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Sonntag, 9. Februar 2020

Meine butter ist ’ne alte umweltsau

Der Ökotest hat es vor rund einem jahr schon gewußt und bei ze.tt bekommt man es jetzt auf’s brot geschmiert: das schlimmste, was man essen kann, ist butter. Die kommunikationsdesignerin Sophia Fahrland, die letztens das buch »Klimaschutz fängt auf dem Teller an« herausbrachte beklagt nicht ohne die heute notwendige empörung
Zitat Sophia Fahrland: »In der Öffentlichkeit und auch in der Klimabewegung wird stets ein reduzierter Fleischkonsum empfohlen. Doch der Nummer-eins-Klimakiller, die Butter, wird totgeschwiegen.«
Schlimm. Ein killer, der totgeschwiegen wird. Kann man das klima überhaupt killen? Klima ist doch immer, auch wenn es unangenehm wird.

Es wird angeprangert, daß für ein einzelnes kilo butter ganze 20 liter milch benötigt würden. So über den Daumen gepeilt stimmt das. Zufällig kommt sie auf das selbe CO2 äquivalent, auf das auch Ökotest gekommen ist, auch wenn die von 18 litern ausgegangen sind, was der menge entspricht, die man beim Milchindustrieverband findet. Das ergebnis drückt sie aber lieber in gramm als in kilo aus, damit es noch ein bißchen dramatischer aussieht als es ist.
Zitat aus der ze.tt: »Das Problem: Butter wird aus Milch gewonnen. Ganze 20 Liter werden für ein Kilo fertige Butter benötigt. Dementsprechend viele Kühe braucht es auch, die wiederum klimaschädliches Methan ausstoßen. Und Methan heizt das Klima 30-mal stärker an als Kohlendioxid. Fahrland schlägt deshalb vor, besser darauf zu verzichten: ›Da es so einfach ist, Butter durch Pflanzenmargarine auszuwechseln, stellt sich gar nicht die Frage, ob wir das tun sollten oder nicht.‹«
Es wird so getan, als würde da für ein läppisches kilo butter total viel milch vergeudet - geradezu als würden die übrigen 17 liter dann einfach weggekippt oder einfach in der atmosphäre verpuffen oder was auch immer. Wenn man milchprodukte ißt - und wenn sie einem schmecken und man sie verträgt, spricht nichts dagegen - muß man sich tatsächlich gar nicht erst die frage stellen, ob man sie durch pflanzenfett austauschen sollte. Kuhmilch hat für gewöhnlich einen fettanteil von 4,12%, der kann aber auch bis zu 5% betragen. So bekommt man die aber normalerweise nicht zu kaufen. Handelsübliche milch ist hierzulande für gewöhnlich teilentrahmt und hat meist 1,5% oder 3,5% fett, in diesen fettstufen ist auch joghurt erhältlich. Das abgeschöpfte fett wird schlauerweise nicht weggeschmissen, sondern da wird schlagsahne, creme fraiche oder eben auch butter draus hergestellt. Bei der butterproduktion selbst fällt als nebenprodukt auch noch buttermilch an, die keineswegs weggekippt wird. Wenn man einmal von hartkäse absieht, der bei der lagerung trocknet und dadurch etwas an gewicht verliert, wird aus 18 litern milch die gleiche menge an fertigen molkereiprodukten.

An sich sollte man meinen, daß zeitschriften wie Ökotest nicht einfach den durchschnittlichen wert des CO2 ausstoßes pro liter mit der rein rechnerisch notwendigen menge pro kilo multiplizieren, ohne die nebenprodukte zu berücksichtigen. Aber ich habe mich schon öfter über die ergebnisse von Ökotest gewundert. Aber es ist ohnehin müßig dem CO2 in der ernährung hinterherzurechnen, weil das teil des kohlenstoffkreislaufs ist. Für alle, die sich nicht mehr an den biologieunterricht im 5. oder 6. schuljahr erinnern, gibt’s am schluß dieses artikels ein erklärvideo.

Im übrigen wird immer gern behauptet, daß der viehbestand ständig steigen würde. Was kühe betrifft, stimmt das für Deutschland nicht. Seit 1990 ist der bestand um rund 37% gesunken - bei ungefähr gleicher milchproduktion. Weil kühe immer ungefähr gleich viel methan rülpsen, egal wie viel milch sie geben, kann man davon ausgehen, daß milchprodukte heute klimafreundlicher als vor 30 jahren sind.

Aber zurück zu Sophia Fahrland und der ze.tt. Dort gibt es eine neue ernährungspyramide:
Bildschirmfoto aus der ze.tt
Hier sieht man, daß die kommunikationsdesignerin Fahrland imstande ist, ein gleichschenkliges dreieck zu malen.



So sah die »klassische« ernährungspyramide aus. Für die interpretation derselben gilt folgendes:
Zitat wikipedia: »n der Ernährungsempfehlung der DGE (nach 1992)[15] stehen an erster Stelle die Getränke, vor allem Wasser. Man sollte täglich mindestens 1,5 Liter trinken. An der Basis stehen die Grundnahrungsmittel, die langkettige Kohlenhydrate (Stärken) enthalten, wie Brot, Reis und Nudeln. Auf der nächsthöheren Ebene befinden sich Gemüse und Obst. Die dritte Stufe beinhaltet Proteine und eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte einerseits sowie Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Nüsse und Bohnen (Hülsenfrüchte) andererseits. An der Spitze der Pyramide sind Zucker und Fette wie Pflanzenöle zu finden, von denen nur wenig konsumiert werden sollten.«
Sophia Fahrlands neue pyramide empfiehlt also, daß man sich bei bio zurückhalten sollte, saisonales und regionales mehrfach die woche essen kann, aber hauptsächlich pflanzliches zu sich nehmen sollte. Das anorganische lebensmittel wasser wird nicht empfohlen, das kann man jedoch zur not wahrscheinlich durch das pflanzliche lebensmittel wein ersetzen.


