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Dienstag, 19. Januar 2021

Ironie des schicksals

Ein hirnamputierter idiot hat seinen hund mit einem hakenkreuz gebrandmarkt, weshalb angeordnet wurde, das tier einzuschläfern. Deshalb haben tierfreunde eine petition gestartet, damit der hund nicht getötet wird. Und dann passiert das:
Der hakenkreuzhund findet ausgerechnet 88 unterstützer.

Freitag, 5. Juni 2020

Brennpunkt


An sich bin ich nicht unbedingt ein fan von Caroli Kebekus aber ihren »Kebekus-Brennpunkt zum Thema Rassismus«, in welchem sie menschen mit Afrikanischen wurzeln selbst zu wort kommen läßt, finde ich gar nicht verkehrt.


Sonntag, 8. März 2020

Equal care day

An sich paßt das thema zum weltfrauentag: der »equal care day« soll daran erinnern, daß männer auch heute noch meist in puncto fürsorgearbeit stark benachteiligt sind. Und so findet dieser gedenktag sinniger weise immer am 29. februar, also nur alle vier jahre, statt, weil männer im schnitt vier jahre benötigen, um auf die selbe anzahl stunden an häuslicher arbeit zu kommen, die frauen im durchschnitt jährlich leisten.

In einem kommentar von Barbara Vorsamer zu dem thema, in welchem es offenbar um »gleichberechtigung« gehen sollte, habe ich jedoch einige ungereimtheiten gefunden. Beispielsweise folgendes:
Zitat: »In der Volkswirtschaft ist produktiv, wer ein Essen kocht und es dann verkauft. Wer ein Essen umsonst für seine Familie kocht, existiert in diesem Sinne nicht. Das verstärkt die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.«
Das stimmt schon einmal von daher nicht, daß es in unserer kapitalistischen volkswirtschaft nicht ausreicht, »essen zu kochen und zu verkaufen«, sondern daß man mit seiner tätigkeit dann auch noch für einen firmeninhaber einen gewinn erzielen muß, ansonsten findet die arbeit gar nicht erst statt aber das nur nebenher. An sich ist man schon produktiv, wenn man umsonst, also kostenlos für angehörige kocht, andernfalls würde es hinterher nichts geben, bloß gibt es dafür kein geld. Da gibt es keine ungleichheit zwischen den geschlechtern, ein mann bekommt für das familiebekochen ebenso keinen lohn, es gibt diesen merkwürdigen unterschied zwischen arbeit und arbeit.
Zitat: »Um das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern aufzulösen, hat sich die Bundesrepublik eine Familienpolitik verschrieben, die Mütter genau wie Väter in der Berufstätigkeit hält. Das ist nicht verkehrt, es löst aber offensichtlich das Problem nicht. Und auch wenn sich ein gut verdienendes Großstadtpaar die Arbeit unter Einsatz von Erzieherinnen, Putzfrau und Pizzaboten untereinander gerecht aufteilen kann: Wer unterdurchschnittlich im Kindergarten, in der Gebäudereinigung oder beim Lieferdienst bezahlt wird, kann es sich kaum leisten, die eigene Fürsorgearbeit weiter zu delegieren. Die kommt einfach noch oben drauf.«
Die familienpolitik ist ganz bestimmt nicht dafür gedacht, das ungleichgewicht zwischen den geschlechtern aufzulösen, sondern um ein bürgerliches familienmodell zu fördern. Immerhin: alleinerziehende werden unabhängig vom geschlecht benachteiligt, das ist selbstverständlich eine tolle auflösung der ungleichbehandlung. Und je ärmer man ist, desto weniger hat man von dieser tollen familienpolitik.
Zitat: »Welche Maßnahme hier mehr Gerechtigkeit schaffen könnte - das bedingungslose Grundeinkommen, die 20-Stunden-Woche, Gehälter für Hausfrauen oder etwas ganz anderes - muss endlich umfassend und intensiv diskutiert werden.«
»Herdprämie« wurde bereits diskutiert und das BGE kann man durchaus als eine »herdprämie für alle« betrachten, die es gibt, ob man sie braucht oder nicht. Eine 20-stunden-woche könnte hingegen ein ansatz sein.
Zitat: »Ökonomie ist definiert als Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen dienen.«
Leider ist in unserem wirtschaftssystem weniges planvoll und an der befriedigung der bedürfnisse des menschen ist die ökonomie hier auch nicht ausgerichtet.
Zitat: »Die Fürsorge für andere wird oft als Liebes-Job interpretiert, an den man nicht die materiellen Maßstäbe der "echten" Wirtschaft legen solle. Es ist schön und notwendig, dass Menschen Dinge tun, für die sie nichts bekommen.«
Wenn es schön und notwendig ist, daß menschen dinge tun, für die sie nichts bekommen, wäre es dann nicht gut, wenn das immer gelten würde und zwar für alle?

NIEDER MIT DER LOHNARBEIT!

Dienstag, 4. Februar 2020

Bienensterben

Ein vortrag zum thema bienensterben von Robert Brodschneider von der uni Graz. Für interessierte menschen bietet der vielleicht nicht viel neues, aber weil viele leute glauben, daß man sich sorgen machen müßte, weil die honigbiene auf dem aussterbebett liege, möchte ich darauf aufmerksam machen.

Das bienensterben gibt es. Allerdings betrifft es wildbienen, die mit veränderten klima- und umweltbedingungen nicht klarkommen - andere hingegen scheinen davon zu profitieren. Ich erinnere an mein mittsommerrätsel vom letzten jahr, dessen auflösung die blaue holzbiene war. Hatte ich vorher nie gesehen.

Dienstag, 28. Januar 2020

Die drohungen des käpt’n plattfuß (teil 2)

Fortsetzung

Im zweiten und letzten teil gibt es ein paar originalschnipsel aus dem interview mit Hasso Plattner, die im Digitec Podcast der FAZ nachgehört werden können.

[8:11]Hasso Plattner: »Jetzt ist es aber so, daß noch nie in der geschichte der menschheit einzelne so schnell, also kleine gruppen so schnell etwas bauen können, damit erfolgreich werden können wie in der software. Selbst in der hochphase des automobilbaus, wo es also -zig automobilfirmen gegeben hat, das war nicht so einfach ein auto zu bauen, einen betrieb aufzubauen, in die massenproduktion zu gehen. Das ist in der software unvergleichlich viel einfacher, weil die vorabinvestitionen relativ gering sind.«
Das stimmt auffallend, daß man heutzutage mit relativ geringer investition software entwickeln kann. Computer sind heute für die meisten menschen in den industriestaaten eine selbstverständlichkeit - und jeder der einen computer besitzt, hat im prinzip das produktionsmittel für softwareentwicklung in der hand. Er muß »bloß« programmieren lernen und ideen haben. Aber nicht jeder der programmieren kann, hat ideen. Und nicht jeder, der ideen hat, hat den geschäftssinn, andere abzuzocken und damit reich zu werden. Ansonsten gäbe es wohl keine open source software.

Der vergleich mit der autoindustrie ist ziemlich schräg. Regnet es manna vom himmel und materialisieren sich autos dank ausgefuchster software einfach von selbst oder müssen die im jahr 2020 noch irgendwo hergestellt werden? Ich habe den verdacht, daß letzteres zutrifft, denn ein gewisser Elon Musk hat letztens rund 41 millionen in den Brandenburger sand gesetzt, weil er dort elektroautos produzieren will. Exkurs: Das war sicherlich ein schnäppchenpreis. Allerdings ist noch lange nicht gesagt, daß da jemals irgendwas produziert wird, wasserschutzgebiet und alles. Hat herr Musk dies gelände jemals gesehen? Ich hingegen bereits vor einigen jahren schon, in der gegend steppt der bär, mein fahrrad blieb im sande stecken. In Brandenburg liebt man gescheiterte großprojekte. Nicht produzierte riesenluftschiffe (Cargolifter) und ein ganz leiser großflughafen (BER) sind nur ein paar beispiele. Eine unsichtbare giga-autofabrik paßt gut in diese sammlung.
[11:11]Hasso Plattner: »Das land ist finanziell [...] ein wie auch immer definiertes grundleben mit grundgesundheit, grundeinkommen, grund- äh,äh,äh-wohnung zur verfügung stellen...«
Das klingt erstmal nett, daß an die grundbedürfnisse aller gedacht werden soll - nur hat er ja bereits betont, daß er nicht bereit ist, dafür mehr steuern zu zahlen. Der plebs soll sich selbst finanzieren - das ist eine sehr schäbige idee: erst läßt man die menschen gegeneinander konkurrieren und am schluß nimmt man den gewinnern was weg, um es auf alle zu verteilen. Besonders gut scheint Plattner über seine mitmenschen zu denken:
Hasso Plattner: »Es wird passieren oder es ist jetzt so, daß große teile der bevölkerung, vielleicht 30%, vielleicht mehr, nicht mehr sich beteiligen können an dem wertschöpfungsprozeß...«
Warum können die sich denn nicht am wertschöpfungsprozeß beteiligen? Doch nicht, weil sie zu dumm dafür wären, sondern weil es in einem konkurrenzsystem verlierer geben muß. Man könnte ebensogut alle am wertschöpfungsprozeß beteiligen, indem man die vorhandene arbeit auf alle verteilt, das hätte den vorteil, daß alle eher feierabend machen können. Das paßt nur schlecht mit Plattners lebensunterhalt zusammen.
Hasso Plattner: »...die können sich nicht beteiligen, weil sie mit noch so viel schulung sie nicht das talent haben dazu. Man kann die fußballspieler, die in der 5. liga spielen noch so viel trainieren, daraus werden keine bundesligaspieler.«
Für einen großteil der berufe, die man ausüben kann, benötigt man nicht besonders viel talent. Glaubt herr Plattner, daß die fachverkäuferin an der wursttheke besonders talentiert sein muß, um blutmagen von kartoffelwurst unterscheiden zu können? Auch software-entwickler wird man nicht unbedingt des talents wegen. Um das zu sehen muß man sich bloß einmal mit Plattners lieblingsprogramm SAP-ERP (fachpersonal weiß, daß das die abkürzung für Schlechtes Anwender Programm - Eine Regelrechte Plage ist) befassen. Aber dafür benötigt man tatsächlich talent, denn sonst hat meine keine freude an diesen künstlerisch wertvollen eingabemasken. Sonst muß man nicht viel können, bloß lesen, schreiben, rechnen und vielleicht noch etwas von betriebswirtschaft verstehen. In der 1. Bundesliga muß man dafür nicht kicken, man muß sich nicht einmal für fußball interessieren.

Und die normalen leute, die heute für eine fachausbildung oder sogar ein studium tauglich sind, sollen dafür zukünftig einfach zu doof sein?

Aber es kommt noch besser:
[21:42]Hasso Plattner: »daß wir eine ungehemmte und unkontrollierte informationsverteilung in der welt jetzt haben, die sehr zum nachteil der kultur, der sicherheit und der politischen meinungsbildung funktioniert. Also Sie müßten hier jetzt eigentlich auftreten und sagen wie kann information in der welt verteilt werden, ohne daß die vor- und nachbearbeitung der professionellen journalisten da ist. Das ist ja fürchterlich, was jetzt über das internet verbreitet werden kann und sich durch ganz andere kanäle explosionsartig in ganz kurzer zeit verbreiten kann. Ohne jede kontrolle, ohne jedes sachliche hinterfragen.«
Herr Plattner traut auch hier seinen mitmenschen nicht übermäßig viel zu: leider sind wir alle nicht bloß zu doof, am werschöpfungsprozeß teilzunehmen. Wir sind obendrein zu blöde für’s internet, weil wir jeden mist glauben und den dann auch noch unhinterfragt weiterverbreiten.

Die unkontrollierte informationsverteilung in der welt haben wir nicht erst jetzt, sondern seit ca. mitte der 90er jahre. Und auch damals wurde bereits vom untergang der kultur geredet, weil jeder mitmachen könne, den größten blödsinn sehr schnell zu verbreiten und manch einer jede höflichkeitsform in der vermeintlichen anonymität vermissen lasse. Damals besuchte ich ein seminar, in welchem wir darüber diskutierten, wie man betrügern im internet aus dem weg geht oder auch falschmeldungen - »fakenews« gab es damals auch schon, die hießen bloß anders. Oder wie man seriöse quellen im internet erkennen kann. Das fazit war, daß insgesamt mehr für bildung getan werden muß, damit die leute das neue medium vernünftig nutzen können. Weil sich seit dem an den problemen mit der benutzung des internets nicht übermäßig viel geändert hat, ist wohl nicht genug für bildung getan worden. Bei Amerikanischen präsidenten, beispielsweise.

