Freitag, 17. Mai 2019

Deutsches alphabet!

Neulich gings beim Spiegel mal wieder um analphabethismus. Und um eine arme frau aus Griechenland, die nur zwei jahre zur ſchule gegangen iſt, weil ſie bereits mit dreizehn jahren als dienſtmädchen hat arbeiten müſſen und deshalb auch in ihrer mutterſprache nicht richtig alphabetiſiert war. Und dann ließ er nicht lange auf ſich warten, der ſcheinbar unvermeidbare fehler:
Zitat Spiegel-online: »Hätte Gotter in ihrer Mutterſprache leſen und ſchreiben gekonnt, hätte ſie das vielleicht auch auf Deutſch gelernt. Denn es liegt in der Regel nicht allein an der fremden Herkunftsſprache, wenn Menschen ſich mit dem deutſchen Alphabet ſchwertun.«
Merken dieſe hirnies bei Spiegel-online nicht, daß ſie ſelbst überhaupt kein Deutſches alphabet, ſondern
   lateinische schrift    verwenden?

Vermutlich tut ſich die mehrheit der nach 1942 eingeſchulten Deutſchen mit dem Deutſchen alphabet ſchwer, weil es ſeit dem nicht mehr gelehrt wird. Leſen mag ſchon noch gehen. Aber ſelbst von hand ſchreiben oder zum bloggen benutzen? Da bekam ich natürlich gleich luſt, ein wenig zu ſpielen und mein blog ſpaßeshalber mal auf Deutſche ſchrift umzuſtellen. Ich mußte tatsächlich ungefähr ganze zwei minuten drüber nachdenken, wie das geht. Bleibt jetzt für immer ſo, wo ich mir ſchon mal die mühe gemacht habe.

Iſt zwar unpraktiſch und ſchlecht lesbar, weil man gern die buchſtaben »ſ«, »f«, »l«, »t« und »k« verwechſelt. Den buchſtaben »ſ« kennen viele nicht einmal mehr, weil er ſchon lange verſchwunden ist, ausgeſtorbener buchſtabe ſozusagen. Das macht aber nichts. Alles funktionale analphabeten, dieſe
Deutſchen, die ihre eigene ſchrift nicht leſen
und ſchreiben können. Demnächſt dann aber
doch lieber weiter in »richtiger« ſchrift, alſo
  lateinischen   buchſtaben.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Im Sparadies der Frisöre

»Es tat so weh. Ein messer trennte mir den bauch auf. Ich schrie vor schmerzen, verstarb, verließ die irdische hölle und erwachte wo? Genau. Im sparadies, wo man ›haarvanagila‹ sang. Und das ist nicht an den haaren hairbeigezogen.«

Wiglaf Droste (27. juni 1961 – 15. mai 2019)



Hoffentlich ist ihm wenigstens das erspart geblieben.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Importglück in der ostzone

Meine erste banane. Importware aus Hessisch Sibirien.

Montag, 13. Mai 2019

Foto am montag (365)

Mal etwas anderes: vögel aus der vogelperspektive:
Stadtspatzen (passer domesticus)

Freitag, 10. Mai 2019

Danke h4tv!

Wenn man auf »bento« liest, liegt es in der natur der sache, eher keine intelektuellen höhenflüge zu erwarten. Aber selbst dort ist es möglich, daß sie sich selbst noch unterbieten. Das hat letzens Thembi Wolf geschafft, als sie schrieb, daß sie dem »Hartz-IV-TV« dankbar sei, weil dort angeblich armut dargestellt würde, wie sie tatsächlich ist. Es ging um eine fotoausstellung mit bildern aus RTL2produktionen.
Zitat Thembi Wolf: »"Es sind nüchterne Bilder, die nicht beschönigen, den Protagonisten aber auch nicht die Würde nehmen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" dazu. Der Artikel heißt: "Armut an den Wänden, Sekt in den Gläsern". Ich verschlucke mich fast. Was soll das heißen – trinken arme Menschen keinen Sekt?«
Was heißt trinken? Arme menschen baden allmorgentlich in schampus, weshalb abends dann immer das geld nicht mehr reicht für bier und schnittchen. Das mit der »würde« ist tatsächlich ein seltsames konstrukt, das aber rein gar nichts damit zu tun hat, ob man sekt trinkt oder nicht, sondern wie man in der öffentlichkeit dargestellt und wahrgenommen wird.
Zitat Thembi Wolf: »Zuerst einmal ist Armut nichts Diffuses. Armut bedeutet, dass das Geld nicht reicht.«
Blödsinn. Ist der sehr-gut-verdiener, der etliche fernreisen im jahr macht, schnieke kleidung trägt, ein dickes auto fährt, seine kohle verpraßt und chronisch pleite ist, weil er auf zu großem fuß lebt, vielleicht arm? Ist der h4empfänger der mit seinem geld einigermaßen über die runden kommt, weil er seine bedürfnisse seinen einkomensverhältnissen angepaßt hat und ein äußerst bescheidenes leben führt deshalb reich, weil er mit seiner knete über den monat kommt?

