Donnerstag, 29. August 2019

Der Teufel

von Georg Heym

Er wohnte damals unter Rummelsburch
In einem Gulli, als die Hitze hing
Vom Nordkap weiß bis an den Semmering,
Und das war schon ganz erheblich unten durch.

Er war rheumatisch, und den Alten fror.
Er drehte langsam den Rosenkranz.
Und um das goldne Horn der Höllenglanz.
Er kam uns merklich ausgeblichen vor.

»Ja meine Herrn«, er gab uns seine Hand,
»›Non serviam‹, das war. Und seinen Thron,
Bei Gott, ja damals hätt ich ihn verbrannt.

Doch eben ich war viel zu tolerant.
Jetzt bin ich nur noch eine Fiktion.«
Er bot uns noch Zigarren an, und verschwand.

Mittwoch, 28. August 2019

Deutsche im ausland

Wenn Deutsche ins ausland reisen wird es oft peinlich. Sie reisen 1.500km in die Bretagne und haben hinterher genau so viel ahnung, wer Paul Gauguin gewesen ist, wie vorher und haben keinen einzigen menhir gesehen. Oder sie fahren ins land mit der besten küche der welt und mampfen Deutschfraß, weil das einige cent billiger ist. Lieber kilometer fressen als gut zu speisen. Bloß im ausland nicht mit fremder kultur beschäftigen, man könnte schließlich irgendetwas lernen. Dabei ist »reisen bildet« oft der vorwand für’s reisen. Aber die meisten deppen kommen genau so deppert wieder, wie sie losgefahren sind.

Im wahrsten sinne den vogel abgeschossen hat wohl ein ehepaar aus Bayern, welches sein hotelzimmer in Österreich für »unbenutzbar« hielt, weil ein vogelnest über dem fenster war und die tiere so laut brüllten, daß sie nicht hätten schlafen können. Deshalb wollen die ihr geld zurück und erpressen das hotel mit einer schlechten bewertung.

Irgendwie scheinen manche zu glauben, daß sie sich im ausland auf dem kriegspfad befänden. Vielleicht sollte Österreich an der grenze zu Deutschland schilder aufstellen »freundliche Deutsche willkommen. Einmarschieren verboten!« Oder so ähnlich.

Dienstag, 27. August 2019

Foto am montag (380)

Horror!

Ich hatte keinerlei muße für irgendein bild.

Mittwoch, 21. August 2019

Die Bielefeldmillion

Eigentlich weiß es jeder: die stadt Bielefeld gibt es nicht. Deshalb hat Bielefeld jetzt eine million ausgeschrieben für denjenigen, der es auch stichhaltig beweisen kann, daß es Bielefeld nicht gibt.

Leider kann ich gar nichts beweisen, auch wenn es sich, als ich im edlen selbstversuch dort hinreiste, zumindest anfühlte wie durch ein loch in der zeit gefallen zu sein. Dort standen komischer weise obendrein auch noch die herren John Lever und Mark Burgess an der theke rum und haben bier getrunken.

Und das ist schon ziemlich unwahrscheinlich. Ich meine nicht, daß die bier trinken, sondern, daß die das ausgerechnet in Bielefeld tun müssen und zufällig ich an der selben theke stehe, ist eigentlich ziemlich undenkbar. Allerdings kein felsenfester beweis, daß es Bielefeld nicht gibt. Schade eigentlich.

Montag, 19. August 2019

Sonntag, 18. August 2019

Verabschiedungskultur

Bernd Höcke mal wieder.

Verabschiedungskultur ist nicht grundsätzlich was schlechtes. Ich stell mir vor, Höcke in einer rechtkantigen kiste und es gibt reichlich »Rosen auf den Weg gestreut«.

Peter Fonda

Mal wieder hat es einen dahingerafft. Weil ich ehrlich bleiben möchte, muß ich zugeben, daß ich beim legendären film »Easy Rider« immer eingeschlafen bin. Vermutlich bin ich die einzige, die leider gar nicht weiß, worum es da eigentlich geht.

Udo Lindenbergs version von »Born to Be Wild« war aber wahrscheinlich gar so verkehrt.

