Posts mit dem Label afrika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label afrika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. Juni 2021

Gsella am Dienstag

Frontex - vorgetragen von Martin Sonneborn. Weitere gedichte gibt es hier: Mission Lifeline

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Humboldt Forum

Heute wurde in Berlin das Humboldt Forum im Hohtzenklotz eröffnet. Lockdown sei dank bisher nur virtuell und ohne großes tamtam, mehr hat das ding nicht verdient. Die breite mehrheit der Berliner wollte kein Hohenzollerschloß, die wollten den Palast der Republik behalten. Es ist ein trauerspiel, daß es hierzulande keine architektur jenseits von Schlüter und Schinkel geben darf. Die nutzung des gebäudes ist ebenfalls rückwärtsgerichtet und fragwürdig. Hier das interview mit prof. dr. Bénédicte Savoy:

Samstag, 15. August 2020

Was man im geschichtsunterricht (nicht) lernt

In einem artikel in der Zeit schreibt die choreographin und tänzerin Nikeata Thompson über aufwachsen als schwarzes kind in einer Westdeutschen kleinstadt und wie sie mal mit ihrer familie in Köln grundlos von der polizei festgenommen wurde. Zum schluß schreibt sie:
Zitat Nikeata Thompson: »Heute träume ich von der ungeschminkten Wahrheit. Ich träume davon, dass unsere Geschichte vernünftig geschrieben wird – was wir in der Schule lernen, ist aus einer weißen Perspektive geschrieben. Warum lernen wir nicht, dass bereits im 18. Jahrhundert Schwarze nach Deutschland gebracht wurden, weil sie vor dem Kaiser tanzen sollten? Warum wissen die meisten Deutschen nicht, dass schwarze Menschen hierzulande in Unterhaltungsparks in Käfigen zur Schau gestellt wurden? Ich träume davon, dass uns bewusst wird, wie sehr Rassismus in unserem System verankert ist – und dass wir offen darüber sprechen können.«
Die frage, warum wir in der schule nicht lernen, daß im 18. jahrundert schwarze nach Deutschland gebracht wurden, weil sie vor dem kaiser tanzen sollten, ist relativ einfach zu beantworten: das geht nicht, weil es zu jener zeit in Deutschland noch überhaupt keinen kaiser gab. Da frage ich mich, weshalb das dem lektorat der »Zeit« nicht auffällt. Das ist schade, denn im grunde hat frau Thompson die gute idee, die geschichte vernünftig zu schreiben - und ausgerechnet da passiert so ein peinlicher fehler.

Das, worauf frau Thompson vermutlich anspielt, geschah auch nicht im 18. jahrhundert, sondern bereits im 17., ich nehme an, daß sie den »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm, kurfürst von Brandenburg und herzog von Preußen meint, der in den frühen 1680er jahren etliche junge männer und knaben aus Afrika verschleppen ließ, die bei hofe dienst leisten mußten und der sich fleißig am sklavenhandel beteiligte, um später die mittel zu haben, eigene kolonien zu erwerben.

Frau Thompsons these, daß die geschichte aus weißer sicht geschrieben würde, widerspreche ich weitgehend. Die geschichte wird aus herrschaftssicht geschrieben. Man sollte bedenken, daß es für den adel in Deutschland seiner zeit völlig normal war, menschen zu besitzen und über deren leben bestimmen zu dürfen. Ein großer teil der eingeborenen Deutschen war leibeigen - leibeigenschaft wurde in den unterschiedlichen fürstentümern ab beginn des 19. jahrhunderts abgeschafft und in den letzen erst 1918, also noch gar nicht so lange her - und hatte seinen herren zu gehorchen. Durch die politik des »Großen Kurfürsten« wurde deren existenz keineswegs verbessert, im gegenteil, sie wurden noch mehr ausgeplündert. In der geschichte Deutschlands verhält es sich nicht unbedingt so wie in der geschichte der USA, wo man es an der farbe sehen konnte, ob ein mensch frei ist oder nicht.

Das alles weiß ich nicht, weil ich im geschichtsunterricht aufgepaßt hätte. Dort wurde die Deutsche kolonialgeschichte wie folgt zusammengefaßt: »Deutschland hatte im grunde kaum und nur kurz kolonien, denn nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie ›uns‹ alle weggenommen.« Das sollte dann so irgendwie vermitteln, daß das ein verbrechen gewesen ist, an dem Deutschland ausnahmsweise mal nicht beteiligt gewesen sei oder wenn, dann nur ein ganz bißchen. Stimmt nur leider nicht.

Das thema hat mich auch nicht so wahnsinnig interessiert, ich kam wesentlich später eher zufällig drauf, mir wenigstens ein paar rudimentäre kenntnisse darüber anzulesen. Aber Nikeata Thompson hat völlig recht: jeder sollte das wissen.

Samstag, 18. Juli 2020

Onkel Toms Hütte in Berlin

Dem eigentlichen text schicke ich ein längeres zitat aus einem interview des Deutschlandfunks Kultur mit dem experten für die kolonialgeschichte Afrikas, Ulrich van der Heyden zur umbenennung der mohrenstraße in Berlin voraus.
Zitat Ute Welty: »Braucht es tatsächlich drei promotionen, um zu verstehen, worum es bei der umbenennung der mohrenstraße wirklich geht?«
Zitat Ulrich van der Heyden: »Also, entweder man braucht vier doktortitel dafür oder man braucht keinen. [...] Das läuft in eine richtung, die ich als wissenschaftler nicht gutheißen kann. Das kann ich immer dann nicht gutheißen, politische entwicklungen oder forderungen, wenn sie sich von den fakten abheben, nichts mehr mit wissenschaft zu tun haben, sondern nur noch emotionen und betroffenheiten eine rolle spielen. [...] Ich kenne nicht viele leute die das negativ berührt. Ich bin seit über dreißig jahren in Afrikawissenschaften unterwegs, bekomme viele besuche aus Afrika, zeige den Afrikanern auch die stadtmitte in Berlin. Wir sind in der Mohrenstraße, wir diskutieren da drüber. Keiner hat sich da in irgendeiner weise negativ konnotiert gefühlt. Ich habe lehrveranstaltungen gemacht, seminare in Afrika, auch bei Germanisten, habe versucht darüber zu diskutieren. Die Afrikaner verstehen nicht, was hier in Berlin, oder überhaupt in Deutschland vor sich geht. Wenn man um das wort ›mohr‹ streitet.«
Etwas später dann
Zitat Ulrich van der Heyden: »Man muß betrachten, daß straßen- oder geographische namen [...] zeugnisse aus der zeit sind. Die sind in einer bestimmten zeit zu einem bestimmten zweck entstanden oder ausgedacht worden, benannt worden. Und diese zeit ist geschichte, die kann man nicht einfach wegwischen. Wir können heutzutage keine straße nach Stalin oder Hitler benennen oder Göring, das ist selbstverständlich. Aber alle straßenbezeichnungen, wenn wir bei straßen bleiben, haben ihre begründung aus ihrer zeit und die muß man kennen. Wenn man darüber bescheid weiß, dann kann man darüber diskutieren. Aber leider ist es so, daß diejenigen, die die umbenennung der mohrenstraße fordern, überhaupt keine ahnung [...] von historischen kontexten haben. Ich habe eine sammlung von flugblättern, die da verteilt werden, von einer wirklich kleinen gruppe von jungen leuten, da graust es mir als historiker, wenn ich sehe, daß da der Große Kurfürst mit dem Kaiser durcheinander gebracht wird, daß die zahlen um jahrhunderte verschoben sind, daß da irgendwelche theorien aufgestellt werden, die überhaupt nicht stimmen. Das kann keine grundlage sein für eine diskussion, die politische auswirkungen hat.«
Zitat Ute Welty: »In Berlin gibt es ja nicht nur die mohrenstraße, sonder auch die haltestelle mohrenstraße und die Berliner Verkehrsbetriebe haben die haltestelle in Glinkastraße umbenennen wollen. Und jetzt ist der komponist Glinka einer, der von der entsprechenden literatur als antisemit beschrieben wird. Gut gemeint, schlecht gemacht?«
Zitat Ulrich van der Heyden: »Meine meinung war schon sehr lange [...] die haltestelle mohrenstraße hieß nie mohrenstraße, da könnte man was machen. Da könnte man umbenennen oder umwidmen zu einem antikolonialen erinnerungsort oder kolonialen erinnerungs- und gedenkort. Das wäre eine gute gelegenheit, die Berliner Verkehrsbetriebe hatten sich dazu auch bereitgefunden, es ist in der presse öffentlich gemacht worden, passiert ist nichts.

Und wenn wir jetzt anfangen, in jedem personenbezogenen straßennamen nachzuforschen, werden wir einiges andere auch finden. Ich erinnere an den kurfürstendamm in Berlin [...], das war der Brandenburgische Kurfürst, das war der profiteur vom sklavenhandel gewesen, warum heißt diese straße noch so? Dann kann man weiter gehen, warum gibt es eine Konrad-Adenauer-Straße, Adenauer war stellvertretender vorsitzender der Deutschen Kolonialgesellschaft [...], dann müssen wir auch da weitermachen. Wo wollen wir aber aufhören, wenn wir da erstmal anfangen? [...]

Mohrenstraße, das sollte demokratisch entschieden werden unter den anwohnern, worunter sich auch Afrikaner befinden, die haben nichts gegen diesen begriff. Denn wer benutzt denn noch den begriff ›mohr‹. [...] Und wenn heute diskutiert wird, es wäre antirassistisch, dann frage ich mich, welche rassistische überlegung, welche rassistische handlung, rassistische überzeugung läßt sich ändern, wenn die mohrenstraße mit historisch nicht belegbaren argumenten umbenannt wird?«
Für manche umbenennung gäbe es sicherlich gute argumente. Beispielsweise bin ich der auffassung, daß man nach dem »Hänge-Peters« heutzutage ganz bestimmt keine straße mehr benennen sollte, nur leider gibt es nicht immer gute argumente.

