Mittwoch, 12. Dezember 2018

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Verkehrtes verständnis

Schäbig wird es, wenn selbsternannte »experten« verständnis für bestimmte bevölkerungsgruppen äußern, dann aber doch wieder bloß gängige klischees bedienen. Wie beispielsweise letztens mal wieder Ilka Bessin besser bekannt als »Cindy aus Marzahn«.
Zitat Ilka Bessin:»Um 14 Uhr bin ich aufgewacht, dann habe ich „Vera am Mittag“ geguckt, obwohl ich das schon aus der Nacht davor kannte. Es lief ja nichts anderes.«
Wenn sie das so erzählt, will ich ihr das schon glauben. Aber ein bißchen stutzig macht mich das schon. Zwar schaue ich wenig fernsehen, was daran liegt, daß ich noch nie im leben einen fernseher besessen habe, jedoch kann ich mich noch genau daran erinnern, daß es in der zeit von 2001 bis 2003, was die zeit von Bessins arbeitslosigkeit gewesen sein soll, in Berlin andere fernsehsender gab als nur Sat1.

Und dann kommen mir ganz traurige gedanken, wie frau Bessin in ihrer einraumwohnung in der achtzehnten etage im plattenbau in Marzahn vor einem Junostfernseher hockte, der nur Sat1 und DDR2 kann - und letzterer sender ist bekanntermaßen mit der DDR untergegangen. Aber wahrscheinlich wird sie dabei wenigstens nicht gefroren haben.

Trotzdem sagt sie bloß die halbe wahrheit. Sie hat hat doch auch noch etwas anderes gemacht. Sie hat sich in der zeit ihre bühnenfigur ausgedacht, sie hatte sehr viel glück und hat es damit bis ins fernsehen geschafft. Andere arbeitslose denken sich auch etwas aus, womit sie ihre zeit verbringen, nur häufig leider mit geringem erfolg. Und dann werden sie von einer, die verständnis heuchelt, einerseits blöde angekumpelt, so von wegen daß man ihnen selbstbewußtsein geben müsse und auf der anderen seite doch wieder als faule säcke verlacht, die schon um 14 uhr in der frühe aufstehen. Und das ist eine art von »verständnis«, die ganz bestimmt niemand braucht.

Montag, 3. Dezember 2018

Foto am montag (344)

Haubentaucher (leider gerade abgetaucht)

Samstag, 1. Dezember 2018

Des Merzen menschliche seite

Das junge, frische gesicht der CDU, stolze 16 monate jünger als das alte abgewrackte Merkel, hat für empörung gesorgt, weil es sich als millionenverdiener in der mittelschicht verortet.

Dabei ist das alles doch so klar: laut der letzten erhebung gibt es genau 18.999 einkommensmillionäre - die sind abjezählt - und rund 82 millionen - die sind nicht so jenau abjezählt - einwohner in diesem land. Friedrich Merz ist davon überzeugt, daß er zur mittelschicht gehöre, weil man schließlich mit (zitat) »Fleiß, Disziplin, Anstand, Respekt« zu einem millionengehalt kommen könne. Es gibt keinen grund sich da drüber aufzuregen. Er sagt einfach, was er über die leute hierzulande denkt »Eure armut kotzt mich an«. Wer bloß einkommensreich ist und nur ein nettoäquivalenzeinkommen von über 43.840€ ist ja bloß ein fauler sack, der sich nicht genug angestrengt hat! Sonst wäre er schließlich da, wo Merz die »mittelschicht« aus gutverdienenden, anständigen menschen sieht.

Er hat zur genüge klargemacht, was er von armen leuten hält.  Bildung sei nichts selbstverständliches. H4empfänger wissen das doch schon längst. Für bildung ist im h4regelsatz nämlich ein € und ein cent vorgesehen. Lange habe ich gerätselt, was man davon wohl kaufen soll. Inzwischen bin ich schlauer, weil ich nämlich weiß, was man damit anfangen soll. Neulich war ich auf einem büchertrödel, wo ich für nur fünfzig cent eine recht hübsche ausgabe des Manifests der Kommunistischen Partei erworben habe. Man muß also keineswegs dumm bleiben, sondern bekommt vom regelsatz also zumindest theoretisch zwei kommunistische manifeste und einen cent, den man behalten darf. Nach nur fünfzig monaten arbeitslosigkeit und des eisernen sparens bekommt man sogar noch ein drittes manifest dazu. Das ist doch was.

