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Donnerstag, 19. November 2020

Titanic goes Charlie Hebdo

Etwas erstaunt hat mich, schon heute das dezemberheft der Titanic im briefkasten gefunden zu haben, obwohl ich das letzte heft noch gar nicht ganz durchgelesen hatte, weil ich mich an das neue langstreckenlesen noch nicht ganz gewöhnt habe.

Und diesmal mit einem titelbild im Charlie-Hebdo-Stil. Ausnahmsweise fotographiere ich das titelbild der Titanic mal nicht ab, obgleich das mit dem schönen, neuen, matten papier viel besser ginge - womöglich kauft die Titanic dem bekloppten vom »Demokratischen Widerstand« gerade sämtliche papierreserven weg. Deshalb schaut Euch das satireblättchen am kiosk an, fühlt die qualität und nehmt es vielleicht sogar mit.

Vor den religiösen gefühlen von fanatischen muslimen habe ich diesbezüglich keine angst.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Mut zur sünde

Wer sich selbst oder anderen etwas schönes schenken möchte, könnte zu diesem buch greifen:
»Die Kunst der Bausünde«. Hübsches kleines bildbändchen, in welchem man sowohl gute als auch schlechte, geplante und durch nachträgliche verschlimmbesserung begangene bausünden betrachten kann. Die letzgenannten sind größtenteils die lustigsten - sehr gut gefallen hat mir eine nachträglich verspiegelte plattenbaufassade, in der sich andere plattenbauten spiegeln oder die romantische 70er-jahre-fassade, die offenbar hinter einer glaswand verschwinden sollte - hat schließlich niemand vorher ahnen können, daß man durch glas hindurchschauen kann.

Hier gibt es ein interview mit der autorin des buches. Zitat Turit Fröbe: »Wenige Städte gehen heute noch ein Risiko ein, die meisten setzen auf Unsichtbarkeit oder auf Pseudo-Rekonstruktionen und Neo-Stile. Keiner traut sich mehr, ein echtes Statement zu setzen. Aber Risiko ist gut für die Bauproduktion.« Genau das ist, was mich in den letzten jahren ärgert: Die architektur der letzten jahre ist größtenteils rückwärtsgerichtet und langweilig.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Sucht nach uns

Inzwischen hat das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) für die aktion »sucht nach uns« bei den betroffenen, angehörigen und hinterbliebenen um entschuldigung gebeten.

Der für samstag geplante zapfenstreich mit schwur gegen die AfD wurde abgesagt und der gedenkort wurde geschlossen. Ich war dienstag nachmittag dort und habe mir überlegt, trotzdem ein paar bilder zu zeigen, damit sich jeder, der das nicht gesehen hat, vorstellen kann, worum es eigentlich geht.



Vorne standen diese beiden schilder. Und dazwischen eine tafel, auf der die namen aller abgeordneten der unionsparteien standen, die womöglich demnächt koalitionspartner der AfD sein werden.


Um diese säule geht es, die einen bohrkern mit asche enthalten soll:


Auf der crowdfundingseite des ZPS, die inzwischen abgeschaltet ist, stand, daß sie die »positiv« getesteten bodenproben zu den entnahmeorten zurückgebracht hätten, weshalb es für mich relativ klar war, daß die säule keine menschliche asche enthält, sondern als symbol für die ermordeten irgendwelche asche.

Das ganze noch einmal mit blick auf den Reichstag:


Am hinteren ende befand sich ein stein mit der aufschrift »HIER LIEGT DIE DEUTSCHE DIKTATUR IM FRIEDEN.«


Aus meiner sicht ist es schade, daß diese mit großem aufwand geplante aktion vorzeitig abgebrochen wurde, allerdings auch verständlich. Zitat von der oben verlinkten seite des ZPS: »Wir sagen auch den für Samstag geplanten Zapfenstreich gegen die AfD, bei dem sich Menschen vor Ort treffen und der rechten Machtergreifung den Widerstand schwören sollten, schweren Herzens ab. Die Vorstellung, dass sich dort Menschen, die sonst auf einer Seite stehen, in Kundgebungen gegenüberstehen könnten, ist für uns nicht vorstellbar.«

Zum kostenlosen download gibt es vom ZPS zum thema die broschüre Die Wege der Asche von Hinnerk Höfling, aus welcher man erfährt, was mit der asche aus den konzentrationslagern passierte. Desweiteren das buch An die Nachwelt, welches eine sammlung von aufzeichnungen von NS-opfern enthält.

