Sonntag, 24. August 2014

H4märchenstunde bei der FAZ

Von allen guten geistern lebenslang verlassen schreibt Christoph Schäfer in FAZ über eine offensichtlich frei erfundene in Deutschland lebende Türkin.
Frei erfunden?

Na, klar. Denn die heute angeblich 41jährige tochter einer alleinerziehenden mutter, die ihre kettenraucherei ohne den Deutschen sozialstaat nicht finanzieren könnte, erhält laut FAZ geld vom sozialamt. Das ist eine merkwürdige sache, denn die fleißige friseurin, die nicht genug geld verdient, um davon leben zu können, müßte eigentlich auf dem jobcenter und auf dem wohnungsamt anträge um ergänzende sozialleistungen stellen, wenn das geld nicht für miete und essen reicht.

Hinzu kommt noch die absurde geschichte mit dem abgelaufenen ausweis. Die frei erfundene aus dem artikel verfügt angeblich nur über einen seit zwei jahren abgelaufenen türkischen pass. Damit bekäme man auf Deutschen ämtern keine arbeitserlaubnis. Und schon gar keine sozialleistungen.

Ohne gültige papiere bekommt man auf Deutschen ämtern allerhöchstens einen tritt in den arsch. Und das gilt für aus- und inländer gleichermaßen.

Stattdessen das angebliche problem, sich bei »großen firmen bewerben zu können«. Bei welchen »großen firmen« sollte sich eine friseurin denn bewerben? Vielleicht aus hausfriseuse bei Rheinmetall oder Aldi? Brauchen die neuerdings sowas?

Die FAZ bringt zur abwechslung den reinsten schwachsinn und die braven bürger löffeln diesen quark.

Kommentare:

  1. ...da hat der Autor sich nun so viel Mühe gegeben, die Frau zu diffamieren - aber wenn man sich die Kommentare durchliest, scheint das selbst bei FAZ-Lesern nicht mehr zu funktionieren :-)

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    1. Nicht bei allen, aber bei einigen schon. Der eine oder andere Vertreter aus der "Eigenverantwortlichkeitsfraktion" war dann schon noch mit darunter.

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    2. Das stimmt.
      Aber für die FAZ fand ich es schon sehr erstaunlich :-)

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    3. Dem stimmt allerdings. Kommt bei welt.de aber auch hin und wieder mal vor.

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  2. Möglicherweise sollen durch solche Artikel die anstehenden Verschärfungen im Bereich SGB II unseren "hart und fleissig arbeitenden, ehrlichen, anständigen und aufrechten Steuerzahlern" schmackhaft gemacht werden. Da werden bestimmt noch einige nachkommen und das nicht nur in diesem "Qualitätsmedium".
    Ist übrigens ein Grund, weshalb ich Volksabstimmungen/-entscheidungen eher skeptisch gegenüber stehe. Ohne objektiv/neutral und ausgewogen informierende Massenmedien kann dabei nicht wirklich was Gutes bei rumkommen. Wieviele "Arno Dübels" und "Florida Rolfs" die wohl aus dem Hut zaubern würden, wenn z.B. ein Volksentscheid bezüglich Abschaffung der Sanktionspraxis anstehen würde?

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    1. Diesmal geht es um etwas ähnliches wie mit »Florida Rolf«, »Viagra Kalle« und wie sie alle hießen.

      Ich habe gehört, daß der »kinderzuschlag« für alleinerziehende mit kindern unter sieben jahren, der ca. 140 € beträgt, abgeschafft werden soll. Das sei angeblich »anreiz« für arme frauen, kinder hinzukanickeln, anstatt sich mal um gut bezahlte arbeit zu bemühen.

      Da fehlen einem doch glatt die worte. Kein mensch, der halbwegs bei trost ist, bekommt wegen so ein paar kröten kinder. Für einen arbeitslos gewordenen alleinerziehenden menschen können die paar kröten sicherlich lebensrettend sein.

      Ich gebe Dir völlig recht, wenn Du volksabstimmungen kritisch gegenüber stehst: in den medien wird der »gerechtigkeitssinn« der braven bürger damit angeheizt, daß es in sozialen systemen so etwas wie mißbrauch gäbe und aus wut über die angeblichen mißbraucher sind die leut glatt gewillt, sich ihr eigenes grab zu schaufeln: die sind von der schlechtigkeit der anderen dermaßen überzeugt, daß sie auf die eigenen vorteile scheißen.

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  3. Gegenmittel:
    Das neue Magazin "Tumult - Vierteljahresschrift für Konsensstörung" will 'auf einen wachsenden Konsensdruck' reagieren, der erzeugt werde 'durch global vernetzte, machtvolle Sinnproduzenten alter und neuester Medien, die im Zusammenschluss mit der vom Finanzkapital beherrschten Weltwirtschaft und den ihnen servil zuarbeitenden Wissenschafts- und Forschungsbetrieben die neokonforme öffentliche Meinung inszenieren'.

    "TUMULT fragt in seiner aktuellen Ausgabe danach, was Revolte – auf einer globalen Projektionsfläche ›rebellischer‹ Spektakel – noch heißen kann und wieder heißen muss."
    www.tumult-magazine.net

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    1. Das »neue« Tumultmagazin, das für die konsensstörung zuständig sei, stört den konsens nach eigenen angaben bereits seit 35 jahren und zwar so, daß es offenbar nicht viele merken.

      Das ist genau die art von störung, die hierzulande konsens ist.

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    2. Das kann man doch über Blogs wie dieses hier auch sagen (abgesehen von der Existenzdauer). Und nun?

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    3. Sagen kann man vieles. Allerdings habe ich weder vor 35 jahren noch irgendwann sonst behauptet, für »konsensstörung« oder dergleichen zuständig zu sein, weil mir bewußt ist, daß das lächerlich wäre.

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  4. Man kommt momentan gar nicht hinterher, all die Abgesänge auf den Kapitalismus in der Presse zu lesen:

    In der SZ der Soziologe Heinz Bude: "Es ist nicht nötig, in den Ich-Streik zu treten, um sich vom Kapitalismus zu retten. Das Politische beginnt mit dem Impuls, zu einer als Macht empfundenen Zumutung Nein sagen zu können, und mit dem Bedürfnis, diese Empfindung mit anderen teilen zu wollen."

    In der TAZ freut sich Robert Misik, dass sogar ein Moderater wie Wolfgang Streeck, Direktor des Max-Plank-Instituts für Gesellschaftsforschung, inzwischen fragt: "How will capitalism end?"

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    1. Derartige »abgesänge« gibt es schon ewig.

      Bude ist eine lallbacke. Man kann sich gar nicht individuell vorm kapitalismus retten, auch wenn einige verschrobene lebenskünstler das glauben und dann eben von den abfällen der kapitalistischen gesellschaft leben.

      Der Misik versteht es, sein eher bürgerliches publikum zu unterhalten, aber daß der mehr als ein paar denkblasen aufgeworfen hätte, habe ich noch nie erlebt.

      Und dann läßt Du Dir Deine zitate auch noch mundgerecht von SPON vorkauen.

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