Samstag, 4. April 2020

Tauben vergiften am bahnhof

Als ich die meldung am mittwoch zum ersten mal las, hielt ich es für einen aprilscherz, wenngleich auch keinen übermäßig guten. Als es donnerstag früh auch in der Süddeutschen stand, beschlich mich das gefühl, daß das kein witz sein soll. Die tierrechtsorganisation PETA sorgt sich, daß während der ausgangssperre die armen straßentauben vom aussterben bedroht sein könnten, weil sie nicht mehr genügend futter finden, wenn keine menschen unterwegs sind, die essensreste wegwerfen. Die städte und kommunen wurden deshalb aufgefordert, das taubenfütterungsverbot aufzuheben.

In städten wie Berlin sind stadttauben mancherorts ein problem, weil sie in massen auftreten und alles vollkoten. Dabei ist taubendreck eigentlich ein guter dünger. Die dummen viehcher haben bloß noch nicht begriffen, daß den auf dem bahnhofsvorplatz leider kein mensch braucht. PETA vertritt die auffassung, daß es eine rechtliche pflicht gäbe, die tauben nicht verhungern zu lassen, weil es ein tierschutzgesetz gibt. Allerdings gibt es keine pflicht, wildtiere vor dem hungertod zu retten.

Nur hat man bei PETA eben etwas andere ansichten darüber, was eigentlich wildtiere sind. Die straßentauben sind laut PETA nämlich keineswegs wildtiere sondern in wirklichkeit haustiere, vom menschen gezüchtet und dann brutalstmöglich auf die straße gesetzt. Die herkunft der bei vielen leuten nicht übermäßig beliebten vögel ist tatsächlich umstritten. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß es sich um kreuzungen aus haus- und brieftauben und deren urform, der felsentaube handelt, also eher um eine sogenannte pariaform, also keineswegs um haustiere, wie von PETA behauptet, sondern um dedomestizierte tiere.

Bereits im vergangenen sommer verbreitete PETA einen ziemlichen unsinn über stadttauben (verlinke ich nicht), wobei ich in einem punkt sogar zustimmen kann, nämlich daß spikes zur taubenvergrämung häufig zu verletzungen der tiere führt und zu verstümmelungen führen können. Alles andere ist der reinste schwachsinn. Behauptet wird, daß es den straßentauben in der stadt an platz mangele, sie unter hunger litten und der böse mensch ihnen gar einen »brutzwang« angezüchtet hätte. Diese figuren halten die tauben für wesentlich dümmer als sie sind. Es wird vergessen, daß tauben natürliche fähigkeiten haben, beispielsweise, daß sie problemlos sehr weite strecken fliegen können, um futter zu suchen und zielsicher zurück finden und vor allem, daß tauben offensichtlich völlig andere vorstellungen davon haben, was geeignetes futter sei als die etepeteteveganer der organisation PETA. Das mit dem »brutzwang« ist selbstredend auch völliger schwachsinn. Behauptet wird, daß wildtauben nur zweimal im jahr brüten würden. Richtig ist, daß auch wildtauben unter günstigen bedingungen öfter brüten, nämlich bis zu vier mal im jahr. Die in menschennähe lebenden stadttauben finden das ganze jahr über energiereiche nahrung und können deswegen unter günstigen bedingungen auch im herbst und winter brüten. Insgesamt bis zu acht mal im jahr. Das hängt hauptsächlich vom futterangebot ab und hat nichts mit künstlich angezüchtetem verhalten zu tun. Das gleiche verhalten kann man auch bei stadtspatzen beobachten, welche noch nie domestiziert waren und sich das leben in menschennähe selbst ausgesucht haben.



Nein, man muß die tauben nicht vergiften. Wenn die jetzt durch die ausgangsbeschränkungen mehr aufwand mit der futtersuche haben, werden sie weniger brüten und es wird kein schaden sein, wenn der bestand auf diese art dezimiert wird. Nur dumm, daß tierschützer häufig dazu neigen, die natur zu romantisieren und es nicht akzeptieren, daß frei lebende tiere ohne zutun des menschen häufig kein lustiges leben haben.

Dienstag, 31. März 2020

Die tote stadt

Wenn ich derzeit durch Berlin laufe, habe ich das gefühl die stadt sei tot. Das hat mit dieser oper allerdings nichts zu tun. Uraufgeführt 1920, hätte modern sein können ist allerdings spätromantisch.