Und dann kommt frau Wolf darauf, daß ihre lebensrealität in den Amerikanischen serien ihrer kindheit nicht vorkam, weil dort die erwachsenen zur arbeit gingen, was bei ihr zu hause eher nicht der fall gewesen sei.
Zitat Thembi Wolf: »Niemand saß regelmäßig von 9 bis 5 Uhr in einem Büro.«
Warum nur? Womöglich, weil das in Deutschland eine eher unübliche arbeitszeit ist? Hierzulande wird man oft genötigt, bereits um 7 uhr anzufangen und von regelmäßigkeit können viele nur träumen - flexibilität ist gefragt. Außerdem gibt es tatsächlich auch berufe, die nicht im büro ausgeübt werden.
Zitat Thembi Wolf: »Dass auch meine Welt existiert, bestätigte mir nicht das Nachmittagsprogramm auf Vox, sondern das auf RTL2.«
Amerikanische serien geben nicht vor, die lebensverhältnisse in Deutschland abzubilden. Außerdem ist es eine komische vorstellung, sich die existenz der eigenen lebenswelt durch das schrottprogramm im Deutschen privatfernsehen bestätigen lassen zu müssen.

Allerdings schreibt Thembi Wolf, daß sie eine reformschule besucht und ein musikinstrument gelernt habe. Wie viele figuren aus dem »unterschicht-tv« leisten sich privatschulen und musikunterricht?
Zitat Thembi Wolf: »Die TV-Formate heißen heute anders – "Hartz" ist in vielen Titeln – das Prinzip ist geblieben. In "Armes Deutschland" werden pro Folge drei oder vier Deutsche begleitet, die nicht viel Geld haben.«
Bei »Armes Deutschland« werden eben gerade nicht drei oder vier Deutsche mit wenig geld begleitet. Hier wird armut dargestellt, wie sie in den köpfen irgedwelcher drehbuchschreiber windiger produktionsfirmen existiert. Es soll so aussehen, als seien die charaktere alle echt und ihre geschichten quasi vom leben selbst erzählt. Tatsächlich ist alles frei erfunden.

Die unterschiede zwischen dokumentarfilm, doku-soap und »scripted reality« muß man als schreiber bei bento offensichtlich nicht wissen.
Zitat Thembi Wolf: »Sie sind nicht die am Leben scheiternden Schluffis aus den Öffentlich-rechtlichen: schüchtern, grundsympathisch und immer ein bisschen langsam im Kopf. Bemitleidenswert und maximal unschuldig.

Wir sprechen dem Hartz-IV-TV ab, dass es mit Stilmitteln arbeitet. Mit denselben, wie jede Netflixserie: Übertreibung, überzeichneten und fehlbaren Charakteren und einer Dramaturgie. Und wir sprechen denen, die zuschauen, ab, dass sie das wissen.«
Wer soll dieses ominöse »wir« sein, das die stilmittel verleugnet? Es ist doch durchsichtig: die »dramaturgie« ist stets die selbe: es wird der faule h4mensch gezeigt, sich daneben benimmt und kein bock auf arbeit hat. Als gegenpart kommt der workingpoor hinzu, der mindestens 35 stunden pro tag arbeitet, sich den ganzen arsch aufreißt, um seine familie zu ernähren. Für den preis, daß er seine kinder leider vernachläßigen muß, obwohl er so gern mehr zeit mehr für sie hätte.