Herr Plattner allerdings hat offensichtlich kein besonders freundliches bild von seinen mitmenschen - im vergleich zu ihm sind wir alle konkurrenzversager, uns ist nichts besseres eingefallen als SAP. Folglich müssen wir kontrolliert werden, weil wir dumm sind.

Dienstag, 26. November 2019

Volksbegehren für BGE gescheitert

In Österreich gab es in der vergangenenn woche ein volksbegehren für das bedingungslose grundeinkommen. Anstatt der erforderlichen 100.000 unterschriften kamen aber nur 70.000 zusammen.

Recherchen des 1-euro-blogs zufolge war der initiator des volksbegehrens ein geistheiler aus Graz.

Samstag, 13. Juli 2019

Dümmer geht ümmer: solidarisches grundeinkommen

Nach etwas längerer abstinenz von meinem lieblingsthema »grundeinkommen« mal wieder etwas neues. Sämtliche modelle des »grundeinkommens« seien sie nun »bedingungslos« oder nicht, sind schäbig. Aber das erbärmlichste kommt, wer hätte es ahnen können, natürlich von der SPD und soll ab sofort in Berlin eingeführt werden.

Oh jubel! Auf den neuaufguß der ABM haben alle langzeitarbeitslosen schon lange gewartet, endlich wieder als arbeitnehmer dritter klasse wenigstens malochen zu dürfen!

Die stadt hat jahrelang öffentliche stellen im gemeinnützigen bereich abgebaut und jetzt sollen zur abwechslung einmal wieder langzeitarbeitslose zum schundlohn die lücken füllen. Mindestlohn oder gar tarif soll es geben, sofern es einen gibt. Das hört sich nahezu gut an, sofern man die ABMwohltaten kennt, die es vor einigen jahren in Berlin gab, bei denen bruttolöhne unter 1000€ oder nur knapp darüber als völlig normal galten. Bei vollzeit beim aktuellen mindestlohn von 9,19€ erhält man einen bruttolohn von ca. 1600€.

Und was bleibt davon übrig? 1.181€20, sagt der brutto-netto-rechner:

Sehr schön ist hier die werbung für die Riester-Rente in der mitte. Klar, wer dermaßen üppig verdient, hat ganz gewiß im monat 175 € im monat für eine windige geldanlage über, um später nicht als armutsrentner zu enden. Schließlich hat man auch geld für eine eigentumswohnung, ein auto, das fährt, eine Montgolfière, eine segelyacht. Und einen außenbordmotor.
Ist das anständig bezahlt?

Ich meine, nein.

Der arbeitsmarktexperte Jürgen Schupp meint, ja. Im interview mit der Zeit
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Die Jobs sind nicht toll bezahlt, aber auch nicht prekär. Ich halte sie für ein faires Angebot.«
Es ist immer wieder schön, wenn irgendwelche professoren, die sehr bequem auf ihren lehrstühlen hocken darüber sprechen, welche arbeitskonditionen sie für andere als »nicht prekär« einstufen.

Einem bericht des rbb zufolge liegt die armutsgefährdungsschwelle (tolle wortschöpfung) in Berlin aktuell bei 1.215€ und meinen bescheidenen berechnungen zufolge liegt der betrag von 1.181€20 leider irgendwie darunter. Und der herr professor meint, daß man in der situation, in der man als »armutsgefährdet« gilt, nicht irgendwie »prekär« beschäftigt wäre. Schöne ansicht. Obendrein ist der mann dann auch noch unredlich, indem er dinge vergleicht, die man so nicht vergleichen kann:
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Das sind je nach Tarif ungefähr 1.200 Euro netto und damit deutlich mehr als der Hartz-IV-Regelsatz von 424 Euro.«
Einmal den nettoverdienst vor abzug der wohnkosten und einmal den regelsatz nach abzug der wohnkosten. Mich erinnert das an diesen schlauen professor, der vor jahren behauptete, man könne billigschuhe für 10€ 20 jahre lang tragen. Sicher, wenn man 40 paare davon hat, könnte es möglich sein. Ansonsten: knifflig.

H4empfänger bekommen im durchschnitt in Berlin im schnitt 916€. Das bedeutet, daß sie 424€ regelsatz für sich und 492€ für ihren vermieter erhalten. Wenn man das Solidarische Grundeinkommen mit h4 vergleichen möchte, muß man also entweder 1.181€20 mit 916€ vergleichen oder, sofern man davon ausgeht, daß die leute die gleiche miete zahlen müssen, oder 689€20 mit 424€. Man hat also mit arbeit 265€20 mehr als ohne.

Da steht man mit dem Solidarischen Grundeinkommen noch beschissener da, als man es mit der ABM war, wo man meist so schlecht verdiente, daß man aufstocken mußte: Da wurde für gewöhnlich so aufgestockt, daß man für gewöhnlich knapp 300€ mehr hatte als ohne arbeit. Plus: mit dem niedriglohn in der ABM bekam man auch den »Berlinpass«, mit dem man den ÖPNV billiger nutzen kann (aktuell 27€50 statt 81€), günstiger ins schwimmbad kommt, bibliotheken nutzen kann, äußerst preisgünstig ins theater und sogar in die oper gehen kann, sofern es kurz vor beginn restkarten gibt. Auch diese nicht unbedingt schönen verhältnisse noch zu verschlechtern ist klassisch SPD. Bei so schönen maßnahmen wundert man sich glatt, daß keiner, der bei trost ist, die noch wählt.

Wenn es im öffentlichen bereich an arbeitskräften mangelt, dann wäre doch beispielsweise eine steile lösung, leute, die dafür geeignet sind auszubilden, umzuschulen oder fortzubilden und ganz normale stellen auszuschreiben, auf die ein jeder sich bewerben kann.

Es ist klar, wer sich beim Solidarischen Grundeinkommen mit wem solidarisieren soll. Umgangssprachlich sage ich dazu »küss die hand, die Dich schlägt!«

Keine wohltat für arme, sondern auch wieder nur maßnahme, etwas zu kaschieren anstatt es zu bewältigen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Wo Harald Lesch irrt

An sich schaue ich mir die sendungen mit Harald Lesch recht gern an, weil er es immer wieder schafft, auch komplizierte dinge verständlich und sogar unterhaltsam zu erklären. Auch betreibt er gemeinsam mit anderen wissenschaftlern die interessante internetseite »urkall, weltall und das leben.«

Allerdings scheint er in bezug auf das BGE einem irrtum aufzusitzen:



Den für das thema wichtigen text aus dem video habe ich mitgeschrieben.
Harald Lesch: »Wir leben in einer zeit, in der die ökonomie immer mehr und mehr unsichere arbeitsverhältnisse produziert. Diese unsicheren arbeitsverhältnisse führen zu unsicheren leben, zu unsicheren perspektiven, zu unsicheren beziehungen, zu unsicheren menschen. Es gibt nichts besseres als sicherheit für einen menschen, wenn er weiß, ich kann in die zukunft vertrauen.

Vertrauen - und da muß man die Deutsche Bank zitieren - ist der anfang von allem.
Und je mehr mißtrauen gesäht wird und je mehr mißtrauenskontrolle der fall ist, desto mißtrauischer werden die menschen, nicht nur den anderen gegenüber, sondern auch sich selber gegenüber. Das heißt, das ist eine zerstörung von selbstbewußtsein, die da stattfindet.

Und man könnte durch ein bedingungsloses grundeinkommen zunächst einmal dafür sorgen, daß ein erheblicher teil von diesem erosionsprozeß, den ich an allen ecken und enden beobachte, vor allen dingen auch in den wissenschaften beobachte, könnte man stoppen. Ob das ein soziales allheilmittel ist, das wage ich nicht zu sagen.

Ich weiß nur, daß menschen, wenn sie diesen punkt erreicht haben, daß sie wissen, okay, ich muß mich in den nächsten sechs monaten, in den nächsten drei jahren nicht um eine neue stelle kümmern, ich kann endlich mich mal entfalten.

Es gibt die eine variante, daß die leute faul werden. Ich glaube aber nicht an die. Das ist, was ich in meinem direkten, professionellen umfeld überhaupt nicht beobachte, daß diejenigen die eine dauerstelle haben sich da in die hängematte begeben. Das kann ja sein, das müssen wir dann aushalten.

Das andere aber ist, daß ein erheblicher teil namentlich der jüngeren bevölkerung mit einem ganz anderen gefühl in ihr leben starten würde, statt immer nur zu gucken, mensch, wo kriege ich die nächste mark her und immer an der kante der existenz herumkratzen zu müssen. Das halte ich, gerade, wenn es um so wissenschaftliche stellen geht, halte ich das für einen skandal. Das in einem land wie Deutschland, in den geisteswissenschaften ist es ganz besonders schlimm, unsere studentinnen und studenten von einem dreimonatsvertrag zum nächsten gehandelt werden. [...] Es kann nicht sein, es handelt sich dabei ja nicht um zwangsmaßnahmen, daß es wirklich nötig wäre, aber wir haben es uns so angewöhnt, daß alle bereiche voll durchökonomisiert werden und durch diese durchökonomisierung erzeugen wir selbst da, wo es eigenlich gar keinen wettbewerb geben dürfte, erzeugen wir wettbewerb.

Wettbewerbsdruck an universitäten ist völliger schwachsinn. Die universitäten sind per definition einrichtungen auf der suche nach wahrheit. Die suche nach wahrheit ist keine bundesligasaison. [...] Das allerletzte, das wir brauchen können ist wettbewerb. Wenn man sich das heute anschaut, mit diesen ganzen exzellenzinitiativen etc., wie die gegeneinander konkurrieren. Die kolleginnen und kollegen reden nicht einmal mehr miteinander, weil sie wissen, mensch, wenn ich dem das jetzt sage, dann schreibt der das in seinen antrag mit rein [...] was für ein schwachsinn! [...] Und ständig müssen die leute überwacht werden. Manchmal denke ich, ich bin bei der NSA [...], vertrauen ist eine wichtige sache. [...] Das ist auch eine frage der sprache, die wir benutzen. Das bedingungslose grundeinkommen könnte ein interessanter versuch werden. Warum nicht?«
Er sagt sehr viel richtiges. Allerdings zieht er den falschen schluß, daß man mit einem BGE so etwas wie sicherheit für die leute schaffen könnte. Und seine frage »warum nicht?« kann man mit »weil dieser schuß nach hinten losgehen würde« beantworten.

Es gibt noch ganz andere, die auch gern ein BGE einführen möchten, wenngleich auch aus weniger menschenfreundlichen gründen. So sagte Frauke Petry, damals noch AfD, wenige tage vor der bundestagswahl im interview mit der Leipziger Volkszeitung:
Frauke Petry: »Wir brauchen einen starken Staat, wenn es um die Sicherheit und die Bürgerrechte geht – ansonsten hat sich der Staat aus dem Leben der Menschen herauszuhalten, das betrifft insbesondere auch die Wirtschaft. Wir müssen zur freien Marktwirtschaft zurückkehren.«

LVZ: »Das bedeutet, die AfD würde nicht mehr umverteilen?«

Frauke Petry: »Wir halten zumindest die jetzt praktizierte Umverteilung schädlich für den Staat und die Bürger. An die Stelle unseres inzwischen unüberschaubaren Sozialsystems sollte eine aktivierende Grundsicherung treten, die jedem zusteht – die aber nicht auskömmlich sein darf. Jeder könnte sich dann je nach Bedarf etwas dazuverdienen. Der durch Hartz IV verloren gegangene Anreiz, selbst zu arbeiten, muss wiederhergestellt werden. Und insgesamt muss der Staat seine Ausgaben überprüfen: Beim bürokratischen Aufwand, im Steuersystem, auch bei den Familienleistungen. Außerdem sollte jedem klar sein, dass die sozialen Sicherungssysteme den Zuzug nicht verkraften werden – mit den Flüchtlingen steigt ja nicht automatisch die Zahl der Einzahler. Im Gegenteil, nur die Auszahlungen wachsen.«

LVZ: »Das klingt nach bedingungslosem Grundeinkommen.«

Frauke Petry: »Es geht in diese Richtung. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir der Meinung sind, dass allein die staatliche Unterstützung nicht das Leben finanzieren darf. Die Allermeisten, die momentan Hartz IV erhalten, könnten arbeiten, werden aber durch die geltenden Sozialsysteme davon abgehalten. Über eine Höhe der Grundsicherung kann ich noch nichts sagen, aber es könnten geschätzt 600 bis 800 Euro pro Erwachsener sein, bei Kindern anteilig.«
Leider ist das, was Frauke Petry zum BGE sagt erheblich näher an der realität als die wohlmeinden gedanken des herrn Lesch zu dem thema.