Ist nicht ganz meine richtung. Wenn nichts dazwischen kommt, gibt’s demnächst was, das definitiv meine richtung ist.

Everyday is like sunday



Dazu muß ich wohl wirklich nichts sagen.

Montag, 30. März 2020

Attentäter von Hanau angeblich kein rechtsextremer

Dem Bundeskriminalamt reicht der glaube an verschwörungsideologien und gruppenbezogene menschenfeindlichkeit als tatmotiv anscheinend nicht aus, um einen täter als rechtsextrem einzustufen.

Was muß ein attentäter eigentlich noch alles anstellen, um als staatlich geprüfter rechtsextremer zu gelten, wenn massenmord aus rassistischen gründen nicht ausreicht?

Die altnazis glaubten an eine »Jüdische weltverschwörung«, und daß »die Juden« das Deutsche volk von innen zersetzen wollten. Die heutigen rechtsextremen finden andere personengruppen, die schuld am niegergang Deutschlands sein sollen - beispielsweise frauen, die etwas besseres zu tun haben, als sich mit derart verknöselten figuren einzulassen oder leute, die ihnen nicht »Deutsch genug« erscheinen, weil der oppa oder uroppa aus dem ausland stammte. Einen großen unterschied macht das nicht.

Foto am montag (411)

Zaunkönig (troglodytes troglodytes)

Sonntag, 29. März 2020

Symphony No. 1

Zum tode Krzysztof Pendereckis (23. November 1933 - 29. März 2020) die Symphony No. 1, welche 1972/73 komponiert und im juli 1973 vom London Symphony Orchestra uraufgeführt wurde. Damals galt er als einer der bedeutenden avantgardistischen komponisten.

Samstag, 28. März 2020

Donnerstag, 26. März 2020

Eine gute nachricht

In einem schriflichen interview hat Iris Löhner, sprecherin der Bundesanstalt für arbeit zugesichert, daß die sichere auszahlung von geldleistungen die oberste priorität hat.

Sehr gut. Dafür ist ein soziales netz, wenn man es dann schon braucht, auch gefälligst da, daß es leute auffängt, die finanzielle probleme haben. Warum braucht es erst eine katastrophe, damit das funktioniert? Im bekanntenkreis schwieg es sich rum, daß in der vergangenen woche ein antrag auf arbeitslosengeld 2 schneller bewilligt wurde, als sich die zahl der mit dem coronavirus infizierten verdoppelt. Also zu jenem zeitpunkt in weniger als drei tagen. Wenn auch andere wenigstens ihr existenzminimum so schnell bewilligt bekommen, wäre das ein fortschritt.

Zugegeben, das ist nicht wirklich gut. Aber so lange die wirtschaft über geld läuft, geht es kaum anders.

Dienstag, 24. März 2020

Schlechte nachrichten

Leider werden wir alle sterben. Diese traurige neuigkeit habe ich kürzlich bei irgendeinem herrn oberschlau lesen müssen. Zum glück jedoch nicht an COVID-19, weil wir nämlich verhungern werden. Aber nicht, weil diese ausländer, die »uns« die arbeitsplätze wegnehmen, der seuche wegen »unseren« spargel nicht stechen und »unsere« erdbeeren nicht pflücken werden. So oder so gibt es SARS-CoV-2 überhaupt nicht, sondern ist nur erfunden worden, um uns vom wesentlichen abzulenken.

Ich sage es nur ungern, denn es ist etwas wirklich etwas schlimmes: der rundfunkbeitrag wird ab 2021 kräftig erhöht. Ob man will oder nicht, muß man ab januar 21 anstatt 17€50 tatsächlich 18€36 zahlen - also in den ruin treibende 0€86 mehr.

Es ist absolut verständlich, daß die (mutmaßlich geheime welt)regierung sich angesichts derartiger sauereien eine seuche ausdenken muß, um ausgangssperren zu verhängen, damit es deshalb auf der straße nicht zu protest und tumult kommt.

Aber wenn es doch galt, die erhöhung des rundfunkbeitrages zu vertuschen, warum haben die zeitungen nichts wichtigeres zu tun gehabt, als das zu berichten?

Montag, 23. März 2020

Foto am montag (410)

Auch der kleiber (sitta europaea) hält sich an die ausgangssperre, er guckt bloß aus dem fenster, obgleich ausflüge nicht verboten sind.

