Montag, 29. April 2013

Foto am montag (52)

Trauerschnäpper
Ein trauerschnäpper (ficedula hypoleuca). Der name ist bei diesem munteren vögelchen allerdings wohl eher nicht programm. »In Tegel, Tegel gibt’s lockre vögel« hieß es einst bei Claire Waldoff. Das paßt schon eher.

Arbeit, boden, kapital, anstand, sitte und moral (I)

Wenn etwas schlimmes geschehen ist, sprechen menschen, die etwas von moral halten gern davon, daß dort unrecht widerfahren sei.

Neulich ist in Berlin etwas passiert. Eine schwerbehinderte rentnerin, die nach dem eigentümerwechsel ihrer wohnung ihre miete nicht gezahlt hatte, wurde zwangsgeräumt und verstarb zwei tage später in der kältenothilfe Wedding.

Dieser bedauerliche fall löste eine welle der empörung aus. Obgleich zwangsräumungen in diesem staat nichts besonderes sind. Letztens stand in der jungen welt, daß im jahr 2010 allein in Berlin 104 zwangsräumungen stattgefunden hätten, derartiges steht hier also zwei mal pro woche auf der tagesordnung. Anderen quellen zufolge passiert das noch viel häufiger.

Auf den bildern, die mir von einer unterstützerdemo überliefert sind, sah man transparente, auf denen geschrieben stand, daß wohnen ein recht sei, wohnraum bezahlbar bleiben müsse oder daß menschenleben für profit geopfert worden sei. Mord sei es gewesen. Gleichzeitig soll es morddrohungen gegen die ehemalige vermieterin der Rosemarie F. gegeben haben. Daß es paradox ist, den tod zu beklagen und gleichzeitig den tod zu fordern, dürfte leicht erkennbar sein. Darüber zu lästern, daß so ein denken inkonsequent wäre, ginge jedoch an der angelegenheit vorbei. Denn wenn menschen gerechtigkeit fordern, folgt daraus, daß ein »tunichtgut«, oder in diesem fall eine »tunichtgütin«, im zweifelsfall für das, was er getan hat, bestraft gehört.

An diesem beispiel läßt sich schön erkennen, wie menschen mit moralischer gesinnung denken: sie halten eine menge vom recht, das sie vom bürgerlichen staat vorgesetzt bekommen. Hinzu kommt ein »gedachtes recht«, das überhaupt nicht gilt, mit dem jedoch alles besser sein könnte, wenn es das gäbe und die leute sich dran hielten. Das ist die forderung nach moralischem handeln - und die ist im grunde nichts anderes als »schöner leben mit dem konjunktiv«.

Wer fordert, daß es anders sein müßte, erkennt die gegensätze, die ihm hier kostenlos serviert werden, prangert es an, bleibt jedoch auf halber strecke stehen: gegensätze sollen nicht abgeschafft und aufgelöst werden, sondern versöhnt. Die leute sollen ihren gegensätzlichen interessen nachgehen, andere jedoch durch mäßigung nicht in dem grad schädigen, wie es ihnen der gesetzeslage entsprechend zustünde. Moral ist die forderung, daß man die eigenen interessen zu gunsten anderer zügeln soll.

Und wenn man mit einem idealen maßstab in die welt schaut, der »gut«, vielleicht sogar »vernünftig« sein könnte‚ der jedoch überhaupt nicht gilt, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als an der schlechtigkeit der menschheit und an der welt überhaupt zu verzweifeln.

Ein recht auf wohnen gibt es in diesem staat nicht. Ein gesetz, das regelt, wieviel wohnraum einem menschen mindestens zusteht und wie der mindestens beschaffen sein muß, ist nicht gesetzlich geregelt. Hingegen gibt es ein mietrecht - und da steht nicht drin, daß es bei strafe verboten ist, mieten zu erhöhen oder arme, alte menschen auf die straße zu setzen, wenn die sich nicht an die regeln halten. Vielmehr ist darin beispielsweise geregelt, wann man den mieter rauswerfen darf: wenn der mieter eine bestimmte zeit nicht gezahlt hat oder wenn er den hausfrieden stört. Und um den hausfrieden zu stören, muß man kein auf krawall gebürsteter radaubruder sein. Es reicht, wenn man ein fleißiger, kulturbeflissener mensch ist, dementsprechend in der wohnung musikunterricht erteilt und die nachbarn sich gestört fühlen.

