Freitag, 28. Februar 2014

28. februar 1933

»Jede sorge um die bürgerliche Kultur ist jetzt läppisch, wenn es wie jetzt zum Äußersten kommen soll.

Kommunisten und Sozialdemokraten müssen sich finden und mit ihnen muß das katholisch-universalistische Deutschland, die protestantische Bildung, das Judentum, die Künstlerschaft - müssen alle, alle, die noch einen Funken geistiger Ehre im Leibe haben, eine entschlossene Front bilden, damit diesen Kriegslümmeln, diesen Henkern deutscher Freiheit und Geistigkeit das Handwerk gelegt werde.«
Thomas Mann in einem Brief an Ida Herz, 28. Februar 1933

81 Jahre später hat sich wenig verändert, wenn man davon absieht, daß aus den »kriegslümmeln« teilweise »kriegslümmelInnen« geworden sind.

Auf die friedfertigkeit der christlichen kirchen muß man nicht hoffen, ist die kriegskanzlerIn pfarrerstochter und der präsident, der den krieg bejubelt, was er als »verantwortung in der welt übernehmen« bezeichnet, ein gottesmann.

Die sozialdemokratische basis wehrt sich nicht gegen die kriegstreiber in der parteispitze, kommunisten sind bekanntermaßen ohnehin alle verbrecher, das judentum spielt keine rolle mehr.

Und die sogenannte »künstlerschaft« scheint mit sich und dem kulturbetrieb zufrieden zu sein. Hungerleiderkünstler, die rebellisch werden könnten, gibt es heutzutage nicht mehr. Jedenfalls keine, die von bedeutung wären. Die künstler sind ebenso frei wie das lohnarbeitende proletariat, sich gegen das system zu sein und den kanten brot, den sie für das stillhalten bekommen können, abzulehnen.

Thomas Mann hatte eine völlig richtige idee, die mit antikommunismus jedoch bis heute nicht ausführbar ist und unausführbar bleiben wird.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Gauck vor gericht

Weil er rechtsextreme als »spinner« bezeichnet hat, wurde bundesprediger Gauck von der NPD vor das bundesverfassungsgericht gebracht. HIer sei die kompetenz des präsidenten überschritten.

Gesagt hat er vor Berliner schülern folgendes:
»Wir brauchen Bürger, die auf die Straße gehen, die den Spinnern ihre Grenzen aufweisen und die sagen ›bis hierher und nicht weiter‹.

Und dazu sind Sie alle aufgefordert.«
Das gesagte beweist doch genau das gegenteil: der hat keine kompetenz, rechte ausländerhasser zu kritisieren.

Der bezeichnet die verharmlosend als »spinner«. Der Gauck hat nichts dagegen, menschen in kategorien einzuteilen, ob die sich hier aufhalten dürfen oder nicht. Und wenn dann welche auf die idee kommen, daß man das auch etwas konsequenter durchziehen könnte, als dieser staat es tut, dann ist das »spinnerei«.

Die sind auf diese tolle nation genau so stolz, wie herr Gauck es ist. Allerdings haben die sich überlegt, daß der staat sich zu allererst um die leute kümmern sollte, die ihrer ansicht nach »hier hergehören«, bevor er geld an die, die »hier nicht hergehören« verschwendet. Die akzeptieren es völlig, daß es unter Deutscher herrschaft nicht einfach allen gut gehen kann, das predigt herr Gauck ebenso.

Aber weil es zwischen den ideen der NPD und herrn Gaucks weltanschauung einen unterschied geben muß, sind die ansichten der NPDisten »spinnereien«, während die des herrn Gauck »demokratielehre« sein sollen.

Dienstag, 25. Februar 2014

Revolutionslieder

»Melodie & Rhythmus« und die »Junge Welt« suchen die zehn wichtigsten revolutionslieder. Aus fünfzig liedern, die allesamt auf der internetseite hörbar sind, kann man bis zu zehn, die einem am besten gefallen, auswählen.

Ich bin fleißig am hören, denn alles kenne ich nicht. Und die lieder, die ich noch nicht kenne, sollen auch eine chance kriegen.

Mit dabei sind natürlich die klassiker von Brecht, Eisler, Busch. Aber auch Oktoberklub, Sex Pistols, Ton Steine Scherben, Renft, The Clash, Nina Simone, The Exploited, Konstantin Wecker und so.

Abstimmen kann man bis zum 18. märz. Zu gewinnen gibt es auch was: jahresabos von »Melodie & Rhythmus« und ein paar nicht uninteressante CDs, aber deshalb nimmt man an so etwas nicht teil.

