Samstag, 20. August 2016

Rio

Nein, natürlich geht es nicht um irgendein langweiliges sport»event«, sondern um Rio Reiser. Zu dessen 20. todestag hat die ex-managerin der Ton Steine Scherben, die Grüne Roth, im Spiegel geschichtsblog »eines tages« einen text geschrieben, den ich teilweise merkwürdig fand.

Warum hat außer frau Roth niemand bemerkt, daß Rio Reisers homosexualität mitte der 80er jahre ein skandal war? Davon träumt frau Roth vielleicht in ihren feuchten träumen auch heute noch, aber von dem »skandal« ist beim radiohörer und fernsehgucker von damals wenig bis nichts angekommen. Soweit ich mich erinnere, war das zu jener zeit eher kein skandalthema.
Was würde er wohl denken über all die Verrücktheiten dieser Welt? Was über all die Gewalt, die Not, die Furcht? Über den Hass der Menschenverachter, über die Macht neuer Medien? Darüber, dass wir es in vielen Bereichen geschafft haben, den Staat auf unsere Seite zu ziehen - auf die Seite der Freiheit, der Bürgerrechte, der Vielfalt? Was würde er sagen zu unserem immer noch täglichen Kampf, all diese Freiheiten zu erhalten und weiter auszubauen, wie überrascht wäre er über unsere Feinde?
Auch ich habe keine ahnung, was Rio Reiser heute denken würde. Ich habe ihn ja nicht einmal gekannt. Allerdings hatte er sich schon in den frühen 90ern von der GRÜNpartei abgewandt.

Vielleicht ahnte er, in welcher form die GRÜNEN »den staat auf ihre seite« ziehen würden: laufzeitverlängerung für atomkraftwerke, sozialabbau, krieg und wollte diese dinge nicht mitmachen.

Montag, 15. August 2016

Foto am montag (224)

Noch einmal der »vogel des jahres«:
Ein stieglitz (carduelis carduelis), auch »distelfink genannt. Auf diesem foto macht er seinem namen alle ehre.

Freitag, 12. August 2016

Der kartoffel


Im »kritischen sonntagsfrühstück« hat Stefan Gärtner letztes mal ein tolles zitat eines unbekannten autoren aus der »Süddeutschen« vom 5.8. gebracht, wegen dem ich mich kugeln mußte vor lachen:
»Die Kartoffel, oder richtiger, der Kartoffel, muß sich ändern, wenn er der gleiche bleiben will. Fakt ist: Seit über hundert Jahren wird nahezu jede Neuzüchtung weiblich benannt. Ich aufschreie: Warum? Wo bleibt die tolle Männerknolle? Nur weil es der Grammatik gefiel, dem Kartoffel einen weiblichen Artikel beizuordnen? Wie übrigens ziemlich vielen Gemüsen: die Gurke, die Aubergine, die Artischocke etc. Diese systematische Ungerechtigkeit ist nicht zu übersehen. Aber unsere Politiker sind auf den Kartoffelaugen ja bekanntlich blind. Sollen also weiterhin und bis in alle Ewigkeit Neuzüchtungen bei den Nachtschattengewächsen Frauennamen tragen? Wie, und ich möchte, daß es jeder für sich im stillen und ehrlich beantwortet, wie wollen wir uns vor unseren Söhnen rechtfertigen, wenn sie eines Tages fragen, warum wir damals nicht gegen die Töchter von Sieglinde, Linda und Nicola vorgegangen sind? … Aber wenn erst mal die neuen Kartoffelsorten mit den von uns ausgearbeiteten Arbeitstiteln ,Uwe’ für einen ertragreichen Salatkartoffel und natürlich unser mehligkochender ,Jens’ in den Supermärkten liegen, wird auch dem Endverbraucher dämmern, welcher Verdummungsstrategie er jahrelang aufgesessen ist ... Und dann ist alles denkbar, auch die Trans-Kartoffel.«
Hat die »Süddeutsche« das ehrlich so gedruckt? Sind das die probleme, die männer heutzutage haben?
Es ist so schön absurd, daß ich mir kaum vorstellen kann, daß es kein witz sein soll. Einer, der so denkt gibt seinen töchtern bestimmt nicht namen wie Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi-Kuusi und Upupa-Epops sondern weibliche namen nach kartoffelsorten. Reichskanzler, Ackersegen, La Ratte, Blue Salad, Shetland Black und Ballwitzer Rotwalzle. Das sind schöne, weibliche vornamen.

