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Montag, 16. September 2019

Verbieten erlaubt?

Etwas erstaunt hat mich Robertos aktueller text im ND. Auf den eigentlichen inhalt komme ich gleich noch zurück, aber was mich so sehr verwunderte war folgendes:
Zitat Roberto:»Die Haltung, die man speziell in der deutschen Industriepolitik spürt, wenn sich Bundesgesundheitsministerin Julia Klöckner (CDU) [...]«
Wo ist Jens Spahn geblieben? Nicht, daß ich ihn sonderlich vermissen würde, aber wenn Julia Klöckner plötzlich nicht mehr landwirtschafts-, sondern gesundheitsministerin ist, muß Spahn doch irgendwo abgeblieben sein. Ich geb’ zu, daß ich in den vergangenen tagen nachrichtenmäßig nicht übermäßig viel mitbekommen habe, weil ich momentan ziemlich mit arbeit zugeschüttet bin. Daß Manuela Schwesig aus gesundheitlichen gründen ihr amt als ministerpräsidentin niedergelegt hat, habe ich mitbekommen. Aber Spahn einfach so weg und gegen Klöckner ausgewechselt? Glaube ich nicht - weiß jemand genaueres?

Und dann folgt der sermon, daß die GRÜNpartei ja gar nicht so ist und eigentlich einige sachen verboten gehörten. Bei den GRÜNEN geht es doch immer nur um die bürgerliche empörung, völlig ohne den willen, irgendwas zu ändern. Die sorgen halt gern für heiße luft. Erinnert sich noch jemand an die 90er jahre, als die Grünpartei forderte, daß der liter benzin 5 mark kosten müsse oder an die damalige diskussion ums 3-liter-auto? Nichts davon ist passiert. Trotz GRÜNer regierungsbeteiligung oder vielleicht auch gerade wegen GRÜNer regierungsbeteiligung, denn was ist schon ein bißchen umwelt gegen ein pöstchen im aufsichtsrat?

Muß man das fliegen verbieten? Nein. Es wäre doch interessant, wie viele leute noch fliegen wollten, wenn man nichtfliegern 60 arbeitstage gesetzlichen urlaub zugestehen würde. Klar, es gibt leute, die sind unabkömmlich. Und wer so wichtig ist, darf weiterhin das flugzeug benutzen. Alle anderen können sich überlegen, ob sie anstatt flugreisenirrsinn lieber mehr freizeit genießen möchten.

»Veggie-day« in kantinen? Ja. Und zwar jeden tag. Nicht anstatt des menüs mit fleisch, sondern als alternative dazu. Leider schmeckt das vegetarische essen in kantinen meist wie schmatzkatz am stiel, weil den meisten kantinenköchen nichts besseres einfällt als milchreis mit zimt und zucker oder griesbrei mit backpflaumenkompott und lauter so'n zeug. So etwas ißt doch niemand, der halbwegs bei trost ist. Wahrscheinlich gibt's inzwischen auch so feinschmeckerhighlights wie fleischimitatbouletten und kunstschnitzel, als ob es nicht möglich wäre, ohne kunstprodukte fleischlos zu kochen. Die erste genießbare rataouille meines lebens habe ich natürlich in Frankreich gegessen. Und zwar dort, wo man es am wenigsten erwarten würde, nämlich in einer schulkantine. Wenn es dort möglich ist, gemüseplempe lecker zuzubereiten, dann sollte das auch in Deutschland möglich sein. Nur verderben Deutsche kantinenköche meist das gemüse, so daß geübte kantinenesser oft gemüse verschmähen, obwohl die meisten nicht jeden tag fleisch essen möchten.
Zitat Roberto:»Nur Verbote von fahrlässigen, ausbeuterischen und zerstörerischen Praktiken haben das Potenzial, etwas zu verändern.«
Wenn jemand so argumentiert, zeugt es nicht unbedingt von einem positiven menschenbild. Man kann die leute auch anders dazu bringen, bestimmte dinge zu tun oder eben zu lassen, wenn man ihnen andere wege und möglichkeiten aufzeigt. Dazu wäre es natürlich von vorteil, die verhältnisse umzustürzen und die wirtschaft von »profit« auf »versorgung der menschen« umstellen. Aber das will ja wieder keiner.

Freitag, 10. Mai 2019

Danke h4tv!

Wenn man auf »bento« liest, liegt es in der natur der sache, eher keine intelektuellen höhenflüge zu erwarten. Aber selbst dort ist es möglich, daß sie sich selbst noch unterbieten. Das hat letzens Thembi Wolf geschafft, als sie schrieb, daß sie dem »Hartz-IV-TV« dankbar sei, weil dort angeblich armut dargestellt würde, wie sie tatsächlich ist. Es ging um eine fotoausstellung mit bildern aus RTL2produktionen.
Zitat Thembi Wolf: »"Es sind nüchterne Bilder, die nicht beschönigen, den Protagonisten aber auch nicht die Würde nehmen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" dazu. Der Artikel heißt: "Armut an den Wänden, Sekt in den Gläsern". Ich verschlucke mich fast. Was soll das heißen – trinken arme Menschen keinen Sekt?«
Was heißt trinken? Arme menschen baden allmorgentlich in schampus, weshalb abends dann immer das geld nicht mehr reicht für bier und schnittchen. Das mit der »würde« ist tatsächlich ein seltsames konstrukt, das aber rein gar nichts damit zu tun hat, ob man sekt trinkt oder nicht, sondern wie man in der öffentlichkeit dargestellt und wahrgenommen wird.
Zitat Thembi Wolf: »Zuerst einmal ist Armut nichts Diffuses. Armut bedeutet, dass das Geld nicht reicht.«
Blödsinn. Ist der sehr-gut-verdiener, der etliche fernreisen im jahr macht, schnieke kleidung trägt, ein dickes auto fährt, seine kohle verpraßt und chronisch pleite ist, weil er auf zu großem fuß lebt, vielleicht arm? Ist der h4empfänger der mit seinem geld einigermaßen über die runden kommt, weil er seine bedürfnisse seinen einkomensverhältnissen angepaßt hat und ein äußerst bescheidenes leben führt deshalb reich, weil er mit seiner knete über den monat kommt?

Und dann kommt frau Wolf darauf, daß ihre lebensrealität in den Amerikanischen serien ihrer kindheit nicht vorkam, weil dort die erwachsenen zur arbeit gingen, was bei ihr zu hause eher nicht der fall gewesen sei.
Zitat Thembi Wolf: »Niemand saß regelmäßig von 9 bis 5 Uhr in einem Büro.«
Warum nur? Womöglich, weil das in Deutschland eine eher unübliche arbeitszeit ist? Hierzulande wird man oft genötigt, bereits um 7 uhr anzufangen und von regelmäßigkeit können viele nur träumen - flexibilität ist gefragt. Außerdem gibt es tatsächlich auch berufe, die nicht im büro ausgeübt werden.
Zitat Thembi Wolf: »Dass auch meine Welt existiert, bestätigte mir nicht das Nachmittagsprogramm auf Vox, sondern das auf RTL2.«
Amerikanische serien geben nicht vor, die lebensverhältnisse in Deutschland abzubilden. Außerdem ist es eine komische vorstellung, sich die existenz der eigenen lebenswelt durch das schrottprogramm im Deutschen privatfernsehen bestätigen lassen zu müssen.

