Mittwoch, 30. Januar 2013

Deutschland, bleiche mutter


Zum 80. jahrestag der machtergreifung. Lieber hätte ich die chorversion mit der musik Hanns Eislers eingebunden, das video dazu jedoch war unerträglich.

Die kanzlerin sprach in ihrer neujahrsansprache von den vielen »50. jahrestagen«, die »wir« in diesem land in diesem jahr zu begehen hätten. Diesen ebenfalls wunderschönen 80., der doch etwas viel größeres ist, hat sie glatt vergessen.

Ist es alzheimer?

Dienstag, 29. Januar 2013

’nen hinweis

Kritik gab es, weil ich letzte woche widerrechtlich den unbestimmten unartikel »’nen«  verwendete. Ich hab’ aus dem kopf den »kinderladenton« der 70er jahre zitiert.

Ich gebe zu, daß ich mich falsch erinnert habe, so schnoddrig war der text doch
nicht vorgetragen, es heißt tatsächlich »willste übern rasen laufen mußt Du Dir ein grundstück kaufen«, wie man hier hören kann:
Im zitat hätte ich es in ordnung gefunden, es war aber falsch zitiert, peinliche angelegenheit. Ich gelobe besserung: das nächste mal recherchiere ich erst und schreibe dann.

Samstag, 26. Januar 2013

Juhu! Fünf gründe für ein grundeinkommen! teil 1

... und selbstverständlich liefere ich auch mit, warum gleich alle fünf nichts taugen. Ich bin eben ein spaßverderber - wie gemein.

Kürzlich stolperte ich über »Fünf gründe für ein Bedingungsloses Grundeinkommen« von Werner Rätz. Wer den kompletten text lesen mag, der mich nicht überzeugt hat, folge bitte dem link.

In der einleitung heißt es:
Nicht nur der Neoliberalismus, im Prinzip alle klassische Volkswirtschaft begreift Ökonomie als Verwaltung des Mangels. Dem setzt Attac einen prinzipiellen Widerspruch entgegen(...)  
Teilhabe ist in den modernen Gesellschaften nur möglich, wenn man über ein Einkommen verfügt.
Es stimmt zwar auffallend, daß man in dieser gesellschaft ohne einkommen aufgeschmissen ist. Aber bloß, weil der staat einem diese verhältnisse aufzwingt. Im titellied einer Westdeutschen kindersendung in den 70er jahren hieß es »willste übern rasen laufen, mußte Dir ’nen grundstück kaufen«.

Das sagt auf simple, kindliche art und weise mehr über den kapitalismus aus, als herr Rätz in seinen fünf punkten eingestehen mag. Damit ist schon ein wesentlicher grundsatz geklärt, wie der laden hier läuft: Alles gehört irgendwem - und der, dem was gehört, hat ein auschließliches recht darauf, mit seinem eigentum zu machen, was er will.

Gehört Dir nichts, haste pech gehabt. Niemand muß Dir erlauben, mit seinem eigentum irgendwas anzufangen. Es sei denn, vertraglich und gegen bezahlung - und daran ändert das bedingungslose grundeinkommen rein gar nichts.

Den widerspruch von dem zu anfang die rede war, macht »attac« hauptsächlich gegen sich selbst auf.
1. Wir können es: Der gesellschaftliche Reichtum ist vorhanden
Ich rede hier nicht von Geld. Geld ist, wenn’s ernst wird, ja nichts als bunt bedrucktes Papier oder Zahlen in einer Bilanz. Das kann man nicht essen oder zu irgendetwas Konkretem gebrauchen. Ich rede vom materiellen Produkt, vom unmittelbaren stofflichen Reichtum(...)
Oben wurde noch behauptet, daß die ökonomie »verwaltung des mangels« begriffen werden würde und nun wird plötzlich vom »reichtum« geredet.

Zwar ist es nicht gelogen, daß es ein merkmal unseres wirtschaftssystems ist, daß es bitteren mangel auf der einen seite und kaum vorstellbaren reichtum auf der anderen seite gibt.

Warum das so ist, erklärt dieser text von »attac« nicht. Er bietet eine simple lösung an: Geld an die leute verteilen und dann sei das mit dem mangel nicht mehr so schlimm. 

Natürlich wird nichts erklärt. Denn wer einigermaßen begriffen hat, daß die zustände hier kein verteilungsproblem sind, würde probleme damit haben, an so etwas wie ein bedingungsloses grundeinkommen zu glauben.

