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Mittwoch, 8. Dezember 2021

Prinz karneval aus Hamburg

An sich hatte ich immer gedacht, daß ich mich nach den endlosen Merkeljahren wenigstens ein bißchen freuen würde, wenn die mal weg ist. Grund zur veranlassung gibt es wohl eher nicht. Muttis vize, prinz karneval aus Hamburg rückt auf und Andi B.Scheuert heißt jetzt Wirsing. Aber sonst ändert sich nicht viel. Man erinnere sich:
An h4 und der agenda 2010 war Olaf Scholz beteiligt und auch die GRÜNPARTEI - und von der FDP muß man, sofern man nicht von beruf reich ist, auch nicht übermäßig viel erwarten. Besserung erwarte ich da eher nicht.

Dienstag, 29. Juni 2021

Urlaub

... ist was für menschen ohne fantasie. Max Uthoff, aufzeichnung vom 19. september 2020 Nur gut, daß ich bereits in B wohne und deshalb nicht verreisen muß, es gibt einen platz, einen turm, eine brücke und wer mal in B war, weiß, daß man sofort lust bekommt, einen reiseführer zu schreiben schlecht essen in B, nicht umsonst gibt es hier orte, die Kotzen heißen oder Wassersuppe. Aber zum glück gibt es andere dinge über die man erzählen könnte.

Sonntag, 11. April 2021

Foto am sonntag

Des nachmittags uffm Wedding:
»Milliarden für die Reichen und Lockdown für den Rest«

Klingt, als ob ausschließlich reiche was vom lockdown hätten. Für was lockdowns nütze sind hatte ich ohnehin ein paar gedanken, die werde ich vorraussichtich am dienstag kundtun.

Samstag, 12. Dezember 2020

Impfmückenalarm!

An sich eine geniale idee: impfmücken. Man geht irgendwo am see spazieren und anstatt sich über die lästigen plagegeister zu ärgern, kann man sich freuen, von den possierlichen tierchen gestochen zu werden, weil man hinterher gegen covid-19 immun ist. Angeblich sollen die viehcher aus Skandinavien kommen. Das glaube ich allerdings nicht, weil nämlich fast alle mücken auf dem Skandinavischen markt in Brandenburg hergestellt werden.

Samstag, 31. Oktober 2020

BER

Heute wird in Berlin heimlich ein flughafen eröffnet. Corona wurde nur erfunden, damit diese peinlichkeit nicht so sehr auffällt. Während es anderswo so etwas wie architektur gibt, sieht das ding so sch.... ich meine natürlich schön aus wie die bahnhöfe Gesundbrunnen, Südkreuz und Ostkreuz. Innovation war halt schon immer eine Berliner erfindung.

Samstag, 15. August 2020

Was man im geschichtsunterricht (nicht) lernt

In einem artikel in der Zeit schreibt die choreographin und tänzerin Nikeata Thompson über aufwachsen als schwarzes kind in einer Westdeutschen kleinstadt und wie sie mal mit ihrer familie in Köln grundlos von der polizei festgenommen wurde. Zum schluß schreibt sie:
Zitat Nikeata Thompson: »Heute träume ich von der ungeschminkten Wahrheit. Ich träume davon, dass unsere Geschichte vernünftig geschrieben wird – was wir in der Schule lernen, ist aus einer weißen Perspektive geschrieben. Warum lernen wir nicht, dass bereits im 18. Jahrhundert Schwarze nach Deutschland gebracht wurden, weil sie vor dem Kaiser tanzen sollten? Warum wissen die meisten Deutschen nicht, dass schwarze Menschen hierzulande in Unterhaltungsparks in Käfigen zur Schau gestellt wurden? Ich träume davon, dass uns bewusst wird, wie sehr Rassismus in unserem System verankert ist – und dass wir offen darüber sprechen können.«
Die frage, warum wir in der schule nicht lernen, daß im 18. jahrundert schwarze nach Deutschland gebracht wurden, weil sie vor dem kaiser tanzen sollten, ist relativ einfach zu beantworten: das geht nicht, weil es zu jener zeit in Deutschland noch überhaupt keinen kaiser gab. Da frage ich mich, weshalb das dem lektorat der »Zeit« nicht auffällt. Das ist schade, denn im grunde hat frau Thompson die gute idee, die geschichte vernünftig zu schreiben - und ausgerechnet da passiert so ein peinlicher fehler.