Hier geht es zum anhören und abstimmen

Montag, 24. Februar 2014

Europawahl: Die Partei ist dabei

Recherchen des 1€blog haben ergeben, daß Die Partei ausreichend unterstützungsunterschriften für die europawahl hat und somit an der wahl teilnehmen wird.

Vielleicht wird es sich lohnen, doch zur europawahl zu gehen und Die Partei zu wählen, denn es könnte sein, daß das Bundesverfassungsgericht am mitwoch die in Deutschland gültige 3%hürde kippt.

Das wäre allerdings ein grund, ausnahmsweise der europawahl nicht fern zu bleiben. Ich zumindest tät den Sonneborn lieber in Brüssel sehen als den Lucke.

Foto am montag (95)

Höckerschwäne (cygnus olor)

Mittwoch, 19. Februar 2014

Abreißen?

Beim durchblättern meines fotoalbums habe ich unzüchtiges bildmaterial gefunden. Es stellt nicht oder fast nichtbekleidete kinder dar.

Für mich wäre es schnell erledigt, das bild von der festplatte zu löschen. Die Clemenskirche in Münster, die mit derartigen fresken ausgemalt ist, bliebe dann aber stehen.

Sollte man diese glaubensspelunke, die die gläubigen vom pfad der tugend abbringen könnte, nicht im zuge der sittlichkeit abreißen?

Dienstag, 18. Februar 2014

Brandenburg

Ausnahmsweise meine ich nicht das sympathische bundesland mit dem loch in der mitte sondern die gleichnahmige Deutsche jazzsängerin Inge Brandenburg (18. Februar 1929 – 23. Februar 1999) , die ich vor gar nicht langer zeit eher durch zufall entdeckte.

Ich hatte keine ahnung, daß es im spießigen Deutschland der Adenauerära so eine phantatische jazzsängerin gab.

Leider hatte sie ein furchtbares leben. Ihr vater war kommunist und wurde von den nazis ins KZ Mauthausen verschleppt, wo er sich (angeblich) umbrachte. Die mutter, die sich nun um die kinderschar allein kümmern mußte, galt den nazis als »asozial«, weshalb sie im KZ Ravensbrück eingesperrt wurde, wo sie ermordet wurde.

Inge Brandenburg wuchs in nazikinderheimen auf, wo ein lehrer ihre musikalität feststellte, ihr klavierunterricht erteilen wollte, aber nicht durfte, weil musikunterricht etwas für »höhere töchter«, nichts jedoch für die kinder »asozialer« sei. Sie war autodidaktin, die in den nachkriegsjahren durchaus erfolge hatte.

Die große zukunft, die ihr vorausgesagt worden war blieb allerdings aus, weil die plattenfirmen auf kommerz aus waren und sie schlager keinesfalls lustig fand. Sie starb verarmt im februar 1999.

Heute wäre sie 85 jahre alt geworden.


Freitag, 14. Februar 2014

Wenn denken hülfe - letzter teil

Fortsetzung.

Wenn liberal gesonnene menschen beginnen, mitgefühl mit anderen zu zeigen, kann es passieren, daß einem die frühstückstulle aus dem gesicht fällt. Bittere krokodilstränen fließen, weil die armen arbeiter von bösen staatlichen gesetzen, die ihre interessen zumindest ein bißchen schützen sollen, daran gehindert würden, ihren interessen nachzugehen.
Zitat aus dem film: »Für Simon sieht es schlecht aus. Den job zu verlieren ist schon schlimm genug. Aber der mindestlohn benachteiligt ihn weiterhin, auch während seiner arbeitslosigkeit.

Weil Simon jung und unerfahren ist, wird Simons arbeit für einen unternehmer wahrscheinlich nur wenig umsatz erzeugen. Unternehmer befürchten, geld zu verlieren, wenn sie Simon zum mindestlohn einstellen. Also geben sie ihm absagen auf seine bewerbungen.«
Der arme Simon! Der ist jung und unerfahren und der staat wirft ihm noch knüppel zwischen die beine und benachteiligt ihn, indem er verbietet, zu jedem dreckslohn zu arbeiten. Wovon der junge mann leben soll, wenn er für weniger arbeiten muß, als er zum leben benötigt, spart der film großzügig aus.

Sicher, in einem land wie Bangladesh würde es Simon mit einem stundenlohn von 3 $ vergleichsweise prima gehen. Nur kann er seinen privaten lebensmittelpunkt nicht dorthin verlegen, wo der pfeffer wächst und wo die preise halbwegs zu seinem einkommen passen.
Zitat aus dem film: »Simon war zufrieden mit seinem job in der fabrik. Auch wenn er nur wenig verdiente. Er hatte gehofft, erfahrungen zu sammeln, um produktiver zu werden. Und die chance auf eine besserbezahlte und befriedigendere arbeit zu bekommen. Aber das neue gesetz hindert ihn daran. «
Wie ich bereits schrieb, ist der umsatz, den ein arbeiter erzeugt kein kriterium für seine einstellung, weil niemand errechnen kann, welchen umsatz einer tatsächlich erzeugt.