Geld als »nichts als buntbedrucktes papier« zu bezeichnen ist eine grobe verharmlosung dessen, was geld ist und welche funktion es in diesem wirtschaftssytem hat. In einem system, in dem der mensch von allem was er benötigt durch das geld ausgeschlossen ist, bedeutet geld etwas völlig anderes als bloß irgendwo auf dem papier aufzutauchen. Wenn das so wäre, dann könnte man auch getrost darauf verzichten.

Das auf geld beruhende system, das die befürworter des grundeinkommens auf keinen fall abschaffen wollen, fußt darauf, daß die menschen sich zum leben geld verschaffen müssen. Das bedeutet für den großteil der leute, daß sie ihre arbeitskraft verkaufen müssen - und damit den mehrwert erschaffen.

Ich mag mich jetzt nicht zu sehr an diesem thema festbeißen - ich hab zwischendurch auch noch anderes zu tun, die weiteren vier punkte kommen dran. Vorraussichtlich in einer woche, wenn mir bis dahin nicht der himmel auf den kopf gefallen ist, so was soll ja vorkommen.

Weiter zu teil 2

Mittwoch, 23. Januar 2013

Wasser ist ein öffentliches gut und keine handelsware

Der kabarettist Erwin Pelzig hat gestern in der sendung »Neues aus der Anstalt« auf das geplante EUvorhaben, die privatisierung der wasserversorgung zu erleichtern, hingewiesen. Und auf die initiative, die dies verhindern möchte.




Die initiative möchte bis september 1 million unterschriften sammeln - ich habe deren aufruf in mehreren sprachen übernommen und verlinkt. Bitte weitersagen.


Wasser ist ein Öffentliches Gut, keine Handelsware - Wir fordern die Europäische Kommission zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags auf, der das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung entsprechend der Resolution der Vereinten Nationen durchsetzt und eine funktionierende Wasser- und Abwasserwirtschaft als existenzsichernde öffentliche Dienstleistung für alle Menschen fördert. Diese EU-Rechtsvorschriften sollten die Regierungen dazu verpflichten, für alle Bürger und Bürgerinnen eine ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser sowie eine sanitäre Grundversorgung sicherzustellen. Wir stellen nachdrücklich folgende Forderungen:

Die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Bürger und Bürgerinnen das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung haben.

Die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen darf nicht den Binnenmarktregeln unterworfen werden. Die Wasserwirtschaft ist von der Liberalisierungsagenda auszuschließen.

Die EU verstärkt ihre Initiativen, einen universellen Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung zu erreichen.



Το νερό είναι δημόσιο αγαθό, όχι εμπόρευμα! Καλούμε την Ευρωπαϊκή Επιτροπή να προτείνει νομοθεσία που να υλοποιεί το ανθρώπινο δικαίωμα πρόσβασης σε ύδρευση και αποχέτευση, το οποίο είναι αναγνωρισμένο από τον ΟΗΕ, και να προωθεί την παροχή ύδρευσης και αποχέτευσης ως απαραίτητων δημόσιων υπηρεσιών για όλους. Η νομοθεσία τής ΕΕ πρέπει να απαιτήσει από τις κυβερνήσεις να εξασφαλίζουν και να παρέχουν σε όλους τους πολίτες πρόσβαση σε επαρκή ποσότητα καθαρού, πόσιμου νερού και σε δίκτυο αποχέτευσης. Προτείνουμε:

Τα θεσμικά όργανα και τα κράτη-μέλη τής ΕΕ να είναι υποχρεωμένα να εξασφαλίζουν ύδρευση και αποχέτευση για όλους τους πολίτες.

Η υδροδότηση και η διαχείριση των υδάτινων πόρων να αψηφούν τους «κανόνες τής εσωτερικής αγοράς» και να απαγορεύεται η απελευθέρωση της αγοράς των υπηρεσιών ύδρευσης.

Η ΕΕ να εντείνει τις προσπάθειές της για να έχουν όλοι πρόσβαση σε ύδρευση και αποχέτευση.