Über das elterngeld sagte er 2010 folgendes: »Von den ersten 200 000 Anträgen auf Elterngeld kamen neun Prozent von berufstätigen Frauen, 54 Prozent von Hartz-IV-Empfängern. Die haben damit Einkünfte über denen arbeitender Geringverdiener.« Mit diesen zahlen kann man überhaupt nichts anfangen, wenn man nicht weiß, wie viele der antragsberechtigten berufstätig waren, hausfrauen oder h4empfängerinnen. Und außerdem müssen h4empfängerinnen alles beantragen, was geht, weil das jobcenter so nämlich kosten abwälzt. Da ist halt nichts mit »einkünften über denen der geringverdiener«, weil die nämlich alles fein säuberlich vom alg abgezogen kriegen. Der Merz ist dermaßen vor die muffe gepufft, daß man ihn schon fast nicht mehr ernst nehmen könnte, wenn er dann nicht einfluß hätte. Das problem der arbeitslosen ist schließlich das viele geld, das ihnen im laufe ihres gesamten lebens hinterhergeworfen wird.

»Wenn ich ‚Oberklasse‘ oder ‚Oberschicht‘ höre, denke ich an Menschen, die viel Geld oder eine Firma geerbt haben und damit ihr Leben genießen.«  Als wäre es nicht völlig wumpe, wo die patte herkommt. Aber wenn er nicht wenigstens sein leben genießen kann, dann ist er nicht bloß ein geldsack, sondern obendrein ein vollkoffer. Er kann ja nicht einmal auf seinen eigenen kram aufpassen, ohne irgendwas zu verlieren. Die geschichte mit den obdachlosen, die sein laptop gefunden haben und zum dank ein probeexemplar seines buches »Nur wer sich ändert, wird bestehen« bekamen, spricht auch für sich. Obdachlosen gibt man kein geld, denn wenn sie damit umgehen könnten, hätten sie schließlich welches. Stattdessen verfressen und versaufen sie es.

»Man nehme sein Geschmier. Zum Arschwisch knülle man das Papier zum Dienst der Hinterseiten« wußte dereinst schon Georg Heym. Gern wäre ich mal buchhalter bei der klopapierfabrik WEPA, bei der herr Merz im aufsichtsrat sitzt. Wenn herr Merz mit dem geld, das er bekommt, ohnehin nichts anzufangen weiß, weil er das leben nicht genießt, dann würde ich ihm einfach mal 19.591.800 blatt vorbeischicken, die er dann den rest seines lebens mit seinem mist vollschmieren darf.

Die gesellschaft möchte recht gern darauf verzichten, daß er »der Gesellschaft etwas zurückgibt,« weil er »es sich leisten kann.« Er sollte einfach die klappe halten und in rente gehen.

Dienstag, 27. November 2018

Freitag, 23. November 2018

Schreck laß’ nach!

Wie die Titanic heute meldete, will todespfleger Jens S. die CDU wiederbeleben. Noch schlimmer sieht es allerdings bei der SPD aus:

Donnerstag, 22. November 2018

Foto am montag (342)

Mit rekordverdächtiger verspätung gibt es doch noch ein foto:
Seidenschwänze (bombycilla garrulus)

Dienstag, 13. November 2018

Jetzt wird die bahn richtig jeck

Neulich wollte ich nach Gesundbrunnen und hatte einen platz in dem ICE reserviert, bei welchem zwei züge aus Köln und Düsseldorf zwangsvereint, aber wenigstens in separaten zugteilen, der reichshauptstadt entgegenrasen. Kurz bevor ich ich losfuhr, meldete der DB Navigator, daß ausnahmsweise nur eine zughälfte führe - und zwar die aus Düsseldorf. Mit überfüllung des zuges sei zu rechnen. Wie man sich allerspätestens nach dreimaligem raten denken kann, sollte mein sitzplatz selbstverständlich in der Kölner hälfte des zuges sein. Am umsteigebahnhof wurde nur der Düsseldorfer zugteil angesagt. Ich war echt voll angefressen.

Keine fünf minuten später saß ich auf dem von mir reservierten platz im zugteil aus Köln, die reservierung allerdings hätte ich mir sparen können, weil ich fast allein im wagen war. Die meisten leute sind natürlich in die angekündigte Düsseldorfer zughälfte eingestiegen.

So kann man auch menschen in den wahnsinn treiben!

