muß, dürfte einem großteil der menschen inzwischen klar sein.
Daß inzwischen manchmal hunderte potenzielle mieter um eine verhältnismäßig günstige wohnung konkurrieren müssen, wird wahrscheinlich dann doch auf manch einen eher befremdend wirken. So aber beispielsweise letztens im Berliner stadtteil Prenzlauer Berg geschehen.
80 quadratmeter für unter tausend euro. Und unter den bewerben figuren aus Westdeutschland mit monatseinkommen von über 20.000€ netto, die gern eine zweit- oder drittwohnung hätten. Die benötigen ganz bestimmt keine billige wohnung, wo auch immer. Sind aber gewiß angenehme mieter, weil sie wegen abwesenheit kaum etwas verschleißen und auch kaum lärmen. Und für die leute, die tatsächlich in der stadt arbeiten und günstigen wohnraum bräuchten, bleibt nichts über, weshalb sie dann lange anfahrtswege zur arbeit in kauf nehmen müssen.
Hier geht es nicht um bedarf, sondern, wen sollte es wundern, um geld.
Daß inzwischen manchmal hunderte potenzielle mieter um eine verhältnismäßig günstige wohnung konkurrieren müssen, wird wahrscheinlich dann doch auf manch einen eher befremdend wirken. So aber beispielsweise letztens im Berliner stadtteil Prenzlauer Berg geschehen.
80 quadratmeter für unter tausend euro. Und unter den bewerben figuren aus Westdeutschland mit monatseinkommen von über 20.000€ netto, die gern eine zweit- oder drittwohnung hätten. Die benötigen ganz bestimmt keine billige wohnung, wo auch immer. Sind aber gewiß angenehme mieter, weil sie wegen abwesenheit kaum etwas verschleißen und auch kaum lärmen. Und für die leute, die tatsächlich in der stadt arbeiten und günstigen wohnraum bräuchten, bleibt nichts über, weshalb sie dann lange anfahrtswege zur arbeit in kauf nehmen müssen.
Hier geht es nicht um bedarf, sondern, wen sollte es wundern, um geld.
Sonntag, 18. Juni 2017
Nun danket alle HK
Es ist natürlich typisch, daß The Oggersheimer Previously Known As Chancellor Kohl (TOPKACK) sein löffelchen so abgegeben hat, daß er staatstragend am ehemaligen nationalfeiertag der Bonner Republik noch einmal coverboy seiner lieblingszeitung werde konnte.
Nö, großen grund zur dankbarkeit gibt es nicht, aber ausnahmsweise möchte ich etwas positives über den großen CDUmann sagen: der katholik Helmut Kohl hat persönlich beim papst gegen die ächtung der pille interveniert. Er war der auffassung, daß seine großmutter nicht freiwillig dreizehn kinder bekommen hätte und sicherlich froh gewesen wäre, wenn sie die pille gehabt hätte. Als minister Aldolf Süsterhenn mitte der 60er jahre noch zuchthäuser für ehebrecher (!) bauen lassen wollte, forderte Kohl, daß ein präservativsuchender die dinger unverfänglich am automaten bekommen sollte.
Auch an Kohl war nicht alles schlecht.
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Dienstag, 28. Februar 2017
Gedanken des geschichtslehrers BH
Im interview mit dem Spiegel (ausgabe, nr. 8/18.02.2017) sagte der fraktionsvorsitzende der AfD, Björn Höcke, daß er in seiner Dresdner Rede »das falsche thema zum falschen zeitpunkt mit dem falschen pathos vorgetragen« habe. Aber im grunde hat er doch nichts gesagt, was man ihm nicht ohnehin zugetraut hätte, der mann ist schließlich längst dafür bekannt, des öfteren haarsträubendes von sich zu geben.
Damit es nicht heißt, ich würde dinge aus dem zusammenhang reißen, habe ich ungefähr die hälfte seiner rede mitgeschrieben, inklusive der viel zitierten angelegenheit mit dem Holocaust Mahnmal. Diese goldenen worte sollten der nachwelt erhalten bleiben. Ist alles drin, was man für eine große, rechtsextreme rede braucht: pathos, heiße luft und opfermythos. Als beamter des landes Hessen, der seit jahren geschichte unterrichtet, kann er nicht behaupten, daß er nicht gewußt habe, wovon er redet.
Das war aber nicht so. Bereits 1937 zerstörten die bomber der Deutschen Legion Condor mehrere Baskische städte, darunter die stadt Gernika, welche als »kulturelle hauptstadt des Baskenlandes« von bedeutung war. Und auch in Großbritannien wurden in den ersten kriegsjahren historische städte zerstört, die nicht unbedingt kriegswichtig waren.
Man kann also kaum behaupten, die zerstörung Dresdens sei eine überraschung gewesen. Sicherlich ging es bei den angriffen der alliierten auch um vergeltung. Die strategie war, das Deutsche Reich durch die bombardierungen zur kapitulation zu zwingen bzw. das volk so weit zu demoralisieren, daß es gegen die obrigkeit aufsteht. Das ist aber leider nicht passiert. Das dumme volk hat es lieber erduldet, in die steinzeit zurück gebombt zu werden als zu rebellieren.
Und dann maßt sich dieser kasper auch noch an zu behaupten, »wir« wären nicht imstande, um »unsere eigenen opfer« zu trauern. Glaubt der im ernst, daß die meschen, die ihre liebsten im krieg verloren haben, nicht ganz von selbst um ihre »eigenen opfer« getrauert hätten? Der staat, der sie in diesen krieg geschickt hat, dürfte so ziemlich das letzte gewesen sein, das sie dazu brauchten. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß nazifamilien tatsächlich dermaßen emotional auf der strecke geblieben sind, daß sie ohne hoheitliche erlaubnis unfähig zum trauern sind. »Deutsche Helden« weinen schließlich nicht. Alle anderen haben ihre toten angehörigen beweint. Und viele mußten gar nicht groß »umerzogen« werden, um anhand dieser erfahrungen zu begreifen, daß »die sache der nation« keinesfalls ihren eigenen interessen entspricht und man deshalb vom patriotismus besser abstand hält.