Das, worauf frau Thompson vermutlich anspielt, geschah auch nicht im 18. jahrhundert, sondern bereits im 17., ich nehme an, daß sie den »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm, kurfürst von Brandenburg und herzog von Preußen meint, der in den frühen 1680er jahren etliche junge männer und knaben aus Afrika verschleppen ließ, die bei hofe dienst leisten mußten und der sich fleißig am sklavenhandel beteiligte, um später die mittel zu haben, eigene kolonien zu erwerben.

Frau Thompsons these, daß die geschichte aus weißer sicht geschrieben würde, widerspreche ich weitgehend. Die geschichte wird aus herrschaftssicht geschrieben. Man sollte bedenken, daß es für den adel in Deutschland seiner zeit völlig normal war, menschen zu besitzen und über deren leben bestimmen zu dürfen. Ein großer teil der eingeborenen Deutschen war leibeigen - leibeigenschaft wurde in den unterschiedlichen fürstentümern ab beginn des 19. jahrhunderts abgeschafft und in den letzen erst 1918, also noch gar nicht so lange her - und hatte seinen herren zu gehorchen. Durch die politik des »Großen Kurfürsten« wurde deren existenz keineswegs verbessert, im gegenteil, sie wurden noch mehr ausgeplündert. In der geschichte Deutschlands verhält es sich nicht unbedingt so wie in der geschichte der USA, wo man es an der farbe sehen konnte, ob ein mensch frei ist oder nicht.

Das alles weiß ich nicht, weil ich im geschichtsunterricht aufgepaßt hätte. Dort wurde die Deutsche kolonialgeschichte wie folgt zusammengefaßt: »Deutschland hatte im grunde kaum und nur kurz kolonien, denn nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie ›uns‹ alle weggenommen.« Das sollte dann so irgendwie vermitteln, daß das ein verbrechen gewesen ist, an dem Deutschland ausnahmsweise mal nicht beteiligt gewesen sei oder wenn, dann nur ein ganz bißchen. Stimmt nur leider nicht.

Das thema hat mich auch nicht so wahnsinnig interessiert, ich kam wesentlich später eher zufällig drauf, mir wenigstens ein paar rudimentäre kenntnisse darüber anzulesen. Aber Nikeata Thompson hat völlig recht: jeder sollte das wissen.

Freitag, 10. Juli 2020

Aufträge für Denunzianten - oder kurz AfD

Wie die junge welt von morgen meldet, will die AfD sich nun offenbar selbst überwachen, denn der verfassungsschutz hat seit einiger zeit zulauf aus der AfD. Hat ja bei anderen rechtsradikalen gruppen und der NPD bereits bestens funktioniert. Gestern wurde der verfassungsschutzbericht für das vergangene jahr vorgestellt. Wie immer wurde vor gefahr durch linksextremisten gewarnt. Daß rechtsextreme in ihrem wahn gelegentlich mal ganz gezielt ein paar leute ermorden, scheint hingegen nahezu »normal« zu sein.

Samstag, 16. Mai 2020

Eichhörnchenforschung

Eichhörnchen Archivbild
Heute nachmittag hat »mein« eichhörnchen mich besucht, um mich daran zu erinnern, daß ich noch etwas wichtiges schreiben wollte: das Leibnitz-Institut sucht freiwillige »eichhörnchenforscher« aus Berlin und umgebung, die vom 18. mai bis zum 25. oktober ihre eichhörnchenbeobachtungen melden. Die forscher möchten wissen
  • Wo werden vermehrt Eichhörnchen gesichtet? Gibt es Eichhörnchen-Hotspots? Wie oft werden Eichhörnchen am selben Ort gesichtet?
  • Werden sie eher auf Bäumen oder auf dem Boden gesichtet? Werden sie oft beim Überqueren von Straßen beobachtet? In welcher Umgebung werden sie gesichtet: in Wohnanlagen, in Grünanlagen oder auf öffentlichem Gelände?
  • Welche Farbe hat das Fell? Das Eurasische Eichhörnchen kann verschiedene Fellvarianten haben. Das ist spannend für die Wildtierforschung, weil diese Fellvarianten vielleicht Anpassungen an die jeweilige Umgebung sind.
  • Sind äußerliche Auffälligkeiten erkennbar wie z.B. ein struppiges Fell oder Verletzungen (z.B. Risse im Ohr)? Ist ein Eichhörnchen auffällig mager?
Der anlaß für dies bürgerforschungsprojekt ist, herauszufinden, wie sich die population unter dem einfluß des klimawandels entwickelt und wie der gesundheitszustand der tiere ist, weil vor einigen jahren ein neuartiges pockenvirus bei eichhörnchen entdeckt wurde (keine sorge, es besteht keine gefahr für menschen!) und die heutige populationsgröße abgeschätzt werden soll.

