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Samstag, 24. Oktober 2020

Frau K. und der reis

Frau K: »Ich koche gern reis auf vorrat. Den friere ich ein und in der mikrowelle ist der in nur fünfzehn minuten wieder heiß.«

Mechthild guckt etwas verwundert aus der wäsche und sagt: »Und ich friere gern kochendes teewasser ein. Das ist schnell wieder erhitzt und wenn es gekocht hat, kann ich nach nur fünf minuten einen schönen, starken Ostfriesentee trinken.«

Mittwoch, 1. Juli 2020

Währungsreform 1990

Zur erinnerung an die »währungsunion« noch mal mein artikel von vor fünf jahren:

An die währungsunion am 1. juli 1990 kann ich mich noch recht gut erinnern. Damals wurde vornehmlich von westlichen politikern propagiert, daß sich das wirtschaftswunder nach der währungsreform von 1948 dann in der DDR wiederholen würde, wenn sie da »drüben« möglichst schnell die DM bekämen. Man erinnere sich an Kohls »blühende landschaften (…), in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt«.

In meinem jugendlichen leichtsinn habe ich das damals nicht geglaubt. Ich fürchte, ich habe recht behalten. Im Januar 1990 gab es in der DDR 7.440 arbeitslose. Deren zahl sich bis juni auf 142.096 deutlich erhöht hatte. Nach der währungsunion beschleunigte sich der anstieg rasant, mitte juli waren es schon 220.000 arbeitslose und zur »wiedervereinigung« im oktober 537.800 - dazu kommen ab juli 500.000 kurzarbeiter, bis ende september hatte deren anzahl sich auf 1.771.576 erhöht.

Das lag nicht an der maroden wirtschaft der DDR, die zwar technisch dem westen hinterherhinkte und sanierungsbedürftig war, aber immerhin stark genug war, 40 % der hergestellten güter zu exportieren. Es lag am politischen willen der Bonner Regierung, den realsozialismus auf Deutschem boden mit einem schlag zu zerstören und da mußten möglichst rasch unumkehrbare tatsachen geschaffen werden, koste es was es wolle. Die wirtschaftlichen interessen der bürger der DDR, deren wirtschaft zu retten gewesen wäre, waren dabei egal. Die pläne gab es, jedoch fehlte der politische wille, sie umzusetzen.

Mit einführung der DM war die wirtschaft der DDR von einen tag auf den anderen wettbewerbsunfähig. Der handel zwischen der BRD und der DDR wurde im verhältnis 1 : 4 abgewickelt. Dadurch waren die produkte aus der DDR auch im westen konkurrenzfähig, weil sie unschlagbar billig waren, damit war mit einführung der harten währung schluß: die preise stiegen mit der währungsunion um ca. 350 %, damit waren sie auch für die ehemaligen handelspartner im RGW-raum unerschwinglich. So drohte bereits im Juli 1990 mehr als 90 % der unternehmen in der DDR die zahlungsunfähigkeit.

Die wirtschaft der DDR, die nach 40 jahren realsozialismus nicht ruiniert war, hat der Oggersheimer in nur einem sommer geschafft.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Unsichtbare gigafactory

Wie ich eben gelesen habe, ist der kauf des geländes für die Teslafabrik notariell beglaubigt worden. Weil ich an gescheiterte Brandenburger großprojekte wie BER (Flughafen Willy Brand) oder lastzeppeline (Cargolifter) glaube, freue ich mich sehr auf Tesla, womöglich wird das noch lustig.

Die Cargolifterhalle ist nicht unsichtbar, die ist weithin sichtbar. Da ist jetzt das Tropical Island drin. Aber was machen wir hinterher mit dem Teslagelände, wenn die auf die idee kommen, daß das eine voll saublöde idee ist, mitten im nichts eine riesige fabrik hinzustellen?

Kreative ideen sind gefragt.