Im grunde eine sehr gute aktion, über die sich leider die falschen aufgeregt haben.



Freitag, 27. September 2019

40 Jahre Titanic

Gefühlt gibt es die Titanic »schon immer«, tatsächlich aber erst seit vierzig jahren:
Die redaktion des 1-Euro-Blogs gratuliert. Außerdem gibt es noch ein interview mit dem derzeitigen chefredakteur Moritz Hürtgen vom SWR:

Donnerstag, 29. August 2019

Der Teufel

von Georg Heym

Er wohnte damals unter Rummelsburch
In einem Gulli, als die Hitze hing
Vom Nordkap weiß bis an den Semmering,
Und das war schon ganz erheblich unten durch.

Er war rheumatisch, und den Alten fror.
Er drehte langsam den Rosenkranz.
Und um das goldne Horn der Höllenglanz.
Er kam uns merklich ausgeblichen vor.

»Ja meine Herrn«, er gab uns seine Hand,
»›Non serviam‹, das war. Und seinen Thron,
Bei Gott, ja damals hätt ich ihn verbrannt.

Doch eben ich war viel zu tolerant.
Jetzt bin ich nur noch eine Fiktion.«
Er bot uns noch Zigarren an, und verschwand.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Im Sparadies der Frisöre

»Es tat so weh. Ein messer trennte mir den bauch auf. Ich schrie vor schmerzen, verstarb, verließ die irdische hölle und erwachte wo? Genau. Im sparadies, wo man ›haarvanagila‹ sang. Und das ist nicht an den haaren hairbeigezogen.«

Wiglaf Droste (27. juni 1961 – 15. mai 2019)



Hoffentlich ist ihm wenigstens das erspart geblieben.

Freitag, 29. Juni 2018

Taschengeld - Inflation

Neulich war ich an der bücherbox, um dort ein paar lästige bücher loszuwerden. Verlegenheitsgeschenke, mit denen ich nichts anfangen kann. Bücher, die vielleicht jemand anders gern lesen möchte, ich aber eher nicht. Im grunde wollte ich überhaupt nichts mitnehmen. Aber da lag ein verknittertes, kleines bändchen aufgeschlagen. In kinderkrakelschrift stand da geschrieben »hoffentlich muntert Dich dieses Büchlein ein bißchen auf!«.

»Das ist mal ein wort! Das kann ich brauchen!« Dachte ich mir. Nahm das verknickte büchlein an mich, setzte mich in einer nahegelegenen grünanlage auf eine bank und begann zu lesen.

Zum glück gibt’s das auch als hörspiel:

Sonntag, 17. September 2017

Murx bei den nds

Bei den NachDenkSeiten wurde gestern des 150. jahrestages der veröffentlichung des ersten bandes des »Kapital« von Karl Marx gedacht, welches am 14. september 1867 zum ersten mal erschien. Dort schreibt Rudolf Hickel:
Zitat:»Vor 150 Jahren, am 14. September 1867, ist der erste Band „Das Kapital“ im Otto Meißner-Verlag in Hamburg erstmals erschienen. Heute zählt dieses Werk, dessen Band zwei und drei Friedrich Engels posthum herausgegeben hat, zum UNESCO-Kulturerbe. Es gibt keinen anderen Autor, der die Bewegungsgesetze des Kapitalismus derart zutreffend radikal, d.h. an die Wurzel gehend, dechiffriert hat. Wie die Berichte selbst in den Provinzzeitungen zu diesem Kapital-Jubiläum zeigen, das Interesse an der Frage, wie kann mit Marx heute die Klärung von Widersprüchen und Ungerechtigkeiten betrieben werden, ist riesig. Das wird auch im kommenden Jahr an seinem 200sten Todestag zu beobachten sein.«
Dieser Marx scheint ein kuriosum zu sein. Wenn 2018 sein 200. todestag ist, wurden nicht nur der 2. und der 3. band des »Kapital« posthum herausgegeben, sondern dann hat der alte mann mit dem fusselbart sein gesamtes lebenswerk posthum verfaßt.

Das muß ihm erst mal einer nachmachen.

