Sonntag, 15. Oktober 2017

Rechte auf der Buchmesse und wer macht für sie PR?

Hätte man sie einfach rechts liegen gelassen, hätte wahrscheinlich kaum jemand notiz von den rechten verlagen auf der Frankfurter Buchmesse genommen - und ich übrigens auch nicht. Erst als die ansichtsexemplare eines rechten verlages mit zahnpasta beschmiert wurden und die lage bei einer buchpräsentation zu eskalieren drohte, erfuhr ich aus dem Deutschlandfunk Kultur, daß die überhaupt teilnehmen und wunderte mich, daß denen so eine internationale messe nicht zu multikulturell ist.
Zitat Svenja Flaßpöhler: »Es kam dann tatsächlich der AfDpolitiker Björn Höcke auf die bühne und nahm das publikum noch mal sehr für sich ein [...] zentrum seiner rede war eigentlich auch eine art opfer-diskurs [...] und hat nochmal eine lanze dafür gebrochen, diese deutungshoheit der linken, also diese filterblase der linken, dieses vorrecht der linken, sich präsentieren zu dürfen - aber die rechten dürfen es eben nicht, dieses ungleichgewicht eben aufzubrechen [...] wir wollen, daß wir genau so ernst genommen werden, wie die.

[...]

Entgegen der erzählung von herrn Höcke war es so, daß die linken abgeführt wurden.«
Immer wieder sei gesagt worden »Wir wollen mit den Linken leben und auch mit ihnen reden, aber die Linken sind die Verblendeten und wir sind die, die auf dem Boden der Wahrheit stehen.«

Ist es sinnvoll, mit anderen reden zu wollen, wenn man sich von vornherein einbildet, die wahrheit gepachtet zu haben während die anderen die verblendeten sind?

Freitag, 13. Oktober 2017

Philosuffische erkenntnis

Die philosophische viellallbacke David Richard Precht hat im Deutschlandradio Kultur was gesagt.
Zitat: »Philosophie ist so wenig zielführend wie Alkohol.«
Na, wenn das so ist ...

...lieber alkohol.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wohnen im kapitalismus

Daß es für viele menschen alles andere als eine gemütliche einrichtung ist, daß mit dem bedürfnis nach wohnraum immer auch noch eine rendite erwirtschaftet werden muß, dürfte einem großteil der menschen inzwischen klar sein.

Daß inzwischen manchmal hunderte potenzielle mieter um eine verhältnismäßig günstige wohnung konkurrieren müssen, wird wahrscheinlich dann doch auf manch einen eher befremdend wirken. So aber beispielsweise letztens im Berliner stadtteil Prenzlauer Berg geschehen.

80 quadratmeter für unter tausend euro. Und unter den bewerben figuren aus Westdeutschland mit monatseinkommen von über 20.000€ netto, die gern eine zweit- oder drittwohnung hätten. Die benötigen ganz bestimmt keine billige wohnung, wo auch immer. Sind aber gewiß angenehme mieter, weil sie wegen abwesenheit kaum etwas verschleißen und auch kaum lärmen. Und für die leute, die tatsächlich in der stadt arbeiten und günstigen wohnraum bräuchten, bleibt nichts über, weshalb sie dann lange anfahrtswege zur arbeit in kauf nehmen müssen.

Hier geht es nicht um bedarf, sondern, wen sollte es wundern, um geld.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Separatismus

Klar möchte ich, daß das sympathische »bundesland mit dem loch in der mitte« oder wenigstens Nordhessen eine sozialistische republik wird und wenn die bekloppten Bayern gehen wollen, sollen sie doch. Die »Bayernpartei« warb 2002 mit »Berliner, wenn Ihr wollt, daß Stoiber in Bayern bleibt, wählt uns«. Das war überzeugend. Wer hätte den Stoiber schon in Berlin gewollt. Schland wird nicht gespalten, obgleich wir sprachlich niemals zusammengehören können.

Was wollen die Katalanen eigentlich? Wollen die sich vielleicht mal anschauen, was aus der gespaltenen Sowjetunion, dem gespaltenen Jugoslavien oder der Tschechoslovakei wurde?

Schland hat nationale teilungen immer mit vorangetrieben, um die vormachtstellung zu sichern. Abegespalten von Spanien bedeutet Katalonien in der EU nicht mehr so viel, wie es sollte.

Europäer. Haltet wenigstes gegen Schland zusammen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Wo Harald Lesch irrt

An sich schaue ich mir die sendungen mit Harald Lesch recht gern an, weil er es immer wieder schafft, auch komplizierte dinge verständlich und sogar unterhaltsam zu erklären. Auch betreibt er gemeinsam mit anderen wissenschaftlern die interessante internetseite »urkall, weltall und das leben.«

Allerdings scheint er in bezug auf das BGE einem irrtum aufzusitzen:



Den für das thema wichtigen text aus dem video habe ich mitgeschrieben.
Harald Lesch: »Wir leben in einer zeit, in der die ökonomie immer mehr und mehr unsichere arbeitsverhältnisse produziert. Diese unsicheren arbeitsverhältnisse führen zu unsicheren leben, zu unsicheren perspektiven, zu unsicheren beziehungen, zu unsicheren menschen. Es gibt nichts besseres als sicherheit für einen menschen, wenn er weiß, ich kann in die zukunft vertrauen.

Vertrauen - und da muß man die Deutsche Bank zitieren - ist der anfang von allem.
Und je mehr mißtrauen gesäht wird und je mehr mißtrauenskontrolle der fall ist, desto mißtrauischer werden die menschen, nicht nur den anderen gegenüber, sondern auch sich selber gegenüber. Das heißt, das ist eine zerstörung von selbstbewußtsein, die da stattfindet.

Und man könnte durch ein bedingungsloses grundeinkommen zunächst einmal dafür sorgen, daß ein erheblicher teil von diesem erosionsprozeß, den ich an allen ecken und enden beobachte, vor allen dingen auch in den wissenschaften beobachte, könnte man stoppen. Ob das ein soziales allheilmittel ist, das wage ich nicht zu sagen.

Ich weiß nur, daß menschen, wenn sie diesen punkt erreicht haben, daß sie wissen, okay, ich muß mich in den nächsten sechs monaten, in den nächsten drei jahren nicht um eine neue stelle kümmern, ich kann endlich mich mal entfalten.

Es gibt die eine variante, daß die leute faul werden. Ich glaube aber nicht an die. Das ist, was ich in meinem direkten, professionellen umfeld überhaupt nicht beobachte, daß diejenigen die eine dauerstelle haben sich da in die hängematte begeben. Das kann ja sein, das müssen wir dann aushalten.

Das andere aber ist, daß ein erheblicher teil namentlich der jüngeren bevölkerung mit einem ganz anderen gefühl in ihr leben starten würde, statt immer nur zu gucken, mensch, wo kriege ich die nächste mark her und immer an der kante der existenz herumkratzen zu müssen. Das halte ich, gerade, wenn es um so wissenschaftliche stellen geht, halte ich das für einen skandal. Das in einem land wie Deutschland, in den geisteswissenschaften ist es ganz besonders schlimm, unsere studentinnen und studenten von einem dreimonatsvertrag zum nächsten gehandelt werden. [...] Es kann nicht sein, es handelt sich dabei ja nicht um zwangsmaßnahmen, daß es wirklich nötig wäre, aber wir haben es uns so angewöhnt, daß alle bereiche voll durchökonomisiert werden und durch diese durchökonomisierung erzeugen wir selbst da, wo es eigenlich gar keinen wettbewerb geben dürfte, erzeugen wir wettbewerb.

Wettbewerbsdruck an universitäten ist völliger schwachsinn. Die universitäten sind per definition einrichtungen auf der suche nach wahrheit. Die suche nach wahrheit ist keine bundesligasaison. [...] Das allerletzte, das wir brauchen können ist wettbewerb. Wenn man sich das heute anschaut, mit diesen ganzen exzellenzinitiativen etc., wie die gegeneinander konkurrieren. Die kolleginnen und kollegen reden nicht einmal mehr miteinander, weil sie wissen, mensch, wenn ich dem das jetzt sage, dann schreibt der das in seinen antrag mit rein [...] was für ein schwachsinn! [...] Und ständig müssen die leute überwacht werden. Manchmal denke ich, ich bin bei der NSA [...], vertrauen ist eine wichtige sache. [...] Das ist auch eine frage der sprache, die wir benutzen. Das bedingungslose grundeinkommen könnte ein interessanter versuch werden. Warum nicht?«
Er sagt sehr viel richtiges. Allerdings zieht er den falschen schluß, daß man mit einem BGE so etwas wie sicherheit für die leute schaffen könnte. Und seine frage »warum nicht?« kann man mit »weil dieser schuß nach hinten losgehen würde« beantworten.

Es gibt noch ganz andere, die auch gern ein BGE einführen möchten, wenngleich auch aus weniger menschenfreundlichen gründen. So sagte Frauke Petry, damals noch AfD, wenige tage vor der bundestagswahl im interview mit der Leipziger Volkszeitung:
Frauke Petry: »Wir brauchen einen starken Staat, wenn es um die Sicherheit und die Bürgerrechte geht – ansonsten hat sich der Staat aus dem Leben der Menschen herauszuhalten, das betrifft insbesondere auch die Wirtschaft. Wir müssen zur freien Marktwirtschaft zurückkehren.«

LVZ: »Das bedeutet, die AfD würde nicht mehr umverteilen?«

Frauke Petry: »Wir halten zumindest die jetzt praktizierte Umverteilung schädlich für den Staat und die Bürger. An die Stelle unseres inzwischen unüberschaubaren Sozialsystems sollte eine aktivierende Grundsicherung treten, die jedem zusteht – die aber nicht auskömmlich sein darf. Jeder könnte sich dann je nach Bedarf etwas dazuverdienen. Der durch Hartz IV verloren gegangene Anreiz, selbst zu arbeiten, muss wiederhergestellt werden. Und insgesamt muss der Staat seine Ausgaben überprüfen: Beim bürokratischen Aufwand, im Steuersystem, auch bei den Familienleistungen. Außerdem sollte jedem klar sein, dass die sozialen Sicherungssysteme den Zuzug nicht verkraften werden – mit den Flüchtlingen steigt ja nicht automatisch die Zahl der Einzahler. Im Gegenteil, nur die Auszahlungen wachsen.«

LVZ: »Das klingt nach bedingungslosem Grundeinkommen.«

Frauke Petry: »Es geht in diese Richtung. Der entscheidende Unterschied ist, dass wir der Meinung sind, dass allein die staatliche Unterstützung nicht das Leben finanzieren darf. Die Allermeisten, die momentan Hartz IV erhalten, könnten arbeiten, werden aber durch die geltenden Sozialsysteme davon abgehalten. Über eine Höhe der Grundsicherung kann ich noch nichts sagen, aber es könnten geschätzt 600 bis 800 Euro pro Erwachsener sein, bei Kindern anteilig.«
Leider ist das, was Frauke Petry zum BGE sagt erheblich näher an der realität als die wohlmeinden gedanken des herrn Lesch zu dem thema.