Entweder ist eine arbeit für ein unternehmen notwendig. Dann wird einer eingestellt, der sie erledigt. Oder sie ist nicht notwendig, dann findet sie nicht statt, gleichgültig wie billig die leute sind, die sie erledigen könnten.

Der kapitalismus ist keine wohlfühleinrichtung, bei der man, wenn man erstmal bescheidene forderungen hat, eine chance bekäme zu zeigen, was man kann und wenn man sich schön anstrengt in bessere verhältnisse aufsteigen könnte.

Millionen arbeiter erleben weltweit etwas völlig anderes: sie rackern sich ihr leben lang ab wie blöde, irgendwann werden sie nicht mehr gebraucht und landen auf der straße, egal wie gut sie die langen jahre malocht haben. Am ende des erfolgreichen arbeitslebens stehen sie mit genau so leeren händen da wie am anfang. Nur daß sie sich in der zwischenzeit womöglich auch noch berufskrankheiten eingehandelt haben. Im alter also noch ärmlicher dastehen als in der jugend.
Zitat aus dem film: »Deshalb wirkt ein mindestlohn so, als würde man die unteren sprossen der ökonomischen leiter entfernen. Wenn wir verhältnisse sehen, die uns unfair erscheinen, fordern wir häufig, dieses verhalten gesetzlich zu verbieten. Wir sollten aber bedenken, daß solche eingriffe unbeabsichtigte folgen haben. «
Wer soll dieses »wir« eigentlich sein?

Ich sehe keine ungerechtigkeit in den kapitalistischen verhältnissen, sondern ökonomische zwangsläufigkeiten. Und wenn man die als »nicht bekömmlich« einstuft, dann sollte man drauf kommen, daß das abgeschafft gehört.

Oder anders gesagt: wenn die unteren sprossen einer leiter nichts taugen, ist die gesamte leiter unbrauchbar. Dann sollte man nicht den untersten sprossen nachtrauern, sondern sich etwas anderes überlegen. Braucht man so etwas wie eine »ökonomische leiter« auf der der mehrheit der aufstieg ohnehin nicht möglich ist, ob nun mit mindestlohn oder ohne?
Zitat aus dem film: »Manche menschen vermuten, daß das verbot freiwilliger handlungen oft mehr schadet als nützt. Sie glauben, daß die eigentliche aufgabe des gesetztes darin besteht vor gewalttaten abzuschrecken. Und daß wir keine hürden errichten sollten, die friedliche menschen daran hindern, das beste für ihr eigenes leben zu tun«
Das klingt erstmal fast vernünftig. Was sollte gegen freiwillige handlungen oder friedliche menschen einzuwenden sein?

Bleibt die frage nach der »freiwilligkeit« offen. Das ist eine schäbige angelegenheit. Wer auf lohn zum leben angewiesen ist »will« arbeiten und zwar »freiwillig«. Aber nur, weil es ihm aufgeherrscht wird, daß er sich drum kümmern muß, einen lohn zu erhalten, damit er geld zum leben hat.

Daran ist nichts freiwillig.

Die leute gehen lohnarbeiten »aus freien stücken«. Aber nur, weil sie müssen.

Und friedlich ist auch nichts dran, wenn man aufgeherrscht bekommt, daß nach den regeln des privateigentums gewirtschaftet werden soll. Die minderheit, die eigentum an produktionsmitteln hat, diktiert der mehrheit die nutzungsbedingungen. Das ist ein gewaltverhältnis, das sehr zum nachteil der mehrheit der weltbevölkerung ausgeht. Wer da von »friedlichkeit« spricht ist entweder zynisch oder hat einiges nicht begriffen.

Wenn die figuren von »freiwilligfrei« schon mal dabei sind, etwas gegen gesetzliche bestimmungen zu haben, könnten sie genauso gut auch mal völlig freiheitlich das privateigentum an produktionsmitteln, das die mehrheit der weltbevölkerung in unvorstellbare not und in dinge zwingt, die abzulehnen sind, in frage stellen.



***

Nachbemerkung:

Eines möchte ich meinen lesern nicht vorenthalten: im abspann des films wird dafür geworben, man solle im internet nach dem alten herrn Bastiat suchen.