Water is een openbaar goed, geen handelswaar - We verzoeken de Europese Commissie om een voorstel voor wetgeving te doen waarin het recht op water en sanitaire voorzieningen, zoals erkend door de Verenigde Naties, is opgenomen en de voorziening van water en sanitatie als essentiële publieke diensten voor iedereen wordt bevorderd. De EU-wetgeving moet eisen dat overheden garanderen dat alle burgers kunnen beschikken over voldoende en schoon drinkwater en sanitaire voorzieningen. We dringen er op aan dat:

De EU-instellingen en Lidstaten worden verplicht om er voor te zorgen dat alle inwoners kunnen genieten van het recht op water en sanitaire voorzieningen.

De watervoorziening en het beheer van de watervoorraden niet aan ‘interne marktregels’ worden onderworpen en dat de waterdiensten van liberalisering worden uitgesloten.

De EU zich nog meer inspant om universele toegang tot water en sanitaire voorzieningen te bereiken.



VODA je VEŘEJNÝ STATEK, NIKOLI KOMODITA. Vyzýváme Evropskou komisi k návrhu legislativy, která zavede lidské právo na vodu a hygienu tak jak je uznáváno Organizací spojených národů a která bude podporovat zajišťování vody a hygieny jako základní veřejné služby pro všechny. Legislativa EU by měla po vládách požadovat zajištění a poskytování dostatku čisté pitné vody a hygieny všem občanům. Požadujeme, aby:

měly instituce a členské státy EU povinnost zajistit všem obyvatelům právo na vodu a hygienu.

zásobování vodou a správa vodních zdrojů nespadaly do „pravidel vnitřního trhu“ a aby bylo vodohospodářství osvobozeno od liberalizace.

EU zvyšovala své snahy o zajištění univerzálního přístupu k vodě a hygieně.



Apa este un bun public şi nu un bun comercial - Invităm Comisia Europeană să propună o legislație de implementare a dreptului omului la apă și salubritate, după cum este recunoscut de Organizația Națiunilor Unite, și de promovare a asigurării cu apă și salubritate ca servicii publice de bază pentru toți. Legislaţia UE trebuie să ceară guvernelor să asigure şi să ofere tuturor cetăţenilor apă potabilă suficientă şi curată şi salubritate. Cerem ca:

Instituțiile UE și Statele Membre să fie obligate să se asigure că toți locuitorii se bucură de dreptul la apă și salubritate.

Alimentarea cu apă şi gestionarea resurselor de apă să nu fie supuse "normelor pieţei interne" şi ca serviciile de apă să fie scutite de liberalizare.

UE să-și sporească eforturile pentru a asigura accesul universal la apă şi salubritate.



Drikkevand er et offentlig gode, ikke en råvare! Vi opfordrer Europa-Kommissionen til at foreslå en lovgivning, der implementerer den menneskelige ret til vand og sanitet, som anerkendt af FN, og fremmer adgang til rent vand og sanitet, som væsentlige offentlige tjenester for alle.
EU-lovgivning bør kræve, at regeringerne sikrer og giver alle borgere adgang til tilstrækkeligt med rent drikkevand og sanitet. Vi opfordrer til at:

EU-institutionerne og medlemsstaterne er forpligtet til at sikre, at alle indbyggere har adgang til rent vand og sanitet.
Vandforsyning og forvaltning af resourcer ikke underlægges det indre markeds regler samt at vandforsyning ikke liberaliseres.
EU øger sine bestræbelser på at opnå almen adgang til rent vand og sanitet.



l'acqua è un bene comune, non una merce! Esortiamo la Commissione europea a proporre una normativa che sancisca il diritto umano universale all’acqua potabile e ai servizi igienico-sanitari, come riconosciuto dalle Nazioni Unite, e promuova l’erogazione di servizi idrici e igienico-sanitari in quanto servizi pubblici fondamentali per tutti. La legislazione dell’Unione europea deve imporre ai governi di garantire e fornire a tutti i cittadini, in misura sufficiente, acqua potabile e servizi igienico-sanitari. Chiediamo che:

le istituzioni dell’Unione europea e gli Stati membri siano tenuti ad assicurare a tutti i cittadini il diritto all’acqua potabile e ai servizi igienico-sanitari;

l’approvvigionamento in acqua potabile e la gestione delle risorse idriche non siano soggetti alle “logiche del mercato unico” e che i servizi idrici siano esclusi da qualsiasi forma di liberalizzazione;

l’UE intensifichi il proprio impegno per garantire un accesso universale all’acqua potabile e ai servizi igienico-sanitari.



