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Mittwoch, 15. September 2021

Hirntot in den nichdenkseiten 2

Gestern schrieb Jens Berger unter dem titel ›Infektion‹ oder ›Booster-Immunisierung‹? – eine absurde Debatte legt die Sinnlosigkeit der deutschen Corona-Politik offen in den nichdenkseiten, daß prof. dr. Christian Drosten am vergangenen freitag in seinem podcast gesagt habe, daß eine coronainfektion für doppelt geimpfte nicht nur kein problem, sondern sogar wünschenswert sei. Tatsächlich war der podcast von anfang des monats und das thema im prinzip schon abgefrühstückt, aber egal. Berger führte einmal mehr vor, was die leute von der »ich-höre-immer-nur-das-was-ich-hören-will-fraktion« drauf haben: man pickt sich ein zitat raus, reißt es aus dem kontext des eigentlich gesagten und staucht es so weit zusammen, bis es das aussagt, was einem paßt.

Christian Drosten hat folgendes gesagt
zitat prof. dr. Christian Drosten: »Also niemand kann in England im Moment sagen, ob es nicht doch noch mal einen kleinen Shutdown bestimmter Bereiche für kurze Zeit braucht, so moderierende Maßnahmen. Ich glaube aber, insgesamt besteht im Moment für England und in England die Hoffnung, dass man das [bezieht sich auf mehr als 80% impfquote] jetzt im Herbst erreichen könnte, weil eben bestimmte Dinge erreicht worden sind in Form von Immunität, sowohl durch natürliche Infektion als auch durch Impfung. Da sind wir nicht. Und ich hatte gehofft, dass wir da schon sein könnten.

Und wir müssen uns einfach klarmachen, wir werden das, was wir jetzt erreicht haben, auch wieder ein bisschen verspielen, wenn wir jetzt nicht die Gelegenheit nutzen. Denn dieses Springen über die Schwelle in die Endemizität, das hält die Vakzine auch nicht für immer für die Gesamtbevölkerung bereit. Sondern der Impfschutz wird ja auch wieder ein bisschen schlechter werden nach einer Zeit. Und natürlich kann man sagen: Gut, da muss man wieder nachimpfen.

Aber eigentlich ist es nicht das Ziel für alle Zeiten, immer impfen zu müssen. Ich glaube, dass die Mehrheit der Infektionsbiologen und Mediziner im Moment sagt: Wir müssen eigentlich die endemische Situation als eine Erkältungssituation betrachten. Das heißt, wir sind aber dann auch in der Situation, dass unser Immun-Update, also die Booster- Immunisierung, eigentlich nicht hier passiert, sondern durch immer wiederkehrende Kontakte mit dem Virus und dass die Bevölkerungsimmunität auch immer belastbarer wird, weil dann sind es hier wirklich Infektionen.

Und da kriege ich dann Schleimhautimmunität, die ortsständig ist. Da sind dann eigene T-Zellen, die dort sitzen, lokale B-Zellen, die dort lokal Antikörper machen. Also diese Infektionsimmunität, die ist auf Dauer robuster.
[hier beginnt Bergers zitat] Mein Ziel als Virologe Drosten, wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impfimmunität haben und darauf aufsattelnd will ich dann aber durchaus irgendwann meine erste allgemeine Infektion und die zweite und die dritte haben. [das spart Berger aus] Damit habe ich mich schon lange abgefunden. [hier geht Bergers zitat weiter] Und dann weiß ich, bin ich richtig langhaltig belastbar immun und werde nur noch alle paar Jahre überhaupt mal dieses Virus sehen, genau wie ich die anderen Coronaviren auch immer mal wieder sehe. [hier endet Bergers zitat] Das kann ich als relativ gesunder Erwachsener so für mich verantworten.

Es gibt andere Bevölkerungsgruppen, die können das natürlich nicht. Aber ich kann das für mich selbst, für meine eigene Gesundheit auch nur verantworten, weil ich jetzt zweifach geimpft bin. Und ich muss zugeben, ich wäre gerne auch noch ein drittes Mal geimpft.

Aber hier würde ich als Bürger dann auch sagen: Meine dritte Impfdosis geht erst mal nach Afrika. Aber leider ist es eben so, dass sich viele Leute jetzt auch nicht klargemacht haben, dass wir das nicht bevölkerungsweit im Moment machen können. Die Eigenverantwortung, die ja auch in der Politik immer so stark betont wird, können viele Leute nicht übernehmen, denn sie werden im Nachhinein, wenn sie einen schweren Verlauf durchmachen mussten, sagen: Hätte mir das jemand richtig erklärt, dann hätte ich die Eigenverantwortung anders gewählt.«
Das ist etwas völlig anderes als das, was Berger behauptet. Dann erklärt er, daß das alles nicht neu sei und »Experten, wie beispielsweise Hendrik Streeck, Alexander Kekulé oder Klaus Stöhr schon lange als Ausweg aus der Pandemie beschreiben.« Sicher, allein der doofe Drosten hat das die ganze zeit blockiert. Fakt ist, daß die herren Kekulé und Streek diesbezüglich ebenfalls schon interessengeleitet mißverstanden wurden. Dann muß Berger sich natürlich auch noch dahingehend versteigen, daß wir in wirklichkeit eine ganz toll hohe impfquote hätten. Mindestens 77%, wenn nicht mehr und überhaupt sei selbige politisch gewollt unterschätzt und im nächsten absatz sind es dann schon 80 plus prozent. Irgendwelche aktuellen quellenangaben? Fehlanzeige. Einfach nur mal so behauptet.

Wer sollte die maßnahmen länger als notwendig beibehalten wollen? Außer den figuren, die hier seit rund achtzehn monaten auf die kacke hauen und das maßnahmengegnertum als geschäftsmodell entdeckt haben, hat niemand was davon, diesen zustand länger aufrecht zu erhalten, als man muß. Die aktuelle impfquote der über zwölfjährigen liegt bei etwas über 70%.
quelle: ntv
Die Dänen scheinen ein etwas klügeres völkchen zu sein als die Deutschen, die haben vernunft walten lassen, haben die maßnahmen akzeptiert - sie hatten, im gegensatz zu dem was hier immer gern behauptet wird, einen härteren lockdown als wir - haben bei den über zwölfjährigen eine impfquote von 86% und konnten so die pandemische lage beenden.