Achtung. Es folgt der vielzitierte teil mit dem »denkmal der schande«.
Wie ein klassischer faschist sieht Höcke die angebliche schwäche der eigenen nation, die dem untergang geweiht sei. Wer im gegensatz zu Höcke halbwegs trost ist, weiß, daß »die Deutschen« schon lange kein »total besiegtes volk« mehr sind. In der EU diktiert Deutschland den anderen, was zu tun ist. Das entspricht ganz und gar nicht einer total besiegten nation.
Anstatt mit dem rassistischen völkermord sollen sich die Deutschen also mit den großartigen leistungen der altvorderen befassen. Aber genau so wenig wie man schuld sein kann an greueltaten, die jahre vor der eigenen geburt passierten, kann man stolz auf »großartige leistungen« sein, die andere vor einem erbracht haben. Mehr weltbewegende philosophen, musiker, geniale entdecker und erfinder zu haben »vielleicht mehr als jedes andere volk auf dieser welt« bilden sich die chauvinisten aller nationen ein. Ohne selbst etwas geleistet zu haben.
Der Roman Herzog hat vor 20 jahren ziemlich genau ausgesprochen, was er »insgeheim« dachte: das volk muß entsagungen hinnehmen, damit der staat aufblühen kann und in der staatenkonkurrenz vorankommt. Wo auch immer patriotismus gefordert wird, bedeutet es niemals ein angenehmes leben für die untertanen.
Im interview mit dem Spiegel wurde Höcke wegen seiner kritik an Richard v. Weizsäcker, der den 8. Mai als »tag der befreiung« bezeichnet hatte, gefragt, ob es ihm denn lieber gewesen wäre, wenn die nazis an der macht geblieben wäre. Auf diese frage antwortete er »daß die nazidiktatur überwunden werden mußte, das ist doch selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich war der 8. Mai 1945 für die menschen, die in diesem völlig ausgebombten land dahinvegitierten, nicht nur eine befreiung, sondern eben auch eine totale niederlage. Die Deutschen erlebten den 8. Mai 1945 nun mal ambivalent. Die einen hatten glück und wurden von soldaten befreit, die ihnen kaugummis und schokolade gaben. Andere trafen auf soldaten und wurden vergewaltigt. Für viele Deutsche begann auch eine neue diktatur. In Ostdeutschland war erst der 9. November 1989 der tag der befreiung. Als geschichtslehrer muß ich diese ambivalenz berücksichtigen.« Als geschichtslehrer könnte Höcke aber auch weniger klischeebehaftetes zeug faseln und etwas sachlicher mit der geschichte umgehen. Ganz nebenher setzt er den faschismus und den realsozialismus gleich.
Damit es nicht heißt, ich würde dinge aus dem zusammenhang reißen, habe ich ungefähr die hälfte seiner rede mitgeschrieben, inklusive der viel zitierten angelegenheit mit dem Holocaust Mahnmal. Diese goldenen worte sollten der nachwelt erhalten bleiben. Ist alles drin, was man für eine große, rechtsextreme rede braucht: pathos, heiße luft und opfermythos. Als beamter des landes Hessen, der seit jahren geschichte unterrichtet, kann er nicht behaupten, daß er nicht gewußt habe, wovon er redet.
Zitat BH: »Die bombardierung Dresdens und der anschließende feuersturm vernichteten das Elbflorenz und die darin lebenden menschen. Die bombardierung Dresdens war ein kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki.Der herr geschichtslehrer tut so, als wäre die zerstörung Dresdens und zahlreicher anderer Deutscher städte aus heiterem himmel über das friedliebende Dritte Reich hereingebrochen.
Mit der bombardierung Dresdens und der anderen Deutschen städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive identität rauben. Man wollte uns mit stumpf und stil vernichten, man wollte unsere wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen umerziehung hat man das dann auch fast geschafft. Deutsche opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch Deutsche täter. Bis heute sind wir nicht in der lage, unsere eigenen opfer zu betrauern. Und augenfällig wurde das wieder mit dem würdelosen umgang mit den opfern des Berliner Terroranschlags.«
Das war aber nicht so. Bereits 1937 zerstörten die bomber der Deutschen Legion Condor mehrere Baskische städte, darunter die stadt Gernika, welche als »kulturelle hauptstadt des Baskenlandes« von bedeutung war. Und auch in Großbritannien wurden in den ersten kriegsjahren historische städte zerstört, die nicht unbedingt kriegswichtig waren.
Man kann also kaum behaupten, die zerstörung Dresdens sei eine überraschung gewesen. Sicherlich ging es bei den angriffen der alliierten auch um vergeltung. Die strategie war, das Deutsche Reich durch die bombardierungen zur kapitulation zu zwingen bzw. das volk so weit zu demoralisieren, daß es gegen die obrigkeit aufsteht. Das ist aber leider nicht passiert. Das dumme volk hat es lieber erduldet, in die steinzeit zurück gebombt zu werden als zu rebellieren.
Und dann maßt sich dieser kasper auch noch an zu behaupten, »wir« wären nicht imstande, um »unsere eigenen opfer« zu trauern. Glaubt der im ernst, daß die meschen, die ihre liebsten im krieg verloren haben, nicht ganz von selbst um ihre »eigenen opfer« getrauert hätten? Der staat, der sie in diesen krieg geschickt hat, dürfte so ziemlich das letzte gewesen sein, das sie dazu brauchten. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß nazifamilien tatsächlich dermaßen emotional auf der strecke geblieben sind, daß sie ohne hoheitliche erlaubnis unfähig zum trauern sind. »Deutsche Helden« weinen schließlich nicht. Alle anderen haben ihre toten angehörigen beweint. Und viele mußten gar nicht groß »umerzogen« werden, um anhand dieser erfahrungen zu begreifen, daß »die sache der nation« keinesfalls ihren eigenen interessen entspricht und man deshalb vom patriotismus besser abstand hält.