El agua no es un bien comercial, sino un bien público - Se invita a la Comisión Europea a presentar una propuesta legislativa para la implementación del derecho humano al agua y el saneamiento reconocido por la ONU y a promover el suministro de agua y el saneamiento como servicios públicos esenciales para todos. La legislación de la UE debe exigir a los gobiernos que garanticen y proporcionen a todos los ciudadanos servicios de agua potable y saneamiento convenientes. Instamos a que:

por obligación, las instituciones comunitarias y los Estados miembros velen por que todos los ciudadanos puedan ejercer el derecho al agua y el saneamiento;

el abastecimiento de agua y la gestión de recursos hídricos no se rijan por “las normas del mercado interior” y que se excluyan los servicios de agua del ámbito de la liberalización;

la UE redoble esfuerzos para lograr el acceso universal al agua y el saneamiento.



Water is a public good, not a commodity. We invite the European Commission to propose legislation implementing the human right to water and sanitation as recognised by the United Nations, and promoting the provision of water and sanitation as essential public services for all. The EU legislation should require governments to ensure and to provide all citizens with sufficient and clean drinking water and sanitation. We urge that:

The EU institutions and Member States be obliged to ensure that all inhabitants enjoy the right to water and sanitation.

Water supply and management of water resources not be subject to ‘internal market rules’ and that water services are excluded from liberalisation.

The EU increases its efforts to achieve universal access to water and sanitation.

Giftiges Licht

Eigentlich sollte man meinen, daß energiesparlampen eine nützliche erfindung wären. Wer sie nutzt, stellt bei der nächsten stromabrechnung fest, daß es sich rechnet, anstatt 40, 60 oder 100 watt nur noch 7, 11 oder 15 watt pro betriebsstunde zu verbrauchen.

Auch die qualität wurde in den letzten jahren verbessert. Die meisten sind fast sofort hell, weshalb man sie auch im badezimmer oder an anderen orten, wo man nur kurze zeit licht braucht, verwenden kann und das krank anmutende,bläulichweiße licht, das den energiesparbirnen der früheren jahre zueigen war, gehört weitgehend der vergangenheit an.

Die meisten haben einen farbton, der nicht wesentlich schlechter ist, als das licht einer guten alten glühbirne. Ich hab mich dran gewöhnt. Allerdings hat mir diese reportage zu denken gegeben:




Daß die dinger quecksilber enthalten und das nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, war nicht gerade ein geheimnis. Vor wenigen tagen berichtete die tagesschau, daß es in Genf verhandlungen über ein internationales abkommen zur eindämmung des gebrauchs von quecksilber gab.

Mit dem glühbirnenverbot paßt das nicht zusammen. Jedoch habe ich einen bericht des deutschlandfunks gefunden, daß das glühlampenverbot mit »stoßfesten speziallampen« unterlaufen wird. Die sind allerdings mit ca. 5 euro pro stück ganz schön teuer - und sie verbrauchen mehr strom als herkömmliche glühlampen. Also geht es, wie zu erwarten war, nicht ums stromsparen, sondern ums geldverdienen.

Wer strom sparen will, auf gesundheitsgefährdende stoffe im haushalt verzichten möchte und für LEDs (die auch noch eine alternative wären) kein geld hat, wird wohl öfter mal im dunkeln sitzen müssen.

Montag, 21. Januar 2013

Foto am montag (38)

Bei den derzeitigen außentemperaturen kann man auch in den angesagtesten
Berliner grünanlangen keine punkigen jugendlichen in ihrer natürlichen umgebung beobachten. Die halten momentan offenbar winterschlaf.

Als ersatz aber immerhin kaninchen mit punkfrisur:

P1030466 Kopie

Mittwoch, 16. Januar 2013

Schrottpresse geschlossen

Meines erachtens geht das so nun gar nicht.

Ich habe keine ahnung was der wirkliche grund zur schließung der schrottpresse war. Doch nicht etwa wegen der »neger-diskussion«, das wäre doch zu blöd.

Ich hatte zu dem thema einen text getippt, den ich dort nicht mehr loswurde:

Aus meiner sicht ist es literaturfälschung, wenn begriffe, die heute nicht mehr als »politisch korrekt« gelten, zensiert werden.

