Donnerstag, 31. Dezember 2009

Neulich auf dem Wedding

stellte ich im vorbeigehen fest, daß am Kurt-Schumacher-Haus offenbar bereits zusammen gewachsen ist, was zusammen gehört:


Montag, 28. Dezember 2009

Liebe ist, wenn es paßt...

klingt nach ZDF vorabendserienromantik, wenn der gutverdienende tierarzt die wohlsituierte rechtsanwältin trifft - es »paßt«. Mithin muß es sich um »liebe« handeln, wie die werbung einer partnerfindungsagentur einreden möchte.

Einen derartigen schmarrn kann sich höchstens ein bereits herztoter komapatient einfallen lassen, aber nur wenn er zuvor ausreichend morphium bekommen hat - oder eben ein überbezahlter werbefritze, für den das höchste der gefühle die private rentenversicherung oder die kreditwürdigkeit bei der Deutschen Bank ist. Man liebt schließlich, was einem bequem ist - und nicht etwa einen menschen, der einem liebenswert erscheint, trotz aller makel oder gar unbequemlichkeit.

Der mensch liebt die linde, weil man aus ihr lindenblütentee machen kann (anmerkung der redaktion: mutwillig gestohlen, sinngemäß). Das ist eine schöne liebe! Rational begründbar, zweckdienlich - und, was das beste ist, völlig frei von lästigen gefühlen - wenn Du mir nicht taugst, dann geh zu einem anderen!

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Diesen text habe ich vor einigen wochen zur »verwendung bei gelegenheit« geschrieben. Hinweisen möchte ich auf Roberto de Lapuentes text »züchtig züchtend«, der zwar anders gelagert ist, aber in eine ähnliche richtung zielt.

Freitag, 25. Dezember 2009

Weihnachtslied

O Tannenbaum, o Tannebaum -
sechs Zweiglein sind dein Alles.
so klein und dürr - man sieht dich kaum:
du hast in einem Stiefel Raum.
O Tannenbaum, o Tannebaum,
du Sinnbild unsres Dalles!

O Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann -
du gehts vorbei ins Weite.
Hast ein zerfetztes Röcklein an,
bringst nichts was Kinder freuen kann.
Oh Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann,
auch Dein Geschäft ist pleite.

O stille Nacht, o heilige Nacht -
in ungeheizter Stube!
Das Christkind hat sich fortgemacht.
Es schläft das Recht, die Feme wacht.
O stille Nacht, o heilige Nacht,
o Wulle und o Kube*

O Friedensfest, o Liebesfest -
in Not und Angst Millionen!
Und wer sich’s nicht gefallen läßt,
den setzt die Republike fest.
O Friedensfest, o Liebesfest -
beim Rumfutsch oder Bohnen.

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -
es hungern selbst die Flöhe.
Doch ob nach Milch der Säugling schreit,
der Stahlhelmbund steht putschbereit.
O Weihnachtszeit, o selige Zeit -
Hosiana in der höhe!

Erich Mühsam, 1925

*zwei deutschnationale

Montag, 14. Dezember 2009

Grundeinkommen für künstler, aber nur bei adäquater qualifikation

Seit heute hat die tageszeitung »Neues Deutschland« einen neuen internetauftritt, neu ist dort auch die möglichkeit, artikel direkt zu kommentieren. In einem artikel über das symposium des kulturforums der Rosa-Luxemburgstiftung wird berichtet, daß dort die forderung nach einem grundeinkommen für hochqualifizierte hervorgebracht wurde. Eine solche forderung ist absurd.


Hochqualifizierte alimentieren?

»Grundeinkommen für künstler« das klingt toll! Hört sich erstmal an wie »nie wieder existenzangst« oder gar »freiheit der kunst«.