Allerdings schreibt Thembi Wolf, daß sie eine reformschule besucht und ein musikinstrument gelernt habe. Wie viele figuren aus dem »unterschicht-tv« leisten sich privatschulen und musikunterricht?
Zitat Thembi Wolf: »Die TV-Formate heißen heute anders – "Hartz" ist in vielen Titeln – das Prinzip ist geblieben. In "Armes Deutschland" werden pro Folge drei oder vier Deutsche begleitet, die nicht viel Geld haben.«
Bei »Armes Deutschland« werden eben gerade nicht drei oder vier Deutsche mit wenig geld begleitet. Hier wird armut dargestellt, wie sie in den köpfen irgedwelcher drehbuchschreiber windiger produktionsfirmen existiert. Es soll so aussehen, als seien die charaktere alle echt und ihre geschichten quasi vom leben selbst erzählt. Tatsächlich ist alles frei erfunden.

Die unterschiede zwischen dokumentarfilm, doku-soap und »scripted reality« muß man als schreiber bei bento offensichtlich nicht wissen.
Zitat Thembi Wolf: »Sie sind nicht die am Leben scheiternden Schluffis aus den Öffentlich-rechtlichen: schüchtern, grundsympathisch und immer ein bisschen langsam im Kopf. Bemitleidenswert und maximal unschuldig.

Wir sprechen dem Hartz-IV-TV ab, dass es mit Stilmitteln arbeitet. Mit denselben, wie jede Netflixserie: Übertreibung, überzeichneten und fehlbaren Charakteren und einer Dramaturgie. Und wir sprechen denen, die zuschauen, ab, dass sie das wissen.«
Wer soll dieses ominöse »wir« sein, das die stilmittel verleugnet? Es ist doch durchsichtig: die »dramaturgie« ist stets die selbe: es wird der faule h4mensch gezeigt, sich daneben benimmt und kein bock auf arbeit hat. Als gegenpart kommt der workingpoor hinzu, der mindestens 35 stunden pro tag arbeitet, sich den ganzen arsch aufreißt, um seine familie zu ernähren. Für den preis, daß er seine kinder leider vernachläßigen muß, obwohl er so gern mehr zeit mehr für sie hätte.

Das konnte das öffentlich-rechtliche auch schon im jahr 2012 relativ gut als der etwas verquere esoteriker Ralph Boes in der Maischbergertalkshow der fleißigen putzfrau Heidi Ralfs gegenübergestellt wurde: auf der einen seite der »faule« hartzer, der bestimmte arbeiten nicht machen möchte und auf der anderen die fleißige, die mit ihrer plackerei auf keinen grünen zweig kommt aber wahnsinnig stolz drauf ist.
Zitat Thembi Wolf: »Aber auch die Annahme, alle Darstellerinnen müssten Opfer eines ausbeuterischen Systems sein, ist ein Stigma.«
Der begriff »armutsporno« des Britischen »Guardian« trifft die angelegenheit ziemlich gut.

Es wird nicht die realität abgebildet. Stattdessen werden die phantasien des drehbuchschreibers und des publikums bedient. Die darsteller haben oft knebelverträge aus denen sie nicht wieder rauskommen und müssen vor der kamera tun, was ihnen vorgegeben wird. Die sagen nicht, was sie denken oder fühlen, sondern müssen etwas darstellen, was sie überhaupt nicht sind. So etwas kann durchaus spaß machen, ansonsten würde vermutlich niemand schauspieler werden wollen - ich habe mal eine kleine, aber gemeine nebenrolle in einem hörspiel gesprochen und habe durchaus gern die fieslingin gespielt. Das unredliche an diesen angeblichen »dokus« ist, daß sie ebenso »wahr« sind wie sämtliche seifenopern der welt, vom publikum aber größtenteils nicht als fiktion, sondern als realität wahrgenommen werden. Tatsächlich ist die realität von langzeitarbeitslosen oft unspektakulär, weil sie einfach versuchen, mit dem wenigen geld, das sie haben ein möglichst normales leben zu führen. So daß sie, wenn man realitätsnah davon berichten wollte, beim sensationsheischenden RTL2publikum keinerlei quote brächten.

Über Christian und Nathalie, die die »asozialen« in »Armes Deutschland« geben, schreibt Thembi Wolf:
Zitat Thembi Wolf: »Selbst in der Geschichte vom "Ich nehme lieber Hartz IV"-Christian und der rauchenden, schwangeren Natalie steckt diese Nuance. Was schuldet Christian der Gesellschaft? Ist es okay, nicht zu arbeiten? Ist es okay, Arbeit abzulehnen, weil er sich mehr wert ist als den 500-Euro-Job seines besten Kumpels?

Und da ist der Umgang mit dem Stigma der Armut. Studien sagen, Armut führt zu schlechterer Gesundheitsvorsorge. Zu wissen, was gesund ist, ist eine Frage der Bildung. Darf Natalie in der Schwangerschaft rauchen? Wer mal mit Kippe und Kinderwagen unterwegs war, kennt die urteilenden Blicke. Aber solche gesellschaftliche Ächtung prallt an Natalie vielleicht ab.«

Wie sich Christian und Nathalie im richtigen leben verhalten, wird das publikum nicht erfahren. Sie sind, wie schon gesagt, figuren in einer »scripted-reality-show«, die vor der kamera sagen, was sie sollen. Und es geht nicht darum, mal drüber nachzudenken, daß es schon in ordnung ginge, schlecht bezahlt arbeit nicht anzunehmen. Weiter oben wird scheinheilig gefragt:
Zitat Thembi Wolf: »Er will nicht arbeiten, selbst Schuld an der Armut. Schürt das nicht Vorurteile gegen Arbeitslose? Stigmatisiert sie?«
Was denn sonst?
Zitat Thembi Wolf: »Wir verkennen, dass die Hartz-IV-TV-Sendungen hochpolitisch sind.«
Und da ist es schon wieder, dieses »wir« in das man ungefragt eingemeindet wird, auch wenn man es völlig anders sieht.

Natürlich sind diese sendungen hochpolitisch. Es geht darum, die gruppe der arbeitslosen - und speziell der langzeitarbeitslosen - zu diskreditieren.

Zwar ist es in einer konkurrenzgesellschaft zwangsläufig, daß es konkurrenzverlierer gibt. Aber die konkurrenzverlierer sind nach den darstellungen des h4tv grundsätzlich selber schuld. Weil eben dumm, faul, träge und viel zu unmotiviert für den tollen erfolg in der lohnarbeit.

Verachtung gegenüber ärmeren oder weniger leistungsfähigen menschen hat es in dieser gesellschaft schon immer gegeben, seit es diese von Thembi Wolf gelobten formate im fernsehen gibt, hat sich der ton allerdings wesentlich verschärft.
Zitat Thembi Wolf: »Der Wunsch nach "würdevollen" Bildern von Armut war für mich deshalb immer verlogen. Denn es ist nicht das Bedürfnis der Betroffenen – sondern derer, die von außen auf sie blicken und sich ihrer Vorteile und Vorurteile schämen.«
Ja, natürlich ist es verlogen, »würdevolle« bilder von armut zu wünschen. Daß das etwas mit vor- oder vorurteilen oder scham zu tun hätte, ist jedoch auch wieder ein vorurteil. Vielleicht wäre es auch möglich und wesentlich vernünftiger, die abschaffung von armut zu verlangen, statt ihre würdelose darstellung zu bejubeln.

Zitat Thembi Wolf: »Das weiß ich, seit ich klein war und unter Menschen lebte, die meinen 2,90-Latte für die ultimative Dekadenz halten würden.«
Schlechte grammatik. Die 2,90 latte ist in diesem fall offensichtlich kein kaffehaltiges milchschaumgetränk im hochglas, sondern eher ein brett, das an bestimmter stelle sitzt.

