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Sonntag, 12. September 2021

Diskussion mit Dr. Sbaitso

Bei manchen diskussionen im internet mußte ich in den letzten monaten an den guten, alten Dr. Sbaitso zurückdenken, mit welchem ich in den frühen 90er jahren bekanntschaft machte. Allerdings war Dr. Sbaitso kein mensch, sondern ein spiel. Und zwar eins, das für die damalige zeit technisch ziemlich modern war, denn es war eine der ersten anwendungen für text-to-speech, bei denen der computer einem antworten auf fragen geben konnte und den text vom bildschirm vorlas.

Vom prinzip her funktionierte es ungefähr wie ein frage-und-antwort-spiel, bei dem man zwei leuten jeweils einen gemischten kartenstapel in die hand drückt und einer die fragen vorliest und der andere die zufällige antwort. Der unterschied war, daß man irgendwas sagen konnte und der »mensch« in der maschine imstande war, aus den eingetippten buchstaben wörter zusammenzusetzen, diese sogar vorzulesen, schlüsselwörter zu erkennen und anhand dieser aus einem paar dutzend textbausteinen eine möglichst passende antwort zu geben. Und er konnte sogar nachfragen oder einfach die klappe halten, wenn das gesagte nicht mit seiner datenbank zusammenpaßte.

Manche leute erinnern aber auch eher an den Talking Parrot, den es ungefähr zur gleichen zeit gab. Das war eine ziemlich erbärmliche computeranimation in form eines papageis, der einen über den lautsprecher dazu aufforderte, über die tastatur mit ihm zu reden. Besonders viel konnte er nicht. Es war völlig egal, was man tat. Die reaktion war stets die selbe: nach kurzer zeit kreischte er nur noch, wenn man bloß die tastatur anfaßte.

Je länger es das internet gibt, über das man mit anderen menschen kommunizieren könnte, desto mehr bekomme ich den eindruck, daß der Parrot und Dr. Sbaitso origineller waren als ich sie damals empfand, denn wesentlich mehr als deren textbausteine oder gekreisch liefern echte menschen oft kaum ab.

Samstag, 5. Dezember 2020

Doch noch was zum taubenthema

Bei »quer« lief die woche ein beitrag zu den straßentauben in München [im video ca. ab minute 35:16] Ob es eine schlaue idee ist, männliche straßentauben zu sterilisieren, sei dahingestellt. Ich sehe jeden tag tauben und ich kann da nicht sagen, welche gockel oder henne ist, das erkennt man nur am balzverhalten. Wie sollte man da die täuberiche einfangen?

Was mich an dem film geärgert hat, ist, daß einmal mehr behauptet wird, der mensch habe denen das fortwährende eierlegen überhaupt erst angezüchtet. Brieftaubenzüchter wollen das nicht. Die tauben sollen nicht ihre gesamte energie für die brut verballern, die sollen möglichst weite strecken fliegen. Und das können sie nicht, wenn sie fortwährend brüten. Über die graphische darstellung, daß in dem film taubennester mit drei eiern gezeigt werden, muß ich mich nicht weiter aufregen. Tauben können nicht bis drei zählen und legen fur gewöhnlich nur zwei eier. Aber manchmal ist auch was egal.

Zusätzlich noch eine kleine anekdote aus dem privatleben: Als ich vor etlichen jahren mal im frühjahr verreist war, lagen als ich nach hause kam zwei strahlend weiß gefärbte ostereier auf dem balkon in einem meiner blumentöpfe. Es war tatsächlich gerade ostern gewesen und ich wunderte mich einen moment lang, wo dieses osternest herkommt. Einige sekunden später begriff ich, daß zu den zwei eiern zwei tauben gehören. Ich brachte es nicht über mich, sie rauszuwerfen und dachte, daß es an sich doch niedlich ist, wenn die auf meinem balkon brüten. Es war im wahrsten sinne des wortes eine scheißidee. Beim frühstück und beim abendessen kackenden tauben zuzuschauen, ist nicht sehr hübsch. Die beiden küken waren extrem dämlich. Sie bekamen die namen Schlaftablette und Hackepeter. Als sie flügge geworden waren, habe ich die taubenfamilie »entmietet«. Sie haben mir über monate hinweg alle paar tage ein frisches ei auf den balkon gelegt. Leider habe ich mich nicht getraut, die einfach zu essen, obwohl taubeneier hervorragend schmecken, aber ich befürchtete, daß die irgendwas haben könnten, womit man sich infizieren kann.