Die erste frage, die sich aufwirft: Ist ein schlechtverdienender künstler ein förderungswürdigeres mitglied unserer gesellschaft als eine krankenpflegerin, ein koch oder ein maurer, die von ihrer arbeit oft ebenfalls nicht leben können, weil er als kulturschaffender seiten volltextet, ölfarbe auf leinwände schmiert oder die nachbarschaft mit endlosen etüden erfreut?

Die zweite frage: weshalb klassendenken und »hochqualifizierte« alimentieren? Müßte man konsequenter weise nicht eher die fördern, die keine hohen bildungsabschlüsse haben und deshalb schlechtere chancen haben? In so einem system hätte ein erzähler wie Hamsun trotzdem hungern müssen, so ganz ohne doktorwürden!

In einer gesellschaft, in der sich die »geiz-ist-geil-mentalität« durchgesetzt hat, bedeutet ein grundeinkommen für künstler, daß der kulturbereich noch mehr auf sparflamme gesetzt wird, als er schon ist. Denn wenn die leute geld vom staat bekommen, wird keiner freiwillig die idee haben, daß menschen nicht nur eine existenzsicherung sondern auch eine lebensperspektive brauchen. Die meisten menschen haben kein problem mit geld, denn geld das nicht verdient wurde, kann auch nicht falsch angelegt werden. Es besteht eher das problem, daß auch künstler gelegentlich recht gern etwas essen.

Deshalb schlage ich vor, das geld abzuschaffen. Stattdessen bekommt jeder, was er möchte und tut was er kann. Das problem hierbei wäre, daß dann auffallen würde, daß die »leistungsträger« dieser gesellschaft eigentlich nichts können, außer andere um geld zu betrügen.

Aber vielleicht findet sich ein kunsttherapeut, der ihnen helfen kann.

Freitag, 11. Dezember 2009

Friedensnobelpreisträger: »Krieg manchmal notwendig«

Sehr geehrter herr präsident und friedensnobelpreisträger,
krieg ist leider nicht nur manchmal, sondern immer notwendig, wenn das private interesse der Hecklers & Kochs, der Thyssens & Krupps, der Wegmanns und wie sie sonst noch alle heißen mögen, dahinter steht.

Die mehrheit der menschen in den vereinigten staaten, in deutschland und natürlich auch in afghanistan möchten diesen krieg nicht. Ich glaube Ihnen sogar, daß Sie den krieg ebenfalls nicht wollen. Und genau da erkennt man den wert, den unsere »westlichen demokratien« haben: nämlich keinen.


Und auf dem Sarg mit Ziegelrot
Stand geschrieben ein Reim.
Die Buchstaben sahen häßlich aus:
»Jedem Krieger sein Heim.«
brecht

Samstag, 21. November 2009

Mechthilds Albtraum

Hätte ich die entwicklungen in meiner ehemaligen heimatstadt nicht aus der ferne beobachtet, hielte ich die geschichte, die der film »Henners Traum« erzählt womöglich dem reich der Grimmschen Märchen entstiegen. Nur waren die Gebrüder Grimm, welche in der nordhessischen provinz märchen sammelten und aufschrieben mit ihren geschichten näher an der realität als die erfinder des »Schloß-Beberbeck-Resort«.

Das kann man dem filmemacher Klaus Stern nicht zum vorwurf machen. Er dokumentiert erfreulich kommentarlos den größenwahn. Jeder blamiert sich so gut er kann selbst. Ministerpräsident Koch und der Nordhessenhenner im gespräch. Es fällt die bemerkung, daß die im schloß untergebrachten demenzkranken ohnehin nicht wissen, wo sie sind. Die haben keine ahnung, daß sie im walde wohnen. Die könnte man auch auf die »kirschenplantage«, wie in Hofgeismar der wachsende müllberg, in Hofgeismar freundlich als »entsorgungszentrum« betitelt, heißt, entsorgen.

Niemand weiß, wer in den mehr als achthundert luxuriösen hotelzimmern übernachten soll. Ich vermute, daß in jedes zimmer ein hundertjahre schlafendes Dornröschen gelegt werden soll, das seinen komatösen drogenrausch ausschlafen muß. Hoffentlich ist ihre kreditkarte so lange haltbar, sonst landet sie vorzeitig in der gosse.

