Mittwoch, 14. August 2019

Überall tretroller

Seit knapp zwei monaten sind hierzulande e-scooter erlaubt. Ich nenne die dinger trotzdem »tretroller«, auch wenn sie leider gar keine sind, weil man in der stadt ständig auf sie drauftritt oder über sie stolpert und wenn man nicht drüber stolpert, liegen die dinger im gebüsch rum oder zwischen s-bahn-gleisen, wo sie dann auch eher nicht wieder eingesammelt werden - und eingesammelt werden sie zum nächtlichen aufladen oft von lieferwagen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß der verkehr in großstädten dadurch auch nur für einen pfennig umweltfreundlicher würde.

Genutzt werden sie offensichtlich hauptsächlich von touristen, die ansonsten brav zu fuß gegangen wären und gelegentlich von teenies, die nachts kreischend zu dritt auf einem roller durch die straßen brettern. Ist ja strengstens verboten, zu zweit e-scooter zu fahren. Muß man eben zu dritt fahren. In dem alter hätte ich das problem ganz genauso gelöst.

Was mich wundert, ist, daß beispielsweise velomobile  überhaupt kein thema sind. Das wäre doch eine umweltfreundliche alternative - stattdessen wird über allerhand firlefanz und dicke elektroautos diskutiert.

Es geht halt nicht um den umweltschutz. Es geht um geschäftsmodelle. Das kotzt an.

Kommentare:

  1. Hallo Mechthild,

    hier in Frankreich heissen die Dinger "trottinette électrique"( elektrische Tretroller), auch wenn der Nutzer nicht mehr treten muss, sind seit Juni 2018 erstmals in Paris erlaubt worden.
    Das amerikanische Unternehmen "Lime" hat davon einige Hundert bereitgestellt und das zu der Zeit für eine Mietgebühr von einem Euro für 15 Minuten.
    Wie das funktioniert ist sicher bekannt, also mit so einem Smartphone.
    Die Probleme mit diesem Fortbewegungsmittel sind wohl die selben wie in Allemagne. Ein wenig Nervosität kam hier allerdings erst auf, als bedenklich viele davon in Marseille einfach ins Meer geworfen wurden, wegen der "Umweltverträglichkeit" der Batterien.

    Aber die Geschäftsidee ist doch super. Ich staune immer darüber, wieviel Ideen Menschen entwickeln, wenn damit Geld zu verdienen ist. Also Elektromobilität als Geschäftsmodell, das wird bestimmt noch voll ausgereizt werden.

    Und es soll ja sogar Investoren geben, die ihre Motive ganz offen und ohne jede Anflug von Skrupeln offenlegen.
    Sie setzen ihr Kapital für Umweltschutz und Klima deshalb ein, weil sie sich dort, zumindest temporär, überdurchschnittliche Gewinne und Subventionen vom Staat versprechen.






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    1. Hallo Troptard,

      in Frankreich sind die trottinetten (hübsches wort, finde ich) aber erheblich billiger als in Deutschland. In Berlin gibt es derzeit vier verschiedene anbieter, bei denen 30 minuten zwischen 5€50 und 7€ kosten. In Hamburg soll der »spaß« bis zu 8€50 für die halbe stunde kosten. Mal zum vergleich: in Berlin gibt es carsharing ab 3€50 die stunde oder wenn man einen VW Golf mit elektromotor fahren möchte, macht das 5€70 für 30 minuten - und man kann ganz legal zu fünft mit dem ding fahren. Und da erscheint das angebot mit den e-tretrollern noch idiotischer als es ohnehin schon ist.

      Daß roller in Marseille ins meer geworfen wurden, habe ich vor einiger zeit gelesen und gedacht, daß man nun gespannt warten kann, bis die ersten dinger in der Havel rumschwimmen. Habe ich bisher noch nicht gesehen. Aber zwischen den s-bahn-gleisen liegt seit wochen einer, an den man einfach nicht rankommt und der liegt, wenn ich da morgen wieder vorbeikomme garantiert immer noch da. Ich glaube einfach nicht, daß es umweltfreundlich ist, wenn solcher elektroschrott rumliegt. Für die anbieter scheint sich das zu rechnen, nur klimafreundlicher wird der verkehr so höchstwahrscheinlich nicht. Wenn man allein bedenkt, was für ein aufwand das ist, die teile aufzuladen. Hier fahren zumeist dieselgetriebene lieferwagen durch die stadt, die die dinger auflesen und die dürfen nicht beliebig viele aufsammeln bis das auto voll ist, sondern maximal zehn stück, die sie dann am nächsten morgen an bestimmten orten auszuliefern haben. Noch bescheuerter geht es wohl kaum.

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  2. Es gibt die Dinger auch zu kaufen. Der SXT (Carbon) kostet zwischen 1.200 und 1.600 Euro und dürfte für Hartz-4-Bezieher ein begehrtes Fortbewegungsmittel sein. Höchstgeschwindigkeit 38 km/h. Leider reicht es noch nicht für die Autobahn. Radfahrer können da kaum noch mithalten. Nur ein Spielzeug ohne Nutzen.


    Für den Gepäcktransport eignen sich diese E-Roller auch nicht (Rucksack?). Beim Einkauf müssen sie immer in den Supermarkt mitgenommen werden.

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    1. Autobahn? Ich bin dafür, daß die sonntags 14spurig für scater und radfahrer geöffnet wird, motorfrei. Und für rollkrückenfahrer. Für mich ist seit 1996 fast jeder tag »autofreier sonntag«, mir ist klar, daß das nicht jeder kann.

      Nein, man muß die trottinette nicht mit in den supermarkt nehmen. Man wirft sie davor ins gebüsch und nimmt später eine andere. Wird alltäglich vor meinen augen so praktiziert.

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