Donnerstag, 30. April 2020

Leben in der pandemie

Plötzlich pandemie. Seit inzwischen fünfunddreißig bis vierzig jahren leben wir in der pandemie. Einige dinge, die wir damals darüber dachten, erscheinen heute vielleicht etwas eigenartig. Aber das virus war damals nicht erforscht und irgendwie mußte man damit umgehen. Es war unklar, wie infektiös das virus wäre. Auf etwas wie »herdenimmunität« zu hoffen war zwecklos, weil die tödlichkeit des virus offensichtlich war. Anfangs hatten viele angst, sich zu infizieren. Mit der zeit wurde es allerdings klar, wie die krankheit verbreitet wird.

Aus meinem persönlichen umfeld ist es übrigens im grunde absolut undenkbar, daß es diese erkrankung überhaupt gibt - in all den jahren habe ich NIE mit irgendwem zu tun gehabt, der damit infiziert war. Waren alle damals getroffenen maßnahmen für die katz? Oder ist es der damaligen gesundheitsaufklärung zu verdanken, daß etwas schreckliches verhindert wurde?

Übrigens schreibe ich nicht aus einer fernen zukunft über Covid-19, sondern aus der gegenwart rückblickend über AIDS.

Mittwoch, 29. April 2020

Corona in Europa

Hier wird noch einmal schön chronologisch dargelegt, wie sich das coronavirus weitgehend ungehindert von Tirol aus in Europa ausbreiten konnte.



Aber in Deutschland war es nicht wesentlich besser. Sicherlich wäre es schlau gewesen, angesichts der situation den karneval und die damit verbundenen volksfeste in diesem jahr einfach mal ausfallen zu lassen - oder wenigstens auf den sommer zu verschieben. Das wäre nach dem anschlag in Hanau sicherlich eine freundliche geste gegenüber den angehörigen der ermordeten gewesen und hätte uns vielleicht den derzeitigen lockdown erspart. Aber das ging ja nicht, weil mit dem fasching viel geld verdient wird. Obgleich bekannt war, daß ende januar eine Deutsche touristin nach ihrem aufenthalt in Ischgl positiv auf corona getestet worden war (im video ca. bei 1min12), wurde weder in Österreich noch in Deutschland großartig handlungsbedarf gesehen und offenbar darauf gehofft, das problem irgendwie aussitzen zu können. Erst wesentlich später mußte dann »plötzlich« was passieren.

Geschlagene sechs wochen nach dem bekanntwerden des falls aus Tirol vom 30. januar jubelte die BLÖD über Sebastian Kurz, weil der es in diesem galaktischen tempo geschaft hat, zwei gebiete unter quarantäne zu stellen:
Bildschirmfoto aus der BLÖD vom 13. märz 2020
»So einen brauchen wir auch!« - fragt sich halt bloß, wofür?

Dienstag, 28. April 2020

Die abgesagteste kabaretttour des universums

Derzeit schreibt der astronom Florian Freistetter in seinem blog über die abgesagte tour der Science Busters und wissenschaftsgeschichten über all die orte, an denen sie nicht aufgetreten sind. Sie waren beispielsweise nicht in Salzburg, nicht in Ingolstadt, nicht in München, nicht in Wildon, nicht in Wien, nicht in Dresden, nicht in Leipzig und am vergangenen samstang leider auch nicht in Berlin und bei diesem termin war auch ich nicht anwesend. Und so erfährt man etwas über den Halleyschen Kometen und warum Neptun ein Berliner ist.

Aber man kann sie montagsmittags im ORF FM4 hören, hier kann man es als podcast nachhören. Und heute abend nach 23 uhr im ORF sehen, wo sie sich mit der frage »Warum landen Asteroiden immer in Kratern?« befassen. In der ORFtvthek kann man sendungen meist sieben tage sehen.

Montag, 27. April 2020

Samstag, 25. April 2020

Richtigstellung

In der vergangenen woche schrieb ich, daß der professor Klaus Püschel aus Hamburg mir suspekt ist, weil ich den eindruck hatte, daß er ebenfalls der auffassung sei, daß die leute, die an covid-19 gestorben sind, ohnehin ihren löffel abgegeben hätten.

Wie es aussieht, hat er das so aber nicht gesagt, offensichtlich wird er falsch zitiert und für bestimmte zwecke instrumentalisiert. Von den 65 patienten, die in der zeit bis 11. april in Hamburg im zusammenhang mit covid-19 verstarben und obduziert wurden, war bei 61 die todesursache covid-19, bei vier verstorbenen konnte diese todesursache ausgeschlossen werden. Alle hatten vorerkrankungen. Aber niemand weiß, wie lange sie ohne diese infektion gelebt hätten.