Sonntag, 22. März 2020

»Zwangsvorstellungen«

Weil in den kommenden wochen gar nichts läuft, haben viele theater einen online-spielplan erstellt. So auch die schaubühne am lehniner platz. Heute gibt es aus dem videoarchiv »Die Mutter« von Bert Brecht in der inszenierung von 1970 zu sehen.


Die Mutter from Schaubühne Berlin on Vimeo.

Den onlinespielplan der schaubühne kann man hier anschauen.

Samstag, 21. März 2020

Klorollenlobbyist

Vorhin wurde mir klar, wer hinter dieser klopapierpanik steckt: Friedrich Merz. Wer sonst?

Der sitzt im aufsichtsrat der hygienepapierfabrik WEPA 

Liebe mitmenschen, macht Fotzenfritz nicht reicher als er schon ist. Klopapier zu horten ist schlimmer als CDU wählen. Hört auf damit!

Mittwoch, 18. März 2020

Kann eine seuche zählen?

Schon wieder gibt es einen aufreger, für den es morddrohungen gab. Es geht um dies video:

Und dies zitat:
»Wir vom Browser Ballett sagen ja zu Corona, denn mit diesem Virus heilt sich der Planet praktisch selbst. Interessant, wie fair dieses Virus dabei ist. Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos. Das ist nur gerecht, immerhin hat die Generation 65 plus diesen Planeten in den vergangenen 50 Jahren voll an die Wand gefahren«
In Barry Hugharts roman »Die Brücke der Vögel«, einer geschichte aus dem alten China, wie es nie gewesen ist, werden ausschließlich kinder eines bestimmten alters von einer merkwürdigen seuche dahingerafft. Meister Li, der auf der suche nach einer medizin dagegen ist, denkt darüber nach, ob eine seuche zählen kann. Im buch wie im richtigen leben kann sie das natürlich nicht.

Den dr Li Wenlilang, den es im realexistirenden China tatsächlich gab und der im dezember 2019 als einer der ersten, vielleicht sogar als der erste vom neuen coronavirus berichtete, verstarb im biblischen alter von 33 jahren. Auch junge menschen können daran sterben, wenn die pech haben oder eben zu einer risikogruppe gehören. Wie beispielsweise diese leute:

Die sind nicht übermäßig alt. Aber eben nicht gesund. Im weiteren verlauf des videos ist dann auch noch die rede davon, daß die anzahl der menschen auf diesem planeten ein problem sei, und daß das leben auf diesem planeten ohne die »überzähligen« menschen besser sei. Da färbt sich der humor dunkelbraun.

Aber morddrohungen wegen brauner eselei sind auch wieder nur braune eselei.

Dienstag, 17. März 2020

Idyll mit müll- [2]

eimer.

Der frühling naht. Das erkennt man am festlich geschmückten müllkübel:
Während es für kinder in Berlin seit heute bei strafe verboten ist, auf den spielplatz zu gehen, saßen nebenan im park dutzende jugendliche und rauchten shisha, alle mit dem selben mundstück. Das war sicherlich sinn und zweck der coronaferien, daß die sich schön alle gegenseitig infizieren, damit endlich noch mehr bazillenschleudern durch die gegend laufen.

Montag, 16. März 2020

Foto am montag (409)

Ein bißchen ungewöhnlich: straßen- bzw. stadttauben (columba livia f. domestica), die auf bäumen hocken.

Samstag, 14. März 2020

Zwei konzerte

Freunde moderner musik haben heute abend ab 19 uhr die qual der wahl:

Entweder die Digital Concert Hall der Berliner Philharmonie. Dort gibt es heute einen kostenlosen stream, weil die Philharmonie  bis 19. april geschlossen ist und sie so zumindest ein virtuelles publikum haben. Dort dirigiert heute Sir Simon Rattle Luciano Berio und Béla Bartók . Man muß sich dafür nur kostenlos mit Namen und eMail registrieren und schon hat man zugang.

Oder im Deutschlandfunk Kultur »Al gran sole carico d’amore« von Luigi Nono live aus dem Staatstheater Mainz. »Al gran sole carico d’amore« ist Nonos revolutionsoper, unter anderem mit texten von Fidel Castro, Che Guevara, Lenin, Karl Marx, Brecht.