Leider muß man tatsächlich davon ausgehen, daß ein BGE, das zum leben ausreichen würde, unserem wirtschaftssystem widerspräche. Es wäre unsinn, die menschen erst gegeneinander konkurrieren zu lassen, um am ende den konkurrenzverlieren einen auskömmlichen anteil zu schenken, also würde es so niedrig sein, daß man davon nicht leben kann. Die folge wäre, daß der beklagte konkurrenzdruck noch härter werden würde und die konkurrenzverlierer endgültig unter die räder geraten würden, es gäbe dann kein soziales netz mehr, das diese leute noch auffangen könnte.

Ein BGE zu fordern bedeutet, die entsolidarisierung der gesellschaft mit weiterer entsolidarisierung bekämpfen zu wollen.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Dienstag, 3. Oktober 2017

Herzlichen glückwunsch, BRD!

Heute vor 27 jahren übernahm die reiche Bundesrepublik den schuldenstaat DDR.

Am tag vor der feindlichen übernahme gab es in der Bonner Republik eine pro-kopf-verschuldung von 16.586 DM. Mit glockenschlag mitternacht hatten wir alle, also auch ich, nur noch 12.841 DM staatsschulden.

Was war passiert?

Unsere »brüder und schwestern« aus dem »wilden osten« erhielten ein extrabegrüßungsgeld von 7.543 DM, denn sie waren zuvor nur mit 5.298 DM pro kopf staatsverschuldet.

Bei so einem großzügigen geschenk bleibt keine Rotkäppchenflasche verschlossen!

Samstag, 30. September 2017

150 millionen für US-millitärklinik

Zwar wird schon seit jahren gefordert, die Air Base Ramstein zu schließen, weil schon lange bekannt ist, daß von dort aus der drohnenkrieg im nahen osten geführt wird.

Weit weniger bekannt dürfte sein, daß dort momentan das größte US-millitärkrankenhaus außerhalb der USA gebaut wird. Wie der Deutschlandfunk Kultur am freitag berichtete, wird dort rund eine milliarde verbaut, von denen die Bundesrepublik ca. 150 millionen an planungskosten trägt. 

Mit friedlicheren zeiten ist demzufolge wohl eher nicht zu rechnen.

Dienstag, 26. September 2017

Der vollständigkeit halber

Die rücktrittsrede nach dem scheitern nach der bundestagswahl:

Ich bereue es nicht, die einzige seriöse PARTEI in diesem wahlkampf gewählt zu haben.

Immerhin hatte die PARTEI ein wesentlich besseres wahlergebnis als bei der letzten bundestagswahl. Und sie haben angekündigt, »ab jetzt Gauland zu jagen«

Wahrscheinlich tut außerparlamentarische opposition not.

Samstag, 23. September 2017

Flugplatz »Zum abgestürtzen Luftfahrtpionier«

Am kommenden sonntag wird in Berlin über den weiterbetrieb des Flughafens Berlin-Tegel »Otto Lilienthal« abgestimmt.

Zwar kenne ich den flughafen sehr gut vom hören, gesehen hatte ich ihn bisher aber noch nie. Ich mag keine flughäfen, aber vor der abstimmung, wollte ich wenigstens einmal sehen, was ich eigentlich ablehne. Also unternahm ich einen ausflug zum flughafen.

Es geht um dies ding:
Kein ort, wo ich unbedingt hinwöllte. Fast wie ein bahnhof bloß eben noch wesentlich scheußlicher.

In der empfangshalle erinnerte ich mich sofort, warum ich einst beschloß, daß flugreisen eher nicht mein ding sind. Da wird einem schon übel, ohne mit höhenangst oder ähnlichem konfrontiert zu werden.

Auch der blick über das rollfeld bot nichts besonderes. Hatte ich auch nicht erwartet.
Tatsätsächlich interessant fand ich diese kleine figur, die leider sehr wenig beachtet auf dem pflaster vor dem gebäude liegt:

Der gestrandete Ikarus ist doch Lilienthal selbst, der nach mißlungenem flug mit gebrochenen wirbeln am boden liegt und nicht mehr aufstehen kann. Die internationalen touris stehen um ihn rum, fressen knackwürste und begreifen nicht, daß gerade neben ihnen ein frühes opfer der luftfahrt im staub liegt.

Aus gehässigkeit würde ich da fast wünschen, daß der flughafen offenbliebe. Wo wird einem an einem flughafen so offensichtlich vor augen geführt, daß die fliegerei ein irrsinn ist?

Und trotzdem stimme ich natürlich mit NEIN für Tegel.

Freitag, 22. September 2017

Ein grund zum feiern!

Wenige tage vor dem sicheren einzug in den bundestag gibt es tatsächlich was zum feiern:

Die partei Die PARTEI muß die strafzahlung von knapp 400.000 € nicht leisten. Der geldverkauf war nach damaligem gesetz legal.

Also hoch die tassen! Aber heute bitte nur mit buttermilch, Ahoi-brause oder Demeter-brottrunk. Schließlich müssen wir alle sonntag früh vor 18 uhr aufstehen und im wahllokal unsere stimme für die PARTEI abgeben!

Donnerstag, 21. September 2017

Wahlempfehlung

Weil es zeitgemäß ist, gibt auch das 1€blog eine wahlempfehlung ab. Natürlich für die partei Die PARTEI.

Darüber, daß »in den medien« darüber geschnattert wird, daß wähler von kleinparteien, in diesem fall insbesondere der partei Die PARTEI sich undemokratisch verhielten, weil sie ihre stimme wegschmeißen würden, wurde in anderern blogs schon berichtet, beispielsweise auf dem Narrenschiff - Qualitätsjournalismus: "Die Partei" und die Propaganda oder in der Schrottpresse - Presseschredder 14.9.2017 oder Nochmal zur Wahl/Update

Irgendwie erinnert das ein bißchen an die situation in den frühen 80ern. Da war die GrünPartei frisch gegründet und wollte gern auch in den bundestag. Die sympathisanten dieser partei galten den anhängern der bereits etablierten parteien als »verräter«, schließlich sollte man in dieser 5-%-hürden-demokratie seine stimme nicht an kleinstparteien vergeuden, sondern echte siegertypen wählen wie Stauß, Schmidt, Kohl oder wenigstens den mehrheitsbeschaffer Graf Lambsdorff.

Insgesamt herrscht die meinung vor, daß nicht relevante kleinparteien nur von wenigen »spinnern« gewählt würden, die ihre stimme gern wegwerfen möchten, weil sie am schluß für das wahlergebnis nicht relevant ist.

Bei der bundestagswahl 2013 haben knapp 16 % der wähler parteien gewählt, die unter 5 % blieben.

Die PARTEI wird wahrscheinlich auch in diesem jahr unter 5% bleiben. Für mich ist das kein grund, sie nicht zu wählen. Denn wenn sie reinkämen, wären sie die einzigen, die, im gegensatz zu allen anderen, mein interesse wenigstens noch ein bißchen vertreten würden.

Mittwoch, 20. September 2017

Sexy-mini-super-porno-programm-tip

Heute abend um 22 uhr 35 kommt auf Tele5 die pornewmentary der partei
die PARTEI. Aus dem ankündigungstext:
Am 1. September rief der Partei-Chef von Die PARTEI Deutschlands Sender auf, sich um die Doku „zum niveaulosesten Wahlkampf aller Zeiten“ zu bewerben. Nach zähen Verhandlungen hat TELE 5 sich nun die Ausstrahlungsrechte an der Pornewmentary gesichert. Warum? „Die verlogene Politik der Rechts- und Linkspopulisten kann am besten mit Satire behandelt werden. Ernsthafter Journalismus hat hier längst versagt.“
Nach TV-Ausstrahlung auch online. Link zur sendung.

Die rückkehr der Tempelhofretter

In Berlin ist sozusagen schon wieder »murmeltiertag«, es steht das wichtigste an, wo gibt:

Nämlich einen flughafen zu retten.
Es ist noch keine 9 jahre her, im frühjahr 2008 war es, da sah das so aus:

Einen flughafen vor dem sicheren ende zu retten, ist dem neoliberalen eine tat wie alle kleinen kinder der welt vor dem hungertod zu retten. Weshalb man es gefühlt fortwährend tun soll.

Zwei flughäfen entlasten nicht, sondern belasten. Und nicht nur mit milliardenkosten, sondern hunderttausende mit lärm und schmutziger luft.

Deshalb natürlich für die Tempelhoferisierung Tegels, also am 24. september mit NEIN stimmen.

Dienstag, 19. September 2017

Bleiben in Berlin-Mitte die wahllokale geschlossen?

Mal wieder eine original Berliner panne: weil die hausmeister an schulen in Berlin-Mitte bereits zu viele überstunden haben, hat der personalrat der mehrarbeit am sonntag nicht zugestimmt. So könnte es passieren, daß am sonntag zahlreiche wahllokale, die sich in schulen befinden, geschlossen bleiben.

Das ist mal wieder typisch. Anstatt daß man den mitarbeitern, die bereits bis zu 1.200 überstunden geleistet haben, bei zeiten freizeitausgleich gewährt oder die geleistete arbeit wenigstens ordentlich bezahlt, wird gewartet bis gar nichts mehr geht.

Mein wahllokal ist auch in einer schule. Bin mal gespannt, ob es am sonntag geöffnet sein wird. Falls nicht, wäre das schlecht für meine sympathische direktkandidatin:


Sonntag, 17. September 2017

Murx bei den nds

Bei den NachDenkSeiten wurde gestern des 150. jahrestages der veröffentlichung des ersten bandes des »Kapital« von Karl Marx gedacht, welches am 14. september 1867 zum ersten mal erschien. Dort schreibt Rudolf Hickel:
Zitat:»Vor 150 Jahren, am 14. September 1867, ist der erste Band „Das Kapital“ im Otto Meißner-Verlag in Hamburg erstmals erschienen. Heute zählt dieses Werk, dessen Band zwei und drei Friedrich Engels posthum herausgegeben hat, zum UNESCO-Kulturerbe. Es gibt keinen anderen Autor, der die Bewegungsgesetze des Kapitalismus derart zutreffend radikal, d.h. an die Wurzel gehend, dechiffriert hat. Wie die Berichte selbst in den Provinzzeitungen zu diesem Kapital-Jubiläum zeigen, das Interesse an der Frage, wie kann mit Marx heute die Klärung von Widersprüchen und Ungerechtigkeiten betrieben werden, ist riesig. Das wird auch im kommenden Jahr an seinem 200sten Todestag zu beobachten sein.«
Dieser Marx scheint ein kuriosum zu sein. Wenn 2018 sein 200. todestag ist, wurden nicht nur der 2. und der 3. band des »Kapital« posthum herausgegeben, sondern dann hat der alte mann mit dem fusselbart sein gesamtes lebenswerk posthum verfaßt.