Aber es sollte zumindest einen aufschrei geben, daß männer nicht »Blue Salad«, »Rotwalzle« oder wenigstens »Ratte« geheißen werden sollen. Den weiblichen namen »Reichskanzler« hatten sich die völlig queeren transgender freaks ja früher schon einmal angeeignet.

Dienstag, 9. August 2016

Ein Radeburger

Heinrich Zille, der später in Berlin als der »Pinselheinrich« bekannt werden sollte, wurde 1858 in Radeburg bei Dresden geboren. Als er ungefähr zehn jahre alt war, zog die familie nach Berlin, wo er durch botendienste geld hinzu verdienen mußte.

Einige jahre später nahm er eine lehrstelle als lithograph an und eignete sich auch nach seiner lehre verschiedene drucktechniken an. Ab 1877 arbeitete er für die Photographische Gesellschaft Berlin. Diese arbeitsstelle verlor er dreißig jahre später, weil er um die jahrhundertwende das elend der hinterhöfe als gegenstand seiner künstlerischen arbeit entdeckt hatte und es im Wilhelministischen Deutschland nicht gern gesehen war, sich das arbeiterelend anzusehen und zu dokumentieren.

Die Ratte
»Von wat is’ se denn jestorb’n?«
»Uns’re wohnung is’ zu naß!«


Eine von Heinrich Zilles stärksten ausagen ist sicherlich »Man kann einen menschen mit einer wohnung genau so gut umbringen wie mit einer axt.«

Am 9. august 1929 starb der künstler an den folgen zweier schlaganfälle.

Sonntag, 7. August 2016

Die schöne seite des nassen sommers

Die pilz-saison hat relativ früh und vielversprechend begonnen. Leider weiß ich nicht, was das hier für schnieke burschen mit roten samthüten sind:
Es könnten blutrote röhrlinge (xerocomus rubellus) sein. Keine ahnung - aber sehr hübsch anzusehen.

Das hier sind zwei bilderbuchexemplare des netzstieligen hexenröhrlings (boletus luridus):
Zum essen viel zu schade. Hoffentlich wurden sie nicht einfach plattgetreten.

Donnerstag, 4. August 2016

Ein oxymoron


Letztens ist mir ein erfreulich widersinniges wort über den weg gelaufen: »arbeitsdrohne«.

Welch ein herrlicher schwachsinn! Ein »arbeitsnichtstuer« bzw. »arbeitsfaulenzer«. Das klingt nach einem angenehmen lehrberuf.

Vielleicht über umschulung nachdenken und es dem ollen Lessing gleichtun?

»Faul zu sein sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.«

Sonntag, 31. Juli 2016

Der brüller im sommerloch: BGE

Einen knaller der saison hat Jörg Wellbrock mit seinem JackPod podcast mit einer diskussion über das BGE geliefert, in welcher Daniel Häni (Schweizer unternehmer, mitbegründer der »Initiative Grundeinkommen), Ronald Blaschke (pädagoge und philosoph, mitbegründer des »Netzwerkes Grundeinkommen«), Jörg Gastmann (autor des buches »Die Geldlawine«, »erfinder« des bandbreitenmodells) auf der seite der befürworter des BGE und auf der seite der gegner Roberto de Lapuente vom blog »ad sinistram« und Jens Berger, der Spiegelfechter von den Nachdenkseiten über das bedingungslose grundeinkommen sprechen.

Im grunde ist von anfang an hopfen und malz verloren: die befürworter, bis auf einen, wollen nicht über die verschiedenen modelle oder die finanzierbarkeit sprechen, sie wollen, daß man blindlings die katze im sack bejubeln soll. Weil das nicht passiert, verlassen sie die diskussion vorzeitig.