Wer kann sich das leisten - und wer möchte dann ausgerechnet nach hessisch sibirien? »Disneyland für reiche« mit künstlich geschaffener landschaft gibt es auf der welt genug, den Reinhardswald, wie er als kulturlandschaft ist, nur einmal. Ich kann mich daran erinnern, daß die stadt Hofgeismar einst ferienheime hatte. Man konnte dort nicht jedes jahr urlaub machen, weil es nicht darum ging, wer sich die unterkunft dort leisten kann, sondern möglichst vielen menschen gelegentlich eine ferienreise zu ermöglichen. Die unterbringung war einfach. Das essen oft scheußlich. Trotzdem nahm der eine oder andere neue eindrücke und schöne erinnerungen mit nach hause - und ohne in urlaubsbedingten konsumrausch verfallen oder gar gezwungen worden zu sein. Heute kann man den armen bevölkerungsanteil in ferienanlagen nur dann gebrauchen, wenn sie den reichen die golfschläger hinterhertragen oder die klos putzen.

Sofern »reichtum einen namen« hat, wie im werbefilmchen erzählt wird: Hofgeismar heißt er nicht, der besagte reichtum. Seit jahren hat dies nest kein kino mehr, weil das alte kino wegen einsturzgefahr geschlossen werden mußte. Liebe kommunalpolitiker: fangt klein an. Besorgt geld, das schöne Bali denkmalgerecht zu sanieren. Sofern dann weitgereiste euer dorf besuchen wollen, könnt ihr eine neue jugendherberge planen.

Mein dank geht an »neues vom glöckner« durch den ich auf die möglichkeit, den film aus der ZDFmediathek auf meinem alten computer anzuschauen, aufmerksam wurde.Dem kommentar dazu kann ich größtenteils zustimmen.

Mich holt mein schlimmster albtraum ein: Hofgeismar ist überall.

Mittwoch, 18. November 2009

Menschenunwürdiges trotz verklärung nicht untergegangen

Am vergangenen montag warnte bundespräsident Horst Köhler vor der verklärung der DDR und würdigte mit mut und zivilcourage 12 personen, die in der DDR rechtliche probleme hatten: Hubertus Knabe, Jörg Drieselmann, Berthold Dücker, Rainer Eckert, Jutta Fleck,  Roland Geipel, Benno von Heynitz, Martin-Michael Passauer, Christoph Polster, Erika Riemann, Heinz Schwollius und Jochen Stern.
Mit ausnahme des niederlausitzer pfarrers Christoph Polster, der sich, wie ich hörte, heute noch für den frieden und gegen rechtsextremismus engaiert, ist mir nicht bekannt, daß diese personen heute couragiert für einen demokratischen rechtsstaat eintreten würden. Bei allem respekt, den ich jedem, dem persönliches unrecht widerfuhr, entgegen bringen möchte, kann ich das politische engagement für die menschlichkeit einiger der frischgebackenen bundesverdienstkreuzträger nicht erkennen.

Objektiv betrachtet war in der DDR manches faul. Mit dem einseitigen umgang mit der deutschen geschichte verhält es sich so, als seziere man mit begeisterung einen toten mistkäfer. Man stellt fest: Mist war für ihn überlebenswichtig. Der brudermistkäfer, der gleichen scheiße entstiegen, überlebte ihn, jedoch wird ihm nie vorgeworfen, daß er sein tagwerk nicht geändert hat.

Unmenschlichkeit, Du bist ein deutscher traum!

Samstag, 14. November 2009

Die neuesten erkenntnisse

Neuesten forschungsergebnissen des herrn prof. dr. Raffelhüschen zufolge ist ein gesundheitssystem für reiche besonders effizient, wenn man vom system benachteiligte zwar überproportional belastet, sie allerdings vom leistungskatalog ausschließt. Luxus wie zahnmedizinische leistungen benötigt nicht jeder.

