Mittwoch, 7. August 2019

Ratte analysiert wahlprogramme...

... und findet heraus, daß man ganz schön viel zeit zum lesen benötigt und die schwieriger zu lesen sind als Franz Kafka. Ratte ist natürlich keine gewöhnliche leseratte und hat mit niedlichen nagetieren wenig zu tun, sondern ist das »Regensburger Analysetool für Texte« oder kurz einfach Ratte, mit dem man den schwierigkeitsgrad von texten messen kann. Gedacht ist das für die auswahl von texten für den schulunterricht, man kann aber auch wahlprogramme, beispielsweise für die anstehende Landtagswahl in Brandenburg, damit analysieren.

Das hat der rbb kürzlich getan. Die texte werden dann nach anzahl der wörter und Fleschindex bewertet. Der Fleschindex ist nach seinem erfinder Rudolf Flesch, einem experten für die lesbarkeit von texten, benannt. Je höher der Fleschindex, desto leichter ist ein text zu lesen: unter 30 punkte - hochschulniveau, 30 bis 50 punkte - abiturniveau, 50 bis 60 punkte - MSA-niveau, über 60 punkte - einfaches Deutsch.

»Das Schloß« von Franz Kafka schnitt im vergleichstest mit 62,9 punkten ab, danach folgte »die Schachnovelle« von Stefan Zweig. Dann kommt eine weile gar nichts und als nächstes das programm der SPD mit 38,7 punkten, dicht gefolgt von der CDU. Freie Wähler, Linke, Grüne, FDP und AfD kommen alle auf einen Fleschindex von um die 30.

Auf anfrage sagten alle parteien, außer der AfD, die es nicht nötig hatte zu antworten, daß das wahlprogramm für die breite masse nicht das wichtigste im wahlkampf sei. Linke, FDP und Grüne bieten ihr wahlprogramm auch in »Leichter Sprache« an. Zwischen hochschulniveau und niveau von menschen mit lernschwierigkeiten gibt es für die nichts. Und überhaupt soll man sich offenbar mit den programmen gar nicht so genau befassen. Das läßt tief blicken.

Dieser Text hat übrigens einen Fleschindex von 63. Ich bin also ungefähr auf dem gleichen niveau wie Franz Kafka, obwohl ich noch nie vorhatte, ihm irgendwie nachzueifern.

Kommentare:

  1. Es gibt daneben schon länger dies hier:
    http://www.blablameter.de/index.php

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    1. Zitat von der blablameter-seite: »Hochwertige journalistische Texte liegen in der Regel zwischen 0.1 und 0.3.«

      Das mußte ich natürlich sofort testen. AfDprogramm:
      »Bullshit-Index :0.5
      Ihr Text signalisiert deutlich: Sie wollen etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Es wirkt unwahrscheinlich, dass damit auch eine klare Aussage verbunden ist - und wenn ja: wer soll das verstehen?«


      Obenstehender Text:
      »Bullshit-Index :0.11
      Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf 'Bullshit'-Deutsch.«

      Da hab ich ja noch mal glück gehabt! ⌃⌃

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