Mittwoch, 31. August 2016

Sommerinterview mit Sonneborn


Leider muß in Berlin bald schon wieder gewählt werden. An den größtenteils langweiligen wahlplakaten kann man erkennen, daß die PARTEI ihr ziel »inhalte überwinden« bereits durchgesetzt hat, ohne im senat vertreten zu sein.

Hier geht es zum interview mit Martin Sonneborn »Der BER wird mit uns nicht weitergebaut.« Das ist mal ein wort.

Sonntag, 28. August 2016

Bevölkerungsexplosion

In der letzten zeit kommen zu jeder passenden und vor allem unpasssenden gelegenheit kommentare, daß die machos aus Asien oder Afrika irgendwie »schuld« am welthunger wären, weil die triebgesteuert nicht von der schnackselei lassen könnten und nicht einmal im traum an verhütung denken würden. Und damit unterscheiden sie sich nicht im geringsten von Amerikanischen oder Europäischen machos. Die schätzen die vasektomie oder auch bloß kondome ebenfalls zu weiten teilen nicht übermäßig. In einigermaßen entwickelten ländern, in welchen frauen zugang zu bildung und medizinischer versorgung haben, stellt das jedoch kein allzu großes problem dar. Die können sich vorstellen, etwas anderes mit ihrem leben anzufangen, als alle naselang zu werfen und treffen selbst vorkehrungen dagegen.

Stichwort »überbevölkerung«: in puncto siedlungsdichte ist Europa davon weit mehr betroffen als Afrika. Jedoch ist es in Europa tradition, die eigenen probleme in andere weltregionen auszulagern. So dient die heutige »entwicklungshilfe« hauptsächlich dazu, drittweltländer als märkte zu erschließen. Sie ist ganz bestimmt nicht dafür da, den wohlstand irgendwelcher habenichtse in fernen ländern zu mehren oder sie womöglich konkurrenzfähig zu machen. Die sollen dienstbar sein, wenn der drittweltkapitalismus es verlangt. Ansonsten ist es egal was, aus denen wird.

Das problem ist nicht, daß es nicht möglich wäre, alle zu versorgen. Das problem ist das wirtschaftssystem, das darauf setzt, menschen auszugrenzen.

Samstag, 27. August 2016

Frohe ferien für alle kinder

Unter diesem namen organisierten menschen wie Else Funke, Viktoria Krützner und Lore Junge ab 1954 ferienfahrten für kinder. Dank dieser initiative konnten jedes jahr -zigtausende kinder aus Westdeutschland eine ferienreise unternehmen, auch wenn ihre eltern eigentlich viel zu arm waren, an so einen »luxus« wie reisen auch nur zu denken.

Nach sieben jahren, also im sommer 1961, wurde die ferieninitiative verboten und die organisatoren vor gericht gestellt und wie kriminelle verurteilt. Den alten herren im nachfolgestaat des Dritten Reiches paßte das reiseziel nicht. Das war nämlich die DDR und wer die nicht vorschriftsgemäß haßte, war nicht nur verdächtig, sondern im zweifel zu bestrafen.

Zum glück hat es in der BRD nie so etwas wie ein gesinnungsstrafrecht gegeben.

Wer mehr darüber erfahren möchte, findet über dies thema momentan zwei artikel in der »jungen welt«:

drei kartons mit geschichte und kinderfreizeit vor gericht

Mittwoch, 24. August 2016

Im Kalten Krieg war alles besser

Früher als der krieg noch kalt war, wußte noch jedes kind, daß man für den katastrophen-, krisen- oder kriegsfall schnaps, kaffee, zigaretten und schokolade in möglichst großen mengen im hause haben muß.

Heute empfiehlt die bundesregierung, Selterswasser zu horten. Da gibt selbst der altbundespräsident Scheel nach 97 jahren freiwillig den löffel ab. Die zeiten sind lausig.

Samstag, 20. August 2016

Rio

Nein, natürlich geht es nicht um irgendein langweiliges sport»event«, sondern um Rio Reiser. Zu dessen 20. todestag hat die ex-managerin der Ton Steine Scherben, die Grüne Roth, im Spiegel geschichtsblog »eines tages« einen text geschrieben, den ich teilweise merkwürdig fand.

Warum hat außer frau Roth niemand bemerkt, daß Rio Reisers homosexualität mitte der 80er jahre ein skandal war? Davon träumt frau Roth vielleicht in ihren feuchten träumen auch heute noch, aber von dem »skandal« ist beim radiohörer und fernsehgucker von damals wenig bis nichts angekommen. Soweit ich mich erinnere, war das zu jener zeit eher kein skandalthema.
Was würde er wohl denken über all die Verrücktheiten dieser Welt? Was über all die Gewalt, die Not, die Furcht? Über den Hass der Menschenverachter, über die Macht neuer Medien? Darüber, dass wir es in vielen Bereichen geschafft haben, den Staat auf unsere Seite zu ziehen - auf die Seite der Freiheit, der Bürgerrechte, der Vielfalt? Was würde er sagen zu unserem immer noch täglichen Kampf, all diese Freiheiten zu erhalten und weiter auszubauen, wie überrascht wäre er über unsere Feinde?
Auch ich habe keine ahnung, was Rio Reiser heute denken würde. Ich habe ihn ja nicht einmal gekannt. Allerdings hatte er sich schon in den frühen 90ern von der GRÜNpartei abgewandt.