Leider muß man tatsächlich davon ausgehen, daß ein BGE, das zum leben ausreichen würde, unserem wirtschaftssystem widerspräche. Es wäre unsinn, die menschen erst gegeneinander konkurrieren zu lassen, um am ende den konkurrenzverlieren einen auskömmlichen anteil zu schenken, also würde es so niedrig sein, daß man davon nicht leben kann. Die folge wäre, daß der beklagte konkurrenzdruck noch härter werden würde und die konkurrenzverlierer endgültig unter die räder geraten würden, es gäbe dann kein soziales netz mehr, das diese leute noch auffangen könnte.

Ein BGE zu fordern bedeutet, die entsolidarisierung der gesellschaft mit weiterer entsolidarisierung bekämpfen zu wollen.

Freitag, 1. September 2017

Wenn Deutsche philosophen in Basel das falsche fragen

Im politischen feuilleton des Deutschlandfunk Kultur fand Philip Kovce, Deutscher ökonom und philosoph, mitautor von Daniel Hänis »Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt« und forscher am Basler Philosophicum, daß grundeinkommen mehr gerechtigkeit und freiheit ermöglichen würde. Das stimmt vielleicht sogar, fragt sich halt nur, für wen es »gerecht« und »frei« zugeht.
Zitat Philip Kovce: »Wer vor 100 Jahren soziale Gerechtigkeit sagte, der meinte damit zugleich: Klassenkampf. Die "soziale Frage", welche die Proletarier und die sie vertretenden Parteien umtrieb, wusste zwischen Freund und Feind eindeutig zu unterscheiden: Der Kapitalist war jenes böse, besitzende Ungeheuer, das seine Arbeiter ausbeutete und sich selbst für Arbeit zu schade war; und die Arbeiter waren jene entrechteten Individuen, die kaum mehr menschlich, sondern vielmehr wie Arbeitstiere oder gar Arbeitsmaterial behandelt wurden.«
Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und offensichtlich fällt es in bürgerlichen kreisen kaum auf, daß die lohnabhängigen sogar mit den gleichen rechten ausgestattet sind, die ihnen halt nur nicht viel nütze sind. Daß auch hierzulande ausbeutungsverhältnisse herrschen, fällt normalerweise nur dann auf, wenn es um ganz böse gemeinheiten geht: beispielsweise, wenn einer für 3€ die stunde malochen muß oder nach einem langen arbeitsleben vom »arbeitgeber« in die armut entlassen wird. Die leute sind in diesem system arbeitsmaterial. Man sollte sich nicht davon täuschen lassen, daß manche noch relativ gut behandelt werden.
Zitat Philip Kovce: »Damit die Arbeiter nicht den Aufstand proben, heckte Reichskanzler Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts schließlich eine Revolution von oben aus, indem er seine schützende, ja, nährende Hand über die zuvor einigermaßen rechtlosen Arbeiter hielt. Sozialversicherungen und Arbeitsschutzgesetze entstammen einer Zeit, in welcher der Staat soziale Gerechtigkeit vorantrieb, indem er der asozialen Ungerechtigkeit des freien Marktes entgegentrat.«
Diese aussage ist an naivität kaum zu überbieten: das Deutsche Reich in gestalt von reichskanzler Bismarck als die nährende hand der arbeiterklasse. Es ging doch nun wirklich nicht drum, der ungerechtigkeit des freien marktes entgegenzuwirken, sondern den sozialistischen widerstand zu zerschlagen. Außerdem war es im interesse des staates die arbeiterklasse als kriegsmaterial zu erhalten.
Zitat Philip Kovce: »All diese "Klassen" treffen sich mittlerweile an der Supermarktkasse und unterscheiden sich vorwiegend nur noch darin, was und wieviel sie einkaufen, und ob sie danach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Zweitwagen nach Hause fahren.«
Was glaubt der mann eigentlich, wie bescheuert die hörer des Deutschlandfunk sind? Oder habe ich etwas verpaßt? Kaufen wir plötzlich alle bei »HO« und »Konsum«? Und selbst in der DDR gab es für die teureren sachen dann noch den »Deli«. Glaubt der, weil heute selbst discounter ein angebot für die mittelschicht anbieten, daß niemand wüßte, daß es zumindest in größeren städten ein angebot für den »gehobenen bedarf« gibt, wo es all das zeug gibt, das sich der normalverdienende mensch nicht leisten kann?
Zitat Philip Kovce: »Während wir also gesellschaftlich immer "gleicher" geworden sind [...]«
- ich sehe nicht, daß es hier in irgendeiner form »gesellschaftlich gleich« zuginge -
Zitat Philip Kovce: »[...]so sind wir zugleich menschlich immer unterschiedlicher, immer individueller geworden. Anstelle klassenkämpferischer Umverteilungspolitik ist deshalb eine kleinkarierte Anerkennungspolitik getreten. Sie will es allen, die sich zu einer relevanten Minderheit zusammenfinden, irgendwie recht machen – und dadurch soziale Gerechtigkeit schaffen. Mehr schlecht als recht. Der Staat ist mit kleinkarierter Anerkennungspolitik dauerhaft ebenso überfordert wie mit großer Klassenkampffolklore.«
Daß unterschiedliche minderheiten ihre interessen anerkannt haben wollen, ist bestimmt nicht das resultat der wunderbaren gesellschaftlichen gleichheit, sondern der konkurrenz der verschiedenen interessengruppen.
Zitat Philip Kovce: »Vielmehr geht es im Zeitalter des Individualismus um neue Ideen, welche die Gesellschaft nicht spalten, sondern vereinen, und den Einzelnen nicht vereinnahmen, sondern befreien. Ein Beispiel dafür: das bedingungslose Grundeinkommen. Es sondert weder die Reichen als Oberschicht aus, noch beschämt es die Armen mit weiteren Almosen. Es gewährt allen das Existenzminimum unbedingt – nicht als Sonderrecht, sondern als Grundrecht.«
Die reichen sind aber auch wirklich in dieser gesellschaft benachteiligt: sie werden als oberschicht, man setze sich bitte, bevor man es liest: ausgesondert.

Das zerstört mich, grundehrlich, am boden!

Und deshalb benötigen wir ein grundeinkommen, bedingungslos. Damit sie bei Butter-Lindner oder Leysieffer in der warteschlange neben den H4empfängern nicht immer so unangenehm auffallen.
Zitat Philip Kovce: »Auf diese Weise befördert das Grundeinkommen nicht nur die Selbstbestimmung des Einzelnen, sondern es verbindet auch zwei sich widerstreitende Ideale: Gerechtigkeit und Freiheit. Deren Zwist hat das 20. Jahrhundert geprägt. Und nun ist es höchste Zeit, dass wieder Frieden zwischen ihnen einkehrt. Das Grundeinkommen ermöglicht dies, indem es beides ist: sozial und liberal. Es ist liberal, weil es bedingungslos ist, und sozial, weil es für alle ist. Es ist für alle gleich – und es ermöglicht zugleich jedem, anders zu sein. So könnte soziale Gerechtigkeit künftig gelingen: indem sie sich mit ihrer Schwester, der Freiheit, versöhnt.«
Mal etwas grundsätzliches: wer ein grundeinkommen will, fordert, daß es not allerorten geben muß, die gelindert werden soll durch ein paar kröten, die auf alle, ob sie nun hilfsbedürftig sind oder nicht, verteilt werden sollen.

Die ungleichen gleich zu behandeln stellt keine gerechtigkeit her, die bedürfnisse sind einfach unterschiedlich. Und freiheit ist ohnehin ein hirngespinnst.

Neu ist an diesen ideen gar nichts, das sind alte ideen der klassischen »neoliberalen«, die immer von der »freiheit« sprachen und damit die märkte meinten, unter deren freiheit die menschen sich dann unterwerfen sollen. Und sich darin gefälligst »frei« fühlen.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Gottschalk und das BGE

An sich sind die BGEwochen des 1-euro-blog beendet. Allerdings wird das thema momentan in den medien öfter diskutiert. Auch der showmaster Thomas Gottschalk, der hauptsächlich durch affige kleidung und schlechte interviews auffiel, hat sich inzwischen für das grundeinkommen ausgesprochen.

So richtig wundern muß einen das nicht. Es kostet nichts, dafür zu sein und immerhin kann man dann auch noch mit wenig geistiger anstrengung für einen guten menschen gehalten werden:
Zitat Thomas Gottschalk: »Ich habe mich immer vor themen gedrückt, die mich selber nicht interessiert haben. Da mußte ich mich bemühen, da mußte ich mich einarbeiten, da mußte ich eine journalistische, sagen wir mal fleißarbeit hinlegen. Wenn ich aber sage -oh, das interessiert mich, auch themen, die mir, die mir gar nicht so liegen, also auch in dieser sendung ist dieses bedingungslose grundeinkommen.«
Die hellste birne war er nie und sich mal in ein thema einzuarbeiten, das etwas anderes als promitalk und seichteste unterhaltung kommt gar nicht in frage. Ist schließlich nicht interessant. Und in all seiner mitmenschlichkeit, daß die einen ihr geld nur verfressen, während die tüchtigen was draus machen würden.
Zitat Thomas Gottschalk: »Wenn irgendeiner erzählt, daß wir so viel an förderungsgelder ausgeben, an studentenförderung, an an kindergeld, an zuschüssen und so weiter und so weiter, das es sich auch rechnen würde, wenn jeder mensch, egal wer, ein grundeinkommen bekäme und da sage ich das ist interessant, das ist in so fern interessant, daß ich behaupte, daß der eine sein grundeinkommen in drei jahren verfünffacht hat und der andere hat’s verfressen. Aber sie hatten irgendwann mal die gleiche chance. Und das interessiert mich. Und ich bin jemand der immer seine herausgehobene situation, sei es im rundfunk, sei es im fernsehen dazu zu nutzen, andere mitzunehmen.«
Da will ich mal hoffen, daß seine durchschnittszuseher nicht zu mitgenommen aussehen werden, wenn das BGE sich durchsetzt, denn die meisten werden zu denen gehören, die ihr schönes BGE gar nicht toll nutzen können und es verfressen müssen. Der erzählt noch den gleichen bockmist, den man über die währungsreform 1948 erzählt hat. Die einen, die tüchtigen hätten was aus ihren 40 mark gemacht, während die anderen das geld bloß verfressen hätten. Damit wird dann erklärt, daß die einen wegen ihrer untüchtigkeit eben selbst schuld an ihrer situation wären, während die anderen halt durch ihre persönliche leistung ganz verdient an ihren reichtum gekommen wären. Daß eben die ungleichen gleich behandelt wurden, wird dabei grundsätzlich ausgeklammert. Nach dem kriege seien schließlich alle arm gewesen. Stimmt nicht. Die einen hatten beispielsweise fabriken oder mietskasernen und die anderen keine arbeit und mußten miete zahlen.

Und das gleiche passiert mit dem grundeinkommen auch: die einen können weiter ihren geschäften nachgehen, weil sie eigentum haben. Und die besitzlosen müssen zusehen, wie sie ihr dasein fristen.

Daran ist überhaupt nichts interessant. Haben wir alles schon gehabt.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Merkels spukschloß

Letztens »Unter den Linden« an der baustelle des hohzenklotzes.
Er: »Kuck Dir dit an, da baunse nen Hohenzollernschloss auf, dit wir nich wollten.«

Sie: »Dit is halt so mitte herrschaft: Dit olle schloß, hattense ooch nich jewollt.«

Er: »Damals, da sin'se nich jefracht wordn, was se wolln, de leute.«

Sie, nahezu kreischend: »Dit is halt so mitte herrschaft. Dit olle schloß, das hattense ooch so nich jewollt. Und heute inne demokratie werdn wa ooch nicht jefracht.«

Er: »Da kannste nüscht machen...«

Sie, plötzlich sehr ruhig: »Aussa warten, dassa wiedeer uffjebaut wird, der Palast der Republik.«

Dem schließe ich mich glatt an.