Dienstag, 18. Juli 2017

»Gewalt ist kein Argument!«

An sich habe ich keine lust, etwas zu den »ereignissen« in Hamburg zu schreiben. Das will ich auch weiterhin nicht tun. Allerdings möchte ich auf einen lesenswerten artikel aus dem blog Herrschaftszeiten. Geschichten von Herrn Keiner hinweisen. Unter dem titel »G20-Gipfel in Hamburg: „Gewalt ist kein Argument!“ Das sagen diejenigen, die das Monopol auf Gewalt besitzen. Die also wissen, wovon sie reden« findet man dort ein paar überlegungen zu den herrschenden gewaltverhältnissen. Er kommt zu dem schluß:
Zitat: »...ein „militantes Zeichen“ zu setzen, also mehr oder weniger eine wüste Randale zu machen. Motto: Das können wir denen nicht durchgehen lassen, wenn sich die mächtigsten Führer dieser Staatenwelt hier bei uns in Hamburg treffen!

Das kann man wohl, wenn man sich als Linker mal nüchtern seines Daseins als gesellschaftliche „Randgruppe“ bewusst ist und deshalb ganz andere „Aktionen“ nötig hat als die Scharmützel am Rande eines solchen Gipfels: nämlich dem großen Rest der brav arbeitenden Bevölkerung überzeugende Argumente dafür zu liefern, ihre Dienstbarkeit in diesen Verhältnissen mal gründlich zu hinterfragen und diese möglicherweise aufzukündigen. Da geht es um einen Angriff – jedenfalls perspektivisch –, auf die Grundlagen der Macht der Staaten-Lenker, und nicht um ein idiotisches Kräftemessen mit dem abkommandierten Polizei-Personal dieser Herrschaften. Ein „Zeichen“ dafür, dass „Widerstand möglich“ ist? Unsinn. Das ist nur ein hausgemachtes Problem dieser Linken selbst, der Rest der Welt lernt nichts aus verletzten Menschen und abgefackelten Kraftfahrzeugen. Außer eben das, was man ihnen in der Schule oder in den hetzerischen Artikeln der „Bild-Zeitung“ beigebracht hat: Der Gewaltapparat des Staates muss für solche Fälle noch viel, viel besser gerüstet sein. Mehr „Zeichen“ war da nicht.«
Dem kann ich mich weitgehend anschließen. Ich empfehle sehr, den ganzen artikel zu lesen. Ist auch nicht übermäßig lang, sondern relativ kurz und präzise auf den punkt gebracht.

Samstag, 22. Oktober 2016

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

Von Kurt Tucholsky

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch Notverordnungen aufgehoben werden. Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre 1 nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum. Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. »Geld«. Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da – meist nicht da. Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat garantiert; dieses vollzieht sich derart, daß jeder Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehen und dort für sein Papier Gold einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld haften. Dieses nennt man Golddeckung. Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfluß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird in den Staatsbanken der sog. »Diskont« ausgewürfelt; es ist den Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.

Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten. Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die anderen und dann bilden sie einen Trust, das heißt; sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallengelassen worden ist.

Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export. Export ist, wenn die anderen kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, als deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import, welches im Plural eine Zigarre ist. Weil billiger Weizen ungesund und lange nicht so bekömmlich ist wie teurer Roggen, haben wir den Schutzzoll, der den Zoll schützt sowie auch die deutsche Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft wohnt seit fünfundzwanzig Jahren am Rande des Abgrunds und fühlt sich dort ziemlich wohl. Sie ist verschuldet, weil die Schwerindustrie ihr nichts übrig läßt, und die Schwerindustrie ist nicht auf der Höhe, weil die Landwirtschaft ihr zu viel fortnimmt. Dieses nennt man den Ausgleich der Interessen. Von beiden Institutionen werden hohe Steuern gefordert, und muß der Konsument sie auch bezahlen.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. »Stützungsaktion«, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, daß die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.

Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehen und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaften haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten »Bilanz« zusammengestellt.

Die Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen. Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an: dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch meist nur bis zu ihrer eigenen Nasenspitze sehn. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt – am nächsten Tage – das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion: ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer.

In der Wirtschaft gibt es auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden. Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben, und füge noch hinzu, daß sie so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen, Wechselunterschriften und sämtliche anderen Handelsverpflichtungen – : also ohne jedes Obligo.