Vielleicht ahnte er, in welcher form die GRÜNEN »den staat auf ihre seite« ziehen würden: laufzeitverlängerung für atomkraftwerke, sozialabbau, krieg und wollte diese dinge nicht mitmachen.

Montag, 15. August 2016

Foto am montag (224)

Noch einmal der »vogel des jahres«:
Ein stieglitz (carduelis carduelis), auch »distelfink genannt. Auf diesem foto macht er seinem namen alle ehre.

Freitag, 12. August 2016

Der kartoffel


Im »kritischen sonntagsfrühstück« hat Stefan Gärtner letztes mal ein tolles zitat eines unbekannten autoren aus der »Süddeutschen« vom 5.8. gebracht, wegen dem ich mich kugeln mußte vor lachen:
»Die Kartoffel, oder richtiger, der Kartoffel, muß sich ändern, wenn er der gleiche bleiben will. Fakt ist: Seit über hundert Jahren wird nahezu jede Neuzüchtung weiblich benannt. Ich aufschreie: Warum? Wo bleibt die tolle Männerknolle? Nur weil es der Grammatik gefiel, dem Kartoffel einen weiblichen Artikel beizuordnen? Wie übrigens ziemlich vielen Gemüsen: die Gurke, die Aubergine, die Artischocke etc. Diese systematische Ungerechtigkeit ist nicht zu übersehen. Aber unsere Politiker sind auf den Kartoffelaugen ja bekanntlich blind. Sollen also weiterhin und bis in alle Ewigkeit Neuzüchtungen bei den Nachtschattengewächsen Frauennamen tragen? Wie, und ich möchte, daß es jeder für sich im stillen und ehrlich beantwortet, wie wollen wir uns vor unseren Söhnen rechtfertigen, wenn sie eines Tages fragen, warum wir damals nicht gegen die Töchter von Sieglinde, Linda und Nicola vorgegangen sind? … Aber wenn erst mal die neuen Kartoffelsorten mit den von uns ausgearbeiteten Arbeitstiteln ,Uwe’ für einen ertragreichen Salatkartoffel und natürlich unser mehligkochender ,Jens’ in den Supermärkten liegen, wird auch dem Endverbraucher dämmern, welcher Verdummungsstrategie er jahrelang aufgesessen ist ... Und dann ist alles denkbar, auch die Trans-Kartoffel.«
Hat die »Süddeutsche« das ehrlich so gedruckt? Sind das die probleme, die männer heutzutage haben?
Es ist so schön absurd, daß ich mir kaum vorstellen kann, daß es kein witz sein soll. Einer, der so denkt gibt seinen töchtern bestimmt nicht namen wie Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi-Kuusi und Upupa-Epops sondern weibliche namen nach kartoffelsorten. Reichskanzler, Ackersegen, La Ratte, Blue Salad, Shetland Black und Ballwitzer Rotwalzle. Das sind schöne, weibliche vornamen.

Aber es sollte zumindest einen aufschrei geben, daß männer nicht »Blue Salad«, »Rotwalzle« oder wenigstens »Ratte« geheißen werden sollen. Den weiblichen namen »Reichskanzler« hatten sich die völlig queeren transgender freaks ja früher schon einmal angeeignet.

Dienstag, 9. August 2016

Ein Radeburger

Heinrich Zille, der später in Berlin als der »Pinselheinrich« bekannt werden sollte, wurde 1858 in Radeburg bei Dresden geboren. Als er ungefähr zehn jahre alt war, zog die familie nach Berlin, wo er durch botendienste geld hinzu verdienen mußte.

Einige jahre später nahm er eine lehrstelle als lithograph an und eignete sich auch nach seiner lehre verschiedene drucktechniken an. Ab 1877 arbeitete er für die Photographische Gesellschaft Berlin. Diese arbeitsstelle verlor er dreißig jahre später, weil er um die jahrhundertwende das elend der hinterhöfe als gegenstand seiner künstlerischen arbeit entdeckt hatte und es im Wilhelministischen Deutschland nicht gern gesehen war, sich das arbeiterelend anzusehen und zu dokumentieren.

Die Ratte
»Von wat is’ se denn jestorb’n?«
»Uns’re wohnung is’ zu naß!«


Eine von Heinrich Zilles stärksten ausagen ist sicherlich »Man kann einen menschen mit einer wohnung genau so gut umbringen wie mit einer axt.«

Am 9. august 1929 starb der künstler an den folgen zweier schlaganfälle.

Sonntag, 7. August 2016

Die schöne seite des nassen sommers

Die pilz-saison hat relativ früh und vielversprechend begonnen. Leider weiß ich nicht, was das hier für schnieke burschen mit roten samthüten sind:
Es könnten blutrote röhrlinge (xerocomus rubellus) sein. Keine ahnung - aber sehr hübsch anzusehen.

Das hier sind zwei bilderbuchexemplare des netzstieligen hexenröhrlings (boletus luridus):
Zum essen viel zu schade. Hoffentlich wurden sie nicht einfach plattgetreten.

Donnerstag, 4. August 2016

Ein oxymoron


Letztens ist mir ein erfreulich widersinniges wort über den weg gelaufen: »arbeitsdrohne«.

Welch ein herrlicher schwachsinn! Ein »arbeitsnichtstuer« bzw. »arbeitsfaulenzer«. Das klingt nach einem angenehmen lehrberuf.

Vielleicht über umschulung nachdenken und es dem ollen Lessing gleichtun?

»Faul zu sein sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.«