Es tut mir leid, daß ich ihn falsch eingeordnet habe. Er gehört sicher zu den seriösen wissenschaftlern, deren forschung wichtig ist, die auswirkungen dieser krankheit zu ergründen.

Donnerstag, 23. April 2020

Welttag des Bieres

Selten war es so einfach gutes zu tun wie heute. Ein bier retten.

Oder am besten auch gleich die ganze brauerei:

Mittwoch, 22. April 2020

Hausärztliche versorgung für alle

Gerade las ich, daß kürzlich Berlin als einziges Bundesland ambulante medizinische versorgung für alle eingeführt hat. Menschen, die derzeit nicht krankenversichert sind, können über die clearingstelle für nicht versicherte einen kostenübernahmeschein für ein quartal erhalten, mit welchem man bei allen hausärzten behandelt werden kann. Die kosten trägt der senat.

Gelesen hab ich das hier.

Dienstag, 21. April 2020

Sonntag, 19. April 2020

Zitat der Woche


Auch herr Drosten hat gelegentlich schon ziemlich quark geredet. Soweit ich mich erinnere, sagte er, daß er auch in kneipen ginge, dort aber nur bier aus flaschen tränke, weil das hygienischer sei. Aus virologischer sicht stimmt das sicherlich. Aus bierologischer sicht ist das aber blanker unsinn. Das ist doch keine saufkultur. Kein mensch muß in eine kneipe gehen, um flaschenbier zu trinken. Gepflegtes bier trinkt man vom faß aus einem glas - und zwar an orten, an denen man wenigstens glauben darf, daß die gläser ordentlich abgewaschen werden.

Aber er sagte auch vernünftiges, beispielsweise folgendes:

Zitat Christian Drosten: »Ich verstehe diese ganze diskussion nicht so richtig. An oder mit einem virus gestorben?

Die frage ist doch, wo ist so ein patient überhaupt gestorben aus welcher situation heraus. War der patient schon vorher im krankenhaus? War er grunderkrankt und hatte deswegen schon eine relativ schlechte prognose und ist es dann so, daß im krankenhaus diese infektion zusätzlich erworben wurde? In so einem fall würde man vielleicht die tendenz haben, daß das virus nicht dran schuld war, aber man weiß es dort doch auch gar nicht. Also müßte man nicht nur den virusnachweis führen, sondern man müßte mal fragen, hatte der patient eine lungenentzündung durch das virus oder in abgrenzung davon, hat man nur im rachen das virus nachgewiesen und dann sagt man, das wird wohl so schlimm nicht gewesen sein und dann ist er wahrscheinlich an was anderem gestorben und das virus war so nur da. Ich glaube aber nicht, daß man diesen schluß im moment überhaupt so genau nicht ziehen kann, also man kann natürlich testen, ist das virus in der lunge oder im rachen, auch bei verstorbenen kann man das machen, in der sektion. Aber welche konsequenz will man medizinisch daraus nun ziehen?

Man kommt da relativ schnell in einen argumentationsbereich rein, wo man sagt: wären diese patienten wirklich sowieso gestorben, durch das virus oder hat das virus nachgeholfen? Und will man dieses »nachhelfen« nun verhindern oder nicht. Es schwingt ja immer dieses grundsätzliche argument im hintergrund mit, daß das alles in wirklichkeit nicht so schlimm ist und alles total [...] Und ich glaube nicht, daß man anhand von einzelnen fällen und wo jemand, der schon sehr alt war und daran gestorben ist, jetztgeneralisieren kann [...] die argumentation, der ist nur mit dem virus gestorben, die könnte auch ganz besonders falsch sein.[...] Da wird ein argument gemacht, das so medizinisch klingt, wir differenzieren jetzt den tod an dem virus von dem tod mit dem virus und daraus entsteht dann sofort eine gesellschaftliche bewertungsdiskussion, eine politische diskussion, bei der immer im hintergrund eine ganz andere botschaft mitschwingt. Nämlich, wir verschätzen uns hier total, wir übersehen was. In wirklichkeit ist das alles gar nicht so schlimm, wir legen hier die wirtschaft lahm, wegen nichts. Ich finde das total gefährlich. [...]«

***

Wenn der Doktor »Zausel« Weh Weh auf den rechtsmediziner Professor Püschel hinweist, mit der bemerkung, daß im Hamburger Gesundheitswesen vernünftige leute arbeiten, denk ich am ehesten an dies vorstellungsgespräch:



Solchen figuren vertraut man im zweifel gern sein leben an.