Laut Raffelhüschen gäbe es das problem der kinderarmut nicht, wenn man alleinerziehende zur arbeit zwangsverpflichten würde. Welch ein glück, daß sich durch zwangsarbeit das problem des armutslohns lösen läßt - wer geld hat, kann sich eine versicherungspolice kaufen, um selbstlos der notleidenden branche ein paar groschen zuzuschieben, wer trotz arbeit arm bleibt, ist selbst schuld und darf in die röhre gucken.

Das »in die röhre gucken« kann man hier üben:



Die Schöne Aussicht im hintergrund wird zukünftig nur für zahlende gäste freigeschaltet, alle anderen haben keine schönen aussichten mehr.

Zahnbehandlungen sind luxus. Als großzügiger mensch bin ich dafür, daß sie für intelligenz wie herr prof. dr. Raffelhüschen jederzeit kostenlos zur verfügung stehen sollten.

Donnerstag, 5. November 2009

Mohn macht doof

Froh möchte ich mich schätzen, daß ich durch den nichtbesitz eines fernsehers vor den segnungen des privatfernsehens verschont bleibe. Um zu wissen was läuft, habe ich mir zum ersten mal auf der internetseite von rtl einen beitrag angesehen, auf den ich durch die nachdenkseiten aufmerksam wurde.

Als erstes fiel mir auf der verlinkten seite das kleine werbefenster auf, welches mir einreden soll, daß ärsche in reizvollen dessous meine fantasie steigern würden. Nein danke. Ich möchte herrn Buschkowsky nicht im straps sehen - und die macher von »explosiv« schon gar nicht.

Wo sind die medien dieser republik eigentlich hingekommen, daß sie arbeitslosen hinterherspitzen müssen, was sie im einkaufsbeutel haben? Könnte es sein, daß die journalisten sich einfach nicht an die ernsthaften dinge ran trauen? Merkel hat gemeinsam mit Ackermann im kanzleramt steuergelder versoffen, und nicht nur das.

Darf man gegen die nichts sagen, weil das berufsalkonauten sind, die das brauchen, während die billigbiertrinker aus der unterschicht moralisch noch zu retten wären?

Es gibt keinen grund, sich ausgerechnet jetzt besonders über die berichterstattung aufzuregen. Das läuft schon seit ewigkeiten so. Schön wäre es, wenn sich mehr tvgucker trotzdem aufregen würden - und zwar nicht über die »gegenstände« der berichterstattung, sondern über die drahtzieher.

Gebt es weiter. Mohn macht doof - Ihr alle habt argumente, warum.

Freitag, 30. Oktober 2009

Kein witz

 Mit der FDP in der regierungskoalition geht in manchen haushalten das licht aus. Gestern abend fand ich über die nachdenkseiten folgenden witz über die FDP:





Kurz nachdem ich zu ende geguckt hatte, gab die 7wattbirne in meiner schreibtischlampe den geist auf. In der dunkelheit dachte ich darüber nach, wie lange es dauern würde, bis die birne sich selbsttätig austauschen würde. Man könnte sich die wartezeit mit dem hören aufwühlender musik verkürzen - und wenn man ordentlich wartet, wird es von allein wieder hell. Vielleicht würde dies jedoch nicht gelingen, weil in dieser wohnung keine FDPanhänger vorkommen, also beschloß ich, im elektromarkt gegenüber ein neues leuchtmittel zu kaufen und das problem auf herkömmliche weise zu lösen.

Ich hege zweifel, daß den anhängern der FDP ein licht aufgehen wird.