Wer den wunsch nach bezahlbaren wohnungen äußert, hat nichts dagegen, daß arme leute, die kein wohneigentum haben, wohnungen mieten müssen von menschen, die sich wohneigentum angeeignet haben, das sie selbst gar nicht brauchen. Zum problem wird das für moralisten erst, wenn die wohnungseigentümer von ihrem staatlich verbrieften recht, im rahmen der gesetze möglichst viel geld mit den wohnungen zu verdienen, gebrauch machen. Wenn man das so auffaßt, kommt dann gern das argument, daß wohnungen gebaut und irgendwie auch bezahlt werden müssen. Das mag es im einzelfall geben, daß ein sozial gesonnener hausbesitzer für einen armen sein dachgeschoß ausbaut, damit der eine bleibe hat und mit der miete den kredit, den er dafür aufgenommen hat, abstottert. Der normalfall sieht jedoch anders aus.

Den interessenkonflikt, in den mieter und vermieter gestellt sind, kennen moralisten, jedoch wollen sie ihn nicht auflösen, sondern »miteinander vereinbar machen«. Anständig verhalten sollen sich die leute - das moralisch gute verhalten besteht darin, daß die vermieter sich mäßigen sollen und auf ihre ansprüche verzichten. Stattdessen könnte man auch drauf kommen, daß das »gute« recht, eigentum zu haben und zu mehren unter dem schutz des staates keine »feine sache« ist und abgeschafft gehört.

Die existenz eines jeden menschen darf nicht von gedachten idealen abhängig sein. Das leben und die versorgung mit allem lebensnotwendigem hat selbstverständlichkeit zu sein.

Samstag, 27. April 2013

»Wir wuppen das«

Wenn in Ihrem wörterbuch das wort »wuppen« nicht drinsteht, ist Ihr wörterbuch genau so schlecht wie mein Duden. Allerdings stand im alten Wahrig aus den 60er jahren folgendes: [wuppen = wippen] und unter wippen auf der Wippe schaukeln; auf u. nieder federn, schnellen (…) [mhd wipfen »springen«, germ. *wip »schaukeln«]

Das zeugt vom wankelmut, den man von der GRÜNpartei gewohnt ist. Ich mußte dabei an die wahlplakate von 2009 denken, auf denen das wort WUMS! manchem betrachter ein rätsel aufgab:

P1010980

Wer einmal die höhere handelschule, eine kaumännische ausbildung oder dergleichen absolviert hat, wird sich vielleicht erinnern, daß WUMS die eselsbrücke ist, mit der man sich die rechte des kunden im reklamationsfall leichter merken kann:

Wandlung
Umtausch
Minderung
Schadensersatz

Dies gilt leider nur im handel, nicht jedoch in der politik. Den schadensersatz für verfehlte grüne bundespolitik würden millionen h4empfänger und andere geschädigte gern erhalten. Den wird es allerdings nicht geben.

Donnerstag, 25. April 2013

Wir wollen unsern alten kaiser Wilhelm wieder haben!

Einer representativen umfrage zufolge ist jeder fünfte deutsche reaktionär gesonnen und wünscht sich die monarchie zurück. Bei den jungen erwachsenen ist der anteil mit 34 % noch höher.

Dafür, daß angeblich der adel 1918 abgeschafft worden sei, hat das geschmeiß hier noch eine ganze menge zu melden. Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung hatte gar in einer ausstellung die rückkehr des adels nach Brandenburg als »aufbauhilfe« verklärt.

Da werden sich die Brandenburger aber gefreut haben, daß das ehemals volkseigene land jetzt wieder einigen wenigen gehört, die »landwirtschaft aufbauen«. Etwas derartiges hat es in der DDR selbstverständlich nicht gegeben. Wie auch, so ganz ohne adel, der einem sagt, wo es langgeht?