Achtung. Es folgt der vielzitierte teil mit dem »denkmal der schande«.
Zitat BH: »Der von Markus Mohr schon zu recht thematisierte wiederaufbau der Frauenkirche war für uns patrioten ein hoffnungsschimmer dafür, daß es ihn doch noch gibt, diesen kleinen funken Deutschen selbstbehauptungswillen.Dazu sagt er im interview mit dem Spiegel: »Aber nicht nur ich habe das gefühl, daß alle anderen länder in dieser welt die positiven seiten ihrer geschichte in den mittelpunkt ihrer erinnerungskultur stellen, während es bei den Deutschen die dunkle seite der Judenvernichtung im Dritten Reich ist. Mir ist es wichtig klarzustellen, daß diese verbrechen unentschuldbar sind, ein schandfleck in der Deutschen geschichte. Aber warum stellen wir ausgerechnet diesen schandfleck in den mittelpunkt unserer erinnerungskultur? Warum gehen wir nicht den weg aller anderen länder?« Interessant ist, daß er von der dunklen seite der Judenvernichtung spricht. Das setzt voraus, daß der geschichtslehrer Höcke offenbar auch eine lichte seite der Judenvernichtung kennt, an die man erinnern könnte. Und überhaupt wurde nicht das Jüdische Volk geschädigt, das ausgelöscht werden sollte und auch nicht die einzelnen individuen, die beraubt, gequält und ermordet wurden, sondern das Deutsche Volk, weil es mit der schande leben muß.
Aber, liebe Freunde, bis jetzt sind es nur Fassaden, die wieder entstanden sind. Jetzt ist unsere geistesverfassung, unser gemütszustand immer noch der eines total besiegten volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser volk, sind das einzige volk der welt, das sich ein denkmal der schande in das herz seiner hauptstadt gepflanzt hat.«
Wie ein klassischer faschist sieht Höcke die angebliche schwäche der eigenen nation, die dem untergang geweiht sei. Wer im gegensatz zu Höcke halbwegs trost ist, weiß, daß »die Deutschen« schon lange kein »total besiegtes volk« mehr sind. In der EU diktiert Deutschland den anderen, was zu tun ist. Das entspricht ganz und gar nicht einer total besiegten nation.
Zitat BH: »Wenn man sich statt die nachwachsende generation, mit den großen wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden philosophen, den musikern, den genialen entdeckern und erfindern in berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben. Markus Mohr hat darauf hingewiesen und sie namentlich stellenweise erwähnt und es war doch nur eine kleine Gruppe, die er mangels Zeit aufzählen konnte. Vielleicht mehr als jedes andere volk auf dieser welt, liebe freunde, und anstatt unsere schüler in den schulen mit dieser geschichte in berührung zu bringen, wird die geschichte, die Deutsche geschichte mies und lächerlich gemacht. So kann es und so darf es nicht weiter gehen.Höcke glaubt also, daß mit der erinnerung an den Holocaust die Deutsche geschichte nicht nur mies, sondern auch lächerlich gemacht würde. Aber es kommt noch besser:
So kann es, so darf es und so wird es nicht weiter gehen, liebe freunde. Es gibt keine moralische pflicht zur selbstauflösung. Die gibt es nicht. Im gegenteil, es gibt die moralische pflicht, dieses land, diese kultur, seinen noch vorhandenen wohlstand und seine noch vorhandene staatliche wohlordnung an die kommende generation weiter zu geben, das ist unsere moralische pflicht.«
Zitat BH: »Wenn wir eine zukunft haben wollen und wir wollen diese zukunft haben und immer mehr Deutsche erkennen, daß eigentlich auch sie eine zukunft haben wollen, dann brauchen wir eine vision. Eine vision wird aber nur dann entstehen, wenn wir uns wieder selber finden, wenn wir uns wieder selbst entdecken. Wir müssen wieder wir selbst werden.Klar, wenn der Deutsche durch die gedenkkultur an die Shoa daran erinnert wird, wo rassismus hinführt, ist er gelähmt und kann einfach nicht er selbst sein. Da kann FJ Strauß, selig, noch ein lied von singen. Nur der hatte es seiner zeit besser, weil es noch ausreichend altnazis in der politik gab, die heute aus biologischen gründen eher knapp sind.
Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive beziehung zu unserer geschichte aufbauen. Und schon Franz-Josef Strauß bemerkte, die vergangenheitsbewältigung als gesamtgesellschaftliche daueraufgabe, die lähmt ein volk. Liebe Freunde, recht hat er, der Franz-Josef Strauß! Und diese dämliche bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz-Josef Strauß zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische wende um 180 Grad.
Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische wende um 180 grad. Liebe freunde, wir brauchen keine toten riten mehr in diesem land, wir haben keine zeit mehr, tote Riten zu exekutieren, wir brauchen keine hohlen phrasen mehr in diesem land, wir brauchen eine lebendige erinnerungskultur, die uns vor allen dingen und zu aller erst mit den großartigen leistungen der altvorderen in berührung bringt.«
Anstatt mit dem rassistischen völkermord sollen sich die Deutschen also mit den großartigen leistungen der altvorderen befassen. Aber genau so wenig wie man schuld sein kann an greueltaten, die jahre vor der eigenen geburt passierten, kann man stolz auf »großartige leistungen« sein, die andere vor einem erbracht haben. Mehr weltbewegende philosophen, musiker, geniale entdecker und erfinder zu haben »vielleicht mehr als jedes andere volk auf dieser welt« bilden sich die chauvinisten aller nationen ein. Ohne selbst etwas geleistet zu haben.