Samstag, 27. Mai 2017

Ein fall für die anstalt

Insgesamt war die sendung vom 16. mai nicht schlecht. Max Uthoff, Claus von Wagner und gäste haben einmal mehr politisches kabarett über die »schönheiten«, mit denen die lohnarbeitende bevölkerung hierzulande konfrontiert wird, präsentiert.



Gewundert habe ich mich jedoch über das solo von Anny Hartmann. Im video ab ca. 20'40 zu sehen. Die stellen sich auf die bühne reden über die gemeinheiten, die auf dem kapitalistisch organisierten arbeitsmarkt den menschen zugemutet werden und mitten drin wird eine noch größere zumutung, nämlich das BGE gefordert. Weil das 1-euro-blog zufällig gerade »BGEwochen« hat, ist das natürlich ein thema.

Damit niemand die ganze sendung anschauen muß, wenn er nicht will, hat das 1-euro-blog mal wieder keinerlei kosten und mühen gescheut und den text mitstenographiert, damit mein kommentar dazu verständlich ist.
Zitat Anny Hartmann: »Gäbe es ein grundeinkommen, hätte dieses zynische system keine chance.«
Die befürwortung eines grundeinkommens ist bereits die verweigerung, auch nur im traum an ein anderes system zu denken. Das grundeinkommen wird im zweifelsfall leider keine bessere welt bringen, sondern sehr wahrscheinlich etwas noch zynischeres als das, was es jetzt gibt.
Zitat Anny Hartmann: »Grundeinkommen - schön, daß es einige schon kennen, für die, die es nicht kennen, möchte ich es ganz kurz erläutern:

Grundeinkommen hat nichts mit kommunismus zu tun. Ist eigentlich merkwürdig oder? Die leute verwechseln mittlerweile kapitalismus mit demokratie.

Aber grundeinkommen hat nichts mit kommunismus zu tun das ist eins von ein paar modellen, wie man staatsfinanzen aufbauen kann. Wenn man, wie ich volkswirtschaft studiert hat, bekommt man das ganz gleichberechtigt mit anderen modellen beigebracht.

Und funktioniert wie folgt: jeder bürger des staates bekommt ca. 1.500€ monatlich und alles, was er verdient, kommt obendrauf. Jetzt kriegen die ersten schnappatmung - so uuuuhhhhh! - wie soll man das denn finazieren? Wo soll denn das ganze schöne geld herkommen?«
Mit kommunismus hat das leider tatsächlich nichts zu tun. Denn wie man die wirtschaft so aufbauen könnte, daß sie die bedürfnisse der menschen befriedigt, regelt das grundeinkommen nicht.

Und was die höhe des grundeinkommens betrifft, gehen die vorstellungen auch ziemlich auseinander: bei den einen sind beträge von ca. 450 € im gespräch, wo anders von bis zu 2000 €. Man muß bloß überlegen, welche variante wohl wahrscheinlicher ist.
Zitat Anny Hartmann: »Das ist immer der erste gedanke. Kein mensch fragt sich: was könnte das positives bewirken?«
Doch. Das frage ich mich schon seit langem. Und meine antwort auf diese frage ist: Höchstwahrscheinlich gar nichts. Im gegeneil.
Zitat Anny Hartmann: »Ich persönlich glaube, es würde den konkurrenzdruck aus der gesellschaft nehmen.«
Das ist ein weit verbreiteter irrtum über das grundeinkommen. Weil das grundeinkommen eine idee zur rettung des kapitalismus ist, darf man getrost davon ausgehen, daß es dann auch niedrig genug ist, daß auch wirklich möglichst alle zusehen müssen, sich eine gelegenheit zum geldverdienen zu suchen. So gut, wie akute not den menschen in die übelsten arbeitsverhältnisse zwingt, kann das jobcenter das kaum leisten.
Zitat Anny Hartmann: »Dann hätten die leute auch wieder zeit, sich zu entschuldigen, wenn sie einen anrempeln. Oder danke zu sagen, wenn man die tür aufhält [...] Also alles fragen, die man mal stellen könnte oder auch warum wird welche arbeit wie bewertet? Warum verdient ein fußballer das hunderfache einer krankenschwester? Der tut nix, der will nur spielen«
Menschen, die unfreundlich oder einfach schlecht drauf sind, wird es immer geben.

Es stimmt doch gar nicht, daß fußballer gemeinhin das hundertfache einer krankenschwester verdienen würden. Die meisten, die irgendwo in ihren dorfverein kicken gehen, verdienen damit gar nichts, die zahlen mitgliedsbeiträge für ihre vereine.

Und so ein großes rätsel, weshalb spitzensportler so viel geld hinterhergeworfen kriegen, ist es nun wirklich nicht.
Zitat Anny Hartmann: »Sind ja alles fragen, die man mal stellen könnte. Aber die frage ist immer nur - uuuuhhhh! - wo soll das schöne geld herkommen, wie sollen wir das finanzieren?«
Der staat finanziert alles, wovon er sich einen vorteil verspricht. Die Hartz-Reformen sind den staat erst mal teuer gekommen. Das ziel war aber dadurch einen konkurrenzvorteil gegenüber anderen staaten zu bekommen. Dank dumping-löhnen scheißt Deutschland seit jahren den weltmarkt mit waren zu. Das wird übrigens in der sendung in der nummer mit der wippe am schluß recht anschaulich dargestellt.

Zitat Anny Hartmann: »Ich kann Sie beruhigen, das haben viele kluge leute schon durchgerechnet - unter anderem ich in meinem studium, nein, auch andere.

Kleines beispiel, kleines beispiel von vielen, wo geld herkommen könnte: alle behörden, beamten und angestellten, die sich bisher mit der prüfung von bedürftigkeit und schikane von arbeitslosen beschäftigen, die werden überflüssig. Das setzt sehr viele gelder und noch mehr humanität frei.«
Ich möcht wohl meinen, daß es auch ökonomen gibt, die rechnen können. Allerdings ist anzuzweifeln, daß der staat gelder für mehr humanität locker macht.
Zitat Anny Hartmann: »Jetzt gucken mich hier einige an nach dem motto: »okay, vielleicht ist das finanzierbar. Ich kann mir das zwar überhaupt nicht vorstellen, wie soll das gehen, aber andererseits, kleine, rothaarige frau würde Sie doch nicht kackendreist anlügen. Aber gut. Immerhin sind wir in Der Anstalt - die muß doch verrückt sein.«

Wenn doch jeder 1.500€ kriegt, dann geht doch keiner mehr arbeiten. Das ist immer der zweite gedanke: dann geht keiner mehr arbeiten. Deswegen hat man ganz, ganz viele umfragen gemacht, man hat die menschen auf der straße gefragt: wenn Sie 1.500€ im monat bekämen, würden Sie weiter arbeiten gehen? 80% der menschen haben gesagt, sie würden weiter arbeiten gehen. Dann hat man exakt die gleichen menschen gefragt, ob se glauben, daß ihr nachbar weiter arbeiten gehen würde.

Wieviel prozent haben gesagt, ihr nachbar geht nicht weiter arbeiten? 80% natürlich.

Na, klar. Von sich denkt der mensch gut. Vom anderen denkt er schlecht.

»Ich bin der held der arbeit - aber mein nachbar, das is ne faule sau!«

Dabei heißt es so schön, von sich auf andere schließen. Der mensch an sich möchte doch arbeiten.

Der mensch an sich möchte was sinnvolles aus seinem leben machen. Gut - außer bänker, lobbyisten und Heidi Klum.«
Wenn es ein grundeinkommen gäbe, das wirklich zum leben reicht, würde ich natürlich zu den 20% der etwas klügeren gehören, die etwas besseres mit ihrer lebenszeit anfangen könnten, als ausgerechnet lohnmalochen zu gehen.

Mußestunden zu genießen ist schließlich etwas völlig anderes als »nichts sinnvolles« aus seinem leben zu machen.
Zitat Anny Hartmann: »Und das beste konzept, im leben glücklich zu werden ist doch - stellen Sie sich die frage »wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, womit würde ich mich dann beschäftigen?

Also, wenn ich nicht kabarettistin wär, ich wär restaurant-testerin. Und mit dem grundeinkommen können Sie sich diese frage stellen. Sie können sich die frage stellen, wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, womit würde ich mich beschäftigen?«
Wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, säße ich in einer villa mit seeblick und würde mich damit beschäftigen, ob es stilvoller ist, den swimmingpool mit Champagner oder Krimsekt zu befüllen. Außerdem würde ich mir gedanken drüber machen, wie mein personal zu höherer produktivität gezwungen werden könnte.
Zitat Anny Hartmann: »Sie könnten ganz frei überlegen, was sind Ihre stärken, wo liegen Ihre interessen, was sind Ihre talente? Sie können die frage auch umformulieren. Sie können auch fragen, wenn ich keine angst hätte, womit würde ich mich dann beschäftigen?

Und wenn Ihnen dann über pfingsten, da sollen ja auch schon ganz andere erleuchtet worden sein, etwas einfällt, dann wär am besten, auch ohne grundeinkommen, Sie machen das auch jetzt schon.

Ich weiß, es kostet mut und kraft, sein leben zu ändern. Aber wie viel mut und kraft muß es kosten, sein leben lang unglücklich zu sein?

Ich werde ja auch oft gefragt, woher ich den mut und die kraft hatte, meine stelle als diplom-volkswirtin bei der Sparkasse aufzugeben, ausgerechnet, um künstlerin zu werden. Das war ein lebenslang sicherer job und ein festes einkommen. Und ob ich denn jetzt, von meinem job als künstlerin leben könnte? Erstens, ja, das kann ich - ja Sie haben es bezahlt, vielen dank - und zweitens hat mich nie jemand gefragt, ob ich denn mit meinem job leben kann.

Man muß ja nicht nur von, man muß auch mit einem job leben können.«
Das hat mit dem grundeinkommen rein gar nichts zu tun, wenn man mit seinem leben etwas anderes anfangen möchte als bis zum bitteren ende den beruf auszuüben, den man nach der schule mal gelernt hat.

Mit dem job leben zu können würde auch mit grundeinkommen ein luxus sein, den sich die meisten eher nicht leisten können.
Zitat Anny Hartmann: »Und wenn Sie das nicht überzeugt. Ich hab ein argument, da kommen Sie nicht dran vorbei: Denn überlegen Sie mal mit so nem grundeinkommen, da wäre Adolf Hitler maler geblieben.«
Das zieht leider auch nicht. Dem anstreicher ging es nicht ums überleben, sondern um nichts geringeres als die rettung der Deutschen nation.

***

Die BGEwochen des 1-euro-blog sind beendet. Demnächst wird es wieder um andere themen gehen.