Eine weitere derartige unsinnsdiskussion hat nun der basketballprofi Moses Pölking losgetreten. Er will, daß die u-bahn-station Onkel Toms Hütte umbenannt wird. Dazu schreibt er:
Zitat Moses Pölking: »Ich persönlich finde es ist an der Zeit, die U-Bahn Station Onkel-Toms-Hütte und die Onkel-Tom-Straße umzubenennen. Mir ist bewusst, dass der Begriff „Onkel-Toms-Hütte“ von dem gleichnamigen Buch stammt, geschrieben von Harriet Beecher Stowe.«
Wenn sich der herr Pölking da mal nicht einer völlig falschen sache bewußt ist. Tatsache ist nämlich, daß die straße, die u-bahn-station und die gleichnamige siedlung in der nähe, wenn überhaupt nur sehr, sehr indirekt nach dem roman benannt sind. Mitte der 1880er jahre eröffnete im nahe gelegenen riemeisterfenn ein ausflugslokal, es soll ein reetgedecktes holzhäuschen gewesen sein - es wurde ende der 1970er jahre wegen baufälligkeit abgerissen - der erste wirt hieß Thomas und so wurde das lokal im Berliner volksmund dann eben »Onkel Toms Hütte« genannt.
Zitat Moses Pölking: »Jedoch wird das Buch weitestgehend als herablassend und beleidigend gewertet. Durch das Buch entstammt der Begriff Onkel Tom, welcher in der Afroamerikanischen und PoC community zu höchst beleidigend ist. Ein Onkel Tom war ein Sklave der sich bewusst entmenschlicht hat, um von seinem Sklavenhalter nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Er hat sich bewusst seiner Menschenwürde entzogen.«
Das buch wurde hierzulande völlig anders bewertet. Nämlich, daß der Tom, der ein ehrlicher und anständiger mensch ist, in eine entmenschlichte welt hineingestoßen wird und von den weißen fürchterlich ungerecht behandelt wird. Ich habe keine ahnung, ob die geschichte heutzutage überhaupt noch vielen menschen bekannt ist

Im Deutschen gibt es die beleidigung »onkel Tom« nicht. Im Amerikanischen Englisch war es weiße herrschaftssprache, schwarze nicht mit mister/missis anzureden, sondern mit uncle/aunt. Im Deutschen gibt es diese form von herrschaftssprache nicht und das läßt sich nicht einfach eins zu eins übertragen. Wenn ich beispielsweise einem Englischsprechenden menschen sage, daß er einen vogel hat, wird der vielleicht an seinen wellensittich denken, der wird eher verstehen, was ich meine, wenn ich ihm sage, daß er wohl fledermäuse im glockenturm hat.
Zitat Moses Pölking: »Ein Onkel Tom war auch ein Sklave, der alles dafür Tat besser von seinem Sklavenhalter behandelt zu werden und dadurch von den anderen Sklaven gehasst wurde. Heutzutage wird der Begriff für Afroamerikaner oder PoCs verwendet, die sich gegen ihrer Eigen stellen und zur Gunst anderer, im Hauptfall Weißen, agieren. Einfach gesagt ein „Sell-out“ oder „Coon“.«
Soweit ich gehört habe, hat der schwarze bürgerrechtler Malcolm X den schwarzen bürgerrechtler Martin Luther King als »uncle Tom« bezeichnet, weil der ihm zu friedfertig und zu wenig radikal den weißen gegenüber war, unbekannt ist mir, ob es diese form der beleidigung vorher schon gab. Es ist eine beleidigung innerhalb der schwarzen gemeinde in den USA.

Auch »fachbegriffe« wie sell-out oder coon dürften einem großteil der Deutschen muttersprachler eher unbekannt sein. Viele von denen sprechen zwar Ostdeutsch aber keinen Amerikanischen slang, weshalb die ganz andere vokabeln verwenden, wenn die einen beleidigen wollen.
Zitat Moses Pölking: »Abschließend will ich Sie nur darauf hinweisen, dass die Begriffe Onkel Tom bzw. in unseren Fall Onkel-Toms-Hütte und Onkel-Tom-Straße so beleidigend sind, wie Mohrenstraße. Hiermit fordere ich @bvg_weilwirdichlieben und @michaelmueller.berlin auf diese Namen zu ändern. Wenn Sie mit mir darüber reden wollen, persönlich oder über Social Media, stehe ich gerne dafür zur Verfügung.

Peace ✊🏽

Ich habe hierzu eine Petition mit der Hilfe von @luholymary ins Leben gerufen. Bitte unterzeichnet und teilt sie alle! LINK IN BIO #blm #berlin #zehlendorf #bvg #racism #stopracism #makeitgoviral #genugistgenug«
Man kann sich natürlich auch beleidigungen konstruieren, wo keine sind, wenn man nur ordentlich sucht, wird man garantiert fündig. Ich war mal in einem kaff in Thüringen, da gab es eine straße, die hieß »am ficktor«. Was, wenn prüde menschen einen solchen namen anstößig finden und ist so eine bezeichnung überhaupt jugendfrei? Vielleicht sollte die straße auch »Viktor« heißen und der schilderhersteller hatte es nicht so mit rechtschreibung. In einem anderen nest gab es ein »teufelsleckergäßchen«. Dort befand sich ein süßwarenladen. Ausgerechnet. Wer wohl zuerst dagewesen war? Aber beleidigt es nicht religiöse gefühle, wenn der teufel mit im bunde ist? Wahrscheinlich gibt es auch für diese straßennamen irgendwelche gründe, die wahrscheinlich viel langweiliger sind, als man denkt.

Vielleicht hätte der wirt Tom vom riemeisterfenn sich mitte der 1880er jahre umtaufen lassen, wenn er geahnt hätte, daß im jahr 2020 die menschen nichts besseres zu tun haben als anstoß an seinem namen nehmen, vielleicht in Friedrich oer Wilhelm, das sind schließlich auch schöne namen.

Freitag, 5. Juni 2020

Brennpunkt


An sich bin ich nicht unbedingt ein fan von Caroli Kebekus aber ihren »Kebekus-Brennpunkt zum Thema Rassismus«, in welchem sie menschen mit Afrikanischen wurzeln selbst zu wort kommen läßt, finde ich gar nicht verkehrt.


Samstag, 16. November 2019

Eier aus stahl

Die die nachkommen der täter wollen entschädigt werden. Das thema, daß die nachkommen der Hohenzollern glauben, irgendwas kriegen zu können, verfolge ich schon seit längerem. Jan Böhmermann hat sich dessen angenommen und keine sauerei weggelassen.



Weiteres kann man nachlesen unter http://hohenzollern.lol

Armer Georg Friedrich Ferdinand. Wer sich im jahr 2019 für einen Preußischen Prinzen hält, hat gehörig einen riß in der schüssel und ist ein fall für die klapse. Hier ist nichts mit prinzenpraktikanten, wir haben demokratie. Das ist schlimm genug, wenn man figuren wie den B.Scheuer-t-Andi alias Feinstaub-Andi oder Krampf-Knarrenbauer ertragen muß. Der Georg Friedrich Ferdinand soll gefälligst mal froh sein, daß er lebt, weil seine vorfahren nicht ludwigisiert wurden. Grund dazu hätte es reichlich gegeben. Aber wenn jemand ein recht auf ein kostenloses wohnen im Schloß Cecilienhof hat, bin das auf jeden fall ich. Schließlich haben meine urgroßeltern den kasten bezahlen müssen.

Für alle anderen menschen auf der welt, egal wie sie aussehen oder woher sie kommen, deren vorfahren unter der (kolonial)herrschaft des hauses Hohenzollern zu leiden hatten, gilt das gleichermaßen. Aber dieser schwachkopf glaubt immer noch, das land und das recht auf die erste nacht würden ihm gehören. Da sieht man, wo jahrhunderte langer inzest hinführt.

Wie sagte einst Horst »HoHaSchmi« Hannibal Schmidt? »Die Habsen und die Hohzen, die waren echt zum kotzen!«

Mon arsch!

Freitag, 7. Juni 2019

Elektroautos nicht umweltfreundlich

Wer hätte das nur ahnen können?

Gute doku über elektromobilität, die den wahn zeigt, jetzt die falsche verkehrspolitik der letzten 70 jahre einfach mit elektroautos fortzusetzen.

Harald Lesch:»In Deutschland ist politik vor allem wirtschaftpolitik. Und da werden alle möglichen menschlichen tragödien, umweltkatastrophen irgendwelche einschränkungen, die wo anders stattfinden, die werden einfach weggedrückt.«
Es stimmt, wenn prof. Lesch sagt, daß Deutsche politik vor allem wirtschaftspolitik ist. Nur leider geht das eben auch nicht anders, wenn alles leben der wirtschaft untergeordnet ist. Hier geht es nicht darum zu wirtschaften, damit am schluß so etwas wie ein lebenswertes leben für alle herauskommt, sondern hier wird gewirtschaftet, damit die kapitalvermehrung für eine winzige oberschicht funktioniert.

Noch mal zur erinnerung »Das Schweigen der Quandts«  - für die und ihresgleichen wird hier politik gemacht. Für den rest der leute eher nicht.

Das muß man sich mal reinziehen: pro kilowattstunde batterieleistung werden in der produktion zwischen 100 und 200 kg CO2 freigesetzt und es werden natürlich leistungsstarke autos mit mehr als 100 kW gebaut, weil man mit denen besser kasse machen kann. Das ist alles andere als umweltschonend. Das gibt es jetzt trotzdem, weil sich so wunderbar geld damit verdienen läßt.