Nö, da gibt’s nichts zu danken!

Mittwoch, 27. März 2019

Waldfrüchtejoghurtrettung

Den silberfarbenen löffel in waldfrüchtejoghurtrettung hat in diesem monat Rainer Hank mit seiner »fastenmeditation über die verschwendung« in der FAZ gewonnen, weil er einen bereits seit ca. vier wochen abgelaufenen waldfrüchtejoghurt verzehrte als er gerade nichts besseres hatte. Das ist eine meisterleistung, die gewürdigt gehört!

Nun hat der gute mann literaturwissenschaft, philosophie und, ach, auch katholische theologie studiert, weshalb er nicht nur zum thema waldfrüchtejoghurtrettung schreiben sondern zusätzlich beweisen muß, daß er den unterschied zwischen mindesthaltbarkeitsdatum und verfallsdatum nicht weiß, zur erkenntnis gelangt, daß waldfrüchtejoghurtrettung zwar ihn selbst, aber keinen hungernden Afrikaner satt macht und am schluß jedoch ganz genau weiß, daß »aber [...] der Menschheit nur Marktwirtschaft und Kapitalismus [helfen].«

Aber in ordnung. Er hat das ganze mit »fastenmeditation« übertitelt. Und »meditation« bedeutet, man wolle durch nichtdenken zur erleuchtung kommen. Nur das klappt halt immer nicht. Wie man auch an diesem beispiel gut sehen kann.

Herr Hank schreibt darüber, daß er bereits im kindergarten geld gegen den welthunger gespendet habe und beklagt sich, »[k]eine Ahnung« zu haben, »was mit dem Geld von uns Kindern passierte. Hunger und Armut in der Welt hat es jedenfalls erkennbar nicht reduziert«.

Ehrlich gesagt habe ich auch keine ahnung, was mit dem geld passiert ist, das der herr Hank in seiner kindheit in den 50er jahren den betschwestern und -brüdern hinterherwarf. Einige werden damit womöglich sogar sinnvolles angestellt haben, andere nicht. Biblische wunder bewirken konnten die nicht, sondern nur ein paar krümelchen umverteilen. Daß einfach nicht genug nahrungsmittel produziert wurden, konnten die nicht ändern. Am hungerproblem hat der fortschritt in der landwirtschaft was geändert: 1960 lebten rund drei milliarden menschen auf der welt. Von denen waren 40% unterernährt. Heute gibt es eine weltbevölkerung von fast sieben milliarden menschen. Wäre die relation gleich geblieben, müßten heute ca. zweieinhalb milliarden menschen hunger leiden. Es sind aber »nur« ca. 850 millionen. Das sind sicherlich zu viele. Vor allem, wenn man bedenkt, daß es bei den heutigen erträgen locker möglich wäre, mindestens zehn milliarden menschen zu ernähren.

Allerdings sind in armen wie in reichen ländern dank kapitalismus die menschen durch das geld von allem was sie zum leben benötigen ausgeschlossen. Nahrungmittel werden in diesem besten aller wirtschaftssysteme nicht etwa dafür produziert, einfach aufgegessen zu werden. Wie alles andere hat das zeug seinen zweck erfüllt, wenn es verkauft wurde, dann kann man es mit reinem gewissen wegschmeißen, sofern einem der sinn danach steht. Das erkennt man immer besonders gut dann, wenn irgendwo firmenmitarbeiter widerrechtlich eine halbvertrocknete käsebrötchenhälfte oder dergleichen mitgehen lassen, um sie einer sinnvollen verwendung zuzuführen und dann des diebstahls bezichtigt und rausgeschmissen werden. Der fraß ist privateigentum. Der eigentümer darf darüber verfügen, wie er will.

Dagegen hilft auch spenden und fasten und waldfrüchtejoghurtretten nicht.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Endlich bewiesen: BILD arbeitet seriös

Die BILD hat »erfundene fakten«, die sie von TITANICredakteur Moritz Hürtgen erhalten hatte, auf die titelseite gedruckt.

Das ist ein beweis für seriösen journalismus. Selbstverstänlich nicht für die Bild sondern natürlich für die TITANIC.

Weiteres dazu gibt's hier.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Dreckslochländer

In bezug auf Zeit-online, wo letztens gefragt wurde, warum manche länder drecklöcher sind, schreibt Tobias Blanken bei den Salonkolumnisten, daß der begriff »drecksregime« für solche länder angemessen wäre, weil ja nicht die länder an sich »dreckslöcher« wären, sondern das herrschende regime entscheidend sei.

Da ist die gute, alte DDR natürlich nicht weit. Schließlich sprach Donald Trump von »shithole countries«, weil er ein problem mit flüchtlingen aus dem ostblock hat - gegen die menschenmassen aus der DDR will er bekanntermaßen sogar eine mauer errichten lassen. Aber zurück zu Blankens text. Über die DDR schreibt er
zitat Tobias Blanken: »Beide Staaten fingen nach dem Krieg mit ähnlichem Menschenmaterial an, trotzdem nahm die Produktivität einen anderen Lauf.«
Natürlich fing die DDR mit ähnlichen menschen wie die BRD an, jedoch mit anderem, vor allem weniger material. Zwar waren die kriegsschäden auf dem gebiet der SBZ geringer als in den westzonen, doch leistete die SBZ 97 % der reparationsleistungen.
Zitat Tobias Blanken:»Entscheidend für die Produktivität ist nicht die Faulheit oder der Fleiß der Menschen am Arbeitsplatz, sondern wie effizient die Arbeitsprozesse organisiert sind – und welche Technologien zum Einsatz gebracht werden. Und da hat sich die dezentral organisierte Marktwirtschaft gegenüber der hierarchisch organisierten Planwirtschaft als überlegen erwiesen; die privatwirtschaftlichen Unternehmen der BRD konnten nahezu in jedem Jahr aufs Neue höhere Produktivitätszuwächse als die Staatswirtschaft der DDR erzielen. Produktivitätszuwächse, die sich dann über die Jahrzehnte so akkumulierten, dass die DDR trotz ähnlicher Ausgangsvoraussetzungen regulär abgehängt wurde. Und das mit drastischen Folgen, mit einem Drittel der Produktivität der BRD hätte die DDR 1989 die Arbeitszeiten verdreifachen müssen, um das Wohlstandsniveau der BRD zu erreichen. Was aber auch nur in der Theorie möglich ist, da Menschen schlichtweg nicht in der Lage sind, jede Woche aufs Neue eine 120-Stunden-Woche abzureißen.«
Wie ich oben bereits dargelegt hatte: auf dem gebiet der SBZ waren vor der staatsgründung der DDR ganze fabriken abgebaut, eisenbahngleise herausgerissen, loks und waggons mitgenommen worden. Nach der demontage von industrie- und eisenbahnanlagen lag die wirtschaftliche leistungfähigkeit bei etwas mehr als der hälfte des vorkriegsniveaus. All das mußte erst wieder aufgebaut werden. Damit waren die ausgangsvorraussetzungen eben alles andere als ähnlich wie im westen, sondern tatsächlich wesentlich schlechter.

Immerhin erkennt herr Blanken, daß für die produktivität andere dinge notwendig sind als bloß fleiß. Ein problem der DDR war, daß sie moderne maschinen, beispielsweise mangels devisen, nicht einfach so auf dem weltmarkt kaufen konnte, weshalb die notwendige modernisierung langsamer als im westen verlief.