Samstag, 3. Oktober 2009

Programmhinweis


»Sie gaben uns Zettel zum Wählen.Wir gaben die Waffen her.
Sie gaben uns ein Versprechen.
Wir gaben unser Gewehr.
Und wir hörten: Die es verstehen,
Die würden uns helfen nun.
Wir sollten an die Arbeit gehen,
Und sie würden das übrige tun.
Da ließ ich mich wieder bewegen.
Und hielt, wie’s verlangt wurd’, still
Und dachte: das ist schön von dem Regen,
Daß er aufwärts fließen will.


Und bald drauf hört’ ich sagen:
Jetzt sei alles schon eingerenkt;
Wenn wir das kleinere Übel tragen,
Dann wird uns das größere geschenkt.
Und wir schluckten den Pfaffen Brüning,
Damit’s nicht der Papen sei.
Und wir schluckten den Junker Papen,
Denn sonst war am Schleicher die Reih.
Und der Pfaffe gab’s dem Junker,
Und der Junker dem General,
Und der Regen floß nach unten,
Und er floß ganz kolossal.«

B. Brecht (aus der »Arbeiterkantate«)




Am 16. september 2009 spielte das Deutsche Symphonie Orchester Berlin unter der leitung von Ingo Metzmacher in der Philharmonie ein besonderes konzert: zu hören waren

Max Reger »Die Toteninsel« (1913)
Iannis Xenakis »Jonchaines« (1977)
Hanns Eisler »Deutsche Sinfonie (An Anti-Fascist-Cantata) (1959).

Dies konzert wird am morgigen sonntag, dem 4. oktober ab ca. 20 uhr 3 im kulturradio des rbb (ukw 92,4/kabel95,35 oder livestream) gesendet, ich freue mich darauf, es noch einmal hören zu können.

Max Reger war mir bisher unbekannt, das musikstück, das von ihm zu hören war, ist eine von vier tondichtungen nach Arnold Böcklin. Man kann es der beginnenden moderne zuschreiben.

Das modernste werk des abends war »Jonchaies« von Xenakis, hier geht es um das massenphänomen röhricht, es wird der gleichlauf der masse dargestellt, der aber durch abweichungen einzelner schließlich im chaos endet. Xenakis, der in Griechenland im antifaschistischen widerstand gewesen war, dort in gefangenschaft geriet und zum tode verurteilt wurde (zum glück wurde das urteil nicht vollstreckt), befaßte sich in seiner musik immer wieder mit massenphänomenen, mathematischen prinzipien und naturwissenschaftlichen theorien.

Das hauptwerk war Hanns Eislers »Deutsche Sinfonie«, die in der zeit zwischen 1935 bis 1957 entstand und 1959 in Berlin uraufgeführt wurde. Diese sinfonie hat elf sätze und ist fast vollständig nach der zwölftonmethode komponiert. Die texte der acht vokalsätze stammen zu weiten teilen von Bert Brecht, die wollte ich schon immer mal live gesungen hören. Sehr geärgert habe ich mich über die konzerteinführungsveranstaltung mit Habakuk Traber, welcher meinte, man müsse an diese texte heute nicht mehr glauben, geradezu als wären sie nicht mehr zeitgemäß.

Die texte beziehen sich auf geschichtliche ereignisse, die nicht unwahr geworden sind, nur weil sie im letzten jahrhundert stattfanden. Einige sind leider zeitgemäßer, als man es wünschen würde. Und wer es nicht glaubt, der soll nach hause gehen!


»Wie steht es mit dem Krieg? -
Gestern haben sie wieder ein Spital bombadiert
Wer? - Die die Kultur dorthin bringen wollen.
Wann beginnt die Regenzeit wieder? - Im Mai.
Erst im Mai? - die Generäle sagen, daß sie die Kultur verteidigen wollen! -
Was für eine Kultur? - Die der Generäle.«


Eisler nach Ignazio Silone (aus der »Bauernkantate«)

Sonntag, 27. September 2009

Ein klares Votum für das bürgerliche Lager?

Die »tagesschau« titelt »ein klares votum für schwarz gelb«.