Freitag, 26. Mai 2017

Jeder seine eigene gewerkschaft

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, daß jemand allen ernstes glaubt, daß die grundeinkommensbefürwortenden chefs aus menschenfreundlichkeit die position der arbeitnehmer stärken wollten, kommt es noch härter:
Zitat Michael Bohmeyer: »Ich glaube wir brauchen da ein radikales umdenken. Ein grundeinkommen sorgt dafür, daß jeder seine eigene gewerkschaft ist. Und damit viel mächtiger. Wenn ich 1000 € hab, dann muß ich bestimmte jobs nicht mehr machen zu dem geld, wie ichs heute hab. Dann hab ich zum ersten mal einen wirklichen arbeitsmarkt, weil ich ne verhandlungsposition hab mit meinem chef, weil ich nein sagen kann [...]. Dann kann ich sagen, zu dem preis mach ichs nicht mehr. Und dann hat der arbeitgeber verschiedene optionen, entweder er verteilt die arbeit besser oder er bezahlt sie besser, dann kann es sein, daß das einfach teurer wird, saubere toiletten und saubere straßen zu haben, das würde dann auch dem realen gesellschaftlichen wert entsprechen. Und die jobs würden in ein oder zwei generationen total aufgewertet sein, weil wir sagen, wow, Du hast grundeinkommen und machst trotzdem die straße sauber, vielen dank, ich mag saubere straßen. Oder wir kurbeln die digitalisierung an, oder in dem fall die automatisierung, großer unterschied und wir haben viel mehr sich selbst reinigende klos, weil wir können uns nicht mehr leisten, menschen zu bezahlen, anständig, die das für uns machen. Es bringt also, da wo grundeinkommen hinkommt und das erleben wir in unseren experimenten, da entsteht verhandlungsspielraum und da kann man neue fragen stellen, die heute nicht möglich scheinen, weil alles scheint ja so gottgegeben zu sein. Das ist eben so. Nein, das muß nicht so sein, mit nem grundeinkommen können wir dinge neu hinterfragen. Und dann brauchen wir keine kollektivistische organisation mehr, die für mich kämpft, das funktioniert heute eh nicht mehr. Sondern dann bin ich meine eigene gewerkschaft und damit hundert mal effizienter, weil ich nämlich einfach nein sagen kann und deswegen leichter ja sagen kann.«

Zitat Anke Hassel: »Wir haben viele gesellschaften, wo es keine gewerkschaften gibt, wo gewerkschaften noch viel schwächer sind als in Deutschland, wir haben da weniger, daß der einzelne sagt, ich bin meine gewerkschaft. Wir merken schon, daß der einzelne schwächer ist als das kollektiv. Wenn wir auf die geschichte des sozialstaates und auf die geschichte Deutschlands zurückschauen, dann sind die sozialen fortschritte, die errungen wurden durch kollektive errungen worden. Durch menschen, die sich zusammengetan haben und gesagt haben, wir zusammen sagen nein, wozu nicht der einzelne sagt nein.[...] Der einzelne punkt zur verhandlungsmacht. Die annahme, daß mit einem grundeinkommen die verhandlungsmacht des einzelnen steigt. Ich glaube, daß bestimmte jobs dann einfach nicht mehr nachgefragt würden [...] entweder werden solche jobs wegrationalisiert und in manchen bereichen ist das vielleicht auch gut, warum auch nicht? Sie werden auch dort wegrationalisiert wo man sie vielleicht nicht haben wollte[...]. Die vorstellung, daß sich damit die optionen von menschen verbessern, die vielleicht gering qualifiziert sind und trotzdem sich aber dazuverdienen wollen, das diese handlungsmöglichkeit größer wird die ist nicht gegeben.[...] Davon auszugehen, daß für menschen am unteren ende [...] sich der möglichkeitsradius erweitert, das ist nicht unbedingt gegeben.«
Die ideen des herrn Bohmeyer sind an naivität kaum zu überbieten. Ich halte es, ähnlich wie frau Hassel, für eher unwahrscheinlich, daß sich mit dem BGE die möglichkeiten für arme verbessern. Eher im gegenteil. Wahrscheinlich ist sogar, daß sich dadurch auch die lebensverhältnisse für normalverdiener verschlechtern würden, weil dadurch alle sozialleistungen, die man im laufe seines lebens in anspruch nehmen kann, ein für alle mal wegfallen würden.

Noch eine interessante hörermeinung:
Zitat hörer aus Bahrendorf: »Ich wollte sagen, daß ich bisher diesem BGE skeptisch gegenüberstand, aber diese sendung mich davon überzeugt hat, daß ich ein gegner dieses grundeinkommens bin und zwar aus folgenden gründen: erstmal wundert mich, daß solche leute wie von der drogeriekette und die Telekomleute auf einmal dafür sind. Das erklärt sich für mich so, daß, wenn dieses BGE durchgekommen ist, dann gibt es das und sie können für die leute, die sie weiter beschäftigen, die löhne weiterhin senken. Grundlohn ist ja gesichert [...] und wenn das kommt, bin ich sicher, daß es über indirekte steuer, mehrwertsteuererhöhung und so weiter kommt, das ist ja schon in der diskussion, das würde die lebenshaltungskosten erhöhen und würde die ganze problematik dann in die zukunft verschieben, das die leute mit dem geld nicht mehr auskommen. Die andere sache ist die [...] jeder ist seine eigene gewerkschaft. Es individualisiert und meine erfahrung war in meinem leben, daß eine individualisierung nie zu einer verbesserung geführt hat, verschärfung von konkurrenz und solidarisches handeln entgegensteht[...].«

Zitat Michael Bohmeyer: »Sie sprechen das an, daß individualisierung eher zu verschlechterung geführt hat in der vergangenheit. Da stimme ich ihnen total zu, na klar. Wenn in diesem system jeder mensch erwerbsarbeiten muß, um überleben zu können und damit automatisch mit allen anderen um die viel zu knapp vorhandenen bezahlten arbeitsplätze konkurrieren muß, dann führt individualisierung natürlich dazu, daß es schwächere gewerkschaften gibt. Daß es weniger gemeinschaftsgefühl gibt, weil wir alle einander feind sind, weil wir alle überleben wollen. Grundeinkommen ist aber eine andere art der individualisierung. Es ist nämlich kein zwang damit verbunden. Ich glaube, daß der mensch sich in gruppen zusammenschließen möchte. Daß er familien, freundeskreise, gruppen und solche zugehörigkeiten haben will. Daß er solidarisch sein will. Aber er kann es aber eben nur dann, wenn sein überleben in würde gesichert ist, wenn er selber aus dem streß rauskommt. Wenn er nicht mehr das gefühl hat, er muß mit den anderen konkurrieren, dann kann erst echte solidarität entstehen. Und ich weiß, daß das ein bißchen schwer zu denken ist. Weil man dafür erstmal selber erkennen muß, daß die anderen eben nicht die feinde sind, das haben wir ja so lange gelernt in unserer gesellschaft. Dazu möchte ich einfach mal aufrufen, das einfach mal zu probieren. [...] Grundeinkommen ist nicht das ende des politischen. Wir werden danach noch über grenzen, über zuwanderung diskutieren müssen. Aber erstmal: warum sollen wir uns denn das schöne leben verwehren, nur weil andere dann vielleicht auch daran teilhaben wollen würden? Was ist das für eine annahme? Auch heute haben wir schon in Deutschland deutlich bessere sozialleistungen als in anderen Europäischen ländern und trotzdem ist der zuzug nicht so gigantisch groß, daß nicht trotzdem unsere bevölkerung schrumpfen würde. Und was wir mit den Außereuropäischen ländern machen und deren zuzug, naja, da sehen wir ja, was wir heute machen, wir sind ja schon eins der beliebtesten länder der welt und dann ertrinken jetzt die leute im mittelmeer. Das wird ein grundeinkommen nicht verändern. Und wir müssen darüber weiter debattieren und streiten. Das wird auch ein grundeinkommen nicht lösen.«
Dazu fällt mir so langsam nichts mehr ein.
Zitat Matthias Hanselmann: »Wissen Sie beide, womit ich ein problem habe? Der herr Bohmeyer ist ganz klar der visionär, er hat eine utopie, die er zum teil ja auch lebt und das finden ganz viele von unseren hörerinnen und hörern ganz wunderbar und frau Hassel ist wissenschaftlerin und ist praktikerin und hat ganz viele argumente, das ist klar, daß Sie jetzt in dieser situation weniger zuspruch von hörerinnen und hörern bekommen, als der herr Bohmeyer. Aber es geht ja letztlich um das menschenbild, herr Bohmeyer hat ein sein positives menschenbild. Er sagt, nur mit diesem menschenbild kann das BGE auch wirklich greifen. Sie haben aber kein negativeres menschenbild, frau Hassel, wenn Sie resümieren, was wir in den letzten beiden stunden besprochen haben, was bleibt bei Ihnen hängen?«

Zitat Anke Hassel: »Nein, ich glaube das menschenbild ist nicht die entscheidende frage beim grundeinkommen. Und das habe ich vorher schon gesagt. Es geht jetzt nicht um die frage, werden alle dann alle faul, legen die sich auf die faule haut, oder gehen wir davon aus, jeder möchte sich in die gesellschaft integrieren und wird aktiv sein. Ich glaub das auch, daß man zu einem erfüllten leben aktiv sein will und daß die menschen das im prinzip auch wollen. Mit dem punkt habe ich überhaupt kein problem. Das problem beim grundeinkommen ist für mich, zu sagen wir nehmen da sehr viel geld in die hand, wir müssen unser komplettes sozialsystem dafür verändern und mit diesem vielen geld, das wir für menschen ausgeben, die es nicht bräuchten, könnten wir so viel mehr erreichen. Das ist mein punkt: wir könnten viel bessere sachen machen mit diesem vielen geld.«
Es hat wenig mit dem menschenbild zu tun, wenn man konzernchefs, die für das BGE sind, mißtraut. Die mögen privat vielleicht nette menschen sein, was mit der sache aber nichts zu tun hat. Die sind nicht aus menschenfreundlichkeit auf ihren posten, sondern um dort geschäftsinteressen durchzusetzen und dafür käme ihnen das BGE gerade recht, weil sie damit eine menge probleme los wären.

Für die normalmenschen wäre damit allerdings gar nichts gelöst. Sie hätten zwar erstmal ein paar cent mehr in der tasche - aber dann eben auch wesentlich höhere kosten. Wer für das BGE ist, ist für die abschaffung des sozialstaates. Es ist eine wirklich seltsame sache, daß sich da jemand in ein hörfunkstudio setzt, die negativen auswirkungen des neoliberalismus beklagt und gleichzeitig die nächste neoliberale reform einfordert.

Vermutlich löscht er auch feuer mit vodka.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Irrtümer über menschenbilder und machtfragen

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Dem hörer aus Erfurt gefällt das menschenbild, das frau Hassel angeblich habe, nicht.
Zitat hörer aus Erfurt: »[...]Was ich wirklich sagen muß ist, daß mir dieses menschenbild nicht gefällt, was so vermittelt wird von Ihnen, frau Hassel. Also, auf der einen seite unterstellen Sie dem Herrn Werner und dem herrn von der Deutschen Telekom, daß ihr grundanliegen eigentlich darin besteht, wenn sie für das BGE sind, die verantwortung für möglicherweise reduzierte arbeitsplätze nicht übernehmen zu wollen. Das finde ich eigentlich nicht so. Ich finde es sogar sehr klug, was diese beiden männer machen, weil die wahrscheinlich noch mehr als andere unternehmer verstehen, daß natürlich die nachfrage irgendwann einbrechen wird, wenn gesellschaftliche verwerfungen sich dahingehend auswirken, daß die leute immer weniger sozusagen zeit und möglicherweise auch immer weniger geld haben. Durch streß krank werden. Andere prioritäten setzen müssen, sozusagen. Ich glaube das ist ziemlich klug, was diese... diese, gerade herr Werner, den ich schon ein paar mal live erlebt habe auch gerade in Erfurt, was ja der herr Werner auch vom ansatz grundsätzlich her hat. Und da bin ich auch schon eher der meinung von herrn Bohmeyer, der einfach auch schon ein modernes menschenbild hat, das möglicherweise auch noch gar nicht in gänze so existiert, aber er hat natürlich schon recht, daß viele, viele menschen in so einer art hamsterrad gefangen sind, sie sind gestreßt im job, sie müssen sich permanent gegen andere behaupten. Der solidarische gedanke geht im normalen arbeitsleben leider gottes weitgehend unter [...].«
Natürlich ist es ein modernes menschenbild, das Götz Werner oder Tim Höttges haben. Die finden es nämlich optimal, den menschen weiter für den kapitalismus zu konditionieren. Die sprechen gern von der würde, die man angeblich nicht hätte, wenn man irgendwo um hilfe bitten müsse.