Abbildung ähnlich

Aber okay, die bahn bremst sogar für Böhmermann. Ob die geschichte nun stimmt oder nicht, ist mir relativ egal. Dieses moralisieren, ob die bahn auch für einen nichtpromi gehalten hätte, ist daneben. Vielleicht hat es dem zugchef einfach spaß gemacht, den Böhmermann im langweiligsten nest in Niedersachsen aus dem zug zu werfen. Daß außerplanmäßige sonderhalte bei der bahn sonst nie vorkämen, stimmt nicht, das sagt auch Karl-Peter Naumann von Pro Bahn und ich kann das bestätigen, denn von einem solchen sonderhalt habe ich auch schon einmal profitiert.

Jan Böhmermann jedoch sollte bahnreiseunterricht nehmen, bei dem er lernt, die texte, die auf den zügen stehen, richtig zu interpretieren oder wenn er nicht weiß, wo der zug hinwill, jemanden zu fragen, der so aussieht als ob er wüßte, wo er hinwill.

Montag, 12. November 2018

Foto am montag (341)

Hier im blog ist derzeit der schweigefuchs unterwegs

Montag, 5. November 2018

Sonntag, 4. November 2018

Reparieren - wegwerfen?

Ohne daß es groß bemerkt worden wäre, wurde am 20. oktober zum zweiten mal der Internationale Repair Day begangen. Damit möchte das netzwerk der reparaturinitiativen auf die forderung, daß es ein recht auf reparatur geben sollte, aufmerksam machen. Bisher wußte ich nicht einmal, daß es so etwas wie eine »reparaturbewegung« überhaupt gibt. Das habe ich gerade erst in einem interview in der SZ gelesen. Der soziologe Tom Hansing von der stiftung »anstiftung« sagt dazu einige durchaus sinnvolle dinge, die allerdings mit unserem wirtschaftssystem nicht besonders gut vereinbar sind.
Zitat Tom Hansing:»Das [sich viele menschen alle ein bis zwei jahre ein neues smartphone kaufen] ist tatsächlich ein riesengroßes Problem. Da geht es weniger um Rechenleistung, die Geräte sind in erster Linie ein Statussymbol. Das ist der Erfolg von PR und Werbung. Die Verantwortung allein auf die Konsumenten zu schieben, ist nicht hilfreich. Wir müssen andere Verhaltensweisen fördern. Wir können die Welt reparieren, Gerät für Gerät, Teil für Teil. Das ist das Faszinosum an der Reparier-Bewegung.«
Mir ist es nach wie vor ein rätsel, wer denn die leute sind, die sich alle naselang ein neues smartphone kaufen. Sicherlich gibt es ausreichend leute, die sich das leisten können, die meisten wollen das aber gar nicht, so ein neues phone muß erstmal neu eingerichtet werden und dafür sind menschen normalerweise viel zu faul. Später sagt er auch noch »Ingenieurinnen und Ingenieure planen natürlich auch die Lebensdauer sämtlicher Komponenten und überlassen das nicht dem Zufall. Wenn ein Objekt zum geplanten Zeitpunkt seinen Geist aufgibt, ist das quasi eine Meisterleistung.« Das stimmt so nicht unbedingt. Die ingenieurskunst liegt vor allem darin, ständig neues zeug zu entwickeln, das ein kleines bißchen schicker ist, daß die leute mit dem ding, das sie eben erst für teuer geld erworben haben, unzufrieden werden, obwohl es bestens funktioniert. Wenn sachen allzu schnell den geist aufgeben, wird niemand überzeugt, etwas ähnliches noch einmal zu kaufen. Die marke mit dem angefressenen obst, beispielsweise, baut durchaus solide geräte. Allerdings tut diese firma alles, daß möglichst niemand lust hat, stundenlang an alten rechnern rumzupfriemeln, weil die neueren teile mehr spaß versprechen.
Zitat Tom Hansing:»Die meisten Menschen wissen, dass die Wegwerfmentalität falsch ist. Nun muss die Politik dafür Rahmenbedingungen im Alltag schaffen. Wer reparieren kann, wird weniger durch den Markt erpressbar. Reparieren ist nicht nur die ökonomisch sinnvollere Alternative, sondern auch ökologisch. Wir sagen: Wir brauchen nicht immer den neuesten Schnickschnack. Wir brauchen Geräte, die wir so lange wie möglich selbstbestimmt und unabhängig erhalten können.«
Daß es ökologisch sinnvoll ist, möglichst wenig müll zu produzieren, dürfte den meisten leuten einleuchten. In der ökonomie sind jedoch gegensätzliche interessen unterwegs: die industrie will möglichst viel zeug verkaufen, während die verbraucher möglichst viel für ihr geld haben möchten. Wem steht schon der sinn nach ramsch?