Samstag, 27. August 2016

Frohe ferien für alle kinder

Unter diesem namen organisierten menschen wie Else Funke, Viktoria Krützner und Lore Junge ab 1954 ferienfahrten für kinder. Dank dieser initiative konnten jedes jahr -zigtausende kinder aus Westdeutschland eine ferienreise unternehmen, auch wenn ihre eltern eigentlich viel zu arm waren, an so einen »luxus« wie reisen auch nur zu denken.

Nach sieben jahren, also im sommer 1961, wurde die ferieninitiative verboten und die organisatoren vor gericht gestellt und wie kriminelle verurteilt. Den alten herren im nachfolgestaat des Dritten Reiches paßte das reiseziel nicht. Das war nämlich die DDR und wer die nicht vorschriftsgemäß haßte, war nicht nur verdächtig, sondern im zweifel zu bestrafen.

Zum glück hat es in der BRD nie so etwas wie ein gesinnungsstrafrecht gegeben.

Wer mehr darüber erfahren möchte, findet über dies thema momentan zwei artikel in der »jungen welt«:

drei kartons mit geschichte und kinderfreizeit vor gericht

Dienstag, 4. August 2015

Die misere hat system: kapitalismus

Wer noch auf der suche nach einer spannenden urlabslektüre ist, sollte sich das buch anschauen, das die »Gruppen gegen Kapital und Nation« herausgegeben haben. Man muß es auch gar nicht mit in den urlaub nehmen, sondern kann es auch sehr gut zu hause lesen. Gleich am bildschirm oder auf e-bookreader oder gedruckt am badesee. In neun kapiteln wird in verständlicher sprache beschrieben, warum die kapitalistische wirtschaftsordnung der bedürfnisbefriedigung sehr vieler menschen entgegensteht.

Das buch kann hier in den gängigen e-bookformaten heruntergeladen werden. Auf der seite steht zwar, daß der download umsonst sei. Ich bin jedoch der auffassung, daß es kostenlos und keineswegs umsonst ist.

Wer lieber ein gedrucktes buch möchte, kann es auf der selben seite für 4€ inklusive porto und verpackung bestellen.

Donnerstag, 2. April 2015

Neues von Raif Badawi

In der aktuellen ausgabe druckt der Spiegel den »brief aus dem gefängnis« ab, den Raif Badawi schrieb und der gestern zusammen mit seinen blogtexten im Ullsteinverlag erschienen ist.

In der kleinen auswahl an blogposts, die der Spiegel abgedruckt hat, konnte ich nichts blasphemisches finden. Im grunde glaube ich nicht, daß die mehrheit der muslime so denkt. In einem dieser artikel aus dem jahr 2011 schreibt er, daß seine großmutter ihm erzählt habe, daß die es die trennung der geschlechter noch nicht lange gäbe und daß vorher frauen auch in händlerinnen auf dem markt oder auch in handwerksbetrieben gearbeitet hätten, und daß dies erst seit ungefähr dreißig jahren nicht mehr so wäre.

Bereits am 18. februar 2012 schrieb er über das kalifat in seinem blog:

Träume vom Kalifat

Viele islamistisch frömmelnden Aktivisten in unserer Region träumen von einer Wiedereinführung des Kalifats. […] Es ist eine systematische Massenmobilisierung im Gange, bei der die Bürger indoktriniert werden, indem man sie die ganze Zeit mit Religion und Religiosität berieselt - oder zumindest mit dem, was Islamisten dafür halten.

Doch in letzter Zeit haben sie angefangen, sich gegenseitig mit ihrer Liebe zum Propheten Mohammed, Friede sei mit ihm geradezu zu überbieten. Man wetzt jetzt kräftig die Messer, wiegelt die Gemüter auf und droht lautstark mit eine Vernichtungskrieg gegen alles, was irgendwie mit Kultur und Aufklärung zu tun hat. Denn aus ihrer Sicht ist das gleichzusetzen mit Ketzertum, Atheismus und Blasphemie.

Hoffentlich bleiben ihm die weiteren 950 peitschenhiebe erspart.