Musik! (Popmusik wird auch weiterhin die ausnahme bleiben, also laut aufdrehen und mitsingen)

Dienstag, 23. April 2013

SuperGAU der offiziellen berichterstattung

Während gestern in der offiziellen berichterstattung über die situation in Fukushima verharmlosend berichtet wurde, sieht es im »schwerpunkt« einer unabhängigen zeitung über atomenergie und ihre folgen geht anders aus: In Fukushima ist die lage nicht im griff, weil die techniker sich mit einem schadnagerproblem befassen müssen. In den USA wird der müll in der atomanlage Hanford zum problem und auch in Europa würde ein AKWkatastrophe in den ruin führen.

Menschen, die in Berlin wahlberechtigt sind, können bis 10. Juni das volksbegehren des Berliner Energietisch für eine kommunale energieversorgung - und gegen atomkonzern Vattenfall unterschreiben.

Freitag, 19. April 2013

1-€-blog-klassiker: blühende landschaften

Vor fünf jahren:
 

Na, bitte. Hier sind die blühenden landschaften, die altkanzler Kohl in der wendezeit versprach. Das im hintergrund stehende gebäude hat in den letzten jahren zwar stark unter vandalismus gelitten, aber das versendet sich.

Nachtrag 2013: Es läßt tief blicken, daß ein land, welches sich selbst als »Bundesrepublik« bezeichnet, ein gebäude abreißen ließ, das »Palast der Republik« hieß, um ein Hohenzollernschloß wieder aufzubauen, das nicht einmal Wilhelm II gefiel.

Dienstag, 16. April 2013

Zwanzig jahre »tafel« und kein ende

Zum tafeljubiläuum und zur buchveröffentlichung von Stefan Selke war das thema »tafel« in den letzten tagen mal wieder ein bißchen in den medien vertreten.

Es ist ja schön daß es inzwischen so etwas wie das »aktionsbündnis 20« überhaupt gibt. Aber dann fordern die auch wieder bloß sozialstaat, als wäre der nicht schon allein aus seiner existenz heraus beweis genug, daß unser wirtschaftssystem vor allem dazu taugt, arme leute zu produzieren.


Video »aktionsbündnis 20«

Das thema »tafel« war von anfang an ein thema des 1€blog. Einer der ganz frühen artikel war im dezember 2007 eine anfrage an die politikerin Petra Pau von der LINKEN. Heute würde ich das etwas anders formulieren - aber auch damals schrieb ich, daß das keine menschenfreundliche veranstaltung ist:

***Ab hier originaltext von 2007 (anführungszeichen angepaßt)***

Meine frage an frau Pau im abgeordnetenwatchforum:

12.12.2007 Frage von
Mechthild Mühlstein
Sehr geehrte Frau Pau,
zumal Sie im beirat der »Berliner Tafel« sind, wende ich mich an Sie. Ich habe gehört, daß bei einem von der »Tafel« betriebenen restaurant für kinder, sogenannte MAE-kräfte als küchenhelfer eingestellt werden, die dann allerdings ihrer ausbildung entsprechend als koch dort arbeiten. Wie sehen Sie das Problem?

Es ist notwendig, daß kinder anständig ernährt werden, und weil es in Berlin leider überdurchschnittlich viele kinder gibt, die in armut aufwachsen besteht ein bedarf an preisgünstigen (oder im idealfall kostenlosen) kantinen. Aber ist es sinnvoll derartiges mit billigarbeitskräften und lebensmittlespenden zu realisieren? Die »Tafel« untergräbt mit diesen mitteln den wettbewerb: schulkantinen, die ihre mitarbeiter anständig bezahlen, können bei solchen preisen nicht mithalten und müssen schließen. Aber die entlassenen arbeitskräfte können sich freuen: sie sind keineswegs überflüssig, sie können ja gemeinützig karriere machen für 1 euro 50 die stunde. Dreht sich bloß die abwärtsspirale ein stückchen weiter nach unten.