Und jetzt noch das video zum kohlenstoffkreislauf:


Menschen atmen übrigens auch CO2 aus, jeder ungefähr zwei tonnen pro jahr und leute, die wie Sophia Fahrland viel heiße luft durch die gegend blasen, wahrscheinlich noch mehr. Vielleicht sollten diese gelegentlich die luft anhalten.

Dienstag, 4. Juni 2019

Diskriminierung! Unmöglich! Tamponsteuer

Wegen einer petition muß sich der Deutsche Bundestag nun mit einer steuer befassen, die es gar nicht gibt: »tamponsteuer«. Gemeint ist hier der normalmehrwertsteuersatz von 19%. Das sei systematische geschlechtsbezogene diskriminierung. Schließlich sei es kein luxus zu menstruieren und es stimmt sogar auffallend, daß frauen das müssen ob sie wollen oder nicht. Aber bartwuchs sucht sich auch niemand aus. Oder inkontinenz oder hyperhidrose.

Gerechterweise werden in diesem fall allerdings alle geschlechter inklusive der schwulen gleichermaßen diskriminiert. Denn hierzulande sind es nicht allein hygieneartikel, die von frauen benötigt werden, die zum normalmehrwertsteuersatz besteuert werden, sondern grundsätzlich alle hygieneartikel. Selbst banales zeug wie klopapier.

Die mehrwertsteuersätze von 19% und 7% haben nichts mit »luxus« und »dem, was man zum leben braucht« zu tun, es gibt (die merkwürdigen umsatzsteuersätze, die einem begegnen, wenn man sich auf das gebiet der agrarökonomie begibt, lasse ich hier unter den tisch fallen. Die sind für verbraucher eher nicht relevant) eben den vollen steuersatz und den ermäßigten steuersatz. Den ermäßigten satz auf bestimmte eßwaren - längst ausgenommen: sämtliche getränke außer leitungswasser, jedoch inklusive genußmitteln wie tee, kaffee, kakao, sofern es nicht um gesüßte fertigprodukte handelt. Und auf gewisse kulturgüter. Wenn man steuern sparen möchte, kann man schließlich für rückwärtige zwecke die zum ermäßigten steuersatz gekaufte tagespresse einer sinnvollen verwendung zuführen.

Schön ist es, daß ein besonders hippes unternehmen aus süddeutschland die urst angesagte werbeabgetur Scholz & Friends (bekannt für ihre werbestrategien für die INSM, welche unter anderem für eine »flat tax« eintritt. »Flat tax« finden die ultragerecht, denn es gibt einen steuersatz auf alles. Und damit würden nicht nur die tatsächlich armen ein problem bekommen, weil der preis für grundnahrungsmittel deutlich steigen würde, sondern auch einen großteil der relativ wohlhabenden, die glauben, daß das gut wäre, weil sie vergessen, daß dann auch ihre miete besteuert wird und sie keinerlei vorteil davon hätten. Ganz im gegenteil. Ende der randbemerkung.) anheuerte, um ein marketingkonzept für ihre überteuerten produkte zu erfinden.

Ein schmuckes buch zum ermäßigten steuersatz über die menstruation. Sowas braucht die tamponsuchende ganz gewiß, denn immerhin liegen 15 tampons bei. Zum ermäßigten steuersatz kosten auf diesem wege die 15 tampons schlappe 3€11.

Zum regelmehrwertsteuersatz bezahlt man im ganz normalen supermarkt für ein päck tampons aktuell 2€55 (incl. MwSt. 19%), allerdings enthält es anstatt 15 auch bloß 80 stück.

Das ist diskriminierung. Die halten ihr zielpublikum definitiv für doof.

Sonntag, 10. Februar 2019

Reich durch aufräumen

»Ich liebe Unordnung« sagt aufräumberaterin Marie Kondo. Seltsam. Ich nicht. Bei ihr sieht alles picobello aufgeräumt aus, bei mir hingegen nicht. Verkehrte welt. Liegt halt daran, daß die daraus ein lukratives geschäftsmodell entwickelt hat, während ich mit meiner zeit besseres anzufangen weiß, als den putz- bzw. aufräumteufel zu spielen.

Was mich wundert, ist, daß man mit so einem scheiß knete machen kann. Binsenweisheiten wie »kleidung, die Du seit zwei jahren nicht getragen hast, kannst Du wegwerfen« oder »bücher, die Du gelesen hast, brauchst Du nicht mehr«, gab es bereits im letzten jahrtausend und waren auch damals schon falsch, schließlich kann man auch bücher wegwerfen, die man noch nicht gelesen hat, wenn man nicht vorhat, es noch zu tun.

Hinzu gesellt sich die schulmädchenweisheit »behalte nur, was Dich glücklich macht.« Sind bücher, wie z.b. Kompendium Mediendesign, PHP in a Nutshell oder auch Der Kontenrahmen irgendwie dafür gedacht menschen glücklich zu machen? Ganz bestimmt, denn wegwerfen kann ich sie nicht. Kauft Euch einen Kontenrahmen, der macht glücklich. Alle werden Euch drum beneiden, denn betriebswirtschaftliche auswertungen sind das schönste wogibt. In so einem buch schmökert man sonntagnachmittags bei einer tasse kaffee immer wieder gern, obwohl es eigentlich längst klar sein sollte, daß in jedem fall irgedwie die gewinn- und verlustrechnung, die alte tunichtgütin, dahintersteckt.

Bekanntermaßen macht geld nicht glücklich. Dafür ist es zwar überhaupt nicht gedacht, aber trotzdem könnten die reichen mal ihre konten aufräumen. Ich wäre durchaus bereit, am ende den papierkorb zu entleeren.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Altpapierproduzentin

Kaum bin ich mal wenige stunden nicht am bildschirm, hat sich schon wieder schreckliches ereignet: die königin der schmonzette, Rosamunde Pilcher, ist gestorben.

Vor ca. einem vierteljahrhundert bekam ich mal ein buch von der geschenkt. Nach ungefähr einer halben seite hatte ich den eindruck, daß es ein irrglauben ist, daß lesen bildet und gab das ding ins altpapier.