Sonntag, 25. Oktober 2020

Sonntagsabschied

Ach, wäre der coronascheiß doch endlich vorbei! Wir könnten wieder in konzerte gehen und uns ganz scheußliche musik reinpfeifen: Mir gefällt das aber zufällig.

Samstag, 24. Oktober 2020

Frau K. und der reis

Frau K: »Ich koche gern reis auf vorrat. Den friere ich ein und in der mikrowelle ist der in nur fünfzehn minuten wieder heiß.«

Mechthild guckt etwas verwundert aus der wäsche und sagt: »Und ich friere gern kochendes teewasser ein. Das ist schnell wieder erhitzt und wenn es gekocht hat, kann ich nach nur fünf minuten einen schönen, starken Ostfriesentee trinken.«

Mittwoch, 19. August 2020

Diallyldisulfid

Falls sich irgendwer über das wort im titel wundert, weil er das noch nie gehört hat, den kann ich beruhigen. Kannte ich bis heute auch nicht. Nur habe ich heute unfreiwillig einen selbstversuch damit gemacht.

Der tag verlief eigentlich völlig normal und dann war ich auf einem markt, wo knoblauch so sagenhaft billig war, daß ich mehr davon als normal kaufte, weil ich es schon lange ausprobieren wollte, knofl mal selbst einzulegen, weil der fertig eingelegte meist in maschinenöl schwimmt und ich das nicht mag. Und knoblauch ist ja so gesund!

Was mir beim schälen des knoblauchs passierte, ist mir bisher noch nie passiert - und ich habe beispielsweise auch schon mit bloßen händen aus chilis sambal oelek selbst hergestellt, damit der ungefähr den schärfegrad bekommt den ich für richtig halte - ich hatte das gefühl, daß ich verbrennungen an meinen fingern hätte und kaum noch etwas tun konnte.

Wie ich dann herausfand, kam das vom diallyldisulfid, das im knoblauch ist und das hautreizungen hervorrufen kann. Ich hab meine pfoten jetzt ein paar stunden lang gekühlt und bis auf ein bißchen kribbeln in den fingerspitzen scheint alles wieder »normal« zu sein. Nie im leben hätte ich gedacht, daß so ein profanes zeug wie knoblauch, mit dem ich alltäglich in der küche umgehe, derartige probleme bereiten könnte.

Hoffentlich ist das jetzt nicht der beginn einer wunderbaren allergie, denn ohne knoblauch hat essen überhaupt keinen sinn.

Samstag, 1. August 2020

Ein halbes jahr

Mehrfach habe ich gelesen, daß hierzulande die meisten leute jetzt weniger angst vor corona hätten und sorgloser damit umgingen als noch vor einem halben jahr.

Warum ist das bei mir umgekehrt?

Vor einem halben jahr war anfang februar. Ja, ich hatte es wahrgenommen, daß da was ist, aber ich habe mir da überhaupt kein kopp drum gemacht. Ich hatte den eindruck, daß die fälle, die es in Deutschland gab, im griff wären und ich bin absolut sorglos in überfüllten bahnen und bussen gefahren, bin in restaurants, konzerte und ins theater gegangen, hatte sogar den plan, den sommer nach sehr langer zeit einmal im ausland zu verbringen.

All das kommt für mich jetzt überhaupt nicht in frage. Ich fahre nicht mehr bahn, möchte auch sonst nicht reisen, nehme an kulturveranstaltungen ausschließlich von meinem computer aus teil. Im februar wäre das für mich völlig undenkbar gewesen. Also ich zumindest mache mir jetzt erheblich mehr gedanken über corona als vor einem halben jahr. Hat sonst niemand mitbekommen, was passiert ist?

Freitag, 15. Mai 2020

Gehen Sie nicht zu dieser Demo


Vorhin wurde mir eine mail von Felix Kolb weitergeleitet, die ich gern weiterverbreite. Felix Kolb ist im vorstand der organisation Campact und organisiert demonstrationen.

