Sonntag, 5. April 2015

Geldmangel nicht schuld an armut

Die neuesten wissenschaftlichen erkenntnisse aus der FAZ.

Eigentlich ist es schon fast erstaunlich, daß es inzwischen sogar in der FAZ steht, daß menschen mit hohem einkommen im durchschnitt zehn jahre länger leben als arme. Der der online-wirtschaftsressorleiter der FAZ Patrick Bernau schreibt hierzu:
»In Deutschland zum Beispiel liegen laut Robert-Koch-Institut zehn Jahre zwischen der Lebenserwartung der ärmsten Einkommensgruppe (2013: 980 Euro netto monatlich für Singles) und der reichsten Gruppe (2013: 2450 Euro netto) monatlich für Singles«
Die angeblich »einkommensreichen« sollen laut dieser aussage tatsächlich nur zweieinhalbmal so viel verdienen wie die »einkommensarmen«. Das wäre schon fast realsozialismus, wenn es in diesem staat nur eine so geringe lohnspreizung gäbe. Wenn man nicht vom medianlohn ausginge, der niedrig liegt, weil es so viele niedriglöhner gibt, würde das nicht so aussehen. Und wenn man nicht nur »lohn«, sondern jede form von »einkommen« einbezöge, stellte man fest, daß hier verhamlosung betrieben wird. Tatsächlich verdienen die »einkommensreichen« oft das 1000fache der »einkommensarmen«.

Und überhaupt sei in wirklichkeit die lebenserwartung im grunde völlig unabhägig vom geld, schließlich bekommen Nobelpreisträger den preis oft im hohen alter, und die lebten länger als die forscher, die den preis knapp verfehlten, also hätte anerkennung einfluß auf die lebenserwartung.

Umgekehrt: wer länger lebt, hat eher noch eine chance, im hohen alter geehrt zu werden. Tote erhalten keinen Nobelpreis mehr.

Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, soll dann auch noch das riskante leben von spielernaturen rechtfertigen, daß niedriglohn völlig in ordnung sei. Denn lottogewinner, die unverhofft zu viel geld kommen, leben angeblich nicht länger. Woher wissen die eigentlich, wie lange die einzelnen personen denn ohne ihren gewinn gelebt hätten? Das läßt sich durch auswerten von statistiken bestenfalls mutmaßen, beweisen läßt sich da nichts.
»Das deutet darauf hin, dass die Lebenserwartung mehr vom Lebensstil abhängt als davon, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat.«
Ist völlig selbstverständlich, daß der lebensstil nun so gar nichts mit dem konto zu tun hat, ein armer niedriglöhner mit leerem konto geht selbstverständlich am jet-set-leben und kokainkonsum zugrunde.

Und überhaupt »lebensstil«: der arme teil der bevölkerung findet es einfach »stylish« in ungesunden verhältnissen zu leben. Eine schimmelnde hochhauswohnung neben einem kohlekraftwerkt an der stadtautobahn ist viel schicker als eine villa im grünen. Deren gesundheitsprobleme und frühzeitiges ableben könnten einfach behoben werden, wenn die einfach mal ihre ansprüche etwas heruntersetzen könnten.
»Wer mehr weiß, verdient oft mehr – und wer mehr weiß, kann länger leben. Wissen über gesunde Ernährung und das Kochen von gesunden Speisen muss erst erlangt werden.«
Diese hohe erkenntnis darf selbstverständlich auf keinen fall fehlen. Die tendenz, daß auch akademiker immer häufiger arbeitslos werden und in prekären arbeitsverhältnissen landen, ist bei der FAZ noch nicht angekommen. Aber es ist immerhin etwas, wenn man weiß, wie man gesunde speisen zubereiten könnte, wenn man an die dafür brauchbaren zutaten rankäme.

Die wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt,
daß F.A.Z. auch BLÖD enthält, BLÖD enthält...

Kommentare:

  1. kevin_sondermueller6. April 2015 um 19:52

    Ja, brechreizerregend.
    Aber im Zudecken von sozialen Missständen ist man hierzulande
    nicht eben penibel: wenn man bedenkt, dass es für eine Promotion
    in Sozialwissenschaften ausreicht, »nachzuweisen« dass Pfandgut-
    Sammler nicht wegen des bisschen Mehreinkommen (immerhin 70-150 Eumeln/mtl.), sondern wegen sozialer Kontakte (sic!) ihrem mühsamen
    Nebenerwerb nachgehen – dann weiß man, wie stinkverlogen diese
    Gesellschaft (von Schurken – Anleihe bei Franz K.) inzwischen geworden ist!

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    1. Über die promotion des Freiburger soziologen Sebastian Moser hatte ich mich im vergangenen juli schon ausgelassen:

      http://1-euro-blog.blogspot.de/2014/07/schlimmer-als-elektroschocks-denken-und.html

      An sich sollte sich doch jeder, der einer ganz »normalen« lohnarbeit nachgeht, klar drüber sein, daß er das nicht aus spaß oder langeweile tut, sondern, weil er geld braucht, um sein leben zu bestreiten. Und es mit dem »relativen wohlstand« vorbei ist, wenn es mit der lohnmalocherei mal nicht mehr klappt.

      Da soll man sich dann darauf vertrösten, daß wenn man weiß, wie man aus ein paar alten steckrübenschalen eine suppe kocht, nicht arm sei. Da fehlen einem bald die worte.

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