Sonntag, 18. März 2018

Über den Rubikon

Als ich im vergangenen jahr hörte, daß es ein neues blog geben sollte, das sich »kritischen journalismus« auf die fahnen schreiben wollte, war ich sehr gespannt, was das denn werden würde. Ein knappes jahr später hält sich meine begeisteung darüber, vorsichtig ausgedrückt, doch sehr in grenzen.

Wenn ich mir deren beirat anschaue, stelle ich als erstes fest, daß das offenbar hauptschächlich ein hobby verschrobener, alter, weißer männer ist. Und bei den beiden frauen, die da mitmachen, frage ich mich, warum sie sich den quatsch eigentlich antun. Es ist interessant, was Gaby Weber, die den »verein« verließ, bevor es richtig losging, über den Rubikon schreibt:
»Dass mein Name als Redaktionsmitglied im Impressum stand, sollte wohl Seriosität vermitteln.«
Das glaube ich allerdings auch, denn frau Weber ist mir als gute journalistin bekannt, und daß sie da mitmacht, hat durchaus auch mir hoffnung gemacht, daß das mit dem Rubikon eine vernünftige sache werden kann.

Ist es aber leider nicht geworden. Für kritischen journalismus reicht es eben nicht, etwas gegen das Rußlandbild zu haben, das in den Deutschen medien tonangebend ist und den spieß dann einfach umzudrehen und statt Rußland eben Amiland für »böse« zu erklären. Da sollte man erwarten, daß möglichst neutral über die sachlage berichtet wird. Stattdessen wird haufenweise zeug von leuten verwurstet, die man schon anderswo nicht lesen mag. Ein bißchen politik, ein bißchen esoterik und haufenweise blösinn. Mir macht es spaß, ab und zu blödsinn zu schreiben, aber zumindest sollte man selbst wissen, wann man das tut. Bei Rubikon wissen sie es offensichtlich nicht.

Bevor ich mich bei Rubikon informiere, lege ich, glaube ich, lieber eine kassette mit einer rede Helmut Kohls ein. Der hatte, im gegensatz zu den machern des Rubikon, immerhin wenigstens noch einen restfunken verstand.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Rechte auf der Buchmesse und wer macht für sie PR?

Hätte man sie einfach rechts liegen gelassen, hätte wahrscheinlich kaum jemand notiz von den rechten verlagen auf der Frankfurter Buchmesse genommen - und ich übrigens auch nicht. Erst als die ansichtsexemplare eines rechten verlages mit zahnpasta beschmiert wurden und die lage bei einer buchpräsentation zu eskalieren drohte, erfuhr ich aus dem Deutschlandfunk Kultur, daß die überhaupt teilnehmen und wunderte mich, daß denen so eine internationale messe nicht zu multikulturell ist.
Zitat Svenja Flaßpöhler: »Es kam dann tatsächlich der AfDpolitiker Björn Höcke auf die bühne und nahm das publikum noch mal sehr für sich ein [...] zentrum seiner rede war eigentlich auch eine art opfer-diskurs [...] und hat nochmal eine lanze dafür gebrochen, diese deutungshoheit der linken, also diese filterblase der linken, dieses vorrecht der linken, sich präsentieren zu dürfen - aber die rechten dürfen es eben nicht, dieses ungleichgewicht eben aufzubrechen [...] wir wollen, daß wir genau so ernst genommen werden, wie die.

[...]

Entgegen der erzählung von herrn Höcke war es so, daß die linken abgeführt wurden.«
Immer wieder sei gesagt worden »Wir wollen mit den Linken leben und auch mit ihnen reden, aber die Linken sind die Verblendeten und wir sind die, die auf dem Boden der Wahrheit stehen.«

Ist es sinnvoll, mit anderen reden zu wollen, wenn man sich von vornherein einbildet, die wahrheit gepachtet zu haben während die anderen die verblendeten sind?

Dienstag, 19. April 2016

Schroeder und die umverteilung

Anfang des monats hat der DDR-forscher (warum bin ich das eigentlich nicht geworden?) »Ahnungslose-Schüler:-DDR- ein sozialparadies-keine-diktatur-Schroeder« seinen studenten etwas beigebracht: »Ungleichheit ist unverzichtbar.«

Die studenten hätten nämlich die vorstellung, arm sei man, wenn man ein einkommen von höchstens 500 € habe. Wo leben diese studenten? In Berlin und anderen Deutschen großstädten muß man oft mehr als 500 € für ein WGzimmer oder eine einraumbude hinblättern, ist man schon »nicht arm«, wenn man sich irgenwie eine bleibe finanzieren kann, ohne auch nur einen einzigen haps essen zu können?

Die jugend erscheint mir sonderbar. Vielleicht ist es aber auch eher die nicht unparteiische interpretation ihres bescheuerten professoren, für die sie ja auch nichts kann. Aber welch ein glück, in Schland muß man das doppelte nettoeinkommen haben, um als »armutsgefährdet« zu gelten.

Und dann kann er im seminar »beweisen«, wie toll dieser sozialstaat ist, weil ja die studenten den etat des sozialstaats viel kleiner eingeschätzt haben.

»Das ist der gleiche Effekt wie bei Bewertung der DDR: Es werden Urteile ohne Wissen gefällt«, sagt Schroeder.

Und damit hat er sogar recht. Den studenten fehlt der blasse dunst davon warum hier eigentlich umverteilt werden muß.

Alles keine schöne angelegenheit.

Donnerstag, 10. März 2016

Untergangsstimmung aus Rottenburg

Ein kurzer bericht über die »irren aus Rottenburg«. Haarsträubend, daß es menschen gibt, die diesen schwachsinn auch noch glauben.

Samstag, 24. Oktober 2015

Neulich in den NachDenkSeiten

In den NachDenkSeiten stand in der letzten woche ein gespräch mit dem diplombiologen Markus Fiedler zu seinem film »Die dunkle Seite der Wikipedia«. Der titel des films läßt schon tief blicken. Fiedler »enthüllt« in seinem film, was der nicht völlig naive nutzer der Wikipedia ohnehin längst weiß: ungeprüft sollte man nicht alles glauben. Aber das gilt so oder so für alles, was man an information bekommt.