Der religionskritische blogger Abhijit Roy wurde ende februar in Bangladesch von unbekannten ermordet

Nachtrag: Am 30. märz 2015 wurde in Bangladesch der blogger Washiqur Rahman ermordet.
Bereits im Jahr 2013 war Bangladesch der atheistische Blogger Ahmed Rajib Haider von einer kleinen Islamistengruppe ermordet worden. Sein Tod trieb damals zehntausende Menschen zu Protesten auf die Straßen. Zugleich forderten radikale Islamisten, atheistische Blogger wegen Gotteslästerung hinzurichten.

Die säkulare Regierung von Ministerpräsidentin Sheikh Hasina ließ daraufhin vier Blogger festnehmen und ein Dutzend Websites und Blogs blockieren. Zugleich verstärkte sie die Sicherheitsvorkehrungen für die Blogger.

Samstag, 24. Januar 2015

Mit Gott und dem Führer

Weil in der letzten zeit viel über die »kultur des abendlandes« gesprochen wurde, empfehle ich, sich mit den, ach, so menschenfreundlichen christilichen wurzeln »unserer« kultur zu befassen. Man könnte einmal in Karlheinz Deschners »Kriminalgeschichte des Christentums« schmökern.

Oder in »Mit Gott und dem Füherer« vom selben autor, welches sogar kostenlos heruntergelanden werden kann.

Offensichtlich sind greueltaten der abendländischen kultur alles andere als fremd. Und da soll man sich noch fürchten vor einwanderern aus dem morgenland, weil deren religion barbarisch sei?

Vielleicht wissen sie im »tal der ahnungslosen« schlicht zu wenig über die tolle abendländische religion, die sie verteidigen wollen, die einen in puncto grausamkeit durchaus das gruseln lehrt.

Donnerstag, 1. Januar 2015

München, Freitag, d. 1. Januar 1915.

Zeitwende! Das Wort führt jetzt jeder Esel im Munde, dem die Zeit noch niemals etwas gewendet hat. Das Schicksalsjahr 1915! Voll Stolz und Selbstgefühl wird dieser 1. Januar begrüßt. Daß er bestimmt ist, eine Epoche fortzusetzen, die die Vernichtung von millionen Schicksalen bedeutet, fällt den Hanswürsten nicht ein.

Erich Mühsam. Hier weiterlesen - heft 13 (kriegstagebuch)

Dienstag, 16. Dezember 2014

Zählen lernen mit Bill Gates

Einst zählte Bill Gates 3.11, 95, 98. Und bis »vista« konnte ohnehin niemand zählen. Das stand ohnehin bloß für »also vista, dit funktioniert nich.« In der letzten zeit wurde bei winzigweich 7, 8, 10 gezählt.

Bei der »jungen Welt« zählt man beim online-logbuch 5, 6, 8.

Zweieinhalb monate nervte die jw mit dem dreirädrig fahrenden sputnik, der offenbar als große leservergrämungsaktion angelegt war. Aber - potzblitz - seit gestern läuft die seite wie verrückt, sieht wieder übersichtlich aus, lädt auch bei relativ schlechtem netz rasch. Und endlich sind auch die texte in kleinen smartphonedisplays wieder gut lesbar. Sehr schön.

Warum eigentlich nicht gleich so?

Hoffentlich hat die jw sich mit dieser blödsinnsaktion nicht selbst ruiniert.

Samstag, 16. August 2014

Krieg

August Stramm
Wehe wühlt
Harren starrt entsetzt
Kreißen schüttert
Bären spannt die Glieder
Die Stunde blutet
Frage hebt das Auge
Die Zeit gebärt
Erschöpfung
Jüngt
Der
Tod.

August Stramm, geboren am 29. juli 1874 in Münster, fiel am 1. september 1915 am Dnepr-Bug-Kanal im heutigen Weißrußland.
Das grab August Stramms auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf

Mittwoch, 9. Juli 2014

Tagebücher

Seit 2011 erscheinen im verbrecher verlag die tagebücher Erich Mühsams, 2018 soll das letzte von ihnen erscheinen.

Zeitgleich erscheinen sie online. Diese tagebüchersite ist sehr gut gemacht, mit einem umfangreichen register, einem almanach und sogar die handschriften kann man betrachten.

