Montag, 10. Dezember 2012

Moppelkotze bei Maischberger (erster teil)

An sich mag man derartiges gar nicht anschauen, aber manchmal hat man nichts, worüber man sich aufregen kann und guckt sogar etwas strunzblödes wie »Maischberger«.

In der runde sitzen Ralph Boes (h4empfänger und sanktionshungerer), Katja Kipping (vorsitzende der LINKEN und BGEbefürworter), Heidi Ralfs (putzfrau und mutter), Markus Söder (Finanzminister in Bayern, sanktionsbefürworter), Heinrich Alt (jobcentervorstand, arbeitslosenverteidiger), Gisela Muth (luxus-dame und unternehmergattin, die nicht arbeiten muß, sondern mit ihrem hobby als beweis zu dienen, daß schlechter geschmack keinesfalls billig sein muß, geld verdient).

Weil es an körperverletzung grenzt, anderen derartiges zuzumuten, zitiere ich im folgenden alle »spannenden teile«, die zum verständnis meiner einwände gegen das gesagte notwenig sind. Niemand soll seine wertvolle zeit vergeuden, diesen dumpfsinn anzuschauen.

Man wartet vergeblich, daß irgendwer was halbwegs gescheites sagt. Ich meine, es läßt tief blicken, daß ich mich fast darüber gefreut habe, daß herr Söder beinahe einen richtigen satz gesagt hätte.

Mir hat das zu denken gegeben. Bin ich im herzen ein abgrundtief konservativer arsch? Ich fürchte, ja, das bin ich.

Ein winziger hoffungsschimmer bleibt: Es könnte auch an der qualität der talkgäste gelegen haben, daß einem dann sogar einer wie der Söder positiv auffällt.

Also für die, die es nicht lassen wollen, 75 minuten lang quark:



Maischberger: Herr Boes, Sie sind seit 2006 arbeitslos, alg2bezieher, wie man so richtig sagt und Sie nehmen kein arbeitsangebot an. Müssen Sie damit leben, daß es menschen gibt, die Sie einfach abstempeln als sozalschmarotzer?

Boes:Ja, selbstverständlich.

Maischberger:Wie geht es Ihnen damit?

Boes:Ich arbeite (…) vollzeit rund um die uhr, man kann es im internet verfolgen. Ich halte sehr viele vorträge, ich mache sehr viele aktionen, ich schreibe, zum beispiel einen brandbrief, das ist auch arbeit und verteile den vom bundespräsidenten bis runter in mein jobcenter (…). Ich bin also vollzeit beschäftigt. (…)

Maischberger: Weil sie streiten für ein bedingungsloses grundeinkommen? Jedenfalls ist das der inhalt der texte, die ich gesehen habe.

Boes:(…) Ich versuche klarzumachen, daß unsere gesellschaft in eine schräglage gekommen ist, weil noch alte konzepte da sind, (…) wie man über arbeit denkt angesichts der technisierungen werden die leute überall entlassen und wenn man dann mit den leuten wie hilfsbedürftige umgeht, anstatt zu sagen, das sind freigestellte, kommt die gesellschaft inne schieflage - und das ist eigentich mein thema.

Da bekomme zumindest ich den eindruck, daß der herr Boes in seinen ansichten darüber, was dies system leistet, »inne schieflage« gekommen ist. Die derzeitige realität auf dem arbeitsmarkt sieht anders aus: Die leute, die bisher ihre arbeitsstellen behalten »dürfen«, müssen härter und länger arbeiten als das noch vor wenigen jahren der fall war. Das ist ein durchaus gewollter nebeneffekt der hartzreformen. Daran zeigt sich, daß es mit dem wohlstand, den die gutverdienenden arbeitnehmer haben, nicht übermäßig weit her ist. Wenn ihnen die arbeitsstelle gekündigt wird, haben sie ein jahr »galgenfrist« und dann wird enteignet, was sie sich erarbeitet haben. Dann ist man kein mensch mehr, der ansprüche anzumelden hat, dann ist man bittsteller, man »ist hartz 4«.

Dieser kapitalistisch organisierte staat, auf den herr Boes ein im weiteren verlauf der sendung noch ein loblied singen wird, kann und wird es sich nicht leisten, seine industrielle reservearmee in die »freiheit« zu entlassen. Die arbeitslosen sind für das system nützlich, beispielsweise, wenn die arbeitnehmer auf die idee kommen mehr lohn zu fordern, dann heißt es: es gibt genügend arbeitslose, die sich um eure gut bezahlten stellen reißen. Es werden immer die einen armen gegen die anderen armen ausgespielt, dadurch wird der profit der herrschenden klasse gesichert.

Insgesamt faselt er in der sendung sehr viel davon, »daß das jobcenter eine andere auffassung von arbeit hätte, als er«. Dem jobcenter ist das arbeitsethos wurscht. Die wollen, daß man sich aktiv um bezahlte arbeit bemüht und wenn es dann sein soll, an ihren »tollen« eingliederungsmaßnahmen teilnimmt. Mehr nicht. Bei den maßnahmen geht es im normalfall nicht um irgendwas »sinnvolles«. Es geht darum, die arbeitsbereitschaft und -fähigkeit der leute zu überprüfen.

Die umstrukturierung des arbeitsmarktes hatte den sinn, den druck auf die abhängig beschäfitigte bevölkerung, ob sie noch arbeit hat oder nicht, zu erhöhen.