Das konnte das öffentlich-rechtliche auch schon im jahr 2012 relativ gut als der etwas verquere esoteriker Ralph Boes in der Maischbergertalkshow der fleißigen putzfrau Heidi Ralfs gegenübergestellt wurde: auf der einen seite der »faule« hartzer, der bestimmte arbeiten nicht machen möchte und auf der anderen die fleißige, die mit ihrer plackerei auf keinen grünen zweig kommt aber wahnsinnig stolz drauf ist.
Zitat Thembi Wolf: »Aber auch die Annahme, alle Darstellerinnen müssten Opfer eines ausbeuterischen Systems sein, ist ein Stigma.«
Der begriff »armutsporno« des Britischen »Guardian« trifft die angelegenheit ziemlich gut.

Es wird nicht die realität abgebildet. Stattdessen werden die phantasien des drehbuchschreibers und des publikums bedient. Die darsteller haben oft knebelverträge aus denen sie nicht wieder rauskommen und müssen vor der kamera tun, was ihnen vorgegeben wird. Die sagen nicht, was sie denken oder fühlen, sondern müssen etwas darstellen, was sie überhaupt nicht sind. So etwas kann durchaus spaß machen, ansonsten würde vermutlich niemand schauspieler werden wollen - ich habe mal eine kleine, aber gemeine nebenrolle in einem hörspiel gesprochen und habe durchaus gern die fieslingin gespielt. Das unredliche an diesen angeblichen »dokus« ist, daß sie ebenso »wahr« sind wie sämtliche seifenopern der welt, vom publikum aber größtenteils nicht als fiktion, sondern als realität wahrgenommen werden. Tatsächlich ist die realität von langzeitarbeitslosen oft unspektakulär, weil sie einfach versuchen, mit dem wenigen geld, das sie haben ein möglichst normales leben zu führen. So daß sie, wenn man realitätsnah davon berichten wollte, beim sensationsheischenden RTL2publikum keinerlei quote brächten.

Über Christian und Nathalie, die die »asozialen« in »Armes Deutschland« geben, schreibt Thembi Wolf:
Zitat Thembi Wolf: »Selbst in der Geschichte vom "Ich nehme lieber Hartz IV"-Christian und der rauchenden, schwangeren Natalie steckt diese Nuance. Was schuldet Christian der Gesellschaft? Ist es okay, nicht zu arbeiten? Ist es okay, Arbeit abzulehnen, weil er sich mehr wert ist als den 500-Euro-Job seines besten Kumpels?

Und da ist der Umgang mit dem Stigma der Armut. Studien sagen, Armut führt zu schlechterer Gesundheitsvorsorge. Zu wissen, was gesund ist, ist eine Frage der Bildung. Darf Natalie in der Schwangerschaft rauchen? Wer mal mit Kippe und Kinderwagen unterwegs war, kennt die urteilenden Blicke. Aber solche gesellschaftliche Ächtung prallt an Natalie vielleicht ab.«

Wie sich Christian und Nathalie im richtigen leben verhalten, wird das publikum nicht erfahren. Sie sind, wie schon gesagt, figuren in einer »scripted-reality-show«, die vor der kamera sagen, was sie sollen. Und es geht nicht darum, mal drüber nachzudenken, daß es schon in ordnung ginge, schlecht bezahlt arbeit nicht anzunehmen. Weiter oben wird scheinheilig gefragt:
Zitat Thembi Wolf: »Er will nicht arbeiten, selbst Schuld an der Armut. Schürt das nicht Vorurteile gegen Arbeitslose? Stigmatisiert sie?«
Was denn sonst?
Zitat Thembi Wolf: »Wir verkennen, dass die Hartz-IV-TV-Sendungen hochpolitisch sind.«
Und da ist es schon wieder, dieses »wir« in das man ungefragt eingemeindet wird, auch wenn man es völlig anders sieht.

Natürlich sind diese sendungen hochpolitisch. Es geht darum, die gruppe der arbeitslosen - und speziell der langzeitarbeitslosen - zu diskreditieren.

Zwar ist es in einer konkurrenzgesellschaft zwangsläufig, daß es konkurrenzverlierer gibt. Aber die konkurrenzverlierer sind nach den darstellungen des h4tv grundsätzlich selber schuld. Weil eben dumm, faul, träge und viel zu unmotiviert für den tollen erfolg in der lohnarbeit.