Auf jeden fall sollte man darüber nachdenken, was das mit der produktivität übrhaupt bedeutet. Die wurde in Westdeutschland nicht aus langeweile oder wohltätigen zwecken gesteigert, sondern damit mehr gewinn für die unternehmer rausspringt. Produktivitätssteigerung bedeutet nicht unbedingt mehr wohlstand für die leute, die die leistung erbringen, sondern daß härter gearbeitet werden muß. Hierzu schreibt herr Blanken:
Zitat Tobias Blanken:»Heruntergebrochen, wenn ein Bürger der BRD eine Stunde arbeiten musste, um etwas herzustellen, musste ein Insasse der DDR drei Stunden arbeiten.«
Erstmal ist es natürlich ein ding, daß die menschen in der DDR für herrn Blanken natürlich keineswegs »bürger« sind, sondern knackigleich »insassen.«

Was hat denn die produktivitätssteigerung in der BRD gebracht?

Die leute, die arbeitsplätze hatten, mußten härter arbeiten. Und der rest, den man nicht mehr brauchte, war arbeitslos. In den 80er jahren gab es in der BRD arbeitslosenquoten von 7 – 9 %. 1989 gab es in der BRD mehr als zwei millionen arbeitslose.

In einer volkswirtschaft, in der die anfallende arbeit auf die gesamte arbeitsfähige bevölkerung verteilt wird, geht es nicht drum, aus jedem einzelnen das meiste rauszuprügeln, sondern die notwendige arbeit so zu verteilen, daß sie für die menschen möglichst leichter wird. Das ist ein völlig anderes konzept und läßt sich so nicht besonders gut vergleichen
Zitat Tobias Blanken:»Aber „Menschen aus Drecksregimen“ läuft womöglich Trumps Intention zuwider, denn „Regime“ klebt nicht an den Menschen, es taugt nicht als Stigmata.«
Meines wissens ist »stigmata« plural. Dieser satz ist also einigermaßen verkorkst. Aber jeder macht fehler, nicht nur die plankommission der DDR.
Zitat Tobias Blanken:»Dass die Produktivitätskluft zwischen der BRD und der DDR trotz ähnlichem Menschenmaterial breit wie der Grand Canyon war, geht vermutlich schon gar nicht mehr in seinen Kopf, dass schwarze Einwanderer in den USA sogar überdurchschnittlich performen, noch viel weniger, schließlich müsste der alte Mann mit dem blondierten Haar dann sein krudes Weltbild hinterfragen.«
So breit ist der Grand Canyon nun auch wieder nicht. Vielleicht müßte der mann mit den kruden gedanken unter der frisur sein weltbild mal hinterfragen, wenn er weniger vorurteilsbeladen auf die wirtschaft der DDR gucken würde. Die sache dürfte den einen oder anderen erstaunen.

1950 waren beide Deutschen staaten gegründet, sie fingen an zu wirtschaften - also für beide BIP-index (BIP = Bruttoinlandsprodukt) 100. 1989, also zum ende der DDR war der BIP-index immerhin auf 558 gewachsen. Der der BRD auf 534. Die DDR hatte also ein höheres wirtschaftswachtum als die BRD.

Dabei weiß man doch, daß die damals in der DDR gar nichts hinbekamen. Aber mal ehrlich: in der DDR haben sie aus eigener kraft aus erbärlichen verhältnissen einen immerhin bescheidenen wohlstand geschaffen.

Um ein klares bild von der planwirtschaft zu bekommen, müßte man das experiment mit tatsächlich gleichen bedingungen auf beiden seiten wiederholen.
Zitat Tobias Blanken:»Und das Hinterfragen ist eine Disziplin, bei der narzisstische, vorurteilsbeladene Menschen ganz mies performen, in diesem Fall sogar vollkommen unabhängig vom System.«
Daß der narzißtische, vorurteilsbeladene mensch nicht unbedingt bestens »performt« hat uns herr Blanken exzellent vorgeturnt. Ob er wohl bereit wäre, seine vorurteile abzubauen, kann man nicht wissen.

Er lebt leider in einem dreckslochland, in dem man vor politischer indoktrination nicht sicher ist - und so muß man ihm seine voreingenommenheit vielleicht nachsehen.

Mittwoch, 26. August 2015

Willkommen im kollektiven freizeitpark. Oder: mal wieder »kritischer journalismus« in der FAZ.

Neulich berichtete Dietrich Creutzburg in der FAZ, daß es in Deutschland sehr viel bezahlte freizeit und zudem hohe löhne gäbe.

Das hat eine aktuelle studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft im auftrag der Bayrischen arbeitgeberverbände »bewiesen«, denn wenn man den tariflich gewährten urlaub von 30 tagen mit den in Bayern durchschnittlich 10 feiertagen im jahr addiert, kommt man auf »stolze« 40 bezahlte ferientage.

An sich könnte es einem bezahlten qualitätsjournalisten auffallen, daß viele arbeitnehmer gar keinen tariflichen urlaub mehr bekommen. Sondern nur noch den gesetzlichen mindesturlaub von 24 werktagen. Die urlaubsberechnung nach werktagen geht von einer sechstagewoche aus. Das bedeutet, daß jemand der keinen tariflichen urlaub, sondern bloß gesetzlichen hat, keine sechs wochen jahresurlaub kriegt, sondern bloß vier. In Berlin gibt es auch keine »durchschnittlich zehn« feiertage, sondern insgesamt bloß neun. Von denen fünf auf einen ohnehin arbeitsfreien tag fallen können.

Aber selbst wenn jemand auf diese 40 bezahlten freien tage kommt, stehen dem rund 240 arbeitstage gegenüber. Das bedeutet sechs mal so viel lohnmaloche wie schaffen im eigeninteresse.

Liebt man nun den chef, dem man den großteil des lebens widmet oder den lebenspartner, die kinder, die freunde, die freizeitbeschäftigungen, für die man immer zu wenig zeit hat?

Wer diese zustände bejubelt, muß schon einen gehörigen sprung in der schüssel haben.

Samstag, 6. Juni 2015

Ge sieben

In der »taz« schreibt Martin Kaul, »taz-redakteur für soziale bewegungen & politik von unten«, in einem artikel folgendes

Zitat: »Repräsentation ist, politikwissenschaftlich betrachtet, die rechtlich autorisierte Ausübung von Herrschaftsfunktionen. Demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs vertreten die Interessen des Volkes. In Elmau zeigt sich, was passiert, wenn diese gute Idee missverstanden wird.«

Zwei sätze, ein widerspruch. Entweder herrschaft oder interessen des volkes. In Elmau wird keine gute idee einfach mißverstanden. In Elmau wird eine schlechte idee einfach ausgeübt. Nämlich herrschaft. Und wenn man herrschaftsfunktionen für »in ordnung« hält, dann muß man auch nicht beweinen, daß eher über das wetter als über den prekären zustand der welt geredet wird, wie der herr »redakteur für politik von unten« im weiteren das tut.

Den prekären zustand der welt hat die herrschaft zufällig nicht aus mißverständnis so eingerichtet, weil sie glauben würde, daß das den leuten gut täte. Sie vertritt nicht die interessen der mehrheit, nur weil sie gewählt wurde. Hier steht immer nur zur wahl, wer minderheiteninteressen gegen die mehrheit vertreten soll.

Sonntag, 24. Mai 2015

Europa stirbt und Die Welt geht gleich unter

Im grunde genommen ist der ESC ungefähr so interessant wie ein geplatztes würstchen in der Volksrepubik China. Allerdings gab es nach dem »null-punkte-sieg« Deutschlands in den medien einige beiträge bei denen ich mich hätte kugeln können.