Am schluß kommt die frage, wer durch die maßnahmen »geschützt« werden solle. Das ist doch nicht so schwer zu beantworten: die leute, die in den krankenhäusern arbeiten. Denen ist es nicht zuzumuten, daß sie wegen einer horde selbstherrlicher vollkoffer schon wieder bis zum umfallen arbeiten müssen. In Amiland sind wegen solcher figuren die kliniken schon wieder überfüllt, und es ist eine relativ gute idee, das hier zu verhindern. Ich habe keine angst, mich zu infizieren, denn es ist unwahrscheinlich, daß ich einen schweren verlauf haben würde, allerdings ist mir klar, daß ich ungeimpfte dösköppe anstecken könnte, die dann beim »training des immunsystems« auf der intensivstation verenden und das sollte man den pflegefachkräften dort ersparen. So etwas wie rücksichtnahme scheint bei den kritischen schlaubergern eher unbekannt zu sein.

Sonntag, 12. September 2021

Diskussion mit Dr. Sbaitso

Bei manchen diskussionen im internet mußte ich in den letzten monaten an den guten, alten Dr. Sbaitso zurückdenken, mit welchem ich in den frühen 90er jahren bekanntschaft machte. Allerdings war Dr. Sbaitso kein mensch, sondern ein spiel. Und zwar eins, das für die damalige zeit technisch ziemlich modern war, denn es war eine der ersten anwendungen für text-to-speech, bei denen der computer einem antworten auf fragen geben konnte und den text vom bildschirm vorlas.

Vom prinzip her funktionierte es ungefähr wie ein frage-und-antwort-spiel, bei dem man zwei leuten jeweils einen gemischten kartenstapel in die hand drückt und einer die fragen vorliest und der andere die zufällige antwort. Der unterschied war, daß man irgendwas sagen konnte und der »mensch« in der maschine imstande war, aus den eingetippten buchstaben wörter zusammenzusetzen, diese sogar vorzulesen, schlüsselwörter zu erkennen und anhand dieser aus einem paar dutzend textbausteinen eine möglichst passende antwort zu geben. Und er konnte sogar nachfragen oder einfach die klappe halten, wenn das gesagte nicht mit seiner datenbank zusammenpaßte.

Manche leute erinnern aber auch eher an den Talking Parrot, den es ungefähr zur gleichen zeit gab. Das war eine ziemlich erbärmliche computeranimation in form eines papageis, der einen über den lautsprecher dazu aufforderte, über die tastatur mit ihm zu reden. Besonders viel konnte er nicht. Es war völlig egal, was man tat. Die reaktion war stets die selbe: nach kurzer zeit kreischte er nur noch, wenn man bloß die tastatur anfaßte.

Je länger es das internet gibt, über das man mit anderen menschen kommunizieren könnte, desto mehr bekomme ich den eindruck, daß der Parrot und Dr. Sbaitso origineller waren als ich sie damals empfand, denn wesentlich mehr als deren textbausteine oder gekreisch liefern echte menschen oft kaum ab.

Sonntag, 22. August 2021

Hirntot in den nichdenkseiten

Juhu, wir können das impfen bleiben lassen, weil bringt ja eh nix. So stand es in den »Hinweisen des Tages« bei den nachdenkseiten vom 20. august
zitat André Tautenhahn: »Wenn das so ist, gilt das aber auch für ein zentrales Argument der Impfkampagne, das immer wieder vorgetragen wird. So wird behauptet, man würde mit der Impfung auch diejenigen schützen, die sich selbst nicht impfen lassen können, also zum Beispiel Kinder unter 12 Jahren, für die es keinen Impfstoff gibt. Nimmt man nun Drosten beim Wort, kann dieser Personenkreis gar nicht durch eine Impfung der anderen geschützt werden. Es ist also letztlich egal, wie hoch die Impfquote ist. Folglich ist es dann auch unverhältnismäßig, in besonderer Weise die Handlungsfreiheit von Ungeimpften mit Verweis auf die Gefährdung anderer einzuschränken. Schließlich ändert die Impfung daran nichts. Es bleibt dabei. Die Impfung bietet nur einen Eigen-, keinen Fremdschutz und wer sich selbst gefährden will, darf das nun einmal tun.«
Sicher darf man sich selbst gefährden, wenn einem der sinn danach steht. Aber, ich weiß, daß ich mich zum so-und-so-vielten male wiederhole, noch mal: wenn es um ansteckende krankheiten geht, gefährdet man grundsätzlich andere, die vielleicht nicht erpicht drauf sind, im schlimmsten fall auf dem friedhof zu landen. Somit ist das, was herr Tautenhahn schreibt allein aus diesem grund fragwürdig.

Bezug nimmt er auf einen text von RP-Online, in welchem prof. dr. Christian Drosten wie folgt zitiert wird
zitat: »Der Plan einiger Menschen, durch eine vermeintliche Herdenimmunität bei einer Impfquote von rund zwei Dritteln der Bevölkerung indirekt geschützt zu werden, gehe wegen der hochansteckenden Delta-Variante nicht mehr auf. „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren, und das vielleicht schon in diesem Winter.“ Zu bedenken sei, dass das Infektionsrisiko für Ungeimpfte in diesem Herbst und Winter auch deswegen steige, weil aufgrund der hohen Impfquote dann täglich mehr Neuansteckungen zugelassen würden als noch im vorherigen Winter. Hinzu komme, dass Geimpfte einige Zeit nach der Impfung das Virus sehr wahrscheinlich weitergeben könnten, auch ohne dabei selbst zu erkranken.«
Leider weiß ich nicht, worauf der text von RP-online sich bezieht, denn ich habe das originalinterview nicht gefunden. Aber ich würde meine altersrente drauf verwetten, daß Christian Drosten nicht gesagt hat, daß »Geimpfte einige Zeit nach der Impfung das Virus sehr wahrscheinlich weitergeben«. Das hört sich an, als würde die impfung an sich ansteckend machen und das war mit sicherheit nicht gemeint. Ich bin sicher, daß gemeint ist, daß geimpfte nach infektion das virus sehr wahrscheinlich weitergeben könnten. Das ist etwas völlig anderes. Warum dies abgrundtief dumme offenbar absichtliche mißverstehen von information?

Auch scheint es sehr schwer zu sein, einen text auch wirklich zu ende zu lesen, da steht nämlich
zitat: »Durch ein selbsttätiges Auslaufen der Pandemie verschont zu bleiben, darauf könne niemand hoffen, erläuterte Drosten. Die Impfung sei aufgrund der Delta-Variante keine primäre Frage des Gemeinschaftsschutzes. Es gehe jetzt vielmehr darum, sich selbst zu schützen.«
Wenn eine impfung keine primäre frage des gemeinschaftsschutzes ist, kann sie durchaus aber einen sekundären schutz darstellen. Die grippeimpfung bietet auch keine herdenimmunität und trotzdem kann man gefährdete personen in seinem umfeld schützen, indem man sich impfen läßt, denn wenn man das eigene infektionsrisiko durch die impfung senkt, sinkt damit auch die wahrscheinlichkeit, andere anzustecken. Was ist daran so schwer zu begreifen?