Verachtung gegenüber ärmeren oder weniger leistungsfähigen menschen hat es in dieser gesellschaft schon immer gegeben, seit es diese von Thembi Wolf gelobten formate im fernsehen gibt, hat sich der ton allerdings wesentlich verschärft.
Zitat Thembi Wolf: »Der Wunsch nach "würdevollen" Bildern von Armut war für mich deshalb immer verlogen. Denn es ist nicht das Bedürfnis der Betroffenen – sondern derer, die von außen auf sie blicken und sich ihrer Vorteile und Vorurteile schämen.«
Ja, natürlich ist es verlogen, »würdevolle« bilder von armut zu wünschen. Daß das etwas mit vor- oder vorurteilen oder scham zu tun hätte, ist jedoch auch wieder ein vorurteil. Vielleicht wäre es auch möglich und wesentlich vernünftiger, die abschaffung von armut zu verlangen, statt ihre würdelose darstellung zu bejubeln.

Zitat Thembi Wolf: »Das weiß ich, seit ich klein war und unter Menschen lebte, die meinen 2,90-Latte für die ultimative Dekadenz halten würden.«
Schlechte grammatik. Die 2,90 latte ist in diesem fall offensichtlich kein kaffehaltiges milchschaumgetränk im hochglas, sondern eher ein brett, das an bestimmter stelle sitzt.

Nö, da gibt’s nichts zu danken!

Der dübel ist schuld

Nein, nicht Deutschlands angeblich »frechster arbeitsloser«, sondern dieses ding, das man benötigt, wenn man beispielsweise irgendwas an einer betonwand oder wie in diesem fall kalksandsteinwand festschrauben will.

Nachrichten vom klima- und anwohnerfreundlichsten flughafen der welt. Diesmal geht es um lockere dübel, die den brandschutzbestimmungen nicht entsprechen. Wenn da mal nicht auch ’ne schraube locker ist.

Vielleicht wäre es aber so verkehrt nicht, wenn Berlin für touristen nicht mehr so gut erreichbar wäre. Und ein paar extrastartbahnen für feldlerchen sind auch eine gute sache.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Dialog Imaginär 3


Georg Katzer ( 10. Januar 1935 bis 7. Mai 2019)



Nachtrag: zum tode Georg Katzers im Tagesspiegel - immer gesprächsbereit

Mittwoch, 8. Mai 2019

Was ich vor jahren schon sagte...


Zum tag des sieges über den deutschen faschismus wird am 9. mai in Berlin im Treptower Park (Rosengarten, nahe des Sowjetischen Ehrenmals) gefeiert. Ich freue mich auf ein »klassisches« konzert und nette menschen. Das foto ist ausnahmsweise nicht selbst gemacht, sondern wurde mir von einer aufmerksamen leserin zugesandt. Vielen dank!

Montag, 6. Mai 2019

Foto am montag (364)

Tatsächlich noch nicht ausgestorben:
Biene

Mittwoch, 1. Mai 2019

Blutmai

Bildquelle: AdsD D. FES

Historisches foto vom 1. mai 1929 aus der Kösliner Straße.

In der Jungen Welt vom 29. april war ein guter artikel über den 1. mai 1929 in Berlin.

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Leider habe ich heute wieder die MyGruni-Demo im elendsbezirk Grunewald verpennt (für Nichtberliner: Grunewald ist eins dieser sozial ausgegrenzten villenviertel). Aber der rbb hat darüber berichtet.

Traurig finde ich in dem video den anwohner, der sich darüber beklagt, daß der feiertag für ihn blockiert sei, weil er mit dem auto weder rein- noch rausfahren kann und deshalb zuhause sitzen muß, aber bekundet, daß das demonstrationsrecht und die meinungsfreiheit vorgingen und er sich dem fügen müsse. Wer hat ihn daran gehindert, sein auto vor der demo irgendwo abzustellen, wo er es problemlos ausparken kann? Kann der arme mann die 7€ für die ÖPNVtageskarte nicht berappen (bzw. 7€70 für Berlin+Umland), weil die miete in Grunewald zu teuer ist, so daß er feiertagsausflug ins jrüne ersatzlos ausfallen muß?

Angesichts solcher not kann man sich im grunde nur niedergeschlagen fühlen. Aber das zeigt eben auch, daß diese demo notwendig ist.