So schrieb Matthias Mattusek in Der Welt:
»Nein, nach diesem Eurovision Song Contest hab ich keine Lust mehr auf Europa. So springt man mit dem Fußballweltmeister 2014 nicht um. So nicht. Es ist doch nicht unsere Schuld, dass wir so viel besser spielen als alle anderen. Und auch noch besser aussehen. Wie Ann Sophie bewiesen hat. Schon ihr Rücken hätte gewinnen müssen.«

Jawollo. Das ist ungerecht, daß die anderen nicht wissen wollen, daß »wir« nun einmal nicht nur besser kicken können als alle anderen, sondern auch besser singen oder weltkriege anzetteln.

Wenn das alles nicht anerkannt wird, kann einem die »lust auf Europa« tatsächlich vergehen.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Hilfe! Erpressung!

Einen geistigen höhenflug ungeahnten ausmaßes hatte Susanne Kablitz, die ehemalige vorsitzende der PdV: sie hat festgestellt, daß es einen zusammenhang zwischen »kapitalismus« und »erpressung« gibt.

Das stimmt auffallend. Wie zu erwarten, betrachtet sie das allerdings von der völlig idiotischen seite.

Denn, daß der Klaus Weselsky von der GDL und die streikenden lokführer schuld an der erpressung wären, ist blödsinn. Denn weder der herr Weselsky noch irgendwelche streikbereiten menschen haben die verhältnisse, die auf erpressung beruhen, so eingerichtet.

So träumt frau Kablitz, deren blogmotto »Jenseits der Illusionsbedürftigkeit« ist vor sich hin
Zitat Kablitz: »Jeder Mitarbeiter kann – wenn ihm die Bedingungen seines Arbeitsplatzes nicht mehr gefallen – die Kündigung einreichen und sich einen angenehmeren Arbeitsplatz suchen. Es ist aber in negativer Hinsicht bemerkenswert, wenn sich jemand dieser Mühe nicht aussetzen, die erworbenen Annehmlichkeiten und Sicherheiten nicht missen möchte, jedoch keine Skrupel damit hat, einseitig von den vereinbarten Vertragsbedingungen abzuweichen und die eigenen Vorstellungen abzupressen.«
Als wenn das nicht nach dem bedürfnis nach der illusion, daß in diesem system irgendetwas ohne erpressung ablaufen könnte, schreien würde: Da steckt die illusion drin, daß man sich irgendwas aussuchen könnte.

Kann man nicht. Das ist doch der clou am system des »kaufens und verkaufens«: die leute, die nichts anderes verkaufen können als ihre arbeitskraft, sind immer erpreßbar, weil sie immer verkaufen müssen, um zu überleben. Ihre gesellschaftliche macht der mehrheit gegen die minderheit dürfen sie per gesetz nicht ausnutzen.

Wie die erpressungsverhältnisse liegen, sollte damit klar sein.

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Mich würde es nicht wundern, wenn tante Kablitz demnächst in AfDkreisen auftauchen täte.

Dienstag, 28. April 2015

Das neueste opfer der propaganda: der arme neoliberalismus

Letztens schrieb Thomas Straubhaar in seiner kolumne in der »Welt« über den armen, ständig mißverstandenen neoliberalismus, der nun wirklich uns alle liebt.

Nur sind wir leider ein undankbares pack und mißverstehen die wohltaten, die uns hier getan werden, dauernd. Denn schließlich hat kein anderes wirtschaftssytem so viel wohlstand hervorgebracht wie der neoliberalismus - und zwar so viel, daß der mitinitiator des »Hamburger Appells« es für nötig erachtet, Deutschland mit dem nicht neoliberal organisierten entwicklungsland Nordkorea zu vergleichen.

Schließlich hätten die bösen linken das wort als kampfbegriff mißbraucht, der für »alles schlechte in dieser welt von arbeitslosigkeit bis umweltzerstörung, verarmung und verelendung verantwortlich gemacht wird.«

Die schlimmsten gegner des neoliberalismus jedoch säßen in den chefetagen, »die in ihrem streben nach gewinnmaximierung moral und anstand, regeln und gesetze mißachtet und damit die freiheiten mißbraucht« hätten.

Da sträubt sich einem das haar: der Straubhaar hat sein gesamtes erwerbsleben damit verbracht, diese freiheiten durchzusetzen.

Und jetzt soll es moralisch verwerflich sein, daß die zielgruppe dieser freiheiten von ihr gebrauch gemacht hat. Wohlgemerkt nicht mißbrauch getrieben hat, denn freiheitliche rechte sind dafür da, daß man sie nutzt, wenn man kann.

Nun schreit der wackere neoliberale, der sich für die INSM und andere arbeitgebernahe stiftungen eingesetzt hat, damit die gewinnmaximierung klappt, nach dem staat und beklagt nicht vorhandene moral.

Die moral von der geschicht: an moral glaub’ besser nicht.

Sonntag, 5. April 2015

Geldmangel nicht schuld an armut

Die neuesten wissenschaftlichen erkenntnisse aus der FAZ.

Eigentlich ist es schon fast erstaunlich, daß es inzwischen sogar in der FAZ steht, daß menschen mit hohem einkommen im durchschnitt zehn jahre länger leben als arme. Der der online-wirtschaftsressorleiter der FAZ Patrick Bernau schreibt hierzu:
»In Deutschland zum Beispiel liegen laut Robert-Koch-Institut zehn Jahre zwischen der Lebenserwartung der ärmsten Einkommensgruppe (2013: 980 Euro netto monatlich für Singles) und der reichsten Gruppe (2013: 2450 Euro netto) monatlich für Singles«
Die angeblich »einkommensreichen« sollen laut dieser aussage tatsächlich nur zweieinhalbmal so viel verdienen wie die »einkommensarmen«. Das wäre schon fast realsozialismus, wenn es in diesem staat nur eine so geringe lohnspreizung gäbe. Wenn man nicht vom medianlohn ausginge, der niedrig liegt, weil es so viele niedriglöhner gibt, würde das nicht so aussehen. Und wenn man nicht nur »lohn«, sondern jede form von »einkommen« einbezöge, stellte man fest, daß hier verhamlosung betrieben wird. Tatsächlich verdienen die »einkommensreichen« oft das 1000fache der »einkommensarmen«.

Und überhaupt sei in wirklichkeit die lebenserwartung im grunde völlig unabhägig vom geld, schließlich bekommen Nobelpreisträger den preis oft im hohen alter, und die lebten länger als die forscher, die den preis knapp verfehlten, also hätte anerkennung einfluß auf die lebenserwartung.

Umgekehrt: wer länger lebt, hat eher noch eine chance, im hohen alter geehrt zu werden. Tote erhalten keinen Nobelpreis mehr.

Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, soll dann auch noch das riskante leben von spielernaturen rechtfertigen, daß niedriglohn völlig in ordnung sei. Denn lottogewinner, die unverhofft zu viel geld kommen, leben angeblich nicht länger. Woher wissen die eigentlich, wie lange die einzelnen personen denn ohne ihren gewinn gelebt hätten? Das läßt sich durch auswerten von statistiken bestenfalls mutmaßen, beweisen läßt sich da nichts.
»Das deutet darauf hin, dass die Lebenserwartung mehr vom Lebensstil abhängt als davon, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat.«
Ist völlig selbstverständlich, daß der lebensstil nun so gar nichts mit dem konto zu tun hat, ein armer niedriglöhner mit leerem konto geht selbstverständlich am jet-set-leben und kokainkonsum zugrunde.