Ich mußte nicht nach ihm suchen, weil er mir bereits bekannt war. Das ist der, der einst die parabel schrieb, in der es sinngemäß darum ging, daß man sich über kakerlaken in der küche freuen solle, weil dann der kammerjäger geld verdient.

Die inzwischen verblichene Maggie Thatcher (ihrerzeit als die »strohdachdeckerin« bekannt) soll ihn bei einem besuch in Frankreich lobend als ihren lieblingsökonomen und »großen, Französischen denker« erwähnt haben. Die gastgeber jedoch waren klug genug, diesen »großen Französischen denker« bereits vergessen zu haben.

Ich empfehle, es den Franzosen gleich zu tun und den herrn Bastiat besser zu vergessen.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Gleichheit vor dem gesetz

Im Nordhessischen Waldeck-Frankenberg gibt das jobcenter ab sofort fälschungssichere lebensmittelgutscheine mit 3-d-hologramm an sanktionierte h4empfänger aus. Im vergangenen november wurde ein 34jähriger mann zu einer 21 monatigen haftstrafe verurteilt, weil er mehr hunger hatte als das amt ihm an lebensmittelmarken zugestand und sich einfach selbst welche ausgedruckt hatte.

Man darf sich eben nicht einfach so essen verschaffen. Auch nicht aus der mülltonne, schließlich ist die mülltonne und ihr appetitlicher inhalt privateigentum. Das mußten drei studenten erfahren, die mutmaßlich nach dem »containern« auf dem gelände einer Tegutfiliale im Nordhessischen Witzenhausen in eine verkehrskontrolle gerieten und wegen mülldiebstals zu entweder je 3 monaten haft oder 4.500 € strafe verurteilt werden sollten. Der fall wird seit dem 4. februar neu aufgerollt, weil die angeklagten einspruch eingelegt hatten. Es bestehen zweifel an den behauptungen Teguts, daß sie diese abgelaufenen lebensmittel an die »tafel« verschenken wollten, dürfen die nämlich gar nicht.
In seiner majestätischen Gleichheit verbietet das Gesetz den Reichen wie den Armen, unter Brücken zu schlafen, in den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen. (Anatole France)
Damit ist im grunde schon gesagt, wem die gesetze nicht schaden und wer damit zwangläufig in konflikt kommen wird. Gesetze, die für eine elite gemacht sind, nützen der elite, weil sie bei völliger gleichbehandlung ihre rechte gegen die plebs durchsetzen können. Da muß man sich nicht wundern, daß millionenbetrüger gelegentlich straffrei davonkommen, während leute, die aus existenzieller not in konflikt mit dem gesetz kamen, dafür eingebuchtet werden.

Es ist keine wirklich gute idee mit der gleichheit vor dem gesetz.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 5

Fortsetzung.

Im film wird so getan, als wären durch investition in maschinen hauptsächlich schlecht qualifizierte arbeiter betroffen:
Zitat aus dem film: »Edgar ärgert sich. Um im geschäft zu bleiben bedeutet der mindestlohn für ihn, daß er in maschinen investieren muß, um wenig qualifizierte arbeiter wie simon zu ersetzen, oder er muß die produktion in ein anderes land verlagern, in dem die gesetzlichen mindestlöhne kein problem darstellen.«
Der Edgar hängt nicht aus sentimentalität an einheimischen malochern. Der hat den Simon eingestellt, weil er kistenschleppen und putzen im heimischen werk nicht nach Bangladesh oder sonstwohin auslagern kann.

Solange aus den einheimischen arbeitern mehr profit geholt werden kann, als aus welchen in drittweltländern oder sonstwo, wird kein werk verlagert. Inzwischen splitten international agierende konzerne selbst arbeit, für die man einst gutqualifizierte fachkräfte benötigte in derart kleine arbeitsschritte, daß man hiervon teilbereiche an minderqualifizierte auslagern kann. Dadurch werden fachkräfte wie Vicky entweder überflüssig gemacht oder ihre arbeit wird auf wenige arbeitsschritte abgekürzt, so daß ihre arbeit stark verdichtet wird, so daß ihre arbeit zwar stupide wird, sie aber produktiv genug ist, daß sie mit den billigstlöhnern in aller welt konkurrieren kann.

Mir ist vorgeworfen worden, daß es eine »unglaubliche Erkenntnis« meinerseits sei, daß der profit der einzige zweck im kapitalismus sei.