Seit über 25 Jahren organisiere ich Proteste und kritisiere die Politik von Regierungen und Konzernen. Mehr als einmal musste ich als friedlicher Demonstrant den Kontakt mit der Staatsmacht in Form von Wasserwerfern machen. Erleben, wie Medien unsere Proteste diskreditierten – ohne über unsere Forderungen zu berichten. Warum ich Ihnen das schreibe? Um zu unterstreichen, wie ungewohnt es für mich ist, vor Protesten zu warnen – den aktuellen Corona-Protesten oder sogenannten Hygiene-Demonstrationen. Und doch bin ich überzeugt, dass das jetzt nötig ist. Lassen Sie mich erklären, warum.

Deutschland ist bisher erfolgreich in der Eindämmung des Virus


Das dürfen wir in der aufgeregten Debatte nicht vergessen und nur deshalb haben wir heute diese Diskussion: Deutschland ist bislang deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen als viele andere Länder. Überlastete Intensivstationen wie in Italien oder eine enorme Ausbreitung wie in den USA kennen wir zum Glück nicht.[1] Doch das liegt nicht daran, dass das Virus weniger gefährlich ist als gedacht. Der einfache Grund: Die bisherigen Maßnahmen haben gut funktioniert.

Die Gesundheitsbehörden haben früh, viel und systematisch getestet. Dadurch konnten sie das Infektionsgeschehen rechtzeitig eindämmen. So waren die Krankenhäuser auf stark steigende Patientenzahlen vorbereitet.[2] Auch deswegen sind in Deutschland der Seuche im Pro-Kopf-Vergleich viel weniger Menschen zum Opfer gefallen als beispielsweise in Spanien, Schweden, Großbritannien, Italien oder den USA.[3]

Wir alle haben auf soziale Kontakte und Mobilität verzichtet, sind zu Hause geblieben, wenn es ging – und wir halten weiterhin Abstand. Die Politik hat Orte, an denen man sich leicht ansteckt, konsequent geschlossen – zum Beispiel Geschäfte, Schulen oder Veranstaltungen. So haben wir gemeinsam unzählige Menschenleben gerettet, darauf dürfen wir stolz sein. Gleichzeitig schrumpft die Wirtschaft bei uns zwar – aber nicht stärker als in den Ländern, die zögerlicher auf das Virus reagierten.[4] Großbritannien und die USA wird die Wirtschaftskrise vermutlich sogar noch deutlich härter treffen. 

Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen, Schul- und Geschäftsschließungen haben unser aller Leben verändert – und bringen unzählige Menschen in existenzielle Nöte. Das höre ich von befreundeten Freiberufler*innen und während ich beim Italiener an der Ecke auf meine Pizza-to-go warte. Ihnen muss der Staat helfen – und tut es bereits. Teilweise zu wenig. Zum Beispiel bei Empfänger*innen von Arbeitslosengeld II: Sie brauchen jetzt Unterstützung, um wegfallende Schulessen und höhere Lebensmittelpreise zu kompensieren. Dass sich hier nichts tut, ist erbärmlich. 

Natürlich: Alle Maßnahmen dürfen kritisiert werden. Und manche waren eindeutig überzogen – wie die anfänglichen Verbote, auf einer Parkbank frische Luft zu tanken. Auch mangelnde Hilfen in der Krise sind ein wichtiger Teil des Diskurses. Ebenso die fehlende Schutzausrüstung und die schlechte Bezahlung von Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenwohnheimen. Campact hat sich hier bereits eingemischt. Bei aller Kritik dürfen aber nicht vergessen, mit welcher Wucht die Pandemie uns überrannt hat. Und wie schnell die Regierungen weltweit Entscheidungen treffen mussten – ohne viel über das Virus zu wissen. 
Im Detail haben die Verantwortlichen sicher Fehler gemacht – auch in Deutschland. Aber: Im Kern waren die Maßnahmen zum Infektionsschutz richtig und angemessen. Die Alternative wären mit hoher Sicherheit Tausende, wenn nicht Zehntausende zusätzliche Tote gewesen – bevor die Bundesregierung dann doch die Notbremse gezogen hätte. Denn dem Coronavirus einfach freien Lauf zu lassen, bedeutet den Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Das kann niemand wollen, der bei Verstand ist.