Donnerstag, 25. April 2019

Fliegen für den klimaschutz

Im vorletzten jahrzehnt des vergangenen jahrtausends war es erstaunlicher weise bereits bekannt, daß autofahren nicht unbedingt förderlich für die umwelt ist. Und fliegen war als die größte umweltsauerei schlechthin bekannt. Aber seit dem die GrünInnen- äh - ich meine natürlich die GrünsterncheninnenPartei mal sieben jahre mitregieren durften und der Jockel Fischer (z.b.) erst außenminister und dann beratende tätigkeit u.a. bei BMW und RWE übernehmen durfte, ist natürlich alles vom auto über flugmeilen bis hin zum kohle- und atomstrom sauber. Allein die landwirtschaft macht dreck und verseucht die umwelt.

Heute gilt es bei den Grünsterncheninnen schon geradezu als revolutionär, wenn einer vorschlägt, daß jeder zertifikate für »nur« drei flüge im leben pro jahr erhalten soll und wer mehr fliegen will zertifikate von nicht- oder wenigfliegern kaufen muß. Das gab natürlich einen aufschrei, vor allem in der eigenen partei, denn schließlich darf man eine wachstumsbranche wie den reise- bzw. flugmarkt nicht künstlich verteuern. Damit, das reisen mit der bahn künstlich zu verteuern, hatten die figuren von der GrünPartei definitiv kein problem: als sie 1999 die ökosteuer einführten, was es klar, daß die luftfahrt ausgeklammert wird. Die bahn hingegen muß ökosteuer zahlen und im fernverkehr auch den vollen mehrwertsteuersatz, der für flugreisen komplett wegfällt. Das bahnfahren wurde während der regierungszeit der Grünsterncheninnen massiv teurer während das billigfliegen in mode kam. Spritsparende autos, ein tempolimit oder weniger fliegen sind seither eher selten ein thema.

Drei willkürliche beispiele: Katharina Schulze, spitzenkandidatin der GrünPartei im landtagswahlkampf in Bayern jettet mal eben über sylvester und neujahr nach Kalifornien, um dort emissionsfrei ohne den feinstaub der Deutschen privatböllerei das neue jahr zu begrüßen. Die grüne Roth, die über Bangladesch und Kiribati auf die Fidschi-Inseln flog. Geradezu als könne Kiribati nicht von allein untergehen, wenn nicht wenigstens Claudia Roth einmal dort gewesen ist, um dort ganz betroffen aus der wäsche zu gucken. Oder Luisa Neubauer, gesicht der Fridays for Future und ebenfalls mitgliedIn der GrünsterncheninnenPartei. Die hat flugmeilen auf dem tacho, daß man anfangen könnte zu staunen. Die reihe ließe sich mit Hofreiter, Özdemir und wie sie auch sonst noch alle heißen geradezu endlos fortsetzen. Man kann wohl davon ausgehen, daß die nicht mit einem umweltfreundlichen segelflugzeug über das meer geflogen sind - über dem wasser ist die thermik ganz schlecht. Thermiknutzende vögel, wie beispielsweise störche, bekommen bereits beim überqueren der Straße von Gibraltar probleme. Und die ist an der engsten stelle nur ca. 15 km breit.

Als klimaverträgliches jahresbudget eines menschen gelten 2,3t CO2. Für Schulzes flug wird das budget von knapp 3 jahren, für Roths flug das von rund 5 jahren und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre das budget von etwas mehr als 15 jahren aufgebraucht. Luisa Neubauer hat es offenbar ein bißchen spät begriffen, daß man schlecht ein hipper um-die-welt-jetter und gleichzeitig klimaretter sein kann, weshalb sie anfang februar im interview mit der MoPo sagte, daß sie nicht flöge und sich selbstverständlich vegan ernähre. Verzicht von einzelpersonen und ablaßhandel bringen nicht besonders viel. Wenn man den CO2ausstoß für den durchschnittlich Deutschen fleischverzehr pro jahr zugrunde legt, kommt man flugmeilentechnisch nicht übermäßig weit: nämlich bloß von Hamburg nach Stuttgart und zurück und das würde ich nicht unbedingt als »weltreise« bezeichnen. Für Schulzes flug wären das neunzehneinhalb jahre fleischverzicht, für Roths flug mehr als sechsunddreißig jahre und für Neubauers vielfliegerei der letzten paar jahre müßte man schon alt werden wie Johannes Heesters, um die flüge durch fleischverzicht wieder gut zu machen - hundertsieben jahre sind schon eine recht lange zeit.

Es ist auch die verkehrte verkehrspolitik der GrünsterncheninnenPartei mit gewesen, die zu dem zustand geführt hat, daß man besagte strecke Hamburg - Stuttgart für unter hundert euro fliegen kann, während man mit der bahn ungefähr vier mal so lange braucht und dafür mehr als das dreifache löhnen darf, sofern man den regulären preis bezahlen muß. Aber zum glück können die freunde der fliegerei darauf aufmerksam machen, daß der luftverkehr bloß 12 % in der weltweiten CO2bilanz ausmache. Das mag stimmen, jedoch nutzen nur 3 % der weltbevölkerung flugzeuge. Es ist der blanke hohn, daß die immer noch als klimafreundliche partei gelten und wegen der »fridays for future« bei wahlumfragen sehr gute ergebnisse erzielen. Kriegsgewinnler.

Mittwoch, 27. März 2019

Waldfrüchtejoghurtrettung

Den silberfarbenen löffel in waldfrüchtejoghurtrettung hat in diesem monat Rainer Hank mit seiner »fastenmeditation über die verschwendung« in der FAZ gewonnen, weil er einen bereits seit ca. vier wochen abgelaufenen waldfrüchtejoghurt verzehrte als er gerade nichts besseres hatte. Das ist eine meisterleistung, die gewürdigt gehört!

Nun hat der gute mann literaturwissenschaft, philosophie und, ach, auch katholische theologie studiert, weshalb er nicht nur zum thema waldfrüchtejoghurtrettung schreiben sondern zusätzlich beweisen muß, daß er den unterschied zwischen mindesthaltbarkeitsdatum und verfallsdatum nicht weiß, zur erkenntnis gelangt, daß waldfrüchtejoghurtrettung zwar ihn selbst, aber keinen hungernden Afrikaner satt macht und am schluß jedoch ganz genau weiß, daß »aber [...] der Menschheit nur Marktwirtschaft und Kapitalismus [helfen].«

Aber in ordnung. Er hat das ganze mit »fastenmeditation« übertitelt. Und »meditation« bedeutet, man wolle durch nichtdenken zur erleuchtung kommen. Nur das klappt halt immer nicht. Wie man auch an diesem beispiel gut sehen kann.

Herr Hank schreibt darüber, daß er bereits im kindergarten geld gegen den welthunger gespendet habe und beklagt sich, »[k]eine Ahnung« zu haben, »was mit dem Geld von uns Kindern passierte. Hunger und Armut in der Welt hat es jedenfalls erkennbar nicht reduziert«.

Ehrlich gesagt habe ich auch keine ahnung, was mit dem geld passiert ist, das der herr Hank in seiner kindheit in den 50er jahren den betschwestern und -brüdern hinterherwarf. Einige werden damit womöglich sogar sinnvolles angestellt haben, andere nicht. Biblische wunder bewirken konnten die nicht, sondern nur ein paar krümelchen umverteilen. Daß einfach nicht genug nahrungsmittel produziert wurden, konnten die nicht ändern. Am hungerproblem hat der fortschritt in der landwirtschaft was geändert: 1960 lebten rund drei milliarden menschen auf der welt. Von denen waren 40% unterernährt. Heute gibt es eine weltbevölkerung von fast sieben milliarden menschen. Wäre die relation gleich geblieben, müßten heute ca. zweieinhalb milliarden menschen hunger leiden. Es sind aber »nur« ca. 850 millionen. Das sind sicherlich zu viele. Vor allem, wenn man bedenkt, daß es bei den heutigen erträgen locker möglich wäre, mindestens zehn milliarden menschen zu ernähren.

Allerdings sind in armen wie in reichen ländern dank kapitalismus die menschen durch das geld von allem was sie zum leben benötigen ausgeschlossen. Nahrungmittel werden in diesem besten aller wirtschaftssysteme nicht etwa dafür produziert, einfach aufgegessen zu werden. Wie alles andere hat das zeug seinen zweck erfüllt, wenn es verkauft wurde, dann kann man es mit reinem gewissen wegschmeißen, sofern einem der sinn danach steht. Das erkennt man immer besonders gut dann, wenn irgendwo firmenmitarbeiter widerrechtlich eine halbvertrocknete käsebrötchenhälfte oder dergleichen mitgehen lassen, um sie einer sinnvollen verwendung zuzuführen und dann des diebstahls bezichtigt und rausgeschmissen werden. Der fraß ist privateigentum. Der eigentümer darf darüber verfügen, wie er will.

Dagegen hilft auch spenden und fasten und waldfrüchtejoghurtretten nicht.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Haare Afro, Afro haare, haare, haare

Da hat im fernsehen doch glatt eine weiße frau es gewagt, einem Afrikanischstämmigen mann an den kopf zu greifen. Mitten im fernsehen - in einer kuppelshow, unfaßbar.
Zitat Thembi Wolf:»›Ich muss‹, setzt sie an.

Tu's nicht!

›...deine Haare...‹

NEIN! Du musst gar nichts! Finger weg!