Und überhaupt »lebensstil«: der arme teil der bevölkerung findet es einfach »stylish« in ungesunden verhältnissen zu leben. Eine schimmelnde hochhauswohnung neben einem kohlekraftwerkt an der stadtautobahn ist viel schicker als eine villa im grünen. Deren gesundheitsprobleme und frühzeitiges ableben könnten einfach behoben werden, wenn die einfach mal ihre ansprüche etwas heruntersetzen könnten.
»Wer mehr weiß, verdient oft mehr – und wer mehr weiß, kann länger leben. Wissen über gesunde Ernährung und das Kochen von gesunden Speisen muss erst erlangt werden.«
Diese hohe erkenntnis darf selbstverständlich auf keinen fall fehlen. Die tendenz, daß auch akademiker immer häufiger arbeitslos werden und in prekären arbeitsverhältnissen landen, ist bei der FAZ noch nicht angekommen. Aber es ist immerhin etwas, wenn man weiß, wie man gesunde speisen zubereiten könnte, wenn man an die dafür brauchbaren zutaten rankäme.

Die wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt,
daß F.A.Z. auch BLÖD enthält, BLÖD enthält...

Donnerstag, 5. März 2015

Promoviert, niedriglohngeil, plemplem.

Den goldenen bescheidenheitsvogel mit quadratmeise für den vergangenen montat hat Stefanie Schmidt in der taz abgeschossen. Die promovierte historikerin bejammert es, daß sie nach der gesetzesänderung nicht mehr als billigstarbeitskraft (praktikantin) bei der taz arbeiten kann. Denn wenn man schon keine »richtige« arbeit findet, so will man doch wenigstens so tun, als ob.

Sie habe eine ausbildung zur bürokauffrau gemacht und seit ihrem 18. lebensjahr in ihrer freizeit in der fabrik am fließband gestanden - da merkt der weniger akademische arbeitsmensch auf, denn freizeit und fließband sind zwei sachen, die einander ausschließen - und was sie nicht alles noch für jobs getan hätte.
Zitat: „Ich kann mir vorstellen, wie es Ihnen geht“, sagt die Dame, „ich habe auch eine Freundin, die in Geschichte promoviert hat. Sie ist jetzt 40 Jahre alt und verdient das erste Mal in ihrem Leben mehr als 1.500 Euro“ … (Kunstpause) … „Aber wir suchen niemanden, der einen Job macht, nur weil er verzweifelt ist. Wir wollen eine Referentin, die überglücklich ist, dass sie den Presseverteiler unseres Museums pflegen darf. Sie können mit 1.000 Euro doch gar nicht allein in Berlin leben!“

Da gibt es in Berlin in einem museum offensichtlich eine einzelne personalchefin, die bei verstand ist und feststellt, daß man als single von 1000 € in Berlin nicht leben kann und das, ach, so »linke« blättchen taz schreibt dagegen.

Gewundert hat mich das nicht. Im jahr vor der einführung von h4 jubelten die immer wieder, daß darin große chanchen steckten. Und das hat ja auch gestimmt, die hatten die chance, gut ausgebildete menschen für lau zu beschäftigen und da muß es kaum wundern, daß die es bedauernswert finden, daß wenigstens diese sauerei abgeschafft wurde.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Bahn ist zu billig

Das zumindest findet Thiemo Heeg, wirtschaftsredakteur der FAZ. Schließlich verschleudere sie seit jahrzehnten ihre tickets zum halben preis.

Dies sei für schnäppchenschland der traum, daß man im supermarkt an der kasse seine rewe- oder aldicard zücke und schon halbiere sich der preis, deshalb habe sich auch noch nie ein unternehmen auf so etwas eingelassen.

Stimmt ja gar nicht. Zumindest in Berlin gibt es einen biosupermarkt mit mehreren filialen, bei dem man tatsächlich eine kundenkarte erwerben kann, mit der man an der kasse einen sofortrabatt auf alles erhält. Das hat, der herr wirtschaftsredakteur ahnt es nicht, den zweck der kundenbindung.

Und ähnlich verhält es sich mit der BahnCard. Die verschenkt die bahn leider nicht, sondern man muß sie erst für teuer geld kaufen, so daß sie sich für kunden erst lohnt, wenn sie öfter fahren. Der bahn kann es egal sein, sie kassiert, ohne daß sie den BahnCard-Kunden dafür auch nur einen kilometer befördern müßte für die BahnCard50 255 € oder für die BahnCard25 62 € (alles schon wieder teurer geworden).

In den 90er jahren, als die BahnCard eingeführt wurde, war die idee, neue kunden zu gewinnen. Leute von der straße auf die schiene zu locken. Und das hat bis zu einem gewissen grad funktioniert, die fahrgastzahlen sind seit dem, trotz verschlechterung des angebots (z.B. streichung der interregiozüge) nicht weiter gesunken.

Angeblich mache der »luftverkehr vor, wie ein kluges preissystem aussieht. Sind die kabinen voll, kostet es viel. Sind sie leer, kann ich günstig fliegen.« Auch wenn ich mächtige zweifel daran habe, daß ein preissystem an sich klug sein kann, das gibt es bei der bahn doch längst: bei eher »unbeliebten« zügen hat man höhere chancen auf ein sparpreisticket als bei zügen, mit denen alle fahren wollen.

Hartmut Mehdorns »flugpreiskonzept« ohne bahncard, das er vor über 10 jahren durchsetzen wollte, ist bei den kunden nicht gut angekommen. Von Berlin aus kann man in viele andere Europäische großstädte bequem fliegen, mit dem flugzeug ist man schneller und oft sogar günstiger unterwegs als mit der bahn. Der vorteil der bahn ist, daß man spontan fahren kann und wenn man das öfter möchte, eben auch günstig.

Die bahn braucht kein neues preissystem. Die geschäftsleitung der bahn braucht bloß ein umdenken, daß die bahn dafür da ist, leute von a nach b zu befördern und keiner der bahnkunden am gewinn der bahn interessiert ist, sondern eher, möglichst pünktlich und heile anzukommen. Damit das gewährleistet werden kann, müßte das personal anständig bezahlt und behandelt werden. Auch haben bahnkunden kein interesse daran, auf kleinstadtbahnhöfen im regen zu stehen und zu frieren, weil aus kostengründen die hübschen bahnhofsgebäude mit ihren warmen wartesäälen nicht mehr genutzt werden dürfen. In den chefetagen der bahn sollte man sich drauf besinnen, daß es eben nicht nur in den metropolen potentielle bahnfahrer gibt, sondern auch auf dem flachen land.

Das problem der bahn ist nicht, daß sie ihre tickets zu billig verschleudern würde, sondern, daß sie ihr angebot stetig verschlechtert, strecken stillegt und menschen vom bahnnetz abschneidet.

Freitag, 21. November 2014

Rußland vorgestern

An sich ist auslandsrundfunk kaum etwas schlechtes. Viele länder bieten ein mehrsprachiges programm mit informationen für ein ausländisches publikum an. So gibt es beispielsweise das programm der Deutschen Welle in 30 sprachen, darunter auch Russisch und Ukrainisch. Auch China oder der Iran bieten Deutschsprachige nachrichten an und seit kurzem gibt es RT aus Rußland ebenfalls in Deutscher sprache.

Ich bin durchaus Rußlandfreundlich gesonnen, aber in bezug auf diesen sender frage ich mich wirklich, ob die nicht spinnen, die Russen. Denn das was die dem Deutschsprachigen publikum vorsetzen, ist schlicht und ergreifend eine zumutung.