Stimmt, das ist eine binsenweisheit. Allerdings eine, die man den leuten offenbar gar nicht oft genug aufs brot schmieren kann: denn bei jeder werksschließung treten wohlmeinende menschen auf den plan die anklagen, daß es »wieder mal ›nur‹ um den profit ginge«, das werk habe schließlich schwarze zahlen geschrieben und die leute immer gute arbeit geleistet und die kunden wären auch immer zufrieden gewesen. Wenn so ein laden dichtmacht, waren die zahlen eben nicht schwarz genug.

Wenn mit werksverlagerungen mehr profit zu machen ist, ist die gute arbeit, die die leute, die bald die arbeitslosenschlange verlängern dürfen, nicht interessant. Und kundenzufriedenheit hat sich ohnehin den profitinteressen unterzuordnen.
Zitat aus dem film: »Edgar glaubt, daß diese beiden optionen für ihn weniger profitabel sind, als die beschäftigung einheimischer arbeiter, sonst hätte er Simon nicht eingestellt.«
Wenn Edgar glaubt, daß es für ihn weniger profitabel wäre, unqualifizierte arbeit durch maschinen zu ersetzen oder die produktion in ein anderes land zu verlagern, dann ist er als unternehmer untauglich. Ein vollidiot!

Zu glauben, die beschäftigung einheimischer arbeiter sei für ihn günstiger, hilft nicht. Da müßte er halt rechnen bzw. leute gegen geld rechnen lassen, was für ihn günstiger ist.

Der film vertritt das unternehmerideal des 19. jahrhunderts, das schon damals nicht gestimmt hat. Demnächst gibt es den voraussichtlich letzten teil in dem es um krokodilstränen und andere merkwürdigkeiten gehen wird.

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Montag, 10. Februar 2014

Sonntag, 9. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 4

Fortsetzung.

Weil es ein wichtiges thema ist und das rätsel, wie ein unternehmer den ertrag ermittelt, den ein einzelner arbeiter generiert bereits vielen schlaflose nächte, graue haare bereitet hat oder gar in den wahnsinn getrieben, möchte ich es vorwegnehmen, wie unternehmer das machen:

Überhaupt nicht!


Warum das so ist, werde ich im folgenden erklären. Aber hören wir zuvor den text des lustigen filmchens an. Was dort gesagt wird, ist interessant und aufschlußreich:
Zitat aus dem film: »Welche konsequenzen hat also die einführung eines mindestlohns für die arbeiter in Edgars fabrik?

Vickys arbeit genereriert 23 $ die stunde für Edgar. Ihr lohn ist 15 $ die stunde. Für jede stunde, die Vicky bei Edgar arbeitet, bleiben dem unternehmen 8 $ übrig, nachdem er ihren lohn gezahlt hat. Da Vickys lohn höher ist als 9 $ die stunde, ist sie vom neuen gesetz nicht direkt betroffen.«
Im film wird eine junge frau gezeigt, die irgendwas am computer arbeitet. Bei dem lohn wird sie vermutlich kein ingenieur sein, der irgendwelche neuen dinge entwickelt, wahrscheinlich wird sie auch keine für die produktion wichtigen pläne erstellen, sondern einer verwaltenden tätigkeit nachgehen. Für solche arbeiten muß man eine ganze menge wissen und man muß sehr sorgfältig arbeiten.

Vicky ist vermutlich verwaltungsfachkraft. Aus sicht der produktivität betrachtet generiert ihre arbeit nichts.

Ihre arbeit ist notwendig und erfordert gewisse kenntnisse. Sie wird dafür bezahlt, daß ihre arbeit nötig ist, auch wenn daran gearbeitet wird, derartig verwaltende tätigkeiten immer mehr von computern erledigen zu lassen. Noch wird sie gebraucht, auch wenn niemand berechnen könnte, welchen ertrag man aus ihrer arbeit ziehen kann.
Zitat aus dem film: » Bobs arbeit generiert 10 $ die stunde für Edgar. Und sein lohn ist 8 $ die stunde. Nachdem er den lohn von Bob bezahlt hat bleiben Edgar 2 $ für jede stunde die Bob arbeitet. Da der lohn von Bob aber niedriger ist als das gesetzliche minimum, muß er mehr bezahlen, wenn er ihn weiter beschäftigen möchte. Wenn Edgar den lohn von Bob auf das neue minimum erhöht, bekommt er immerhin noch 1 $ gewinn für jede stunde, die Bob für ihn arbeitet. Obwohl Edgar bei einem mindestlohn von 9 $ weniger verdient als bei einem von 8 $, ist ein kleiner gewinn besser als gar keiner. Also bekommt Bob die lohnerhöhung.«
Bob arbeitet produktiv, das kann man kaum abstreiten. Trotzdem ist es unmöglich, auszurechnen, wie hoch der profit wäre, den er generiert.