Einer der gegner macht im verlauf der diskussion sogar eine richtige feststellung, die hier im weiteren verlauf auch dokumentiert wird. Das argument gegen das BGE ist hauptsächlich die unfinanzierbarkeit. Das ist ein undurchdachtes argument, denn wenn der staat ein bestimmtes ziel hat, wird immer kohle locker gemacht. H4 ist teurer gekommen als das vorherige sozialsystem. Verbilligung des sozialsystems war aber wohl kaum das ziel, sondern verbilligung der arbeitskräfte für die arbeitgeber. Und das hat hervorragend geklappt.

Anfangs wird über eine aussage eines Schweizer pfaffen geredet, der die meinung hat, daß die menschen nicht einfach geld wollen, sondern eine sinnvolle betätigung.
Zitat Daniel Häni (ca. 4:17): »Was dieser herr da aus der Schweiz, dieser pfarrer ... der hat wahrscheinlich ein antiquitier...antiquitiertes äh... menschenbild er geht davon aus, ähh, von einer ausgangslage aus, die wir heute gar nicht mehr haben, heute brauchen alle ein einkommen, damit sie existieren können und damit auch tätig sein können, also darauf würde ich jetzt nicht viel zeit verschwenden, diesem herrn nachzusinnen.«
Dabei sind herrn Hänis ansichten kaum weniger »antiquitiert«. Es ist eine extrem altbackene sichtweise, es zu akzeptieren, daß jemand ein einkommen benötigt, um an die sachen zu kommen, die er zum leben benötigt. Warum wird der nicht einfach mit dem versorgt, was er braucht?

Der herr Häni ist unternehmer. Er hat ein kaffeehaus. Und man muß dort nichts konsumieren. Er nennt es »freie konsumation«, daß man, wenn man frei von barschaften ist, auch so frei sein kann, anderen beim kaffee trinken wenigstens zuzuschauen.

Das ist eine extrem merkwürdige auffassung von menschenfreundlichkeit.
Zitat: Daniel Häni (ca. 9:16): »Ich meine, daß wenn wir jetzt eine modelldiskussion führen, bin ich hier falsch am platz um mitdiskutieren, weil ich vertrete kein modell und bin immer noch genau an dem punkt, wo ich meine der ist eben wichtig: der grundsatz ... die grundsatzfrage ist wollen wir eine bedingungslose existensicherung für die gesamte bevölkerung oder wollen wir das nicht? Und ich meine, darüber müssen wir die debatte führen und weil wir da in modelldiskussionen gehen, lenken wir eigentlich nur von dem ab, um was es im kern geht [...] die Deutsche debatte kam eben gerade nicht vorwärts, weil man diese elende modelldiskussion geführt hat. Zum beispiel diese position von Katja Kipping und Götz Werner. Hätten die zusammengearbeitet und hätten die nicht gegenseitig gesagt, der eine hätte das falsche modell, dann hätte man auch in Deutschland eine kraft entwickeln können, daß man tatsächlich über den grundsatz des grundeinkommens nämlich das jeder hat schon ein grundeinkommen, wollen wir das jetzt auch bedingungslos machen oder eben nicht?«
Hier soll zusammenwachsen, was nicht zusammen gehört. Die nicht unbedingt linke idee der Katja Kipping, die eine art sozialdemokratische armutsbetreuung vorsieht und der gegensätzliche neoliberale entwurf des Götz Werner sollen gebündelt fortschritte erzielen. Frau Kipping würde sich als gallionsfigur für Werners ideen bestens machen, da würde sie allerdings nichts von dem, was ihr vorschwebt durchsetzen. Sie könnte sich prima als doppelesel vor Werners karren spannen lassen.

Es folgt die so ziemlich einzig richtige feststellung in dieser diskussion:
Zitat Roberto de Lapuente (ca. 19:56): »Eine linke idee ist das ganz sicher nicht.«
Zustimmung. Jemand der sich tatsächlich als links definiert, sollte sich niemals mit der »armutsbetreuung« wie sie das BGE innerhalb des kapitalismus vorsieht, abgeben.