Donnerstag, 16. April 2020

Burkapflicht für alle?

Bis vor kurzem galt es als pflicht des abendlandes, das gesicht unverhüllt zu zeigen. Und als die pandemie begann, waren schutzmasken rar, weshalb davon abgeraten wurde.

Rar sind schutzmasken immer noch, zur gesichtsverschleierung wird inzwischen aber trotzdem geraten. Anderswo empfehlen sie die gesichtsverschleierung einem teil der bevölkerung schon länger. Im grunde gibt’s endlich emanzipation. Männer wie frauen sind angehalten, sich die fresse zu verhüllen. Weil herkömmliche atemschutzmasken nach wie vor mangelware sind, ist kreativität gefragt. Es kann ja so anmutig aussehen:

Mit dieser kopfbedeckung ist man nicht nur vor neugierigen blicken und blitzen geschützt, sondern auch vor besonders bissigen, böswilligen bazillen. Und wenn man mangels sicht mal vor einen laternenpfahl oder die schrankwand läuft, egal.

Es sieht ja keiner, wenn man damit konsequent zu hause hockt.


Montag, 13. April 2020

Mittwoch, 8. April 2020

Das schönste argument der covid-19-verharmloser

Aus einem interview mit dem Berliner privatradiosender 94,3rs2. Das gesamte interview kann man hier nachhören.
Zitat Prof. Dr. Stefan Hockerz[1:24]»Die meisten menschen, die wir jetzt als todesfälle zu beklagen haben, wären entweder so oder so gestorben [...]«
»Wäre sowieso gestorben« ist immer das beste argument. Wenn man einem alten villenbesitzer einen ungebetenen besuch abstattet und die kalashnikov »sprechen« muß, damit man an seine wertgegenstände kommt, kommt es bestimmt gut an, wenn man sagt, daß der ohnehin gestorben wäre.

Aber mal im ernst: ein mediziner, der dann auch noch mit vornamen professor doktor heißt und die auffassung vertritt, daß ein paar leichen mehr oder weniger so rein statistisch gar nicht auffallen würden, erscheint mir nicht ganz sauber. Allein in New York sind im zusammenhang mit covid-19 in den vergangenen wochen knapp 6.300 menschen gestorben, in den vergangenen 24 stunden rund 780. In Italien verstarb im zusammenhang mit dieser erkrankung der erste am 21. februar. In den fast sieben wochen seither fielen der seuche dort nahezu 17.700 menschen zum opfer. Und das soll nicht weiter auffallen, weil das angeblich alles ohnehin totgeweihte gewesen wären?

Das glaube, wer will.

Montag, 6. April 2020

Foto am montag (412)

Soll nur mal einer sagen, daß straßentauben nicht reinlich wären. Sie baden sogar gelegentlich - auch wenn man bei dem flüßchen, in welchem sie baden vor wenigen jahrzehnten noch von »chemischer reinigung« hätte sprechen müssen.

Sonntag, 5. April 2020

Boni für pflegekräfte

Laut ministerpräsident Söder sollen pflegekräfte in Bayern 500€ bonus erhalten. Ob der eine einmalige leistung sein soll oder zukünftig monatlich gezahlt werden soll, blieb bisher unklar. Außerdem bekommen die beschäftigten in allen krankenhäusern, pflege- und seniorenheimen kostenlose verpflegung. Das muß man eher als strafe betrachten, sofern sie den gleichen fraß vorgesetzt bekommen wie die patienten. Zitat eines insassen dieser einrichtungen: »An manchen tagen denke ich, schlimmer als heute kann das essen nicht mehr werden. Aber gleich am nächsten tag muß der koch mir beweisen, daß es noch scheußlicher geht.« In Berlin hat es zur krankenhausverpflegung vor einiger zeit eine studie gegeben, bei der herauskam, daß der schmatzkatz nicht bloß unlecker sondern auch regelrecht ungesund ist.

