Donnerstag, 22. Juni 2017

Veganes wasser

Manchmal kommt man aus dem staunen nicht mehr raus, wenn man sich anschaut, was die marketingfuzzis sich so alles ausdenken. Neulich hörte ich, daß ein mineralwasser als vegan angepriesen wurde. Klar, denkt man, was soll ein wasser denn sonst sein, wenn nicht vegan? Ist schließlich dihydrogenmonoxid, also eine chemische verbindung und wird nicht aus kleinen häschen gewonnen.

Allerdings leitete Donald Watson, der den begriff vegan prägte, denselben vom Englischen begriff vegetable, also gemüse bzw. pflanze ab. Weshalb es natürlich merkwürdig ist, weshalb ausgerechnet eines der wenigen nicht organischen lebensmittel plötzlich pflanzlich sein soll.

Wer sich vor möglichem knochenleim unter flaschenetiketten gruselt, sollte vielleicht eher zum wasserhahn als zur flasche greifen.

Sonntag, 18. Juni 2017

Nun danket alle HK

Es ist natürlich typisch, daß The Oggersheimer Previously Known As Chancellor Kohl (TOPKACK) sein löffelchen so abgegeben hat, daß er staatstragend am ehemaligen nationalfeiertag der Bonner Republik noch einmal coverboy seiner lieblingszeitung werde konnte.

Nö, großen grund zur dankbarkeit gibt es nicht, aber ausnahmsweise möchte ich etwas positives über den großen CDUmann sagen: der katholik Helmut Kohl hat persönlich beim papst gegen die ächtung der pille interveniert. Er war der auffassung, daß seine großmutter nicht freiwillig dreizehn kinder bekommen hätte und sicherlich froh gewesen wäre, wenn sie die pille gehabt hätte. Als minister Aldolf Süsterhenn mitte der 60er jahre noch zuchthäuser für ehebrecher (!) bauen lassen wollte, forderte Kohl, daß ein präservativsuchender die dinger unverfänglich am automaten bekommen sollte.

Auch an Kohl war nicht alles schlecht.


Fast schon traurig: einsamer rolli am Brandenburger Tor

Freitag, 16. Juni 2017

Auf der suche nach heilern

In der ard-mediathek habe ich einen interessanten dokumentarfilm von Rosa von Praunheim gefunden.

Der film beginnt mit dem geständnis, ein hypochonder zu sein »... und ich entschloß mich, wertfrei und hingebungsvoll allem und jedem zu glauben.« Am ende des films steht das fazit: »Was hat mir meine suche nach heilern gebracht? Wirklich geholfen hat mir niemand. Noch immer muß ich nachts siebenmal aufs klo, mein grüner star ist immer noch aktiv, und ohne schulmedizin würde ich erblinden. Noch immer habe ich polypen in der nase und muß kortison nehmen. Meine arthrose in den großen zehen ist nicht besser geworden und meine angst vor reisen hat eher zugenommen. Aber ich habe faszinierende menschen kennengelernt. Heiler, die gewillt sind, uns zuwendung und liebe zu geben und die an sich selbst glauben. Das jedenfalls können wir von ihnen lernen, vielleicht brauchen wir dann keine heiler mehr. Übrigens, durch sport und diät habe ich in sechs monaten mein körpergewicht reduziert von 105 kilo auf 90 kilo.«

Zum teil ist der quack, den die esos in diesem film erzählen, schwer zu ertragen. Eine der schönsten szenen ist ca. bei minute 23'30. Jürgen Flieges Wörishofener quackherbst. Mittendrin schnitt zu einer kuhweide. Stimmen aus dem off: »Oh, jetzt kackt sie gleich. Oh, toll - da. Und es leider keine nahaufnahme.« Schnitt zurück zu Jürgen Flieges Wörishofener Herbst. Besser kann man das wohl kaum kommentieren. Zwischendurch kommen aber auch immer wieder leute zu wort, die wissenschaftlich fundiert arbeiten. Und schlußendlich sind sie es, die helfen konnten.

Wie ich gesehen habe, gibt es den film auch bei youtobe:



Insgesamt ein sehenswerter film, der sehr unaufgeregt die arbeit von heilern und wissenschaftlichen medizinern gegenüberstellt.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Die »Eule« geht nicht mehr ins kino

Heute verstarb im alter von 82 jahren die am längsten amtierende filmkritikerin der welt, Renate Holland-Moritz. Von 1956 bis 2015 schrieb sie als »Kino-Eule« filmkritiken für das satiremagazin Eulenspiegel, die meist amüsant zu lesen waren.