Als stammwählerin der LINKEN sehe ich das gesamte projekt der »Tafel« äußerst kritisch, derartige hilfsmaßnahmen verbessern die lage der armen nur unerheblich und im grunde wird sie sogar zementiert. Anstatt almosen zu verteilen sollte es stehts das ziel der LINKEN sein, die wohlfahrtsindustrie überflüssig zu machen. PDSwählerin bin ich NICHT geworden, weil ich mich nach der wilhelministischen wohlfahrtspolitik zu zeiten der Kirchenjuste zurücksehnte!

Mit freundlichen grüßen
Mechthild Mühlstein
Ich erhielt auf meine frage folgende antwort:

18.12.2007 Antwort von
Petra Pau
Sehr geehrte Mechthild Mühlstein,
wenn reguläre Arbeitsstellen durch so genannte MAE-Kräfte oder auch 1-Euro-Jober verdrängt werden, dann ist das selbstverständlich nicht in Ordnung. Da haben sie völlig recht. Dadurch wird eine Spirale bedient, die für immer mehr direkt oder indirekt Betroffenen in die Armut führt.

Wobei mir beim Schreiben gerade erneut auffällt, wie unwürdig solche Begriffe wie »MAE-Kräfte« oder »1-Euro-Jober« klingen. Schließlich geht es um Menschen.

Ob diese oben beschriebene Verdrängung auch bei der »Berliner Tafel« stattfand, das weiß ich nicht. Ich vermute aber, eher nicht, denn die »Berliner Tafel» fußt, wie die »Tafeln« anderen Ortes auch, vor allem auf ehrenamtlichem Engagement.

Zur »Tafel« selber habe ich eine andere Einschätzung als Sie. Ich kritisiere nicht die »Tafeln«, sondern die gesellschaftlichen Missstände, die sie für viele Menschen in Not erst nötig machen. Und leider sind im reichen Deutschland immer mehr Menschen auf solche karikativen Einrichtungen angewiesen, um wenigstens ihr täglich Brot zu haben.

Gewiss gibt es Schul-Kantinen, die ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen können. Es gibt aber auch zunehmend Eltern, die schlicht das Schul-Essen für ihre Kinder nicht mehr bezahlen können. Daran ist aber nicht die »Tafel« schuld, sondern vor allem die Bundes-Politik und ihr ungerechtes Steuer- und Sozialsystem.

Ich habe übrigens vor einigen Tagen gemeinsam mit dem Autor Helmut Kuhn sein jüngstes Buch vorgestellt. Es heißt »Arm, Reich – und dazwischen nichts?« Ich empfehle es.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Pau
Mein kommentar:

Immerhin gibt frau Pau zu, keine ahnung zu haben von dem, was in jenem verein, für den sie ihr gesicht hergibt, passiert.

Zugegebenermaßen mag es für manch einen arbeitslosen, der seine arbeit bei der tafel verrichtet, sogar attraktiv erschein, anstatt ehrenamtlich und völlig ohne lohn zu arbeiten, dann wenigstens für die »sinnvolle« arbeit mit dem in Berlin üblichen einen euro fünfzig pro stunde belohnt zu werden. Für manch einen wird diese arbeit aber auch zur qual.

Was mich verwundert, ist, daß frau Pau, begriffe wie »1-Euro-jobber« oder »MAE-kräfte« für verwerflich hält. Den inhalt der arbeit, von denselben personen ehrenamtlich durchgeführt, findet sie offenbar in ordnung. Selbstverständlich sind die »tafeln« nicht ursache der armut. Die »tafeln« sind ein mittel zur bekämpfung der symptome der armut. Und ähnlich wie in der medizin das mittelchen zur bekämpfung der symptome einer krankheit den patienten unter umständen erst richtig krank macht, vernichten einrichtungen wie diese nicht nur arbeitsplätze, sie zementieren die situation derer, die auf sie angewiesen sind. Diese menschen werden in eine demutsposition gezwungen, indem man sie zu almosenempfängern macht.

Auf der gegenseite stehen die »edlen« spender, die die überreste des kalten buffets, die die anspruchsvollen gäste verschmähten, großzügigst an wohltätige organisationen spenden, damit es hinterher so ausschaut, als habe man das freßgelage nur veranstaltet, um hinterher der allgemeinheit dienen zu können.