Umgangssprachlich ist mir die Wikipedia als »allwissende müllhalde« geläufig. Der name ist passend, denn man findet in der Wikipedia zu so ziemlich allem irgendwas, aber nicht alles was man auf einer müllhalde findet, ist ohne bedenken verwertbar.

In den film habe ich nur kurz reingeschaut. Da wird beklagt, daß lexika wie der Brockhaus nicht mehr nachgedruckt werden, weil Wikipedia sie kaputt konkurriert habe. Das ist bedauerlich, aber obwohl er von profis erstellt wurde, war auch der Brockhaus nicht immer objektiv und neutral: ich habe eine ausgabe des dtv-Brockhaus von 1988. Wenn man die texte über westliche länder liest, stellt man fest, daß dort rohstoffe für gewöhnlich abgebaut werden, während in staaten des ostblocks die rohstoffe ausgebeutet. Das gibt der selben angelegenheit sprachlich einen sehr unterschiedlichen anstrich. Der Schönbergschüler Hanns Eisler, den Arnold Schönberg als seinen begabtesten schüler bezeichnet haben soll und der einer der bedeutenden komponisten der ersten hälfte des 20. jahrhunderts ist, wird mit keiner silbe erwähnt. Politisch unerwünscht. Hat eine hymne für den falschen staat komponiert.

Aber zurück zur Wikipedia. Unter anderem soll am beispiel Daniele Ganser »bewiesen« werden, daß die Wikipedia »rufmord« betreibe. Der historiker prof. Gregor Schöllgen schrieb im april 2009 über Gansers buch »NATO-Geheimarmeen in Europa« in der FAZ, daß genaugenommen Gansers einzige quelle ein vierseitiges papier der Bundesregierung vom dezember 1990 sei.
Desweiteren wörtlich: »Was Ganser hier zusammenträgt, ist zwar in der Gesamtschau bemerkenswert, im Einzelfall aber zumeist schon bekannt und nicht selten grotesk überzeichnet. So auch im Fall der Bundesrepublik Deutschland, wo zunächst die "Organisation Gehlen" und nach deren Überführung in die Bundesverwaltung, also seit April 1956, der BND für die "Stay behind"-Aktivitäten zuständig war.«
Mit anderen worten, Gansers »enthüllungen« waren größtenteils vorher bereits »enthüllt« und er arbeitet mit übertreibungen, um das alles etwas sensationeller aussehen zu lassen.

Hierzu sagt Fiedler in den NachDenkSeiten wörtlich: »wer sich das buch von dr. Ganser nicht kauft, kann diesen sachverhalt nicht nachvollziehen.«

Wie bitte? Weil eine negative rezension zu Gansers buch es in die Wikipedia geschafft hat, soll sich alle welt das buch kaufen, weil man sonst nicht darüber urteilen könne? Das sind feine geschäftsmethoden!

Kritik an einem werk ist eben kein rufmord. Wenn man die kritik für unberechtigt hält, muß man beweise bringen und wenn man das nicht schafft, war die kritik womöglich nicht völlig unberechtigt. Es ist als eher positiv zu werten, daß derartiges nicht so einfach aus der Wikipedia verschwindet. Ansonsten könnte auch die Bertelsmann Stiftung anmelden, daß die in der Wikipedia erwähnte kritik in wirklichkeit rufmord sei und einen imageschaden anrichte.

Den ruf der NachDenkSeiten muß die Wikipedia nicht schädigen. Das schaffen die glatt allein.

Donnerstag, 6. August 2015

Widerlegtes bibelzitat

»Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?«Matthäus 6.26
Anscheinend wollen die spatzen sich auf »den da oben« nicht verlassen. Auf meinem balkon haben sie sonnenblumen gesät. Mal sehen, ob sie auch ernten werden.

Mittwoch, 26. November 2014

Lernziel Demokratie

Gelegentlich hat es kritik gehagelt, weil ich doch nicht aus lehrbüchern der DDR zitieren könne, weil die über den westen doch nur schlechtes und propaganda verbreitet hätten.

Neulich habe ich diesen schmöker gefunden:

Ein westliches politiklehrbuch aus den 80er jahren. An meiner schule gab es für diesen unterricht (der manchmal »gesellschaftslehre«, »sozialkunde« oder »politik« hieß, ganz nach belieben) keine lehrbücher für schüler, weil dafür kein geld da war. Beim lesen in diesem buch hatte ich nach all dieser zeit wieder die keifende stimme meiner lehrerin im ohr.

Letzten sonntag am kaffeetisch waren außer mir keine wessis zugegen. Ich las einige absätze aus diesem buch aus dem kapitel »leben in der DDR« vor. Die mienen erstarrten. Mit glasigen augen wurde ich ungläubig angeschaut. Sprachlosigkeit.

Plötzlich fragte einer »und das habt Ihr geglaubt?«, daraufhin wurde die spannung durch gelächter gelöst.

Welch zufall, welch zusammenspiel. In westlehrbüchern wurde nicht einmal in ansätzen der versuch unternommen, ein objektives bild der DDR zu bekommen. Es war auch eben kein angebot von der art »schaut Euch an, was das ist. Und entscheidet selbst, was ihr denkt«, sondern selbstverständlich von vorn herein die ansage »nehmt einfach wahr, wie gut ihr es habt!«

Ob es denn stimmt oder nicht.

Niemand mußte das glauben. Wer es jedoch nicht glaubte, bekam unweigerlich probleme und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Dienstag, 10. Juni 2014

Ganz oben ganz realitätsfern

Heute hat ex-bundespräsident Christian Wulff sein buch »Ganz Oben Ganz Unten« vorgestellt. Darin beschreibt er die hetzjagd der medien, durch die er sich »ganz unten« fühlte.

Wie sollte er auch eine vorstellung davon haben, wie das leben eines menschen ist, der tatsächlich in dieser republik ganz unten angekommen ist und auf der straße lebt.

Darum mein vorschlag an herrn Wulff: tauschen Sie für das nächste winterhalbjahr mit einem obdachlosen, damit Sie ein gefühl dafür bekommen, was in diesem staat, dem Sie für rund 600 tage vorgestanden haben, »ganz unten« bedeutet.

