Freitag, 20. April 2018

Klotürweisheit

Letztens habe ich am bahnhof eine schöne klotürweisheit gefunden:
 
»Das universum liebt Dich und hilft Dir.«

Aha.

Aber warum sollte es das tun? Dem universum dürfte es schlicht egal sein, was ein paar seltsame erdlinge hier treiben.

Samstag, 7. April 2018

Gomringer darf in Hellersdorf bleiben

Nachdem im vergangenen jahr endlich mal in der öffentlichkeit über poesie gesprochen wurden, wenngleich auch aus bescheuertem anlaß, soll Eugen Gomringers gedicht »avenidas« nun doch in Hellersdorf bleiben. Zwar nicht an der fassade der Alice-Salomon-Hochschule, sondern an einer fassade der wohngenossenschaft »Grüne Mitte«, die häuser in der nähe der hochschule besitzt. Aus dem vorschlag eines genossenschaftsmitgliedes:
»...dass wir eine gut sichtbare Wand finden, an der das Gedicht ‚Avenidas’ ein neues Zuhause bekommt. Vielleicht fällt es den hysterischen Studentinnen hier jeden Morgen auf dem Weg zu ihrer Hochschule ins Auge. Sie werden keine Chance haben, es noch einmal zu tilgen!«
Nette aktion, herr Gomringer soll bereits sein einverständnis dafür gegeben haben. Ich bin schon gespannt, wann und wie sie das umsetzen werden.

Leider ist die hysterie, »als frau« dieses oder jenes kunstwerk »abstoßend« zu finden und die überpinselung oder verhüllung durchsetzen zu müssen, nicht auf Berlin beschränkt. Das findet inzwischen auch noch im letzten kaff in Norddeutschland statt. Nach der beschwerde einer SPDgemeindevertreterin mußten dort im märz während einer ausstellung bilder verhüllt werden. Es reicht nicht, wenn Berlin provinzpossen vorturnt, die provinz selbst muß es nachturnen.

»Ich als frau« fühle mich beispielsweise von diesem objekt an zentralem ort in Berlin gestört:
Nicht, daß mich das ding direkt sexuell belästigen würde, aber belästigen an sich ist schon schlimm genug. Deshalb schlage ich das hier vor (bitte link folgen).

Über manches gehörte vielleicht doch der mantel des schweigens.

Freitag, 6. April 2018

Der Gesang der Vegetarier

Ein alkoholfreies Trinklied
(Melodie »Immer langsam voran«)

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.

Wir sonnen den Leib, ja wir sonnen den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Doch manchmal spaddeln wir auch im Teich,
Das kräftigt den Körper und wäscht ihn zugleich
Wir sonnen den Leib und wir baden den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.

Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Die Leichenfresser sind dumm und roh,
Das Schweinevieh – das ist ebenso.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.

Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Gemüse und Früchte sind flüssig genug,
Drum trinken wir nichts und sind doch sehr klug.
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.

Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheussliche Sündenpack.
Wir setzen uns lieber auf das Gesäss
Und leben gesund und naturgemäss.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheussliche Sündenpack.

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Und schimpft ihr den Vegetarier einen Tropf,
So schmeissen wir euch eine Walnuss an den Kopf.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.

140 jahre Erich Mühsam (6. april 1878 - 10. juli 1934)

Nachtrag: ab mitternacht kommt auf DLFkultur eine »lange nacht« über Erich Mühsam - Liebe und Anarchie

Donnerstag, 5. April 2018

Wohlfühlnoten

Kürzlich im Deutschlandfunk Kultur: Schluss mit den wohlfühl-noten.

Wenn da gestanden hätte: »schluß mit den schulnoten« hätte ich dem wesentlich eher zustimmen können.
Zitat Susanne Gaschke:»Jene, die "Faktenwissen" denunzieren, Ziffernzeugnisse verteufeln und Lehrer zu "Lernbegleitern" oder zu Hospitanten ihrer eigenen Schüler degradieren – sie müssen sich fragen lassen, ob sie denen, in deren Namen sie zu handeln vorgeben, wirklich helfen. Ob es am Ende nicht ausschließlich auf das Ergebnis ankommt: Kann ein Absolvent lesen, schreiben und denken? «
Das wäre meine frage an frau Gaschke: was sagt ein ziffernzeugnis darüber aus, ob ein mensch lesen, schreiben, denken kann?

Schulnoten bewerten nicht objektiv faktenwissen. Selten wird überprüft, ob die schüler den vermittelten lernstoff tatsächlich begriffen haben oder bloß auswendiggelerntes einfach ausspeihen.

Ziffernzeugnisse bewerten leider nicht, ob ein mensch irgend etwas kann, sondern nur, ob er in einer bestimmten situation »funktioniert hat«.

Trotz der tollen bewertungen wirft das schulsystem massenhaft menschen aus, die eben leider nicht lesen, schreiben, denken lernern, sondern stattdessen funktionale analphabeten bleiben.

Das legt vielleicht nahe, daß es in unserem schulsystem womöglich nicht ganz ums »faktenvermitteln« gehen könnte.

Sonntag, 1. April 2018

Seehofer solidarisiert sich mit problembär

Einem bericht der tagesschau zufolge möchte der neue heimatminister Horst Seehofer den braunbären in Deutschland wieder ansiedeln, schließlich gehöre der bär zu Deutschland.