›...nochmal anfassen. Die sind sooo toooll!‹

Grapsch! Ernestine wuschelt dem Bachelor durch den kurzen Afro.«
Unglaublich. Da begibt sich ein nicht-weißer mann, ex-sportfuzzy, der offenbar um jeden preis ins fernsehen will, in eine show, in der er von einer horde weiber belagert wird und wird unsittlich am kopf berührt.
Zitat Thembi Wolf:»[...] trifft vor allem Frauen, mit Afrokrause oder typisch schwarzen Haarstyles wie geflochtenen Zöpfchen. Aber eben auch schwarze Männer [...]«
Nein. Das trifft keineswegs bloß frauen mit Afrokrause und typisch schwarzen haarstyles und schwarze männer, sondern auch personen, die weit davon entfernt sind, irgendwie Afrikanisch auszusehen und auch überhaupt keine »typisch schwarze« frisur haben.
Zitat Thembi Wolf:» [...] Aber das ungefragte Haareanfassen sagt auch: Du bist mir fremd. Du bist exotisch. Ich glaube, das Recht zu haben, dich anzufassen. Du bist dafür da, meine Neugierde zu befriedigen. Damit macht man sein Gegenüber zum Objekt. Ungefragtes Haareangrapschen ist grenzüberschreitend. Ein No-Go.«
Völlig richtig. Haareangrapschen, vor allem, wenn es ungefragt passiert, ist übergriffig und verbietet sich von selbst. Es sind aber nicht allein die verkommenen, rassistischen Europäischen bleichgesichter, die sich Afros gegenüber nicht benehmen. Leider sind Afrikanische männer gelegentlich auch nicht besser und führen sich auf, als hätten sie noch nie einen Mitteleuropäischen menschen gesehen und meinen die haare fremder anfassen zu »müssen«.
Mitteleuropäerin, die maßnahmen gegen das
in-die-haare-grapschen ergriffen hat.
Allerdings wäre ich eher nicht auf die idee gekommen, daß es sich um rassismus handelt. Denn ich bin mir relativ sicher, daß die mecs wahrscheinlich einen Mitteleuropäischen, blonden, jungen mann mit »des yeux bleus très sympathiques« höchstwahrscheinlich eher nicht angegrapscht hätten, weshalb ich so naiv war, das haareanfassen für eine ganz normale belästigung zu halten.
Zitat Thembi Wolf:»Denn das Haare-anfassen ist, gemeinsam mit der ›Wo kommst du wirklich her?‹-Frage wahrscheinlich die am meisten verbreitete Form von Alltagsrassimus.«
Die »wo-kommst-Du-her-frage« soll eine form von alltagsrassismus sein? Wenn sich, beispielsweise, ein Bayer und ein Holsteiner in Köln in einer kneipe kennenlernen, sie sind beide vor einiger zeit dort hingezogen, sprechen aber nicht den ortsüblichen dialekt, ist es nicht völlig unwahrscheinlich daß sie darüber reden, wo sie herkommen. Und wenn einer von den beiden zufällig eine Afroamerikanische oma hat, wird aus einem an sich harmlosen alltagsgespräch plötzlich alltagsrassismus? Das ist seltsam.
Zitat Thembi Wolf:»Meist bleibt es ja auch nicht beim ›Darf ich mal anfassen?‹. Oft folgt ein erniedrigender Vergleich der Haare mit Haushaltsmaterialien (Wolle, Watte, Stroh) oder Tieren (Schaf, Pudel).«
Solche vergleiche sind grenzwertig. Nur wo hört kränkung/beleidigung auf und wo fängt rassismus an? Rothaarige weiße haben häufig ähnliche probleme, daß sie mit nicht unbedingt freundlichen vergleichen bedacht werden: ferkelblond, haut von der farbe eines schweins, weiß wie ein handkäs’, haare wie ein roter köter oder sprüche wie »rote haare, sommersprossen sind des teufels volksgenossen«. Von wenig freundlichen spitznamen, die diese leute dann schnell weghaben ganz zu schweigen. All das ist genau so verletzend und beleidigend gemeint, wie es sich anhört. Nur ist das eben kein rassismus, sondern schlicht und ergreifend menschliche dummheit, daß menschen, die bestimmten normvorstellungen nicht entsprechen, ausgegrenzt und erniedrigt werden.
Zitat Thembi Wolf:»›Don’t touch my hair‹ steht auf T-Shirts und auf Plakaten bei Black-Lives-Matter-Demos. Es gibt Kinderbücher, die so heißen. Dass jeder das Recht auf seinen eigenen Körper hat, müssen schwarze Kinder früh lernen, denn gerade in kleine Afros wandert gern mal eine fremde Hand, während man an der Ampel oder Supermarktkasse steht.«
Falsch. Nicht nur schwarze kinder müssen früh lernen, daß sie ein recht auf ihren eigenen körper haben, sondern alle kinder. Die unart, fremden kindern über den kopf zu streicheln, ob die das nun möchten oder nicht, ist unabhängig von der farbe relativ weit verbreitet.
Zitat Thembi Wolf:»Die Verantwortung zum respektvollen Umgang liegt daher bei den Menschen ohne Afrohaare.«
Logisch. Wegen Europäischer haarfarbe und frisur ist man vollumfänglich verantwortlich für das betragen und die missetaten, die ähnlichaussehende begangen haben, während Thembi Wolf selbstverständlich nichts dafür kann, wenn menschen mit tollen Afrohaaren meinen, ungefragt Europäische haare anfassen zu dürfen.

Der zitierte artikel fing eigentlich so an.
Zitat Thembi Wolf::»Es passiert, wenn man es am wenigsten erwartet. Wenn das Bier kaltgestellt und die Pizza im Ofen ist. Wenn der Kopf eigentlich ausgeschaltet ist – und der Fernseher an, [...]«
Hoffentlich schaltet frau Wolf ihren kopf auch wieder ein. Dann müßte es ihr eigentlich auffallen, daß bei RTLfernsehshows respektvoller umgang ohnehin meist durch abwesenheit glänzt. Und das sogar völlig unabhängig von farbe und frisur.

Samstag, 14. April 2018

Über Gentechnik, Greenpeace und viele Tote

Interessantes video von der Spaßbremse über das thema gentechnik und goldenen reis. Über das thema hatte ich im vorvergangenen jahr auch schon mehrfach geschrieben.

Mittwoch, 16. August 2017

Tote betrauern ohne mauern

Zitat Sigmar Gabriel:»Wir gedenken der Mauertoten und sind froh, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskommen.«
Auch ohne mauer gab es allein in diesem jahr bereits mehr als 2000 grenztote (stand 6. juli 2017). Das ist fortschritt: ohne mauer, minenfeld und selbstschußanlagen monatlich mehr als doppelt so viele grenztote wie in 40 jahren Kaltem Krieg.

Mittwoch, 2. August 2017

Norman Borlaug

Einer der träger des Friedensnobelpreises, die ihn auch wirklich verdient hatten, ist mit sicherheit Norman Borlaug. Leider ist sein name inzwischen in vergessenheit geraten, sein lebenswerk zu unrecht sogar in miskredit.

Norman Borlaug wurde 1914 in Iowa, also dem Corn Belt der USA als bauernsohn geboren, durch ein stipendium konnte er agrarwissenschaft studieren und ging nach abschluß seines studiums in den 1940er nach Mexiko, um dort an der steigerung der erträge von feldfrüchten mitzuarbeiten. Ab 1964 leitete er die weizenabteilung des veredelungszentrums in Mexiko. Für seine arbeit bekam er 1970 den friedensnobelpreis. Seine wissenschaftliche arbeit setzte er bis ins hohe alter fort. Er verstarb im september 2009 an einem krebsleiden.

Sein lebenswerk hat millionen menschen vor dem hungertod bewahrt. Wenn sein name noch bekannt wäre, würde er als mitinitiator der »grünen revolution« von »kritischen« menschen gehaßt werden, weil hochleistungsgetreide mit der ökoideologie schlecht zusammenpaßt.

Ein interview aus dem jahr 2007: Grüne gentechnik ist keine hexerei

Sonntag, 28. August 2016

Bevölkerungsexplosion

In der letzten zeit kommen zu jeder passenden und vor allem unpasssenden gelegenheit kommentare, daß die machos aus Asien oder Afrika irgendwie »schuld« am welthunger wären, weil die triebgesteuert nicht von der schnackselei lassen könnten und nicht einmal im traum an verhütung denken würden. Und damit unterscheiden sie sich nicht im geringsten von Amerikanischen oder Europäischen machos. Die schätzen die vasektomie oder auch bloß kondome ebenfalls zu weiten teilen nicht übermäßig. In einigermaßen entwickelten ländern, in welchen frauen zugang zu bildung und medizinischer versorgung haben, stellt das jedoch kein allzu großes problem dar. Die können sich vorstellen, etwas anderes mit ihrem leben anzufangen, als alle naselang zu werfen und treffen selbst vorkehrungen dagegen.

Stichwort »überbevölkerung«: in puncto siedlungsdichte ist Europa davon weit mehr betroffen als Afrika. Jedoch ist es in Europa tradition, die eigenen probleme in andere weltregionen auszulagern. So dient die heutige »entwicklungshilfe« hauptsächlich dazu, drittweltländer als märkte zu erschließen. Sie ist ganz bestimmt nicht dafür da, den wohlstand irgendwelcher habenichtse in fernen ländern zu mehren oder sie womöglich konkurrenzfähig zu machen. Die sollen dienstbar sein, wenn der drittweltkapitalismus es verlangt. Ansonsten ist es egal was, aus denen wird.

Das problem ist nicht, daß es nicht möglich wäre, alle zu versorgen. Das problem ist das wirtschaftssystem, das darauf setzt, menschen auszugrenzen.

Dienstag, 19. Juli 2016

Laureates Letter Supporting Precision Agriculture (GMOs)

Leider gibt es auf der internetseite mit dem offenen brief an Greenpeace noch keine übersetzung ins Deutsche. Ich habe den text ins Deutsche übertragen, weil ich es wichtig finde, daß er auch im Deutschen sprachraum verstanden wird. Die internetseite, die ich verlinke, wird von Sir Richard J. Roberts betrieben, der molekularbiologe ist und 1993 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat.