Ökonomisch hat reparieren im kapitalismus wenig sinn, weil das den umsatz schmälert. Man denke an die »abwrackprämie«, euphemistisch »umweltprämie« genannt. 2009 wurden knapp zwei millionen fahrzeuge verschrottet. Nicht, weil sie allesamt schrottreif gewesen wären, manch einer hätte sich bestimmt gefreut, wenn er so ein auto noch hätte fahren dürfen. Für die umwelt war das ein haufen müll, für die autonutzer teuer und für die wirtschaft ein tolles konjunkturprogramm. Das gleiche läuft nach dem sogenannten »dieselskandal«. Es ist gänzlich unmöglich, autos mit schadstoffiltern nachzurüsten. Stattdessen bekommen die betrogenen kunden ein trostpflaster aufgeklebt, damit sie ein neufahrzeug kaufen. Nicht, weil das sinnvoll wäre. Es kurbelt den absatz der autoindustrie an. Und um nichts anderes geht es.
Ein iPhone.
Nachdem es einen äußerst 
tragischen unfall hatte.
Apple ist schuld an dieser scheißgravitation! Seit das misgeschick mit dem iPhone passierte, bin ich felsenfester verschwörungstheoretiker. Im gegensatz zu allen anderen verschwörunstheorien stimmt die aber auch wirklich. Habe schließlich ich selbst mir ausgedacht. Ansonsten würden iPhones oder ähnlich zerbrechliche dinge nie im leben runterfallen und zerbrechen.

Freitag, 2. November 2018

Gedopt mit haferschleim über die fußgängerampel

In Berlin sind oft die grünphasen für fußgänger zu kurz. Hierzu ein schönes zitat von bundesverkehrsminister Andreas Scheuer:
»Für ältere Fußgänger/innen werden Maßnahmen angeraten, die vor allem die physischen Voraussetzungen für sicheres Queren trainieren bzw. aufrecht erhalten und zudem die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit verbessern.«
Die sollen halt einfach mal ein bißchen besser trainieren. Wer nicht leistungsfähig ist und im notfall nicht sprinten kann, hat auf der straße einfach nichts verloren - zumindest solange er nicht im SUV sitzt. Und außerdem sind die grannies auch vor dreiundzwanzig jahren schon gern ampelsurfen gegangen an ampeln mit grünphasen unter sechs sekunden:



Hoffentlich fahren die grannies, die heutzutage häufig auch mit rollkrücken bewaffnet sind, wenigstens drängelnden autofahrern ein paar kratzer in den lack.

Dienstag, 30. Oktober 2018

70 jahre Axel Stoll

Zu diesem anlaß ein schnipsel aus dem legendären interview mit Dennis Mascarenas von ddc-tv-Denver:

Manche menschen glauben, Stoll würde seit einigen jahren nicht mehr unter den lebenden weilen. Unwahrscheinlich. Der sitzt in einer reichsflugscheibe richtung Aldebaran. Wo kämen wir hin, wenn es anders wäre?

Montag, 29. Oktober 2018

Samstag, 27. Oktober 2018

Aua, brennessel!

Deutschlandfunk Kultur mal wieder. Sarah Wieners grandiose speisekammer. Sie meint, daß beste, wo gibt, wären brennesseln. Und was wird auf dem bild gezeigt?
Natürlich keine brennessel, sondern die weiße taubnessel, die nur so tut als wäre sie eine brennessel, aber ansonsten weitgehend harmlos ist. Echte brennesseln sehen so aus:
Es läge mir natürlich fern, zu behaupten, daß frau Wiener taubnesseln nicht von brennesseln unterscheiden könnte. Das bild hat sie wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht.

Und dann wird es drollig:
Zitat Sarah Wiener:»[...]Pflücken Sie nichts, wo [...] Felder gedüngt [...] sind.«[...]
Dem weniger naturromantisch veranlagten menschen sind brennesseln, bitte was?

Zeigerpflanzen für sticktoffreichen boden. Das bedeutet, sie wachsen nur dort, wo ordentlich gedüngt wurde. Womit auch immer. Die sind immer lecker nitratbelastet.