In ihren gesammelten werken werde ich immer mal wieder gern schmökern.

Sonntag, 11. Juni 2017

Frankreich endlich bereit für sozialabbau

Gestern lief im Deutschlandfunk ein interview mit dem chefökonom Holger Schmiedig über die Situation in Frankreich. Und es ist durchaus interessant, was der Herr Schmieding über den herrn Macron, der in den Deutschen medien immer als der »linksliberale« kandidat angepriesen wurde zu sagen hat:

Zitat Holger Schmiedig: »Frankreich braucht reformen, so wie Deutschland vor 15 jahren reformen brauchte. Jetzt ist aber in Frankreich eine situation offenbar entstanden in der reformen gut möglich sind, wir haben bereits einen präsidenten der bereits ein klares mandat von seinen wählern hat für erhebliche wirtschaftsreformen [...] Deutschland ist heute stark, wegen der agenda 2010, ich bin recht optimistisch, daß Frankreich in fünf jahren mindestens so stark sein wird, nach den reformen von Macron, wie Deutschland es heute ist. Und daß Frankreich Deutschland sogar überholen könnte.
[...]
Die rechten und linken in Frankreich ist stark. Aber die reformorientierte mitte um Macron ist stärker. 2/3 der stimmen für ihn bei der stichwahl zum präsidenten, jetzt sieht es so aus, nach einer klaren mehrheit im parlament. Damit hätte Macron eine situation, die weit komfortabler war, als die, die Gerhard Schröder für die agenda 2010 [...] natürlich wird es zunächst proteste geben, das ist unvermeidlich bei änderungen, vor allem bei relativ einschneidenen änderungen, wie Macron sie wohl plant in einigen bereichen, aber Sie haben in Deutschland erlebt, daß einige zeit nach den reformen am arbeitsmarkt die beschäftigung zu steigen und zu steigen begann. Heute ist ein sehr hoher grad der zufriedenheit erreicht. Ich denke, daß Frankreich in einigen jahren mit mehr arbeitsplätzen, mit steigenden einkommen, bei besserer produktivität, daß Frankreich auch dann seine spaltungen wird lindern können.«

Und wenn Frankreich seine reformen zu ungunsten der arbeitenden bevölkerung durchführt, ist es für den »exportweltmeister« höchste zeit, seine »hausaufgaben« zu machen und weitere reformen durchzuführen, denn von Frankreich überholt zu werden, ginge gar nicht. Ich hoffe nur, die Franzosen sind klug genug, vorher revolution zu machen, denn im gegensatz zu uns Deutschen wissen sie, wie das geht.

Samstag, 10. Juni 2017

Schon wieder grenztote

Natürlich nicht im mittelmeer, sondern laut bericht der Welt an der sogenannten »Innerdeutschen Grenze«, was könnte es wichtigeres geben, als an der Werra jetzt nach leichen zu angeln.

Mich erstaunt es, auf welche zahlen die heute kommen. Ich habe lange jahre im zonenrandgebiet gelebt und war 1986 in einer BGSkaserne in Nordhessen zu einem vortrag über die grenze zur DDR. Damals wurde dort die frage, wie viele tote es an mauer und grenze bislang insgesamt gegeben habe, damit beantwortet, daß ca. 65 fälle sicher belegt sind. Es wurde aber darauf hingewiesen, daß es auch zwischenfälle an der grenze gegeben habe, von denen man nicht wisse, ob sie tödlich endeten, weshalb man von bis zu ca. 80 grenztoten ausgehen müsse.

Bis vor wenigen jahren war von 139 grenztoten die rede. Das erscheint plausibel: die grenze existierte schließlich noch einige jahre und vielleicht hatte der BGS mitte der 80er die dunkelziffer niedrig angesetzt. Aber wie es jetzt dazu kommt, daß es 139 tote allein an der Berliner Mauer und zusätzlich noch 237 leichen aus der Werra gefischt wurden, erscheint nicht plausibel.