Nach der hochrechnung der ARD von 19:09 Uhr erzielten die parteien folgende ergebnisse:

CDU/CSU 33,6 %
SPD 23,0 %
FDP 14,7 %
LINKE 12,2 %
Grüne 10,5 %

Schwarzgelb hat demzufoge 48,3 % der stimmen erhalten und rotrotgrün 45,7 %.

Liebe bezahlte statisten jounalisten der »tagesschau«: 2,6 % sind kein klares votum, sondern eine knappe angelegenheit!

Erschreckend ehrliche Wahlplakate in Brandenburg gefunden oder warum ich die LINKE wähle

Im schönen städtchen Werder an der Havel fand ich folgendes:



Und im nachbarlandkreis, bei einer wanderung durch das »grüne herz« Rangsdorfs entdeckte ich dies:



Gibt sich die CDU Brandenburgs nicht erschütternd ehrlich? Die reden nicht um den heißen brei herum, die sagen klar:

»Wählen sie CDU. Sie geben Ihre Stimme für Reiche, von der Bank.«

Ich gebe zu, daß ich darüber nachgedacht habe, bei der heutigen wahl meinen ekel zu überwinden, und weil ich die CDU beim besten willen nach einer derart klaren aussage nicht wählen kann, die FDP zu wählen.

Als revolutionsbeschleuniger. Weil mir das, in der zeit der verarschismus zu gefährlich erscheint, werde auch ich mit beiden stimmen die LINKE wählen. Eine alternative wäre vielleicht, mit der erststimme den kandidaten der »Initiative für Grundeinkommen« zu wählen, der für meinen wahlkreis erscheint mir allerdings nicht seriös.



Gregor Gysi hat zwar mal gesagt »es sieht ja keiner«, ich habe kein problem, damit, offen zu sagen, wen ich wähle.

Dafür gibt es gute gründe:

Die LINKE ist die einzige etablierte partei, die bislang nicht so korrupt ist, gegen die wähler das grundgesetz zu ändern, das uns sozialstaatlichkeit und anderes mehr verspricht.

Die LINKE steht für bürgerrechte und gegen den überwachungsstaat, den Schäuble oder Schilly hier installieren möchten.

Die LINKE ist die einzige partei im bundestag, die die bundeswehr aus Afghanistan möglichst schnell abziehen möchte, während der krieg von den ehemals pazifistischen Grünen mitgetragen wird.

Schade, daß die aktion »100 blogs für die LINKE« so spät gestartet wurde - und auch ich bin jetzt zu spät dran. Dennoch eine schöne aktion über die ich interessante blogs gefunden habe, von deren existenz ich sonst nie etwas erfahren hätte.

Mittwoch, 9. September 2009

Nach Hause


An sich möchte man sich schämen. 70 jahre nach dem beginn des »totalen krieges« gibt es nur eine einzige, leider schwach vertretene, fraktion im Bundestag, die gegen den waffeneinsatz deutscher soldaten im ausland ist.
 Die wahrheit über das massaker  von Kundus werden wir vermutlich nie erfahren. Mir fällt dazu nur ein, daß ich die deutschen soldaten möglichst bald allesamt in der heimat begrüßen möchte UND ZWAR LEBEND!

Mit der waffe in der hand hat noch niemand für frieden gesorgt.

Gestern waren einige hundert kriegsgegner einem aufruf der LINKEN gefolgt und hatten sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu einer kungebung versammelt. Es sprachen Oskar Lafontaine, Daniela Dahn, Christoph Heim und Gregor Gysi.

In ihren reden forderten sie eine friedliche lösung für Afghanistan. Oskar Lafontaine erinnerte an die worte Willy Brandts:

»Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen«

Alle staatsbürger, die gegen krieg sind, haben am 27. September EINE wahl. Nicht das wählen, was die propaganda der Bertelsmänner und Springers empfielt, sondern was den eigenen, hoffentlich friedlichen, interessen entspricht. Auf der kundgebung entdeckte ich übrigens einen einzelnen Grünen.