Das 1-€-blog wird weiterhin berichten.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Der dicke hund der woche

Das verwaltungsgericht in Moabit hat heute die klage einer 66jährigen exDDRbürgerin gegen die kirchensteuer abgewiesen, weil sie 1953 getauft worden sei und sie somit mitglied der kirche sei, obgleich sie bis zur kirchensteuernachforderung, die im jahr 2011 kam, davon nichts wußte. Ihre eltern waren mitte der fünfziger jahre aus der kirche ausgetreten, sie hatte nie etwas mit diesem glaubensverein zu tun, dachte sie zumindest.

Da haben nach der wende ziemlich viele ehemalige DDRbürger recht seltsam aus der wäsche gegückt, daß sie ohne zu kündigen plötzlich nicht mehr in der FDJ organisiert waren, der sie beigetreten waren, sondern in der kirche, die in ihrem leben keine große rolle gespielt hatte und daß sie beiträge für einen verein zahlen mußten, dem sie überhaupt nicht selbst beigetreten waren. Wer davon wußte, ist ausgetreten, wer davon nicht wußte, hatte offensichtlich ein teures problem.

Zum glück bin ich bei zeiten aus der kirche ausgetreten als es noch billig war. Ich bin mit meinem damaligen freund zum standesamt (wo man sinnvollere dinge tun kann als heiraten) gegangen, erklärte meinen austritt aus der kirche und der freundlichen beamtin war es nahezu unangenehm, daß sie mir für die beglaubigung 2 mark abknöpfen mußte. Hinterher haben wir diesen anlaß gefeiert.

Zum kirchenaustrittfeiern bleibt in den meisten bundesländern heutzutage leider nicht viel geld. In Baden-Würtemberg kostet es bis zu 60€. In den meisten anderen um die 30€. Am günstigsten ist’s im sympathischen bundesland mit dem loch in der mitte, Brandenburg. Dort ist der kirchenaustritt gebührenfrei.

So sollte es überall sein!

Dienstag, 30. Juli 2019

Hitlergruß und nasse hose

In der diskussion zu »das wird man wohl mal sagen dürfen« habe ich ein foto erwähnt. Wie ich entdeckt habe, gibt es eine ganze doku über die entstehungsgeschichte des fotos. Es entstand in Rostock 1992. Die doku ist der reinste gruselfilm, weil sie einem noch mal vor augen führt, wie ganz normale leute, die über jahre hinweg friedlich in nachbarschaft mit ausländern gelebt hatten, sich von einem braunen mob aufhetzen ließen.


Mittwoch, 15. Mai 2019

Importglück in der ostzone

Meine erste banane. Importware aus Hessisch Sibirien.

Freitag, 28. September 2018

Deine unterschrift für den Hambacher Forst


Wer heute noch etwas gutes tun möchte, könnte gleich ein autogramm geben für den Hambacher Wald.

In der gegend bin ich noch nie gewesen. Aber den erhalt des waldes unterstütze ich auf jeden fall. Der DDR wird bis heute vorgeworfen, daß sie dort ohne rücksicht auf die natur braunkohle gefördert hätten. Was hätten sie denn auch tun sollen? Der Urwald Weißwasser war aber zu DDRzeiten ein schutzgebiet, das nicht angerührt werden durfte. Der wurde erst in den letzten jahren von Vattenfall abgebaggert.

So sinnlos es auch ist, probieren sollte man es doch.

Dienstag, 12. Juni 2018

Bayern bald schön wie die DDR?

Zwar hat Bayerns umweltminister, Dr. Marcel Huber, keine »blühenden landschaften« versprochen, aber immerhin einen »Blühpakt Bayern«.

Da können die Bajuwaren mit sicherheit vom osten eine menge lernen.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Die schöne nachricht aus Brandenburg

Manchmal sind nachrichten der »lügenpresse« so schön, daß man sie kaum glauben kann. Beispielsweise, daß jemand Alexander Gauland beim baden im Heiligen See in Potsdam die kleidung geklaut hat.
Der Heilige See in Potsdam
Hat er den Bulgakov nicht gelesen? Sonst hätte er wissen müssen, daß es ihm ergehen kann wie Iwan Nikolajewitsch Besdomny, wenn er am fluß (bzw. see) die hüllen fallen läßt. Und ein platz im irrenhaus wäre unter umständen das verkehrteste nicht.