Das ziel von linken sollte nie die betreuung von armen sein, sondern die abschaffung der armut.

Es ist schlicht und ergreifend eine kretinöse idee, die menschen erstmal kapitalistisch gegeneinander konkurrieren zu lassen, um dann allen ein trostpflaster an die backe zu kleben, ob sie es nun brauchen oder nicht.
Zitat Ronald Blaschke (ca. 20:20): »[...] und das grundeinkommen schleift natürlich keinen sozialstaat. Es geht über sozialstaatsmodell hinaus, was meint, nur der ist abgesichert, der schlicht und ergreifend lohnarbeit nachgeht.[...] dieser andere sozialstaat mit dem grundeinkommen [sagt] jeder mensch hat bedingungslos das recht zu leben.«
Das »recht auf leben« hat man in diesem staat schon längst, niemand darf einfach mal so umgebracht werden. Man ist aber als »doppelt freier lohnarbeiter« auch frei wovonman lebt. Es ist kein zufall, daß soziale absicherung an lohnarbeit gekoppelt ist. Damit sind die insassen des staates auf lohnarbeit festgelegt, sofern sie nicht zufällig reich sind.

Die ärmeren grundeinkommensfreunde sollten sich dies zitat von Häni mal auf der zunge zergehen lassen:
Zitat Daniel Häni (ca. 47:53): »Natürlich kann man das diskutieren, aber doch nicht in einer solchen modelldebatte. Ich habe ja den grundsatz gesagt, also bei der finanzierung ist da die frage, ist das grundeinkommen zusätzlich oder nicht. Und wenn man sich damit beschäftigt, wird man merken, es ist kein zusätzliches einkommen. Also ist es auch nicht mehr, also ist es auch finanzierbar. Und dann können wir weitergehen, wollen wir das oder wollen wir das nicht.[...] Beim grundeinkommen geht es darum, daß der teil des einkommens, den jeder mensch unbedingt braucht, und auch schon hat, sonst könnte er ja gar nicht leben, den bedingungslos machen, um diesen grundsatz geht es. Und dann können wir weiterdiskutieren. [...] «
Darüber möchte ich garantiert nicht weiterdiskutieren. Es geht nicht um mehr einkommen für ärmsten in dieser gesellschaft, sondern darum, die bedingungslos darauf festzulegen, daß sie genau da bleiben.
Zitat Daniel Häni (ca 52:31): »Aber wenn wir sagen wir wollen eine gleichheit und eine chancengleichheit haben, dann ist eben die idee des grundeinkommens schon richtig und dann muß es bedingungslos sein, daß wir menschen, die an dieser gesellschaft teilnehmen, dieses grundeinkommen gewähren.«
Es ist eine ganz tolle chancengleichheit, wenn der millionär vom staat die gleichen zuwendungen bekommt wie der obdachlose. Wer wird wohl gleicher sein als der andere?

Eine diskussion, bei der sich teilnehmer empört verkrümeln, wenn es um fakten gehen soll, ist immer ein hit, wer es sich nicht verkneifen kann, möge es sich anhören.


Mittwoch, 27. Juli 2016

Deutsche Sprache - leichte sprache

Weil die Deutsche sprache durchaus eine schwierige sprache ist, in der komplexe dinge kompliziert dargestellt werden können, wurde für geistig- und lernbehinderte menschen die »leichte sprache« erdacht. Hierbei handelt es sich um eine stark vereinfachte schriftsprache, bei der auf konjunktiv und genitiv verzichtet wird. Es soll in kurzen aktiv hauptsätzen geschrieben werden, passiv und nebensätze hingegen sind zu vermeiden. Was man sonst gern unterläßt, nämlich ständig die gleichen wörter zu verwenden, ist in der »leichten sprache« von vorteil, um besser verstanden zu werden. Aus den selben gründen fallen metaphern, fremdwörter und abstrakte begriffe weg. Anstatt mit zahlenwörtern, soll lieber mit begriffen wie »wenige«, »einige«, »viele« etc. gerarbeitet werden.