Bei der WHO findet man dazu folgendes
Bildquelle: WHO
Da steht geschrieben, daß die impfung keinen vollen schutz bietet und es zu durchbruchinfektionen kommt, jedoch wenn mehr menschen geimpft sind, weniger leute in kontakt mit dem virus kommen. Dort findet man auch weitere informationen zur impfung in einfachem Englisch.

Es ist also keinesfalls egal, wie hoch die impfquote ist, denn je höher die ist, desto weniger chancen hat das virus sich auszubreiten. Sicherlich sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen möchte oder lieber nicht. Wenn man die eingrenzung des virus allerdings als gesamtgesellschaftliche aufgabe betrachtet, muß jeder einen beitrag dazu leisten und da steht es einem frei, ob man das tut, indem man sich impfen läßt oder ob man weiterhin mit gewissen einschränkungen leben möchte. Man kann nicht erwarten, daß andere für einen das impfrisiko eingehen und es gleichzeitig in kauf nehmen, daß die leute, die da kein bock drauf haben, das virus frei weiterverbreiten können.

Dieses doofe gejammer von der »unverhältnismäßigkeit der einschränkungen der handlungsfreiheit von ungeimpften« muß aufhören. Von erwachsenen menschen sollte man erwarten dürfen, daß sie imstande sind, entscheidungen zu treffen und dann mit den daraus resultierenden konsequenzen zu leben.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Das Goldene Brett 2020

Auch in diesem jahr wurde wieder das goldene brett verliehen. Wie immer gab es drei nominierte und eine preisverleihung für das lebenswerk.

Leider kann ich das video der presverleihung nicht hier einbinden, man kann es aber auf der webseite des Goldenen Bretts anschauen. Nominiert waren Attila Hildman (die laudatio für ihn hielten die Hoaxillas) Michael Ballweg und Sucharit Bhakdi. Gewonnen hat letzterer. Den preis für das lebenswerk erhielt Ken Jebsen.

Weil der preisträger gesagt hat, man solle Mozart singen, will ich das jetzt mal tun: musik!

Mittwoch, 22. Juli 2020

Bescheuerte meldung

Erstaunt hat mich, was ich auf der offiziellen internetseite der stadt Krefeld fand:
Zitat internetseite der stadt Krefeld: »Montag, 6. Juli

27 Krefelder aktuell mit Corona infiziert

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Krefeld im Vergleich zum Freitag um drei Fälle gestiegen: Aktuell (Stand: Montag, 6. Juli, 0 Uhr) sind 27 Personen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der bisher insgesamt positiv Getesteten in Krefeld beträgt nun 674 (Freitag 668), die Zahl der Genesenen liegt bei 624 (622). Obwohl es laut Feststellung des städtischen Fachbereichs Gesundheit keinen neuen Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19 zu verzeichnen gibt, muss die Zahl der Verstorbenen systemrelevant um einen Fall auf nun 23 heraufgesetzt werden, um die Statistik an die des Robert-Koch-Institutes anzupassen. Grund ist, dass Personen, die einmal positiv auf das Coronavirus getestet wurden und später versterben grundsätzlich in dieser Statistik aufgeführt werden. Im vorliegenden Krefelder Todesfall galt die Person (mittleren Alters und mit multiplen Vorerkrankungen) nachdem es mehrfach negative Testergebnisse gab inzwischen seit längerem als genesen.«
Was ist das für eine bekloppte meldung? Sind die denn komplett pleed? »Multiple vorerkrankungen« hat man doch schon, wenn man z.b. allergiker ist und, weil die kombination so beliebt ist, dazu noch asthma hat. Da hat man ohnehin schon probleme mit der atmung, die aber ganz gut behandelbar sind und mit denen man leben kann. Es ist aber vorstellbar, daß es problematisch werden könnte, wenn dann zusätzliche lungen- oder herzprobleme als folge einer coronainfektion hinzukommen, die bisher nicht richtig behandelbar sind.

An sich müßte es sich mit der zeit doch rumgeschwiegen haben, daß SARS-CoV-2 heimtückisch ist und »infiziert« nicht das selbe ist wie »erkrankt« und »genesen« nicht das selbe wie »gesund«. Seit monaten gibt es berichte darüber, daß menschen, die als von corona genesen gelten, sich teilweise auch noch monate später alles andere als gesund fühlen. Im übrigen glaube ich nicht, daß das RKI menschen, »die einmal positiv auf das coronavirus getestet wurden und später versterben grundsätzlich in dieser Statistik« aufführen würde - wer 2020 infiziert war und 2025 von einem laster überrollt wird, kommt wahrscheinlich eher in die statistik für verkehrstote.

Auch wenn man covid-19 nicht mit der grippe vergleichen sollte: die zahl der jährlichen grippetoten wird nicht durch virustestungen ermittelt, sondern durch schätzungen und wer sich, weil er durch grippe geschwächt ist, eine bakterielle lungenentzündung einfängt (das grippevirus selbst befällt, im gegensatz zum coronavirus, die lunge nicht) und dran stirbt, gilt trotzdem als grippetoter. Wahrscheinlich, weil das dann die folgen der grippeerkrankung sind.

Aber vermutlich halten die in Krefeld es auch für »systemrelevant«, wenn dort demnächst auch noch ein fahrradschlauch platzt.

Sonntag, 12. Juli 2020

Princess of science

Als ich neulich davon hörte, daß es seit einiger zeit im kinderfernsehen eine wissenschaftssendung für mädchen gibt, mußte ich natürlich gleich in der mediathek danach suchen und sie anschauen, denn es ist durchaus eine gute idee, wenn auch mädchen sich für wissenschaft interessieren. Inzwischen habe ich mir alle folgen, die es bisher gibt, angeschaut. Zu weiten teilen nicht uninteressant und keineswegs das dümmste, was man in der ZDFmediathek finden kann.