Es ist erhellend, was Tim Höttges im interview mit dem handelsblatt sagt: »Wir arbeiten heute schon anders – zu Hause, im Office, unterwegs. Projektbezogen. Unsere Qualifikation ändert sich dauernd. Den klassischen Job, den ich nach Schule und Studium antrete und bis zur Rente ausübe, gibt es kaum noch. Job-Plattformen wie LinkedIn, wo man sich und seine Arbeitsfähigkeit selbst bewirbt, sind ja nur Symptome dieses Mechanismus. Der verlangt auch mehr Eigenverantwortung. Also wird es Phasen geben, in denen der Mensch keine Arbeit hat, umschult oder nur in Teilzeit für ein Unternehmen arbeitet. Diese Phasen wird der Sozialstaat überbrücken müssen. Warum soll man dessen komplexe Förderungssystematik nicht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ersetzen?«

Es ist durchaus empfehlenswert, das gesamte interview zu lesen. Man kann dort eine durchaus moderne form der menschenfreundlichkeit bewundern, bei der nicht der mensch, sondern das arme, geplagte und förderungswürdige unternehmertum im mittelpunkt steht. Gefragt nach der Deutschen »grundeinkommens-fanbase«, in der auch frau Kipping von der LINKEN unterwegs ist, antwortet der natürlich nicht, daß deren »emanzipatorisches grundeinkommen« ein weltfremder schmarrn sei, sondern getreu dem motto »nicht über modelle diskutieren, sondern einfach dafür sein«, daß sich eben aus allen richtungen kluge köpfe für die gleiche idee solidarisieren würden, schließlich ginge es um den veränderungswillen.

Die LINKE vor dem karren des kapitals hat sich schon immer gut gemacht.
Zitat hörerin: »Es macht mir hoffnung, daß es vielleicht doch mal einen anderen weg in unserer gesellschaft gibt [...] Ich komm aus einer lebenserfahrung in der DDR, wo geld nicht ganz so ne rolle gespielt hat wie jetzt und das ist ein anderes lebensgefühl gewesen. Was oft ehemalige DDR-bürger bedauern, daß sie das verloren haben durch den kapitalismus, durch diese lebensweise. Ich will das jetzt nicht schönreden, aber es gibt da lebenserfahrungen, die wir gemacht haben im osten, die anders sind als jemand, der immer in dieser welt gelebt hat, wo alles immer nur vom geld bestimmt ist. «
Es ist deprimierend, wie sich menschen falsche hoffnungen auf eine sozialere welt machen. Die geldsorgen, die viele menschen im kapitalismus haben, werden mit dem grundeinkommen nicht kleiner, sie fangen dann erst richtig an: die sozialleistungen, die man jetzt noch in anspruch nehmen kann, wird es dann nicht mehr geben. Und das bedeutet, daß man mit dem BGE wirklich alles selbst kaufen muß.
Zitat Michael Bohmeyer: »[...] Es ist die verhandlungsposition und die machtfrage, die mit so einem grundeinkommen immer explizit und implizit gestellt wird, frau Hassel hier neben mir sagt ja, sie würde gern die gesellschaft besser machen durch bessere jobs und bessere löhne und mehr jobs im sozialen. Da frage ich mich, wie verdammt noch mal wollen wir das hinkriegen im neoliberalismus? Wo staatliche gelder immer weiter gekürzt werden? Wo gewerkschaften so schwach sind wie nie. Wo die digitalisierung vor unserer haustür steht. Also was ist das für eine utopie in diesem system verbesserungen zu finden, daß wir die sozialen aufgaben der zukunft mit den bisherigen mitteln geregelt kriegen?«
So ein schreck! Da ist es 2017 und plötzlich steht die digitalisierung vor der tür! Vor dreißig jahren hätte die sich das nie getraut!

Der herr Bohmeyer sollte sich, bei all den fragen, die er hat, zusätzlich auch noch die frage stellen, was eigentlich menschen wie der Timotheus Höttges für ein interesse verfolgen, wenn sie das grundeinkommen fordern. Daß diese figuren arbeitslose mit einer besseren verhandlungsposition und mehr macht ausstatten wollen, darf angezweifelt werden.

Aber es kommt noch besser.

Dienstag, 23. Mai 2017

Erfrischend neues von der freiheit

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Und natürlich darf das unvermeidliche nicht fehlen. Die freiheit:
Zitat hörerin aus Augsburg: »Ich begrüße die idee als solche, weil sie einen absolut herausfordernden paradigmenwechsel anstoßen muß, wenn es um sachverhalte geht wie gesellschaftlicher zusammenhalt und menschenbild. Ich würde mich jedenfalls darüber freuen, endlich mal wieder etwas zu haben was schier unbezahlbar ist, nämlich freiheit. Die freiheit meine kräfte, meine expertise dort einzusetzen, wo ich sie verantwortungsvoll einsetzen will. Das scheint mir genau der knackpunkt zu sein, wir können und wollen mit einer solchen freiheit nicht umgehen, wir reklamieren sie für uns, wenn wir haben. Wenn wir um unseren besitz fürchten, endet unser solidarisches denken genau an dieser stelle.«
Leider stehe ich vor dem rätsel, was diese vielbeschworene »freiheit« eigentlich sein soll und wer dieses »wir« ist, das mit dieser tollen sache nichts anzufangen wüßte. Wobei eines ganz gewiß ist: mit dem BGE bleiben die lohnarbeiter, die man heute normalerweise als »arbeitnehmer« bezeichnet, doppelt frei: sie sind nicht das eigentum von irgendjemandem und sie haben kein eigentum, weshalb sie mit ihrer »freiheit« kaum etwas besseres anfangen können, als lohnarbeiten zu gehen.

Das ende des sozialstaates, wie wir ihn bisher kennen, wird die menschen ganz bestimmt nicht dazu bringen solidarisch zu denken, sondern sie in eine noch härtere konkurrenz zwingen.
Zitat hörer aus Erfurt: »Ich finde die diskussion ziemlich interessant. Weil der herr Bohmeyer und die frau Hassel für diese zwei wirklich extrem verschiedenen sichtweisen sind und die frau Hassel die alte zeit symbolisiert und der Herr Bohmeyer mit seinen denkansätzen und seinen äußerungen für mich wahnsinnig modern ist. Das finde ich sehr erfrischend. «
Die äußerungen zum BGE sind so modern und erfrischend, wie sozialabbau nur sein kann. Nach der einführung von h4 wehte auch ein anderer nämlich frischerer wind. Der wurde von den millionen betroffenen als soziale kälte wahrgenommen.
Zitat Anke Hassel: »Ich finde die diskussion um das grundeinkommen ist eine scheindiskussion und auch eine scheinmodernität [...] Ich merke ja in reaktionen, wenn ich mich dazu äußere, wie emotional menschen darauf reagieren. Also da ist ja irgendwas. [...] Es ist ein sehr einfaches instrument, für einen sehr komplizierten sachverhalt, wenn man sagt, ja, das ist modern, das ist radikal, natürlich - es wirkt sehr radikal [...] letztlich finde ich das weder modern noch wirklich innovativ, weil es die probleme, die jeden tag gesellschaftlich bei uns anlanden in eine zeit versetzen, die irgendwo in der utopie sind [...] modern fände ich, wenn wir uns überlegen, wo sind denn wirklich die probleme in der gesellschaft sind [...] Die befürworter des grundeinkommens sprechen immer davon, daß die menschen angst vor neuem haben, sie sind angstbehaftet. Ich erlebe meine umwelt gar nicht so.«
An sich ist es verständlich, warum menschen das grundeinkommen gut finden. Geldmangel ist leider kein phänomen, das nur am unteren rand der gesellschaft vorkommt, das ist bis weit in die mittelschicht verbreitet und da ist es durchaus nachvollziehbar, daß menschen, die eigentlich von ihrem lohn recht gut leben können, ein zusätzliches einkommen begrüßen würden. Auch ist es verständlich, daß leute das h4system leid sind und alles besser finden, was irgendwie ein ausweg aus dieser misere sein könnte.

Insgesamt scheint die grundeinkommensbefürwortung eher aus dem bauch als aus dem verstand zu kommen. Was sind denn die paar kröten BGE wert, wenn man 50% konsumsteuer auf alles bezahlen muß?

Sind nicht z.b. kostenlose kindergartenplätze, krankengeld und andere sozialleistungen, die man in anspruch nehmen kann, wenn man sie braucht, mehr wert?

Von mir zumindest kann ich sagen, daß ich keine angst vor neuem habe, ich kann mir sogar ein wirtschaftssystem vorstellen, in dem der warentausch komplett abgeschafft ist und die produktion entsprechend nicht auf den geldgewinn, sondern auf die bedürfnisse der menschen ausgerichtet ist.

Aber das wäre dann kommunismus und an so was darf man nicht einmal denken, weil das mit der oben beschworenen »freiheit«, frei zu sein, zu tun was man unter sachzwang muß, leider gar nicht zusammenpaßt.

Freitag, 19. Mai 2017

Kapitalismus retten

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Aber immerhin ein hörer, der das alles zumindet anzweifelt:
Zitat hörer aus Frankfurt am Main: »Ein BGE kann im kapitalismus nicht funktionieren, weil der kapitalismus eben darauf beruht, profit zu machen und der profit und der profit ... das ist das entscheidende und nicht der bedarf. [...] Bedingungsloses grundeinkommen widerspricht kapitalistischer logik. Das kann nicht funktionieren. [...]«
Da ist was dran. Das grundeinkommen würde nichts daran ändern, daß es nicht um die bedarf der menschen, sondern um den profit geht. Mit dem grundeinkommen ginge es nicht, wie die wohlmeinenden menschenfreunde unter den BGEbefürwortern es sich wünschen, um die versorgung der menschen, sondern auch wieder nur um die verbilligung der arbeitskräfte.

Es ist eine ziemlich verkorkste idee, die leute erst um geld konkurrieren zu lassen, um am schluß vom erwirtschafteten geld den konkurrenzverlierern dann wenigstens noch ein angenehmes leben zu spendieren. Aber dafür ist das BGE gar nicht gedacht. Die meisten modelle sehen ein grundeinkommen vor, gegen die der h4regelsatz plus wohngeld schon fast als ein reicher geldsegen erscheint.

Der druck, den heute das jobcenter ausübt, jede auch noch so beschissene stelle anzunehmen wird ersetzt durch die »freie« enscheidung entweder hungerkünstler zu werden oder unter allen umständen arbeit anzunehmen.
Zitat Michael Bohmeyer: »[...]Wir müssen arbeiten, um ein erwerbseinkommen zu haben, damit wir leben können. Alle menschen müssen das. Und zwar mit immer höherem tempo, immer weniger zeit für reflexion und solidarität mit anderen. Und ich glaube, daß ein grundeinkommen, wenn man dann die eigentumsfrage thematisieren will, erstmal nichts antikapitalistisches ist, und ich würde eher noch sagen, es rettet die zeit des kapitalismus vielleicht noch ein bißchen [...] aber dann verändert es etwas im kopf, ich glaube das mit nem grundeinkommen viele menschen sich die frage stellen, [...] will ich das eigentlich noch? Also jetzt, wo geld nicht mehr so ein ganz knappes gut ist, wo ich ein gewisses maß an sicherheit hab, habe ich da überhaupt noch lust mitzuspielen, will ich vielleicht weniger arbeiten, will ich vielleicht was anderes arbeiten? Habe ich vielleicht resourcen, weil ich nicht mehr so im mangel bin, mich vielleicht auch mal um meine mitmenschen zu sorgen. Und ich glaub das sind die mechanismen, die den kapitalismus in frage stellen lassen und zwar nicht zu nem anderen, neuen autoritären sozialismus zu kommen, sondern vielleicht zu ner ganz neuen freiheitlichen form des zusammenlebens. Die wir uns heute, weil uns die psychische basis dafür fehlt, vielleicht noch gar nicht vorstellen können. [...] Mitte des jahrhunderts werden die hälfte der heute bekannten jobs von maschinen erledigt werden. Was machen wir denn mit den anderen leuten? Selbst wenn diese zahlen übertrieben wären und es nur 20 % sind - sollen die alle von h4 leben? Und dem amt jeden monat berichten, wo sie sind und was sie machen und in sinnlosen maßnahmen ihre lebenszeit verbringen? Ich glaub, wir brauchen neue antworten für die zukunft und ich kenne keine bessere als das grundeinkommen. Und ich habe auch von der gewerkschaft keine besseren antworten bekommen.«
Es ist falsch, daß alle menschen einer erwerbsarbeit nachgehen müßten. Es gibt zwei sorten menschen. Die, die für ihren lebensunterhalt arbeiten müssen und die, die für ihren lebensunterhalt arbeiten lassen. Interessanterweise werden nur letztere mit ihrem erwerb reich.

Es stimmt, daß die leute, die arbeiten müssen, das mit immer höherem druck tun. Das sind nicht die folgen einer naturkatastrophe, sondern das ergebnis von inzwischen jahrhundertelangem technischen fortschritt, der innerhalb kapitalistischen logik nie dazu geführt hat, daß die arbeit weniger oder leichter geworden wäre. Es ist immer daraus hinausgelaufen, daß die einen mehr und härter arbeiten mußten und die anderen auf der straße gestanden haben.