Wenn Ihr also in oder um Berlin unterwegs seid und ein eichhörnchen seht, macht, wenn es geht, ein foto und meldet es dem IZW.

Samstag, 29. Februar 2020

Aktion eichhörnchen

Heute mittag im supermarkt hatte ich irgendwie das gefühl, im falschen film zu sein. Für einen sonnigen tag war es um diese zeit auffallend voll, kartoffeln und zwiebeln bereits ausverkauft. Menschen, die palettenweise konservendosen in ihre einkaufswägen packen als stünde bereits morgen der weltuntergang an. Sogar die bockwürste, die sonst massenhaft bleischwer im regal stehen, neigten sich bereits dem ende zu und so beschloß ich, sicherheitshalber ein glas pferdebockwurst mitzunehem, sofern auch chappi knappi werden sollte. Dafür, daß der laden voll war, ging es an der kasse heute wesentlich schneller als sonst bei gleichem betrieb.

Die empfehlungen, was man für ca. 10 tage im haus haben sollte, sofern man unter quarantäne gestellt wird, muten dann aber doch eher nach Adenauerära an:
Haltbare Lebensmittel
- Vollkornbrot: 1000 g
- Zwieback: 400 g
- Knäckebrot: 1000 g
- Nudeln, roh: 500 g
- Reis, roh: 250 g
- Hafer-/Getreideflocken: 750 g
- Kartoffeln, roh: 1000 g
- Bohnen in Dosen: 800 g
- Erbsen/Möhren in Dosen: 900 g
- Rotkohl in Dosen/Gläsern: 700 g
- Sauerkraut in Dosen: 700 g
- Spargel in Gläsern: 400 g
- Mais in Dosen: 400 g
- Pilze in Dosen: 400 g
- Saure Gurke im Glas: 400 g
- Rote Bete: 400 g
- Zwiebeln, frisch: 500 g
- Kirschen im Glas: 700 g
- Birnen in Dosen: 250 g
- Aprikosen in Dosen: 250 g
- Mandarinen in Dosen: 350 g
- Ananas in Dosen 350 g
- Rosinen: 200 g
- Haselnusskerne: 200 g
- Trockenpflaumen: 250 g
- Zitronensaft 0,2 l
- Kaffee (Pulver) / Instantkaffee 250 g
- Tee schwarz, trocken 125 g
- H-Milch 3,5%
- Streichfett 250 g (Butter, Margarine)
- Öl (z.B. Maiskeim, Sonnenblumen) 0,3 l
- Hartkäse 700 g
- Thunfisch in Dosen 150 g
- Ölsardinen in Dosen 100 g
- Heringsfilet in Soße, Konserve 100 g
- Corned Beef in Dosen 250 g
- Bockwürstchen im Glas/Dosen 300 g
- Kalbsleberwurst im Glas/Dosen 300 g
- Dauerwurst (z.B. Salami) 360 g
- 10 Eier Gewichtsklasse (à 60 g Einkaufsgewicht) 530 g
- Mineralwasser 28 l

Frischobst (1000 g)
- Apfel roh
- Birne roh
- Banane roh
- Orange roh
Das klingt, als würde sogleich die öffentliche wasserversorgung zusammenbrechen und die kühlung versagen, weil der strom ausfällt. Ist die lage dermaßen schlimm? Ich glaube, nicht. In Berlin gibt es bisher keinen einzigen fall von Covid-19 und somit wenig grund, in panik zu geraten. In dem fall kann man auch selbst was tun, indem man menschenmengen eher meidet und besser auf hygiene achtet.