Schön, wenn sich Menschen dafür einsetzen, selbst denken zu dürfen… - das sehe ich im grunde sehr ähnlich, bloß bin ich der auffassung, daß man das selbst denken keinesfalls durch zensur erreicht, sondern im gegenteil, indem man den text so läßt. Da wäre vielleicht der verlag gefragt, ein kurzes, kindgerechtes vorwort über den wandel im sprachgebrauch zu schreiben, ist aber offensichtlich einfacher, textstellen zu streichen oder zu fälschen.

Kinder, die imstande sind, eigenständig bücher zu lesen, sind absolut fähig, einen gewissen historischen kontext herzustellen - ich kann das beurteilen, schließlich war ich selbst mal ein kind. Und die abenteuerromane, die ich las, waren ein anderes kaliber als Preußler oder Lindgren. Selbst bei Else Uris relativ harmlos daherkommenden »Nesthäkchen« heißt es irgendwo, daß das negerpüppchen die »unsauberkeit offenbar aus seiner heimat« mitgebracht habe. Heute würde man das vermutlich ersatzlos streichen. Damals dachte ich, daß solche ansichten ganz schön von gestern sind. Weil mich das interessierte, fand ich dann heraus, daß man so gedacht hatte, als meine oma kind war und ich war froh, nicht in so finsteren zeiten leben zu müssen.

Was die finsteren zeiten betrifft, bin ich mir längst nicht mehr sicher, was die geistesleistung sehr junger leser anbelangt, hingegen schon, daß die begriffe wie »neger« vernünftig einordnen können, sofern man sie läßt.

Viel spaß dann beim weinchen trinken und so, bitte weitermachen!
Liebe grüße von Mechthild


Und da stehe ich zu.

Punkt.

Der Armenkirchhof

Stiller Ort, um deine Mauern
Schleicht ein müdes, süßes Trauern,
Das mich immer zieht zu dir.

Deine Kreuze still und schlicht
Färbt goldig doch das Sonnenlicht
Und leuchtet in die Gruft hinein.

Aus deinen Gräbern quillt das Leben.
Es schmücket in urewgem Weben
Die kahlen Stein mit Liebesgrün.

Es schwingt aus Moderduft
Die Lerch sich in die Himmelsluft.
O armer Ort, wie bist Du reich.

Du einzger Ort, der hat hienieden
Die stille Ruh, den frommen Frieden
Den draußen ich so oft gesucht.

Georg Heym

Heute vor 101 jahren ertrank der dichter Georg Heym beim schlittschuhlaufen auf dem Großen Wannsee.

P1030748

Der Große Wannsee an einem kalten, trüben wintertag. Hier sollte man eher nicht auf dem eis spazieren gehen.

Dienstag, 15. Januar 2013

Im leseland DDR waren bücher mangelware

Im eisernen kampf gegen den realsozialismus hat das zeitzeugenblog des spiegels einestages vor einiger zeit bilder und text eines herrn Wittenburg veröffentlicht. Seine lieblingsbeschäftigung scheint es gewesen zu sein, idealer weise leere schaufenster in der DDR zu fotographieren - und wo die schaufenster dann einfach nicht leer sein wollten, war es offenbar auch nicht recht. Dann gab es zu viel. Und zwar vom falschen: zu viel wurst, zu viel bier, zu viel schnaps, zu viel gemüse in gläsern und äpfel vom vorjahr. Und an literatur natürlich nur die dröge politische, nichts als Marx, Engels, Lenin und natürlich die geschichte der SED.
Zitat: Das "Leseland DDR" war für bildungshungrige Leser ein sehr armes Land. Die wenigen Verlage - mit Ausnahme der SED-Eigenen, die systemkonforme politische Schriften verlegten - litten nicht nur unter der Zensur, sondern auch einem knapp bemessenen Papierkontingent. Bis ein zeitgemäßer Roman erscheinen durfte, vergingen in der Regel drei Jahre. Der Import von Druckerzeugnissen aus dem Westen war verboten. Viele Bücher wurden unter dem Ladentisch gehandelt. In den Bibliotheken gab es "Giftschränke" für verbotene Schriften. Ein Glück war es, dass man sich unter Freunden Bücher und Zeitschriften gegenseitig ausleihen konnte.
Eigentlich nicht uninteressant, sich durch die bilderserie durchzuklicken, wenn nur die teilweise dämlichen bildunterschriften nicht wären.