Montag, 21. April 2014

Zur zinskritik

Wer demonstriert montags am Brandenburger Tor? Zinskritiker

Daß die zinskritik keine schlaue idee ist, weil es egal ist, ob die besitzlose klasse nun den zins, auch profit genannt, für einen eigentümer, der sein geld als kapital verwendet oder eine fabrik als kapital besitzt, habe ich vor einigen monaten schon mal geschrieben.

Der ursprung der zinskritik ist die schlechte idee, kritik an denen zu üben, die »bloß« geld zum gelingen der wirtschaft gegeben hätten. Die sind zum sündenbock für das nichtgelingen zu machen und - bei faschisten besonders wichtig - ihnen vorzuwerfen, planmäßig den staat zu schwächen, um sich egoistisch selbst zu stärken.

Über den faschistischen zinskritiker Gottfried Feder schreibt Andreas Popp auf seiner seite »Wissensnmanufaktur«folgendes:

An dieser Stelle soll auch der Erfinder dieser Methode der Staatsentschuldung gewürdigt werden. Es ist Gottfried Feder (1883 - 1941), der diese Idee schon 1919 in seinem „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“ veröffentlichte. Heute wird dieser große Wirtschaftstheoretiker leider noch immer mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht, obwohl er ab 1933 keine Rolle mehr spielte und seine Zinskritik von da an von Kapitalisten, Kommunisten und Nationalsozialisten gleichzeitig bekämpft wurde.

War der Feder nun weniger faschist, weil er nach der machtübernahme nicht den posten erhielt, den er sich erhofft hatte?

Feder war faschist der ersten stunde, bereits 1919 mitglied der DAP aus der später die NSDAP hervorging. Hitler selbst würdigte die ideen Feders in »Mein Kampf«, dieser habe ihm die »augen geöffnet«.

Feders grundfaschistische überzeugung soll nun etwas weniger grundfaschistisch oder antisemitisch sein, weil der Hitler offenbar begriffen hatte, daß er mit diesen ideen keinen erfolgreichen staat machen konnte?

Die behauptung mit der verfolgung ist lächerlich: von den kapitalisten wurde er seiner kruden wirtschaftstheorien wegen bestensfalls müde belächelt. Die nazis haben ihn nicht fallen lassen, der bekam pöstchen, auf denen er für die damalige zeit extrem gut versorgt war, allerdings nicht übermäßig viel zu melden hatte.

Zu erfahren, wo die kommunisten damals herrn Feder verfolgt hätten, wäre interessant. Die waren 1933 selbst verfolgt und somit kaum in der lage einen faschistischen sesselfurzer, der seinerseits auf das abstellgleis geschoben worden war, zu verfolgen. Die anhänger Feders verfolgten und ermordeten kommunisten. Nicht umgekehrt. Popps behauptungen sind dreiste lügen.

Offenbar setzt Popp darauf, daß Gottfried Feder den menschen kein begriff ist und er diesbezüglich behaupten kann, was ihm beliebt. Zum ersten mal fiel mir herr Popp auf, als mir vor jahren ein freund eine mail einer bekannten, die in die esoterikszene abgerutscht war, weiterleitete, weil er den inhalt absurd fand. Es ging im weiteren sinne um das BGE (bedingungsloses grundeinkommen) und ein seminar, das man für teuer geld buchen sollte.

Wer war Gottfried Feder?

Gottfried Feder war ein Deutscher ingenieur, geboren 1883, der sich ab 1917 im selbststudium mit volkswirtschaft befaßte. Was er zwischen 1914 und 1918 getrieben hat, ist nicht überliefert. Das liefert grund zur annahme, daß er sich als wackerer Deutscher patriot um den kriegsdienst herumgedrückt hat.

Für Feder besteht das wirtschaftssystem nicht aus kausalen zusammenhängen, sondern aus »geheimnissen«, vielleicht, weil er nichts davon verstand. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß er das alles sehr wohl begriffen hatte, die anderen aber dumm halten wollte, um ihnen die eigenen ideen besser unterschieben zu können.

Feder schreibt von moralischen verwerfungen, gift und krankheiten. Für ihn ist der »mammonismus«, was auch immer das sein soll, eine krankheit. Daß der mensch, der nicht völlig bescheuert ist, nach geld streben muß, wenn er im kapitalismus überleben will, läßt der völlig außen vor.

Bei ihm sind es irgendwelche übersinnlichen kräfte, die angeblich irgendwelche unsittlichen gendanken aufkommen ließen und der kapitalismus an sich ohne zins und mit viel moral wunderbar fortführen.

Schuld daran, daß das nicht geht, sind, wer auch sonst, die juden mit ihrer raffgier, die den rest der welt in zinsknechtschaft zwingen würden.

Das realexistierende prinzip des kapitalismus, wird nur zur hälfte gesehen und die andere hälfte wird geleugnet. Man soll die eine hälfte als »gut« betrachten. Die andere als »böse«.

Ist man ein lohnarbeiter, ist man von beiden seiten abhängig, die einen gleichermaßen aussaugen, das macht keinen unterschied.

Nieder mit der lohnarbeit!

Samstag, 12. April 2014

Pirinçci von sinnen

Als »wirrer der woche« darf wohl der Turkdeutsche Akif Pirinçci durchgehen.

Er kritisiert seine hier lebenden landsleute und ist sowohl sprachlich als auch von der gedankenwelt her mit den muselmanischen migrantensöhnen von der muckibude exakt auf einem niveau: Mehr patriachat! Mehr reaktionismus! Die weiber werden zu frech!

Herr Pirinçci will das Deutschland zurück, in das er einst einwanderte. Das, in dem frauen ohne einwilligung des mannes weder arbeit noch bankkonto haben durften.

Zum glück gab es zu jener zeit, als Pirinçci nach Deutschland einwanderte, mehrere davon.

Offensichtlich war dies land doppelt so gut, als es zwei davon gab.

Dienstag, 4. März 2014

Was Brecht noch wußte...

… weiß Peymann offensichtlich nicht mehr. Nämlich, daß es zweierlei sorten menschen gibt: ausbeuter und ausgebeutete.