Dienstag, 20. März 2018

Schlagschwirl schlägt rechtsrocker

Im grunde ist er ein friedlicher zeitgenosse, der schlagschwirl. Aber im Thüringischen Themar ist ihm offenbar gelungen, was den anwohnern des ortes bisher nicht gelungen ist: nämlich ein verbot für das für anfang juni geplante rechtsrock konzert zu erwirken. Denn schlagschwirle sind streng geschützt und dürfen beim brüten nicht gestört werden.

Überdies sind schlagschwirle mit sicherheit sympathischer als rechte schlägertypen.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Deutschland 88

Letzens kam im Deutschlandfunk ein interessantes radiofeature, in welchem Englische Germanistikstudenten von ihrem studium in Deutschand erzählten.

Das spannende daran: die sendung war eine wiederholung von 1988 und die studenten hatten eine zeit in der BRD und eine zeit in der DDR studiert. Dabei hatten sie ein erstaunlich schlechtes bild von der BRD gewonnen, in der sie beispielsweise probleme mit bürokratischen hürden hatten und ein ziemlich gutes von der DDR, an der ihnen positiv auffiel, daß es keine bettler gab und daß alle menschen sich restaurantessen und kulturveranstaltungen leisten konnten. Gefragt, wo sie denn leben wollten, wenn sie denn in Deutschland leben müßten, entschieden sie sich eindeutig für die DDR.

Die sendung kann man hier anhören.

Der Spiegel meldete letzte woche, daß Westdeutsche studenten bis heute nicht in Ostdeutschland studieren wollen.

Mittwoch, 22. November 2017

Typisch Höcke: immer nur stelen

Das ZPS (Zentrum für Politische Schönheit) hat dem führer fraktionsvorsitzenden der AfD Thüringen, Bernd Höcke, ein eigenes »denkmal der schande« vor die tür gesetzt.

Hierfür hat das ZPS das grundstück neben Höckes anwesen angemietet. Sehr schöne, weil gewaltfreie aktion, die installation soll bis ende 2019 stehen bleiben. Hier gibts bilder.

Dienstag, 28. Februar 2017

Gedanken des geschichtslehrers BH

Im interview mit dem Spiegel (ausgabe, nr. 8/18.02.2017) sagte der fraktionsvorsitzende der AfD, Björn Höcke, daß er in seiner Dresdner Rede »das falsche thema zum falschen zeitpunkt mit dem falschen pathos vorgetragen« habe. Aber im grunde hat er doch nichts gesagt, was man ihm nicht ohnehin zugetraut hätte, der mann ist schließlich längst dafür bekannt, des öfteren haarsträubendes von sich zu geben.

Damit es nicht heißt, ich würde dinge aus dem zusammenhang reißen, habe ich ungefähr die hälfte seiner rede mitgeschrieben, inklusive der viel zitierten angelegenheit mit dem Holocaust Mahnmal. Diese goldenen worte sollten der nachwelt erhalten bleiben. Ist alles drin, was man für eine große, rechtsextreme rede braucht: pathos, heiße luft und opfermythos. Als beamter des landes Hessen, der seit jahren geschichte unterrichtet, kann er nicht behaupten, daß er nicht gewußt habe, wovon er redet.
Zitat BH: »Die bombardierung Dresdens und der anschließende feuersturm vernichteten das Elbflorenz und die darin lebenden menschen. Die bombardierung Dresdens war ein kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki.

Mit der bombardierung Dresdens und der anderen Deutschen städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive identität rauben. Man wollte uns mit stumpf und stil vernichten, man wollte unsere wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen umerziehung hat man das dann auch fast geschafft. Deutsche opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch Deutsche täter. Bis heute sind wir nicht in der lage, unsere eigenen opfer zu betrauern. Und augenfällig wurde das wieder mit dem würdelosen umgang mit den opfern des Berliner Terroranschlags.«
Der herr geschichtslehrer tut so, als wäre die zerstörung Dresdens und zahlreicher anderer Deutscher städte aus heiterem himmel über das friedliebende Dritte Reich hereingebrochen.