Montag, 29. April 2019

Foto am montag (363)

Meine neue nachbarin hegt die finstersten bebrütungsabsichten:
Ringeltaube (columba palumbus)

Sonntag, 28. April 2019

Für Europa reichts

Martin Sonneborn im interview mit Sputnik Deutschland:

Donnerstag, 25. April 2019

Fliegen für den klimaschutz

Im vorletzten jahrzehnt des vergangenen jahrtausends war es erstaunlicher weise bereits bekannt, daß autofahren nicht unbedingt förderlich für die umwelt ist. Und fliegen war als die größte umweltsauerei schlechthin bekannt. Aber seit dem die GrünInnen- äh - ich meine natürlich die GrünsterncheninnenPartei mal sieben jahre mitregieren durften und der Jockel Fischer (z.b.) erst außenminister und dann beratende tätigkeit u.a. bei BMW und RWE übernehmen durfte, ist natürlich alles vom auto über flugmeilen bis hin zum kohle- und atomstrom sauber. Allein die landwirtschaft macht dreck und verseucht die umwelt.

Heute gilt es bei den Grünsterncheninnen schon geradezu als revolutionär, wenn einer vorschlägt, daß jeder zertifikate für »nur« drei flüge im leben pro jahr erhalten soll und wer mehr fliegen will zertifikate von nicht- oder wenigfliegern kaufen muß. Das gab natürlich einen aufschrei, vor allem in der eigenen partei, denn schließlich darf man eine wachstumsbranche wie den reise- bzw. flugmarkt nicht künstlich verteuern. Damit, das reisen mit der bahn künstlich zu verteuern, hatten die figuren von der GrünPartei definitiv kein problem: als sie 1999 die ökosteuer einführten, was es klar, daß die luftfahrt ausgeklammert wird. Die bahn hingegen muß ökosteuer zahlen und im fernverkehr auch den vollen mehrwertsteuersatz, der für flugreisen komplett wegfällt. Das bahnfahren wurde während der regierungszeit der Grünsterncheninnen massiv teurer während das billigfliegen in mode kam. Spritsparende autos, ein tempolimit oder weniger fliegen sind seither eher selten ein thema.

Drei willkürliche beispiele: Katharina Schulze, spitzenkandidatin der GrünPartei im landtagswahlkampf in Bayern jettet mal eben über sylvester und neujahr nach Kalifornien, um dort emissionsfrei ohne den feinstaub der Deutschen privatböllerei das neue jahr zu begrüßen. Die grüne Roth, die über Bangladesch und Kiribati auf die Fidschi-Inseln flog. Geradezu als könne Kiribati nicht von allein untergehen, wenn nicht wenigstens Claudia Roth einmal dort gewesen ist, um dort ganz betroffen aus der wäsche zu gucken. Oder Luisa Neubauer, gesicht der Fridays for Future und ebenfalls mitgliedIn der GrünsterncheninnenPartei. Die hat flugmeilen auf dem tacho, daß man anfangen könnte zu staunen. Die reihe ließe sich mit Hofreiter, Özdemir und wie sie auch sonst noch alle heißen geradezu endlos fortsetzen. Man kann wohl davon ausgehen, daß die nicht mit einem umweltfreundlichen segelflugzeug über das meer geflogen sind - über dem wasser ist die thermik ganz schlecht. Thermiknutzende vögel, wie beispielsweise störche, bekommen bereits beim überqueren der Straße von Gibraltar probleme. Und die ist an der engsten stelle nur ca. 15 km breit.

Als klimaverträgliches jahresbudget eines menschen gelten 2,3t CO2. Für Schulzes flug wird das budget von knapp 3 jahren, für Roths flug das von rund 5 jahren und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre das budget von etwas mehr als 15 jahren aufgebraucht. Luisa Neubauer hat es offenbar ein bißchen spät begriffen, daß man schlecht ein hipper um-die-welt-jetter und gleichzeitig klimaretter sein kann, weshalb sie anfang februar im interview mit der MoPo sagte, daß sie nicht flöge und sich selbstverständlich vegan ernähre. Verzicht von einzelpersonen und ablaßhandel bringen nicht besonders viel. Wenn man den CO2ausstoß für den durchschnittlich Deutschen fleischverzehr pro jahr zugrunde legt, kommt man flugmeilentechnisch nicht übermäßig weit: nämlich bloß von Hamburg nach Stuttgart und zurück und das würde ich nicht unbedingt als »weltreise« bezeichnen. Für Schulzes flug wären das neunzehneinhalb jahre fleischverzicht, für Roths flug mehr als sechsunddreißig jahre und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre müßte man schon alt werden wie Johannes Heesters, um die flüge durch fleischverzicht wieder gut zu machen - hundertsieben jahre sind schon eine recht lange zeit.