Aber ein paar sachen fand ich so ärgerlich, daß ich erst einmal eine möhre essen mußte. Beispielsweise die auswahl der themen, nämlich handy, mode, sport, tiere, tanz und musik, farbe, kosmetik. Sicherlich sind das dinge, für die sich viele mädchen interessieren. Nur irgendwie hätte mir das meiste davon in dem alter, als ich zur zielgruppe der sendung gehörte eher nicht sonderlich gefallen. Dieser ganze rosa pferde-, balletmädchen- und prinzessinenkram hätte mich ganz grauslig genervt - und das tut er auch noch heute. In der folge »farbe«, die in der mediathek vorab zu sehen ist und die am nächsten samstag ausgestrahlt wird und die die einzige folge war, die mich interessiert hat, erklärt Johanna sehr schön, wie die farbwahrnehmung im auge zustandekommt. Und es wird ein regenbogen zusammengesetzt, in welchem anstatt violett rosa zu sehen ist. Magenta ist nun leider eine farbe, die im regenbogen tatsächlich nicht vorkommt. Und als wissenschaftliche erklärung, weshalb man mit licht aus grün und rot gelb mischen kann, das mit dem tuschekasten hingegen nicht gelingt, muß die erklärung reichen, daß stoffe gemischt werden und nicht das licht selbst. Da wäre schlauer gewesen, darauf hinzuweisen daß es additive farbmischung gibt, wie man sie in beim regenbogen oder auch am bildschirm sieht und subtraktive farbmischung, mit der man es zu tun hat, wenn man bilder mit dem farbdrucker druckt oder mit wasserfarben auf papier malt. Ich denke schon, daß man kindern derartige informationen zumuten kann, die sind schließlich nicht blöd. Jedenfalls nicht alle. 

Vielleicht leistet diese sendung einen beitrag, daß mädchen, deren lieblingsfach physik oder etwas anderes naturwissenschaftliches ist, endlich mal ernst genommen werden. Das ist ein gesellschaftliches problem: die weiber haben gefälligst gut in religion (eine katastrophe, daß das überhaupt ein schulfach ist), Deutsch, sport, musik und höchstens noch biologie zu sein - und das sollte sich wirklich ändern. An meiner schule gab es für technisch interessierte das wahlpflichtfach informatik, wo man natürlich nicht wirklich informatik lernte, sondern ein bißchen BASICprogrammieren. Es gab zwölf plätze, tatsächlich hatten genau zwölf schüler dies fach gewählt - alles prima. Einer jedoch wurde abgelehnt, so fand der kurs mit elf leuten statt. Fehlte dem abgelehnten schüler das logische denken, das die anderen hatten, er aber nicht? War er schlechter in mathe und physik als die anderen? Nein, ihm fehlte allein das wichtigste, was man für das programmieren schlechthin braucht: ein penis. Der zwölfte war nämlich eine schülerin. Dem mädchen wurde vorgeschlagen, daß es doch lieber zum maschinenschreibekurs gehen solle. Klar: jungs werden später einmal ingenieur, mädchen tippse, die haben den kopp nur, um ihn zum friseur zu tragen.

Um mit diesem dreck aufzuräumen, wäre es sicherlich gut, wenn es in diesem format oder einem ähnlichen weitere folgen geben würde - nur, BITTE, etwas weniger klischeebehaftet, das nervt absolut. Man sollte mädchen aus diesen klischees rausholen, anstatt sie da auch noch weiter reinzustecken.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Immunitätsausweis

Seit monaten wird darüber diskutiert, ob es wegen corona »immunitätsausweise« geben soll. Wozu eigentlich diese debatte? Gibt es doch längst - ich zumindest habe schon immer so ein ding, auf dem sinngemäß »internationale bescheinigungen über impfungen nach dem Bundesseuchenschutzgesetz« draufsteht und in das nicht nur impfungen, sondern auch antikörpertests nach überstandenen infektionen eingetragen werden können. Allerdings dürfte es kein übermäßig schlauer plan sein, menschen immunität für eine krankheit zu bescheinigen, von der bisher niemand weiß, ob und wie lange man dagegen überhaupt immun sein kann.

Mittwoch, 1. Juli 2020

Währungsreform 1990

Zur erinnerung an die »währungsunion« noch mal mein artikel von vor fünf jahren:

An die währungsunion am 1. juli 1990 kann ich mich noch recht gut erinnern. Damals wurde vornehmlich von westlichen politikern propagiert, daß sich das wirtschaftswunder nach der währungsreform von 1948 dann in der DDR wiederholen würde, wenn sie da »drüben« möglichst schnell die DM bekämen. Man erinnere sich an Kohls »blühende landschaften (…), in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt«.

In meinem jugendlichen leichtsinn habe ich das damals nicht geglaubt. Ich fürchte, ich habe recht behalten. Im Januar 1990 gab es in der DDR 7.440 arbeitslose. Deren zahl sich bis juni auf 142.096 deutlich erhöht hatte. Nach der währungsunion beschleunigte sich der anstieg rasant, mitte juli waren es schon 220.000 arbeitslose und zur »wiedervereinigung« im oktober 537.800 - dazu kommen ab juli 500.000 kurzarbeiter, bis ende september hatte deren anzahl sich auf 1.771.576 erhöht.

Das lag nicht an der maroden wirtschaft der DDR, die zwar technisch dem westen hinterherhinkte und sanierungsbedürftig war, aber immerhin stark genug war, 40 % der hergestellten güter zu exportieren. Es lag am politischen willen der Bonner Regierung, den realsozialismus auf Deutschem boden mit einem schlag zu zerstören und da mußten möglichst rasch unumkehrbare tatsachen geschaffen werden, koste es was es wolle. Die wirtschaftlichen interessen der bürger der DDR, deren wirtschaft zu retten gewesen wäre, waren dabei egal. Die pläne gab es, jedoch fehlte der politische wille, sie umzusetzen.

Mit einführung der DM war die wirtschaft der DDR von einen tag auf den anderen wettbewerbsunfähig. Der handel zwischen der BRD und der DDR wurde im verhältnis 1 : 4 abgewickelt. Dadurch waren die produkte aus der DDR auch im westen konkurrenzfähig, weil sie unschlagbar billig waren, damit war mit einführung der harten währung schluß: die preise stiegen mit der währungsunion um ca. 350 %, damit waren sie auch für die ehemaligen handelspartner im RGW-raum unerschwinglich. So drohte bereits im Juli 1990 mehr als 90 % der unternehmen in der DDR die zahlungsunfähigkeit.

Die wirtschaft der DDR, die nach 40 jahren realsozialismus nicht ruiniert war, hat der Oggersheimer in nur einem sommer geschafft.

Samstag, 6. Juni 2020

Mach’ mal pause, Europa!

Sonneborn zum thema urlaub:

»Bahnen Sie und Ihr lächerlicher rucksack doch einfach der nächsten zoonose den weg, indem Sie in total unberührtes abenteuerland vordringen, in galaxien, die noch nie ein mensch zuvor gesehen hat. Für 19€90.«

Sonntag, 1. März 2020

Impfpflicht

Was in Deutschland die »Heute Show« ist, heißt in unserem kotelettförmigen, südöstlichen nachbarland »Gute nacht Österreich«. Eine der besten sendungen im Deutschsprachigen fernsehen.