Zitat BH: »Kurz, es geht darum, diese neuentstandenen fassaden in Dresden aber auch in Potsdam und in Berlin wird gerade auch das stadtschloß wieder aufgebaut. Gott sei dank wird es wieder aufgebaut. Es geht darum, diesen neu entstandenen fassaden einen würdigen, neuen geist einzuhauchen. Es ist der geist eines neuen, ehrlichen, vitalen, tiefgegründeten und selbstbewußten patriotismus. Denn wir wissen, ohne so einen patriotismus kann keine bürgerliche gesellschaft überleben. Und das ist die innere erneuerung an die Roman Herzog vielleicht vor 20 jahren insgeheim auch schon dachte, die er sich aber nicht wagte auszusprechen.«Weshalb man einem nicht existenten danken sollte, weil alter dreck neu aus dem boden gestampft wird ist unverständlich. Diese fassaden sind nicht für einen pfennig ehrlich, sondern nur eine kulisse für ewiggestrige. Das Hohenzollerschloß, das in Berlin aus beton gegossen wird, ist historisch so wertvoll wie Neuschwanstein in Disneyland. Jeder profane plattenbau und sei er auch noch so häßlich, ist wertvoller. Es gibt in Ostdeutschland (im westen mit sicherheit auch) und Berlin sehr viel historische bausubstanz, die man der nachwelt erhalten könnte und meiner meinung nach auch erhalten müßte. Aber dafür ist kein geld da, weil idioten wie Höcke quasi einen orgasmus bekommen, wenn man ihnen eine gefälschte Schlüterfassade verspricht. Das ist schließlich viel mehr wert, als die echten historischen gebäude denkmalgerecht zu erhalten.
Der Roman Herzog hat vor 20 jahren ziemlich genau ausgesprochen, was er »insgeheim« dachte: das volk muß entsagungen hinnehmen, damit der staat aufblühen kann und in der staatenkonkurrenz vorankommt. Wo auch immer patriotismus gefordert wird, bedeutet es niemals ein angenehmes leben für die untertanen.
Im interview mit dem Spiegel wurde Höcke wegen seiner kritik an Richard v. Weizsäcker, der den 8. Mai als »tag der befreiung« bezeichnet hatte, gefragt, ob es ihm denn lieber gewesen wäre, wenn die nazis an der macht geblieben wäre. Auf diese frage antwortete er »daß die nazidiktatur überwunden werden mußte, das ist doch selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich war der 8. Mai 1945 für die menschen, die in diesem völlig ausgebombten land dahinvegitierten, nicht nur eine befreiung, sondern eben auch eine totale niederlage. Die Deutschen erlebten den 8. Mai 1945 nun mal ambivalent. Die einen hatten glück und wurden von soldaten befreit, die ihnen kaugummis und schokolade gaben. Andere trafen auf soldaten und wurden vergewaltigt. Für viele Deutsche begann auch eine neue diktatur. In Ostdeutschland war erst der 9. November 1989 der tag der befreiung. Als geschichtslehrer muß ich diese ambivalenz berücksichtigen.« Als geschichtslehrer könnte Höcke aber auch weniger klischeebehaftetes zeug faseln und etwas sachlicher mit der geschichte umgehen. Ganz nebenher setzt er den faschismus und den realsozialismus gleich.
Zitat BH: »Aber wir, wir wagen es diese innere erneuerung einzufordern. Wir wagen es nicht nur, sie einzufordern, nein, liebe freunde, wir werden sie, um unser lieber vaterland willen, auch durchsetzen.Die übliche heulsusigkeit der extrem rechten, die schlimmer als alle anderen angegriffen werden. Sicherlich wurden mehr als 3.553 angriffe auf die AfD und ihre gesinnungkameraden begangen, wobei auch mehr als 43 kinder verletzt wurden.
Liebe freunde, die angriffe der politischen gegner sind omnipräsent. Sie sind manchmal in ihrer perfidie nicht zu übertreffen. Sie sind manchmal gewalttätig, sie sind hinterhältig, sie sind skrupellos und wir werden vor den Bundestagswahlen 2017 noch eine verstärkung dieser furchtbaren angriffe zu erleiden, zu ertragen, zu erdulden, haben. Aber wir werden diesen angriffen widerstehen, denn wir führen einen gerechten kampf, einen kampf, der mit der Bundestagswahl nicht endet und der langfristig darüber entscheiden wird, ob wir und unsere kinder noch eine zukunft in der mitte Europas haben oder ob unser wohlstand, unser staat, unsere kultur und unser liebes volk im chaos versinkt.«
Zitat BH: »Liebe freunde, wir müssen nichts weniger als geschichte schreiben, wenn es für uns Deutsche und uns Europäer noch eine zukunft geben soll. Wir können geschichte schreiben. Tun wir es!«Nachdem ich mir diese rede ca. eine stunde angehört hatte, empfand ich tiefes mitgefühl mit den schülern aus dem Nordhessischen Bad Sooden-Allendorf, die sich das Höckesche gefasel allwöchentlich anhören mußten. Unerträglich. Damit diesen jugendlichen das erspart bleibt, hoffe ich sehr, daß Höcke nicht aus der AfD ausgeschlossen wird. Der soll sich besser nicht hinter verschlossenen schultüren vor jugendlichen ausgurgeln, sondern sich in aller öffentlichkeit blamieren.