Diese zukunftsprognosen, daß der menschheit die arbeit ausginge, gibt es vermutlich seit beginn der Industriellen Revolution. In den 70er und 80er jahren des vergangenen jahrhunderts wurde davon gesprochen, daß nach der jahrtausendwende niemand mehr »vollzeit« würde arbeiten müssen, weil die segnungen der technik menschliche arbeit überflüssig mache und somit die arbeitswoche für die menschen dann hauptsächlich aus wochenende bestünde. Leider ist es anders gekommen.

Richtig ist, daß das BGE den kapitalismus nicht abschaffen wird. Es würde die negativen auswirkungen auf die menschen eher noch verschärfen, weil alle, die derzeit arbeitslos sind, dadurch gezwungen wären sich irgendwie geld zu verdienen und ganz traurig würde es für die aussehen, die aus welchen gründen auch immer nicht arbeiten können. Das würde eben nicht zu mehr solidarität mit anderen, sondern zu mehr konkurrenz führen.

Aber man muß den kapitalismus auf biegen und brechen aufrecht erhalten, weil sozialismus immer als totalitäres system gedacht werden muß. Das ist schließlich naturgesetz. Gibt ja nichts anderes und deswegen muß der kapitalismus notfalls mit dem BGE gerettet werden.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein besseres leben für reiche

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Jetzt kommt endlich auch mal frau Hassel von der Böckler-Stiftung zu wort:
Zitat Anke Hassel: »Als privates projekt begeistert mich das durchaus. [...] Unsere gesellschaft hat an vielen stellen tatsächliche, soziale probleme. Probleme mit sozialer ungleichheit, aber auch probleme damit, daß gesellschaftliche bedürfnisse nicht gedeckt werden können. Man sieht es im pflegebereich, man sieht es im altenpflegebereich, man sieht es auch in schulen, in kindergärten, kinderbetreuung und so weiter. Diese gesellschaftlichen bedürfnisse zu decken, wäre mein wichtigstes anliegen. Wenn man ein solches modell von den privaten auf eine staatliche politik übertragen würde, wäre das die größte sozialreform der letzten hundert jahre, also die würde in den dimensionen den Bismarckschen versicherungsstaat quasi aushebeln. Es würden sehr große geldsummen dafür benötigt, also um ein grundeinkommen zahlen zu können, das jetzt nicht deutlich unterhalb der armutsgrenze ist. Und wenn man schon so viel geld einsammeln würde und man bereit ist, so viel geld auszugeben, dann hätte ich einfach andere prioritäten. Also ich würde damit die schulen sanieren, ich würde damit nachbarschaftszentren aufbauen, wo den menschen dann auch wirklich geholfen werden kann, wo behinderten geholfen werden kann, wo aber auch kindern beim lernen geholfen werden kann. Wir haben so viel integrationsbedarf in unserer gesellschaft. Und wenn man viel geld in die hand nimmt, dann würde ich es eher so ausgeben.«
Wer wollte schon etwas dagegen sagen, wenn leute sich zusammentun und geld einsammeln, welches dann an andere weiterverschenkt wird? Das ist ihre privatangelegenheit, wer daran teilnehmen möchte, kann das tun. Wer das blödsinnig findet, läßt es bleiben.

Würde das allerdings staatlich organisiert, wäre es sicher nicht das problem, daß sich ein paar lebenskünstler, die mit wenig auskommen können, auf kosten anderer womöglich auf die faule haut legen, sondern, daß menschen, die wirklich auf hilfe angewiesen sind, dann eben auch nur diese eine sozialleistung erhalten. Diese menschen haben dann kein recht mehr auf hilfe, sondern können dann bestenfalls auf den guten willen anderer hoffen.

Mit sicherheit wäre es vernünftiger, in soziale infrastruktur zu investieren, als jedem ein paar euro in die hand zu drücken, die ein teil der leute nicht unbedingt braucht, während für andere diese hilfe nicht zum überleben reicht. Wer beispielsweise zu krank ist, um auf sich aufmerksam zu machen, bekommt dann eben nichts.
Zitat Matthias Hanselmann: »Es gibt prominente befürworter des BGE aber auch prominente gegner. Wenn wir denken an Götz Werner, den chef der drogeriemarktkette DM, der selbst milliadär ist, oder Telekomchef Tim Höttges, früher finazchef der Telekom, das sind zwei sehr prominente menschen, die sind für das BGE. Finanziert durch den staat. Wie kommt das, daß da so eine spaltung besteht?«

Zitat Anke Hassel: »Genau. Sie sind für ein grundeinkommen, das sie nicht selber finanzieren würden. Sie würden ja nicht den weg von herrn Bohmeyer gehen und sagen: ich setze jetzt mein eigenes vermögen dafür ein, daß wir in Deutschland ein grundeinkommen einführen, sondern die sagen ja, der steuerzahler soll dafür zahlen, oder die allgemeinheit soll dafür zahlen. Ein grund, weshalb besonders gut verdienende oder Silikon-Valley-investoren sind ja oftmals für ein grundeinkommen, hat damit zu tun, daß sich sehr gut verdienende doch gedanken machen über die soziale spaltung in der gesellschaft. Aber auch aus dem grunde, daß sie nicht zur verantwortung dafür gezogen werden wollen. Und sie die idee haben, wenn wir ein grundeinkommen hätten, könnten wir die soziale frage oder der sozialen spaltung damit begegnen. Niemand könnte sie mehr dafür kritisieren, daß sie vielleicht arbeitsplätze vernichten, arbeitsplätze abbauen, nicht mehr so gute arbeitsplätze zur verfügung stellen.«
Mich wundert es schon lange nicht mehr, daß es so viele unternehmer gibt, die das grundeinkommen gut finden. Wenn es nach Götz Werner geht, wären die unternehmer auf einen schlag sämtliche steuern und sozialabgaben los: als einzige sozialleistung soll nur das BGE für alle gezahlt werden, das aus der einzigen steuer, die dann noch gezahlt werden muß, nämlich der umsatzsteuer, finanziert werden soll. Die umsatzsteuer wird bekanntermaßen nicht von unternehmen, sondern allein von den endverbrauchern auf den konsum bezahlt.

Das bedeutet, daß die leute, die sehr wenig geld haben und jeden monat ihr gesamtes geld verkonsumieren müssen, ohne freibetrag 100% ihres einkommens versteuern müssen, während jeder nicht verkonsumierte cent steuerfrei bleibt. Damit hätten milliadäre sozusagen einen riesigen steuerfreibetrag, weil sie immer nur einen winzigen bruchteil ihres einkommens in den konsum stecken müssen, während einnahmen aller art völlig steuerfrei bleiben. Vom lohn, den man auf diese art und weise einsparen kann, ganz zu schweigen.

Für das BGE zu sein ist für die ein extrem preisgünstiger weg, als sozialer menschenfreund zu gelten und gleichzeitig für radikalen sozialabbau und steuererleichterungen für reiche zu sein.
Zitat Matthias Hanselmann: »In vielen anderen ländern spielt das thema eine große rolle. In Kanada oder den Niederlanden gibt es modellversuche. In Finnland wird das grundeinkommen seit dem vergangenen jahr getestet. Da werden 2000 zufällig ausgewählte arbeitslose mit 560 € im monat bedacht und das ohne verpflichtungen und nach zwei jahren will man im Finnischen sozialministerium dann prüfen, ob sich dieses grundeinkommen dann lohnt und rechnet. Die Schweizer allerdings haben im vorvergangenen jahr sich gegen das grundeinkommen entschieden. [...] «

Zitat Anke Hassel: »Ich bin stärker für ein bedürfnisorientiertes system, weil ich glaube, daß die menschen unterschiedliche bedürfnisse haben, sie haben unterschiedliche gesundheitszustände, sie sind unterschiedlich leistungsfähig und wir müssen den menschen das geben, was sie an bedürfnissen haben und so eine rasenmähermethode zu sagen, wir geben denen, auch denen, die es nicht brauchen, tausend euro und auch denen, die vielleicht mehr als tausend euro brauchen, denen geben wir auch nur tausend, weil wir ja kein system hätten, da zu differenzieren, fände ich nicht gerecht und auch nicht gerechtfertigt. «
Bedürfnisorientiertes system? Das wäre ja der reinste kommunismus und das darf es nicht geben!

Deshalb sind die hörer auch dagegen und für ein grundeinkommen:
Zitat hörerin aus Leipzig: »Ich bin auch mit im verein Mein Grundeinkommen ich hab’ mich beteiligt sozusagen oder beteilige mich. Und ich finde es sehr gut. Ich finde aber der schritt der finanzierung, das ist der zweite schritt. Der erste schritt ist erstmal dieses komplette umdenken der ganzen sache. Das ist, was, glaube ich, vielen leuten angst macht. Ich denke, daß man viel mehr den demokratischen gedanken denken sollte [...] daß die gesellschaft sich als wirkliche gesellschaft begreifen muß und nicht jeder für sich einzeln denkt, der andere könnte mir was wegnehmen. Das ist nämlich das große problem in unserer gesellschaft. Und ich glaube, daß das wirklich ein mehrwert wäre. Weil der druck der herrscht, und ich rede jetzt nicht von menschen die ein gutes einkommen haben, sondern von der bäckereifachverkäuferin, der supermarktverkäuferin, von der kellnerin, die wirklich hart arbeiten und immer das gefühl haben, sie lieben irgendwie so an einer grenze, denen würde das glaube ich unglaublich helfen. Auch gesund zu bleiben in ihrem leben [...]. Wie viele menschen gibt es, die nur darauf gucken, ihr leben nach dem geld auszurichten. Ihrem status und so weiter. Wie ungesund ist das denn für ne gesellschaft? Warum sind denn viele menschen ungesund? Weil sie gestreßt sind und das nimmt ja auch total zu, weil sie nem druck unterliegen, der zwangläufig da ist - dieses ganze konkurrenzdenken. Was macht denn das mit menschen? [...] Ich glaube, daß das extrem viel potential der menschen freisetzen würde.«
Es ist eine merkwürdige idee, in einer geldbasierten kapitalistischen gesellschaft menschen ausgerechnet dafür zu kritisieren, daß sie ihr leben am geld ausrichten. Den leuten bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich zu bemühen, irgendwie geld zu verdienen. Denn sie sind genötigt, jeden mist kaufen zu müssen.

Es wäre tatsächlich notwendig, daß die anhänger des grundeinkommens komplett umdenken. Das BGE ist leider kein weg aus der konkurrenz, sondern der weg aus der solidargemeinschaft.

Wenn das BGE eingeführt würde, wäre leider nicht der druck von den menschen genommen. Der zwang zur konkurrenz auf dem arbeitsmarkt wäre keineswegs abgeschafft, im gegenteil. Durch die erhöhte mehrwertsteuer (daß ein konsumsteuerfinanziertes konzept eingeführt würde, ist am wahrscheinlichsten) wäre dann schon mal die hälfte der kaufkraft weg, somit müßte jeder zusehen, wie er sich irgendwie ein paar euro hinzuverdienen kann.
Zitat mail einer hörerin: »Ein bedingungsloses grundeinkommen ist unabwendbar, weil unser sozialsystem längst nicht mehr funktioniert. Das widerspricht der menschenwürde. Besonders das menschenverachtende h4system in dem arbeitslose diskriminiert und in prekäre jobs gedrängt werden.«
Das sozialsystem wurde durch die reformen »gerettet«, damit man es durch etwas »besseres«, wie z.B. dem BGE abschaffen kann. Mit dem BGE wird es insofern menschenfreundlicher, daß die leute nicht mehr in prekäre jobs gedrängt werden, sondern diese tollen stellen aus geldnot »freiwillig« annehmen. Damit wäre also mächtig was gewonnen.

Zum heutigen schluß noch eine etwas wirre idee:
Zitat mail von hörer aus Berlin: »Im gegensatz zum kommunismus, kapitalismus und zur sozialen marktwirtschaft entsteht mit dem BGE zum ersten mal eine gesellschaft, bei der die verteilungsfrage nicht allein an die wirtschaft gekoppelt wird. Ein BGE bedeutet letztlich mehr freiheit für die mehrheit der menschen.«
Woher das geld, das verteilt werden soll, dann kommt, wenn nicht aus der wirtschaft, erklärt der gute mensch leider nicht.