Weil ab heute in Deutschland die impfpflicht gegen masern gilt, ein video dazu.
Endlich erfahren wir, warum nach dem impfen der arm weh tut. Peter Klien zum impfen:


Zitat Peter Klien:»... eine impfpflicht bedeutet, daß die einen sich gegen masern, mups oder tetanus impfen lassen und die anderen gegen ihren willen.«
Die sendung »Gute Nacht Österreich« gibt’s übrigens erst seit vergangenem september, aber man kann das durchaus als Beösterreichrung der medienlandschaft bezeichnen. Die witze über Österreichische politiker versteht man als außenstehender natürlich nicht immer, aber man kann die lacherquote extrem schnell steigern. Wenn man ab und an ein paar Ösizeitungen liest, kennt man die figuren, um die es geht, relativ schnell. Aber auch ohne das alles ist die sendung sehenswert.

Freitag, 13. Dezember 2019

And the winner is...

Keine große überraschung: das Goldene Brett geht an die firma Hevert.


Goldenes Brett 2019

Heute abend wird wieder das Goldene Brett verliehen und schon wieder habe ich es verschlafen, meinen kandidaten rechtzeitig zu nominieren.

Mein kandidat wäre die Deutsche Bundesregierung gewesen. Zwar hat die wenigstens mal drüber nachgedacht, den beruf des heilpraktikers abzuschaffen, wie Panorama ende oktober berichtete.

Lustige tatsache ist jedoch, daß man bis heute im kurs.net der Bundesirrenagentur heilpraktikerkurse auf bildungsgutschein findet. Die »ausbildung« für diesen beruf wird also nicht nur nicht abgeschafft, sondern sogar auch noch staatlich gefördert. Die kosten für so eine ausbildung belaufen sich von ca. 2.500€ bis über 20.000€. Man kann die »ausbildung« auch bequem im fernstudium von zu hause aus machen, man muß nur zu einem Präsenzseminar á 20 Stunden (2,5 Tage) zur Vermittlung von Kenntnissen in Anamnese, Untersuchungsmethoden und Injektionstechniken. Die Seminargebühren sind in den Studiengebühren enthalten antanzen. Das hört sich nach einer fundierten ausbildung an. Muß es wohl auch sein, gibt’s schließlich auf bildungsgutschein. Im gegensatz zu meisterkursen.

Übrigens benötigt man keinen dieser kurse, um zur heilpraktikerprüfung auf dem gesundheitsamt zugelassen zu werden. Man benötigt bloß einen schulabschluß (hauptschule reicht), ein sauberes polizeiliches führungszeugnis, ein ärztliches attest über die gesundheit und man muß über 25 jahre alt sein, irgendwelche ausbildungsnachweise sind unnötig. Möchte man die prüfung für einen gesellen-, facharbeiter- oder kaufmannsgehilfenbrief ablegen, ist es zwingend vorgeschrieben, ausbildungsnachweise vorzulegen und wenn man das dritte mal durchgefallen ist, ist schluß. Die heilpraktikerprüfung darf man so oft wiederholen, wie man möchte.

Die prüfung zum heilpraktiker gilt unter den anwärtern als »anspruchsvoll«. Angeblich bräuchte man dafür ein halbes medizinstudium. Stellt sich die frage, weshalb man mit einem halben medizinstudium in einer eigenen praxis auch schwerstkranke behandeln, mit einer halben frisörlehre aber keinen eigenen salon betreiben darf, dafür benötigt man eine abgeschlossene lehre und einen meisterbrief. Die prüfung besteht aus einem ankreuztest und einer mündlichen prüfung. Man muß sechzig fragen in hundertzwanzig minuten beantworden. Vor einigen jahren habe ich mir mal die mühe gemacht, mich durch einige dieser ankreuztests durchzuklicken. Um es vorwegzunehmen: ich wäre durchgefallen. Man muß nämlich mindestens 75% der fragen richtig beantworten und ich habe nur ca. 60 bis 65% geschafft. Das lag unter anderem daran, daß ich mich mit medizinischer terminologie nicht unbedingt perfekt auskenne und somit etliche fragen gar nicht verstanden habe und dann einfach irgendwas angekreuzt habe, mit ein bißchen vokabeln üben könnte ich meine trefferquote sicherlich steigern. Außerdem hat mein viertelmedizinstudium nur aus einem Rotkreuzkurs, den ich für die zulassung zur führerscheinprüftung brauchte, bestanden.

Warum ist sowas erlaubt?

Die Bundesregierung hätte für die staatlich geförderte quacksalberei das Goldene Brett verdient, jedoch war sie nicht nominiert. Vielleicht im nächsten jahr.

Freitag, 15. November 2019

Unter 25: impfpflicht statt sanktionen

Sicherlich kein grund zum jubeln, aber immerhin war es gestern eine halbwegs gute nachricht, daß das JobCenter bis auf weiteres keine sanktionsbriefe mehr an unter 25jährige verschicken will und daß jetzt sanktionierte maximal auf 30% sanktioniert werden. Das ist überhaupt nicht toll, denn es ist ein problem, daß leute überhaupt so leben müssen. Aber die taube auf dem grill ist manchmal besser als der spatz unterm dach.

Anderes thema. Im grunde ist es blöd, daß der Bundestag gestern eine impfpflicht gegen masern beschlossen hat. Es wäre besser, wenn das nicht notwendig geworden wäre, weil zu wenige eltern ihre kinder ausreichend impfen lassen, weil sie das impfrisiko als zu hoch einschätzen und sie denken, es sei überhaupt sei ihre eigene sache, ob sie, bzw. ihre kinder krank werden.

Bei der pockenimpfung, die meine generation pflichtmäßig verabreicht bekam, war das impfrisiko erheblich höher und ich war nach der impfung richtig krank. Und es war völlig normal, daß man hinterher pockennarben an den impfstellen hatte. Die krankheit konnte ausgerottet werden. Wären die menschen unter anderem in Deutschland vernünftiger, hätte man die impfpflicht gegen marsern nicht einführen müssen, womöglich wäre die impfung inzwischen überflüssig. Das ziel der WHO war, Europa bis 2010 masernfrei zu kriegen. Auf freiwilliger basis hat das offensichtlich nicht funktioniert.

Kleine geschichte zum impfen: ca. mitte der 90er jahre erzählte mir ein typ von der uni, den ich für einen besonders kritischen und schlauen menschen hielt, daß impfen insgesamt mehr schaden anrichten würde als nützen, weil in den impfstoffen schwermetalle und giftstoffe aller art enthalten wären, was viel schlimmer krank mache als der nutzen des impfens wäre. Im grunde das ganze programm, das sogenannte »impfkritiker« heute noch drauf haben.