Es ist auch die verkehrte verkehrspolitik der GrünsterncheninnenPartei mit gewesen, die zu dem zustand geführt hat, daß man besagte strecke Hamburg - Stuttgart für unter hundert euro fliegen kann, während man mit der bahn ungefähr vier mal so lange braucht und dafür mehr als das dreifache löhnen darf, sofern man den regulären preis bezahlen muß. Aber zum glück können die freunde der fliegerei darauf aufmerksam machen, daß der luftverkehr bloß 12 % in der weltweiten CO2bilanz ausmache. Das mag stimmen, jedoch nutzen nur 3 % der weltbevölkerung flugzeuge. Es ist der blanke hohn, daß die immer noch als klimafreundliche partei gelten und wegen der »fridays for future« bei wahlumfragen sehr gute ergebnisse erzielen. Kriegsgewinnler.

Montag, 22. April 2019

Foto am montag (362)

Der osterhase mal wieder.
Ich hab’s ja schon immer gewußt, daß der ein alter trunkenbold ist.

Mittwoch, 17. April 2019

Filmtip der woche

Sonneborn in Straßburg:


Der vollständigkeit halber der von ihm erwähnte film in voller länge, leider nur Englisch mit Englischen untertiteln:



Da packt einen auch neun jahre später noch das gruseln.

Dienstag, 16. April 2019

Die große katastrophe


Nachdem schüler freitags streiken, ist bereits das schlimmste eingetreten: fast die hälfte der grundschüler hat eine schlechte handschrift, wodurch zur abwechslung erneut das abendland untergeht. Unglaublich. Diese kinder heutzutage sind einfach die geborenen analphabeten! Wir hätten uns das früher niemals getraut, eine schlechte handschrift zu haben.

Wenigstens erfährt man aus dem artikel, daß es sich bei der studie eigentlich gar nicht um eine studie über die qualität von schülerhandschriften geht, sondern bloß um eine umfrage, bei der die lehrer die situation einschätzen sollten. Das läßt vermuten, daß die ergebnisse der umfrage vor dreißig oder fünfzig jahren wahrscheinlich ähnlich ausgesehen hätten, ich zumindest kann mich nicht erinnern, daß lehrer je zufrieden mit der schreibleistung ihrer schüler gewesen wären.

Marianela Diaz Meyer, die geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts sagt eigenartige dinge wie »Handschreiben macht schlau. Es ist wichtig, dass die Kinder mit der Hand denken.« Das ist seltsam. Zwar müssen kinder das meiste noch lernen, weil wissen leider nicht angeboren ist, aber denken tun sie trotzdem mit dem kopf und nicht mit den händen. Oder (zitat Marianela Diaz Meyer) »Beim Handschreiben – das belegen auch zahlreiche Studien – geht es um Bildung. Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.« Wer würde es anzweifeln, daß es für schulische leistungen oder bildung von vorteil ist, schreiben zu können?

Aber für das textverständnis? Wenn es notwendig wäre, schreiben zu können, um texte zu verstehen, wäre es ein sinnloses unterfangen, schreibunfähigen klein- oder vorschulkindern vorzulesen. Sie würden nichts verstehen. Und ob das schreiben das lesen unterstützt oder ob es umgekehrt ist, ist ebenfalls fraglich. Lesen und schreiben wurden nicht zu jeder zeit als zusammengehörend betrachtet: die kopisten des mittelalters, die feinsäuberich ganze bibeln abgepinselt haben, konnten häufig nicht lesen. Während die feinen herrschaften, die sich zu jener zeit bücher leisten konnten vorleser hatten, die meist des schreibens unkundig waren.

Die »digitale demenz« beklagten ihrerzeit bereits die Alten Griechen (digital von Lateinisch digitus - finger), denn durch die fingerfertigkeit, dinge aufschreiben zu können, verblöde die menschheit, weil man jeden bockmist aufschreiben könne und sich nichts mehr merken müsse. Wer weiß, was die menschheit alles wußte, bevor die schrift erfunden wurde. Nur werden wir leider nichts davon erfahren, weil nichts davon überliefert wurde.

Montag, 15. April 2019

Montag, 8. April 2019

Foto am montag (360)

Grüner zipfelfalter (callophrys rubi)