Das muß ihm erst mal einer nachmachen.

Samstag, 16. September 2017

Gefahr im verzug!

Wie das zdf kürzlich feststellte, wissen wir überhaupt nicht, daß wir alle in gefahr schweben, denn radikalen von links sind eine unterschätzte gefahr.

Zu anfang der doku werden bilder vom G20-Gipfel in Hamburg gezeigt, um kurz darauf eine zeitreise in die 70er jahre zu machen, als es die RAF noch gab, die insgesamt 33 menschen ermordete. Prominentes opfer war damals unter anderem Hanns Martin Schleyer, der nach seiner karriere bei NSDAP und SS ziemlich problemlos in der BRD an seine erfolge anknüpfen konnte.

Zu wort kommt auch der politologe Klaus Schroeder, professor am, ach, so linken Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Aufmerksame leser erinnern sich vielleicht an diesen typ, der ungleichheit für unverzichtbar und die ausländerfeindlichkeit in der mitte der gesellschaft für belanglos und eine folge der diktatur in der DDR hält.
Zitat: sprecher zdf: »Zum schwerpunkt linksextremismus hat Karsten Dustin Hoffmann promoviert. Er war mitglied eines forscherteams, das die politischen extremismus in der publizistik analysierte.«

Zitat: Karsten Dustin Hoffmann: »Wir haben festgestellt, daß das verhältnis der literatur rechts-links ungefähr 12:1 beträgt. Also es gibt zwölfmal mehr literatur zum thema rechte szenen, rechte militanz, rechte gewalt wie zum thema linke szene, linke gewalt und so weiter.«
Nicht erforscht hat das zdf, daß dieser »linksextremismusforscher« mitbegründer des kreisverbandes der AfD Rotenburg/Wümme, deren fraktionsvorsitzender er im dortigen kreistag ist. Damit ist er kein neutraler wissenschaftler, sondern in der extremismusdebatte eindeutig partei. So schrieb über ihn die jungle.world bereits im märz 2016:
Zitat jungle.world: »Auch Hoffmann neigt gerne zur Übertreibung. Er ist Sprecher der »Forschungsgruppe Extremismus und Militanz« (FGEM), die unter anderem »linksmotivierte Militanz« dokumentiert. Hoffmann und seine FGEM nehmen auch friedliche Blockaden und Verstöße gegen das Kunsturhebergesetz in die Statistik auf. Man muss kein Experte sein, um das politische Kalkül hinter der Zählweise zu erkennen. Je höher die Zahlen sind, desto größer wird die Legitimation für das eigene Weltbild und die eigene Forschungsgruppe. Gerade die AfD als Law-and-Order-Partei, in der Hoffmann nun mitwirkt, fiel bisher fast ausschließlich mit Forderungen nach mehr Maßnahmen gegen den »Linksextremismus« auf. So verlangte sie im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf stärkere Förderung von präventiven und zivilgesellschaftlichen Maßnahmen gegen den »Linksextremismus«. Staatliche Mittel für den Kampf gegen rechts sollten »aufgrund der geänderten Bedrohungslage teilweise umgewidmet werden«. Angesichts der derzeitigen rechten Gewalt in Deutschland spricht dieser grandiose Einfall für sich selbst.«
Und so muß es einen nicht wundern, daß behauptet wird, daß linke themen von »den bürgern« akzeptiert würden. Als beispiele werden die friedensbewegung, die umweltbewegung, die anti-antombewegung oder die bürgerbewegung gegen die »startbahn west« des Frankfurter Flughafens aus den 70er jahren genannt und aus diesen bewegungen habe sich sogar mal eine partei gegründet, die auch schon in regierungsverantwortung gewesen ist. Es mag stimmen, daß viele der bürgerbewegungen aus eher linken kreisen angeschoben wurden. Die bürgerbeteiligung daran war damals hoch. Aber eben nicht aus linken, also antikapitalistischen überlegungen, sondern weil die leute weder startbahn noch atomkraftwerk vor der eigenen haustür haben wollten. Die angst vor einem krieg war groß, weil viele sich noch an die bombennächte im Zweiten Weltkrieg erinnern konnten und so etwas sollte auf keinen fall wieder geschehen. Damals gab es sogar außerhalb der umweltbewegung die einsicht, daß auto fahren schlecht für die umwelt ist. Erreicht hat die GRÜNpartei, daß heute die GRÜNen tränen aus allen wolken fallen, wenn von der umweltschädlichkeit des autofahrens die rede ist, obwohl doch der Jockel Fischer berater eines großen automobilkonzerns ist. Das alles ist natürlich voll »links«.
Karsten Dustin Hoffmann:»Wenn ich mir anschaue, daß Deutsche popmusikgruppen, wie »Wir sind Helden«, »Fettes Brot« oder »Die Beginner«, em, in linken zenten wie der Roten Flora auftreten. Und es handelt sich dabei ja um ein zentrum, was die demokratie, so wie wir sie jetzt kennen, abschaffen will, und dafür auch bereit ist gewalt anzuwenden, und auch vor gewalt gegen menschen nicht zurückschreckt und dann frage ich mich schon, warum da kein gesellschaftlicher aufschrei kommt, wenn so ne band am abend dann in der Roten Flora auftritt und am nächsten tag in der stadthalle sonstwo. «
Über gewaltbereitschaft gegen menschen sollte man durchaus nachdenken. Da ist unser staat nicht unbedingt zimperlich und nicht nur in krisenregionen, in denen die bundeswehr ihre einsätze fährt, sondern auch hier vor ort. Für menschen, die am unteren rand der gesellschaft dahinvegitieren, ist das hier alles andere als eine gewaltfreie veranstaltung: säumige mieter, die mit polizeigewalt geräumt werden, obdachlose, die das stadtbild nicht stören sollen und gewaltmäßig von bestimmten plätzen entfernt werden oder auch arbeitslose, denen die lebensgrundlage per staatsgewalt wegsanktioniert wird. Das könnte schon zum nachdenken anregen, wie es hierzulande mit der gewalt gegen menschen aussieht.

Dann wird sich in der doku noch ein wenig über »terror-mode« aufgeregt: ein modelable aus Hamburg verkauft kleidung mit RAFsymbolen. Wer es braucht. Einst war es in ordnung, mode zu ignorieren und gebrauchtkleidung zu tragen, heute haben auch die sich brav durchkommerzialisiert.

Gegen ende stellt oben genannter politologe Schroeder fest, daß derzeit im grunde nicht wirklich die gefahr eines neuen terrors von links bestünde.

Wie gut, daß wir wenigstens den leuten mal etwas angst gemacht haben.

Donnerstag, 14. September 2017

Projekt 18 fast erreicht

Wie die Ard im DeutschlandTrend heute abend mitteilte, hat kandidat Chulz das »projekt 18« für die SPD fast erreicht.

Allerdings sei die hälfte der wähler noch unentschlossen. Damit die SPD ihr »projekt 18« tatsächlich erfüllen kann, empfiehlt das 1-€-blog allen unentschlossenen die partei DIE PARTEI. Diesmal wahlwerbung aus Kiel:

Freitag, 8. September 2017

Ab 2018 bricht wohlstand aus

Welch zufall, welch zusammenspiel! Keine drei wochen vor der bundestagswahl wurde ein anstieg der h4regelsätze verkündet. Für alleinstehende steigt der satz um 1,7 % von 409 € auf 416 €. Eine so große erhöhung bekommen natürlich nicht alle. Dafür reicht’s leider mal wieder nicht. So meldet die jw von heute:

»Im kommenden Jahr sollen die Regelsätze für Alleinstehende um sieben auf 416 Euro und für Paare pro Person um sechs auf 374 Euro angehoben werden. Für Kinder ab sechs Jahren, Behinderte und junge Menschen unter 25 gibt es fünf Euro mehr. Je nach Alter erhalten sie dann zwischen 296 und 332 Euro pro Monat. Nach einer Nullrunde hat das BMAS diesmal auch wieder die Kleinkinder bis fünf Jahre bedacht: Deren Satz soll um drei auf 240 Euro angehoben werden. Kindergeld und Unterhalt werden davon jedoch abgezogen. Insgesamt ist das ein Anstieg je nach Alter um 1,2 bis 1,7 Prozent. Die Preise in der Bundesrepublik steigen schneller. Laut Statistischem Bundesamt um jährlich 1,8 Prozent. Bei Grundbedürfnissen – und kaum mehr können sich von Hartz IV Betroffene leisten – war die Entwicklung noch rasanter. So waren Nahrungsmittel im August drei und Energie 2,3 Prozent teurer als im Vorjahresmonat.«

Damit werden vor allem familien und alleinerziehende zukünftig im geld schwimmen. Aber etwas anderes war nicht zu erwarten.

Donnerstag, 7. September 2017

Überfremdung? Weg mit den Arabischen zahlen!

Am 24. september ist nicht nur bundestagswahl. In vielen städten wird an diesem tag auch der bürgermeister gewählt. So auch in Völklingen im Saarland. Dort tritt der 60jährige handelsvertreter Otfied Best für die NPD an.


Uwe Faust:»Mein name ist Uwe Faust von der partei DIE PARTEI. Ich hätte eine frage an herrn Best.

Herr Best, laut baugesetzbuch § 126 ist jeder eigentümer verpflichtet, sein grundstück mit der durch die gemeinde vorgegebenen nummer zu kennzeichnen.

Jetzt ist mir erschreckend aufgefallen, dass in Völklingen viele hausnummern mit arabischen zahlen gekennzeichnet sind. Wie möchten Sie gegen diese schleichende überfremdung vorgehen?«


Otfried Best:»Da warten Sie ab, Herr Faust, wenn ich Oberbürgermeister bin, da werde ich das ändern und dann werden da mal normale zahlen drankommen.«

Bleibt nur die frage offen, was denn »normale zahlen« sind.