Mittwoch, 14. Dezember 2016
Zur abwechslung: alles STASI
In Berlin ist mal wieder was passiert. So furchtbar, daß ein herr Meyer von der FAZ, stützstrumpf der gesellschaft, es für unvorstellbar hält. 1989 nämlich »soll man sich recht einig gewesen sein, dass man so ein System auf deutschen Boden nie wieder haben will«. Schön formuliert, auch wenn niemand sagen kann, wer dieser »man« überhaupt gewesen ist, der »sich recht einig gewesen sein« soll. Wahrscheinlich war es der »man« des Westdeutschen kapitals, der sich ohnehin schon immer so einig war, daß keine notwendigkeit mehr bestand, die millionen menschen in der DDR auch noch zu fragen, ob sie »so ein System auf deutschen Boden nie wieder haben« wollen. Es folgen neun weitere absätze bürgerlichen empörungsgewäschs, die man sich getrost sparen kann. Wie sämtliche ergüsse des herrn M.
Es geht um Andrej Holm, der jetzt staatssekretär bei der LINKEN geworden ist. Der sei für den posten absolut ungeeignet. Schließlich hatte er sich im reifen alter von 14 jahren für eine laufbahn beim MfS entschieden, die ausbildung trat nach dem abitur mit 18 im september 1989 an. Die »STASI-karriere« endete nach rund fünf monaten mit der auflösung des MfS. Danach engagierte er sich in oppositionellen gruppen, studierte soziologie und forschte an der Humboldt Universität.
Weil das mit dem MfS vielleicht nicht greift, scheint es einigen ein dorn im auge zu sein, daß der staatssekretär im ressort für stadtentwicklung kein berufspolitiker ist, sondern »bloß« auf dem gebiet der stadtsoziologie geforscht hat. Der mann kann ja kein experte sein!
Am lautesten hat natürlich wieder der Knabe aus Hoheschönhausen gebrüllt. Er behauptete, Holm habe »unmittelbar an der Unterdrückung der DDR-Opposition« mitgewirkt. Nachweisen konnte man ihm, meines wissens, in den vergangenen 26 jahren nichts, jedoch hat er sich kollektiv schuldig gemacht. Im Deutschen recht, ob einem das gefällt oder nicht, gibt es jedoch keine kollektivschuld. Da müßte eben schon maßgebliche beteiligung an einer straftat nachgewiesen werden. Wenn man aber den Knaben aus Hohenschönhausen einfach so mal beim wort nehmen würde, dann müßte man herrn Holm vorwerfen, kollektiv mitschuld zu sein, daß es im herbst 89 keine todesopfer zu beklagen gab.
Das vermasselt dem Knaben glatt das geschäft.
Es geht um Andrej Holm, der jetzt staatssekretär bei der LINKEN geworden ist. Der sei für den posten absolut ungeeignet. Schließlich hatte er sich im reifen alter von 14 jahren für eine laufbahn beim MfS entschieden, die ausbildung trat nach dem abitur mit 18 im september 1989 an. Die »STASI-karriere« endete nach rund fünf monaten mit der auflösung des MfS. Danach engagierte er sich in oppositionellen gruppen, studierte soziologie und forschte an der Humboldt Universität.
Weil das mit dem MfS vielleicht nicht greift, scheint es einigen ein dorn im auge zu sein, daß der staatssekretär im ressort für stadtentwicklung kein berufspolitiker ist, sondern »bloß« auf dem gebiet der stadtsoziologie geforscht hat. Der mann kann ja kein experte sein!
Am lautesten hat natürlich wieder der Knabe aus Hoheschönhausen gebrüllt. Er behauptete, Holm habe »unmittelbar an der Unterdrückung der DDR-Opposition« mitgewirkt. Nachweisen konnte man ihm, meines wissens, in den vergangenen 26 jahren nichts, jedoch hat er sich kollektiv schuldig gemacht. Im Deutschen recht, ob einem das gefällt oder nicht, gibt es jedoch keine kollektivschuld. Da müßte eben schon maßgebliche beteiligung an einer straftat nachgewiesen werden. Wenn man aber den Knaben aus Hohenschönhausen einfach so mal beim wort nehmen würde, dann müßte man herrn Holm vorwerfen, kollektiv mitschuld zu sein, daß es im herbst 89 keine todesopfer zu beklagen gab.
Das vermasselt dem Knaben glatt das geschäft.
Freitag, 7. Oktober 2016
Straße der DSF
Die FAZ hat mal wieder einen ganz schlimmen skandal aufgedeckt: nämlich daß es im osten noch straßennamen aus DDR-zeiten gibt. Beispielsweise in Güstrow, der achtunsiebzigstkleinsten stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Dort waren sie glatt so frech zu beschließen, daß die Ernst-Thälmann-Straße künftig Ernst-Thälmann-Straße heißen soll. Tatsächlich sind die Thälmann-Straßen fast nirgendwo umbenannt worden. In Berlin gibt es immerhin noch einen Thälmannpark mit denkmal, außerdem wird an ihn direkt vor dem Reichstag erinnert. Er war einer der 96 abgeordneten, die in der zeit der nazidiktatur ermordert wurden.
Sogar eine »Straße der DSF« gibt es noch in Güstrow. Und alle der befragten wußten, was DSF bedeutet, nämlich Deutsch-Sowjetische-Freundschaft. Das ist natürlich skandalös, wenn die menschen sich daran erinnern, daß die Russen zumindest im osten nicht immer nur als feinde betrachtet wurden. Das ist ein grund zur straßenumbenennung, allerdings hatten die anwohner der Güstrower südstadt unterschriften gesammelt, daß sie keine umbenennungen wollen.
Daran, wer August Bebel oder Clara Zetkin waren, konnten sich die befragten Güstrower angeblich nicht erinnern. Auch das ist selbstverständlich ein grund zur umbenennung. In Berlin hat man die Clara-Zetkin-Straße in Dorotheenstraße umbenannt. Daß sich der »neue« name auf Dorothea von Brandenburg bezieht, die ein geiziges und geldgieriges weib gewesen sein soll und überdies eine giftmörderin, interessiert niemanden. Das gräßliche weib ist zum glück bereits vor 327 jahren in die gruft gefahren.