Die aufgabe linker politik darf nicht die einrichtung von suppenküchen sein, das ziel muß die überflüssigmachung dieser einrichtungen sein.

1-€-blog-klassiker: »Berlin Grün« oder »ordentliche Baumversammlung«

Die »Berlin Grün GmbH« ist, neben dem »Britzer Garten«, dem »Erholungspark Marzahn« und dem »Schöneberger Südgelände«, für die eintritt erhoben wird, verantwortlich für Berlins erbärmlichste grünanlagen wie den »Invaliden-« und den »Mauerpark« oder den »Lustgarten« - und es ist klar, wo in dieser ödnis die lust bleibt, nämlich weg.

Der »Mauerpark« ist eine öde fläche, auf der die bäume, so vorhanden, quasi in viererreihen marschieren, das einzig interessante, worüber das auge sich schon fast freuen mag, ist der schrille müllkübel am wegesrand.


Mein fazit nach rund fünf jahren: schöner ist es dort heute auch nicht.

Donnerstag, 11. April 2013

Wo ist eigentlich Europa?


Seit einigen wochen gibt es in Vallies Blog ein hörstück, das sich mit dem teil Europas befaßt, den wir wessies meist nur rudimentär wahrgenommen haben.

Teils wird aus eigener sicht erzählt, teils wird die geschichte der jeweiligen orte, um die es geht, behandelt. Ich habe mir die (bisher?) drei teile mit interesse angehört und bin gespannt, ob da vielleicht noch was kommt. Hören kann man das hier:

Teil 1
Teil 2 
Teil 3 

Mittwoch, 10. April 2013

Bezahlte statistInnen.

Auf der messe in Hannover war es am vergangenen montag zu zwischenfällen aktivistinnen der gruppe FEMEN gekommen, von der ich bisher noch nie etwas gehört hatte.

Die Stimme Rußlands berichtete bereits im vergangenen september, daß die aktivistinnen für ihre aktionen bezahlt werden. Laut bericht bekommt die gruppe geld von sponsoren aus westeuropa und den USA . Die teilnehmerinnen werden pr-mäßig geschult, wie sie die aufmerksamkeit von journalisten auf sich ziehen, bekommen ein monatliches gehalt und werden für aktionen extra bezahlt.

Offenbar handelt es sich also wohl nicht um »freiheitskämpferinnen«, sondern eher um bezahlte statistinnen.

Gefunden über Kritische Massen

Rußland, die grüne Roth und zu viel »Puputin«

Letzten freitag gab der Russische präsident, Wladimir W. Putin der ARD ein rund halbstündiges interview.
Schönenborn: »(...) viele Deutsche sehen mit sorge razzien bei hunterten von NGOs, zwei deutsche politische stiftungen sind betroffen. Die deutsche öffentlichkeit hat die erklärung, da soll eingeschüchtert werden. Warum handeln ihre behörden so?«

Putin: »Ich glaube Sie schüchtern die deutsche öffentichkeit ein, es passiert doch gar nichts ähnliches und man muß die menschen nicht einschüchtern, man muß objektiv die entwicklungen beleuchten. Und was ist denn die objektive beleuchtung? Ende vergangenen jahres wurde in Rußland ein gesetz verabschiedet nach dessen maßgabe die NGOs, die finanzielle unterstützung aus dem ausland erhalten, also aus dem ausland finanziert werden und die innerpolitische tätigkeit hierzulande betreiben, sich registrieren lassen müssen als ausländische agenten. Also geht es hier um organisationen, die innerhalb unseres landes auf politischem parkett agieren und sich vom ausländischen geld bezahlen lassen. Das ist kein besonderes novum in der globalen politischen praxis. Ein genau solches gesetz gibt es in den USA seit 1938. (...) In der Russischen Förderation gibt es 654 NGOs, die, wie sich herausgestellt hat, geld aus dem ausland beziehen. 654 organisationen, das ist ein ganzes netzwerk, das die ganze Russische Förderation erfaßt. (...) Nur in den vier monaten, nachdem wir das entsprechende gesetz verabschiedet haben, haben diese organisationen aus dem ausland (...) 28 milliarden 300 millionen rubel, das ist knapp eine milliarde us-dollar. 855 millionen bekamen sie über diplomatische vertretungen. Das sind die organisationen, die eine politische tätigkeit hierzulande betreiben. Darf unsere gesellschaft nicht wissen, wer und wofür er sein geld bekommt?