Im fall der von taubnessel und brennessel sind zwei theoretisch eßbare pflanzen miteinander verwechselt worden. Wenn man allerdings pastinak und schierling, dessen wurzeln ebenfalls mild schmecken sollen, verwechselt, begeht man einen fehler, den man unter umständen nicht mehr korrigieren kann. Wenn selbst beim öffentlich-rechtlichen rundfunk, bei dem man zumindest meinen sollte, daß da fachkompetente menschen in der redaktion sitzen, solche verwechslungen passieren, kann ich botanisch unkundigen nur dringend abraten, irgendwelche wildpflanzen zu essen.

Und aus eigener erfahrung kann ich dazu sagen: die meisten eßbaren wildpflanzen sind das risiko, sich zu vergiften definitiv nicht wert - sie schmecken alle eher besch...eiden.

Montag, 22. Oktober 2018

Foto am montag (338)

Heute gab es feldsalat mit fleischbeilage:
Die fleischbeilage habe ich dann aber doch lieber laufen lassen, die war ja noch so klein:

Samstag, 20. Oktober 2018

Ernährung und religion (Teil 3 und schluß)

Fortsetzung. Heute geht es um die »aufklärung« wie sie von veganern betrieben wird.

Die »aufklärung« der veganer sieht so aus, daß der mensch sich einfach außerhalb der natur stellen sollte.

Ein von menschen geschaffener hofkreislauf zur herstellung von nahrung ist natürlich böse, weil für den dünger nutztiere gehalten werden, die milch und eier liefern oder einfach gegessen werden können. Scheißegal, braucht kein mensch, zu futtern gibt’s schließlich im supermarkt.

Denkt man über eine gesündere ernährung nach, soll man in keinem fall daran denken, daß man nicht beschaffen ist wie ein pflanzenfresser, keine vier mägen hat wie ein rind, keinen riesigen blinddarm wie ein pferd und daß man auch keineswegs gewillt ist, die eigenen köttel zu fressen, wie hasenartige das tun. Aus veganer sicht soll man eine gesunde oder womöglich ungesunde ernährung auf »einseitig« umstellen.
Daniela Wakonigg: »Da es aus Sicht der meisten Atheisten um nichts Geringeres geht als eine Welt mit weniger Leid, schlagen die emotionalen Wellen in solchen Diskussionen mitunter natürlich hoch. Und sicherlich gibt es auch einige Atheisten, die dabei den Pfad des Sachlichen verlassen. Der Grund für ihre wie auch immer gearteten Argumentationen bleiben dennoch stets Fakten. Denn dass Religionen global betrachtet viel Schaden und Leid verursachen, daran kann heute nicht mehr ernsthaft gezweifelt werden.«
Schön, die studierte theologin und philosophin erklärt nun den atheisten, woran sie glauben, nämlich an weltverbesserung.

Stimmt aber gar nicht. Man kann auch atheist sein, weil es einem ums NICHTglauben geht und damit hauptsächlich sich selbst etwas gutes tun möchte.

Und glauben mögen die menschen meinethalben, was sie möchten. So lange sie in ihren glaubensspelunken bleiben.
Daniela Wakonigg: »Auch der weitergehende Diskussionsverlauf zwischen Fleischessern und Veganern ähnelt üblicherweise den Streitgesprächen zwischen Religiösen und Atheisten: Studien, die die positiven Effekte von Veganismus/die negativen Effekte von Religion aufzeigen, werden schlicht negiert oder ignoriert. Stattdessen folgt der Hinweis, dass der Mensch das Fleisch/den Glauben brauche und dass er erst durch das Fleischessen zum heutigen Menschen/erst durch den Glauben zum vollständigen Menschen geworden sei. «
Der vorteil des veganismus ist, daß damit seit einiger zeit ein ganz neues marktsegment entdeckt wurde, mit dem einige findige geschäftemacher gutes geld verdienen. Zum beispiel die hersteller von nahrungsergänzungsmitteln.

Ohne die nutzung von tieren wäre die menschheit ziemlich blöd dran. So etwas wie kultur hätte sich wahrscheinlich tatsächlich eher nicht entwickelt. Als anhänger der Schwarzen Kunst fällt mir dazu natürlich als erstes die schwarze druckfarbe ein, die für gewöhnlich pigmente aus tierasche enthält und fettsäuren aus schlachtabfällen, die für die menschliche ernährung ungeeignet sind. Das mit den fettsäuren gilt für andere druckfarben auch. Bücher sind unvegan, oft werden sie auch mit knochenleim geklebt. Die gesamte fotochemie - und dazu zählen auch platten für den offsetdruck - funktioniert nicht ohne gelatine. Und das schöne gestrichene papier, auf das man seine urlabsfotos ausdrucken kann, enthält ebenfalls gelatine aus tieren.