Es sollte einem zu denken geben, daß RT im letzten jahr zum NSA-skandal niemanden aus dem bundestag befragte, sondern ausgerechnet die in Deutschland damals wie heute weitgehend unbekannte Beatrix von Storch. Daß nun diese erzreaktionäre ausgesucht wurde, und nicht irgendjemand sonst, war sicherlich kein zufall, im umfeld von RT sind eher reaktionäre figuren aus Deutschland zu beobachten. Leute wie Elsässer, Schachtschneider, Ochsenreiter oder Ulfkotte.

Wenn das die »alternative« zum neoliberal geprägten einerlei der westlichen medien sein soll, verzichte ich auf beides gern. Man muß sich nicht freuen, wenn man anstatt mist etwas wie verdauungsendprodukt geboten bekommt.

RT, das steht offensichtlich für die »rückwärtsterminierten«.

Sonntag, 24. August 2014

H4märchenstunde bei der FAZ

Von allen guten geistern lebenslang verlassen schreibt Christoph Schäfer in FAZ über eine offensichtlich frei erfundene in Deutschland lebende Türkin.
Frei erfunden?

Na, klar. Denn die heute angeblich 41jährige tochter einer alleinerziehenden mutter, die ihre kettenraucherei ohne den Deutschen sozialstaat nicht finanzieren könnte, erhält laut FAZ geld vom sozialamt. Das ist eine merkwürdige sache, denn die fleißige friseurin, die nicht genug geld verdient, um davon leben zu können, müßte eigentlich auf dem jobcenter und auf dem wohnungsamt anträge um ergänzende sozialleistungen stellen, wenn das geld nicht für miete und essen reicht.

Hinzu kommt noch die absurde geschichte mit dem abgelaufenen ausweis. Die frei erfundene aus dem artikel verfügt angeblich nur über einen seit zwei jahren abgelaufenen türkischen pass. Damit bekäme man auf Deutschen ämtern keine arbeitserlaubnis. Und schon gar keine sozialleistungen.

Ohne gültige papiere bekommt man auf Deutschen ämtern allerhöchstens einen tritt in den arsch. Und das gilt für aus- und inländer gleichermaßen.

Stattdessen das angebliche problem, sich bei »großen firmen bewerben zu können«. Bei welchen »großen firmen« sollte sich eine friseurin denn bewerben? Vielleicht aus hausfriseuse bei Rheinmetall oder Aldi? Brauchen die neuerdings sowas?

Die FAZ bringt zur abwechslung den reinsten schwachsinn und die braven bürger löffeln diesen quark.

Samstag, 5. Juli 2014

Ökonomisches analphabetentum

In einem songtext der Berliner band »Foyer des Arts« hieß einst eine textzeile
»Das peinlichste am Schwabenlande, mal von der Landschaft abgesehen, sind doch wohl sicherlich die Schwaben.«
Noch peinlicher als Schwaben sind gewiß Schwäbische politiker. Wie zum beispiel der durch politische promiskuität auffällige Oswald Metzger. Vor jahren äußerte er sich noch als GRÜNES mietmaul der INSM über h4empfänger dahingehend, daß die ohnehin nichts anderes täten, als kohlehydrate und alkohol in sich hinein zu stopfen und vor dem fernseher zu hocken.

In der vergangenen woche stellte er als stellvertretender vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, geschäftsfürender sekretär des »Konvent für Deutschland« und CDUmitglied in der »Welt« unter dem titel »wider das ökonomische analphabetentum« die frage, ob schon einmal jemand einen mindestgewinn für kleinbetriebe gefordert habe. Wenn sich der studierte rechtswissenschaftler ohne diplom da mal kein eigentor geschossen hat. Denn dann könnten alle h4empfänger und niedriglöhner einfach unrentable kleinstfirmen gründen und vom staatlich zugesicherten mindestgewinn ein angenehmes leben führen. Das könnte man schon fast eine menschenfreundliche idee nennen. Aber so hatte es der berufspolitiker ohne berufliche qualifikation wohl eher nicht gemeint.

Im weiteren verlauf des artikels gibt es dann noch ein wenig lehrer-, politiker- und medienschelte. Die meinung, daß lehrer überbezahlte staatsbeamten seien, ist tatsächlich nicht neu. Allerdings auch nicht mehr aktuell, weil heutzutage längst nicht mehr alle lehrer an öffentlichen schulen verbeamtet sind. Und gut oder gar »überbezahlt« war wohl auch eher gestern. Es soll sogar lehrer geben, die in den großen ferien von arbeitslosengeld leben müssen, weil sie nur noch zeitverträge erhalten. Ich glaube nicht, daß das der qualität des unterrichts zuträglich ist.

Im weiteren erzählt der autor anscheinend aus seinem leben: Daß menschen, die unternehmerisch denken, eher nicht berufspolitiker werden. Weil jemand der erfolgreich ist, die pöstchen, auf die der herr Metzger immer spitz gewesen ist, nicht nötig hat.

Er schreibt, daß die medien die »wahre lage« überzeichneten, daß das problem der prekären beschäftigung tatsächlich gar kein so schlimmes sei, sondern nur viele journalisten tatsächlich nicht übermäßig gut bezahlt würden, weshalb sie nicht müde würden, ständig zu wiederholen, daß es nicht schön ist schlecht bezahlt zu werden.

Da kann man wohl davon ausgehen, daß sich einer freut, wenigstens gut dafür bezahlt zu werden, das gegenteil zu behaupten. Das ist halt ökonomischer analphabetismus: nichts können, nichts begreifen aber trotzdem bezahlt werden, weil man in einem ordentlichen kapitalismus wenigstens noch die eigene »meinung« käuflich veräußern kann.

Montag, 23. Dezember 2013

Und wieder nur kaum vorstellbare gewalt und willkür im osten

Jetzt hat der Putin es getan. Er hat den verurteilten wirtschaftsverbrecher Chodorkowski amnestiert. Und weil er schon mal dabei war, hat er auch gleich die drei inhaftierten »pussy riots« laufen lassen.

Nur sei diese begnadigung für die gefangenen eine weitere demütigung, schreibt Stefan Kornelius in der »Süddeutschen«
Den »helden« Hans-Dietrich Genscher, bekanntermaßen ehemaliger außenminister der BRD, der offenbar nicht unschuldig an dieser entwürdigenden amnestie ist läßt der herr Kornelius natürlich außen vor.

Sofern es tatsächlich derart demütigend ist, von präsident Putin begnadigt zu werden, könnten sie sich als echte oppositionelle dem auch verweigern, im knast bleiben und meinetwegen die herren Genscher und Kornelius mitnehmen.

Zum glück gibt es in Deutschland kaum eine staatsgewalt. Bei Klaus Baum fand ich diesen link. Hier erzählt eine anwohnerin der Juliusstraße in Hamburg, was sie bei der demo für die »Rote Flora« am 21. dezember gesehen hat.

Das kommt in den mainstream-medien nicht vor. Wer ein blog betreibt, bei vk, google+ oder facebook ist, möge bitte weiterverbreiten, was die mainstream-medien verschweigen.

Falls das bei sich in html jemand einbinden möchte, der anklickbare link geht beispielsweise so:

<a href="http://www.freie-radios.net/60891" target="_blank">Augenzeugenbericht zur Demo in Hamburg</a>

Weil man das heute dazu schreiben sollte: dies ist AUSDRÜCKLICH KEIN aufruf zur gewalt gegen polizisten.

Es hat keinen sinn, steine oder sonstwas gegen die zu schmeißen. Vielmehr sollte man versuchen zu erörtern, was die staatsgewalt mit den menschen anstellt und was man von der staatsgewalt halten sollte.