Und ich möchte es unterstreichen und ich möchte, daß Sie es wissen und die Deutschen es wissen, niemand verbietet diese organisationen. Wir bitten nur, daß sie es zugeben, ja, wir betreiben politische tätigkeit aber wir lassen uns aus dem ausland finanzieren, die gesellschaft hat einen anspruch darauf. Und man muß niemanden einschüchtern, daß hier jemand festgehalten wird, daß hier etwas beschlagnahmt wird, vielleicht hätte man das beschlagnahmen können, wenn die menschen gesetze verletzen. (...)Das alles vollzieht sich im rahmen von zivilisierten regeln.«

(...)
Schönenborn: »Nach unserem verständnis lebt demokratie von einer starken opposition. Opposition, die es im zweifel besser machen kann als die regierung. Wettbewerb um das politische geschäft. Braucht Rußland nicht auch eine starke opposition?«

Putin: »Ja, natürlich braucht Rußland eine starke opposion. Und nicht nur das. Ich glaube ohne wettbewerb ist keine entwicklung möglich. Im politischen bereich und im wirtschaftlichen bereich. Und wir wollen diese entwicklung gewährleisten für unser land und unsere menschen.(...) Das heißt aber nicht, daß diese opposition sich aus dem ausland finanzieren muß.«
(...)
Betroffen von den razzien bei »nichtregierungsorganisationen« waren Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stifung. Jedes kind weiß, daß das parteinahe stiftungen der CDU und der SPD sind, und daß es somit fragwürdig ist, ob man die als »nichtregierungsorganisationen« bezeichnen kann.

Die »starke opposition« suche ich in Deutschland übrigens seit jahren mit der lupe. Gefunden habe ich sie bisher nicht. Das, was sich »opposition« nennen darf, hat immer ein, wenn auch wenig anders geartetes, neoliberales programm. Besonders demokratisch geht es in der BRD nicht zu, weil es so etwas wie opposition nicht geben darf, wenn sie auch nur in ansätzen etwas anderes vertritt als das, was hier ohnehin programm ist.

Und was sagt die grüne Roth dazu?
Roth »(...) Er macht ja zwei sachen: er spielt mit geschichte, und zwar mit den dunkelsten zeiten der geschichte, wenn er vom agentengesetzin Rußland redet.(...) Er bezieht sich auf ein US-gesetz von 1938. Wo die USA versucht hat maßnahmen zu ergreifen gegen die nazipropangadisten. Gegen naziunterwanderung. Und auch das ist eine historische geleichsetzung, die unverschämt ist. Man kann nicht die arbeit von nichtregierungsorganisationen oder die arbeit von deutschen politischen stiftungen, mit 38 den maßnahmen gegen die nazis gleichsetzen. Es gibt dieses gesetz in den USA immer noch, da geht es aber um staatlichen lobbyismus von staaten, von ausländischen staaten, sehr transparent alles. Das kann man überhaupt nicht vergleichen.«
Da müßte man natürlich wissen, woher der 1938 verabschiedete »Foreign Agents Registration Act (FARA)« eigentlich kam und wohin das führte. Der kam aus dem »Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC)« und war anfangs tatsächlich dafür gedacht, nazi-infiltrierung in den USA zu verhindern, wenn auch mit mäßigem erfolg.

Man sollte nicht auf die idee kommen, daß das »Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC)«, weil es die damals nazional»sozialistischen«, deutschen interessen nicht in den USA haben wollte, gleich auch gegen rassismus und für mitmenschlichkeit gewesen wären. Dies komitee war ab 1945 maßgeblich an der verfolgung andersdenkender menschen beteiligt.

Menschen wie Bert Brecht, Thomas Mann oder Hanns Eisler wurden mit deren mithilfe aus den USA ausgewiesen. Und es ist lächerlich, ausgerechnet den Thomas Mann unter den verdacht zu stellen, kommunist gewesen zu sein. Andere sind nicht ausgewiesen, sondern inhaftiert worden.