Für die oben genannte zielgruppe ist die »leichte sprache« mit sicherheit eine gute sache, weil sie auf diese weise einiges lesen und verstehen können. Wie der »Spiegel« (heft 29 vom 16. juli) berichtete haben die freunde der »leichten sprache« das geschäftsmodell längst entdeckt und die zielgruppe erweitert, nicht nur die rund 7,5 funktionalen analphabeten gehören dazu. Nein, angeblich seien ca. 20 millionen der hier lebenden erwachsenen »schriftentwöhnt« - und natürlich die flüchtlinge, für die die »leichte sprache« eine »brücke zur Deutschen sprache« darstelle.

Wenn es tatsächlich 20 millionen »schriftentwöhnte« hierzulande sind, dann spricht das nicht für die »leichte sprache«, sondern für einen besseren sprachunterricht. Ein kastriertes Deutsch zu lehren, ist garantiert kein weg, es nicht-muttersprachlern einfacher zu machen, sich hier vernünftig zu verständigen. Wenn man erstmal eine falsche ausdrucksweise gelernt hat, ist es viel schwieriger sich das wieder abzugewöhnen als es gleich richtig zu lernen.

Ausländer sind keine geistig behinderten und absolut imstande, auf hohem niveau Deutsch zu lernen.

Dienstag, 19. Juli 2016

Laureates Letter Supporting Precision Agriculture (GMOs)

Leider gibt es auf der internetseite mit dem offenen brief an Greenpeace noch keine übersetzung ins Deutsche. Ich habe den text ins Deutsche übertragen, weil ich es wichtig finde, daß er auch im Deutschen sprachraum verstanden wird. Die internetseite, die ich verlinke, wird von Sir Richard J. Roberts betrieben, der molekularbiologe ist und 1993 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat.


»An den vorstand von Greenpeace, die Vereintein Nationen und die regierungen überall auf der welt.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat festgestellt, daß die produktion von landwirschaftlichen produkten sich bis zum jahr 2050 verdoppeln muß, um die ernährung einer wachsenden weltbevölkerung zu sichern. Organisationen, die gegen moderne pflanzenzucht sind, mit Greenpeace an ihrer spitze verleugnen diese tatsache und lehnen biotechnologische innovationen in der landwirtschaft ab. Sie stellen ihre risiken, vorteile und einflüsse falsch dar und haben die kriminelle zerstörung von anerkannten feldversuchen und forschungsprojekten unterstützt.

Wir appelieren an Greenpeace und seine unterstützer, die erfahrungen, die landwirte und konsumenten weltweit mit biotechnologisch verbesserten feldfrüchten und lebensmitteln gemacht haben, erneut zu überprüfen und die ergebnisse wissenschaftlicher einrichtungen anzuerkennen und die kampagnen gegen GMO (gentechnisch modifizierte organismen) im allgemeinen und gegen »goldenen reis« im speziellen zu verzichten.

Wisstenschaftliche institutionen und regulierende behörden in aller welt haben immer wieder festgestellt, daß kulturpflanzen und nahrungsmittel, die durch biotechnologie verbessert wurden, genau so sicher (wenn nicht sicherer) sind wie (bzw. als) die nach anderer methode gezüchteten arten. Nie wurde ein einziger fall bestätigt, bei dem sich der konsum negativ auf mensch oder tier ausgewirkt hätte. Ihr einfluß auf die umwelt hat sich wiederholt als unschädlich und eine wohltat für die globale biodiversität erwiesen.

Greenpeace führt die gegnerschaft zum »goldenen reis« an. Dieser reis hat das das potential tod und krankheit durch vitamin a mangel, welcher die schlimmsten folgen für die ärmsten menschen in Südostasien und Afrika hat, zu reduzieren oder sogar zu beenden.