So beschloß ich, die impferei sicherheitshalber bleiben zu lassen. Viel zu gefährlich. Einige zeit später war ich bei einem facharzt, der mich nebenher fragte, ob ich gegen röteln geimpft sei. Nö, war ich natürlich nicht. Schließlich hatte ich die röteln gehabt. Um das zu beweisen habe ich einen bluttest machen lassen. Der ergab, daß ich tatsächlich antikörper gegen röteln hatte, aber leider nicht genug, weshalb mir der arzt die impfung empfahl, damit ich ganz sicher nicht krank werde. Ich war der auffassung, daß es gefälligst meine eigene sache ist, ob ich krank werde oder nicht, woraufhin der doc meinte, daß ichs mir bis zum nächsten termin überlegen solle, ob ichs verantworten kann, andere anzustecken, darunter vielleicht auch eine schwangere, die dann womöglich ein krankes kind oder eine fehlgeburt kriegt. Da mußte ich nicht lange nachdenken, sondern habe mich lieber gleich impfen lassen, denn daß andere im schlimmsten fall sterben, erschien mir als ein höheres risiko als die impfung.

Bei infektionskrankheiten kann man nicht allein für sich selbst entscheiden. Wenn man erkrankt, läuft man als bazillenschleuder rum und schädigt andere, die dagegen nicht geimpft werden konnten oder wegen krankheit ein schwaches immunsystem haben.

Freitag, 11. Oktober 2019

Britischer käse

Im grunde könnte man die Briten fast beneiden. Sie haben das ziel der PARTEI »inhalte überwinden« mit der abstimmung über den Brexit bereits hinbekommen. Nur leider wurde dort der inhalt mit tumbem nationalismus überwunden. Bloß kein geld mehr für die EU ausgeben, sondern lieber in die nationale sache investieren. Egal, was die nationale sache überhaupt sein soll und egal, woher die kohle ohne handelsabkommen mit der EU herkommen soll.

Allerdings möchten die Schotten eher in der EU bleiben und eventuell aus Großbritannien austreten. Darüber schrieb die jungewelt am 10 oktober 2019:
Zitat Jörg Kronauer:»Eine Abspaltung Schottlands würde die britische Regierung, die dann nur noch eine englische wäre, empfindlich schwächen; der deutschen Machtentfaltung in Europa stünde, so der machtpolitische Grundgedanke, ein starker Rivale weniger im Weg.«
Hä? Ohne Schottland wäre die Britische regierung nur eine Englische? Meines wissens besteht Großbritannien derzeit aus England, Nordirland, Schottland und Wales. Natürlich sollte GB möglichst zusammenbleiben.

Britischer käse aus Snowdonia.
Den müssen die Briten nach dem no-deal-brexit dann wohl selbst essen.
Schade eigentlich.
Nationalistisch wurde für den austritt aus der EU gestimmt, das zeigt sehr schön, was hier los wäre, wenn sich der anti-EU-kurs der AfD durchsetzen würde. Warum sollen dann die Schotten nicht ebenfalls nationalistisch für die trennung von GB und den verbleib in der EU sein?

Die Briten sollten sich von diesem bekloppen Bus-Trump keinen harten brexit aufdiktieren lassen - und bevor das land auseinander fällt, sollten sie lieber noch einmal abstimmen ob sie wirklich aus der EU austreten wollen. Die EU ist, so wie sie ist, blöd. Aber besser als zollstreit und handelskriege.

Nein, eine weitere abstimmung wäre nicht »das volk abstimmen lassen, bis das ergebnis stimmt«. Es wäre eher eine abstimmung darüber, ob das sinnvoll ist.

Mittwoch, 6. März 2019

Tradition und kultur geht in Deutschland mal wieder kaputt

Nach Kramp-Karrenbauers krampfwitz über intersexulle menschen meinte die transidente buchautorin Katharina Hören im Tagesspiegel:
»Auch ich habe nichts gegen Witze über inter- und transsexuelle Menschen. Wir sind ja auch nicht spaßbefreit und lachen gerne, gerade an Karneval sind wir solche Sprüche gewohnt. Doch wenn jemand Witze macht, müssen die gut sein. Der von Kramp-Karrenbauer war aber ganz und gar nicht gut.«
Gute witze und karneval? Habe ich irgendwann irgendwas verpaßt? Bisher hatte ich den immer den eindruck, daß im karneval die witze immer zäh wie scheibenkleister sind und die leute deshalb immer besonders viel schmerzmittel benötigen, weil man das ohne überhaupt nicht ertragen könnte.

Kramp-Karrenbauer verteidigte ihren »witz«:
»Wenn wir da so verkrampfen, wie wir es in den letzten Tagen getan haben, dann geht ein Stück Tradition und Kultur in Deutschland kaputt und das sollten wir nicht zulassen.«
Geradezu als wäre das witze reißen im karneval etwas anderes erzwungenes gedöns. Aber wenn’s dann schon um tradition geht: traditionell war der karneval dafür gedacht, daß sich das volk über die obrigkeit lustig macht - und nicht umgekehrt.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Neue weltrettungsdiät

Forscher haben herausgefunden, mit welcher diät man nicht nur das universum, den planeten und den ganzen rest retten kann, sondern auch sich selbst.

Folgendes soll man täglich essen: 300g gemüse, 250g milchprodukte, 232g vollkornprodukte, 200g früchte, 125g (wal)nüsse und hülsenfrüchte, 50g fette und öle, 50g kartoffeln, 32g zucker (läßt sich nicht so genau ablesen in der grafik) 29g hühnchen, 28g fisch, 14g rotes fleisch, 13g eier.

Da wirft sich die frage auf, weshalb zucker eigentlich für die ernährung notwendiger sein soll als ei, rotes fleisch, fisch oder hühnchen. Im grunde müßte man überhaupt keinen zucker essen, denn an kohlenhydrate kommt man auch auf anderem wege - die kommen schließlich in allen lebewesen vor.

Nüsse soll man essen. Walnüsse. Was denn nun? Nüsse oder walnüsse? Die früchte der walnuß sind botanisch gesehen keine nüsse, sondern steinfrüchte und das zeug, das vom menschen gegessen wird, ist das innere des steins, genau so wie bei mandeln, die ebenfalls keine nüsse sind. Nüsse hingegen sind beispielsweise die lustigen kleinen dingerchen, die außen auf den erdbeeren sitzen, kein witz. Keine ahnung, wie viele man von denen bräuchte, um die 50g an nüssen, die man täglich essen soll, voll zu kriegen. Dafür benötigt man sicherlich einen recht großen erdbeerberg.