Aber hören wir, was herr Boes kurze zeit später über die arbeitangebote, die er vom jobcenter erhalten hat sagt:
Boes: (…) wenn ich permanent vorträge krieg, irgendwo, ich müßte dann meine arbeit immer unterbrechen(…) und der zweite punkt ist, daß die art der arbeit aus meinem gefühl her zwangsarbeit ist (…), daß so viel druck drin ist, daß die leute sich auf arbeiten einlassen, auf die sie sich nie einlassen würden. (…)
Fast erschüttert mich die naivität des herrn Boes. Wir leben im besten wirtschaftssystem aller zeiten: dem kapitalismus.

Selbstverständlich wird ausnahmslos jede arbeit, die für den lebensunterhalt gut ist, ausgeübt. Das ist kapitalismus: Die mehrheit der menschen lebt keinesfalls im wohlstand, sondern in der zwangslage, den lebensunterhalt verdienen zu müssen.

Und das geht in den meisten fällen nur, wenn ihnen jemand, der sie für seinen gewinn brauchen kann, erlaubt zu arbeiten. Das ist der einzige grund, weshalb in diesem system gearbeitet wird: die einen wollen ein geschäft machen und die anderen müssen zusehen, irgenwie ihren lebensunterhalt verdienen.

Arbeiten, die (im gegensatz zur selbsternannten »nützlichkeit« der arbeit des herrn Boes) notwendig wären, jedoch nicht nicht als geschäftsmodel taugen, werden nicht erledigt, egal wie wichtig sie wären.
Maischberger:Frau Ralfs würde ich als nächstes fragen wollen. Sie haben so einen knochenjob als putzfrau - haben Sie sich mal gewünscht, Sie müßten morgens nicht aufstehen und es wäre trotzdem die miete bezahlt und das essen?

Ralfs:Für ein, zwei tage (…). Arbeiten gehört dazu zum leben. Ich kann das nicht verstehen, daß man nicht zur arbeit geht. (…)Wenn ich etwas zu sagen hätte, ich würde nach zwei jahren, egal ob ein mensch ein studium (…), eine gute ausbildung hat und nach zwei jahren (…) nicht einen guten job gefunden hat in seiner ausbildung, dann tut es mit leid, dann hat der das verfehlt, dann darf er nicht mehr, dann muß der einen anderen job annehmen(…), bei mir würde es zwei jahre geld geben und sonst nicht mehr.
Die h4gesetze besagen, daß man bereits nach einem jahr einen anderen job annehmen muß. Selbst wenn man davon nicht mal seinen lebensunterhalt bestreiten kann.

Die vielen arbeitslosen gibt es nicht, weil die gesetze so lasch wären, sondern weil es diese vielen tollen jobs gar nicht gibt. Der chef von frau Ralfs wird nicht zehn mehr putzleute einstellen, weil noch zehn diplom-soziologen vor der tür stehen, die auch wissen, wie man mit dem feudel umgeht und man sie für wenig geld beschäftigen kann.
Maischberger:wie viel verdienen Sie denn mit Ihrer arbeit, ich mein, was haben Sie für einen stundenlohn?

Ralfs:8€82 bekomme ich brutto, das ist mein stundenlohn und dafür arbeite ich.

Maischberger: Das ist jetzt nicht sehr viel und was haben Sie am ende des monats 1200, 1300 €?

Ralfs: Ja. Die arbeitszeiten sind zwischen abends 17 uhr und morgens drei, vier uhr
Offenbar wird frau Ralfs betrogen. Nach 20 uhr hat sie im grunde ein recht auf nachtzuschlag, anscheinend erhält sie den nicht, sonst müßte sie bei solchen arbeitszeiten bei vollzeit auf mehr netto kommen als 1200, 1300 €. Auch die arbeitszeit bis vier uhr morgens ist grenzwertig, weil länger als 10 stunden nicht gearbeitet werden darf. Mit solchen eigentlich unzumutbaren arbeitsbedingungen ist sie allerdings keinesfalls allein, das betrifft auch gutverdiener, die um an ihr geld zu kommen, immer mehr kostenlose überstunden leisten müssen.

Es entscheiden nicht die leute, ob sie diese oder jene tätigkeit ausüben können oder wie man sich die notwendige arbeit sinnvoll aufteilen kann, damit am schluß was vernünftiges rauskommt. Der markt diktiert, wie viele leute und zu welchem lohn beschäftigt werden.
Maischberger: Herr Boes, (…) haben sie den wunsch, daß Sie sich selber finanzieren(…)?

Boes:Wenn meine arbeit, die ich im moment leiste, erledigt ist, werde ich selbstverständlich dafür gucken, daß ich wieder geld kriege für meine arbeit.

Und die arbeit im moment heißt die verfassungswidrigkeit von hartz 4 auf den tisch zu bringen. (…) Ich sehe unsere gesellschaft in einem abgleitprozess (…), wir haben eine zwei-klassen-gesellschaft (…): diejenigen, diejenigen, die die steuerzahler sind und diejenigen, die nicht die steuerzahler sind (…). Für die einen gelten die grundgesetze, für die anderen nicht mehr (…). Und wenn die arbeit erledigt ist, bin ich jederzeit frei für nen job (…), der geld bringt.
Abstruse vorstellung, was klassengesellschaft ist.

Ich mache hier erstmal einen schnitt, weil das sonst auf einen satz zu viel wird. Weiteres zum thema »moppelkotze« folgt in den nächsten tagen.

Moppelkotze, zweiter teil

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