Seine arbeit wird von Vicky verwaltet und durch hilfsarbeiter wie Simon unterstützt, das geht von seiner produktivität ab. Niemand weiß, wieviel eigentlich seine produktive arbeit abzüglich der hilfs- oder verwaltungsarbeiten abwirft.

Vielleicht wäre seine arbeit ohne den armen Simon, der ihm zuarbeitet, nichts wert, weil sonst das material, das er verarbeiten soll, verrotten würde, wenn niemand die kisten, die angeliefert werden, schleppen würde. Simon hat seinen job nicht, weil er so sagenhaft billig arbeitet, sondern, weil seine arbeitskraft benötigt wird. Kein kapitalist, der halbwegs bei trost ist, stellt irgendjemanden ein, weil er einfach billig zu haben wäre.

In Deutschland werden dumpinglöhne sogar staatlicherseits subventioniert. Dennoch stellt niemand drei fachkräfte oder fünf hilfsarbeiter ein, wenn für die jeweilige arbeit nur einer gebraucht wird. Deswegen können arbeitskräfte hier zwar auf staatskosten wunderbar billig eingekauft werden. Die arbeitslosigkeit sinkt deswegen aber trotzdem nicht.

Was stattdessen sinkt, sind die lohnkosten für unternehmen. Dadurch steigt der profit.
Zitat aus dem film: »Für Simon ist das neue gesetz aber eine schlechte nachricht. Simons arbeit generiert nur 4 $ die stunde für Edgar. Der mindestlohn von 9 $ liegt 5 $ höher. Edgar würde 5 $ die stunde verlieren, wenn er Simon weiter beschäftig und den gesetzlichen mindestlohn bezahlt. Also bekommt Simon keine lohnerhöhung. Stattdessen verliert er seinen job.«
Genau so wenig wie man errechnen kann, welchen ertrag Vickys oder Bobs arbeit generiert, läßt sich ermitteln, welcher verlust durch Simons arbeit entstünde, wenn er einen lohn bekäme, von dem er halbwegs leben könnte.

Simons job ist sicher, solange er gebraucht wird. Wenn die arbeit umstrukturiert wird, so daß sie überflüssig wird, fliegt er raus.

Schluß für heute. Demnächst geht es weiter. Was unternehmer »glauben« und so.


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Samstag, 8. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 3

Fortsetzung.

Rationalisierung ist im gunde eine gute sache. An sich ist es etwas sehr gutes, wenn man in kürzerer zeit mehr oder qualitativ besser produzieren kann. Im grunde müßte sich dadurch die lebensqualität bessern. Nur ist rationalisierung im kapitalismus dazu nicht gedacht. Sie dient allein der verbesserung des profits

Und das bedeutet für die arbeiter, die nicht wegrationalisiert werden eine verdichtung des arbeitstaktes, sie müssen also mehr schaffen als vorher. Ihre arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Und die rausgeworfenen verlieren ihre lebensgrundlage.

Für beide bedeutet es keine verbesserung, sondern eine verschlechterung der lebensbedingungen.
Zitat aus dem film:»Anderswo in der stadt wird gefeiert.

Diese gruppe besorgter bürger hat es geschafft, einen gesetzlichen mindestlohn zu verabschieden. Sie waren entsetzt, daß geizige unternehmer wie Edgar es sich leisten können, so wenig an arbeiter wie Simon der neue mindestlohn beträgt 9  $ pro stunde.

Leider bedeutet das nicht, daß jeder in der stadt ab sofort 9 $ oder mehr verdienen wird.«
In den Vereinigten Staaten, wo der film entstand, gilt derzeit ein mindeststundenlohn von 7$25. Eine wohltat für die lohnarbeiter oder gar ein grund zum feiern, ist das tatsächlich nicht.

Er ist das eingeständnis staatlicherseits, daß der markt löhne, die existenzsichernd wären, nicht hergibt und viele menschen notfalls für löhne arbeiten, die ihnen nicht einmal das nackte überleben sichern.

Zitat aus dem film:»Wir haben gesehen, wie die konkurrenz um arbeitskräfte die untere grenze setzt, die Edgar an seine arbeiter bezahlen muß, die obergrenze, die Edgar für löhne bezahlen wird, liegt bei dem vorraussichtlichen ertrag, den der arbeiter innerhalb eines gegebenen zeitraums generieren wird.

Zusammengefaßt heißt das: Unternehmer werden den arbeitern nicht mehr bezahlen, als das einkommen, was sie generieren. Ansonsten würden sie geld verlieren.«
Daß die konkurrenz um arbeitskräfte den löhnen eine untergrenze setzen würde haben wir leider gerade nicht gesehen, weil die konkurrenz in den meisten fällen genau umgekehrt verläuft: Nicht die unternehmer konkurrieren um arbeiter, sondern die arbeiter um arbeitsplätze. Daß es in einigen fällen tatsächlich anders herum läuft, ist eher die ausnahme.