Weil die DDR für »bildungshungrige leser« ein »armes land« war, waren bücher ein beliebtes mitbringsel Westdeutscher DDRbesucher. Westdeutsche schüler und studenten kauften in der DDR gern naturwissenschaftliche fachliteratur und natürlich auch klassiker. In der DDR war das bezahlbar.

P1130431
Eine auswahl bücher, die in der DDR selbstverstänlich wegen des knapp bemessenen papierkontingents nie gedruckt worden wären - und schon gar nicht wessiautoren wie Peter Rühmkorf.

Wie begegnete man denn in der BRD der papierknappheit, die es dort genau so gab? Das papier wurde teurer und somit die bücher für viele leute unbezahlbar. Lesenswerte texte, die aber schlecht vermarktbar sein würden, blieben ungedruckt, während all das schöne papier mit gut verkaufbarem - und sei es schund, bedruckt wurde. Wie bei allen anderen dingen auch regelte (und regelt bis heute) das geld, was gedruckt wird und was nicht. Was in der DDR »zensur« hieß, nennt man im westen gemeinhin »lektorat«. Interessant am literaturbetrieb der DDR ist, daß ein schriftsteller, dessen werk nicht gedruckt wurde, sei es aus politischen gründen oder tatsächlich aus materialknappheit, deshalb nicht in wirtschaftliche not geriet, weil er dann ein ausfallhonorar bekam.

Im buchladen zu stehen und nicht das zu bekommen, was man gern hätte, war keinesfalls ein »privileg« des DDRbürgers. Daß bücher vergriffen sind, nicht neu aufgelegt werden und man an die texte, die von interesse sind, einfach nicht rankommt, kommt bis heute vor. Ohne staatlichen »giftschrank«.

Montag, 14. Januar 2013

Foto am montag (37)

P1120737
Dem afrikanischen strauß (struthio camelus) begegnet man hier eher selten in grünanlagen. Es sei denn man kiekt beim zoo übern zaun.

Sonntag, 13. Januar 2013

Revolutionsdenkmal

P1010297

Das revolutionsdenkmal im hinteren teil des Friedhofs Friedrichsfelde wurde am 13. juni 1926 enthüllt und im januar 1935 abgerissen.

Auf der tafel steht:

AUF DIESEM FUNDAMENT
STAND DAS
REVOLUTIONSDENKMAL

FÜR KARL LIEBKNECHT
ROSA LUXEMBURG
UND VIELE ANDERE
REVOLUTIONÄRE KÄMPFER
DER DEUTSCHEN ARBEITERBEWEGUNG
1926 ERRICHTET VON DER
KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS
NACH PLÄNEN VON LUDWIG MIES VAN DER ROHE

1935 VON DEN FASCHISTEN ZERSTÖRT

Samstag, 12. Januar 2013

1-€-blog-klassiker: Swinemünder Brücke

Weil es den besonderen wunsch gab, ich solle noch mal den artikel von der »millionenbrücke« bringen, will ich mal so sein. Der originalartikel erschien mitte juli 2008.

In Berlin gibt es viele brücken. Die wahrscheinlich bemerkenswerteste von ihnen ist die Swinemünder Brücke inmitten des Weddings. Sie führt östlich des bahnhofs Gesundbrunnen über Ring- und Nord-Süd-Bahn, verbindet die Swinemünder Straße mit der »plumpe«. Im Berliner jargon heißt diese brücke auch »millionenbrücke«, nicht nur, weil sie nicht ganz billig gewesen ist, sondern auch der millionen nieten wegen.


Erstaunlich ist, daß diese aufwendige konstruktion zwei an sich bedeutungslose nebenstraßen verbindet.

Ungefähr alle drei wochen kommt es vor, daß die brücke gesperrt wird, weil wieder ein film produziert werden muß, der belegen soll, daß die DDR eine grenze hatte. Und natürlich auch, daß es dort fortwährend regnete.

Und während der kinobesucher sich ordnungsgemäß darüber aufregt, wie unmenschlich der realexistierende sozialismus doch gewesen ist, merkt er nicht, daß soeben weitere wohltaten des kapitalismus beschlossen werden. An den negativen auswirkungen ist dann im zweifelsfall der sozialstaat schuld, der einfach zu viele »leistungsunwillige« mit durchschleppt.