Warum die Corona-Proteste gefährlich sind

Viele der Menschen, die gerade samstags auf die Straße gehen, verleugnen, wie gefährlich das Virus ist. Andere tun so, als sei die Gefahr gebannt. Das ist leider nicht der Fall. Nach allem, was wir wissen, hat sich bislang nur ein Bruchteil der Bevölkerung infiziert.[5]Wenn unsere Vorsicht nachlässt und die Lockerungen zu weit gehen, ist eine zweite Infektionswelle unausweichlich. Diese Welle wäre wahrscheinlich deutlich schlimmer als die erste. Denn das Virus hat sich mittlerweile flächendeckend in Deutschland ausgebreitet. Es drohen dann nicht ein Heinsberg – ein Landkreis in NRW, der zum ersten großen Infektionsherd in Deutschland wurde – sondern unzählige.[6]

Deswegen sind die Proteste, die in einigen Städten entstehen, auch so gefährlich. Klar, eine Pandemie mit ihren gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Folgen macht Angst und verunsichert – auch mich. Denn so schnell die Wissenschaft auch forscht: Viele Fragen werden vorerst ungeklärt bleiben: Wie infektiös sind Kinder? Welche Rolle spielen Schulen, Restaurants oder Geschäfte? Wie viel hilft das Händewaschen? Antworten auf diese Fragen werden vorläufig bleiben, sich wieder ändern, wenn es neue Erkenntnisse gibt – so funktioniert Wissenschaft.

Diese Unsicherheiten auszuhalten, kostet Kraft. Aber Verschwörungstheorien und Fake-News bieten keine Lösung, sie verführen. Sie gaukeln eine Eindeutigkeit und eine Sicherheit vor, die es gerade leider nicht gibt. Eindeutigkeit und Sicherheit fühlen sich für manche Menschen erst einmal gut an, insbesondere wenn sie ökonomisch hart von der Krise getroffen sind. Doch die Folgen dieser Ideologien sind real und gefährlich für uns alle.

Die Gefahr läuft auf diesen Protesten mit. Viele Demonstrant*innen verweigern Masken und missachten sogar grundlegende Abstandsregeln.[7] Die Demonstrant*innen gefährden damit völlig unnötig sich selbst – aber auch ihre Familien, Polizeibeamt*innen, Ärzt*innen, Pfleger*innen und letztlich uns alle.

Zudem untergraben die Proteste auch die öffentliche Unterstützung für die Schutzmaßnahmen. Zwar befürwortet noch immer eine Mehrheit die Corona-Regeln. Aber die Zahl der Befürworter*innen schrumpft.[8]Und der lauten Minderheit scheint es sogar zu gelingen, das Handeln einiger Landesregierungen zu beeinflussen.[9] Wenn nicht mehr Vorsicht und Wissenschaft die Corona-Politik bestimmen – sondern Ideologien und Emotionen –, schweben bald viele Menschen in Lebensgefahr. 

Nicht jede*n mögen diese Argumente überzeugen, und das ist okay. Aber selbst diese Menschen sollten den Corona-Demonstrationen fernbleiben. Denn viele der Proteste werden von einer beunruhigenden Mischung aus Reichsbürger*innen, Rechtsextremen und einschlägigen Verschwörungsideolog*innen organisiert.[10] Wer an ihren Demonstrationen teilnimmt, macht sich mit diesen Menschen gemein. Zudem ist das Gewaltpotenzial in den Reihen der Protestierenden erschreckend groß: Polizei und Journalist*innen werden aus den Demonstrationen heraus angegriffen, und in Großbritannien zünden Randalierer*innen Dutzende Mobilfunkmasten an.[11]

Was wir tun können, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern

Wir haben gemeinsam so viel erreicht: Für viele andere Staaten ist Deutschland in der Krise weiterhin ein Vorbild. Um das Erreichte zu sichern, müssen wir eine zweite Infektionswelle verhindern. Jede*r kann hierzu einen Beitrag leisten: Dazu gehört zunächst – auch wenn es manchmal unheimlich schwerfällt –, sich weiter penibel an Abstandsregeln und das Tragen von Masken zu halten. Wir sollten weiterhin genau überlegen, wann und wie häufig es wirklich nötig ist, die wiedergewonnene Freiheit zu genießen.