Man darf die lage nicht unterschätzen - ich habe auch keine lust, krank zu werden. Wenn in ein bis zwei jahren das mindesthaltbarkeitsdatum der gehorteten lebensmittel abgelaufen ist, kommt dann das große wegschmeißen.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Unsichtbare gigafactory

Wie ich eben gelesen habe, ist der kauf des geländes für die Teslafabrik notariell beglaubigt worden. Weil ich an gescheiterte Brandenburger großprojekte wie BER (Flughafen Willy Brand) oder lastzeppeline (Cargolifter) glaube, freue ich mich sehr auf Tesla, womöglich wird das noch lustig.

Die Cargolifterhalle ist nicht unsichtbar, die ist weithin sichtbar. Da ist jetzt das Tropical Island drin. Aber was machen wir hinterher mit dem Teslagelände, wenn die auf die idee kommen, daß das eine voll saublöde idee ist, mitten im nichts eine riesige fabrik hinzustellen?

Kreative ideen sind gefragt.


Das 1-€-blog wird weiterhin berichten.

Dienstag, 28. Januar 2020

Die drohungen des käpt’n plattfuß (teil 2)

Fortsetzung

Im zweiten und letzten teil gibt es ein paar originalschnipsel aus dem interview mit Hasso Plattner, die im Digitec Podcast der FAZ nachgehört werden können.

[8:11]Hasso Plattner: »Jetzt ist es aber so, daß noch nie in der geschichte der menschheit einzelne so schnell, also kleine gruppen so schnell etwas bauen können, damit erfolgreich werden können wie in der software. Selbst in der hochphase des automobilbaus, wo es also -zig automobilfirmen gegeben hat, das war nicht so einfach ein auto zu bauen, einen betrieb aufzubauen, in die massenproduktion zu gehen. Das ist in der software unvergleichlich viel einfacher, weil die vorabinvestitionen relativ gering sind.«
Das stimmt auffallend, daß man heutzutage mit relativ geringer investition software entwickeln kann. Computer sind heute für die meisten menschen in den industriestaaten eine selbstverständlichkeit - und jeder der einen computer besitzt, hat im prinzip das produktionsmittel für softwareentwicklung in der hand. Er muß »bloß« programmieren lernen und ideen haben. Aber nicht jeder der programmieren kann, hat ideen. Und nicht jeder, der ideen hat, hat den geschäftssinn, andere abzuzocken und damit reich zu werden. Ansonsten gäbe es wohl keine open source software.