Freitag, 11. Oktober 2013

Armut ist diebstahl

Es gibt ein neues buch, in welchem zur abwechslung die armen mal wieder als »bequem«, »faul« und »zur eigeninitiative unfähig« abgestempelt werden. Laut des in der Schweiz lebenden buchautors René Zeyer sind es diesmal nicht »die juden« oder »die muslime«, sondern »die armen«, die »uns« ruinieren.

Auch wenn er die leser nicht darüber aufklärt, wer denn zu seinem imaginären kollektiv, das er mit »uns« bezeichnet, gehören soll. Ich jedenfalls nicht. Wenn man drüber nachdenkt, was einen eigentlich ruiniert, sind es keinesfalls die vielen habenichtse. Da kommt man auf völlig andere ursachen, die krank machen und ruinieren.

Nicht die armen ruinieren, die armut ruiniert.

Und die ist unter lohnarbeitenden menschen weiter verbreitet als einem gemeinhin gesagt wird.

Zeyer stellt in seinem buch die these auf, daß es in Europa seit rund 400 jahren so etwas wie armutsbekämpfung gäbe, selbige aber nicht übermäßig viel geholfen habe. Zeyer sagt hierzu in einem interview, daß die »relative armut« in Europa zunehme und deshalb die armutsbekämpfung völlig erfolglos gewesen sei.

Zwar stimmt es auffallend, daß das christentum mit seiner wohltätigkeit nichts wirklich bewegt hat. Die christiliche mildtätigkeit war in der geschichte sicherlich ein fortschritt: man hat es organisiert, menschen, die in not geraten waren, nicht einfach verrecken zu lassen, alten und kranken zu helfen und die not zu lindern.

Jedoch war armutsbekämpfung nie das ziel, das die christenheit sich gesetzt hatte, sondern armutsbetreuung. Und das ist etwas völlig anderes.

Nicht umsonst hat sich im ausgehenden 19. jahrhundert die obrigkeit selbst für die armutsbetreuung eingesetzt. Berliner kennen noch die »Kirchenjuste«, die sich hauptsächlich selbst mit den kirchenbauten ein denkmal setzte, aber den armen, sofern sie sittlich lebten und brav den Jesus bejubelten anstatt zu rebellieren, eine tasse muckefuck und ‘ne schrippe gewährte. Selbstverständlich nicht aus ihrem privatvermögen, sondern aus spendengeldern mitleidiger bürger.

Weitaus eher im gedächtnis geblieben dürfte den meisten die einführung der sozialversicherung unter reichskanzler Bismarck sein. Das war kein zugeständnis an die arbeiterklasse. Das war das eingeständnis, daß die lohnarbeitende mehrheit nie genug lohn erhalten würde, um sich in notlagen, um es in Zeyers worten zu sagen, »eigenverantwortlich« selbst zu helfen.

Daran hat sich bis heute nicht wesentlich was geändert. Und das war auch so gewollt: Die lohnarbeitende mehrheit hat z. B. im fall einer ernsten erkrankung nie das geld, eine behandlung zu bezahlen und den arbeitsausfall auszugleichen. Wer seine stelle verliert - und personal zu entlassen ist in der kapitalistisch organisierten wirtschaft alles andere als verboten, schließlich kommt das vielbeschworene wirtschaftswachstum nur zu stande wenn man aus möglichst wenig arbeitern möglichst viel leistung rausprügelt, weil deren löhne sonst den gewinnerwartungen im wege stehen - ist im normalfall nicht in der lage, einfach selbst für seinen lebensunterhalt aufzukommen.

Der lohn ist keinesfalls dafür gedacht, den menschen, der arbeitet »reich« zu machen. Der ist in einer wirtschaftsform, in der alles gekauft und verkauft werden muß, bestenfalls ein notwendiges übel. Hauptsächlich schlägt sich der lohn negativ in den bilanzen nieder - er steht im widerspruch zum gewinn.

Somit geht Zeyers geseier schlicht an den realen zuständen vorbei.

Den von ihm behaupteten »konsum ohne gegenleistung« gibt es in dieser wirtschaftordnung definitiv nicht. Als gegenleistung für konsum gibt es hier in jedem fall ausschließlich eins: geld. Ob man das beispielsweise durch lohnarbeit verdient, von irgendeinem amt bekommen hat oder leistungslos bezogen, weil man wohnungen besitzt, die man selbst nicht braucht und so menschen geld abpressen kann, weil man etwas hat, was man selbst nicht zum leben braucht, ist völlig egal.

Der Zeyer fordert eine härtere in die pflicht nahme der armen. Offensichtlich hat er verschlafen, womit die armen in den industrienationen von der besitzenden klasse in die pflicht genommen werden: Lohnarbeit, also dienst am kapital und wenn das nicht funktioniert, gilt es, almosen zu beziehen.

Donnerstag, 15. August 2013

Billiges bier ist wie freistrom für alle

In einer verzichtspredigt erklärt die WDRwirtschaftsredaktion, daß sparsamkeit nur durch hohe preise erzwungen werden könne.

Das ist eine verquere sicht auf die welt, denn wer heute kein bier mag, wird auch morgen keins trinken, nur weil es kostenlos abgegeben wird und man sagenhaft billig wegkommt, wenn man möglichst viel davon trinkt.

Genau so verhält es sich mit dem stromverbrauch. Wenn es ein billiges oder sogar kostenloses kontingent von 1.000 bis 1.200 kWh/jahr für jeden gäbe, würden die leute, die wie ich, erheblich weniger verbrauchen sich keine stromfresser in die bude stellen, nur um energie zu verplempern, weil sie einem zusteht.

Von sozialtarifen oder h4regelsatzerhöhungen haben normalverdiener, die nun auch nicht unbedingt in geld schwimmen nichts. Und so, wie das jetzt geregelt ist, haben h4empfänger auch wenig davon, wenn sie sparsam mit dem strom, den sie bezahlt haben, umgehen: müssen sie etwas nachzahlen, werden die kosten bei guter begründung mit etwas glück vom amt übernommen. Waren sie sparsam und bekommen etwas geld zurück, wird es ihnen als »einkommen« angerechnet. Der staat enteignet ihnen das geld für den nicht getätigten energiekonsum.

Obwohl die SPD im wahlkampf versucht, sich durch strompreisenkungsideen beim wahlvolk beliebt zu machen, werde ich sie auf keinen fall wählen. Nicht nur, weil ich das noch nie getan habe, sondern auch weil es eine PARTEI gibt, deren wahlslogan mich weitaus mehr überzeugt:

Inhalte überwinden! Das BIER entscheidet.

Sonntag, 9. Juni 2013

C. Kleber: Nordkoreanische nachrichten sachlicher als heute-journal

»Aber ich sage auch, das trockene Nachrichtenablesen gibt es heutzutage nur noch um 20 Uhr und im koreanischen Fernsehen« äußerte der chef des zdf-heute-journals über die tagesschau.

Nun will ich nicht behaupten, daß ich mit dem informationsgehalt der tagesschau immer zufrieden wäre. Etwas sachlicher als das heute-journal, das manchmal als propagandasendung für die c-parteien daherkommt, geht es allerdings meist schon zu. Somit kann man mutmaßen, daß die nordkoreanischen nachrichten vielleicht besser sind, als man denkt. Anschauen kann man nordkoreanisches fernsehn hier im internet, leider verstehe ich kein wort, weshalb ich die qualität der nachrichten nicht beurteilen kann.

Mir ist trockenes vorlesen von nachrichten allerdings lieber als von irgendwelchen journalisten vorgebetet zu bekommen, wie ich die nachrichten zu verstehen habe.