Ebenso wichtig ist, dass wir uns einmischen in den öffentlichen Diskurs. Im persönlichen Gespräch, durch einen Leserbrief an die lokale Zeitung oder auch in den sozialen Medien. Wir können Zweifel zerstreuen und Ängsten begegnen. Wir sollten den Verunsicherten einerseits mit Empathie begegnen, aber andererseits in der Sache klare Haltung zeigen, sachlich bleiben – und mit Fakten argumentieren. Schweigen kann in dieser Situation leicht als Zustimmung verstanden werden.
Auch Campact treffen die Einschränkungen der Corona-Krise. Viele meiner Kolleg*innen haben kleine Kinder. Sie geben ihr Bestes und übernehmen – wie Millionen zurzeit – die Arbeit von Erzieher*innen und Lehrer*innen. Uns alle belastet das Leid und die Unsicherheit, die die Corona-Pandemie weltweit auslöst. Ein Trost für uns war in den letzten Wochen und Monaten das Engagement von Ihnen und den mittlerweile über 2,3 Millionen Campact-Unterstützer*innen. Vielen Dank dafür!

Wann werden wir wieder große Demonstrationen organisieren können, um unseren Anliegen das nötige Gewicht zu geben? Das wissen wir noch nicht. Aber wir werden Wege finden, uns einzumischen. Jetzt ist es wichtig, dass die richtigen Entscheidungen fallen – denn sie werden auf Jahre und Jahrzehnte die Gesellschaft prägen. Die Krise darf überkommene Strukturen nicht künstlich festigen und bestehende Ungerechtigkeiten verschärfen. Stattdessen muss aus ihr heraus eine notwendige sozial-ökologische Transformation entstehen. 

Mit solidarischen Grüßen
Felix Kolb, Campact-Vorstand


[1]„Fast 400 Corona-Tote an einem Tag: ‚Wir halten nicht mehr lange durch‘ - Norditaliens Kliniken stehen vor dem Kollaps”, Tagesspiegel, 16. März 2020
[2]„Coronavirus-Pandemie. Wie deutsche Krankenhäuser vorbereitet sind”, ZDF Online, 15. März 2020
[3]Echtzeitstatistik auf Worldometers.info/coronavirus/, Zugriff am 14. Mai 2020
[4]„Corona-Krise in Europa. EU vor Rezession von ‚historischem Ausmaß‘”, Tagesschau Online, 6. Mai 2020
[5]„Corona-Antikörper. WHO bremst Hoffnung auf Herdenimmunität”, Spiegel Wissenschaft, 21. April 2020
[6]„‘Eine ganz andere Wucht’: Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle”, n-tv Online, 20. April 2020
[7]„Tausende bei Anti-Corona-Demos – nicht immer mit Abstand”, FAZ Online, 9. Mai 2020
[8]„Corona-Maßnahmen: Wie groß ist die Akzeptanz der Bevölkerung? Umfrage kommt zu eindeutigem Ergebnis”, Merkur Online, 3. Mai 2020
[9]„Anti-Corona-Proteste: Zurück auf die Straße”, Die Zeit Online, 13. Mai 2020
[10]„Seit an Seit mit Extremisten: Wen ziehen die Corona-Proteste an?”, Tagesspiegel Online, 10. Mai 2020
[11]„Corona als Waffe von Terroristen”, Zeit Online, 13. Mai 2020

Mein kommentar zu den sogenannten »Hygienedemos«: wenn die regierung zugunsten von menschenleben die wirtschaft größtenteils herunterfährt und wegen infektionsgefahr die menschen bittet, möglichst abstand zueinander zu halten, dann muß man sich nicht mit wirrköpfen wie Jebsi James oder Anselm Lenz auf den Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin stellen, weil die glauben, irgendwelche wildgewordenen virologen hätten die weltherrschaft ergriffen und die demokratie abgeschafft.

Ich bin auf der gegendemo, also zu hause. Nicht weil die regierung das sagt, sondern weil es klüger ist, sich möglichst nicht mit einem bisher unerforschten virus zu infizieren. Wer masern hatte, kann auch jahre später durch das virus noch an einer hirnentzündung erkranken, die immer tödlich verläuft. Oder wer windpocken hatte, kann später an gürtelrose erkranken, die sehr schmerzhaft ist und ebenfalls zu hirnentzündungen, schweren nervenschädigungen oder zu darmkrebs führen können.

Viren sind heimtückisch und man sollte ihnen besser aus dem weg gehen.

Samstag, 4. April 2020

Tauben vergiften am bahnhof

Als ich die meldung am mittwoch zum ersten mal las, hielt ich es für einen aprilscherz, wenngleich auch keinen übermäßig guten. Als es donnerstag früh auch in der Süddeutschen stand, beschlich mich das gefühl, daß das kein witz sein soll. Die tierrechtsorganisation PETA sorgt sich, daß während der ausgangssperre die armen straßentauben vom aussterben bedroht sein könnten, weil sie nicht mehr genügend futter finden, wenn keine menschen unterwegs sind, die essensreste wegwerfen. Die städte und kommunen wurden deshalb aufgefordert, das taubenfütterungsverbot aufzuheben.