Das war aber nicht so. Bereits 1937 zerstörten die bomber der Deutschen Legion Condor mehrere Baskische städte, darunter die stadt Gernika, welche als »kulturelle hauptstadt des Baskenlandes« von bedeutung war. Und auch in Großbritannien wurden in den ersten kriegsjahren historische städte zerstört, die nicht unbedingt kriegswichtig waren.

Man kann also kaum behaupten, die zerstörung Dresdens sei eine überraschung gewesen. Sicherlich ging es bei den angriffen der alliierten auch um vergeltung. Die strategie war, das Deutsche Reich durch die bombardierungen zur kapitulation zu zwingen bzw. das volk so weit zu demoralisieren, daß es gegen die obrigkeit aufsteht. Das ist aber leider nicht passiert. Das dumme volk hat es lieber erduldet, in die steinzeit zurück gebombt zu werden als zu rebellieren.

Und dann maßt sich dieser kasper auch noch an zu behaupten, »wir« wären nicht imstande, um »unsere eigenen opfer« zu trauern. Glaubt der im ernst, daß die meschen, die ihre liebsten im krieg verloren haben, nicht ganz von selbst um ihre »eigenen opfer« getrauert hätten? Der staat, der sie in diesen krieg geschickt hat, dürfte so ziemlich das letzte gewesen sein, das sie dazu brauchten. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß nazifamilien tatsächlich dermaßen emotional auf der strecke geblieben sind, daß sie ohne hoheitliche erlaubnis unfähig zum trauern sind. »Deutsche Helden« weinen schließlich nicht. Alle anderen haben ihre toten angehörigen beweint. Und viele mußten gar nicht groß »umerzogen« werden, um anhand dieser erfahrungen zu begreifen, daß »die sache der nation« keinesfalls ihren eigenen interessen entspricht und man deshalb vom patriotismus besser abstand hält.

Achtung. Es folgt der vielzitierte teil mit dem »denkmal der schande«.
Zitat BH: »Der von Markus Mohr schon zu recht thematisierte wiederaufbau der Frauenkirche war für uns patrioten ein hoffnungsschimmer dafür, daß es ihn doch noch gibt, diesen kleinen funken Deutschen selbstbehauptungswillen.

Aber, liebe Freunde, bis jetzt sind es nur Fassaden, die wieder entstanden sind. Jetzt ist unsere geistesverfassung, unser gemütszustand immer noch der eines total besiegten volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser volk, sind das einzige volk der welt, das sich ein denkmal der schande in das herz seiner hauptstadt gepflanzt hat.«
Dazu sagt er im interview mit dem Spiegel: »Aber nicht nur ich habe das gefühl, daß alle anderen länder in dieser welt die positiven seiten ihrer geschichte in den mittelpunkt ihrer erinnerungskultur stellen, während es bei den Deutschen die dunkle seite der Judenvernichtung im Dritten Reich ist. Mir ist es wichtig klarzustellen, daß diese verbrechen unentschuldbar sind, ein schandfleck in der Deutschen geschichte. Aber warum stellen wir ausgerechnet diesen schandfleck in den mittelpunkt unserer erinnerungskultur? Warum gehen wir nicht den weg aller anderen länder?« Interessant ist, daß er von der dunklen seite der Judenvernichtung spricht. Das setzt voraus, daß der geschichtslehrer Höcke offenbar auch eine lichte seite der Judenvernichtung kennt, an die man erinnern könnte. Und überhaupt wurde nicht das Jüdische Volk geschädigt, das ausgelöscht werden sollte und auch nicht die einzelnen individuen, die beraubt, gequält und ermordet wurden, sondern das Deutsche Volk, weil es mit der schande leben muß.