Musik ist oft nicht vegan. Gute trommeln wurden und werden mit tierhäuten bespannt und noch heute werden gute saiten aus därmen von tieren hergestellt. Im streichinstrumentenbau wird gelatine als grundierung verwendet. Ein synfoniekonzert kann ätzend oder phantastisch sein, nur eins eben nicht: vegan.

Viele der artikel zur täglichen hygiene wie seife, waschpulver, kosmetik, hautcremes, zahnpasta, shampoos und waschlotionen enthalten tenside tierischen ursprungs.

Die digitale welt ist ebenfalls nicht vegan: lcd-displays enthalten für gewöhnlich cholestrin von schweinen.

Man sollte einem veganer nicht inkonsequenz vorwerfen, in seinem leben schon einmal ein buch gelesen, auf ein display geschaut, in ein konzert gegangen oder gar ein stück seife in der hand gehabt zu haben. Für mich wirft sich eher die frage auf, woher die rohstoffe für all diese produkte kommen sollen, wenn sich nun alle einen heiligenschein ankleben und meinen, daß tiere nicht mehr genutzt werden dürfen.

Interessant zu diesem thema ist übrigens auch das buch »PIG-05049« der Niederländischen designerin und künstlerin Christien Meindertsma. Für das buch hat sie mehrere jahre recherchiert, wo das schwein 05049 geblieben ist und hat 185 produkte gefunden, die schwein enthalten, aber nicht unbedingt mit schweinen in verbindung gebracht, werden. Darunter so banale dinge wie streichhölzer. Aber auch geniale sachen wie künstliche herzklappen.
Daniela Wakonigg: »Ganz heikel wird es schließlich, wenn die Sprache auf Kinder kommt. Aus Sicht der Fleischesser/Religiösen vergewaltigt man sie geradezu, wenn man ihnen Fleisch/Religion vorenthält. Weil ihrem Hirn dann Nährstoffe fehlen bzw. weil sie religiös unmusikalisch bleiben. Den Abschluss solcher Diskussionen bildet meist ein hilflos-trotzig wirkendes "Ich esse jetzt ein Steak" bzw. "Ich bete für Sie".«
Hier wird es richtig verquast. Musikalität kann einem nicht vorenthalten werden, die hat man mehr oder weniger oder vielleicht auch gar nicht. Was einem vorenthalten werden kann ist musikunterricht, was aber etwas anderes ist. Um religiös zu werden benötigt man weder groß talent noch unterricht. Das bekommt man anerzogen oder entscheidet sich dafür. Man muß es bloß glauben.

In vielen weltgegenden wird kindern eine abwechslungsreiche ernährung vorenthalten, weil sich ihre eltern nichts besseres leisten können. Leider passiert es, daß die an mangelerscheinungen sterben. Da muß man doch nicht mehr alle birnen am christbaum haben, wenn man mitten in Europa seine kinder freiwillig, bzw. aus ideologischer verbohrtheit, so ernährt, daß die an mangelernährung sterben. Passiert zum glück nicht so häufig, kommt aber immer mal wieder vor. Ohne nahrungsergänzungsmittel geht das halt schlecht. Kann jeder halten, wie er will, aber wer als gesunder nahrungsergänzungsmittel benötigt, sollte sich mal fragen, ob er vielleicht etwas mit seiner ernährung falsch macht.