Die leute haben ein interesse, arbeit zu finden, um ihren lebensunterhalt zu verdienen. Damit das mit der arbeit funktioniert, sollen sie jedoch auf ihr interesse am lebensunterhalt verzichten.

Das ist die umkehrung des sinns, den arbeit für die menschen im kapitalismus hat. Es ist schlicht närrisch zu fordern, die arbeiter sollten auf ihr interesse verzichten, um ihrem interesse nachgehen zu können.

Was es mit dem ertrag, den ein lohnarbeiter generiert auf sich hat und wie ein unternehmer (oder der, den der unternehmer dafür bezahlt) den errechnet, wird es in teil 4 gehen.

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Freitag, 7. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 2

Fortsetzung.

Wollt Ihr die totale marktidealisierung? Dann hört her:
Zitat aus dem film: »Das ist Edgar, der eigentümer der fabrik. Das einzige worum er sich kümmert ist sein profit. Edgar würde seinen arbeitern gern nur einen bruchteil seiner löhne bezahlen, um mehr geld für sich zu behalten.»
Bis hier hin absolut richtig. Der einzige zweck, weshalb eigentümer etwas unternehmen, ist der profit, um etwas anderes geht es im kapitalismus nicht.

Löhne für die arbeiter stehen im gegensatz zum profit und wenn der profit möglichst hoch sein soll, was generell der fall ist, kann der lohn nie niedrig genug sein.

Doch dann folgt die abstruse umkehrung der realexistierenden zusände:
Zitat aus dem film: »Er weiß aber, daß das nicht gehen würde. Edgar steht im wettbewerb mit vielen anderen unternehmen. Sie alle brauchen ständig arbeitskräfte (hintergrundbild ›kapitalistengesichter‹ und der schriftzug ›work for me‹).«
Sicher, die unternehmen konkurrieren um die arbeitkräfte. Zum glück gibt es weltweit keine arbeitslosen, die man in konkurrenz zu den derzeit beschäftigten setzen könnte, um die löhne zu drücken.
Zitat aus dem film: »Wenn arbeiter sich entscheiden, ob sie für ein unternehmen arbeiten wollen, bedenken sie neben ihrem lohn, aber auch die arbeitsumgebung und andere rahmenbedingungen.

Wenn Edgar kein attraktives angebot macht, wird ihm keiner seine arbeibeitsleistung verkaufen, die er für seine fabrik braucht. So kommt es, daß Edgar den marktpreis an seine arbeiter zahlt, wenn auch ungern.«
Noch eine merkwürdige verdrehung dessen, was auf dem arbeitsmarkt läuft:

Arbeiter haben es nicht in der hand sich zu entscheiden, für wen oder zu welchen konditionen sie arbeiten möchten. Sie sind in der zwangslage, geld zum leben verdienen zu müssen, aus diesem grund sind sie sind so frei, die bedingungen anzunehmen, die ihnen von den fabrikbesitzern diktiert werden.

In ausnahmefällen kommt es zwar vor, daß unternehmen tatsächlich um bestimmte spezialisten konkurrieren und die entsprechend bezahlen. Im film hingegen wird so getan, als wären malocher schlechthin mangelware.

In der kapitalistischen produktion wurden jedoch alle hebel in bewegung gesetzt, ausgerechnet die arbeit zur mangelware zu machen, weshalb die leute, die auf lohnarbeit angewiesen sind, einander unterbieten müssen, um wenigstens ein bißchen geld zu verdienen und halbwegs über die runden zu kommen.

Demnächst geht es weiter mit teil 3, in dem rationalisierung und der mindestlohn zur sprache kommen werden.

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Donnerstag, 6. Februar 2014

Wenn denken hülfe - teil 1

Im blog »freiwillig frei«

– nebenher: man kann gar nicht freiwillig frei sein. Freiheit ist immer die summe der freiheiten, die einem von einer obrigkeit erlaubt werden.

Wenn keine herrschaft da wäre, die einen unterdrücken könnte und der man sich unterordnen müßte, dann käme man kaum auf die idee, über freiheit nachzudenken, dann würde man einfach das notwendige erledigen und sich danach den dingen zuwenden, die man interessant findet. Wenn »freiheit« staatsprogramm ist, wird selbst die einem aufgeherrscht, ob man sie will oder nicht und egal wofür sie nützt und ob sie einem überhaupt etwas nützt. Das nur mal so am rande –


welches mit »denken hilft« überschrieben ist, gab es vor einiger zeit ein recht drolliges video zu sehen, das den betrachter mit einigen absurditäten konfrontierte. Wer mag, kann sich den film dort ansehen. Damit das keiner muß, um meine anmerkungen dazu zu verstehen, habe ich den text mitgeschrieben.