Wie ein klassischer faschist sieht Höcke die angebliche schwäche der eigenen nation, die dem untergang geweiht sei. Wer im gegensatz zu Höcke halbwegs trost ist, weiß, daß »die Deutschen« schon lange kein »total besiegtes volk« mehr sind. In der EU diktiert Deutschland den anderen, was zu tun ist. Das entspricht ganz und gar nicht einer total besiegten nation.
Zitat BH: »Wenn man sich statt die nachwachsende generation, mit den großen wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden philosophen, den musikern, den genialen entdeckern und erfindern in berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben. Markus Mohr hat darauf hingewiesen und sie namentlich stellenweise erwähnt und es war doch nur eine kleine Gruppe, die er mangels Zeit aufzählen konnte. Vielleicht mehr als jedes andere volk auf dieser welt, liebe freunde, und anstatt unsere schüler in den schulen mit dieser geschichte in berührung zu bringen, wird die geschichte, die Deutsche geschichte mies und lächerlich gemacht. So kann es und so darf es nicht weiter gehen.

So kann es, so darf es und so wird es nicht weiter gehen, liebe freunde. Es gibt keine moralische pflicht zur selbstauflösung. Die gibt es nicht. Im gegenteil, es gibt die moralische pflicht, dieses land, diese kultur, seinen noch vorhandenen wohlstand und seine noch vorhandene staatliche wohlordnung an die kommende generation weiter zu geben, das ist unsere moralische pflicht.«
Höcke glaubt also, daß mit der erinnerung an den Holocaust die Deutsche geschichte nicht nur mies, sondern auch lächerlich gemacht würde. Aber es kommt noch besser:
Zitat BH: »Wenn wir eine zukunft haben wollen und wir wollen diese zukunft haben und immer mehr Deutsche erkennen, daß eigentlich auch sie eine zukunft haben wollen, dann brauchen wir eine vision. Eine vision wird aber nur dann entstehen, wenn wir uns wieder selber finden, wenn wir uns wieder selbst entdecken. Wir müssen wieder wir selbst werden.

Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive beziehung zu unserer geschichte aufbauen. Und schon Franz-Josef Strauß bemerkte, die vergangenheitsbewältigung als gesamtgesellschaftliche daueraufgabe, die lähmt ein volk. Liebe Freunde, recht hat er, der Franz-Josef Strauß! Und diese dämliche bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz-Josef Strauß zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische wende um 180 Grad.

Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische wende um 180 grad. Liebe freunde, wir brauchen keine toten riten mehr in diesem land, wir haben keine zeit mehr, tote Riten zu exekutieren, wir brauchen keine hohlen phrasen mehr in diesem land, wir brauchen eine lebendige erinnerungskultur, die uns vor allen dingen und zu aller erst mit den großartigen leistungen der altvorderen in berührung bringt.«
Klar, wenn der Deutsche durch die gedenkkultur an die Shoa daran erinnert wird, wo rassismus hinführt, ist er gelähmt und kann einfach nicht er selbst sein. Da kann FJ Strauß, selig, noch ein lied von singen. Nur der hatte es seiner zeit besser, weil es noch ausreichend altnazis in der politik gab, die heute aus biologischen gründen eher knapp sind.