Und es somit ein unterschied ist, ob man einen vertreter der ausbeuterklasse verjagt oder seinesgleichen verprügelt und tritt. Der hat es glatt fertiggebracht, in Springers »Welt« die demonstranten, die den Sarrazin nicht in Brechts theater sehen wollten, mit den prügelnazis von Hoy gleichzusetzen.

Irgendwie scheint den alten herren in der kunst der sinn für die realität flöten zu gehen. Ohne es zu wollen mußte ich an den Staeck denken, der sich zwar rühmt, die AdK frei von sponsoren gehalten zu haben, aber offenbar nie etwas dagegen hatte, daß dort gut ausgebildete menschen für unter 5 € pro stunde arbeiten.

Wenn sich die kulturschaffenden »freiwillig« (also eher aus monetärem sachzwang) der obrigkeit unterwerfen, den ganzen mist kritiklos fressen, damit sie ihren blöden kulturbetrieb aufrecht erhalten können, braucht man die dann überhaupt noch?

Freitag, 11. Oktober 2013

Armut ist diebstahl

Es gibt ein neues buch, in welchem zur abwechslung die armen mal wieder als »bequem«, »faul« und »zur eigeninitiative unfähig« abgestempelt werden. Laut des in der Schweiz lebenden buchautors René Zeyer sind es diesmal nicht »die juden« oder »die muslime«, sondern »die armen«, die »uns« ruinieren.

Auch wenn er die leser nicht darüber aufklärt, wer denn zu seinem imaginären kollektiv, das er mit »uns« bezeichnet, gehören soll. Ich jedenfalls nicht. Wenn man drüber nachdenkt, was einen eigentlich ruiniert, sind es keinesfalls die vielen habenichtse. Da kommt man auf völlig andere ursachen, die krank machen und ruinieren.

Nicht die armen ruinieren, die armut ruiniert.

Und die ist unter lohnarbeitenden menschen weiter verbreitet als einem gemeinhin gesagt wird.

Zeyer stellt in seinem buch die these auf, daß es in Europa seit rund 400 jahren so etwas wie armutsbekämpfung gäbe, selbige aber nicht übermäßig viel geholfen habe. Zeyer sagt hierzu in einem interview, daß die »relative armut« in Europa zunehme und deshalb die armutsbekämpfung völlig erfolglos gewesen sei.

Zwar stimmt es auffallend, daß das christentum mit seiner wohltätigkeit nichts wirklich bewegt hat. Die christiliche mildtätigkeit war in der geschichte sicherlich ein fortschritt: man hat es organisiert, menschen, die in not geraten waren, nicht einfach verrecken zu lassen, alten und kranken zu helfen und die not zu lindern.

Jedoch war armutsbekämpfung nie das ziel, das die christenheit sich gesetzt hatte, sondern armutsbetreuung. Und das ist etwas völlig anderes.

Nicht umsonst hat sich im ausgehenden 19. jahrhundert die obrigkeit selbst für die armutsbetreuung eingesetzt. Berliner kennen noch die »Kirchenjuste«, die sich hauptsächlich selbst mit den kirchenbauten ein denkmal setzte, aber den armen, sofern sie sittlich lebten und brav den Jesus bejubelten anstatt zu rebellieren, eine tasse muckefuck und ‘ne schrippe gewährte. Selbstverständlich nicht aus ihrem privatvermögen, sondern aus spendengeldern mitleidiger bürger.

Weitaus eher im gedächtnis geblieben dürfte den meisten die einführung der sozialversicherung unter reichskanzler Bismarck sein. Das war kein zugeständnis an die arbeiterklasse. Das war das eingeständnis, daß die lohnarbeitende mehrheit nie genug lohn erhalten würde, um sich in notlagen, um es in Zeyers worten zu sagen, »eigenverantwortlich« selbst zu helfen.

Daran hat sich bis heute nicht wesentlich was geändert. Und das war auch so gewollt: Die lohnarbeitende mehrheit hat z. B. im fall einer ernsten erkrankung nie das geld, eine behandlung zu bezahlen und den arbeitsausfall auszugleichen. Wer seine stelle verliert - und personal zu entlassen ist in der kapitalistisch organisierten wirtschaft alles andere als verboten, schließlich kommt das vielbeschworene wirtschaftswachstum nur zu stande wenn man aus möglichst wenig arbeitern möglichst viel leistung rausprügelt, weil deren löhne sonst den gewinnerwartungen im wege stehen - ist im normalfall nicht in der lage, einfach selbst für seinen lebensunterhalt aufzukommen.

Der lohn ist keinesfalls dafür gedacht, den menschen, der arbeitet »reich« zu machen. Der ist in einer wirtschaftsform, in der alles gekauft und verkauft werden muß, bestenfalls ein notwendiges übel. Hauptsächlich schlägt sich der lohn negativ in den bilanzen nieder - er steht im widerspruch zum gewinn.

Somit geht Zeyers geseier schlicht an den realen zuständen vorbei.

Den von ihm behaupteten »konsum ohne gegenleistung« gibt es in dieser wirtschaftordnung definitiv nicht. Als gegenleistung für konsum gibt es hier in jedem fall ausschließlich eins: geld. Ob man das beispielsweise durch lohnarbeit verdient, von irgendeinem amt bekommen hat oder leistungslos bezogen, weil man wohnungen besitzt, die man selbst nicht braucht und so menschen geld abpressen kann, weil man etwas hat, was man selbst nicht zum leben braucht, ist völlig egal.

Der Zeyer fordert eine härtere in die pflicht nahme der armen. Offensichtlich hat er verschlafen, womit die armen in den industrienationen von der besitzenden klasse in die pflicht genommen werden: Lohnarbeit, also dienst am kapital und wenn das nicht funktioniert, gilt es, almosen zu beziehen.

Freitag, 12. Oktober 2012

Hexenjagd

Als ich heute früh bei recht gutem herbstwetter einen stadtspaziergang machte, ging ich in einen buchladen. Das ist an sich nichts erzählenswertes, weil ich trotz elektronischen büchern gern und oft realexistierende geschäfte aufsuche, um dort nach lesenswertem zu gucken.