»An den vorstand von Greenpeace, die Vereintein Nationen und die regierungen überall auf der welt.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat festgestellt, daß die produktion von landwirschaftlichen produkten sich bis zum jahr 2050 verdoppeln muß, um die ernährung einer wachsenden weltbevölkerung zu sichern. Organisationen, die gegen moderne pflanzenzucht sind, mit Greenpeace an ihrer spitze verleugnen diese tatsache und lehnen biotechnologische innovationen in der landwirtschaft ab. Sie stellen ihre risiken, vorteile und einflüsse falsch dar und haben die kriminelle zerstörung von anerkannten feldversuchen und forschungsprojekten unterstützt.

Wir appelieren an Greenpeace und seine unterstützer, die erfahrungen, die landwirte und konsumenten weltweit mit biotechnologisch verbesserten feldfrüchten und lebensmitteln gemacht haben, erneut zu überprüfen und die ergebnisse wissenschaftlicher einrichtungen anzuerkennen und die kampagnen gegen GMO (gentechnisch modifizierte organismen) im allgemeinen und gegen »goldenen reis« im speziellen zu verzichten.

Wisstenschaftliche institutionen und regulierende behörden in aller welt haben immer wieder festgestellt, daß kulturpflanzen und nahrungsmittel, die durch biotechnologie verbessert wurden, genau so sicher (wenn nicht sicherer) sind wie (bzw. als) die nach anderer methode gezüchteten arten. Nie wurde ein einziger fall bestätigt, bei dem sich der konsum negativ auf mensch oder tier ausgewirkt hätte. Ihr einfluß auf die umwelt hat sich wiederholt als unschädlich und eine wohltat für die globale biodiversität erwiesen.

Greenpeace führt die gegnerschaft zum »goldenen reis« an. Dieser reis hat das das potential tod und krankheit durch vitamin a mangel, welcher die schlimmsten folgen für die ärmsten menschen in Südostasien und Afrika hat, zu reduzieren oder sogar zu beenden.

Die WHO schätzt, daß 250 millionen menschen weltweit an vitamin a mangel leiden, von ihnen sind 40% kinder unter 5 jahren in den entwicklungsländern. Laut UNICEF-statistik gibt es jedes jahr zwei millionen verhinderbare todesfälle durch vitamin a mangel. Das immunsystem wird dadurch beeinträchtigt, was das höchste risiko für babys und kinder bedeutet. Vitamin a mangel ist der hauptgrund, weshalb kinder erblinden. Weltweit betrifft das 250.000 bis 500.000 jedes jahr. Die hälfte von ihnen stirbt innerhalb von 12 monaten nachdem sie ihr augenlicht verloren.

WIR RUFEN GREENPEACE AUF, die kampagne gegen den »goldenen reis« im speziellen und nutzpflanzen und gentechnisch verbesserte nahrungsmittel und nutzpflanzen im allgemeinen fallen zu lassen.

WIR RUFEN DIE REGIERUNGEN IN ALLER WELT AUF, die Greenpeace-kampagne gegen den »goldenen reis« im speziellen und nutzpflanzen und gentechnisch verbesserte nahrungsmittel und nutzpflanzen im allgemeinen abzulehnen. Sie sollten alles in ihrer macht stehende tun, den aktionen von Greenpeace etwas entgegenzusetzen und den landwirten den zugang zu moderner biologie und besonders zu biotechnologisch verbessertem saatgut zu ermöglichen. Einspruch auf grundlage von gefühlen oder dogmen, der von daten widerlegt werden kann, muss aufhören.

Wie viele arme menschen in aller welt müssen noch sterben, bevor erkannt wird, daß das ein VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT ist?

Mit aufrichtigen grüßen,«

[hier klicken, um die liste der unterzeichner zu sehen]

Der vollständigkeit halber möchte ich den englischen originaltext nicht vorenthalten:
»To the Leaders of Greenpeace, the United Nations and Governments around the world

The United Nations Food & Agriculture Program has noted that global production of food, feed and fiber will need approximately to double by 2050 to meet the demands of a growing global population. Organizations opposed to modern plant breeding, with Greenpeace at their lead, have repeatedly denied these facts and opposed biotechnological innovations in agriculture. They have misrepresented their risks, benefits, and impacts, and supported the criminal destruction of approved field trials and research projects.

We urge Greenpeace and its supporters to re-examine the experience of farmers and consumers worldwide with crops and foods improved through biotechnology, recognize the findings of authoritative scientific bodies and regulatory agencies, and abandon their campaign against "GMOs" in general and Golden Rice in particular.

Scientific and regulatory agencies around the world have repeatedly and consistently found crops and foods improved through biotechnology to be as safe as, if not safer than those derived from any other method of production. There has never been a single confirmed case of a negative health outcome for humans or animals from their consumption. Their environmental impacts have been shown repeatedly to be less damaging to the environment, and a boon to global biodiversity.

Greenpeace has spearheaded opposition to Golden Rice, which has the potential to reduce or eliminate much of the death and disease caused by a vitamin A deficiency (VAD), which has the greatest impact on the poorest people in Africa and Southeast Asia.

The World Health Organization estimates that 250 million people, suffer from VAD, including 40 percent of the children under five in the developing world. Based on UNICEF statistics, a total of one to two million preventable deaths occur annually as a result of VAD, because it compromises the immune system, putting babies and children at great risk. VAD itself is the leading cause of childhood blindness globally affecting 250,000 - 500,000 children each year. Half die within 12 months of losing their eyesight.

WE CALL UPON GREENPEACE to cease and desist in its campaign against Golden Rice specifically, and crops and foods improved through biotechnology in general;

WE CALL UPON GOVERNMENTS OF THE WORLD to reject Greenpeace's campaign against Golden Rice specifically, and crops and foods improved through biotechnology in general; and to do everything in their power to oppose Greenpeace's actions and accelerate the access of farmers to all the tools of modern biology, especially seeds improved through biotechnology. Opposition based on emotion and dogma contradicted by data must be stopped.

How many poor people in the world must die before we consider this a "crime against humanity"?

Sincerely,


Zhores I. Alferov 2000 Physics
Sidney Altman 1989 Chemistry
Hiroshi Amano 2014 Physics
Werner Arber 1978 Medicine
Richard Axel 2004 Medicine
David Baltimore 1975 Medicine
Paul Berg 1980 Chemistry
Bruce A. Beutler 2011 Medicine
Elizabeth H. Blackburn 2009 Medicine
Gunter Blobel 1999 Medicine
Paul D. Boyer 1997 Chemistry
Sydney Brenner 2002 Medicine
Mario R. Capecchi 2007 Medicine
Thomas R. Cech 1989 Chemistry
Martin Chalfie 2008 Chemistry
Steven Chu 1997 Physics
Aaron Ciechanover 2004 Chemistry
Claude Cohen-Tannoudji 1997 Physics
Leon N. Cooper 1972 Physics
Elias James Corey 1990 Chemistry
Robert F. Curl Jr. 1996 Chemistry
Johann Deisenhofer 1988 Chemistry
Peter C. Doherty 1996 Medicine
Richard R. Ernst 1991 Chemistry
Sir Martin J. Evans 2007 Medicine
Eugene F. Fama 2013 Economics
Edmond H. Fischer 1992 Medicine
Jerome I. Friedman 1990 Physics
Andre Geim 2010 Physics
Ivar Giaever 1973 Physics
Walter Gilbert 1980 Chemistry
Alfred G. Gilman * 1994 Medicine
Sheldon Glashow 1979 Physics
Roy J. Glauber 2005 Physics
Joseph L. Goldstein 1985 Medicine
David J. Gross 2004 Physics
Roger Guillemin 1977 Medicine
Sir John B. Gurdon 2012 Medicine
John L. Hall 2005 Physics
Lars Peter Hansen 2013 Economics
Serge Haroche 2012 Physics
Leland H. Hartwell 2001 Medicine
Harald zur Hausen 2008 Medicine
James J. Heckman 2000 Economics
Dudley R. Herschbach 1986 Chemistry
Avram Hershko 2004 Chemistry
Gerardus 't Hooft 1999 Physics
H. Robert Horvitz 2002 Medicine
Robert Huber 1988 Chemistry
Tim Hunt 2001 Medicine
Louis J. Ignarro 1998 Medicine
Elfriede Jelinek 2004 Literature
Daniel Kahneman 2002 Economics
Eric R. Kandel 2000 Medicine
Wolfgang Ketterle 2001 Physics
Aaron Klug 1982 Chemistry
Brian K. Kobilka 2012 Chemistry
Roger D. Kornberg 2006 Chemistry
Herbert Kroemer 2000 Physics
Finn E. Kydland 2004 Economics
Leon M. Lederman 1988 Physics
Yuan T. Lee 1986 Chemistry
Robert J. Lefkowitz 2012 Chemistry
Anthony J. Leggett 2003 Physics
Jean-Marie Lehn 1987 Chemistry
Michael Levitt 2013 Chemistry
Tomas Lindahl 2015 Chemistry
Rudolph A. Marcus 1992 Chemistry
Barry J. Marshall 2005 Medicine
Eric S. Maskin 2007 Economics
John C. Mather 2006 Physics
Craig C. Mello 2006 Medicine
Robert C. Merton 1997 Economics
Hartmut Michel 1988 Chemistry
James A. Mirrlees 1996 Economics
Paul L. Modrich 2015 Chemistry
William E. Moerner 2014 Chemistry
Mario J. Molina 1995 Chemistry
Edvard Moser 2014 Medicine
May-Britt Moser 2014 Medicine
Kary B. Mullis 1993 Chemistry
Ferid Murad 1998 Medicine
Erwin Neher 1991 Medicine
Ryoji Noyori 2001 Chemistry
Sir Paul Nurse 2001 Medicine
Christiane Nusslein-Volhard 1995 Medicine
Arno Penzias 1978 Physics
Stanley B. Prusiner 1997 Medicine
Jose Ramos-Horta 1996 Peace
Sir Richard J. Roberts 1993 Medicine
Bert Sakmann 1991 Medicine
Bengt I. Samuelsson 1982 Medicine
Randy W. Schekman 2013 Medicine
Brian P. Schmidt 2011 Physics
Richard R. Schrock 2005 Chemistry
Phillip A. Sharp 1993 Medicine
Hamilton O. Smith 1978 Medicine
Oliver Smithies 2007 Medicine
Thomas A. Steitz 2009 Chemistry
Joseph H. Taylor Jr. 1993 Physics
Daniel C. Tsui 1998 Physics
Harold E. Varmus 1989 Medicine
Sir John E. Walker 1997 Chemistry
J. Robin Warren 2005 Medicine
Arieh Warshel 2013 Chemistry
James Watson 1962 Medicine
Eric F. Wieschaus 1995 Medicine
Frank Wilczek 2004 Physics
Robert Woodrow Wilson 1978 Physics
Ada E. Yonath 2009 Chemistry
«