Die Grünpartei fordert eine »gefahrenzulage« von 500€ monatlich für die mitarbeiter im ärztlichen und pflegerischen sektor - und sogar steuerfrei. Total nett von den Grünen! Wären sie bloß damals nicht an der Bundesregierung beteiligt gewesen, als die steuerfreiheit für schichtzuschläge abgeschafft wurde. Begründet wurde das damit, daß auch spitzenverdiener da begünstigt würden, gelitten haben darunter hauptsächlich nicht-ganz-so-toll-verdiener aus berufen, die wir seit einigen wochen modern als »systemrelevant« bezeichnen. Wenn ich zeit habe, gehe ich mal in den keller und lache über die Grünen.

Samstag, 4. April 2020

Tauben vergiften am bahnhof

Als ich die meldung am mittwoch zum ersten mal las, hielt ich es für einen aprilscherz, wenngleich auch keinen übermäßig guten. Als es donnerstag früh auch in der Süddeutschen stand, beschlich mich das gefühl, daß das kein witz sein soll. Die tierrechtsorganisation PETA sorgt sich, daß während der ausgangssperre die armen straßentauben vom aussterben bedroht sein könnten, weil sie nicht mehr genügend futter finden, wenn keine menschen unterwegs sind, die essensreste wegwerfen. Die städte und kommunen wurden deshalb aufgefordert, das taubenfütterungsverbot aufzuheben.

In städten wie Berlin sind stadttauben mancherorts ein problem, weil sie in massen auftreten und alles vollkoten. Dabei ist taubendreck eigentlich ein guter dünger. Die dummen viehcher haben bloß noch nicht begriffen, daß den auf dem bahnhofsvorplatz leider kein mensch braucht. PETA vertritt die auffassung, daß es eine rechtliche pflicht gäbe, die tauben nicht verhungern zu lassen, weil es ein tierschutzgesetz gibt. Allerdings gibt es keine pflicht, wildtiere vor dem hungertod zu retten.

Nur hat man bei PETA eben etwas andere ansichten darüber, was eigentlich wildtiere sind. Die straßentauben sind laut PETA nämlich keineswegs wildtiere sondern in wirklichkeit haustiere, vom menschen gezüchtet und dann brutalstmöglich auf die straße gesetzt. Die herkunft der bei vielen leuten nicht übermäßig beliebten vögel ist tatsächlich umstritten. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß es sich um kreuzungen aus haus- und brieftauben und deren urform, der felsentaube handelt, also eher um eine sogenannte pariaform, also keineswegs um haustiere, wie von PETA behauptet, sondern um dedomestizierte tiere.

Bereits im vergangenen sommer verbreitete PETA einen ziemlichen unsinn über stadttauben (verlinke ich nicht), wobei ich in einem punkt sogar zustimmen kann, nämlich daß spikes zur taubenvergrämung häufig zu verletzungen der tiere führt und zu verstümmelungen führen können. Alles andere ist der reinste schwachsinn. Behauptet wird, daß es den straßentauben in der stadt an platz mangele, sie unter hunger litten und der böse mensch ihnen gar einen »brutzwang« angezüchtet hätte. Diese figuren halten die tauben für wesentlich dümmer als sie sind. Es wird vergessen, daß tauben natürliche fähigkeiten haben, beispielsweise, daß sie problemlos sehr weite strecken fliegen können, um futter zu suchen und zielsicher zurück finden und vor allem, daß tauben offensichtlich völlig andere vorstellungen davon haben, was geeignetes futter sei als die etepeteteveganer der organisation PETA. Das mit dem »brutzwang« ist selbstredend auch völliger schwachsinn. Behauptet wird, daß wildtauben nur zweimal im jahr brüten würden. Richtig ist, daß auch wildtauben unter günstigen bedingungen öfter brüten, nämlich bis zu vier mal im jahr. Die in menschennähe lebenden stadttauben finden das ganze jahr über energiereiche nahrung und können deswegen unter günstigen bedingungen auch im herbst und winter brüten. Insgesamt bis zu acht mal im jahr. Das hängt hauptsächlich vom futterangebot ab und hat nichts mit künstlich angezüchtetem verhalten zu tun. Das gleiche verhalten kann man auch bei stadtspatzen beobachten, welche noch nie domestiziert waren und sich das leben in menschennähe selbst ausgesucht haben.



Nein, man muß die tauben nicht vergiften. Wenn die jetzt durch die ausgangsbeschränkungen mehr aufwand mit der futtersuche haben, werden sie weniger brüten und es wird kein schaden sein, wenn der bestand auf diese art dezimiert wird. Nur dumm, daß tierschützer häufig dazu neigen, die natur zu romantisieren und es nicht akzeptieren, daß frei lebende tiere ohne zutun des menschen häufig kein lustiges leben haben.