Die WHO schätzt, daß 250 millionen menschen weltweit an vitamin a mangel leiden, von ihnen sind 40% kinder unter 5 jahren in den entwicklungsländern. Laut UNICEF-statistik gibt es jedes jahr zwei millionen verhinderbare todesfälle durch vitamin a mangel. Das immunsystem wird dadurch beeinträchtigt, was das höchste risiko für babys und kinder bedeutet. Vitamin a mangel ist der hauptgrund, weshalb kinder erblinden. Weltweit betrifft das 250.000 bis 500.000 jedes jahr. Die hälfte von ihnen stirbt innerhalb von 12 monaten nachdem sie ihr augenlicht verloren.

WIR RUFEN GREENPEACE AUF, die kampagne gegen den »goldenen reis« im speziellen und nutzpflanzen und gentechnisch verbesserte nahrungsmittel und nutzpflanzen im allgemeinen fallen zu lassen.

WIR RUFEN DIE REGIERUNGEN IN ALLER WELT AUF, die Greenpeace-kampagne gegen den »goldenen reis« im speziellen und nutzpflanzen und gentechnisch verbesserte nahrungsmittel und nutzpflanzen im allgemeinen abzulehnen. Sie sollten alles in ihrer macht stehende tun, den aktionen von Greenpeace etwas entgegenzusetzen und den landwirten den zugang zu moderner biologie und besonders zu biotechnologisch verbessertem saatgut zu ermöglichen. Einspruch auf grundlage von gefühlen oder dogmen, der von daten widerlegt werden kann, muss aufhören.

Wie viele arme menschen in aller welt müssen noch sterben, bevor erkannt wird, daß das ein VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT ist?

Mit aufrichtigen grüßen,«

[hier klicken, um die liste der unterzeichner zu sehen]

Der vollständigkeit halber möchte ich den englischen originaltext nicht vorenthalten:
»To the Leaders of Greenpeace, the United Nations and Governments around the world

The United Nations Food & Agriculture Program has noted that global production of food, feed and fiber will need approximately to double by 2050 to meet the demands of a growing global population. Organizations opposed to modern plant breeding, with Greenpeace at their lead, have repeatedly denied these facts and opposed biotechnological innovations in agriculture. They have misrepresented their risks, benefits, and impacts, and supported the criminal destruction of approved field trials and research projects.

We urge Greenpeace and its supporters to re-examine the experience of farmers and consumers worldwide with crops and foods improved through biotechnology, recognize the findings of authoritative scientific bodies and regulatory agencies, and abandon their campaign against "GMOs" in general and Golden Rice in particular.

Scientific and regulatory agencies around the world have repeatedly and consistently found crops and foods improved through biotechnology to be as safe as, if not safer than those derived from any other method of production. There has never been a single confirmed case of a negative health outcome for humans or animals from their consumption. Their environmental impacts have been shown repeatedly to be less damaging to the environment, and a boon to global biodiversity.

Greenpeace has spearheaded opposition to Golden Rice, which has the potential to reduce or eliminate much of the death and disease caused by a vitamin A deficiency (VAD), which has the greatest impact on the poorest people in Africa and Southeast Asia.

The World Health Organization estimates that 250 million people, suffer from VAD, including 40 percent of the children under five in the developing world. Based on UNICEF statistics, a total of one to two million preventable deaths occur annually as a result of VAD, because it compromises the immune system, putting babies and children at great risk. VAD itself is the leading cause of childhood blindness globally affecting 250,000 - 500,000 children each year. Half die within 12 months of losing their eyesight.

WE CALL UPON GREENPEACE to cease and desist in its campaign against Golden Rice specifically, and crops and foods improved through biotechnology in general;

WE CALL UPON GOVERNMENTS OF THE WORLD to reject Greenpeace's campaign against Golden Rice specifically, and crops and foods improved through biotechnology in general; and to do everything in their power to oppose Greenpeace's actions and accelerate the access of farmers to all the tools of modern biology, especially seeds improved through biotechnology. Opposition based on emotion and dogma contradicted by data must be stopped.

How many poor people in the world must die before we consider this a "crime against humanity"?