Am 10. juli 1934 wurde Erich Mühsam im KZ Oranienburg ermordet. Vielleicht ein anlaß, sich einmal wieder oder vielleicht überhaupt einmal mit seinem werk zu befassen.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Verdienstkreuz abgelehnt

Der Französisch-Deutschen journalistin Florence Hervé wurde das »Bundesverdienstkreuz am Bande« zuerkannt und aus guten gründen hat sie es abgelehnt. Aus ihrem schreiben an bundeskuckuck Gauck:

»[...]Der Waffenexport der Bundesrepublik – häufig sogar in Konfliktregionen – trägt nicht zum friedlichen Zusammenleben der Völker bei. Das stimmt für die Vergangenheit mit Lieferungen von Waffen an den NATO-Partner Türkei im Kampf gegen die Kurden ebenso wie für jetzt, da Panzer und andere Waffen in die Golf-Diktaturen Katar und Saudi-Arabien verkauft werden. Das gilt auch für die Lieferung von atomwaffenfähigen U-Booten an Israel.

Sie, Monsieur le Président*, fordern ein stärkeres Engagement in Afrika – auch im Sinne militärischer Einsätze. Dies hat mit einem friedlichen Zusammenleben wenig zu tun. Vonnöten wäre dagegen eine Aufarbeitung der historischen Verantwortung für die anhaltende Ungleichheit und Ausbeutung der betroffenen Länder vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialgeschichte. Zum Beispiel gegenüber dem heutigen Namibia: Es gab 2004 eine symbolische Geste der Entschuldigung für den 1904 begangenen Völkermord an den Hereros durch die damalige Ministerin für Entwicklung und Zusammenarbeit. Dabei blieb es bis heute. Weder Entschädigung noch Wiedergutmachung folgten.

[...]Eine unzureichende Aufarbeitung der Nazivergangenheit, eine nicht konsequente Bekämpfung des offenen und latenten Neonazismus und Rassismus und eine unzureichende Anerkennung des antifaschistischen Widerstands – über den 20. Juli 1944 und die Weiße Rose hinaus – kennzeichnen leider weiterhin die Politik und das Geschichtsverständnis der Bundesrepublik. Würde ich die Auszeichnung annehmen, befände ich mich zudem in einer Reihe mit solchen früheren Preisträgern, die Nazis bzw. Nazitäter waren. Soweit mir bekannt ist, wurde bis auf eine Ausnahme keinem von ihnen nachträglich das Verdienstkreuz aberkannt. Das wäre im übrigen ein leicht machbares Unterfangen, das zudem der Geschichtsaufarbeitung diente.

Schließlich möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, ich hätte meinen Frieden mit dieser Politik geschlossen.

Zahlreiche Menschen haben sich dafür eingesetzt, daß ich diese Auszeichnung erhalte. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich. Ich betrachte es als Ermutigung, auch künftig einzutreten für ein menschenwürdiges, gleichberechtigtes Leben von Frauen und Männern, gegen die Tolerierung von sexueller Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung von Frauen, für ein friedliches Zusammenleben der Völker.

Ich verbinde meine Verweigerung der Annahme des Bundesverdienstkreuzes am Bande mit dem Wunsch, daß sich in der künftigen Politik dieses Staates die Ziele meines Engagements widerspiegeln.[...]«

Ganzen text in der jw lesen…

Mittwoch, 2. April 2014

Apostel feudalen dolus’

In der jw von heute war ein interessanter artikel von Andreas Wehr über die absichten der AfD.

Darin schreibt er:
Antikapitalistische Kräfte, die gegen die Europäische Union kämpfen, wissen aber, daß die von der EU ausgehende Gefahr für die Demokratie von dem Druck des monopolisierten Kapitals herrührt, das die Errichtung eines unbeschränkten Binnenmarktes und eine militärisch gesicherte Weltmachtrolle der EU auf Biegen und Brechen durchsetzen will. Wer diese Kräfte nicht als die eigentlichen Gegner ins Visier nimmt, führt Wähler, die Bürokratisierung, Zentralisierung und Demokratieabbau durch die Europäische Union ablehnen, hinters Licht. Genau das aber versucht die »Alternative für Deutschland«.
In der letzten zeit wurde gern behauptet, daß »linke« mit dem programm der Afd »auf einer linie« wären. Daß das unsinn ist, wird im obenstehenden zitat recht gut zusammengefaßt.

»Links« paßt mit den kapitalismusgläubigen ideen der AfD nicht zusammen. Das sind ideen, die einander ausschließen.