Offenbar müssen mehr todesopfer her, damit der realsozialismus monströser erscheint als er war. Und dafür ist es offensichtlich recht, auch todesfälle mitzuzählen, die nichts mit der grenze zu tun hatten, man aber irgendwie einen zusammenhang konstruieren kann. Und darum werde ich neueren berechnungen dieser zahlen keinen glauben mehr schenken.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Gottschalk und das BGE

An sich sind die BGEwochen des 1-euro-blog beendet. Allerdings wird das thema momentan in den medien öfter diskutiert. Auch der showmaster Thomas Gottschalk, der hauptsächlich durch affige kleidung und schlechte interviews auffiel, hat sich inzwischen für das grundeinkommen ausgesprochen.

So richtig wundern muß einen das nicht. Es kostet nichts, dafür zu sein und immerhin kann man dann auch noch mit wenig geistiger anstrengung für einen guten menschen gehalten werden:
Zitat Thomas Gottschalk: »Ich habe mich immer vor themen gedrückt, die mich selber nicht interessiert haben. Da mußte ich mich bemühen, da mußte ich mich einarbeiten, da mußte ich eine journalistische, sagen wir mal fleißarbeit hinlegen. Wenn ich aber sage -oh, das interessiert mich, auch themen, die mir, die mir gar nicht so liegen, also auch in dieser sendung ist dieses bedingungslose grundeinkommen.«
Die hellste birne war er nie und sich mal in ein thema einzuarbeiten, das etwas anderes als promitalk und seichteste unterhaltung kommt gar nicht in frage. Ist schließlich nicht interessant. Und in all seiner mitmenschlichkeit, daß die einen ihr geld nur verfressen, während die tüchtigen was draus machen würden.
Zitat Thomas Gottschalk: »Wenn irgendeiner erzählt, daß wir so viel an förderungsgelder ausgeben, an studentenförderung, an an kindergeld, an zuschüssen und so weiter und so weiter, das es sich auch rechnen würde, wenn jeder mensch, egal wer, ein grundeinkommen bekäme und da sage ich das ist interessant, das ist in so fern interessant, daß ich behaupte, daß der eine sein grundeinkommen in drei jahren verfünffacht hat und der andere hat’s verfressen. Aber sie hatten irgendwann mal die gleiche chance. Und das interessiert mich. Und ich bin jemand der immer seine herausgehobene situation, sei es im rundfunk, sei es im fernsehen dazu zu nutzen, andere mitzunehmen.«
Da will ich mal hoffen, daß seine durchschnittszuseher nicht zu mitgenommen aussehen werden, wenn das BGE sich durchsetzt, denn die meisten werden zu denen gehören, die ihr schönes BGE gar nicht toll nutzen können und es verfressen müssen. Der erzählt noch den gleichen bockmist, den man über die währungsreform 1948 erzählt hat. Die einen, die tüchtigen hätten was aus ihren 40 mark gemacht, während die anderen das geld bloß verfressen hätten. Damit wird dann erklärt, daß die einen wegen ihrer untüchtigkeit eben selbst schuld an ihrer situation wären, während die anderen halt durch ihre persönliche leistung ganz verdient an ihren reichtum gekommen wären. Daß eben die ungleichen gleich behandelt wurden, wird dabei grundsätzlich ausgeklammert. Nach dem kriege seien schließlich alle arm gewesen. Stimmt nicht. Die einen hatten beispielsweise fabriken oder mietskasernen und die anderen keine arbeit und mußten miete zahlen.

Und das gleiche passiert mit dem grundeinkommen auch: die einen können weiter ihren geschäften nachgehen, weil sie eigentum haben. Und die besitzlosen müssen zusehen, wie sie ihr dasein fristen.

Daran ist überhaupt nichts interessant. Haben wir alles schon gehabt.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Merkels spukschloß

Letztens »Unter den Linden« an der baustelle des hohzenklotzes.
Er: »Kuck Dir dit an, da baunse nen Hohenzollernschloss auf, dit wir nich wollten.«

Sie: »Dit is halt so mitte herrschaft: Dit olle schloß, hattense ooch nich jewollt.«

Er: »Damals, da sin'se nich jefracht wordn, was se wolln, de leute.«

Sie, nahezu kreischend: »Dit is halt so mitte herrschaft. Dit olle schloß, das hattense ooch so nich jewollt. Und heute inne demokratie werdn wa ooch nicht jefracht.«

Er: »Da kannste nüscht machen...«

Sie, plötzlich sehr ruhig: »Aussa warten, dassa wiedeer uffjebaut wird, der Palast der Republik.«

Dem schließe ich mich glatt an.