Mittwoch, 14. August 2019

Überall tretroller

Seit knapp zwei monaten sind hierzulande e-scooter erlaubt. Ich nenne die dinger trotzdem »tretroller«, auch wenn sie leider gar keine sind, weil man in der stadt ständig auf sie drauftritt oder über sie stolpert und wenn man nicht drüber stolpert, liegen die dinger im gebüsch rum oder zwischen s-bahn-gleisen, wo sie dann auch eher nicht wieder eingesammelt werden - und eingesammelt werden sie zum nächtlichen aufladen oft von lieferwagen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß der verkehr in großstädten dadurch auch nur für einen pfennig umweltfreundlicher würde.

Genutzt werden sie offensichtlich hauptsächlich von touristen, die ansonsten brav zu fuß gegangen wären und gelegentlich von teenies, die nachts kreischend zu dritt auf einem roller durch die straßen brettern. Ist ja strengstens verboten, zu zweit e-scooter zu fahren. Muß man eben zu dritt fahren. In dem alter hätte ich das problem ganz genauso gelöst.

Was mich wundert, ist, daß beispielsweise velomobile  überhaupt kein thema sind. Das wäre doch eine umweltfreundliche alternative - stattdessen wird über allerhand firlefanz und dicke elektroautos diskutiert.

Es geht halt nicht um den umweltschutz. Es geht um geschäftsmodelle. Das kotzt an.

Montag, 12. August 2019

Sonntag, 11. August 2019

75 % für den staat

Ein freund, der ca. mitte der 60er jahre mal in einem kinderheim untergebracht war, hat mir vor etlichen jahren erzählt, daß er unheimlich glück gehabt habe, trotzdem eine vernünftige schulbildung erhalten zu haben. Ein engagierter mensch habe sich damals für ihn eingesetzt, daß er in ein internat kommt. Die anderen kinder mußten, wenn sie ca. 14 jahre alt waren, ihren lebensunterhalt verdienen. Dafür seien sie regelrecht an den nächsten großbauern verkauft worden, bei dem sie als hilfsarbeiter schuften mußten und vom lohn nur ein karges taschengeld behalten durften, das höchstens für eine schachtel zigaretten die woche oder etwas süßkram reichte.

Mich gruselte es, daß es so etwas in der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts hierzulande noch gegeben hat. Wir hatten beide keine ahnung, daß es derartiges bis heute gibt:

Oscar Wilde hat gesagt, daß man für das gute wie für das schlechte, das man tut, bestraft wird. Das stimmt. Allerdings würde ich noch einen obendrauf setzen: man wird immer mindestens doppelt bestraft: es ist nicht schlimm genug, in schlechten verhältnissen aufzuwachsen. Diese leute müssen dafür auch noch zusätzlich 75% ihres einkommens an »strafe« zahlen, obgleich sie im normalfall für ihre lebenssituation überhaupt nichts können.

Gerade die, die staatliche unterstützung dringend brauchen würden, weil sie privat niemanden haben, werden dazu gezwungen, 75% ihres lohns an den staat abzugeben. Dieser staat ist über die erkenntnisse und erziehungsmethoden des 19. jahrhunderts offensichtlich nie wirklich hinausgekommen.

Mittwoch, 7. August 2019

Ratte analysiert wahlprogramme...

... und findet heraus, daß man ganz schön viel zeit zum lesen benötigt und die schwieriger zu lesen sind als Franz Kafka. Ratte ist natürlich keine gewöhnliche leseratte und hat mit niedlichen nagetieren wenig zu tun, sondern ist das »Regensburger Analysetool für Texte« oder kurz einfach Ratte, mit dem man den schwierigkeitsgrad von texten messen kann. Gedacht ist das für die auswahl von texten für den schulunterricht, man kann aber auch wahlprogramme, beispielsweise für die anstehende Landtagswahl in Brandenburg, damit analysieren.

Das hat der rbb kürzlich getan. Die texte werden dann nach anzahl der wörter und Fleschindex bewertet. Der Fleschindex ist nach seinem erfinder Rudolf Flesch, einem experten für die lesbarkeit von texten, benannt. Je höher der Fleschindex, desto leichter ist ein text zu lesen: unter 30 punkte - hochschulniveau, 30 bis 50 punkte - abiturniveau, 50 bis 60 punkte - MSA-niveau, über 60 punkte - einfaches Deutsch.