Mittwoch, 6. September 2017

Gegendarstellung

Um mir die zeit bis zur nächsten »Anstalt« etwas zu verkürzen habe ich mir am vergangenen wochenende das solo-programm von Max Uthoff angeschaut. Eine kostprobe aus dem programm:



Das video zeigt einen ausschnitt vom herbst 2015, in wirklichkeit ist es viel länger und wird auch immer aktualisiert und so. Das ist politisches kabarett wie es sein sollte: das lachen bleibt einem im halse stecken und an vielen stellen ist es alles andere als komisch. Wer die gelegenheit hat, sollte sich das nicht entgehen lassen. Kabarett macht, wenn man es live im theater erlebt, viel mehr spaß als im fernsehen.

Im video sagt er: »Alle großen überregionalen tageszeiungen befinden sich im besitz von familien mit dreistelligen millionenvermögen. Mit ausnahme der FAZ, die in einer stiftung steckt [...].« Inzwischen ist das um die »taz« ergänzt. Allerdings fehlten die »junge welt« und das »neue deutschland«, die ebenfalls nicht den großen konzernen gehören, die erscheinen immerhin täglich in einer auflage von ca. 25.000, sind aber im westen weitgehend unbekannt.

Die nächste »Anstalt« kommt am 19. september. Spannend wird sicherlich die sendung nach der bundestagswahl am 17. oktober. Da kommen nämlich Urban Priol, Frank-Markus Barwasser, Georg Schramm und Jochen Malmsheimer als gäste.

Sonntag, 3. September 2017

Machtübernahme

Wie am heutigen nachmittag bekannt wurde, hat die partei DIE PARTEI 31 AfD-facebookgruppen übernommen.
 

Shahak Shapira von der PARTEI sagte dazu im interview mit der Berliner Morgenpost, daß er mit einem fakeprofil den gruppen hinzugefügt worden und über freundschaftsandragen von mutmaßlichen bot-accounts in einen strudel von hetze und fakenews hineingezogen worden sei, und daß dort digital wahlkampf geführt werde, der die menschen manipuliere.
Zitat: »Uns ging es eigentlich um die Leute, die in diesen Gruppen sind und sich verarschen lassen. Vielleicht gelingt es uns, bei ein paar von ihnen einen Stein ins Rollen zu bringen. Meinungen und Einstellungen ändern sich nicht, aber vielleicht liefert es Anstöße bei manchen Leuten, sich Gedanken zu machen.«

Freitag, 1. September 2017

Wenn Deutsche philosophen in Basel das falsche fragen

Im politischen feuilleton des Deutschlandfunk Kultur fand Philip Kovce, Deutscher ökonom und philosoph, mitautor von Daniel Hänis »Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt« und forscher am Basler Philosophicum, daß grundeinkommen mehr gerechtigkeit und freiheit ermöglichen würde. Das stimmt vielleicht sogar, fragt sich halt nur, für wen es »gerecht« und »frei« zugeht.
Zitat Phillip Kovce: »Wer vor 100 Jahren soziale Gerechtigkeit sagte, der meinte damit zugleich: Klassenkampf. Die "soziale Frage", welche die Proletarier und die sie vertretenden Parteien umtrieb, wusste zwischen Freund und Feind eindeutig zu unterscheiden: Der Kapitalist war jenes böse, besitzende Ungeheuer, das seine Arbeiter ausbeutete und sich selbst für Arbeit zu schade war; und die Arbeiter waren jene entrechteten Individuen, die kaum mehr menschlich, sondern vielmehr wie Arbeitstiere oder gar Arbeitsmaterial behandelt wurden.«
Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und offensichtlich fällt es in bürgerlichen kreisen kaum auf, daß die lohnabhängigen sogar mit den gleichen rechten ausgestattet sind, die ihnen halt nur nicht viel nütze sind. Daß auch hierzulande ausbeutungsverhältnisse herrschen, fällt normalerweise nur dann auf, wenn es um ganz böse gemeinheiten geht: beispielsweise, wenn einer für 3€ die stunde malochen muß oder nach einem langen arbeitsleben vom »arbeitgeber« in die armut entlassen wird. Die leute sind in diesem system arbeitsmaterial. Man sollte sich nicht davon täuschen lassen, daß manche noch relativ gut behandelt werden.
Zitat Phillip Kovce: »Damit die Arbeiter nicht den Aufstand proben, heckte Reichskanzler Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts schließlich eine Revolution von oben aus, indem er seine schützende, ja, nährende Hand über die zuvor einigermaßen rechtlosen Arbeiter hielt. Sozialversicherungen und Arbeitsschutzgesetze entstammen einer Zeit, in welcher der Staat soziale Gerechtigkeit vorantrieb, indem er der asozialen Ungerechtigkeit des freien Marktes entgegentrat.«
Diese aussage ist an naivität kaum zu überbieten: das Deutsche Reich in gestalt von reichskanzler Bismarck als die nährende hand der arbeiterklasse. Es ging doch nun wirklich nicht drum, der ungerechtigkeit des freien marktes entgegenzuwirken, sondern den sozialistischen widerstand zu zerschlagen. Außerdem war es im interesse des staates die arbeiterklasse als kriegsmaterial zu erhalten.
Zitat Phillip Kovce: »All diese "Klassen" treffen sich mittlerweile an der Supermarktkasse und unterscheiden sich vorwiegend nur noch darin, was und wieviel sie einkaufen, und ob sie danach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Zweitwagen nach Hause fahren.«
Was glaubt der mann eigentlich, wie bescheuert die hörer des Deutschlandfunk sind? Oder habe ich etwas verpaßt? Kaufen wir plötzlich alle bei »HO« und »Konsum«? Und selbst in der DDR gab es für die teureren sachen dann noch den »Deli«. Glaubt der, weil heute selbst discounter ein angebot für die mittelschicht anbieten, daß niemand wüßte, daß es zumindest in größeren städten ein angebot für den »gehobenen bedarf« gibt, wo es all das zeug gibt, das sich der normalverdienende mensch nicht leisten kann?
Zitat Phillip Kovce: »Während wir also gesellschaftlich immer "gleicher" geworden sind [...]«
- ich sehe nicht, daß es hier in irgendeiner form »gesellschaftlich gleich« zuginge -
Zitat Phillip Kovce: »[...]so sind wir zugleich menschlich immer unterschiedlicher, immer individueller geworden. Anstelle klassenkämpferischer Umverteilungspolitik ist deshalb eine kleinkarierte Anerkennungspolitik getreten. Sie will es allen, die sich zu einer relevanten Minderheit zusammenfinden, irgendwie recht machen – und dadurch soziale Gerechtigkeit schaffen. Mehr schlecht als recht. Der Staat ist mit kleinkarierter Anerkennungspolitik dauerhaft ebenso überfordert wie mit großer Klassenkampffolklore.«
Daß unterschiedliche minderheiten ihre interessen anerkannt haben wollen, ist bestimmt nicht das resultat der wunderbaren gesellschaftlichen gleichheit, sondern der konkurrenz der verschiedenen interessengruppen.
Zitat Phillip Kovce: »Vielmehr geht es im Zeitalter des Individualismus um neue Ideen, welche die Gesellschaft nicht spalten, sondern vereinen, und den Einzelnen nicht vereinnahmen, sondern befreien. Ein Beispiel dafür: das bedingungslose Grundeinkommen. Es sondert weder die Reichen als Oberschicht aus, noch beschämt es die Armen mit weiteren Almosen. Es gewährt allen das Existenzminimum unbedingt – nicht als Sonderrecht, sondern als Grundrecht.«
Die reichen sind aber auch wirklich in dieser gesellschaft benachteiligt: sie werden als oberschicht, man setze sich bitte, bevor man es liest: ausgesondert.

Das zerstört mich, grundehrlich, am boden!

Und deshalb benötigen wir ein grundeinkommen, bedingungslos. Damit sie bei Butter-Lindner oder Leysieffer in der warteschlange neben den H4empfängern nicht immer so unangenehm auffallen.
Zitat Phillip Kovce: »Auf diese Weise befördert das Grundeinkommen nicht nur die Selbstbestimmung des Einzelnen, sondern es verbindet auch zwei sich widerstreitende Ideale: Gerechtigkeit und Freiheit. Deren Zwist hat das 20. Jahrhundert geprägt. Und nun ist es höchste Zeit, dass wieder Frieden zwischen ihnen einkehrt. Das Grundeinkommen ermöglicht dies, indem es beides ist: sozial und liberal. Es ist liberal, weil es bedingungslos ist, und sozial, weil es für alle ist. Es ist für alle gleich – und es ermöglicht zugleich jedem, anders zu sein. So könnte soziale Gerechtigkeit künftig gelingen: indem sie sich mit ihrer Schwester, der Freiheit, versöhnt.«
Mal etwas grundsätzliches: wer ein grundeinkommen will, fordert, daß es not allerorten geben muß, die gelindert werden soll durch ein paar kröten, die auf alle, ob sie nun hilfsbedürftig sind oder nicht, verteilt werden sollen.

Die ungleichen gleich zu behandeln stellt keine gerechtigkeit her, die bedürfnisse sind einfach unterschiedlich. Und freiheit ist ohnehin ein hirngespinnst.

Neu ist an diesen ideen gar nichts, das sind alte ideen der klassischen »neoliberalen«, die immer von der »freiheit« sprachen und damit die märkte meinten, unter deren freiheit die menschen sich dann unterwerfen sollen. Und sich darin gefälligst »frei« fühlen.

Dienstag, 29. August 2017

Zitat der woche

»In diesem Zusammenhang erinnert man sich zwangsläufig an Steve Jobs, den legendären Apple-Chef, dem noch Zeit blieb, seinen Fehler des Vertrauens auf alternativmedizinische Behandlung zu erkennen – aber nicht mehr genug Zeit, diesen zu korrigieren. Sein Biograf berichtet, wie wichtig es Jobs noch gewesen sei, dies der Allgemeinheit mitzuteilen. Seinen Fehler erklärte Jobs mit dem Satz: "Ich denke, wenn man etwas einfach nicht wahrhaben will, nicht anerkennt, dass es existiert, dann kann man in „magisches Denken“ verfallen“. Kein Fehlen von Intelligenz, sondern ein Mangel an Rationalität.«

Informationsnetzwerk Homöopathie

Samstag, 26. August 2017

Das fortschrittlichste land der welt: Bayern

Zumindest war Bayern auf den tag genau vor 210 jahren, also am 26. august 1807, das fortschrittlichste land er welt, denn an diesem tag führte Bayern als erstes land der welt die impfpflicht gegen pocken ein. Das war eine weltneuheit.