Beten hilft niemandem, vielleicht dem betenden, daß er zufrieden ist. Wenn man ein steak ißt, ist man ebenfalls zufrieden - aber zusätzlich wenigstens auch noch satt geworden. Also immerhin gleich zwei wünsche auf einmal erfüllt.
Daniela Wakonigg:»Die Ähnlichkeiten der Argumentationen von Fleischessern gegenüber Veganern mit der von Religiösen gegenüber Atheisten sind wenig verwunderlich, wenn wir uns klar machen, wie wir eigentlich zu Fleischessern werden. Die US-amerikanische Psychologin Melanie Joy hat bereits vor einigen Jahren die psychologischen Aspekte des Fleischessens analysiert und kam zu dem Schluss, dass es sich dabei tatsächlich um ein erlerntes ideologisches System handelt. Sie nannte dieses System Karnismus.«
Melanie Joy hat völlig recht. Man wird im elternhaus komplett ideologisch verdorben. Manche leute werden sogar von ihren eltern genötigt, bei harndrang aufs klo zu gehen - und dann können sie sich das ihr leben lang nicht wieder abgewöhnen. Und das ist doch nun ehrlich ideologisch absolut verbohrt. Blödes, erlerntes system. Scheißhausismus!
Daniela Wakonigg:»In der Tat zeigen Karnisten hinsichtlich ihrer Ideologie viele Parallelen zu religiösen Menschen. Die Normalität des Fleischessens wird – ebenso wie die der Religion – im Elternhaus erlernt. Fleisch wird dabei positiv konnotiert: Es macht stark, gibt Kraft und ist üblicher Bestandteil jedes Festessens. Die meisten Menschen hinterfragen das Fleischessen im späteren Leben deshalb ebenso wenig wie die Religion. Man hält das Fleisch irgendwie für gut und wichtig – genauso wie die Religion. Man tauft seine Kinder halt einfach und man isst halt einfach Fleisch. Weil's normal ist, weil's alle tun, weil man nicht anecken möchte und weil einem das Fleisch/der Glaube vermeintlich Kraft gibt.«
Im gegensatz zu veganern sind religiöse menschen oft erfindungsreich. Für einen ordentlichen katholiken ist gänsebraten vegan. Warum? Gänse entstehen aus teichmuscheln und die fallen bekanntermaßen von bäumen, also sind gänse pflanzlich, logisch. Für naturbeobachtung muß man denen ein paar punkte abziehen, das ist offensichtlich eher nicht so deren ding. Aber für einfallsreichtum und abstrusität gibt es auf jeden fall extrapunkte. Auf so etwas muß man erst einmal kommen.

Der mensch ist kein Lorenzsches gänschen, das darauf konditioniert ist zu tun, worauf es geprägt wurde. Der mensch muß nicht sein leben lang tun, was man ihm als kind anerzogen hat. Man muß nicht religiös bleiben und wenn einem das zeug nicht schmeckt, muß man auch kein fleisch essen. Rationale gründe dafür gibt es keine. Man kann auch aus moralischen gründen vegetarier werden und hinterher feststellen, daß man sich ganz schön geirrt hat.

Selbst die behauptung mit dem festessen ist hammerharter blödsinn. Jeder der schon einmal mit anständigen Polen weihnachten gefeiert hat, wird sich erinnern, daß es am heiligabend ein menü gibt, das mindestens sechs, gern aber auch zwölf gänge haben darf, das komplett fleischlos (nicht vegan und auch ohne gans) ist. Da fehlt überhaupt nichts, um am schluß ins fraßkoma zu fallen.
Daniela Wakonigg: »Auch das Ausblenden der negativen Aspekte von Religion und Fleischverzehr wird bereits früh erlernt. Schon als Kind lernen wir, im Fleisch auf dem Teller kein Tier zu sehen. Dass der Lammbraten mal genauso ein süßes kleines kuscheliges Lämmchen war, wie das, das man eben gestreichelt hat, ist eine Information, die von Kindern ferngehalten wird. Gleichzeitig wird ihnen beigebracht, dass man bei dem Streichel-Lämmchen "nur ganz lieb ei machen" und nicht böse zu ihm sein darf. Vollkommen schizophren, doch für die meisten von uns völlig normal.«
Ja, es ist definitiv schizophren. Da befaßt man sich den ganzen sommer mit den kartoffeln im garten, freut sich, wie sie wachsen und blühen, ist sogar nett zu ihnen und sammelt ihnen das ungeziefer von den blättern, damit sie gesund und munter bleiben. Dann kommt der herbst und sie werden ausgegraben, es endet damit, daß sie die augen ausgestochen kriegen und gefressen werden, obwohl sie mit ihren lustigen knopfäuglein vielleicht auch noch gern ein bißchen in die welt geguckt hätten.

Irgenwie ist in frau Wakoniggs gedanken ein eigenartiges schwarz-weiß denken: entweder ist man einfach »böse« zu anderen lebewesen, weil man ohnehin bloß vorhat, sie zu fressen oder sie sind einfach nur zum liebhaben da. Kommt es bei veganern nicht vor, daß sie ihre orchiedeen hegen und pflegen, vielleicht sogar mit ihnen reden und sie streicheln, den kohlrabi aber mit stumpf und stiel aufessen?