Im regal lagen nebeneinander Heinz Buschkowski »Neukölln ist überall« und Ursula Sarrazin »Hexenjagd«.

»Vielleicht war das mit der hexenverbrennung nicht in jedem fall eine schlechte idee!« schoss es mir durch den kopf.

Einen moment später stand ich unverrichteter dinge wieder auf der straße und stellte fest, daß schlechte literatur auch ungelesen unmenschliche gedanken hervorruft.

Der sarrazin-champignon (amanita phalloides - weiße farbvariante).

Vorsicht! Auf keinen fall essen - am besten auch nicht anfassen - und wenn, dann nur mit derben gummihandschuhen.

Er ist ein leider nicht seltener giftbolzen, der langsam und qualvoll tötet.

Mittwoch, 19. September 2012

Glänzend inkonsequent

An sich ist nichts aufregendes dabei, wenn eine junge frau ein autobiographisch inspiriertes (mutmaßlich totlangweiliges) buch veröffentlicht. Interessant wird es, wenn man erfährt, daß es sich um eine mitgliedIn der piratInnenpartei handelt, die den begriff des geistigen eigentums als »ekelhaft« bezeichnet hat.

Das paßt sehr gut zu den insgesamt konfusen vorstellungen der piratInnen. Wenn man sich damit befaßt, was das »geistige eigentum« oder das »urheberrecht« ist, kann man auf alles mögliche kommen. Aber »ekelhaft« ist wohl kaum ein geeignetes urteil für ein ding, das dem autor und seinem verlag ein recht zum geldverdienen sichern soll.

Der »fall Schramm« zeigt sehr schön den widerspruch mit der realität, in dem die piratInnen stehen. Natürlich lebt es sich mit einem sechsstelligen betrag auf dem konto angenehmer als ohne. An den kommt man jedoch nur ran, wenn man einen verlag findet, bei dem man geld verdienen kann. Und am zwang zum schacher wollen die piratInnen generell nichts ändern.

Es ist völlig unmöglich gleichzeitig den zwang zum geldverdienen aufrecht zu erhalten und inhaber von urheberrechten vorschreiben zu wollen, daß sie ihr zeug kostenlos hergeben sollen.

Freitag, 15. Juni 2012

Nachtrag zu anfang des unsinns

Zum anfang des unsinns
Weil mir an anderer stelle vorgeworfen wurde, ich hätte mich an der diffamierung professor Hörmanns beteiligt, möchte ich noch ein paar worte dazu verlieren. Ich habe dort drastische worte gewählt und dazu stehe ich - zu jedem einzelnen wort, das ich schrieb. Fäkalworte eingeschlossen. Ich schrieb als antwort auf einen kommentar: 

Nicht ich habe herrn Hörmann ins rechte eck gestellt, dafür braucht der herr professor mich nicht - er schafft das allein.
Die idee das »schuldgeldsystem zu entlarven« hatten vor über 90 jahren schon andere, man kann also von »alter kacke in neuen kloschüsseln« sprechen. Die »Brechung der Zinsknechtschaft« und die aufteilung in »raffendes und schaffendes kapital« ist ein kernstück faschistischer ideologie.
Gottfried Feder war einer der vordenker. Er war mitglied der DAP aus der später die NSDAP hervorging. Das sollte man wissen, bevor man sich auf derartige bücher einläßt, sonst kann es passieren, daß man auf üblest schlammigen pfaden wandert.
Es ist alles andere als ein schmäh, den selben alten mist, der nachweislich eines der großen verbrechen der geschichte hervorgebracht hat, als den scheißhaufen hinzustellen, der er ist. Nicht ich bin zynisch - das, was in dem buch drinsteht, ist zynisch.
Übrigens ist es mir egal, woran menschen glauben. Spiritualität allerdings ist mit einem aufgeklärten, emanzipatorischen weltbild unvereinbar.

Nachschieben möchte ich das letzte zuerst: In der zeit der aufklärung fing man an, religion - und solche ist auch spiritualität jedweder form - von der philosophie und der wissenschaft - und das gilt nicht nur für naturwissenschaft, sondern auch für wirtschaftswissenschaft - zu trennen. Spirituelle menschen machen das rückgängig, weil sie für gewöhnlich »ganzheitlich« denken. Das argument, daß ich nicht wisse, was »richtige« spiritualität sei, ist schonmalgehört. Fortwährend das gleiche - entweder kommt als kritik, man habe keine ahnung, wäre dumm oder kennte »das richtige« nicht. Ich weiß, was spiritualität bedeutet, wofür sie gut ist und weshalb ich sie ablehne.

Ich habe nicht irgendeinen vordenker zinskritischer ideologie erwähnt. Ihn so zu bezeichnen ist grobe verharmlosung. Der »führer« schrieb in seinem dicken buch, daß er sein (im übrigen äußerst dürftiges) wirtschaftwissen von Gottfried Feder erlernt habe. Mit dieser theorie haben die nazis relevante wählerstimmen gewonnen - und sie wußten selbstverständlich auch, wer schuld ist am zinssystem: der jude. Mit dieser kritik wurde der millionenfache mord gerechtfertigt, weil es angeblich eine »jüdische weltverschwörung« gäbe.

In diesem zusammenhang ist es durchaus interessant, daß professor Hörmann behauptet nicht zu wissen, ob es den genozid in der hitlerzeit gegeben habe. Die verfolgung der juden, der politisch andersdenkenden, der homosexuellen, der »asozialen« und aller anderen, die den nazis nicht paßten, ist historisch ziemlich gut belegt. Gerade auch, was den massenmord an den juden betrifft, hierzu empfehle ich einen besuch im Haus der Wannseekonferenz in Berlin, dort wurde am 20. januar 1942 die »endlösung der judenfrage« beschlossen.