Der vergleich mit der autoindustrie ist ziemlich schräg. Regnet es manna vom himmel und materialisieren sich autos dank ausgefuchster software einfach von selbst oder müssen die im jahr 2020 noch irgendwo hergestellt werden? Ich habe den verdacht, daß letzteres zutrifft, denn ein gewisser Elon Musk hat letztens rund 41 millionen in den Brandenburger sand gesetzt, weil er dort elektroautos produzieren will. Exkurs: Das war sicherlich ein schnäppchenpreis. Allerdings ist noch lange nicht gesagt, daß da jemals irgendwas produziert wird, wasserschutzgebiet und alles. Hat herr Musk dies gelände jemals gesehen? Ich hingegen bereits vor einigen jahren schon, in der gegend steppt der bär, mein fahrrad blieb im sande stecken. In Brandenburg liebt man gescheiterte großprojekte. Nicht produzierte riesenluftschiffe (Cargolifter) und ein ganz leiser großflughafen (BER) sind nur ein paar beispiele. Eine unsichtbare giga-autofabrik paßt gut in diese sammlung.
[11:11]Hasso Plattner: »Das land ist finanziell [...] ein wie auch immer definiertes grundleben mit grundgesundheit, grundeinkommen, grund- äh,äh,äh-wohnung zur verfügung stellen...«
Das klingt erstmal nett, daß an die grundbedürfnisse aller gedacht werden soll - nur hat er ja bereits betont, daß er nicht bereit ist, dafür mehr steuern zu zahlen. Der plebs soll sich selbst finanzieren - das ist eine sehr schäbige idee: erst läßt man die menschen gegeneinander konkurrieren und am schluß nimmt man den gewinnern was weg, um es auf alle zu verteilen. Besonders gut scheint Plattner über seine mitmenschen zu denken:
Hasso Plattner: »Es wird passieren oder es ist jetzt so, daß große teile der bevölkerung, vielleicht 30%, vielleicht mehr, nicht mehr sich beteiligen können an dem wertschöpfungsprozeß...«
Warum können die sich denn nicht am wertschöpfungsprozeß beteiligen? Doch nicht, weil sie zu dumm dafür wären, sondern weil es in einem konkurrenzsystem verlierer geben muß. Man könnte ebensogut alle am wertschöpfungsprozeß beteiligen, indem man die vorhandene arbeit auf alle verteilt, das hätte den vorteil, daß alle eher feierabend machen können. Das paßt nur schlecht mit Plattners lebensunterhalt zusammen.
Hasso Plattner: »...die können sich nicht beteiligen, weil sie mit noch so viel schulung sie nicht das talent haben dazu. Man kann die fußballspieler, die in der 5. liga spielen noch so viel trainieren, daraus werden keine bundesligaspieler.«
Für einen großteil der berufe, die man ausüben kann, benötigt man nicht besonders viel talent. Glaubt herr Plattner, daß die fachverkäuferin an der wursttheke besonders talentiert sein muß, um blutmagen von kartoffelwurst unterscheiden zu können? Auch software-entwickler wird man nicht unbedingt des talents wegen. Um das zu sehen muß man sich bloß einmal mit Plattners lieblingsprogramm SAP-ERP (fachpersonal weiß, daß das die abkürzung für Schlechtes Anwender Programm - Eine Regelrechte Plage ist) befassen. Aber dafür benötigt man tatsächlich talent, denn sonst hat meine keine freude an diesen künstlerisch wertvollen eingabemasken. Sonst muß man nicht viel können, bloß lesen, schreiben, rechnen und vielleicht noch etwas von betriebswirtschaft verstehen. In der 1. Bundesliga muß man dafür nicht kicken, man muß sich nicht einmal für fußball interessieren.

Und die normalen leute, die heute für eine fachausbildung oder sogar ein studium tauglich sind, sollen dafür zukünftig einfach zu doof sein?

Aber es kommt noch besser:
[21:42]Hasso Plattner: »daß wir eine ungehemmte und unkontrollierte informationsverteilung in der welt jetzt haben, die sehr zum nachteil der kultur, der sicherheit und der politischen meinungsbildung funktioniert. Also Sie müßten hier jetzt eigentlich auftreten und sagen wie kann information in der welt verteilt werden, ohne daß die vor- und nachbearbeitung der professionellen journalisten da ist. Das ist ja fürchterlich, was jetzt über das internet verbreitet werden kann und sich durch ganz andere kanäle explosionsartig in ganz kurzer zeit verbreiten kann. Ohne jede kontrolle, ohne jedes sachliche hinterfragen.«
Herr Plattner traut auch hier seinen mitmenschen nicht übermäßig viel zu: leider sind wir alle nicht bloß zu doof, am werschöpfungsprozeß teilzunehmen. Wir sind obendrein zu blöde für’s internet, weil wir jeden mist glauben und den dann auch noch unhinterfragt weiterverbreiten.

Die unkontrollierte informationsverteilung in der welt haben wir nicht erst jetzt, sondern seit ca. mitte der 90er jahre. Und auch damals wurde bereits vom untergang der kultur geredet, weil jeder mitmachen könne, den größten blödsinn sehr schnell zu verbreiten und manch einer jede höflichkeitsform in der vermeintlichen anonymität vermissen lasse. Damals besuchte ich ein seminar, in welchem wir darüber diskutierten, wie man betrügern im internet aus dem weg geht oder auch falschmeldungen - »fakenews« gab es damals auch schon, die hießen bloß anders. Oder wie man seriöse quellen im internet erkennen kann. Das fazit war, daß insgesamt mehr für bildung getan werden muß, damit die leute das neue medium vernünftig nutzen können. Weil sich seit dem an den problemen mit der benutzung des internets nicht übermäßig viel geändert hat, ist wohl nicht genug für bildung getan worden. Bei Amerikanischen präsidenten, beispielsweise.