Zitat aus dem film:»Simon ist neu in der fabrik. Wenn man ihn fragt, würde er sagen, daß er einen miesen job hat.

Er muß sauber machen und sachen durch die gegend schleppen. Er verdient nur 3 $ die stunde.

Trotzdem arbeitet Simon momentan lieber hier als woanders. Obwohl er nur wenig verdient, hat er gewisse freiheiten, die er ganz gut findet.

Nächtste woche wird er lernen, die umformmaschine zu bedienen. Das wird seine arbeit etwas interessanter machen.«
Wenn es freiheit ist, daß menschen für 3 $ die stunde ihre wertvolle lebenszeit verkaufen müssen, dann läuft man ziemlich klammerbeutelgepudert durch die landschaft, wenn man nach »freiheit« ruft. Zumindest, wenn man zu denen gehört, die ebenfalls ihre arbeitskraft verkaufen müssen, um den lebensunterhalt zu verdienen.

Einer, der zu derartigen konditionen arbeiten ginge, hätte einen monatslohn von rund 550 $, wenn man von einer fünftagewoche zu acht stunden ausgeht. Vermutlich bekäme man aus dem lager der freiheitsbefürworter zu hören, daß ohne geregelte arbeitszeiten so ein junger mann schon zu dem seinen kommen könne, denn wenn es nur die freiheit gäbe, stattdessen an 6 tagen in der woche 12 stunden zu malochen, dann bekäme er schließlich bei diesem stundenlohn den üppigen monatslohn von rund 970 $, was schon etwas völlig anderes wäre.

Zu welchem lohn auch immer der Simon in die fabrik geht, eins steht von vorn herrein fest: er tut es nicht aus »freiheitsliebe«, »arbeitswut« oder weil er versuchen würde, seinem leben durch diese tätigkeit »einen sinn« zu geben. Er ist arm: er hat im system, das durch verkauf und kauf bestimmt wird, nichts anzubieten als das bißchen arbeitskraft, das er in konkurrenz zu den vielen anderen anbieten muß, die ebenfalls in der materiellen not sind, sich verdingen zu müssen, um zu überleben.

Für sein interesse zu überleben, wird seine stelle keinesfalls interessanter, wenn er lernt »die umformaschine« zu bedienen, die tätigkeit an sich ist mit sicherheit ebenso nervtötend wie kistenschleppen und putzen.

Interessant wird seine tätigkeit, wenn er bereitwillig lernt mit maschinen umzugehen, hauptsächlich für seinen chef. Weil so unter umständen mit der zeit aus ungelernter arbeit eine angelernte arbeit wird, die eigentlich besser bezahlt werden müßte, was sie aber nicht unbedingt wird.

Für den Simon wird die stelle ausschließlich dann interessanter, wenn die lebenszeit, die er für seinen lebensunterhalt aufwenden muß, weniger wird oder eben, daß aus seiner hände arbeit nicht nur die sicherung der nackten existenz und ein dahinvegetieren, sondern ein leben wird.

Der text ist leider wieder sehr lang, weshalb ich ihn in mehreren teilen poste, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Demnächst folgt teil 2, in welchem es unter anderem um den gegensatz von lohnarbeit und profit gehen wird.

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Montag, 3. Februar 2014

Foto am montag (92)

Manchmal vermisse ich im winter, was ich im sommer gar nicht besonders leiden kann. Schmeißfliegen, beispielsweise, als gäbe es nicht ausreichend ersatz dafür.
Ist diese goldfliege (lucilia sericata) mit ihrem metallisch glänzendem körper und ihren zarten, transparent durchscheinenden, glänzenden flügeln nicht eigentlich eine klassische schönheit?

Sonntag, 2. Februar 2014

In Erinnerung

Wilde Rosen überschlugen
Tiefer Wunden rotes Blut
Windverwehte Klänge trugen
Siegesmarsch und Siegesflut.

Nacht. Entsetzen überspülte
Dorf und Dach in Lärm und Glut.
»Wasser!« Und die Hand zerwühlte
Gras und Staub in Dursteswut.

Morgen. Gräbergraber. Grüfte.
Manch ein letzter Atemzug.
Weither, witternd durch die Lüfte
Braust und graust ein Geierflug.

Detlev von Liliencron

Kampfauftrag aus München.