Sincerely,


Zhores I. Alferov 2000 Physics
Sidney Altman 1989 Chemistry
Hiroshi Amano 2014 Physics
Werner Arber 1978 Medicine
Richard Axel 2004 Medicine
David Baltimore 1975 Medicine
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Bruce A. Beutler 2011 Medicine
Elizabeth H. Blackburn 2009 Medicine
Gunter Blobel 1999 Medicine
Paul D. Boyer 1997 Chemistry
Sydney Brenner 2002 Medicine
Mario R. Capecchi 2007 Medicine
Thomas R. Cech 1989 Chemistry
Martin Chalfie 2008 Chemistry
Steven Chu 1997 Physics
Aaron Ciechanover 2004 Chemistry
Claude Cohen-Tannoudji 1997 Physics
Leon N. Cooper 1972 Physics
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Harald zur Hausen 2008 Medicine
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Avram Hershko 2004 Chemistry
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Ada E. Yonath 2009 Chemistry
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Mittwoch, 13. Juli 2016

Böse, böser, gentechnik

Lange jahre war ich gegner der »grünen gentechnik«. Meines erachtens hatte ich dafür durchaus gründe. Beispielsweise ist auf diesem gebiet unter anderem die firma Monsanto führend. Bei diesem namen denke ich zuerst an das herbizid Agent Orange, an dessen lieferung Monsanto in der zweiten hälfte der 60er jahre maßgeblich beteiligt war. Daran vergifteten sich damals nicht nur rund 200.000 US-soldaten, sondern an den spätfolgen dieses giftes leiden bis heute rund eine million Vietnamesen. Niemand kann sagen, wie viele menschen an dem zeug elendig zugrunde gegangen sind. Wenn ausgerechnet solche konzerne auf die idee kommen, die welt mit genmodifizierten feldfrüchten verbessern zu wollen, kann schon der verdacht aufkommen, daß das nichts gutes bedeutet und die alle vergiften wollen. Aber wer sollte denen dann das zeug noch abkaufen?

Die kampagnen der einschlägig bekannten umweltorganisationen, die den teufel riesenhaft an die wand malen, jedoch nicht immer auf dem boden der tatsachen stehen, tun ein übriges, das bild zu verzerren. Die arbeiten nicht unbedingt mit fakten, sie machen den menschen angst vor dingen über die sie wenig wissen. Denen bleibt auch nicht viel anderes, als die menschen bei ihren gefühlen zu packen, denn auf der argumentativen ebene sieht es weniger gut aus.

Ein argument gegen die gentechnik in der landwirtschaft ist, daß die bauern ihr saatgut nicht selbst weiterzüchten könnten und jedes jahr neues saatgut kaufen müssen. Das trifft auf einige sorten tatsächlich zu, ist aber kein problem, das durch die gentechnik entstanden wäre. Wer auf auf seinem balkon oder in seinem garten schon einmal hybridpflanzen hatte, wird vielleicht festgestellt haben, daß die zum teil bemerkenswerte eigenschaften haben. Und daß es nichts bringt, einfach ein paar samen für das nächste jahr ausreifen zu lassen. Wenn man genau solche pflanzen im nächsten jahr wiederhaben möchte, muß man neues saatgut kaufen, sonst wird das nichts. Ich habe noch nie gehört, daß es proteste gegen derartiges hybridsaatgut gegeben hätte. Wenn ich mal von anthroposophen absehe, die sowas nicht verwenden, weil nach deren »Demeter-regeln« hybridzüchtungen verboten sind - die betrachten das irgendwie als »rassenschande unter pflanzen« und glauben, daß daran etwas schädlich sei. Der mit gentechnik entwickelte »goldene reis« hingegen ist zur nach- und weiterzucht geeignet und das ist sogar ausdrücklich erlaubt. Aber dazu später.