Samstag, 9. April 2016

Die atheisten sind an allem schuld

Die frohe botschaft an ostern wurde der christlichen welt und besonders den katholiken durch den Fuldaer bischof Algermissen überbracht. Denn ein
zitat:»Mensch ohne Auferstehungsglauben zu einem 'großen Sicherheitsrisiko' für die Mitwelt werde, denn seine Hektik und Daseinsangst ließen ihn 'zuschlagen und zerstören'.«
Angeblich würden sonst die menschen im »hauch der mächte des todes ersticken«. Das ist eine erstaunliche botschaft, denn atheisten sind keine übermäßig todesverliebten menschen. Für atheisten gibt es kein jenseits, keine auferstehung und kein leben nach dem tod. Aus diesem grund ist es für atheisten wichtig, das leben vor dem tod zu achten.

Mir ist bisher nicht zu ohren gekommen, daß säkulare menschen aus hass religiöse menschen töten würden. Stattdessen mußte ich erst kürzlich wieder lesen, daß in Bangladesh schon wieder ein atheistischer blogger von religiösen fanatikern ermordet wurde. Er war der zehnte seit 2013.

Aber es sind keinesfalls nur muslime, die die welt in ein schlachtfeld verwandeln. Im »Spiegel« nr. 13/2016 wurde auf seite 20 erwähnt, daß fundamentalisten aus dem »bible belt« es sich etwas kosten lassen, den bürgerkrieg in Côte d’Ivoire auf religiöse weise anzuheizen. Diese christen haben offensichtlich kein problem damit, im vermeintlichen endkampf gegen den »antichristen« (in diesem fall die muslimischen gegner) menschenopfer zu bringen.

Vermutlich sind für den Fuldaer bischof Algermissen, dessen vorgänger Dyba als der »glöckner von Fulda« bekannt war, an all diesen problemen allein die atheisten schuld, die nicht an die auferstehung glauben.


Mittwoch, 23. März 2016

Juhu! Moderne sklaverei nur ein moralisches problem - (teil 2 und schluß)

Hinweis: dank Hagnum hat die moderatorin diesmal auch einen namen. Katja Schwiglewski heißt sie. Sie stellt frau prof. Hartmann sogar eine sehr gute frage, die von selbiger allerdings leider schlecht beantwortet wird.

***

Die frage, mit der der erste teil endete, war, ob es einen zusammenhang zwischen der eigenen unternehmenskultur und der moral im geschäftemachen gäbe.
Zitat Evi Hartmann: »Ja, ich glaube, es ist nicht nur die unternehmenskultur, sondern es fängt beim individuum an. Und es fängt an, denn ich bin mutter von vier kindern, das fängt im kindergarten an, das fängt aber auch zu hause an, das ist überall präsent und überall nicht genug thematisiert. Und letztlich auch in der firmenkultur.

Das ist ja ein beispiel, für ein unternehmen, das da schon sehr vorbildlich unterwegs ist, ›memorial monday‹, wo montags im prinzip in der kurzen pause der offene raum ist für das gespräch, wo beispielsweise die einkäufer erzählen können, was ihnen beispielsweise auf der geschäftsreise zu ihren lieferanten aufgefallen ist. Ob da z.b. brandschutzmaßnahmen sicher sind oder nur fingiert sind. Solchen rahmen muß man schaffen. Diese kommunikation muß gefördert werden und die ist bis dato nicht genug gefördert.«
Der erste teil der antwort hat mich etwas erstaunt. Es ist die moral in der unternehmenskultur gefragt und frau Hartmann fängt davon an, daß diese beim individuum im kindergarten anfinge. Was glaubt sie, was vierjährige über das geschäftemachen wissen müßten? Moral bekommen kinder für gewöhnlich ohnehin mehr als genug beigebracht - und die meisten merken recht schnell, daß man damit im zweifelsfall nicht übermäßig weit kommt.

Über bestimmte themen einfach mal montags in der kurzen pause zu quatschen mag das gewissen beruhigen, ändert aber nichts daran, daß arbeitsschutzmaßnahmen jedweder art ausbleiben, wenn man sie irgendwie umgehen kann, weil die geld kosten.
Zitat Katja Schwiglewski: »Also achtsamkeit nach innen und außen ist so ein begriff, vielleicht auch respekt?«

Zitat Evi Hartmann: »Ja. Und das sind werte, die nicht im vordergrund stehen, weil wenn wir aus ökonomischer sicht die wertschöpfungskette anschauen, dann wird da was optimiert nach verschiedenen kennzahlen, aber eine moralische kennzahl gibts da nicht.«
Von ein bißchen achtsamkeit und respekt können die leute weder hier noch sonstwo leben. Es ist eine ziemlich blöde vorstellung, daß man den markt bloß in ein korsett zwingen müßte und dann würde alles gut.

Eine moralische kennzahl gibt es nicht, weil die in der wertschöpfungskette nicht benötigt wird. Moral kann kann man sich in der konkurrenz nicht leisten, weil man da schnell ins hintertreffen gerät. Im grunde ist das auch jedem klar. Und wahrscheinlich sind die wenigsten menschen, die irgenwo im einkauf sitzen wirkliche schweine, die freude daran haben, andere menschen zu quälen. Sie haben vorgaben zu erfüllen, damit sie in der konkurrenz am markt bestehen können.

Wenn es darum nicht ginge, könnte man kleidung genau so gut in Thüringen herstellen lassen, wo einst die textilindustrie blühte. Dort gelten Deutsche arbeitsschutzbedingungen, die im vergleich zu Bangladesh immer noch relativ gut sind, man könnte etwas für den regionalen markt mitten in der inzwischen strukturschwachen region tun - aber genau das erzeugt die kosten, die man gern los sein möchte.
Zitat Katja Schwiglewski: »Ist es vielleicht ganz einfach, sie haben da ja auch den konsumenten angesprochen, daß die moral immer dann an ihre grenzen stößt, wenn sie unseren wohlstand und das bequeme leben tangiert?«
Als ein in den industiestaaten lebender mensch sollte man sich als erstes fragen, wie weit es mit dem eigenen wohlstand her ist.

Nämlich nicht so übermaßig weit. Zwar hat man hier einen lebensstandard, von dem die menschen in den entwicklungsländern nur träumen können. Allerdings wird man hier auf ganz anderem niveau dafür ausgequetscht.

Und das ist keineswegs etwas, das man als »bequemes leben« bezeichnen kann. Wenn man nämlich bequem leben könnte, weil man für die arbeit nicht mehr benötigt wird, ist schluß mit dem wohlstand. Denn das schöne geld bekommt man keinesfalls aus moralischen gründen, sondern allein, solange es sich rechnet und man produktiver arbeiten kann als jemand anders irgendwo sonst.
Zitat Evi Hartmann: »Ja, bequem ist da ganz sicherlich auch ein argument. Und teilweise natürlich auch die peinlichkeit und das statusdenken, man muß ja auch stark sein, sich darüber hinwegzusetzen, man muß mut aufbringen, weil man sonst vielleicht aus der reihe fällt und nicht da einkauft, wo die peer-gruppe einkauft. Das sind alles verhaltensweisen, die erfordern auch mut.«
Das mit der peinlichkeit und dem statusdenken ist eine angelegenheit über die ich ein wenig schmunzeln mußte.

Das ist ehrlich verrückt.

Ein arbeitsloser bräuchte einfach mal den mut, sich über die grenzen seiner »peer-gruppe« hinwegzusetzen. Der hat schließlich sonst keine gründe, seine klotten am Brunsbütteler Damm bei KIK zu kaufen, wenn es doch auch diese schnieke boutique von Chanel am Kurfürstendamm gibt. Er bringt es einfach nicht fertig da mal hinzugehen. Frechheit. Und alles nur, um bloß nicht aus der reihe zu fallen.

Allerdings ist es eine lebenslüge, daß teurere marken ihre sachen unter vernünftigen bedingungen produzieren würden. Zwar verwenden die meist bessere materialien, doch können die genau so gut in billigfabriken hergestellt und verarbeitet werden. Diese produktionsmethode hat übrigens der nicht-gerade-billig marke Apple rekordgewinne eingebracht, weil sie ihre luxusprodukte in den selben sweatshops zusammenlöten lassen wie die billiganbieter.

Es folgt eine ziemlich gute frage:
Zitat Katja Schwiglewski: »Was ich seltsam finde, ist daß politische unterdrückung in unserer öffentlichkeit sehr schnell starke empörung auslöst und die ökonomische unterdrückung von menschen, die ja millionenfach auf der welt passiert so wenig widerhall findet, haben Sie da eine erklärung für?«
Die antwort darauf ist eher dürftig:
Zitat Evi Hartmann: »Das war der auslöser für mein buch. Und als die katastrophe in Sabhar war. In meinem umfeld, in meinem privaten umfeld auch, wurde das fast gar nicht thematisiert. Da war diese empörung gar nicht zu spüren, und da habe ich mich genauer gefragt, warum? Warum muß so was schreckliches passieren und es passiert eigentlich nichts in einer verhaltensänderung bei mir selber. Und genau dort sehe ich den ansatzpunkt, das im prinzip bei jedem einzelnen anfängt, man muß darüber nachdenken.«
Da hat sie sich seit dem einsturz des Rana Plaza in Bangladesh mit der frage befaßt, warum so etwas passiert, gar ein buch drüber geschrieben. Aber mehr gelernt, als ein betroffenes gesicht zu machen, hat sie in diesen fast drei jahren dabei offenbar nicht.