Leider starben nach dieser ersten impfpflicht noch sehr viele menschen an den pocken, denn eine weltweite impfpflicht gab es erst 160 jahre später, im jahr 1967. Diese konnte bereits neun jahre später für einige staaten gelockert werden, zehn jahre später gab es die letzten an pocken erkrankten in Somalia. 1980 war dank des konsequenten impfprogramms die welt pockenfrei.

Das gleiche hätte es für die masern geben können. Der Amerikanische kontinent ist, bis auf eingeschleppte fälle, von Alaska bis Feuerland masernfrei.

In Europa hingegen sterben leider immer noch menschen an den masern, weil ein konsequentes impfprogramm in bananenrepubliken wie Deutschland nicht durchführbar ist.

Sonntag, 20. August 2017

Statt gestalten

Über den streit, ob Brandenburgs hauptstadt Potsdam zur barocken Disneylandkulisse werden soll oder vielleicht auch etwas von moderner architektur sichtbar bleiben darf, wurde schon öfter in unterschiedlichen medien berichtet.

In der kommenden woche soll der frevel an der modernen architektur Potsdams weitergehen: der abriss der fachhochschule soll beginnen.
bildschirmfoto vom rbb
Es ist ein trauerspiel, wenn reiche geldsäcke zu bestimmen haben, was andere als »ästhetisch« zu betrachten haben. Für den ästheten Günther Jauch geht nach dem frühen 19. jahrhundert gar nichts mehr. Für ihn ist das dann »Sozialistische Notdurft-Architektur«, wovon er im Spiegel(nr. 26) dann quiemen darf. Was »normale« menschen über die sozialistische architektur denken, ist scheißegal.
Wären sie irgendwie von bedeutung, hätten sie schließlich geld und hätten damit die möglichkeit, einfluß zu nehmen.

Ein blick auf die »Sozialistische Notdurft-Architektur« in Potsdam:
Das ist einer der angenehmen ausblicke, die man in Potsdam genießen kann, so lange man architektur jenseits von Schinkel noch als solche wahrnehmen darf.

Offenbar reicht die einstige parallelwelt der Hohenzollern heute nicht mehr aus:


Revisionistische alte säcke bestimmen, wie unsere städte in zukunft ausehen sollen.

Auch in Berlin wird ein Hohenzollerschloß gebaut:
Das ist zu viel monarchie im alltag.


Mittwoch, 16. August 2017

Tote betrauern ohne mauern

Zitat Sigmar Gabriel:»Wir gedenken der Mauertoten und sind froh, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskommen.«
Auch ohne mauer gab es allein in diesem jahr bereits mehr als 2000 grenztote (stand 6. juli 2017). Das ist fortschritt: ohne mauer, minenfeld und selbstschußanlagen monatlich mehr als doppelt so viele grenztote wie in 40 jahren Kaltem Krieg.

Freitag, 11. August 2017

Geldfrei mitten im kapitalismus?

Im blog »keimform« gab es ende juli einige artikel zum thema geldfreie produktion von Christian Siefkes. Das thema interessiert mich. Leider gehen die texte ziemlich am thema vorbei, hauptsächlich gießt es gedankenbrei. Als beispiel wird u.a. die Kommune Niederkaufungen genannt, über diese art zu wirtschaften heißt es dann:
Zitat Siefkes: »Kleinere Gruppen können gerade deshalb auf feste Preise und andere Mechanismen zur Kopplung von individuellen Beiträgen (Kosten) und Nutzungen verzichten, weil sie überschaubar genug sind, um alle notwendigen Entscheidungen in direkter Kommunikation zu vereinbaren.«

Preise, kosten, nutzen? Woher kommt eigentlich der gedanke, daß beim geldfreien produzieren noch über preise nachgedacht werden muß? Genau das soll doch beim wirtschaften ohne geld abgeschaft werden.

Tatsache ist, daß, um bei dem beispiel zu bleiben, die Kommune Niederkaufungen nicht irgendwo im luftleeren raum existiert, sondern in einem kaff in Nordhessen. Die siedelten sich nicht einfach so auf einer freien scholle an, sondern haben ein gehöft mit etwas land drumrum nach bürgerlichem recht für teuer geld käuflich erworben, auf dem sie im rahmen der geltenden gesetze machen können, was sie möchten. In der Süddeutschen wurde das mal als »kloster ohne gott« bezeichnet. Das ist nicht völlig von der hand zu weisen: die menschen, die dort leben möchten, bringen ihr vermögen, ihre einkünfte und eventuelle erbschaften in die gemeinschaft ein. Das kommt dann in die gemeinschaftliche kasse, aus der sich jeder kommunarde nach bedarf kleinere beträge entnehmen kann, über größere ausgaben muß in der gruppe diskutiert und entschieden werden.

Geldfrei ist daran schlechterdings gar nichts. Auch die kommunarden müssen mit ihren erzeugnissen und dienstleistungen an den kapitalistischen markt herantreten und sie in der dort üblichen konkurrenz verkaufen, weil sie für die welt außerhalb ihrer kommune genau wie alle anderen geld benötigen. Ein individueller ausstieg aus der geldbasierten wirtschaft ist unmöglich - und komme mir bitte niemand mit den paar lebenskünstlern, die mit containern und der hilfsbereitschaft gutwilliger menschen überleben.

Es ist ein irrtum, subsistenzwirtschaft für einen weg aus der geldbasierten wirtschaft zu halten. Von der art des wirtschaftens her kann man das mit dem der urgroßmütter im 19. jahrhundert auf dem lande vergleichen. Die lebten in großfamilien in der dorfgemeinschaft und brauchten im alltäglichen leben fast kein geld. Die lebensnotwendigen dinge stellten sie selbst her und in der dorfgemeinschaft halfen die menschen einander normalerweise ohne geld und warentausch. Aber trotzdem mußten sie zusehen, etwas mehr zu produzieren als sie selbst brauchten und zu verkaufen, denn schließlich brauchten sie auch dinge, die sie im dorf nicht selbst herstellen konnten.

Viele menschen können sich eine wirtschaft ohne geld schlecht oder gar nicht vorstellen. Eben auch, weil sie als erstes an derartige kommunen oder die kibbuzim in Israel denken und ihr leben nicht in einer solchen gemeinschaft mit hoher sozialer kontrolle verbringen möchten. Ein »ausstieg« aus der industriegesellschaft mag für einige menschen attraktiv erscheinen für die mehrheit trifft das eher nicht zu. Und selbst wenn sie das wollten, würde es daran scheitern, daß ihnen das geld fehlt, sich ein stück land unter den nagel zu reißen. Und überhaupt macht es erst technischer fortschritt und industrielle produktion möglich, daß einstige luxusartikel für viele leute hergestellt werden können.

Das darf natürlich nicht damit verwechselt werden, daß in der kapitalistischen wirtschaft keineswegs die versorgung der menschen mit nützlichen gütern, sondern ausschließlich der gewinn im mittelpunkt steht und die versorgung eigentlich nur das abfallprodukt der gewinnrechnung ist und somit auch nur für die stattfindet, die geld haben und kaufen können.

Um eine tatsächlich geldfreie wirtschaft aufzubauen, müßte man die produktionsmittel vergesellschaften, damit alle daran teilhaben können und die produktion von der ausrichtung auf gewinne für wenige auf die versorgung aller umgestellt werden kann. Damit diese elende warentauscherei, durch die die armen immer von den annehmlichkeiten des lebens ausgeschlossen sind, aufhört.

Das wäre aber etwas völlig anderes als mitten im kapitalismus ohne geld sein dasein fristen zu wollen.

Dienstag, 8. August 2017

Dann gibt es nur eins!

Du. Berliner, wenn Dir im september der Clement befiehlt, Du sollst weiterhin flugreisen von Tegel unternehmen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Wahlberechtigter in Berlin. Wenn Dir die FDPisten einreden wollen, der weiterbetrieb von Tegel wäre für peanuts zu haben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Lärmgeplagter Nordberliner hättest gern auch mal etwas mehr ruhe? Dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Fahrer des TXL, wenn sie Dir nach der eröffung des BER erzählen wollen, Du müßtest fluggäste nach Tegel fahren. Dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Sagt NEIN! Berliner sagt NEIN! Wenn IHR nicht NEIN sagt, Berliner, dann:

Dann:
Wird der innerstädtische flughafen Tegel Euch weiterhin nachts und tags das gehör zerfetzen und milliarden verschlingen, wenn Ihr nicht nein sagt zum weiterbetrieb des Flughafen Tegel, dessen schließung im grunde längst beschlossene sache ist.


Für Nichtberliner: Am tag der Bundestagswahl gibt es auf betreiben der FDP (inzwischen mit unterstützung von Wolfgang Clement) in Berlin einen volksentscheid über die längst gesetzlich festgeschriebene schließung des innerstädtischen flughafens, wenn der BER im jahr 2037 (oder so) eröffnet ist. Der weiterbetrieb würde die stadt mindestens eine milliarde euro für die sanierung kosten. An laufenden kosten würden jährlich 200 millionen euro anfallen. Bekanntermaßen schwimmt die stadt in geld, weshalb es auf die paar zusatzausgaben nicht ankommt.

Samstag, 5. August 2017

Schafft die schule ab. Die kostet nur geld!

Die woche lief auf Deutschlandfunk Kultur ein beitrag, in welchem gefordert wurde, die schulpflicht abzuschaffen.

Im grunde eine gute idee. Dieses gleichgeschaltete lernen in konkurrenz um noten ist mit sicherheit eine qual. Ich habe die schule nicht sehr gemocht, weil ich es gehaßt habe, nicht dafür zu lernen hinterher etwas zu wissen, wofür ich mich interessiere, sondern allein dafür, nach einer gewissen zeit kontrolliert zu werden, ob denn irgendwas hängengeblieben ist.

Leider ist unsere gesellschaft nicht so hoch entwickelt, daß man auf schule verzichten könnte. Reiche können sich hauslehrer kaufen, während die kinder armer leute noch mehr auf der strecke bleiben würden als sie es heute schon tun. Ganz zu schweigen davon, daß dann kinder religiöser fanatiker dem wahn ihrer eltern dann noch bedingungsloser ausgesetzt wären, als sie es ohnehin schon sind.

Schulpflicht ist übel. Aber wahrscheinlich das kleinere.

Mittwoch, 2. August 2017

Norman Borlaug

Einer der träger des Friedensnobelpreises, die ihn auch wirklich verdient hatten, ist mit sicherheit Norman Borlaug. Leider ist sein name inzwischen in vergessenheit geraten, sein lebenswerk zu unrecht sogar in miskredit.