Auch heute lassen die Vereinigten Staaten es nicht zu, daß sie von irgendwelchen ausländischen organisationen unterwandert werden. Kein staat der welt duldet das, sofern er es sich leisten kann das abzuwenden. Weshalb sollte Rußland eine ausnahme sein?
Roth »Das ist ne zahl, die holt der aus der luft runter, die wirft der Ihrem kollegen zu, aber die hat mit realität nichts zu tun. Alle deutschen stiftungen zusammen, alle, haben etwa fünf millionen zu verfügung und er redet von einer milliarde, die zivilgesellschaft in Rußland wäre froh, wenn sie nur einen bruchteil davon bekommen würde. Das ist einfach nicht war.«
Da habe ich andere informationen, Wolfgang Lieb schrieb in Albrecht Müllers buch »Meinungsmache« in einem kapitel über die Bertelsmann Stiftung, daß diese im jahr 2007 über ein vermögen von rund 84 millionen € verfügte und jahrlich in ähnlichem ausmaß in »projekte« investiere.

Das ist ein etwas anderes ausmaß als »alle stiftungen zusammen 5 millionen«.

Da erscheint mir die aussage des russischen präsidenten glaubwürdiger. Man muß ihn weder mögen, noch seine politik für richtig befinden. Aber wenn man ihn objektiv betrachtet, tut er nichts anderes als andere staatsoberhäupter auch.

Da es auf der messe in Hannover einen zwischenfall gab, möchte ich ein zitat widergeben, das in der BILDzeitung so nicht gestanden hat:
»Übersetzerin: Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin! Der KGB-Chef ist euer oberster Heiliger, Er steckt die Demonstranten ins Gefängnis. Um den Heiligsten nicht zu betrüben, Müssen Frauen gebären und lieben. Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
Autor: So sang Pussy Riot im Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkirche. Die Übersetzung des Namens dieser radikal oppositionellen Künstlergruppe: "Muschi Aufstand" hat man dem deutschen Publikum vorsichtshalber erspart. Das hätte in vielen Ohren gleich weniger sympathisch geklungen und die Aktionen zweifelhafter erscheinen lassen. (...)

Autor: So veranstaltete eine der jetzt verurteilten Pussys - damals im neunten Monat schwanger - im Moskauer Museum für Biologie eine Gruppensexorgie. Bei einer anderen Gelegenheit stopfte sich eine Aktivistin in einem Supermarkt in Gegenwart zahlreicher Kunden Teile eines Suppenhuhns in die Vagina und verließ damit den Laden. «
Wo ist da die politische aktion oder gar opposition? Das ist doch blödsinn! Ähnlich wie die »busenwunder« von der messe in Hannover. Sich »fotze aufruhr«, meines erachtens die angemessenere übersetzung in die deutsche sprache, zu nennen und dann durch aktionen im öffentlichen raum zu provozieren ist keine kritik an bestehenden verhältnissen! Lächerlich.

Als gäbe es nichts zu kritisieren, stellen die sich selbst dar, indem sie sich den ausgefeilten slogan »Putin dictator« auf den nackten leib schreiben und sich höchst gefährlich vorkommen und dann kreischen gegen »das böse« in person vorgehen. Das ist doch ein witz.

Am schluß möchte ich auf einen beitrag von Walter van Rossum im deutschlandradio hinweisen. Sehr hörenswert. Zweierlei Maß über die berichterstattung über Rußland und die USA.

Die radiovariante und der text.

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»Puputin« ist mutmaßlich eine bei deutschen medien und hauptsächlich den GRÜNEN verbreitete modedroge, von der man im gegensatz, beispielsweise zu atropin, keine schönen augen, sondern ein betroffenes gesicht bekommt.

Freitag, 5. April 2013

Arbeiter schuld am mißerfolg der SPD

In den »nachdenkseiten« stand heute zu lesen, daß bei der studie »wer sind die nichtwähler« des Max-Plank-Instituts für gesellschaftsforschung für die Friedrich-Ebert-Stiftung herausgekommen ist, daß arbeiter in früheren jahrzehnten häufig SPD gewählt hätten und heutzutage bei wahlen das zu-hause-bleiben bevorzugen würden.