In städten wie Berlin sind stadttauben mancherorts ein problem, weil sie in massen auftreten und alles vollkoten. Dabei ist taubendreck eigentlich ein guter dünger. Die dummen viehcher haben bloß noch nicht begriffen, daß den auf dem bahnhofsvorplatz leider kein mensch braucht. PETA vertritt die auffassung, daß es eine rechtliche pflicht gäbe, die tauben nicht verhungern zu lassen, weil es ein tierschutzgesetz gibt. Allerdings gibt es keine pflicht, wildtiere vor dem hungertod zu retten.

Nur hat man bei PETA eben etwas andere ansichten darüber, was eigentlich wildtiere sind. Die straßentauben sind laut PETA nämlich keineswegs wildtiere sondern in wirklichkeit haustiere, vom menschen gezüchtet und dann brutalstmöglich auf die straße gesetzt. Die herkunft der bei vielen leuten nicht übermäßig beliebten vögel ist tatsächlich umstritten. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß es sich um kreuzungen aus haus- und brieftauben und deren urform, der felsentaube handelt, also eher um eine sogenannte pariaform, also keineswegs um haustiere, wie von PETA behauptet, sondern um dedomestizierte tiere.

Bereits im vergangenen sommer verbreitete PETA einen ziemlichen unsinn über stadttauben (verlinke ich nicht), wobei ich in einem punkt sogar zustimmen kann, nämlich daß spikes zur taubenvergrämung häufig zu verletzungen der tiere führt und zu verstümmelungen führen können. Alles andere ist der reinste schwachsinn. Behauptet wird, daß es den straßentauben in der stadt an platz mangele, sie unter hunger litten und der böse mensch ihnen gar einen »brutzwang« angezüchtet hätte. Diese figuren halten die tauben für wesentlich dümmer als sie sind. Es wird vergessen, daß tauben natürliche fähigkeiten haben, beispielsweise, daß sie problemlos sehr weite strecken fliegen können, um futter zu suchen und zielsicher zurück finden und vor allem, daß tauben offensichtlich völlig andere vorstellungen davon haben, was geeignetes futter sei als die etepeteteveganer der organisation PETA. Das mit dem »brutzwang« ist selbstredend auch völliger schwachsinn. Behauptet wird, daß wildtauben nur zweimal im jahr brüten würden. Richtig ist, daß auch wildtauben unter günstigen bedingungen öfter brüten, nämlich bis zu vier mal im jahr. Die in menschennähe lebenden stadttauben finden das ganze jahr über energiereiche nahrung und können deswegen unter günstigen bedingungen auch im herbst und winter brüten. Insgesamt bis zu acht mal im jahr. Das hängt hauptsächlich vom futterangebot ab und hat nichts mit künstlich angezüchtetem verhalten zu tun. Das gleiche verhalten kann man auch bei stadtspatzen beobachten, welche noch nie domestiziert waren und sich das leben in menschennähe selbst ausgesucht haben.



Nein, man muß die tauben nicht vergiften. Wenn die jetzt durch die ausgangsbeschränkungen mehr aufwand mit der futtersuche haben, werden sie weniger brüten und es wird kein schaden sein, wenn der bestand auf diese art dezimiert wird. Nur dumm, daß tierschützer häufig dazu neigen, die natur zu romantisieren und es nicht akzeptieren, daß frei lebende tiere ohne zutun des menschen häufig kein lustiges leben haben.

Montag, 30. Dezember 2019

Mißverstehen Sie mich richtig

Die beiden kanzlerkandidaten meiner wahl, sofern es überberhaupt so etwas geben kann, im gespräch.



Einfach viel spaß damit!

Mittwoch, 14. August 2019

Überall tretroller

Seit knapp zwei monaten sind hierzulande e-scooter erlaubt. Ich nenne die dinger trotzdem »tretroller«, auch wenn sie leider gar keine sind, weil man in der stadt ständig auf sie drauftritt oder über sie stolpert und wenn man nicht drüber stolpert, liegen die dinger im gebüsch rum oder zwischen s-bahn-gleisen, wo sie dann auch eher nicht wieder eingesammelt werden - und eingesammelt werden sie zum nächtlichen aufladen oft von lieferwagen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß der verkehr in großstädten dadurch auch nur für einen pfennig umweltfreundlicher würde.