Anstatt mit dem rassistischen völkermord sollen sich die Deutschen also mit den großartigen leistungen der altvorderen befassen. Aber genau so wenig wie man schuld sein kann an greueltaten, die jahre vor der eigenen geburt passierten, kann man stolz auf »großartige leistungen« sein, die andere vor einem erbracht haben. Mehr weltbewegende philosophen, musiker, geniale entdecker und erfinder zu haben »vielleicht mehr als jedes andere volk auf dieser welt« bilden sich die chauvinisten aller nationen ein. Ohne selbst etwas geleistet zu haben.
Zitat BH: »Kurz, es geht darum, diese neuentstandenen fassaden in Dresden aber auch in Potsdam und in Berlin wird gerade auch das stadtschloß wieder aufgebaut. Gott sei dank wird es wieder aufgebaut. Es geht darum, diesen neu entstandenen fassaden einen würdigen, neuen geist einzuhauchen. Es ist der geist eines neuen, ehrlichen, vitalen, tiefgegründeten und selbstbewußten patriotismus. Denn wir wissen, ohne so einen patriotismus kann keine bürgerliche gesellschaft überleben. Und das ist die innere erneuerung an die Roman Herzog vielleicht vor 20 jahren insgeheim auch schon dachte, die er sich aber nicht wagte auszusprechen.«
Weshalb man einem nicht existenten danken sollte, weil alter dreck neu aus dem boden gestampft wird ist unverständlich. Diese fassaden sind nicht für einen pfennig ehrlich, sondern nur eine kulisse für ewiggestrige. Das Hohenzollerschloß, das in Berlin aus beton gegossen wird, ist historisch so wertvoll wie Neuschwanstein in Disneyland. Jeder profane plattenbau und sei er auch noch so häßlich, ist wertvoller. Es gibt in Ostdeutschland (im westen mit sicherheit auch) und Berlin sehr viel historische bausubstanz, die man der nachwelt erhalten könnte und meiner meinung nach auch erhalten müßte. Aber dafür ist kein geld da, weil idioten wie Höcke quasi einen orgasmus bekommen, wenn man ihnen eine gefälschte Schlüterfassade verspricht. Das ist schließlich viel mehr wert, als die echten historischen gebäude denkmalgerecht zu erhalten.

Der Roman Herzog hat vor 20 jahren ziemlich genau ausgesprochen, was er »insgeheim« dachte: das volk muß entsagungen hinnehmen, damit der staat aufblühen kann und in der staatenkonkurrenz vorankommt. Wo auch immer patriotismus gefordert wird, bedeutet es niemals ein angenehmes leben für die untertanen.

Im interview mit dem Spiegel wurde Höcke wegen seiner kritik an Richard v. Weizsäcker, der den 8. Mai als »tag der befreiung« bezeichnet hatte, gefragt, ob es ihm denn lieber gewesen wäre, wenn die nazis an der macht geblieben wäre. Auf diese frage antwortete er »daß die nazidiktatur überwunden werden mußte, das ist doch selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich war der 8. Mai 1945 für die menschen, die in diesem völlig ausgebombten land dahinvegitierten, nicht nur eine befreiung, sondern eben auch eine totale niederlage. Die Deutschen erlebten den 8. Mai 1945 nun mal ambivalent. Die einen hatten glück und wurden von soldaten befreit, die ihnen kaugummis und schokolade gaben. Andere trafen auf soldaten und wurden vergewaltigt. Für viele Deutsche begann auch eine neue diktatur. In Ostdeutschland war erst der 9. November 1989 der tag der befreiung. Als geschichtslehrer muß ich diese ambivalenz berücksichtigen.« Als geschichtslehrer könnte Höcke aber auch weniger klischeebehaftetes zeug faseln und etwas sachlicher mit der geschichte umgehen. Ganz nebenher setzt er den faschismus und den realsozialismus gleich.
Zitat BH: »Aber wir, wir wagen es diese innere erneuerung einzufordern. Wir wagen es nicht nur, sie einzufordern, nein, liebe freunde, wir werden sie, um unser lieber vaterland willen, auch durchsetzen.

Liebe freunde, die angriffe der politischen gegner sind omnipräsent. Sie sind manchmal in ihrer perfidie nicht zu übertreffen. Sie sind manchmal gewalttätig, sie sind hinterhältig, sie sind skrupellos und wir werden vor den Bundestagswahlen 2017 noch eine verstärkung dieser furchtbaren angriffe zu erleiden, zu ertragen, zu erdulden, haben. Aber wir werden diesen angriffen widerstehen, denn wir führen einen gerechten kampf, einen kampf, der mit der Bundestagswahl nicht endet und der langfristig darüber entscheiden wird, ob wir und unsere kinder noch eine zukunft in der mitte Europas haben oder ob unser wohlstand, unser staat, unsere kultur und unser liebes volk im chaos versinkt.«
Die übliche heulsusigkeit der extrem rechten, die schlimmer als alle anderen angegriffen werden. Sicherlich wurden mehr als 3.553 angriffe auf die AfD und ihre gesinnungkameraden begangen, wobei auch mehr als 43 kinder verletzt wurden.
Zitat BH: »Liebe freunde, wir müssen nichts weniger als geschichte schreiben, wenn es für uns Deutsche und uns Europäer noch eine zukunft geben soll. Wir können geschichte schreiben. Tun wir es!«
Nachdem ich mir diese rede ca. eine stunde angehört hatte, empfand ich tiefes mitgefühl mit den schülern aus dem Nordhessischen Bad Sooden-Allendorf, die sich das Höckesche gefasel allwöchentlich anhören mußten. Unerträglich. Damit diesen jugendlichen das erspart bleibt, hoffe ich sehr, daß Höcke nicht aus der AfD ausgeschlossen wird. Der soll sich besser nicht hinter verschlossenen schultüren vor jugendlichen ausgurgeln, sondern sich in aller öffentlichkeit blamieren.