Norman Borlaug wurde 1914 in Iowa, also dem Corn Belt der USA als bauernsohn geboren, durch ein stipendium konnte er agrarwissenschaft studieren und ging nach abschluß seines studiums in den 1940er nach Mexiko, um dort an der steigerung der erträge von feldfrüchten mitzuarbeiten. Ab 1964 leitete er die weizenabteilung des veredelungszentrums in Mexiko. Für seine arbeit bekam er 1970 den friedensnobelpreis. Seine wissenschaftliche arbeit setzte er bis ins hohe alter fort. Er verstarb im september 2009 an einem krebsleiden.

Sein lebenswerk hat millionen menschen vor dem hungertod bewahrt. Wenn sein name noch bekannt wäre, würde er als mitinitiator der »grünen revolution« von »kritischen« menschen gehaßt werden, weil hochleistungsgetreide mit der ökoideologie schlecht zusammenpaßt.

Ein interview aus dem jahr 2007: Grüne gentechnik ist keine hexerei

Samstag, 29. Juli 2017

Kurioses obst

Einfach mal ein paar zeilen über eine meiner lieblinsapfelsorten.

Es ist eine wunderbare sorte, an sich könnte man diese sorte als die »eierlegende wollmilchsau unter den äpfeln« bezeichnen: im gegensatz zu den meisten anderen Renetten resistent gegen krankheiten, ein apfel, der sehr gut lagerfähig ist, brauchbar als tafelapfel, für most und wein, für pie und als bratapfel immer wohlschmeckend.

So etwas brauchbares kann man kaum züchten. Der wurde auch nicht gezüchtet. Der ist vor ca. 150 jahren rein zufällig entstanden: der Boskopapfel.

Wahrscheinlich hat hierzulande jeder schon mal einen gegessen und nicht einmal bemerkt, daß der seltsam ist. Wenn man in diesen leckeren apfel beißt, schmeckt man nichts von der abartigkeit dieser frucht.

Der hat drei komplette chromosomensätze. Das bedeutet, daß diese hervorragende sorte für die evolution der äpfel absolut unbrauchbar ist: leider steril.

Bis heute ist diese sorte beliebt. Das defizit in puncto fruchtbarkeit hat offensichtlich kaum jemanden interessiert.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Sozialismus ist schuld an fremdenfeindlichkeit

Siebenundzwanzig jahre nach dem ende des realsozialismus in Osteuropa ist für die schriftstellerin Herta Müller fremdenfeindlichkeit ein erbe des sozialismus. In diesen ländern gebe es aggressive politische agitation gegen flüchtlinge, weil die fremdenfeindlichkeit aus dem sozialismus mitgeschleppt sei.

Deshalb hat man im mutterland des sozialismus, Großbritanien, sogar für den austritt aus der EU gestimmt, damit sie keine innerhalb der EU verteilten flüchtlinge aufnehmen müssen.

Für diesen klaren blick auf die welt hätte frau Müller aber wirklich endlich einen Nobelpreis verdient!

Dienstag, 18. Juli 2017

»Gewalt ist kein Argument!«

An sich habe ich keine lust, etwas zu den »ereignissen« in Hamburg zu schreiben. Das will ich auch weiterhin nicht tun. Allerdings möchte ich auf einen lesenswerten artikel aus dem blog Herrschaftszeiten. Geschichten von Herrn Keiner hinweisen. Unter dem titel »G20-Gipfel in Hamburg: „Gewalt ist kein Argument!“ Das sagen diejenigen, die das Monopol auf Gewalt besitzen. Die also wissen, wovon sie reden« findet man dort ein paar überlegungen zu den herrschenden gewaltverhältnissen. Er kommt zu dem schluß:
Zitat: »...ein „militantes Zeichen“ zu setzen, also mehr oder weniger eine wüste Randale zu machen. Motto: Das können wir denen nicht durchgehen lassen, wenn sich die mächtigsten Führer dieser Staatenwelt hier bei uns in Hamburg treffen!

Das kann man wohl, wenn man sich als Linker mal nüchtern seines Daseins als gesellschaftliche „Randgruppe“ bewusst ist und deshalb ganz andere „Aktionen“ nötig hat als die Scharmützel am Rande eines solchen Gipfels: nämlich dem großen Rest der brav arbeitenden Bevölkerung überzeugende Argumente dafür zu liefern, ihre Dienstbarkeit in diesen Verhältnissen mal gründlich zu hinterfragen und diese möglicherweise aufzukündigen. Da geht es um einen Angriff – jedenfalls perspektivisch –, auf die Grundlagen der Macht der Staaten-Lenker, und nicht um ein idiotisches Kräftemessen mit dem abkommandierten Polizei-Personal dieser Herrschaften. Ein „Zeichen“ dafür, dass „Widerstand möglich“ ist? Unsinn. Das ist nur ein hausgemachtes Problem dieser Linken selbst, der Rest der Welt lernt nichts aus verletzten Menschen und abgefackelten Kraftfahrzeugen. Außer eben das, was man ihnen in der Schule oder in den hetzerischen Artikeln der „Bild-Zeitung“ beigebracht hat: Der Gewaltapparat des Staates muss für solche Fälle noch viel, viel besser gerüstet sein. Mehr „Zeichen“ war da nicht.«
Dem kann ich mich weitgehend anschließen. Ich empfehle sehr, den ganzen artikel zu lesen. Ist auch nicht übermäßig lang, sondern relativ kurz und präzise auf den punkt gebracht.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Frag selbst

»Frag selbst« ist ein relativ neues format in der ard, an dem ich vorhin hängenblieb, weil Sahra Wagenknecht befragt wurde.




Was mich ein bißchen erstaunt hat, war die frage, ob frau Wagenknecht schon einmal mit flaschen auf polizisten geworfen habe. Welchen grund sollte sie dafür denn gehabt haben? Aber klar, sowas liegt uns linksextremisten halt im blute, da benötigen wir keinen grund.

Schaut selbst, was gefragt und gesagt wurde.

Samstag, 1. Juli 2017

Zeychen und wunder


Es ist tatsächlich ein wunder geschehen.

Das Berlin-Ticket-S, das arbeitslosen und schlecht verdienenden Berlinern mobilität ermöglichen soll, ist seit heute billiger als bisher. Anstatt 36€ kostet es jetzt 27€50. Achtfuffzig sind schon geld. Das ist ein sehr nettes geschenk vor der bundestagswahl.

Unvergessen bleibt, daß der rot-rote senat die vergünstigte fahrkarte für sozialhilfeempfänger und arbeitslose, die 20€40 kostete, 2004 ersatzlos strich, um sie im jahr 2005 nach protesten für 33€50 wieder einzuführen.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Das große wort vom außerordentlichen SPD-parteitag

Der kanzlerkandidat der SPD, ein herr Chulz, hielt am vergangenen sonntag in Dortmund eine rede.
Er sagte: »Wer Merkel wählt, bekommt Seehofer.«
Dazu sage ich: »wer Chulz wählt, bekommt Seeheimer.« Das ist sozusagen eine krankheit, von der sich viele menschen seit dem letzten SPD-kanzler nicht erholt haben.

Samstag, 24. Juni 2017

Pilotprojekt: 0€job

Ab 2018 soll es in Bremerhaven eine neue form der zwangsbeglückung für langzeitarbeitslose geben:  sie sollen für zwei, drei jahre wie normale arbeitskräfte für kommunen oder firmen arbeiten, allerdings ohne lohn.

Das ist natürlich eine brandneue erfindung, arbeitslose auf staatskosten in firmen zu schicken: in Berlin beispielsweise gab es mal sogenannte »vergabe ABM«: das land Berlin verteilte an firmen öffentliche aufträge, die dann im gegenzug 100% staatlich finanzierte langzeitarbeitslose arbeitstiere einstellten. Gesellschaftlich integriert wurde dadurch niemand, weil die löhne zu niedrig waren, um am kulturellen leben teilzunehmen, auch wenn die leute mit diesen mistjobs finanziell zumindest etwas besser wegkamen als 1€jobber.

In Bremen sieht das anders aus. Dank unbezahlter arbeit werden die menschen sich nicht mehr ausgegrenzt und frustriert fühlen. Sie werden stattdessen selbstverständlich glauben, daß manna für sie vom himmel fiele.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Veganes wasser

Manchmal kommt man aus dem staunen nicht mehr raus, wenn man sich anschaut, was die marketingfuzzis sich so alles ausdenken. Neulich hörte ich, daß ein mineralwasser als vegan angepriesen wurde. Klar, denkt man, was soll ein wasser denn sonst sein, wenn nicht vegan? Ist schließlich dihydrogenmonoxid, also eine chemische verbindung und wird nicht aus kleinen häschen gewonnen.

Allerdings leitete Donald Watson, der den begriff vegan prägte, denselben vom Englischen begriff vegetable, also gemüse bzw. pflanze ab. Weshalb es natürlich merkwürdig ist, weshalb ausgerechnet eines der wenigen nicht organischen lebensmittel plötzlich pflanzlich sein soll.

Wer sich vor möglichem knochenleim unter flaschenetiketten gruselt, sollte vielleicht eher zum wasserhahn als zur flasche greifen.

Sonntag, 18. Juni 2017

Nun danket alle HK

Es ist natürlich typisch, daß The Oggersheimer Previously Known As Chancellor Kohl (TOPKACK) sein löffelchen so abgegeben hat, daß er staatstragend am ehemaligen nationalfeiertag der Bonner Republik noch einmal coverboy seiner lieblingszeitung werde konnte.

Nö, großen grund zur dankbarkeit gibt es nicht, aber ausnahmsweise möchte ich etwas positives über den großen CDUmann sagen: der katholik Helmut Kohl hat persönlich beim papst gegen die ächtung der pille interveniert. Er war der auffassung, daß seine großmutter nicht freiwillig dreizehn kinder bekommen hätte und sicherlich froh gewesen wäre, wenn sie die pille gehabt hätte. Als minister Aldolf Süsterhenn mitte der 60er jahre noch zuchthäuser für ehebrecher (!) bauen lassen wollte, forderte Kohl, daß ein präservativsuchender die dinger unverfänglich am automaten bekommen sollte.

Auch an Kohl war nicht alles schlecht.


Fast schon traurig: einsamer rolli am Brandenburger Tor

Freitag, 16. Juni 2017

Auf der suche nach heilern

In der ard-mediathek habe ich einen interessanten dokumentarfilm von Rosa von Praunheim gefunden.