Ein weiteres argument der gentech-gegner ist, daß man nicht wissen könne, was die genmanipulierten pflanzen in der umwelt anrichten, wenn man sie mal irgendwo freigesetzt hat. Das stimmt. Wenn man eine neue pflanze im freiland aussetzt, kann man vorher nicht wissen, welchen einfluß diese pflanze auf die umwelt haben wird. Hierzulande gibt es etliche invasive neophyten, also »neue« pflanzen, die probleme bereiten, weil sie sich stark ausbreiten und einheimische arten verdrängen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um gentechnisch veränderte oder sonstige zuchtpflanzen, sondern um nicht-einheimische wildpflanzen, die in den meisten fällen als zierpflanzen eingeschleppt wurden. Spontan fällt mir das drüsige springkraut ein, die Kanadische goldrute oder topinambur. Allergiker denken vermutlich zuerst an ambrosia, auf deren anwesenheit sie sicherlich gern verzichten würden. Das sind alles keine hochgezüchteten »monsterpflanzen«, sondern ganz normale wildpflanzen, die hier allerdings keine freßfeinde haben und deshalb zum problem werden. Umgekehrt gibt es das natürlich auch: in Neuseeland wird die waldrebe zum problem und in Kanada der blutweiderich. Beides pflanzenarten, die in Mitteleuropa unauffällig sind, anderswo aber invasiv.

Gab es eigentlich mal protest gegen die mutationszucht? Diese methode wurde jahrzehntelang angewendet bevor die gentechnik modern wurde. Bei der mutationszucht wurden die samen von pflanzen mit radioaktiven- oder Röntgenstrahlen oder chemisch behandelt, um künstlich mutationen hervorzurufen - im prinzip ist das nichts anderes als eine manipulation der gene. Niemand konnte vorhersagen, welche »defekte« diese pflanzen haben würden oder wie viele gene bei denen eigentlich verändert wurden. Obwohl das wahnsinnig umständlich war und diese methode viele freilandversuche erforderte, bevor es einen vernünftigen fortschritt geben konnte, gingen daraus zahlreiche nützliche dinge hervor, die seit jahrzehnten bedenkenlos gegessen werden, zum beispiel viele der modernen getreidesorten, die ertragreicher sind als die älteren sorten. Auch etliche obstsorten wurden auf diese art verändert. Auch ein pelzloser pfirsich entstand auf diese art, im handel seit jahrzehnten erhältlich unter dem namen »nektarine«, sogar in bio-qualität, denn diese art von genmanipulation ist in der EU für den bioanbau zugelassen.

Es ist alles andere als einleuchtend, daß es der bioqualität keinen abbruch tut, wenn »auf gut glück« eine unbestimmte anzahl von genen verändert wurde, bei denen niemand genau weiß, was denn die genauen eigenschaften dieser pflanzen sind, auf der anderen seite jedoch pflanzen, bei denen gezielt bis zu maximal drei gene verändert wurden, eine ökologische katastrophe darstellen sollen.

Beim »goldenen reis« wurde in dies getreide, das für viele menschen auf der welt die hauptnahrung ist, das jedoch ernährungsphysiologisch im grunde »nicht so der hit« ist, ein gen eingeschleust, das betakarotin in die reiskörner bringt und somit die vitaminversorgung der armen menschen verbessert, die kaum mehr zu essen bekommen als nur reis.

Letztens haben 110 Nobelpreisträger Greenpeace zum umdenken aufgefordert. Von jugend an habe ich die arbeit von Greenpeace wichtig gefunden. Wenn Greenpeace sich allerdings ideologisch versteigt, muß niemand dafür verständnis haben. Nein, der »goldene reis« wird keineswegs allein die ernährungsprobleme lösen. Allein bei denen las ich, daß der eine »wunderpflanze« sei der abhilfe schaffen könne. Niemand sonst behauptet das. Der »goldene reis« könnte jedoch ein baustein sein, das leben zu erhalten und zu verbessern. Jedes jahr erblinden 250.000 bis 500.000 kinder wegen vitamin a mangel. Trotz aller bemühungen von UNICEF. Die hälfte von ihnen überlebt die darauffolgenden 12 monate nicht. Jeder mensch hat nur ein leben. Und das gilt es, zu schützen.

Es sprechen kaum rationale gründe gegen gentechnik, jedoch humanitäre gründe dafür.