»Das Schloß« von Franz Kafka schnitt im vergleichstest mit 62,9 punkten ab, danach folgte »die Schachnovelle« von Stefan Zweig. Dann kommt eine weile gar nichts und als nächstes das programm der SPD mit 38,7 punkten, dicht gefolgt von der CDU. Freie Wähler, Linke, Grüne, FDP und AfD kommen alle auf einen Fleschindex von um die 30.

Auf anfrage sagten alle parteien, außer der AfD, die es nicht nötig hatte zu antworten, daß das wahlprogramm für die breite masse nicht das wichtigste im wahlkampf sei. Linke, FDP und Grüne bieten ihr wahlprogramm auch in »Leichter Sprache« an. Zwischen hochschulniveau und niveau von menschen mit lernschwierigkeiten gibt es für die nichts. Und überhaupt soll man sich offenbar mit den programmen gar nicht so genau befassen. Das läßt tief blicken.

Dieser Text hat übrigens einen Fleschindex von 63. Ich bin also ungefähr auf dem gleichen niveau wie Franz Kafka, obwohl ich noch nie vorhatte, ihm irgendwie nachzueifern.

Montag, 5. August 2019

Samstag, 3. August 2019

Deutsche zitronen - nicht bananen!

Europa
von Kurt Tucholsky

Am Rhein, da wächst ein süffiger Wein –
der darf aber nicht nach England hinein –
   Buy British!
In Wien gibt es herrliche Torten und Kuchen,
die haben in Schweden nichts zu suchen –
   Köp svenska varor!
In Italien verfaulen die Apfelsinen –
laßt die deutsche Landwirtschaft verdienen!
   Deutsche, kauft deutsche Zitronen!
Und auf jedem Quadratkilometer Raum
träumt einer seinen völkischen Traum.
Und leise flüstert der Wind durch die Bäume ...
   Räume sind Schäume.

Da liegt Europa. Wie sieht es aus?
Wie ein bunt angestrichnes Irrenhaus.
Die Nationen schuften auf Rekord:
   Export! Export!
Die andern! Die andern sollen kaufen!
Die andern sollen die Weine saufen!
Die andern sollen die Schiffe heuern!
Die andern sollen die Kohlen verfeuern!
Wir?
   Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein:
wir lassen nicht das geringste herein.
Wir nicht. Wir haben ein Ideal:
Wir hungern. Aber streng national.

Fahnen und Hymnen an allen Ecken.
Europa? Europa soll doch verrecken!
Und wenn alles der Pleite entgegentreibt:
daß nur die Nation erhalten bleibt!
Menschen braucht es nicht mehr zu geben!
England! Polen! Italien muß leben!
Der Staat frißt uns auf. Ein Gespenst. Ein Begriff.
Der Staat, das ist ein Ding mitm Pfiff.
Das Ding ragt auf bis zu den Sternen –
von dem kann noch die Kirche was lernen.
Jeder soll kaufen. Niemand kann kaufen.
Es rauchen die völkischen Scheiterhaufen.
Es lodern die völkischen Opferfeuer:
Der Sinn des Lebens ist die Steuer!
Der Himmel sei unser Konkursverwalter!
Die Neuzeit tanzt als Mittelalter.

Die Nation ist das achte Sakrament –!
Gott segne diesen Kontinent.


Zitiert nach Tucholsky - »Gesammelte Werke 1932«, rororo 1975

Man könnte meinen, Tucholsky habe die AfD schon gekannt.

Freitag, 2. August 2019

Gutes aus der region Berlin

Vorhin im supermarkt.

Ein schild mit der aufschrift »aus Deiner region«. Darunter: nichts als bananen. Vielleicht die berühmte, jedoch seltene Spreewaldbanane, die bereits in der DDR als mangelware galt und die ich bis heute noch nie gesehen habe? Da mußte ich doch wenigstens mal auf das etikett schauen. Und was stand drauf?

Equador. Also nicht ganz Spreewald. Aber doch wenigstens fast. Irgendwie scheinen die meinungen, was noch als »regional« gelten kann und was eher nicht, ein bißchen auseinanderzugehen.