Ganz im gegensatz zum waschbär, der zu den unerwünschten tieren gehört, weil er in Deutschland nicht heimisch sei.

Dieser freche Ami soll in Deutschland keine zweite heimat finden, weil er widerrechtlich Deutsche haustiere anfällt.
Aber gegen einen braunbären habe der waschbär ohnehin keine chance.

Sollte es jedoch gefährder unter den neuangesiedelten braunbären geben, sollten diese beobachtet und möglicherweise abgeschoben werden.

Samstag, 24. März 2018

Kompromißvorschlag

Leider müssen heute nacht wieder die uhren nachts um zwei eine stunde vorgestellt werden. Daß das nichts bringt oder sogar negative auswirkungen hat, ist längst bekannt.

Dieser irrsinn gehört abgeschafft. Aber den freunden der längeren helligkeit am abend könnte man vielleicht ein angebot machen: wie wäre es, die uhren nicht zweimal jährlich sondern zweimal täglich umzustellen? Jeden nachmittag stellen wir die uhren von zwei auf drei vor, damit es länger hell ist. Und stellen die uhren jede nacht von drei auf zwei zurück, damit niemand früher aufstehen muß.

Wenn die sich in der EU schon nicht einigen können, ob die »sommerzeit« abgeschafft wird oder nicht, dann wäre das doch ein vorschlag zur güte, mit dem die meisten menschen leben könnten.

Freitag, 23. März 2018

Kunstfreiheit gewinnt gegen Höcke

Im vergangenen Herbst hatte das »Zentrum für Politische Schönheit« dem fraktionsvorsitzenden der AfD Thüringen, Björn Höcke, ein eigenes mahnmal der schande vor die tür gesetzt.

Das ganze landete vor dem Landgericht Köln, weil Höcke sein recht auf privatsphäre verletzt sah, als die künstler behaupteten, »überwachungsvideos« von Höcke anzufertigen. Allerdings gab es diese videos nicht und die »überwachungsbilder« hatte Höcke selbst veröffentlicht. Und so entschied das gericht für die Kunstfreiheit.

Dienstag, 20. März 2018

Schlagschwirl schlägt rechtsrocker

Im grunde ist er ein friedlicher zeitgenosse, der schlagschwirl. Aber im Thüringischen Themar ist ihm offenbar gelungen, was den anwohnern des ortes bisher nicht gelungen ist: nämlich ein verbot für das für anfang juni geplante rechtsrock konzert zu erwirken. Denn schlagschwirle sind streng geschützt und dürfen beim brüten nicht gestört werden.

Überdies sind schlagschwirle mit sicherheit sympathischer als rechte schlägertypen.

Sonntag, 18. März 2018

Über den Rubikon

Als ich im vergangenen jahr hörte, daß es ein neues blog geben sollte, das sich »kritischen journalismus« auf die fahnen schreiben wollte, war ich sehr gespannt, was das denn werden würde. Ein knappes jahr später hält sich meine begeisteung darüber, vorsichtig ausgedrückt, doch sehr in grenzen.

Wenn ich mir deren beirat anschaue, stelle ich als erstes fest, daß das offenbar hauptschächlich ein hobby verschrobener, alter, weißer männer ist. Und bei den beiden frauen, die da mitmachen, frage ich mich, warum sie sich den quatsch eigentlich antun. Es ist interessant, was Gaby Weber, die den »verein« verließ, bevor es richtig losging, über den Rubikon schreibt:
»Dass mein Name als Redaktionsmitglied im Impressum stand, sollte wohl Seriosität vermitteln.«
Das glaube ich allerdings auch, denn frau Weber ist mir als gute journalistin bekannt, und daß sie da mitmacht, hat durchaus auch mir hoffnung gemacht, daß das mit dem Rubikon eine vernünftige sache werden kann.

Ist es aber leider nicht geworden. Für kritischen journalismus reicht es eben nicht, etwas gegen das Rußlandbild zu haben, das in den Deutschen medien tonangebend ist und den spieß dann einfach umzudrehen und statt Rußland eben Amiland für »böse« zu erklären. Da sollte man erwarten, daß möglichst neutral über die sachlage berichtet wird. Stattdessen wird haufenweise zeug von leuten verwurstet, die man schon anderswo nicht lesen mag. Ein bißchen politik, ein bißchen esoterik und haufenweise blösinn. Mir macht es spaß, ab und zu blödsinn zu schreiben, aber zumindest sollte man selbst wissen, wann man das tut. Bei Rubikon wissen sie es offensichtlich nicht.

Bevor ich mich bei Rubikon informiere, lege ich, glaube ich, lieber eine kassette mit einer rede Helmut Kohls ein. Der hatte, im gegensatz zu den machern des Rubikon, immerhin wenigstens noch einen restfunken verstand.

Freitag, 16. März 2018

Geistermonitore

Der BER ist noch lange noch nicht eröffnet, aber schon müssen die monitore ausgetauscht werden. Macht nur schlappe fünfhundertausend extra. Kommt nicht mehr drauf an.

Was haben diese monitore die ganze zeit angezeigt?



Das ist vermutlich ermüdend.

Dienstag, 13. März 2018

Foto am montag (306)

Lachmöwen (Larus ridibundus). Hoffentlich schmilzt endlich das eis unter ihren füßen, damit es wieder mehr zum lachen gibt.