Herr Plattner allerdings hat offensichtlich kein besonders freundliches bild von seinen mitmenschen - im vergleich zu ihm sind wir alle konkurrenzversager, uns ist nichts besseres eingefallen als SAP. Folglich müssen wir kontrolliert werden, weil wir dumm sind.

Samstag, 11. Januar 2020

Die drohungen des käpt’n Plattfuß (Teil 1)

Kurz vor weihnachten gab SAPmitbegründer Hasso Plattner der FAS ein interview, das man leider nicht kostenlos lesen kann. Das blödeste daran ist, daß sich sehr darüber mausig gemacht wird, weil käpt’n Plattfuß zum besten gab, daß er sich sorgen mache, weil er im teletext gelesen habe, daß 72% der Deutschen eine vermögenssteuer befürworten würden. Nein, nicht über den inhalt seiner aussage, sondern über die tatsache, daß der knispel sich tatsächlich über den teletext informiert, anstatt modern mit brieftauben und telefax zu arbeiten - aber wahrscheinlich war das faxpapier gerade alle und die brieftauben bereits für das weihnachtsessen gerupft.

Von Plattner kommen die üblichen plattitüden wie »Ich habe die SPD viele Male gewählt und unterstützt, jetzt manövriert sie sich halt für mich ins Abseits.« Und droht mit wegzug, nicht nur aus Potsdam, sondern aus Deutschland.

Autsch. Ist dem mann vielleicht schon mal aufgefallen, daß die mehrheit der (ehemaligen) SPDwähler zufällig keine milliardäre sind und die SPD nicht unbedingt politik für die mehrheit ihrer wähler gemacht hat und deshalb keiner, der halbwegs bei trost ist, die SPD noch wählt? Das ist ein schönes beispiel dafür, wie die macht in der bürgerlichen demokratie verteilt ist: die stimmen der vielen sind relativ egal, während einzelne superreiche bestimmen können, wo es lang geht - gegebenenfalls mit erpressung.

Und dann wird dem Plattner auch noch zugute gehalten, daß seine stiftung den einen oder anderen euro in Potsdam investiert. Warum hat eigentlich die stadt Potsdam nicht selbst genügend geld, um in kultur zu investieren? Stattdessen bestimmen irgendwelche reichen bzw. prominenten blödmänner und -frauen, was in der stadt passiert. Beispielsweise über den wiederaufbau der Garnisionskirche - wobei ich in diesem fall fairer weise dazusagen muß, daß Hasso Plattner diesbezüglich meines wissens nicht in erscheinung getreten ist.

Im zweiten teil gibt es ein paar originalschnipsel aus dem interview, die tief blicken lassen, was käpt’n Plattfuß über seine mitmenschen denkt.

Freitag, 3. Januar 2020

Passagierrekord dank flugscham

Im jahr 2019 verzeichneten die Berliner flughäfen einen neuen passagierrekord. Mit rund 35,5 millionen fluggästen lag das passagieraufkommen fast doppelt so hoch wie im jahr 2006.

Und das obwohl das thema »flugscham«, bzw. die umweltschädlichkeit des fliegens überhaupt, öfter in den medien war als sonst. Aber wie ich es mir schon gedacht hatte, eine gepflegte flugangst ist im zweifelsfall besser umweltverträglich als eine verlogene flugscham.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Der dicke hund der woche

Das verwaltungsgericht in Moabit hat heute die klage einer 66jährigen exDDRbürgerin gegen die kirchensteuer abgewiesen, weil sie 1953 getauft worden sei und sie somit mitglied der kirche sei, obgleich sie bis zur kirchensteuernachforderung, die im jahr 2011 kam, davon nichts wußte. Ihre eltern waren mitte der fünfziger jahre aus der kirche ausgetreten, sie hatte nie etwas mit diesem glaubensverein zu tun, dachte sie zumindest.

Da haben nach der wende ziemlich viele ehemalige DDRbürger recht seltsam aus der wäsche gegückt, daß sie ohne zu kündigen plötzlich nicht mehr in der FDJ organisiert waren, der sie beigetreten waren, sondern in der kirche, die in ihrem leben keine große rolle gespielt hatte und daß sie beiträge für einen verein zahlen mußten, dem sie überhaupt nicht selbst beigetreten waren. Wer davon wußte, ist ausgetreten, wer davon nicht wußte, hatte offensichtlich ein teures problem.