Muß einen das wundern?

Vor einiger zeit hatte ich in meinem artikel »wenn das milchmännchen zweimal rechnet«  darauf hingewiesen, daß es konsequent ist, der wahl fernzubleiben, wenn es eine wahl im tatsächlichen sinne nicht gibt.

Vielleicht sind die arbeiter, die man gern als »bildungsfern« einstuft, obgleich sie das nicht unbedingt sein müssen (man bedenke wie schnell aus einem ehemaligen angestellten ein leiharbeiter werden kann), realitätsbezogener als das bürgertum, das immer noch an »demokratische werte« oder gar wahlen glaubt. Die leute die nicht wählen gehen, das hat diese studie ebenfalls herausgefunden, sind nicht unbedingt desinteressiert an politik, ich vermute, daß die sich denken »wenn mein interesse durch wahlen ohnehin nicht zum zuge kommt, kann ich mir diese afferei auch sparen!«

Und damit haben sie recht. In den 70er jahren sind die menschen zu den wahlen gegangen, weil sie die hoffnung hatten, daß sich, wenn sie »Willy wählen« etwas ändert, auch wenn das keine wirkliche alternative war. Zumindest wurde der kapitalismus für viele leichter zu ertragen. Die letzten reste der sozialen verbesserungen hat ein anderer SPDist zerschlagen. Und damit gibt es nicht einmal mehr nuancen, die parteien voneinander unterscheiden.

Die SPD hat sich 1913 dazu entschieden nicht mehr nur arbeiterpartei zu sein, sondern auch bürgerliche partei und nicht mehr gegen den staat zu sein, sondern die schweinereien, die ein staat tut, mitzutragen. Und daran hat sich seit dem nichts geändert.

Das ist zwangsläufig zum scheitern verurteilt: Die SPD vertritt fast das gleiche wie alle anderen auch, denn bei diesen verhältnissen geht es nicht anders.

Aus diesem grunde bleibt die KPD verboten und die NPD erlaubt: die KPD wollte schluß mit der kapitalistischen organisation des staates machen, während die NPD die nationalistische variante der konstruktiven vorschläge, wie man kapitalismus organisieren kann, ist.

Donnerstag, 4. April 2013

Ex-kriegsminister fordert überfall auf den Iran

Erfreulich lange hatte man nichts vom ex-kriegsminister und lügenbaron Guttenberg gehört. Der arbeitet jetzt in den USA als distinguished statesman für eine organisation, die auf Deutsch »Zentrum für internationale und strategische Studien (CSIS)« heißt, als unabhängige »denkfabrik« gilt, aber eher eine unterabteilung des US kriegsministeriums zu sein scheint.

Man kann also in den USA, auch wenn einen in Deutschland niemand mehr haben will, noch als ausgezeichneter staatsmann gelten, sofern man sich an kriegsplanungen beteiligt.

Jetzt will er, der in Deutschland kein politisches amt mehr hat, sich erneut als kriegsminister hervortun und gibt der pfarrerstochter den rat, sie solle einen angriffskrieg gegen den Iran vorbereiten (der link führt zur deutschsprachigen seite des iranischen radiosenders IRIB).

Dienstag, 2. April 2013

1-€-blog-klassiker: Abriss Ost

Vor fünf jahren:
 
Wird hier aufgebaut oder abgebaut? Weil sich diese baustelle in Ostberlin befindet, darf man letzteres annehmen. Man benötigt dort keine häuser mehr. Jedenfalls nicht, wenn sie an die DDR erinnern.

Montag, 1. April 2013

Foto am montag (48)

Das neueste eichhörnchenfoto:
P1140610
Wegen der weihnachtswitterung wurden die bunten eier vom teufelchen abgeholt.

Kalender 1913 - April


Wer Diplomate werden will,
nehm sich ein Muster im April.
Aus heiterm Blau bricht der Orkan,
und niemand hat’s nachher getan.

Erich Mühsam