Freitag, 17. Februar 2017

Werbung mit weltanschauung

Weil der folgende werbespot »weltanschauung« transportiere, weigern sich der MDR und Ostseewelle, ihn zu senden.


Auf mich wirkt der werbespot etwas altbacken. Das erinnert an die werbung im dorfkino in den 80er jahren. Und frieden ist heutzutage ohnehin nicht mehr in mode, weshalb er offenbar als ganz spezielle »weltanschauung« gilt. Ganz im gegensatz zu der werbung der Bundeswehr, die selbstverständlich mit weltanschauung nichts zu tun hat.

Montag, 19. Dezember 2016

Mal wieder ein Deutsches theater

Und wie man sich denken kann, ist das der AfD aktuell zu »linksversifft«. In Dessau haben gar Deutsche und Syrische jugendliche ein gemeinsames theaterstück entwickelt, das das fremdsein und flucht zum thema hat.

Schließlich geht es der AfD um eine »Renaissance der deutschen Kultur«, weshalb das theater keineswegs ein kreativer freiraum sein darf und soll, sondern es stattdessen als »erziehungsanstalt« zur nationalbildung zu dienen hat. Darauf haben mit sicherheit alle gewartet.

Der »chef-ideologe« der AfD in Sachsen-Anhalt Hans-Thomas Tillschneider äußerte im Deutschlandfunk, daß die Deutsche Romantik viel zu sehr im schatten stehe.

Ja. Der Deutschlanfunk beachtet Tillschneider zu viel und Chamisso zu viel wenig!

Die Deutsche Romantik hat immerhin auch nicht komplett vernagelte schriftsteller hervorgebracht, die sich auch naturwissenschaftlich betätigten und das gar nicht mal schlecht. Allerdings war der Adalbert von, obgleich er in Deutscher sprache schrieb, kein Deutscher sondern ... flüchtling.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Zur abwechslung: alles STASI

In Berlin ist mal wieder was passiert. So furchtbar, daß ein herr Meyer von der FAZ, stützstrumpf der gesellschaft, es für unvorstellbar hält. 1989 nämlich »soll man sich recht einig gewesen sein, dass man so ein System auf deutschen Boden nie wieder haben will«. Schön formuliert, auch wenn niemand sagen kann, wer dieser »man« überhaupt gewesen ist, der »sich recht einig gewesen sein« soll. Wahrscheinlich war es der »man« des Westdeutschen kapitals, der sich ohnehin schon immer so einig war, daß keine notwendigkeit mehr bestand, die millionen menschen in der DDR auch noch zu fragen, ob sie »so ein System auf deutschen Boden nie wieder haben« wollen. Es folgen neun weitere absätze bürgerlichen empörungsgewäschs, die man sich getrost sparen kann. Wie sämtliche ergüsse des herrn M.

Es geht um Andrej Holm, der jetzt staatssekretär bei der LINKEN geworden ist. Der sei für den posten absolut ungeeignet. Schließlich hatte er sich im reifen alter von 14 jahren für eine laufbahn beim MfS entschieden, die ausbildung trat nach dem abitur mit 18 im september 1989 an. Die »STASI-karriere« endete nach rund fünf monaten mit der auflösung des MfS. Danach engagierte er sich in oppositionellen gruppen, studierte soziologie und forschte an der Humboldt Universität.