Genutzt werden sie offensichtlich hauptsächlich von touristen, die ansonsten brav zu fuß gegangen wären und gelegentlich von teenies, die nachts kreischend zu dritt auf einem roller durch die straßen brettern. Ist ja strengstens verboten, zu zweit e-scooter zu fahren. Muß man eben zu dritt fahren. In dem alter hätte ich das problem ganz genauso gelöst.

Was mich wundert, ist, daß beispielsweise velomobile  überhaupt kein thema sind. Das wäre doch eine umweltfreundliche alternative - stattdessen wird über allerhand firlefanz und dicke elektroautos diskutiert.

Es geht halt nicht um den umweltschutz. Es geht um geschäftsmodelle. Das kotzt an.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Lügengeschichte als bodenbelag

Als ich letztens im Deutschlandfunk hörte, daß sie einer hochstaplerin aufgesessen seien, die behauptet hatte, daß sie mit 19 in Indien in einer klinik sexualaufklärung gemacht hat, erinnerte ich mich recht schnell an diesen beitrag aus Der Zeit, von dem ich damals dachte, ich muß nicht jeden mist glauben, nur weil er in der zeitung steht.

Was hat mich damals skeptisch gemacht? Beispielsweise dieser absatz:
»...nach Indien. Vor zehn Jahren wollte ich wie viele 19-Jährige die Welt retten und so gründeten mein bester Freund und ich eine kleine Klinik in einem großen Slum von Neu-Delhi. Eine meiner ersten Patientinnen...«
Darf in Indien jeder aufschneider einfach eine klinik gründen und dort patienten behandeln, ganz ohne medizinstudium? Ist doch ein bißchen dick aufgetragen, wenn jemand behauptet mit 19 dafür qualifiziert gewesen zu sein, oder nicht? Klar, es gibt auch hochbegabte. Berlins jüngste zahnärztin, um ein beispiel zu nennen, hat ihr  examen mit 22 gemacht. Dafür benötigt man ungefähr genau so lange wie für ein allgemeines medizinstudium.

Der text ist von 2017, das heißt, daß die autorin ihren eigenen angaben zufolge, ca. 1988 geboren sein dürfte. Bedeutet, daß ihre omma, von der im weiteren text die rede ist, jahrgang 1922, bei ihrer aufklärung ungefähr im jahr 2001 bereits 89 jahre alt war und als sie sie mit 19 um rat fragte, 95. Gut, rüstige omma. Aber wenn die mutter doch ärztin ist und die omma ohne rot zu werden über sex reden konnte, warum ist sie dann erst mit 13 aufgeklärt worden? Das ist reichlich spät. Gab es keinen biologieunterricht? Das ist nicht übermäßig glaubwürdig.

Der text hat abgrundtiefe logische löcher. Warum ist mir das aufgefallen, der zuständigen redaktion aber nicht? Lesen und denken die nicht?

Der Zeitredaktion würde ich zurufen wollen: die ist so grandios echt, wie Ihr sie wolltet.

Es spricht überhaupt nichts gegen erfundene geschichten. Entspricht alles der wahrheit, was Wenedikt Jerofejef in seinem poem »Die Reise Petuschki« erzählte? Sehr guter Sowjetischer säuferroman, wahrscheinlich teils authentisch und teils frei erfunden. Karl May wurde beschimpft, weil seine erfundene geschichten als »reiseberichte« gelesen wurden.

Es geht nicht in ordnung, literarische geschichten, also erfundene, als »journalismus« zu verkaufen. Ebensowenig wie sich in sein alter ego dermaßen reinzusteigern, die erfundene jüdische verwandtschaft dann auch noch in der gedenkstätte Yad Vashem einzuschleusen. Aber Hingst den »Goldenen Blogger« aberkennen, weil ihre geschichten erfunden waren? Ich kenne das blog »Read on my dear, read on« nicht und kann die qualität der texte dort nicht beurteilen. Hat sie den preis nun für ihre schreibe oder für ihre angebliche Jüdischkeit bekommen?

Leider kenne ich nur diesen einen text von ihr (oben verlinkt), den fand ich unplausibel aber doch zumindest amüsant.