Montag, 31. August 2009

Einunddreißigster August neunzehnhundertneununddreißig

Zitat: »Es hätte diese Straßenbahnfahrt zu einer ungestörten Freudenfahrt werden können, wäre es nicht der Vorabend des ersten September neununddreißig gewesen, an dem sich der Triebwagen mit Anhänger der Linie Fünf, vom Max-Halbe-Platz an vollbesetzt mit müden und dennoch lauten Badegästen des Seebades Brösen, in Richtung Stadt klingelte. Welch ein Spätsommerabend hätte uns nach Abgabe der Trommel im Café Weitzke hinter Limonade mit Strohhalmen gewinkt, wenn nicht in der Hafeneinfahrt, gegenüber der Westerplatte, die beiden Linienschiffe »Schlesien« und »Schleswig-Holstein« festgemacht und der roten Backsteinmauer mit dahinterliegendem Munitionsbecken ihre Stahlrümpfe, drehbaren Doppeltürme und Kasemattengeschütze gezeigt hätten. Wie schön wäre es gewesen, an der Pförtnerwohnung der Polnischen Post zu klingeln und eine harmlose Kinderblechtrommel dem Hausmeister Kobyella zur Reparatur anvertrauen zu können, wenn das Innere der Post nicht schon seit Monaten mit Panzerplatten in Verteidigungszustand versetzt, ein bislang harmloses Postpersonal, Beamte, Briefträger, während Wochenendschulungen in Gdingen und Oxhöft in eine Festungsbesatzung verwandelt worden wäre.«
Aus: Günter Grass - Die Blechtrommel

Freitag, 28. August 2009

Ein Prolet erzählt

Die poletarische literatur der Weimarer Republik ist in den letzten jahren ein wenig in vergessenheit geraten, weshalb ich an Ludwig Turek erinnern möchte, der heute vor hundertelf jahren geboren wurde.

Zitat: »Am 28. August 1898, an einem Sonntagabend, erblickte ich zum erstenmal das Licht. Es war das Licht einer alten Petroleumlampe. Ich glaube, meine Mutter hatte zu dieser Geburt an einem Werktage keine Zeit. Auch der Umstand, daß ich nicht, wie die meisten Menschen in einem Bett, sondern auf kahlen Dielenbrettern neben einer uralten Kommode geboren wurde, spricht dafür, daß meine Mutter auf das Ereignis keinen großen Wert legte. Es ist auch nicht anzunehmen, sie habe mich aus Aberglauben an einem Sonntag auf diesen Planeten gesetzt, um mich den Glücksgöttern als Sonntagskind zu empfehlen...«

So beginnt Ludwig Tureks autobiographie, die 1929 in Wieland Herzfeldes Malik-Verlag erschien. In lebendiger sprache und nicht ganz ohne finsteren witz erzählt er seine geschichte: über die kindheit in der kaiserzeit, die für ihn, genau wie für die meisten menschen alles andere als romantisch war. Stattdessen berichtet er über hunger, elend und sklavenähnliche arbeitsverhältnisse schon als kind - im jahre 1912 immerhin eine der raren bezahlten lehrstellen als schriftsetzer und eintritt in die »Sozialistische Arbeiterjugend«. Nach der lehre folgt (unfreiwilliger) kriegsdienst und festungshaft als deserteur. Unter anderem in der festung Spandau (anmerkung: verfasser dieser zeilen war als 1€jobber gezwungen, an einer romantisierenden broschüre über diese hinterlassenschaft aus »der guten alten zeit« mitzuwirken), die als riesige folterkammer beschrieben wird. Todesstrafe durch arbeit und hunger.