Nach August Bebel hingegen wurden auch im westen straßen und plätze benannt. Ich kann mich erinnern, daß in Kassel die stadthalle in der nähe des Bebelplatzes liegt. Aber Kassel war zonenrandgebiet und zählt somit nicht so richtig, war schließlich der westliche osten.
Den Kasselänern jedoch muß man mal ordentlich ins gewissen reden, daß sie nicht einfach so einen platz nach irgendwelchen dahergelaufenen mitbegründern der Deutschen sozialdemokratie benennen dürfen.
Wo käme man denn hin, wenn alle das täten?
Sogar eine »Straße der DSF« gibt es noch in Güstrow. Und alle der befragten wußten, was DSF bedeutet, nämlich Deutsch-Sowjetische-Freundschaft. Das ist natürlich skandalös, wenn die menschen sich daran erinnern, daß die Russen zumindest im osten nicht immer nur als feinde betrachtet wurden. Das ist ein grund zur straßenumbenennung, allerdings hatten die anwohner der Güstrower südstadt unterschriften gesammelt, daß sie keine umbenennungen wollen.
Daran, wer August Bebel oder Clara Zetkin waren, konnten sich die befragten Güstrower angeblich nicht erinnern. Auch das ist selbstverständlich ein grund zur umbenennung. In Berlin hat man die Clara-Zetkin-Straße in Dorotheenstraße umbenannt. Daß sich der »neue« name auf Dorothea von Brandenburg bezieht, die ein geiziges und geldgieriges weib gewesen sein soll und überdies eine giftmörderin, interessiert niemanden. Das gräßliche weib ist zum glück bereits vor 327 jahren in die gruft gefahren.
Nach August Bebel hingegen wurden auch im westen straßen und plätze benannt. Ich kann mich erinnern, daß in Kassel die stadthalle in der nähe des Bebelplatzes liegt. Aber Kassel war zonenrandgebiet und zählt somit nicht so richtig, war schließlich der westliche osten.
Den Kasselänern jedoch muß man mal ordentlich ins gewissen reden, daß sie nicht einfach so einen platz nach irgendwelchen dahergelaufenen mitbegründern der Deutschen sozialdemokratie benennen dürfen.
Wo käme man denn hin, wenn alle das täten?
Samstag, 14. Mai 2016
Rechtsruck und Afd. Wer ist Schuld? Die DDR!
Immer wieder liest man, am heutigen rassismus und der ausländerfeindlichkeit, dem rechtsterrorismus, den dauerlatschenden pegidisten und der AfD sei die politik der DDR schuld.
Beispielsweise schrieb der Helmut Wiesenthal (der ist da leider keinesfalls allein, aber ich möchte ein halbwegs aktuelles beispiel nennen) neulich in seinem blog, die AfD sei »aus dem geiste der DDR«. Um es nicht zu sehr auszuweiten, möchte ich an dieser stelle nur auf einen absatz aus seinem artikel eingehen.
Der gesamte nationalistische blödsinn käme aus dem SEDregime und alles übel der Deutschtümelei sei allein der DDR anzulasten:
Und auch heute noch sieht man klar, daß der westliche staat die probleme mit der versorgung mit bildung und von kindern, kranken, alten, ausländern ganz großartig meistert, ohne sich je dafür selbst zu loben. Und brandanschläge auf (geplante) asylantenheime kommen im westen auch nicht vor.
Nationalchauvinistisch. Schmuckes wort. Allerdings ein pleonasmus. Chauvinismus ist immer nationalismus, weshalb man sich diese steigerung getrost schenken kann.
Zu meiner schulzeit in den gab es an der schule eine clique, die beschlossen hatte, mit der menschlichkeit schluß zu machen. Diese typen fanden es cool, gewaltverherrlichende musik zu hören, ausländer, linke oder behinderte zu klatschen oder ihnen zumindest zu drohen. Von den lehrern wurde das problem kleingeredet: wenn es angesprochen wurde, daß ausländer verprügelt werden oder ihnen zumindest mit prügel gedroht wird, wurden die opfer zu tätern gemacht. Dann wurde gesagt, die haben sicherlich provoziert, denn allein aus fremdenhass oder menschenhass allgemein wird bekanntermaßen niemand übergriffig. Das war natürlich in der DDR.
Hessen.
Rassismus ist eben nicht die folge des DDRstaates, der übrigens auch keine rassistische staatsdoktrin hatte, sondern kommt womöglich eher daher, wenn die menschen sich von ihrem staat, aus welchen gründen auch immer, schlecht behandelt fühlen.
Bei der letzten »mitte-studie« der Uni Leipzig wurde herausgefunden, daß die Bayern ausländerfeindlicher sind als die menschen in Meck-Pomm, Thüringen, Brandenburg und Sachsen. In puncto antisemitismus sind die Bayern sogar Deutschlandweit führend, die wenigsten antisemiten gibt es erstaunlicher weise in Brandenburg und Sachsen.
Es ist also anzuzweifeln, daß die DDR »schuld« an der AfD sei. Nicht die damaligen verhältnisse treiben die leute an, sondern die heutigen.
Beispielsweise schrieb der Helmut Wiesenthal (der ist da leider keinesfalls allein, aber ich möchte ein halbwegs aktuelles beispiel nennen) neulich in seinem blog, die AfD sei »aus dem geiste der DDR«. Um es nicht zu sehr auszuweiten, möchte ich an dieser stelle nur auf einen absatz aus seinem artikel eingehen.
Der gesamte nationalistische blödsinn käme aus dem SEDregime und alles übel der Deutschtümelei sei allein der DDR anzulasten:
Zitat Helmut Wiesenthal:»Der dritte Ursachenfaktor für die überraschende Stärke der rückwärts gewendeten Bewegung ist dem SED-Regime und seiner dumpf-nationalistischen Gesellschaftspolitik anzulasten.«Sicher ging es in der DDR nationalistisch zu. Das ist ein ding, was mich an ihr befremdet hat. Allerdings ist das kein merkmal, das im westen so gar nicht vorgekommen wäre und gegen den staat sollte man auch dort schon gar nicht sein.