Der film beginnt mit dem geständnis, ein hypochonder zu sein »... und ich entschloß mich, wertfrei und hingebungsvoll allem und jedem zu glauben.« Am ende des films steht das fazit: »Was hat mir meine suche nach heilern gebracht? Wirklich geholfen hat mir niemand. Noch immer muß ich nachts siebenmal aufs klo, mein grüner star ist immer noch aktiv, und ohne schulmedizin würde ich erblinden. Noch immer habe ich polypen in der nase und muß kortison nehmen. Meine arthrose in den großen zehen ist nicht besser geworden und meine angst vor reisen hat eher zugenommen. Aber ich habe faszinierende menschen kennengelernt. Heiler, die gewillt sind, uns zuwendung und liebe zu geben und die an sich selbst glauben. Das jedenfalls können wir von ihnen lernen, vielleicht brauchen wir dann keine heiler mehr. Übrigens, durch sport und diät habe ich in sechs monaten mein körpergewicht reduziert von 105 kilo auf 90 kilo.«

Zum teil ist der quack, den die esos in diesem film erzählen, schwer zu ertragen. Eine der schönsten szenen ist ca. bei minute 23'30. Jürgen Flieges Wörishofener quackherbst. Mittendrin schnitt zu einer kuhweide. Stimmen aus dem off: »Oh, jetzt kackt sie gleich. Oh, toll - da. Und es leider keine nahaufnahme.« Schnitt zurück zu Jürgen Flieges Wörishofener Herbst. Besser kann man das wohl kaum kommentieren. Zwischendurch kommen aber auch immer wieder leute zu wort, die wissenschaftlich fundiert arbeiten. Und schlußendlich sind sie es, die helfen konnten.

Wie ich gesehen habe, gibt es den film auch bei youtobe:



Insgesamt ein sehenswerter film, der sehr unaufgeregt die arbeit von heilern und wissenschaftlichen medizinern gegenüberstellt.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Die »Eule« geht nicht mehr ins kino

Heute verstarb im alter von 82 jahren die am längsten amtierende filmkritikerin der welt, Renate Holland-Moritz. Von 1956 bis 2015 schrieb sie als »Kino-Eule« filmkritiken für das satiremagazin Eulenspiegel, die meist amüsant zu lesen waren.

In ihren gesammelten werken werde ich immer mal wieder gern schmökern.

Sonntag, 11. Juni 2017

Frankreich endlich bereit für sozialabbau

Gestern lief im Deutschlandfunk ein interview mit dem chefökonom Holger Schmiedig über die Situation in Frankreich. Und es ist durchaus interessant, was der Herr Schmieding über den herrn Macron, der in den Deutschen medien immer als der »linksliberale« kandidat angepriesen wurde zu sagen hat:

Zitat Holger Schmiedig: »Frankreich braucht reformen, so wie Deutschland vor 15 jahren reformen brauchte. Jetzt ist aber in Frankreich eine situation offenbar entstanden in der reformen gut möglich sind, wir haben bereits einen präsidenten der bereits ein klares mandat von seinen wählern hat für erhebliche wirtschaftsreformen [...] Deutschland ist heute stark, wegen der agenda 2010, ich bin recht optimistisch, daß Frankreich in fünf jahren mindestens so stark sein wird, nach den reformen von Macron, wie Deutschland es heute ist. Und daß Frankreich Deutschland sogar überholen könnte.
[...]
Die rechten und linken in Frankreich ist stark. Aber die reformorientierte mitte um Macron ist stärker. 2/3 der stimmen für ihn bei der stichwahl zum präsidenten, jetzt sieht es so aus, nach einer klaren mehrheit im parlament. Damit hätte Macron eine situation, die weit komfortabler war, als die, die Gerhard Schröder für die agenda 2010 [...] natürlich wird es zunächst proteste geben, das ist unvermeidlich bei änderungen, vor allem bei relativ einschneidenen änderungen, wie Macron sie wohl plant in einigen bereichen, aber Sie haben in Deutschland erlebt, daß einige zeit nach den reformen am arbeitsmarkt die beschäftigung zu steigen und zu steigen begann. Heute ist ein sehr hoher grad der zufriedenheit erreicht. Ich denke, daß Frankreich in einigen jahren mit mehr arbeitsplätzen, mit steigenden einkommen, bei besserer produktivität, daß Frankreich auch dann seine spaltungen wird lindern können.«

Und wenn Frankreich seine reformen zu ungunsten der arbeitenden bevölkerung durchführt, ist es für den »exportweltmeister« höchste zeit, seine »hausaufgaben« zu machen und weitere reformen durchzuführen, denn von Frankreich überholt zu werden, ginge gar nicht. Ich hoffe nur, die Franzosen sind klug genug, vorher revolution zu machen, denn im gegensatz zu uns Deutschen wissen sie, wie das geht.

Samstag, 10. Juni 2017

Schon wieder grenztote

Natürlich nicht im mittelmeer, sondern laut bericht der Welt an der sogenannten »Innerdeutschen Grenze«, was könnte es wichtigeres geben, als an der Werra jetzt nach leichen zu angeln.

Mich erstaunt es, auf welche zahlen die heute kommen. Ich habe lange jahre im zonenrandgebiet gelebt und war 1986 in einer BGSkaserne in Nordhessen zu einem vortrag über die grenze zur DDR. Damals wurde dort die frage, wie viele tote es an mauer und grenze bislang insgesamt gegeben habe, damit beantwortet, daß ca. 65 fälle sicher belegt sind. Es wurde aber darauf hingewiesen, daß es auch zwischenfälle an der grenze gegeben habe, von denen man nicht wisse, ob sie tödlich endeten, weshalb man von bis zu ca. 80 grenztoten ausgehen müsse.

Bis vor wenigen jahren war von 139 grenztoten die rede. Das erscheint plausibel: die grenze existierte schließlich noch einige jahre und vielleicht hatte der BGS mitte der 80er die dunkelziffer niedrig angesetzt. Aber wie es jetzt dazu kommt, daß es 139 tote allein an der Berliner Mauer und zusätzlich noch 237 leichen aus der Werra gefischt wurden, erscheint nicht plausibel.

Offenbar müssen mehr todesopfer her, damit der realsozialismus monströser erscheint als er war. Und dafür ist es offensichtlich recht, auch todesfälle mitzuzählen, die nichts mit der grenze zu tun hatten, man aber irgendwie einen zusammenhang konstruieren kann. Und darum werde ich neueren berechnungen dieser zahlen keinen glauben mehr schenken.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Gottschalk und das BGE

An sich sind die BGEwochen des 1-euro-blog beendet. Allerdings wird das thema momentan in den medien öfter diskutiert. Auch der showmaster Thomas Gottschalk, der hauptsächlich durch affige kleidung und schlechte interviews auffiel, hat sich inzwischen für das grundeinkommen ausgesprochen.

So richtig wundern muß einen das nicht. Es kostet nichts, dafür zu sein und immerhin kann man dann auch noch mit wenig geistiger anstrengung für einen guten menschen gehalten werden:
Zitat Thomas Gottschalk: »Ich habe mich immer vor themen gedrückt, die mich selber nicht interessiert haben. Da mußte ich mich bemühen, da mußte ich mich einarbeiten, da mußte ich eine journalistische, sagen wir mal fleißarbeit hinlegen. Wenn ich aber sage -oh, das interessiert mich, auch themen, die mir, die mir gar nicht so liegen, also auch in dieser sendung ist dieses bedingungslose grundeinkommen.«
Die hellste birne war er nie und sich mal in ein thema einzuarbeiten, das etwas anderes als promitalk und seichteste unterhaltung kommt gar nicht in frage. Ist schließlich nicht interessant. Und in all seiner mitmenschlichkeit, daß die einen ihr geld nur verfressen, während die tüchtigen was draus machen würden.
Zitat Thomas Gottschalk: »Wenn irgendeiner erzählt, daß wir so viel an förderungsgelder ausgeben, an studentenförderung, an an kindergeld, an zuschüssen und so weiter und so weiter, das es sich auch rechnen würde, wenn jeder mensch, egal wer, ein grundeinkommen bekäme und da sage ich das ist interessant, das ist in so fern interessant, daß ich behaupte, daß der eine sein grundeinkommen in drei jahren verfünffacht hat und der andere hat’s verfressen. Aber sie hatten irgendwann mal die gleiche chance. Und das interessiert mich. Und ich bin jemand der immer seine herausgehobene situation, sei es im rundfunk, sei es im fernsehen dazu zu nutzen, andere mitzunehmen.«
Da will ich mal hoffen, daß seine durchschnittszuseher nicht zu mitgenommen aussehen werden, wenn das BGE sich durchsetzt, denn die meisten werden zu denen gehören, die ihr schönes BGE gar nicht toll nutzen können und es verfressen müssen. Der erzählt noch den gleichen bockmist, den man über die währungsreform 1948 erzählt hat. Die einen, die tüchtigen hätten was aus ihren 40 mark gemacht, während die anderen das geld bloß verfressen hätten. Damit wird dann erklärt, daß die einen wegen ihrer untüchtigkeit eben selbst schuld an ihrer situation wären, während die anderen halt durch ihre persönliche leistung ganz verdient an ihren reichtum gekommen wären. Daß eben die ungleichen gleich behandelt wurden, wird dabei grundsätzlich ausgeklammert. Nach dem kriege seien schließlich alle arm gewesen. Stimmt nicht. Die einen hatten beispielsweise fabriken oder mietskasernen und die anderen keine arbeit und mußten miete zahlen.

Und das gleiche passiert mit dem grundeinkommen auch: die einen können weiter ihren geschäften nachgehen, weil sie eigentum haben. Und die besitzlosen müssen zusehen, wie sie ihr dasein fristen.

Daran ist überhaupt nichts interessant. Haben wir alles schon gehabt.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Merkels spukschloß

Letztens »Unter den Linden« an der baustelle des hohzenklotzes.
Er: »Kuck Dir dit an, da baunse nen Hohenzollernschloss auf, dit wir nich wollten.«

Sie: »Dit is halt so mitte herrschaft: Dit olle schloß, hattense ooch nich jewollt.«

Er: »Damals, da sin'se nich jefracht wordn, was se wolln, de leute.«

Sie, nahezu kreischend: »Dit is halt so mitte herrschaft. Dit olle schloß, das hattense ooch so nich jewollt. Und heute inne demokratie werdn wa ooch nicht jefracht.«

Er: »Da kannste nüscht machen...«

Sie, plötzlich sehr ruhig: »Aussa warten, dassa wiedeer uffjebaut wird, der Palast der Republik.«

Dem schließe ich mich glatt an.