Eine erklärung hat sie schon gar nicht, stattdessen bloß empörung.

Daß menschen in unserem wirtschaftssystem in ihrer existenz bedroht werden, gehört zum programm. Und zwar so sehr, daß es als selbstverständlich betrachtet wird. Beispielsweise wird deshalb in der letzten zeit oft abfällig von »wirtschaftsflüchtlingen« gesprochen, die nicht politisch verfolgt werden, sondern »bloß« in ihrer existenz bedroht sind und so überhaupt keinen grund hätten, ihre heimatländer zu verlassen.

In ihrer existenz bedroht sind aber nicht nur menschen in fernen ländern, sondern auch hiesige h4empfänger, die mitten in diesem angeblichen wohlstand auf grund von nichtigkeiten die existenzgrundlage gestrichen bekommen, auf der straße landen und dort langsam aber sicher zu grunde gehen.

Das ist die moral unseres wirtschaftssystems. Hier stehen interessen gegeneinander - und zwar nicht das interesse der menschen in den industrienationen an billigen konsumartikeln gegen das interesse der menschen in den entwicklungsländern, besser bezahlt zu werden, sondern das kapitalinteresse der profitmaximierung gegen das interesse der lohnarbeiter an einem guten leben grenzübergreifend.

Und das bekommt man mit der wohlmeinenden betroffenheit und verhaltensänderungen der einzelnen menschen nicht weg. Das ist nämlich ein grundsätzliches problem.
Zitat Katja Schwiglewski: »Sie sind ja selber professorin und bilden den wirtschaftlichen nachwuchs Deutschlands aus, wie kann man jetzt im BWL-studium solche ansätze konkret verfolgen, passiert das schon?

Zitat Evi Hartmann: »Die freiheit, solche aspekte ins curriculum einzubauen, hat jeder professor. Die hab ich auch für meine themen, natürlich bei mir im feld ›einkauf‹ supply-chain-management, das sind alles felder, wo dieses thema ›moral‹, wie verhalte ich mich fair, was sind ordentliche geschäftspraktiken, einen platz finden muß. Und vielleicht bisher nicht genug platz gefunden hat.«
Ist es möglich, auch etwas verstand ins curriculum einzubauen?

Beispielsweise die erkenntnis, daß zwangsläufigkeiten nicht durch ein bißchen moral aufgelöst werden können?

Es ist häßlich, einkäufer für diesen widerwärtigen markt auszubilden, der ihnen wenig spielraum läßt, weil die konkurrenz nicht schläft, um ihnen dann die moralkeule um die ohren zu hauen.
Zitat Katja Schwiglewski: »Aber die grundkoordinaten, wie unser wirtschaftssystem funktioniert, das es im grunde doch auf wachstum angelegt ist. Man sagt ein unternehmen kann nur bestehen, wenn es wächst und wenn es sich international aufstellt. Eledigt sich vieles nicht schon von alleine, wenn man so immer denkt?«

Zitat Evi Hartmann: »Nein, ich bin ein ganz klarer befürworter der globalisierung. Die globalisierung ist für uns extrem wichtig. Die ist auch nicht aufzuhalten oder wegzureden. Aber sie muß fair ablaufen. Die auswüchse der globalisierung, die müssen wir angehen. Und deswegen geht es trotzdem, daß wir wachsen und daß wir die potentiale in der welt nutzen.«
Auch hier habe ich den eindruck, daß die antwort nicht so richtig gut zur frage paßt. Denn es stimmt absolut, daß die moralfrage erledigt ist, wenn man in den grundkoordinaten unseres wirtschaftssystems denkt.

Interessant, daß für frau Hartmann die unangenehmen seiten des wirtschaftssystems einfach nur »auswüchse« sind, die man mit fairem verhalten wegbekäme. Ich glaube das nämlich nicht.
Zitat Katja Schwiglewski: »Herzlichen dank frau professor Hartmann für das gespächt«
Evi Hartmann: »Danke«
Hiermit ist mein kleiner ausflug in die welt der wirtschaftslehre beendet.

Beim schreiben habe ich mir fast den Hans-Werner Sinn zurückgewünscht. Den konnte ich zwar auch nie leiden, aber wenigstens war der ehrlich. Der hat nie behauptet, daß die grausamkeiten des wirtschaftssystems einfach nur »auswüchse« wären, die man mit ein bißchen fairness ausgleichen könne.

Widerlicher als wirtschaftsprofessoren sind wirtschaftsprofessoren, die dann auch noch die moral entdecken und meinen, die probleme der wirtschaft mit mehr moral lösen zu können.

Sonntag, 20. März 2016

Juhu! Moderne sklaverei nur ein moralisches problem!

Alle jubeljahre kommt das thema auf, daß eben nicht unser wunderbares wirtschaftssystem, sondern das unmoralische konsumverhalten der menschen in den industriestaaten schuld sei am elend der menschen in den entwicklungsländern, die häufig von ihren löhnen noch weniger leben können, als das in den sogenannten »reichen ländern« der fall ist.

So auch in den vergangenen wochen wieder, denn die BWL-professorin Evi Hartmann von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg hat ein buch darüber geschrieben unter dem titel »Wie viele Sklaven halten Sie?« in dem sie die behauptung aufstellt, jeder von »uns« halte ca. 60 sklaven, um einem bequemen leben nachgehen zu können.

Das ist eine merkwürdige behauptung, denn der großteil der menschen in den industrienationen führt nicht gerade ein besonders bequemes leben.

Letzte woche hat die autorin dem WDR ein interview gegeben. Das 1€blog hat keine kosten und mühen gescheut, es der nachwelt zu erhalten und es in voller länge mitgeschrieben, damit es nicht ungehört oder ungelesen im archiv des WDR verschwindet, natürlich nicht unkommentiert:

Zitat moderatorin: »Wenn Sie, wie ich, kleidung tragen,nahrung zu sich nehmen, ein auto fahren oder ein smartphone haben, arbeiten derzeit ungefähr sechzig sklaven für Sie und mich. Diese these stammt von Evi Hartmann, BWL-professorin an der Universität Erlangen-Nürnberg und sie wendet sich in ihrem aktuellen buch zum thema ›Globalisierung und Moral‹ auch direkt an uns alle - ›wie fühlen Sie sich damit?‹ fragt sie. Der menschliche anstand läßt eigentlich nur eine antwort zu, ›schlecht‹ natürlich. Aber hand auf’s herz - fühlen wir uns wirklich schlecht, wenn irgendwo am anderen ende der welt jemand ausgebeutet wird, damit wir unsere konsumbedürfnisse befriedigen können? Da muß wohl ordentlich gerüttelt werden an unserer ignoranz und selbstzufriedenheit und das versucht das buch ›Wie viele Sklaven halten Sie?‹, steht in fetten roten lettern auf dem buchdeckel. Evi Hartmann, die autorin ist jetzt am telefon. Einen schönen guten tag, frau Hartmann.«

Zitat Evi Hartmann: »Hallo!«

Zitat moderatorin: »Müssen wir uns alle in grund und boden schämen?«
Es gibt keinen anlaß sich für etwas »in grund und boden zu schämen« wofür man nichts kann. Die normalen lohnarbeitenden menschen oder die arbeitslosen in den industriestaaten haben die verhältnisse, wie sie in der kapitalistisch organisierten welt sind, nicht so eingerichtet.

Und wenn sie sich dafür einfach mal schämen würden, daß die lohnarbeitenden menschen am anderen ende der welt noch beschissener dran sind als sie selbst, wäre denen damit nicht im geringsten geholfen.

Aber hören wir, was prof. Hartmann dazu zu sagen hat:
Zitat Evi Hartmann: »Ja, ich glaube, wir sind da alle eingeschlossen, wir sind da allle betroffen, wir sind da alle drin in diesem kreislauf. Ob als konsument, ob als produzent, ob als lieferant. Am ende sind wir mit verantwortlich...«
Nein. Keinesfalls. Wenn sich ein h4empfänger in Deutschland dafür schämt, daß er billigware aus Bangladesh kauft, bringt das der näherin dort kein essen und keine versorgung im krankheitsfall ein. Wenn er die ware nicht kauft, die er so nicht bestellt hat, sondern die hier so angeboten wird, weil die unternehmen mit seiner armut rechnen, geht es der armen näherin definitiv an den kragen. Dann verliert sie ihren scheißjob und damit ihre armselige existenz, weil es dort leider keine unterstützung für arbeitslose gibt.

Egal, wie man seinen konsum ausrichtet. Man kann es immer nur falsch machen.
Zitat moderatorin: »Und warum schämen wir uns so wenig und ändern nichts?«
Weil wir daran erst einmal nichts ändern können. Und es den armen menschen in den entwicklungsländern leider auch kein brot einbringt, wenn wir uns schämen würden.

Schämen könnten wir uns höchstens dafür, daß wir es uns gefallen lassen, uns selbst ausbeuten zu lassen.
Zitat Evi Hartmann: »Das ist genau die fragestellung im buch, die ist, warum denke ich darüber nicht nach, warum ist moral keine fragestellung? Und das fängt auch wieder an beim konsument, der das credo ›geiz ist geil‹ vor augen hat und immer günstiger einkaufen will, dann haben wir im prinzip in den unternehmen die einkäufer, die druck von ihrem chef kriegen, einkaufsoptimale bedingungen, einkaufssavings, einsparungen zu realisieren. Dann haben wir die produzenten, die anlagen auslasten wollen und am ende wird der druck weitergegeben, wenn wir jetzt bei der textilbranche bleiben, bis hin zu den näherinnen in Bangladesh, die ohnehin schon zu einem hungerlohn arbeiten und dann noch günstiger arbeiten müssen. «
Das mit der moral ist eine extrem schäbige sache. Da läßt man die armen auf dieser seite der welt für einen lohn malochen, der gerade mal dafür ausreicht, daß sie ihre bedürfnisse auf dem untersten niveau mit artikeln von der anderen seite der welt befriedigen können und wirft ihnen obendrein auch noch vor, daß das unmoralisch wäre.