Zitat Helmut Wiesenthal:»Die (seit dem Mauerbau 1961) buchstäblich eingesperrten DDR-Bürger waren nicht nur an eigenen Erfahrungen mit anderen Kulturen, Entwicklungen und dem Optionenspektrum offener Gesellschaften gehindert, sondern wurden zusätzlich mit dezidiert nationalchauvinistischen Parolen und verlogenem staatlichen Selbstlob berieselt.«Selbstlob kam im westen zum glück gar nicht vor, im schulunterricht wurde man selbstverständlich nicht damit berieselt, daß man im besseren, weil freien teil Deutschlands lebt, damit man den staat gut findet und notfalls für ihn in den krieg zieht.
Und auch heute noch sieht man klar, daß der westliche staat die probleme mit der versorgung mit bildung und von kindern, kranken, alten, ausländern ganz großartig meistert, ohne sich je dafür selbst zu loben. Und brandanschläge auf (geplante) asylantenheime kommen im westen auch nicht vor.
Nationalchauvinistisch. Schmuckes wort. Allerdings ein pleonasmus. Chauvinismus ist immer nationalismus, weshalb man sich diese steigerung getrost schenken kann.
Zitat dtv-Brockhaus»Chauvinismus - übersteigerter und blinder Patriotismus, der den Nationalismus bis zur Mißachtung fremder Rechte steigert.«Die DDR wollte der bessere Deutsche staat sein. Die DDR hat unter mißachtung jedweden rechtes anderer 1989 in fremdes gebiet hineinregiert, hat sich nicht an das recht gehalten, um ihre interessen durchzuprügeln. Oder war es vielleicht ein anderer staat, der sich damals widerrechtlich in die inneren angelegenheiten der DDR eingemischt hat?
Zitat Helmut Wiesenthal:»Auf diesem Nährboden überlebten nicht nur Sprachbilder und Denkweisen des Nazi-Rassismus, sondern es entstand ein hohes Niveau an Deutschtümelei samt dem Spiegelbild weithin geteilter Xenophobie.«»Sprachbilder und denkweisen« sind natürlich eine sache. Und wörter zu verbieten hat bekanntermaßen schon immer was gebracht. Seit das wort »neger« als unschicklich gilt, werden Afrikanischstämmige menschen nicht mehr diskriminiert oder verdroschen. Und seit ich meinen berufsbezeichnungen die weibliche endung »in« anhängen darf, werde ich genau so gut bezahlt wie ein mann und bekomme sofort einen posten im aufsichtsrat.
Zitat Helmut Wiesenthal: »Davon wussten u.a. Afrikaner und Polen zu berichten.«Ach, tatsächlich.
Zu meiner schulzeit in den gab es an der schule eine clique, die beschlossen hatte, mit der menschlichkeit schluß zu machen. Diese typen fanden es cool, gewaltverherrlichende musik zu hören, ausländer, linke oder behinderte zu klatschen oder ihnen zumindest zu drohen. Von den lehrern wurde das problem kleingeredet: wenn es angesprochen wurde, daß ausländer verprügelt werden oder ihnen zumindest mit prügel gedroht wird, wurden die opfer zu tätern gemacht. Dann wurde gesagt, die haben sicherlich provoziert, denn allein aus fremdenhass oder menschenhass allgemein wird bekanntermaßen niemand übergriffig. Das war natürlich in der DDR.
Hessen.
Zitat Helmut Wiesenthal: »Wie wenig der proklamierte Internationalismus tatsächlich das Denken bestimmt, enthüllte kürzlich die Linken-Fraktionsvorsitzende Wagenknecht, als sie in Reaktion auf die eingewanderten Flüchtlinge eine Besserstellung deutscher Sozialhilfe- und Rentenempfänger forderte.«Das sagt sie nicht, weil sie aus der DDR kommt, sondern weil sie sich mit der nationalistischen menschensortiererei abgefunden hat und das bescheuerte nationale gerechtigkeitsempfinden ansprechen möchte. Unter freunden der nation ist es ziemlich weit verbreitet, es als ungerecht zu empfinden, wenn ausländer und einheimische gleich mies behandelt werden und man fühlt sich gleich viel besser, wenn ausländer noch beschissener behandelt werden als man selbst.
Rassismus ist eben nicht die folge des DDRstaates, der übrigens auch keine rassistische staatsdoktrin hatte, sondern kommt womöglich eher daher, wenn die menschen sich von ihrem staat, aus welchen gründen auch immer, schlecht behandelt fühlen.
Bei der letzten »mitte-studie« der Uni Leipzig wurde herausgefunden, daß die Bayern ausländerfeindlicher sind als die menschen in Meck-Pomm, Thüringen, Brandenburg und Sachsen. In puncto antisemitismus sind die Bayern sogar Deutschlandweit führend, die wenigsten antisemiten gibt es erstaunlicher weise in Brandenburg und Sachsen.
Es ist also anzuzweifeln, daß die DDR »schuld« an der AfD sei. Nicht die damaligen verhältnisse treiben die leute an, sondern die heutigen.
Samstag, 19. Dezember 2015
Aufruf »für unser land« novemer 1989
Heutzutage wird oft behauptet, nach dem mauerfall hätten die bürger der DDR einhellig nach der dm und der »wiedervereinigung« geschrien. Das war nicht so. Viele wollten die DDR als alternative zur BRD erhalten:
Zitat: »Entweder können wir auf der Eigenständigkeit der DDR bestehen und versuchen mit allen unseren Kräften und in Zusammenarbeit mit denjenigen Staaten und Interessengruppen, die dazu bereit sind in unserem Land eine solidarischesche Gesellschaft zu entwickeln, in der Frieden und soziale Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen, Freizügigkeit aller und die Bewahrung der Umwelt gewährleistet sind.