Die zinskritik ist absurd, weil sie den kapitalismus keinesfalls in der gesamtheit betrachtet: Die zinsgegner sagen, es sei schuld der banken (bzw. historisch betrachtet »der juden«), daß es vielen leuten dreckig geht, sie verurteilen das »raffende kapital« und loben das »schaffende kapital« - diese unterscheidung  ist unsinn, weil immer der arbeiter ausgepresst wird: Das Opel-Werk in Bochum, beispielsweise, gibt es doch nicht, weil die Bochumer alle mit fahrzeugen dieser art versorgt werden wollen, sondern nur so lange man einen gewinn daraus ziehen kann. Das bedeutet, daß der arbeiter immer um die früchte seiner arbeit betrogen wird.

Ich trete für überhaupt kein bereits vorhandenes »gesellschaftsbild« ein - ich laufe keinem »führer« oder sonstwem hinterher, der mir das denken abnehmen möchte. Genausowenig bin ich der große diktator oder volkserzieher, der den leuten den selbstausgedachten blödsinn aufdrücken will.

Die menschen müssen selbst etwas anderes wollen. Und das beginnt nicht mit dem ausdenken oder dem glauben kruder utopien, sondern im verstehen und der kritik des vorhandenen und vergangenen.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Der anfang des unsinns

In einem anderen blog stieß ich auf die buchempfehlung »Das Ende des Geldes« von Franz Hörmann. Wer es nicht lassen kann, kann es dort runterladen und lesen - eine leseempfehlung meinerseits ist das ausdrücklich nicht.

Weshalb werde ich im folgenden erklären.

Bevor ich auf das buch eingehe, möchte ich darauf hinweisen, daß der professor, der dies buch verfaßt hat, anfang des jahres vom dienst suspendiert wurde, weil er den holocaust relativiert - natürlich ist das alles nur ein mißverständnis - und um aus der rechten ecke herauszukommen, behauptet herr professor hörmann gar, »die ideen Lenins« umsetzen zu wollen.

Das muß eindeutig ein mißverständnis sein.

Das buch taugt nicht als kritik am geld - oder an einer geldbasierten gesellschaft. Und damit drücke ich mich sehr vorsichtig aus. Nach der titelei und dem inhaltsverzeichnis beginnt es auf seite drei mit einer fiskalsystemuntergangsreifen erklärung, die mich schon ein wenig amüsiert hat:
[zitat]»Es könnte sein, dass zu dem Zeitpunkt, da Sie dieses Werk in Händen halten, einiges bereits hoffnungslos veraltet ist, z.B. weil Spanien, Großbritannien oder gar die USA bankrott sind(...)«

Wäre in dem buch eine analyse drin, wie ein kapitalistisch organisiertes geldsystem funktioniert, würde das buch nicht veralten können. Ein buch, das beispielsweise die wirtschaft im realsozialismus beschreibt »veraltet« nicht, weil es den realsozialismus nicht mehr gibt, es bleibt immer von interesse, wenn man wissen will, wie das damalige wirtschaftssystem funktioniert hat - und dadurch, daß sich momentan etliche staaten in bankrottnähe bewegen, wird ohnehin nichts am system verändert, das geht nicht »einfach so« unter.

Vielversprechend geht es mit dem vorwort los: [zitat]»Dieses Buch soll ein Weckruf sein! Zu lange hat die Demokratie, hat die Bevölkerung geschlafen.«
Aha. Alles schläft, einsam wacht professor Hörmann. Eine maßlose arroganz für einen, der in seinem buch sehr wenig erklärt und stattdessen eine art »religiöse abhandlung« über die verfehlungen des systems liefert.

Angeblich wurden [zitat]»auch im Kommunismus (...) die Menschen an das System angepaßt und nicht das System dem Menschen«. Kommunismus bedeutet eine wirtschaft ohne privateigentum an produktionsmitteln, ohne geld, ohne tausch zu haben - und eine klassenlose gesellschaft. Konsequent zu ende gedacht, bedeutet das die abschaffung der herrschaft und die auflösung der nationalstaaten. Mir ist keine region der welt bekannt, wo etwas derartiges jemals passiert wäre, nicht einmal in ansätzen.

Auf alles kann und möchte ich nicht eingehen, aber auf seite 55 kommt das »gedankenexperiment« auf das die welt gewartet hat:[zitat]»Auf einer Insel wohnen zehn glückliche Menschen«, bis ein banker dort auftaucht, gold mitbringt und das zinssystem einführt. Die geschichte geht auf das alte, unsinnige märchen von L. Hannigan zurück, das beweisen soll, daß eine welt mit zins nicht funktioniere. Weshalb aber eine welt mit zins doch funktioniert, wird beispielsweise hier erklärt (hinweis für lesefaule: das wichtige steht im 3. abschnitt).

In kapitel sechs beklagt der herr professor diverse »betrugsmodelle des kapitalismus« - und hier irrt der professor: Es handelt sich hier nicht um verwerfungen des systems, sondern um mit staatsgewalt durchgesetztes recht - das ist in Österreich nicht anders als in Deutschland - hier also von »betrug« zu sprechen, ist sachlich falsch. Wenn man etwas dagegen hat, dann muß man nicht den bankern und managern, die sich an hier geltendes recht halten, »betrug« vorwerfen. Dann muß man das rechtssystem, das »moderne« staaten ihren insassen zumuten, kritisieren.

Und am schluß wird nicht das geld mit großem »hallo« in die tonne praktiziert, wie der titel vermuten ließe - oh nein! Es soll ein besseres geld werden. Weil geld eine steuerungsfunktion und [zitat]»Erziehungsinstrument zur Entwicklung der jeweils wichtigsten menschlichen Fähigkeiten sein sollte.«

Als ob das geld nicht längst als fähiges erziehungsinstrument verwendet würde: Wer nicht  bereit ist unter allen umständen seine lebenszeit bzw. arbeitskraft abzugeben, bekommt die lebensgrundlage, basierend auf geld, entzogen. Es ist schon fragwürdig, wenn sich ein wirtschaftsprofessor als »volkserzieher« verstanden wissen will - die leute sind doch nicht seine kinder, sondern erwachsene menschen, die wissen was gut für sie ist.

Von umerziehung halte ich nichts.

(Wer weitere argumente gegen ein neues geldsystem wissen möchte, lese bitte hier, der artikel ist zwar schon etwas älter, aber noch lange nicht veraltet).

Zum nachtrag