Zum glück bin ich bei zeiten aus der kirche ausgetreten als es noch billig war. Ich bin mit meinem damaligen freund zum standesamt (wo man sinnvollere dinge tun kann als heiraten) gegangen, erklärte meinen austritt aus der kirche und der freundlichen beamtin war es nahezu unangenehm, daß sie mir für die beglaubigung 2 mark abknöpfen mußte. Hinterher haben wir diesen anlaß gefeiert.

Zum kirchenaustrittfeiern bleibt in den meisten bundesländern heutzutage leider nicht viel geld. In Baden-Würtemberg kostet es bis zu 60€. In den meisten anderen um die 30€. Am günstigsten ist’s im sympathischen bundesland mit dem loch in der mitte, Brandenburg. Dort ist der kirchenaustritt gebührenfrei.

So sollte es überall sein!

Sonntag, 1. Dezember 2019

Respektrente

Mal wieder ein wort des jahres. Zitat von der Gesellschaft für Deutsche Sprache: »Aus sprachlicher Sicht handelt es sich um die Neubildung eines Hochwertwortes in der politischen Debatte, die der Selbstaufwertung durch Fremdaufwertung dient. Es gehe bei dem Projekt nicht ausschließlich um einen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut, so der Bundesarbeitsminister, sondern vor allem um Respekt, die »Anerkennung der Lebensleistung«.

Und genau das ist das schäbige an diesem wort. Die altersarmut ist im grunde wumpe und die leute, die dank der niedriglohnpolitik der SPD den großteil ihres lebens zu beschissenen löhnen haben schuften müssen, bekommen symbolisch auf die schulter geklopft und ein trostpflaster. Ein anständiges leben hingegen nicht.

Laut dem Heil-Hubertus könne es ja nicht angehen, daß jemand der 35 jahre gearbeitet hat, dann das gleiche bekommt wie einer nie gearbeitet hat. Bei so viel gerechtigkeit ist es dann auch egal, wenn der »respektrentner« von den wohltaten, die ihm zugedacht werden, kaum besser leben wird als der »mindestsicherungsrentner«. Aber darum, den menschen ein vernünftiges leben zu ermöglichen ist’s der SPD seit August Bebel wohl eher nicht mehr gegangen.

Ansonsten waren die wörter des jahres so mittelmäßig und mir teilweise gar nicht geläufig. Beispielsweise platz 5: »donut-effekt« hatte ich noch nie gehört, womit entstehung von wohnraum an den stadträndern bei gleichzeitiger verödung der kernstädte gemeint ist: wie bei dem gebäckstück sei in der mitte ein loch.

Ist demnach Brandenburg, welches bekannt ist als das sympathische bundesland mit dem loch in der mitte, ein donut-bundesland? Hoffentlich schmeckt es wenigstens nicht so!

Samstag, 16. November 2019

Eier aus stahl

Die die nachkommen der täter wollen entschädigt werden. Das thema, daß die nachkommen der Hohenzollern glauben, irgendwas kriegen zu können, verfolge ich schon seit längerem. Jan Böhmermann hat sich dessen angenommen und keine sauerei weggelassen.



Weiteres kann man nachlesen unter http://hohenzollern.lol

Armer Georg Friedrich Ferdinand. Wer sich im jahr 2019 für einen Preußischen Prinzen hält, hat gehörig einen riß in der schüssel und ist ein fall für die klapse. Hier ist nichts mit prinzenpraktikanten, wir haben demokratie. Das ist schlimm genug, wenn man figuren wie den B.Scheuer-t-Andi alias Feinstaub-Andi oder Krampf-Knarrenbauer ertragen muß. Der Georg Friedrich Ferdinand soll gefälligst mal froh sein, daß er lebt, weil seine vorfahren nicht ludwigisiert wurden. Grund dazu hätte es reichlich gegeben. Aber wenn jemand ein recht auf ein kostenloses wohnen im Schloß Cecilienhof hat, bin das auf jeden fall ich. Schließlich haben meine urgroßeltern den kasten bezahlen müssen.