Samstag, 27. Mai 2017

Ein fall für die anstalt

Insgesamt war die sendung vom 16. mai nicht schlecht. Max Uthoff, Claus von Wagner und gäste haben einmal mehr politisches kabarett über die »schönheiten«, mit denen die lohnarbeitende bevölkerung hierzulande konfrontiert wird, präsentiert.



Gewundert habe ich mich jedoch über das solo von Anny Hartmann. Im video ab ca. 20'40 zu sehen. Die stellen sich auf die bühne reden über die gemeinheiten, die auf dem kapitalistisch organisierten arbeitsmarkt den menschen zugemutet werden und mitten drin wird eine noch größere zumutung, nämlich das BGE gefordert. Weil das 1-euro-blog zufällig gerade »BGEwochen« hat, ist das natürlich ein thema.

Damit niemand die ganze sendung anschauen muß, wenn er nicht will, hat das 1-euro-blog mal wieder keinerlei kosten und mühen gescheut und den text mitstenographiert, damit mein kommentar dazu verständlich ist.
Zitat Anny Hartmann: »Gäbe es ein grundeinkommen, hätte dieses zynische system keine chance.«
Die befürwortung eines grundeinkommens ist bereits die verweigerung, auch nur im traum an ein anderes system zu denken. Das grundeinkommen wird im zweifelsfall leider keine bessere welt bringen, sondern sehr wahrscheinlich etwas noch zynischeres als das, was es jetzt gibt.
Zitat Anny Hartmann: »Grundeinkommen - schön, daß es einige schon kennen, für die, die es nicht kennen, möchte ich es ganz kurz erläutern:

Grundeinkommen hat nichts mit kommunismus zu tun. Ist eigentlich merkwürdig oder? Die leute verwechseln mittlerweile kapitalismus mit demokratie.

Aber grundeinkommen hat nichts mit kommunismus zu tun das ist eins von ein paar modellen, wie man staatsfinanzen aufbauen kann. Wenn man, wie ich volkswirtschaft studiert hat, bekommt man das ganz gleichberechtigt mit anderen modellen beigebracht.

Und funktioniert wie folgt: jeder bürger des staates bekommt ca. 1.500€ monatlich und alles, was er verdient, kommt obendrauf. Jetzt kriegen die ersten schnappatmung - so uuuuhhhhh! - wie soll man das denn finazieren? Wo soll denn das ganze schöne geld herkommen?«
Mit kommunismus hat das leider tatsächlich nichts zu tun. Denn wie man die wirtschaft so aufbauen könnte, daß sie die bedürfnisse der menschen befriedigt, regelt das grundeinkommen nicht.

Und was die höhe des grundeinkommens betrifft, gehen die vorstellungen auch ziemlich auseinander: bei den einen sind beträge von ca. 450 € im gespräch, wo anders von bis zu 2000 €. Man muß bloß überlegen, welche variante wohl wahrscheinlicher ist.
Zitat Anny Hartmann: »Das ist immer der erste gedanke. Kein mensch fragt sich: was könnte das positives bewirken?«
Doch. Das frage ich mich schon seit langem. Und meine antwort auf diese frage ist: Höchstwahrscheinlich gar nichts. Im gegeneil.
Zitat Anny Hartmann: »Ich persönlich glaube, es würde den konkurrenzdruck aus der gesellschaft nehmen.«
Das ist ein weit verbreiteter irrtum über das grundeinkommen. Weil das grundeinkommen eine idee zur rettung des kapitalismus ist, darf man getrost davon ausgehen, daß es dann auch niedrig genug ist, daß auch wirklich möglichst alle zusehen müssen, sich eine gelegenheit zum geldverdienen zu suchen. So gut, wie akute not den menschen in die übelsten arbeitsverhältnisse zwingt, kann das jobcenter das kaum leisten.
Zitat Anny Hartmann: »Dann hätten die leute auch wieder zeit, sich zu entschuldigen, wenn sie einen anrempeln. Oder danke zu sagen, wenn man die tür aufhält [...] Also alles fragen, die man mal stellen könnte oder auch warum wird welche arbeit wie bewertet? Warum verdient ein fußballer das hunderfache einer krankenschwester? Der tut nix, der will nur spielen«
Menschen, die unfreundlich oder einfach schlecht drauf sind, wird es immer geben.

Es stimmt doch gar nicht, daß fußballer gemeinhin das hundertfache einer krankenschwester verdienen würden. Die meisten, die irgendwo in ihren dorfverein kicken gehen, verdienen damit gar nichts, die zahlen mitgliedsbeiträge für ihre vereine.

Und so ein großes rätsel, weshalb spitzensportler so viel geld hinterhergeworfen kriegen, ist es nun wirklich nicht.
Zitat Anny Hartmann: »Sind ja alles fragen, die man mal stellen könnte. Aber die frage ist immer nur - uuuuhhhh! - wo soll das schöne geld herkommen, wie sollen wir das finanzieren?«
Der staat finanziert alles, wovon er sich einen vorteil verspricht. Die Hartz-Reformen sind den staat erst mal teuer gekommen. Das ziel war aber dadurch einen konkurrenzvorteil gegenüber anderen staaten zu bekommen. Dank dumping-löhnen scheißt Deutschland seit jahren den weltmarkt mit waren zu. Das wird übrigens in der sendung in der nummer mit der wippe am schluß recht anschaulich dargestellt.

Zitat Anny Hartmann: »Ich kann Sie beruhigen, das haben viele kluge leute schon durchgerechnet - unter anderem ich in meinem studium, nein, auch andere.

Kleines beispiel, kleines beispiel von vielen, wo geld herkommen könnte: alle behörden, beamten und angestellten, die sich bisher mit der prüfung von bedürftigkeit und schikane von arbeitslosen beschäftigen, die werden überflüssig. Das setzt sehr viele gelder und noch mehr humanität frei.«
Ich möcht wohl meinen, daß es auch ökonomen gibt, die rechnen können. Allerdings ist anzuzweifeln, daß der staat gelder für mehr humanität locker macht.
Zitat Anny Hartmann: »Jetzt gucken mich hier einige an nach dem motto: »okay, vielleicht ist das finanzierbar. Ich kann mir das zwar überhaupt nicht vorstellen, wie soll das gehen, aber andererseits, kleine, rothaarige frau würde Sie doch nicht kackendreist anlügen. Aber gut. Immerhin sind wir in Der Anstalt - die muß doch verrückt sein.«

Wenn doch jeder 1.500€ kriegt, dann geht doch keiner mehr arbeiten. Das ist immer der zweite gedanke: dann geht keiner mehr arbeiten. Deswegen hat man ganz, ganz viele umfragen gemacht, man hat die menschen auf der straße gefragt: wenn Sie 1.500€ im monat bekämen, würden Sie weiter arbeiten gehen? 80% der menschen haben gesagt, sie würden weiter arbeiten gehen. Dann hat man exakt die gleichen menschen gefragt, ob se glauben, daß ihr nachbar weiter arbeiten gehen würde.

Wieviel prozent haben gesagt, ihr nachbar geht nicht weiter arbeiten? 80% natürlich.

Na, klar. Von sich denkt der mensch gut. Vom anderen denkt er schlecht.

»Ich bin der held der arbeit - aber mein nachbar, das is ne faule sau!«

Dabei heißt es so schön, von sich auf andere schließen. Der mensch an sich möchte doch arbeiten.

Der mensch an sich möchte was sinnvolles aus seinem leben machen. Gut - außer bänker, lobbyisten und Heidi Klum.«
Wenn es ein grundeinkommen gäbe, das wirklich zum leben reicht, würde ich natürlich zu den 20% der etwas klügeren gehören, die etwas besseres mit ihrer lebenszeit anfangen könnten, als ausgerechnet lohnmalochen zu gehen.

Mußestunden zu genießen ist schließlich etwas völlig anderes als »nichts sinnvolles« aus seinem leben zu machen.
Zitat Anny Hartmann: »Und das beste konzept, im leben glücklich zu werden ist doch - stellen Sie sich die frage »wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, womit würde ich mich dann beschäftigen?

Also, wenn ich nicht kabarettistin wär, ich wär restaurant-testerin. Und mit dem grundeinkommen können Sie sich diese frage stellen. Sie können sich die frage stellen, wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, womit würde ich mich beschäftigen?«
Wenn ich mir um geld keine gedanken machen müßte, säße ich in einer villa mit seeblick und würde mich damit beschäftigen, ob es stilvoller ist, den swimmingpool mit Champagner oder Krimsekt zu befüllen. Außerdem würde ich mir gedanken drüber machen, wie mein personal zu höherer produktivität gezwungen werden könnte.
Zitat Anny Hartmann: »Sie könnten ganz frei überlegen, was sind Ihre stärken, wo liegen Ihre interessen, was sind Ihre talente? Sie können die frage auch umformulieren. Sie können auch fragen, wenn ich keine angst hätte, womit würde ich mich dann beschäftigen?

Und wenn Ihnen dann über pfingsten, da sollen ja auch schon ganz andere erleuchtet worden sein, etwas einfällt, dann wär am besten, auch ohne grundeinkommen, Sie machen das auch jetzt schon.

Ich weiß, es kostet mut und kraft, sein leben zu ändern. Aber wie viel mut und kraft muß es kosten, sein leben lang unglücklich zu sein?

Ich werde ja auch oft gefragt, woher ich den mut und die kraft hatte, meine stelle als diplom-volkswirtin bei der Sparkasse aufzugeben, ausgerechnet, um künstlerin zu werden. Das war ein lebenslang sicherer job und ein festes einkommen. Und ob ich denn jetzt, von meinem job als künstlerin leben könnte? Erstens, ja, das kann ich - ja Sie haben es bezahlt, vielen dank - und zweitens hat mich nie jemand gefragt, ob ich denn mit meinem job leben kann.

Man muß ja nicht nur von, man muß auch mit einem job leben können.«
Das hat mit dem grundeinkommen rein gar nichts zu tun, wenn man mit seinem leben etwas anderes anfangen möchte als bis zum bitteren ende den beruf auszuüben, den man nach der schule mal gelernt hat.

Mit dem job leben zu können würde auch mit grundeinkommen ein luxus sein, den sich die meisten eher nicht leisten können.
Zitat Anny Hartmann: »Und wenn Sie das nicht überzeugt. Ich hab ein argument, da kommen Sie nicht dran vorbei: Denn überlegen Sie mal mit so nem grundeinkommen, da wäre Adolf Hitler maler geblieben.«
Das zieht leider auch nicht. Dem anstreicher ging es nicht ums überleben, sondern um nichts geringeres als die rettung der Deutschen nation.

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Die BGEwochen des 1-euro-blog sind beendet. Demnächst wird es wieder um andere themen gehen.