Der mensch neigt dazu, was er vorfindet nach seinen zwecken zu gebrauchen und ein lämmchen taugt zum streicheln offenbar ebenso gut wie es als essen taugt, auch wenn es für ersteres gar nicht gedacht ist.
Daniela Wakonigg: »Wer den Fleischesser/Religiösen auf die Unstimmigkeiten in seiner Ideologie/Religion hinweist oder gar den Braten/Gott als solchen in Frage stellt, erlebt massive Abwehrreaktionen, die in unzähligen Kommentarspalten dokumentiert sind.«
So gegen ende möchte ich noch darauf hinweisen, daß frau Wakonigg den begriff »fleischesser« konsequent falsch verwendet. Menschen die fleisch essen, sind normalerweise keine fleischesser (karnivoren) sondern allesfresser (omnivoren). Es gibt sicherlich menschen, die viel fleisch essen, aber menschen die sich hauptsächlich oder ausschließlich von fleisch ernähren, dürften eher die ausnahme sein. Der großteil der sogenannten »fleischfresser« sind teilzeitvegetarier und das nicht aus moralischen oder gesundheitlichen gründen, sondern weil es langweilig ist, fortwährend das gleiche zu essen.

Da ist keine unstimmigkeit. Es gibt keinen grund den braten in frage zu stellen, wenn er doch seinen zweck erfüllt: Schmeckt, macht satt und zufrieden.

Bei religiösen hingegen sieht es meist völlig anders aus: die zweifeln ganz von selbst an gott, um dann eben mit gott, sich selbst und der welt zu hadern. Das kann man schlecht miteinander vergleichen.
Daniela Wakonigg: »Denn man möchte sich den angenehmen Glauben/das leckere Fleischessen schließlich nicht madig machen lassen. Und noch viel weniger möchte man sich mit der Erkenntnis quälen müssen, dass das eigene Tun Schaden anrichtet. Man möchte die Gemeinschaft der Gläubigen/die Grillparty schlicht genießen dürfen, ohne sich mit negativen Gedanken zu belasten.«
Solche stimmungskanonen lädt man gern zu einer party ein. Manch ein allesfresser mag vielleicht gern wachteln aber moralwachteln finden die meisten sicherlich eher ungenießbar. Man geht doch nicht zu einer party, um sich mit negativen gedanken zu belasten.

Wenn man sich allein von pflanzen ernährt, richtet man ebenso schaden an anderen lebewesen an. Selbst als frutarier bekommt man probleme: viele pflanzen, deren früchte man essen kann, sind nicht windblütig. Braucht man bienen, die bekanntermaßen in massentierhaltung gehalten werden und deren tun man schamlos ausnutzt. Und was ist mit den mäuslein, die auch gern getreide und obst mögen? Man kann halt schlecht außerhalb der natürlichen gegebenheiten leben.
Daniela Wakonigg: »Falls es Sie also gerade in den Fingern juckt, der Autorin dieses Textes ein gepfeffertes Steak/einen gepfefferten Kommentar reinzuwürgen, halten Sie vor dem Tippen doch bitte einen Moment inne und fragen sich, warum Sie dieses dringende Bedürfnis verspüren. Danke.«
Warum ich das bedürfnis verspürt habe, all dies ausführlich zu kommentieren, dürfte wohl klar sein.

Mir ist es im grunde egal, was menschen essen mögen. Beim schreiben dieser kleinen artikelserie stellte ich einmal mehr fest, daß veganer sich fortwährend im ringen mit der realität befinden - und das ist eher nicht meins.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Nänie an einen toten pflaumenbaum


ritz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz

ritz ratz ritz ratz
ritz ritz ratz ratz
ritz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz

ratz ritz ratz ritz
ritz ratz ritz ratz
ritz ritz ratz ratz
ritz ratz ritz ratz

ratz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz
ritz ratz ritz ratz
grrr! bloink! bumm!




Bei Brecht heißt es über den pflaumenbaum:

»Weil er nie eine Pflaume hat.
Doch er ist ein Pflaumenbaum:
Man kennt es an dem Blatt.«


Dieser pflaumenbaum hatte mehr pflaumen als verwertbar waren. Aber diesen ätzenden scheißsommer hat er leider nicht überlebt.

Das macht mich jetzt ganz traurig.