Im verlinkten Zeitartikel wird gefragt »Wie viel Ei sind 13 Gramm?« Ist doch ganz einfach. Ungefähr ein halbes döschen störrogen. Fischeier sind auch eier - und da kommt es dann auf die qualität an, wie viele es sind. Es ist nicht bekannt, ob das schon mal irgendjemand abgezählt hat. Ansonsten sind 13 gramm ei geringfügig mehr als ein wachtelei. Wachteleier wiegen ca. 8 bis 12 gramm, das bißchen weniger wird wohl niemanden umbringen. Und weil wir am tag 29g hühnerfleisch essen dürfen und eine ordentliche bratwachtel ca. 80g auf die waage bringt, kann man jeden zweiten tag so einen miniaturbroiler essen - wiegt zwar ein klein wenig mehr, das gewicht enthält aber auch knochen und die zählen nicht.

Netter speiseplan, der echt voll ausbaufähig ist, wenn man nur ein klein wenig fantasie hat. Die welt wird das allerdings genau so sehr retten wie christliche fastengebote oder veganismus.

Samstag, 27. Oktober 2018

Aua, brennessel!

Deutschlandfunk Kultur mal wieder. Sarah Wieners grandiose speisekammer. Sie meint, daß beste, wo gibt, wären brennesseln. Und was wird auf dem bild gezeigt?
Natürlich keine brennessel, sondern die weiße taubnessel, die nur so tut als wäre sie eine brennessel, aber ansonsten weitgehend harmlos ist. Echte brennesseln sehen so aus:
Es läge mir natürlich fern, zu behaupten, daß frau Wiener taubnesseln nicht von brennesseln unterscheiden könnte. Das bild hat sie wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht.

Und dann wird es drollig:
Zitat Sarah Wiener:»[...]Pflücken Sie nichts, wo [...] Felder gedüngt [...] sind.«[...]
Dem weniger naturromantisch veranlagten menschen sind brennesseln, bitte was?

Zeigerpflanzen für sticktoffreichen boden. Das bedeutet, sie wachsen nur dort, wo ordentlich gedüngt wurde. Womit auch immer. Die sind immer lecker nitratbelastet.

Im fall der von taubnessel und brennessel sind zwei theoretisch eßbare pflanzen miteinander verwechselt worden. Wenn man allerdings pastinak und schierling, dessen wurzeln ebenfalls mild schmecken sollen, verwechselt, begeht man einen fehler, den man unter umständen nicht mehr korrigieren kann. Wenn selbst beim öffentlich-rechtlichen rundfunk, bei dem man zumindest meinen sollte, daß da fachkompetente menschen in der redaktion sitzen, solche verwechslungen passieren, kann ich botanisch unkundigen nur dringend abraten, irgendwelche wildpflanzen zu essen.

Und aus eigener erfahrung kann ich dazu sagen: die meisten eßbaren wildpflanzen sind das risiko, sich zu vergiften definitiv nicht wert - sie schmecken alle eher besch...eiden.

Sonntag, 12. August 2018

Schlagzeile der woche

Jetzt durften wir endlich erfahren, was uns seit jahren brennend interessiert hat: »Angela Merkel trägt ihre Einkaufstaschen selbst«.

Das sind die fragen, die die welt bewegen: beschäftigen politiker koffer- bzw. einkaufstaschenträger, oder sind sie bereit, sich der schweren aufgabe des einkaufstütenselbertragens zu stellen?

Weitere probleme gab es offenbar nicht.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Kommunikative oberflächlichkeit!

Vierter teil meines artikels »Der computer ist schuld!« hier geht es zum anfang
Zitat Werner Seppmann: »Alle Untersuchungen, die sich mit den sogenannten "Neuen Medien" beschäftigen, dokumentieren darüber hinaus eine Tendenz zur kommunikativen Oberflächlichkeit, die mit einer normativen Bedenkenlosigkeit korrespondiert, wie die zunehmenden Hasstiraden im Netz zeigen.«
Das kommunikative neandertal der verblödeten. Man findet im internet an vielen stellen die ewigleich verlaufenden diskussionen, in denen immer die selben sprüche kommen. Im grunde also kaum etwas anderes, als wenn man mit seinen kollegen mittags in die kantine geht und dort jeden tag auf die gleiche art geblödelt wird, weil die themen immer die gleichen sind und die tretmühle, in der man steckt, leider auch nicht täglich eine andere ist.


Oberflächlichkeit und hasstirade schließen einander jedoch aus: einem oberflächlichen menschen ist alles mehr oder weniger egal. Hass hingegen ist kein oberflächliches gefühl, wer im internet hasstiraden postet, fühlt sich in der (vermeintlichen) anonymität des internets sicher. Und so wird gepöbelt, wie am stammtisch, nur unter umständen eine spur drastischer, weil man sich anonym wähnt.
Zitat Werner Seppmann: »Die den Suchvorgängen zugrunde liegende algorithmischen Programme verstärken jedoch Mehrheitsmeinungen und verdrängen Ansichten von Minderheiten, denn als Suchergebnis wird vorrangig das präsentiert, was schon auf großes Interesse (das oft durch Einflussinitiativen stimuliert wurde) gestoßen ist. Hinzu kommt, dass die meisten Nutzer in der Regel nur die ersten beiden Einträge (die zumeist auch noch kommerzielle Schaltungen sind) zur Kenntnis nehmen. Das wird systematisch ausgenutzt. Alleine schon dadurch wird wirksam der Möglichkeit vorgebaut, dass alternative Ansichten sich in einer relevanten Intensität zur Geltung bringen können.
Es ist also gar nicht nötig, dass Inhalte verfälscht oder verzerrte und sachwidrige Behauptungen verbreitet werden. Es reicht aus, dass nur bestimmte Sichtweisen in der Vordergrund gerückt werden und kritische Sachverhalte im rauen und grauen Meer der Informationen untergehen. Eine Konsequenz dieses Informationsimperialismus ist der allmähliche Verfall eines kritischen Realitätsbildes, weil es eine wirkungsmächtige Tendenz gibt, das netzvermittelte "Wissen" (das mittlerweile fast einen Monopolstatus besitzt) für bare Münze zu nehmen. Man googelt, ohne die tatsächlich vorhandenen Informationsmöglichkeiten auszuschöpfen, lässt sich von der vermeintlichen "Vielfalt" blenden, ohne dem Aspekt der Verlässlichkeit noch besondere Achtung zu schenken.«
Das stimmt, daß algorithmen im internet bestimmen, was man findet und was nicht. Aber da ist auch der nutzer selbst gefragt: es gibt nicht nur die eine suchmaschine im internet, sondern etliche - ich benutze beispielsweise gern metager der Leibnitz Universität Hannover oder startpage. Wenn die leute aus bequemlichkeit immer dieselbe suchmaschine verwenden, ist das auch wieder kein problem der technik, sondern ein problem der menschlichen bequemlichkeit.

Demnächst weiter.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Totale zerstreuung!