Wenn es derartige musik frei haus gibt, muß man sich nicht grämen, daß zahlreiche veranstaltungen ersatzlos gestrichen wurden. Hoffentlich bricht das internet nicht zusammen, wenn jetzt das ganze feierwütige partyvolk netflixen »muß«, anstatt den leuten unterwegs auf den geist zu gehen.

Dienstag, 10. März 2020

Sonntag, 8. März 2020

Equal care day

An sich paßt das thema zum weltfrauentag: der »equal care day« soll daran erinnern, daß männer auch heute noch meist in puncto fürsorgearbeit stark benachteiligt sind. Und so findet dieser gedenktag sinniger weise immer am 29. februar, also nur alle vier jahre, statt, weil männer im schnitt vier jahre benötigen, um auf die selbe anzahl stunden an häuslicher arbeit zu kommen, die frauen im durchschnitt jährlich leisten.

In einem kommentar von Barbara Vorsamer zu dem thema, in welchem es offenbar um »gleichberechtigung« gehen sollte, habe ich jedoch einige ungereimtheiten gefunden. Beispielsweise folgendes:
Zitat: »In der Volkswirtschaft ist produktiv, wer ein Essen kocht und es dann verkauft. Wer ein Essen umsonst für seine Familie kocht, existiert in diesem Sinne nicht. Das verstärkt die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.«
Das stimmt schon einmal von daher nicht, daß es in unserer kapitalistischen volkswirtschaft nicht ausreicht, »essen zu kochen und zu verkaufen«, sondern daß man mit seiner tätigkeit dann auch noch für einen firmeninhaber einen gewinn erzielen muß, ansonsten findet die arbeit gar nicht erst statt aber das nur nebenher. An sich ist man schon produktiv, wenn man umsonst, also kostenlos für angehörige kocht, andernfalls würde es hinterher nichts geben, bloß gibt es dafür kein geld. Da gibt es keine ungleichheit zwischen den geschlechtern, ein mann bekommt für das familiebekochen ebenso keinen lohn, es gibt diesen merkwürdigen unterschied zwischen arbeit und arbeit.
Zitat: »Um das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern aufzulösen, hat sich die Bundesrepublik eine Familienpolitik verschrieben, die Mütter genau wie Väter in der Berufstätigkeit hält. Das ist nicht verkehrt, es löst aber offensichtlich das Problem nicht. Und auch wenn sich ein gut verdienendes Großstadtpaar die Arbeit unter Einsatz von Erzieherinnen, Putzfrau und Pizzaboten untereinander gerecht aufteilen kann: Wer unterdurchschnittlich im Kindergarten, in der Gebäudereinigung oder beim Lieferdienst bezahlt wird, kann es sich kaum leisten, die eigene Fürsorgearbeit weiter zu delegieren. Die kommt einfach noch oben drauf.«
Die familienpolitik ist ganz bestimmt nicht dafür gedacht, das ungleichgewicht zwischen den geschlechtern aufzulösen, sondern um ein bürgerliches familienmodell zu fördern. Immerhin: alleinerziehende werden unabhängig vom geschlecht benachteiligt, das ist selbstverständlich eine tolle auflösung der ungleichbehandlung. Und je ärmer man ist, desto weniger hat man von dieser tollen familienpolitik.
Zitat: »Welche Maßnahme hier mehr Gerechtigkeit schaffen könnte - das bedingungslose Grundeinkommen, die 20-Stunden-Woche, Gehälter für Hausfrauen oder etwas ganz anderes - muss endlich umfassend und intensiv diskutiert werden.«
»Herdprämie« wurde bereits diskutiert und das BGE kann man durchaus als eine »herdprämie für alle« betrachten, die es gibt, ob man sie braucht oder nicht. Eine 20-stunden-woche könnte hingegen ein ansatz sein.
Zitat: »Ökonomie ist definiert als Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen dienen.«
Leider ist in unserem wirtschaftssystem weniges planvoll und an der befriedigung der bedürfnisse des menschen ist die ökonomie hier auch nicht ausgerichtet.
Zitat: »Die Fürsorge für andere wird oft als Liebes-Job interpretiert, an den man nicht die materiellen Maßstäbe der "echten" Wirtschaft legen solle. Es ist schön und notwendig, dass Menschen Dinge tun, für die sie nichts bekommen.«
Wenn es schön und notwendig ist, daß menschen dinge tun, für die sie nichts bekommen, wäre es dann nicht gut, wenn das immer gelten würde und zwar für alle?

NIEDER MIT DER LOHNARBEIT!