Am rechten bildrand kann man hier erkennen, daß die mauer wieder hochgezogen wird. Das hier ist mitten im Wedding, an dieser stelle hat es nie eine mauer gegeben. In zahlreichen filmen durfte die Swinemünder Brücke mitwirken. Aber allein im film »Wedding« (BRD 1989) konnte sie einfach sie selbst sein, ansonsten muß sie immer die Böse Brücke (grenzbrücke zwischen Prenzlauer Berg und Wedding) oder die Glienicker Brücke (völlig absurd und ganz andere gegend) spielen.

Dem zuschauer soll suggeriert werden, der film sei an »originalschauplätzen« gedreht worden. Für eine einfache brücke ist es zwar eine erstaunliche schauspielerische leistung, so viele »originalschauplätze« darstellen zu können, aber: wer grenzverläufe fälscht, fälscht auch geschichte.


Mittwoch, 9. Januar 2013

Im dom donnerts

Seit einigen wochen soll es im Kölner Dom donnern. Wahrscheinlich grollts, weil der stop zur aufklärung des mißbrauchs nicht gottgewollt ist. Weil ich nicht an »den da oben« glaube, kann ich nicht wissen, was »er« sich denkt.

Laut WDRbericht soll es an der neugebauten u-bahn-linie 5 liegen, bei deren bau es anfang märz 2009 zu einem wassereinbruch kam. Die folge war, daß das Kölner Stadtarchiv einstürzte. Da mußte ich an die baupannenfreudigen Berliner denken. Hier wird derzeit auch an der u-bahn gebaut, zufällig ist es auch die linie 5, und sie wird auch direkt am dom vorbei fahren.

P1010093
In diesem gebäude
haben sie leichen im keller


Wird der Berliner Dom nun doch noch im morast versinken, wie man es vor dem abriss des »Palastes der Republik« befürchtete?

Falls nicht, stelle ich es mir sehr stimmungsvoll vor, wenn es in der hohtzengruft ununterbrochen rumpelt wie in der hölle.

Ich bin äußerst zuversichtlich, daß die hauptstadt das provinzdorf Köln in punkto »fehlplanung« locker übertreffen kann.

Dienstag, 8. Januar 2013

1-€-blog-klassiker: Biodiesel nicht schuld am hungerproblem, sondern die gefräßigkeit der Inder

Laut A. Merkel ist nicht die gier der reichen nach biodiesel daran schuld, daß lebensmittelknappheit für hohe preise auf dem weltmarkt sorgt, sondern das zweite frühstück der Inder.
In diesen Monaten ist eine der wesentlichen Diskussionen in Indien das „second meal“: Man isst zweimal am Tage. Wenn das von den über einer Milliarde Indern plötzlich jeder dritte tut, dann sind das also über 300 Millionen Menschen – das entspricht einem großen Teil der Europäischen Union. Wenn die Inder plötzlich doppelt so viele Nahrungsmittel und dann auch noch ganz andere als früher verbrauchen und wenn plötzlich 100 Millionen Chinesen beginnen, Milch zu trinken, dann verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere.
(Angela Merkel)
Ob frau Merkel, seit dem ihr das klargeworden ist, auf ihr zweites frühstück verzichtet?

Ich halte es eher mit Horst Hannibal Schmidt: »Es hungere, wer die moral dazu hat!« Mein mitleid mit den notleidenden autos hält sich in grenzen.


***




Weil gestern der steinbrück dran war mit ollen kamellen, an die er sich vermutlich nicht erinnern kann, heute etwas nettes über die pfarrerstochter. Frisch aus der mottenkiste des 1-€-blogs, diesmal allerdings garniert mit einem hübschen videoschnipsel, den ich damals noch nicht hatte.

Zwar schon fast ein jahrfünft alt, aber nichts hat sich seit dem geändert.

Montag, 7. Januar 2013

Foto am montag (36)

Bitte nicht schlucken!

Erdkröte



Eine erdkröte bufo bufo. Für dies jahr rate ich dringend davon ab, (weitere) kröten zu schlucken. Keinesfalls ist die kröte das häßlichste tier der »schöpfung«, wie es in einem dicken buch geschrieben steht. Ich habe schon weitaus schlimmeres sehen müssen.

Anmerkung: Anklicken der beiden links auf eigene gefahr. Die beiden verlinkten bilder stammen nicht von mir, sondern sind teil der wikipedia

Forderung des vortragsmillionärs

Laut tagesschau hat der kanzlerkandidat der SPD einen flächendeckenden mindestlohn von 8€50 gefordert.