Dritter teil meines artikels »Der computer ist schuld!« hier geht es zum anfang
Zitat Werner Seppmann: [...]»Worum es geht, zeigt ein einfaches Beispiel: Wer sich nur auf das Navigationssystem seines Autos verlässt, verliert schleichend seine geographische Orientierungsfähigkeit.«
Man kann nur fähigkeiten verlieren, die man irgendwann mal erworben hatte. Die meisten leute können sich gut dort orientieren, wo sie sich auskennen. In einer fremden stadt haben viele ein problem, den stadtplan zu lesen. Sicher sollte man sich nicht allein auf die technik verlassen, aber wenn man gerade nicht weiß, wo man lang muß, kann ein navigator durchaus hilfreich sein.

Diese technik ist dazu da, daß man sie an der stelle einsetzt, wo der persönliche orientierungssinn aussetzt. Natürlich kann man auch jemanden nach dem weg fragen, das setzt aber voraus, daß jemand da ist, den man fragen könnte.
Zitat Werner Seppmann: »Denken wir nur an die Auswirkungen permanenter Ablenkung, wenn ein Text mit vielen Links versehen ist. Texte mit Verweisungen auf andere Texte und Quellen, Erklärungen und Informationen - als Hypertext glorifiziert - gelten als große Errungenschaft der Internets. Der Text soll lesbarer und zugänglicher, sein Verständnis gefördert werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Entsprechende Studien zeigen, dass sowohl die Leseleistung reduziert wird, als auch das inhaltliche Verstehen abnimmt, wenn der Nutzer mit einer entgrenzten Informationsflut konfrontiert wird und er von einem Informationsangebot zum anderen springt.«
Ob links in texten tatsächlich stören, und die leseleistung (was auch immer darunter verstanden werden soll) reduzieren, kann ich nicht beurteilen. Beispielsweise in fremdsprachlichen texten finde ich es durchaus praktisch, wenn schwierige begriffe mit einer erklärung z.b. in einem lexikon verlinkt sind, mir zumindest hilft sowas durchaus für das verständnis. Links sind aber überhaupt keine erfindung der computerei, sondern kamen schon lange in gedruckten büchern vor. Damals nannte man das fuß- oder endnote.

Hypertext bedeutet doch bloß, daß man den text nicht unbedingt stur linear von anfang bis ende liest, sondern zwischendurch zu fuß- oder endnoten springt, um dann weiterzulesen. Wer sich z.b. mal mit dem Kapital befaßt hat, wird wissen, daß man sich an den fußnoten manchmal festlesen kann und man dann erstmal vom thema abweicht, an manchen stellen kann man auch erstmal bücher von anderen autoren hervorholen und darin lesen, wenn man wissen will, worauf Marx sich bezog, muß man aber nicht. Es sind einfach hinweise. Nicht anders verhält es sich mit links in texten. Da läßt die leseleistung natürlich gewaltig nach, wenn man den text nicht so schnell liest, weil man sich zwischendurch mit etwas anderem befaßt. Wahrscheinlich bin ich glatt verblödet, weil ich anstatt mich auf das Kapital zu konzentrieren, zwischendurch etwas über Malthus oder Proudhon wissen wollte. Das war widerrechtliche abschweifung.
Zitat Werner Seppmann: »Pädagogen müssen gegenwärtig mit Erschrecken feststellen, dass durch die Dominanz der Computertechnologie auch die Kulturtechnik der handschriftlichen Artikulationsfähigkeit verloren geht. Mittlerweile können schon Millionen von der Tastatur der elektronischen Apparate geprägten Kinder nicht mehr ausdauernd und leserlich schreiben.«
Ebensogut könnte man sich beschweren, daß mit der erfindung des buchdrucks die kulturtechnik des handschriftlichen bücherkopierens verloren ging.

Haben kinder heute tatsächlich größere schwierigkeiten mit der handschrift als früher? Soweit ich mich erinnern kann, haben sich schüler aller jahrgangsstufen immer darüber beklagt, zu viel schreiben zu müssen, wenn sie ein paar sachen notieren sollten und viele aufsatzhefte glichen, vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt kalligraphiebüchern. Wenn man es gelernt hat sich schriftlich zu artikulieren, ist es relativ egal, ob man dazu einen bleistift, einen kuli, eine schreibmaschine oder einen computer benutzt. In meiner grenzenlosen naivität habe ich geglaubt, daß kinder zur schule geschickt werden, damit sie dort lernen, wie man texte schreibt.

Daß die jugend verblödet, war schon den Alten Griechen bekannt, allein bei meiner generation hat es zum ersten mal auch wirklich gestimmt. Schließlich kam uns die sprache abhanden, weil wir walkmen besaßen und ständig mit kopfhörern rumliefen und uns mit bekanntermaßen verdummender popmusik zududelten, anstatt miteinander zu reden. Aber mit irgendwem mußten selbst wir über die musik, die wir toll fanden, reden. Schließlich wollten wir kassetten tauschen und manchmal mußten sogar briefe verfaßt werden, um an noch spannendere musik zu kommen. Das alles mitten im kommunikativen Neandertal ganz ohne sprache. Wobei briefe schreiben und kopfhörer aufhaben sich nun wirklich nicht ausschließen müssen.
Zitat Werner Seppmann: »Für viele ist der Smartphonegebrauch wichtiger als ein unmittelbarer Weltzugang und die personenbezogene Kommunikation geworden. An fast jedem Familientisch kann beispielsweise eine neue Form der Beziehungslosigkeit beobachtet werden, weil jeder auf das Smartphone-Display starrt und sein Gegenüber mit Missachtung straft.«
War es »beziehungslosigkeit« als man am familientisch noch die gute, alte, gedruckte zeitung las? Macht das einen unterschied, wenn man die zeitung heute in digitaler form liest? Da hat sich doch nicht viel geändert: man informiert sich über neuigkeiten - die, sofern man zeit hat, gleich diskutiert werden.

In früheren zeiten war es üblich, vor einem familiären freßgelage ein tischgebet zu sprechen. Man ließ den Herrn Jesus virtuell an der veranstaltung teilnehmen. Wenn heute zu so einem anlaß aufgetischt wird, fällt man auch nicht sofort über die speisen her, man läßt die nicht anwesenden virtuell teilhaben, indem man ihnen ein foto schickt. Das kann man blöde finden, aber ein »kommunikationskiller« muß das nun wirklich nicht sein. Man kann die bilder, die man erhalten hat, rumzeigen - und schon hat man wieder ein gesprächsthema. Wenn man sich mit den leuten, mit denen man am tisch sitzt, nichts zu sagen hat, nützt auch der verzicht auf zeitung oder smartphone nicht. Das sind auch wieder probleme, die mit der technik an sich wenig oder nichts zu tun haben.

In bälde geht es weiter.