Welcher konsument ist denn mit dem slogan »Geiz ist Geil« an den markt herangetreten?

Überhaupt keiner. Das war der werbeslogan einer elektromarktkette, die die armut der hiesigen menschen ansprechen wollte.

Es ist eine verdrehung von fakten, wenn aus der materiellen armut, das leben mit billigartikeln auf niedrigstem niveau fristen zu müssen, »geiz« wird, der angeblich anderen das leben gründlich versauen tät.

Als professorin, die jeden monat ein ordentliches gehalt auf dem konto begrüßen darf, kann man selbstverständlich leicht über die schweine urteilen, die über jeden pfennig nachdenken.
Zitat moderatorin: »Würden Sie denn sagen, daß markt und moral aber prinzipiell zusammenpassen oder sind das doch zwei verschiedene welten die gehen nicht miteinander?«
Das sind zwei verschiedene sachen. Und eine wie die andere widerlich.
Zitat Evi Hartmann: »Ich glaube, das sind schon ... die hängen in einem system aber die haben verschiedene ausrichtungen. Das eine ist wirklich die fragestellung, was sind die kosten, wie optimiere ich die, wenn ich aus unternehmenssicht da draufschau? Und andererseits, was ist der nutzen? Das sind zwei fragestellungen, die einen konflikt erwirken, der aber vielleicht lösbar ist. Der durch kleine schritte lösbar ist. Nur bisher ist ja die fragestellung nach der moral gar nicht inkludiert in nem meßsystem, der einkäufer, der einkaufersparnisse realisieren muß, hat ja gar nicht zum ziel moralischer zu handeln.«
Na ja eben, der einkäufer hat »moralisches handeln« nicht zum ziel. Und das aus gutem grund.

Kleiner hinweis: der grund ist nicht der »geiz« der hiesigen lohnarbeiter.
Zitat moderatorin: »Und wenn das über den weg läuft, daß mittlerweile nachhaltiges wirtschaften vielleicht für eine gewisse klientel tatsächlich ein verkaufsargument sein könnte? Funktioniert das auf dem weg oder ist das zu dürftig?«
Das ist allerdings dürftig und funktioniert nicht, weil es allerhöchstens eine »gewisse klientel« anspricht, die es sich leisten kann oder möchte, sich vom drückenden schlechten gewissen ein klein wenig freizukaufen.
Zitat Evi Hartmann: »Das ist ein erster schritt, ich seh die fragestellung so klar, als uniprof würde man immer so ganzheitlich optimieren wollen, das ist vielleicht zu schwierig und das es dauert auch zu lang und kleine schritte sind eben ein weg dahin. Kleine schritte können schon etwas bewegen. Auch bei beispielhaften unternehmen, die, äh, die es ja gibt. Es gibt ja genug ›best practices‹, die zum beispiel den ›living wage‹, also das gehalt an die näherinnen in Bangladesh zahlen, die den lebensunterhalt sicherstellen, es gibt ja beispiele, die sich da ordentlich verhalten.«
Kleine schritte wohin? Der begriff »living wage« zeigt, wie schäbig die angelegenheit ist: es geht nicht darum, den menschen ein anständiges leben zu ermöglichen, sondern bloß um ein lohn, der die armen leute am anderen ende der welt ganz sicher im hamsterrad hält, um die kapitalisten auf dieser seite der welt ordentlich satt zu bekommen.
Zitat moderatorin: »Hat die moral im geschäftemachen auch etwas zu tun mit der eigenen unternehmenskultur? Sehen Sie auch da zusammenhänge?«
Zur »unternehmenskultur« gehört nun einmal das gewinnmaximieren und das steht ohne zweifel in direktem zusammenhang mit der armut an jedem ort auf der welt.
---
Ende des ersten teils. Teil zwei enthält, was frau Hartmann dazu gesagt hat und eine sehr gute frage der moderatorin, die mir namentlich leider nicht bekannt ist.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Worte des evolutionstheologen Björn Höcke

Zitat Björn Höcke:»Die evolution hat Afrika und Europa, vereinfacht gesagt, zwei unterschiedliche reproduktionsstrategien beschert. Sehr gut nachvollziehbar für jeden biologen.

In Afrika herrscht nämlich die sogenannte r-strategie vor, die auf eine möglichst hohe wachstumsrate abziehlt, dort dominiert der sogannte ›ausbreitungs-typ‹ und in Europa verfolgt man großteils die K-strategie, die die kapazität des lebensraumes optimal ausnutzen möchte, hier lebt der ›platzhalter-typ‹

[…] im 21. jahrhundert trifft der lebensfreudige Afrikanische ›ausbreitungs-typ‹ auf den selbstverneinenden Europäischen ›platzhalter-typ‹ […] An dieser stelle ist es angeraten, meiner meinung nach, mal die populationsökologische brille aufzuziehen, um den blick noch etwas zu weiten.

Liebe freunde, der bevölkerungsüberschuß Afrikas beträgt etwa 30 millionen menschen im jahr. Solange wir bereit sind, diesen bevölkerungsüberschuß aufzunehmen, wird sich am reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern. […] Die länder Afrikas, sie brauchen die Deutsche grenze, die länder Afrikas, sie brauchen die Europäische grenze, um zu einer ökologisch-nachhaltigen bevölkerungspolitik zu finden.«

Eine wirklich dermaßen verquaste scheiße, die diese bezeichnung auch ehrlich verdient hat, findet man selbst bei der AfD nicht jeden tag.

Zwar bin ich kein biologe, bin aber der auffassung, daß man auch mit normaler allgemeinbildung in biologie dafür kein verständnis haben braucht. Ich habe mal gelernt, daß die r-strategen eher im pflanzenreich oder unter weniger hoch entwickelten tieren zu finden sind, dazu gehören z.b. stechmücken, lurche oder fische, die keine bis wenig brutpflege betreiben, während die K-strategen, zu denen säugetiere wie der mensch, affen oder elefanten gehören, nur vergleichswese wenig nachwuchs bekommen, dafür jedoch brutpflege betreiben, um die überlebenschancen des nachwuchses zu verbessern.

30 millionen menschen »bevölkerungsüberschuß« in Afrika - und nur weil die Europäische grenze offen sei und »der Afrikaner« sich schlimmer vermehre als froschlurche?

Das ist absurd! In Deutschland waren in der zeit vom 18. bis ins frühe 20. jahrhundert frauen mit zehn bis fünfzehn kindern keine ausnahmeerscheinung. Die leute waren nicht aufgeklärt und die medizin nicht übermäßig weit, weshalb viele bereits im kindesalter dahingerafft wurden. Und oft auch nur aus mangelhafter hygiene, die leute wußten es halt nicht besser oder sie hatten nicht die mittel.

Es ist kein ding der evolution, daß binnen weniger generationen die sache völlig anders aussieht. In der kurzen zeit hat sich nicht die biologische veranlagung der Europäer verändert, sondern ihre lebensverhältnisse. Und Afrikanische menschen unterscheiden sich in dieser hinsicht nicht von anderen menschen. Im gegensatz zu Deutschen rechten, die meinen, sie müßten nachkommen mindestens dritteldutzendweise in die welt setzen, obgleich sich seit langem niemand mehr über menschenmangel in der welt beklagt hat. Mir kam zu ohren, daß es in Schnellroda, wo diese goldene rede gehalten wurde, eine AfDmitgliedIn lebt, die neurechts ist und sieben mal geworfen hat. Damit übertrifft sie auch den Afrikanischen durchschnitt und wäre nach Höckes theorie damit alles andere als Europäisch - und schon gar nicht Deutsch. Ist »der Deutsche« doch höher entwickelt als diese r-strategen, die fortwährend eier legen.

Zum schluß noch ein screenshot von neulich aus der Süddeutschen Zeitung:

»Thüringen. So vielseitig wie die natur selbst.«
Aus biologischer sicht ist Höcke in Thüringen so etwas wie ein invasives neozoon: ist dort vermutlich aus versehen eingeschleppt worden, vermehrt sich überdurchschnittlich. Also im prinzip schlimmer als ein ochsenfrosch. Am besten schnell einfangen und wieder in seinem natürlichen biotop in NRW aussetzen, wo es hingehört, vielleicht richtet es dort weniger schaden an. Bloß, was sollen die armen Westfalen mit dem?


Weiteres bitte nachschlagen unter »premiumdenker der gegenwart«

Donnerstag, 24. September 2015

Das smartphone ist schuld!

Im vergangenen sommer hatte ich eine etwas merkwürdige diskussion. Das smartphone sei schuld, daß das kapital den klassenkampf gewonnen habe, schließlich verblöde so ein ding schon die jugend, die nicht mehr miteinander rede, weil sie immer nur auf den doofen kasten gucke und ihre umwelt ohnehin nicht mehr wahrnehme.

Von selber seite kam kürzlich die wundersame wandlung: das smartphone sei schuld an den flüchtlingsströhmen, weil die hier eintreffenden jungen menschen ihren daheimgebliebenen kollegen das gerücht vom »kostenlosen Deutschland« mitteilen würden.

Was denn nun? Oder sind Afrikaner und menschen aus dem Nahen Osten in der richtigen anwendung von technik einfach nur klüger als Deutsche?

Die widrigen herrschaftsverhältnisse, an denen menschen verzweifeln, setzt so ein smartphone garantiert nicht in die welt.