Weil das mit dem MfS vielleicht nicht greift, scheint es einigen ein dorn im auge zu sein, daß der staatssekretär im ressort für stadtentwicklung kein berufspolitiker ist, sondern »bloß« auf dem gebiet der stadtsoziologie geforscht hat. Der mann kann ja kein experte sein!

Am lautesten hat natürlich wieder der Knabe aus Hoheschönhausen gebrüllt. Er behauptete, Holm habe »unmittelbar an der Unterdrückung der DDR-Opposition« mitgewirkt. Nachweisen konnte man ihm, meines wissens, in den vergangenen 26 jahren nichts, jedoch hat er sich kollektiv schuldig gemacht. Im Deutschen recht, ob einem das gefällt oder nicht, gibt es jedoch keine kollektivschuld. Da müßte eben schon maßgebliche beteiligung an einer straftat nachgewiesen werden. Wenn man aber den Knaben aus Hohenschönhausen einfach so mal beim wort nehmen würde, dann müßte man herrn Holm vorwerfen, kollektiv mitschuld zu sein, daß es im herbst 89 keine todesopfer zu beklagen gab.

Das vermasselt dem Knaben glatt das geschäft.

Samstag, 10. Dezember 2016

Die Arier

Ein film von Mo Asumang, in dem sie dem begriff »arier« auf den grund geht und die »ideen« die hinter dem rassismus stecken ergründen möchte. Nach ungefähr einer halben stunde gibt es ein interview mit Axel Stoll.

Samstag, 19. November 2016

30 jahre Bolschewistische Kurkapelle

Vor 30 jahren hatte die Bolschewistische Kurkapelle ihren ersten auftritt. Dazu gab es eine sendung beim Deutschlandradio Kultur.

Auch nach 30 jahren wirken sie fast wie neu:

Dienstag, 6. September 2016

AfD, LINKE und der einstürzende sozialstaat

Nach der wahl in MV wurde berichtet, daß geringverdiener und arbeitslose vermehrt AfD gewählt hätten. Das erscheint seltsam, denn die AfD hat keine sozialen verbesserungen für arme im programm, weshalb man glauben könnte, daß die armen eher die LINKSpartei wählen würden.

Daß sie das nicht (mehr) tun, muß einen nicht wirklich wundern. Die LINKE spricht die leute keinesfalls als besitzlose klasse an, deren probleme erst durch die staatsmacht in die welt gesetzt werden und wogegen es sich zu wehren gälte, sondern als bürger, deren probleme von einer guten regierung gelöst werden müßten. Das klappt nur immer nicht, wenn die LINKE mal irgendwo mitregieren darf. Die LINKE kann die gesetzmäßigkeiten des wirtschaftssystems, das sie schon längst nicht mehr abzuschaffen gedenkt, nicht außer kraft setzen.

Die wähler wissen, daß sie in diesem staat gezwungen sind, um alles zu konkurrieren und das nehmen sie als gegeben hin. Nicht mal der LINKEN fällt es im traum ein, diesen scheiß abzuschaffen. Also besinnen die leute sich als wähler auf ihre nationalität und bevorzugen eine partei, die verspricht, wenigstens die ausländer auszusperren, die sich ihrer meinung nach ohnehin alle widerrechtlich hier aufhalten. Wenn es gegen den vermeintlichen inneren feind geht, kennt der Deutsche keine klassengegensätze mehr, sondern nur noch kriminelle ausländer, die den sozialstaat zum einsturz bringen.

Und das wäre eine frage, mit der sich LINKE endlich mal befassen sollten: wofür benötigt man eigentlich diesen blöden sozialstaat? Ist der sozialstaat nicht auch eingeständnis, daß ein großteil der leute bei den derzeitigen produktionsverhältnissen zwangsläufig so arm bleibt, in allen lebenslagen auf hilfe angewiesen zu sein?

Wäre es nicht längst an der zeit, diesen blödsinn abzuschaffen?