Zitat: »Seit sechs Jahren arbeite ich nun in Leipzig als Setzer. Und seit vier Jahren in der Spamerschen Buchdruckerei, von der da stehet geschrieben: Und als der Herr Jesus die Spamersche Buchdruckerei zum ersten mal sah, drehte er sich um und weinte bitterlich.«

Die geschichtsschreibung überliefert, daß er eines sonntags früh um sieben, den verleger Wieland Herzfelde, welcher bei Spamer drucken ließ, in Berlin aus dem schlaf geklingelt haben soll, mit einem manuskript in der hand und in eile, weil er abends zur spätschicht wieder in Leipzig sein mußte. Von anderen verlacht, weil ein »pinscher« nichts zu sagen hat, war Ludwig Turek auf die idee gekommen, über sein leben zu schreiben. So persönlich diese geschichte ist, sagt sie viel über die politischen- und die lebensverhältnisse der damaligen zeit aus. Beim frühstück wurden sich Herzfelde und Turek einig. Der autor bekam die geforderten 800 mark für das manuskript. Das buch wurde in der erstauflage mit 8000 (!) exemplaren gedruckt. Die Spamersche Druckerei versuchte, das kapitel über ihre arbeitsbedingungen streichen zu lassen, aber weder autor noch verlag ließen sich durch geld korrumpieren.


»Um mitzuhelfen, die Duldsamkeit zu brechen - darum habe ich geschrieben. Nicht für Literaten und Schwärmer, sondern für meine Klasse.«

Ludwig Turek

Sonntag, 23. August 2009

1-Euro-Bloggerei geht weiter

Hier entsteht das neue 1€blog von Mechthild Mühlstein. Nachdem die blogwelten und kulando offenbar ausgebloggt haben spurlos verschwanden, geht es demnächst an dieser stelle weiter.

Die artikel, die ich zum thema »armutslohn im öffentlichen auftrag« geschrieben habe und die ursprünglich für einem separaten blog gedacht waren, der an Wallraffs »ganz unten« anknüpfend »nach unten« heißen sollte, werden an dieser stelle unter gleichnamigem lable zu lesen sein.

Wenn ich mich hier häuslich eingerichtet habe.


Nachbemerkung 31. August: leider »zickt« die kommentarfunktion nun bei mir - in CoComent ist der mein kommentar gespeichert in meinem eigenen blog nicht.

Vielen dank an Kurt für das freundliche hilfsangebot. Darauf werde ich, wenn sich fragen ergeben gern zurückkommen. Muß erstmal ausprobieren und rumbasteln.



Sonntag, 8. Februar 2009

MFS Upgrade


Wer in Berlin geschichtsrelevante orte sucht, wird sich vielleicht in den östlichen abschnitt der Frankfurter Allee verirren. Unweit des u-bahnhofs Magdalenenstraße ist an einem plattenbau folgende gedenktafel angebracht:

gedenktafel

Um die architektur des bauwerks angemessen würdigen zu können, ist es ratsam, ein paar schritte abstand zu nehmen und es noch einmal zu betrachten: 

berwachungskamera

Die überwachungskamera wird von der heute dort ansässigen organisation weitergenutzt. Täglich passieren tausende diesen ort, ohne daß sich unmut breitmachen würde. Offenbar lebt man gern in dem zwiespalt, der sich zwischen vergangenheitsbewältigung und realität der gegenwart auftut.

Den interessantesten eindruck des gebäudes bietet jedoch der blick von der gegenüberliegenden straßenseite. Man kann es von der leuchtreklame auf dem dach bis hin zur gedenktafel an der wand betrachten und auf sich wirken lassen.

DB und MfS

Der überwachungsstaat ist nicht untergegangen. Die ideologie hat sich geändert, das tatmotiv ist geblieben.

Nachtrag september 2012: Vielleicht nach dreieinhalbjahren nicht mehr ganz verständlich. Damals ging der skandal durch die presse, daß die Deutsche Bahn AG rund hundertdreiundsiebzigtausend mitarbeiter ohne ihr wissen bespitzelt hatte. Die menschen werden in diesem staat nicht weniger überwacht als in der untergegangenen DDR. Die überwachung ist bloß anders organisiert.