Damit käme man bei einer 35stundenwoche, wie sie einst nicht nur von den gewerkschaften, sondern auch von der SPD gefordert wurde auf einen wochenlohn von 297€50, also ungefähr 1310 € brutto im monat.

Weil dank der SPD-politik die 35stundenwoche kaum noch ein thema ist, und vollzeitbeschäftigte meist 40 stunden arbeiten »dürfen« betrüge der wochenlohn 340 €, was dann auf ungefähr 1560 € bruttomonatslohn hinausliefe. Soll man der SPD dafür dankbar sein?

Auf seiner internetseite hat der kanzlerkandidat der SPD seine nebeneinkünfte
offengelegt. Das höchste honorar, das für einzelne vorträge gezahlt wurde beträgt 25000 €. Ein zum mindestlohn von 8€50 beschäftigter würde hierfür nicht einen tag oder, weil ein vortrag auch vorbereitet werden muß, eine woche oder vier wochen zeit aufwenden, sondern rund 73 1/2 wochen. Im jahr 2010 hat der kandidat 551722€69 nebenher verdient. Der zum geforderten mindestlohn arbeitende würde hierfür rund 1623 wochen, also etwas mehr als 31 jahre arbeiten.

Im grunde ist es egal, was der herr Steinbrück womöglich auf seinem konto hat. Nur ist es verwunderlich, wie man solche beträge neben einer vollzeit-stelle verdienen kann. So liegt der verdacht nah, daß es sich um nicht-seriöse arbeit handeln könnte - zumindest ich kann mich erinnern, daß wir in der schule von unseren lehrern vor nicht seriöser arbeit gewarnt wurden, zu der man mit kaum vorstellbar hohem salär gelockt würde, dann jedoch etwas anderes verkaufen müsse, als bloß arbeitskraft.

Wenn man auf seiner internetseite unter »warum ich kanzler werden will« guckt, findet man weitere schöne versprechungen, die allesamt kein gutes leben versprechen.

Und überhaupt? Was sind denn wohlklingende versprechungen der SPD wert?

2005 gelobten sie im wahlkampf, nie und nimmer die mehrwertsteuer zu erhöhen, das sei »merkelsteuer«. Nach der wahl, der hier benannte spitzenkandidat war finanzminister, wurde die mehrwertsteuer weiter erhöht, als vom koalitionspartner CDU im wahlkampf gefordert. Da ist es ratsam, sicherheitshalber überhaupt nichts zu glauben.

Natürlich stellt sich die frage, ob ich möchte, daß die pfarrerstochter kanzler bleibt. Will ich nicht.

Wenn ich eine wahl hätte, würde ich am 22. september (voraussichtlicher termin der bundestagswahl) anstatt einer regierung eine schöne darmgrippe wählen: da hat man gute aussichten, daß man sie schnell los wird und es einem hinterher besser gehen wird, während das mit dem regiert werden von vorn herein auf endlose scheiße hinausläuft.

Nachtrag: link funktioniert jetzt wieder (7.januar 13, 14:07)

Donnerstag, 3. Januar 2013

Guten morgen, Du schöne

Heute wäre Maxie Wander 80 Jahre alt geworden. Leider verstarb sie bereits 1977 an krebs.

Ihr buch, in welchem sie frauen nach ihrem lebensweg befragte, habe ich mit großem interesse gelesen. Und dabei festgestellt, daß wir, die gleichberechtigung betreffend, heute noch lange nicht auf dem niveau der DDR sind.

Für mich ein indiz, daß der hiesige feminismus nichts taugt.

Dienstag, 1. Januar 2013

Kalender 1913 - Januar

Der Reiche klappt den Pelz empor,
und mollig glüht das Ofenrohr.
der Arme klebt, daß er nicht frier,
sein Fenster zu mit Packpapier.
Erich Mühsam

Vor hundert jahren schrieb Erich Mühsam das gedicht »Kalender (1913)«.
Um an Erich Mühsam zu erinnern, gibt es in diesem jahr jeden monat den kalenderspruch - natürlich, um darüber nachzudenken, was sich in den vergangenen hundert jahren gesellschaftlich getan hat.

Erich Mühsam wurde 1934 im KZ Oranienburg von den faschisten ermordet.