Oder wir müssen dulden, daß, veranlaßt durch starke ökonomische Zwänge und durch unzumutbare Bedingungen, and die einflußreichen Kreise aus Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik ihre Hilfe für die DDR knüpfen, ein Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte beginnt und über kurz oder lang die Deutsche Demokratische Republik durch die Bundesrepublik Deutschland vereinnahmt wird.
Laßt und den ersten Weg gehen. Noch haben wir die Chance [...]
«
Zwar habe ich zweifel, daß die chance damals tatsächlich bestanden hätte. In Bonn hatten sie andere pläne, weshalb man die bürger der DDR auch lieber nicht fragte, was sie wollen.
Freitag, 2. Oktober 2015
Fünf fragen zu den FNL
Heute fand ich eine als »repräsentative umfrage« getarnte nationalismuswerbung der MDM Münzhandelsgesellschaft in Braunschweig im briefkasten.
Man soll eine Deutsche gedenkmünze erwerben. Natürlich zum »dankeschön sonderpreis«, weil man brav die Deutsche einheit bejubelt. Ich möchte weder eine münze noch jubeln, aber die fragen trotzdem vollständig beantworten:
»1. Wo haben Sie die Feiern zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erlebt?«Tierpark Friedrichsfelde. Die Sibirischen tiger konnten trotz Deutschnationaler euphorie die absperrungen nicht überwinden und wurden gehindert, in Westberlin zu feiern.
o Zuhause
o Ich kann mich nicht erinnern
o Auf einer öffentlichen Veranstaltung
o ________
Ich allerdings habe keinen grund zum feiern gesehen und habe den tag verschlafen.
»2. Welches Ereignis im Verlauf der Wiedervereinigung hat Sie am meisten berührt?Was mich damals ehrlich berührt hat, war die ruinierung einer gesamten volkswirtschaft in so kurzer zeit und die rasant ansteigende zahl der arbeitslosen und kurzarbeiter von 0 auf mehr als 2,3 millionen innerhalb weniger monate.
o Der Fall der Mauer am 9. November 1989
o Die Einführung der D-Mark am 1. Juli 1990
o Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990
o ________«
»3. Was ist Ihrer Meinung nach in den Neuen Bundesländern heute besser als in der DDR?Die schönen JobCenter, die überall entstanden sind, die der rückständige DDRstaat nicht hatte. Und natürlich, daß wer nicht berechtigt ist, auch gar nicht über so einen schnickschnack wie reisefreiheit nachdenken muß.
(Mehrfachnennungen möglich)
o Mehr Demokratie
o Wirtschaftliche Situation
o Meinungsfreiheit
o Ich sehe keine Verbesserung
o ________«
Außerdem wurden die leute mit BILD und Superillu beglückt.
»4. War der Zeitpunkt für die Wiedervereinigung richtig gewählt?Warum überhaupt »wiedervereinigung«? Ein Deutschland ist gut aber besser sind zwei!
o Ja
o Nein, die Wiedervereinigung kam zu früh
o Ich bin mir nicht sicher
o ________«
»5. Sind wir Ihrer Meinung nach heute wirklich ›ein Volk‹?
o Ja
o Nein, es gibt noch unterschiede zwischen Ost und West
o Ich bin mir nicht sicher
o ________«
»Die Deutschen« sind noch nie ein volk gewesen: Bayern und Friesen, zum beispiel, haben weder eine gemeinsame kultur noch eine gemeinsame sprache. Wenn dann auch noch ein Sachse hinzukommt, herrscht Babylonische sprachverwirrung. Allerdings wird »volk« über die herrschaft definiert, der es unterstellt ist. Und da sind regional- oder klassenunterschiede egal.
***
Auch in diesem jahr ist der untergang des sozialismus nicht unbedingt ein grund zum feiern.
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Donnerstag, 23. Juli 2015
»Blühende landschaften« ausgeblieben.
25 jahre nach dem anschluß der DDR an die BRD hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung eine Studie mit dem titel »So geht Einheit - wie weit das einst geteilte Deutschland zusammengewachsen ist« (pdf) herausgegeben, mit der eigentlich eher bewiesen wird, daß so einheit im grunde gar nicht geht.
Die fnl sind das abgehängte gebiet geblieben: bevölkerungsschwund durch wegzug, weil vor allem jüngere menschen in den westen abwandern. Höhere arbeitslosigkeit und nachteile bei den löhnen, im osten wird häufiger im niedriglohnbereich gearbeitet. Da muß es einen nicht wundern, daß ossis eher günstige autos fahren und nicht BMW oder Mercedes, die man eher im westen findet. Auch kaufen ossis laut dieser studie weniger uhren oder schmuck als wessis, sondern eher gartenbedarf.
Die gute nachricht ist, daß im osten nur noch 23% der menschen mitglied einer religionsgemeinschaft sind und diese quote im westen ebenfalls geschrumpft ist.
Die fnl sind das abgehängte gebiet geblieben: bevölkerungsschwund durch wegzug, weil vor allem jüngere menschen in den westen abwandern. Höhere arbeitslosigkeit und nachteile bei den löhnen, im osten wird häufiger im niedriglohnbereich gearbeitet. Da muß es einen nicht wundern, daß ossis eher günstige autos fahren und nicht BMW oder Mercedes, die man eher im westen findet. Auch kaufen ossis laut dieser studie weniger uhren oder schmuck als wessis, sondern eher gartenbedarf.
Die gute nachricht ist, daß im osten nur noch 23% der menschen mitglied einer religionsgemeinschaft sind und diese quote im westen ebenfalls geschrumpft ist.
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