Für alle anderen menschen auf der welt, egal wie sie aussehen oder woher sie kommen, deren vorfahren unter der (kolonial)herrschaft des hauses Hohenzollern zu leiden hatten, gilt das gleichermaßen. Aber dieser schwachkopf glaubt immer noch, das land und das recht auf die erste nacht würden ihm gehören. Da sieht man, wo jahrhunderte langer inzest hinführt.

Wie sagte einst Horst »HoHaSchmi« Hannibal Schmidt? »Die Habsen und die Hohzen, die waren echt zum kotzen!«

Mon arsch!

Donnerstag, 3. Oktober 2019

50 jahre...

...Berliner Fernsehturm, der nicht nur der höchste turm Berlins, sondern auch das höchstes bauwerk in Deutschland ist.
Und da wird bei manchen menschen immer wieder die frage laut, wofür die DDR eigentlich einen so hohen fernsehturm benötigte, obgleich es in der DDR gar keine richtigen fernseher und auch kein privateigentum gegeben habe, ja, bei den »scheißkommunisten da drüben« habe man nicht einmal eine eigene zahnbürste haben durften.

Wofür soll so ein fersehturm schon gut sein? Natürlich zum fern sehen - und dafür ist ein hoher turm selbstredend besser geeignet als ein weniger hoher, denn von weiter oben hat man bekanntermaßen eine bessere aussicht. Somit dient der fernsehturm bis heute dem gerätefreien fernsehen für das man kein privateigentum benötigt.

Bleibt das problem mit den privaten zahnbürsten, die es in der DDR bekanntermaßen nicht gab, weil alles kollektiviert werden mußte. Damals gab es in jedem kaff die Zentrale Zwangszahnbürste (kurz ZZZ), die an einem markanten punkt, beispielsweise vor der dorfkirche oder auf dem marktplatz vor dem rathaus aufgestellt war und die ein jeder zu benutzen hatte, deshalb bildeten sich in der DDR an bestimmten orten zu jeder tageszeit lange schlangen. »So war es«, bestätigten mir diverse ossis. Berlin ist recht groß und die ZZZ mußte auch von weitem gut sichtbar sein. Damit dürfte klar sein, wofür man dies besonders hohe gebäude benötigte.

Mittwoch, 25. September 2019

Cannabis legalisieren?

Ein relativ aktuelles interview mit Andreas Müller. Er ist jugend- und strafrichter in Bernau bei Berlin. Bernau war in den 90er jahren eine der übelsten neonazihochburgen in Brandenburg. Inzwischen kann man sich dort wieder auf die straße trauen, weil dort juristisch mit harten mitteln gegen die rechte szene vorgegangen wurde. Man kann also gegen rechte gewalt vorgehen, wenn man das will.



Interessanter weise ist richter Müller trotz des harten durchgreifens gegen nazis gegen eine nulltoleranzpolitik und gegen die herabsetzung der strafmündigkeit auf 12 jahre sondern setzt sich für die legalisierung von cannabis und für die entkriminalisierung des schwarzfahrens ein. Zitat: »12 % in den Deutschen knästen sitzen wegen schwarzfahren dort.«

Viele journalisten kriegen das nicht zusammen, wie einer als härtester jugendrichter gelten kann und gleichzeitig für eine liberale drogenpolitik sein kann. Dabei ist das doch so schwer nicht zu verstehen: polizei und justiz beschäftigen sich hauptsächlich mit harmlosen menschen, die keinen oder nur geringen schaden anrichten, während für die richtig harten fälle von gewalttätern keine zeit bleibt.

Zwei verfahren mit bezug auf cannabis sollen jetzt vor das verfassungsgericht. Ob tatsächlich hoffnung besteht, daß das cannabisverbot tatsächlich gekippt wird, kann ich nicht beurteilen. Vernünftig wäre es auf jeden fall.

Sonntag, 1. September 2019

Sonntag, 18. August 2019

Peter Fonda

Mal wieder hat es einen dahingerafft. Weil ich ehrlich bleiben möchte, muß ich zugeben, daß ich beim legendären film »Easy Rider« immer eingeschlafen bin. Vermutlich bin ich die einzige, die leider gar nicht weiß, worum es da eigentlich geht.

Udo Lindenbergs version von »Born to Be Wild« war aber wahrscheinlich gar so verkehrt.