Es ist kein zufall, daß so viele unternehmer für das BGE sind. Die sind nicht plötzlichh antikapitalistisch geworden. Das BGE ist kein ausstieg aus dem kapitalismus.

Klar schafft das BGE mehr freiheit, fragt sich nur, wer dann frei wozu ist. Daß dabei ein angenehmeres leben für die mehrheit rauskäme, darf angezweifelt werden.

Freitag, 12. Mai 2017

Auch wieder kein recht auf faulheit

Fortsetzung

Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.

Zitat Matthias Hanselmann: »Das ist eins der großen vorurteile gegen das bedingungslose grundeinkommen: Es reizt zur faulheit und offenbar passiert das im konkreten fall nicht.«

Zitat Michael Bohmeyer: »Die haben lust sich weiterzubilden, die arbeiten genau so viel wie vorher aber sind nicht mehr so gestreßt. Der streß streßt uns nicht mehr so. Das ist die emotionale veränderung, die grundeinkommen zu bewirken scheint. Viele machen sich selbständig, ein langzeitarbeitsloser hat einen job gefunden, weil er auf einmal mit der fülle, im bewerbungsgespräch sitzt ein chronisch kanker. Konnte seine medikamente absetzen, weil er sich nicht mehr mit dem sozialamt streiten muß, also auch eine rein körperliche wirkung hat es da gegeben. [...] Die menschen blühen auf und sie sitzen in einer anderen haltung vor mir nach dem jahr und das ist, was die gesellschaft verändert. Das ist der neue ansatz von politik, der dahinter steckt.«
Wenn man montatlich tausend euro erhält, lohnt es sich wohl kaum, wegen »plötzlichen reichtums« die arbeit aufzugeben oder die suche nach einer bezahlten arbeit einzustellen. Damit langzeitarbeitslose weniger mit dem sozialamt rumstreiten müssen oder selbstsicherer ins bewerbungsgespräch gehen können benötigt man ganz bestimmt kein grundeinkommen, sondern eine weniger restriktive gesetzgebung und gut geschultes personal.

Es besteht überhaupt kein zweifel daran, daß menschen lust haben, sich weiterzubilden. Nur können sich die leute das überhaupt leisten, wenn es eben als einzige sozialleistung das BGE gibt? Wenn man an einem weiterbildungskurs teilnehmen will, der tatsächlich was bringt, ist man schnell bei kursgebühren von etlichen tausend euro. Ob man die dann so nebenher noch aufbringen kann, darf angezweifelt werden.

Weiteres folgt demnächst.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Mal wieder ein einkommen für alle

Wie dieses bildschirmfoto vermuten läßt, ist das BGE beim Deutschlandfunk beliebt. Unter »mehr zum thema« findet man hinweise, was man gegen allergien tun kann.
Letzens gab es im mal wieder eine dieser diskussionen um den angeblichen »kommunismus im kapitalismus«, dem bedingungslosen grundeinkommen. Ein streitgespäch mit frau Prof. Dr. Anke Hassel von der Hans-Böckler-Stiftung, Michael Bohmeyer vom verein Mein Grundeinkommen e.V. () und hörerbeteiligung, moderiert von Matthias Hanselman vom Deutschlandfunk Kultur.
Zitat Matthias Hanselmann: »Herr Bohmeyer, sie sind ohne zweifel ein befürworter des grundeinkommens [...] Sie beziehen [ein grundeinkommen] und von wem beziehen sie es?«

Zitat Michael Bohmeyer: »Ich habe vor zehn jahren eine internetfirma gegründet und nach acht jahren der harten arbeit dort läuft die jetzt mittlerweile alleine - ich bin aber noch mitinhaber der firma und erhalte jeden monat zufälliger weise ungefähr 1000 € ausgezahlt von der firma, ohne daß ich dafür arbeiten muß. Und das ist schon die letzten zwei jahre so und diese tatsache, daß ich zwar deutlich weniger geld kriege, daß es aber bedingungslos ist, das hat mein leben und meine persönlichkeit radikal verändert. So daß ich auf den gedanken kam, das ist ja wahnsinn wie so ein grundeinkommen wirkt und seit dem will ich ausprobieren, ob es anderen genau so geht und versuche anderen auch so ein jahr grundeinkommen zu ermöglichen.«
Eine unwahrheit ist die behauptung, der herr Bohmeyer bezöge ein bedingungsloses grundeinkommen. Es ist nämlich keineswegs bedingungslos. Die vorbedingung, daß er jetzt ein leistungsunabhängiges einkommen erhält, ist nämlich, daß er miteigentümer einer internetbude ist. Das geld materialisiert sich nicht freundlicher weise einfach so auf seinem konto, sondern es wird von den leuten aus seiner firma erarbeitet.
Zitat Matthias Hanselmann: »Sie bekommen es nicht vom staat, sondern von ihrer eigenen firma. Was sind sie eigentlich von beruf?«

Zitat Michael Bohmeyer: »Ich bin so internet-start-up-mensch.«

Zitat Matthias Hanselmann: »Seit wann leben sie von diesen tausend euro?«

Zitat Michael Bohmeyer: »Seit, äh, 2014.«< Zitat Matthias Hanselmann: »Alles klar. Und jetzt haben Sie gesagt, das hat ihr leben verändert. Sind Sie ein anderer mensch geworden dadurch?«

Zitat Michael Bohmeyer: »Ja, das klingt so pathetisch, aber tatsächlich ja. Also bei mir hat sich dadurch, daß ich bedingungslos geld kriege und niemand nachfragt, was ich damit mache, habe ich erstmal gemerkt wie streß- und druckvoll mein arbeitsleben vorher war, wie ich die ganze zeit getrieben war. Zum ersten mal in meinem leben hat so eine innere ruhe eingesetzt. Das hat sich am anfang schecklich angefühlt, ich konnte gar nicht damit umgehen. Aber nach einer weile habe ich daraus so einen neuen selbstvertrauen geschöpft. Und kraft und weltinteresse und auf einmal habe ich bessere beziehungen geführt. Bin ein besserer vater geworden. Ich lebe gesünder mein kopf war voll ideen und ich hatte die kraft, was neues zu starten«

Zitat Matthias Hanselmann: »Das klingt, als sei das grundeinkommen ne art zaubermedizin oder zaubertrank oder sowas«

Zitat Michael Bohmeyer: »[...]für mich ist es das tatsächlich. Aber nicht aus den üblich bekannten gründen. Und das beleuchten wir in unserem projekt eben auch nicht, die arbeitsmarktpolitischen folgen so sehr und die steuerfinanzierungsmodelle, sondern was macht das mit unserem menschsein. Das ist ja neu in unserer gesellschaft, daß man etwas kriegt, ohne eine gegenleistung dafür bringen zu müssen. Und ich glaube das macht was mit der psyche. Das verändert, wie wir uns zueinander verhalten und das möchte ich erfahren, hab ich erfahren und möchte ich anderen ermöglichen auch zu erfahren.«

Zitat Zitat Matthias Hanselmann: »Sie müssen jetzt natürlich erzählen von Ihrem projekt. Sie sind ja nicht nur empfänger eines bedingungslosen grundeinkommens, sondern Sie verteilen es auch an andere. Erzählen Sie, wie das funktioniert.«

Zitat Michael Bohmeyer: »Aus meiner erfahrung heraus kam die idee, daß anderen auch zu ermöglichen und so habe ich ein crowdfunding gestartet - also über das internet eine geldsumme einsammeln, in dem fall 12.000 €. Und die idee war, wenn 12.000 € tatsächlich zusammenkommen, wählen wir zufällig eine person aus und die kriegt dann ein jahr lang eintausend euro monatlich bedingungsloses grundeinkommen.Und wir erzählen die geschichte, wie das das leben dieser person verändert. Das ganze wurde ein riesiger erfolg, nach wenigen wochen hatten wir vier grundeinkommen finanziert. Mittlerweile haben wir über eine million euro gesammelt, 85 grundeinkommen verschenkt. Wir haben 350.000 menschen, die auf unserer website mitglied sind. Es kommen jeden monat fünf grundeinkommen dazu, es arbeiten 20 menschen hier in Berlin hauptamtlich an dieser kampagne, die sich die frage stellt, was würde denn passieren, wenn wir ein grundeinkommen hätten? Wir wollen niemand überzeugen, wir wissen es ebent auch nicht ganz genau. Deswegen versuchen wir daten zu sammeln, indem wir es menschen schenken und damit ein bißchen vorankommen auf der Reise zum grundeinkommen [...] nach drei vier monaten wächst bei den leuten eine art, eine unbekannte art von eigenverantwortung, manchmal berichten sie, daß sie ruhiger schlafen. Von den 85 leuten haben übrigens erst drei ihren job gekündigt. Einer zum beipiel, hat im callcenter gearbeitet und macht jetzt ein studium zur pädagogik, aber auch die anderen beiden arbeiten weiter, also das ist nicht, daß dann alle faul werden, was man immer denkt«
Sicher ist es eine tolle sache, wenn man einfach so aus dem normalen, beruflichen alltag aussteigen kann. Und sicherlich ist es auch ein netter zug, anderen menschen das auch ermöglichen zu wollen. Eine lösung für soziale probleme bietet es jedoch wohl eher nicht, ein bißchen geld einzusammeln und es dann per losentscheid zu verschenken. Die leute, die an diesem »lotteriespiel« teilnehmen, versprechen sich davon irgendwas. Geld kann in dieser gesellschaft schließlich jeder brauchen. Aus sicht eines langzeitarbeitslosen, der vom regelsatz leben muß, klingt es sicherlich erst mal toll, ganze tausend euro im monat zu erhalten. Aber ausgerechnet für diese leute lohnt sich das nicht wirklich: von dem schönen geld müssen sie sich nämlich selbst krankenversichern, da sind dann schon mal mindestens 140 € weg. Und wenn dann noch die miete abgezogen ist, kommt auch wieder nur ungefähr der tolle regelsatz raus, der ohnehin nicht zu großen plänen verlockt, sondern nur ein vegetieren ermöglicht.

Das gespräch ist an dieser stelle natürlich noch längst nicht zu ende. Ich habe jetzt grad nur keine lust mehr, den blödsinn weiter mitzuschreiben. Es geht bald weiter.

Donnerstag, 5. Januar 2017

»Linksradikale« medien in Deutschland

Letztens fand ich über Doctors Gedanken einen recht interessanten artikel bei telepolis. Was ich daran etwas verwirrend fand, war, daß das schwierige verhältnis zwischen linken und dem gemeinen volk dann ausgerechnet am beispiel der »taz« ausgemacht werden sollte.

Meines wissens steht die »taz« immer noch den GRÜNEN nah. Die waren schon immer ein wohlstandswahlverein, der sich um die sozialen nöte der ganz »normalen« menschen traditionell einen dreck gekümmert hat. Die feststellung im telepolisartikel, daß in der »taz« soziale probleme immer erst interessant werden, wenn sie irgendwelche minderheiten oder frauen betreffen, war schon immer programm der, ach, so »linken« GRÜNPARTEI.

Nie auch nur ein funken von analyse, woher diese sozialen probleme denn kommen. Stattdessen wußten sie immer gleich, was man weißen männern alles verbieten muß, damit sie endlich aufhören, die gesamte welt zu unterdrücken. Geradezu als hätte ein weißer obdachloser männlicher natur aufgrund seiner farbe und seines geschlechts große möglichkeiten, irgend jemanden zu unterdrücken. Die »taz« las ich mal für einige monate regelmäßig. Das war in der zeit als die GRÜNEN an der regierung beteiligt waren. Kurz vor der streichung der arbeitslosenhilfe. Der vorteil des zeitungsabos war, daß ich stets genug papier hatte, einen kotzbeutel zu falten. Das war nahezu täglich notwendig, weil das blatt die einführung von h4 durchaus als »schritt in die richtige richtung« bejubelte. Eben BGE anstatt solidarprinzip, verarmung weiterer bevölkerungsschichten anstatt sozialstaat.

Das bürgertum nimmt dieses blatt als quasi »linksradikal« wahr. Das arme bürgertum kennt ja sonst nichts.

Es ist ein trauerspiel.