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Donnerstag, 10. Dezember 2020

»Eine stimme der wahrheit«

Der Russische präsident Wladimir Putin hat dem russischen auslandssender RT, der am 10. dezember 2005 auf sendung ging, zum 15. geburtstag gratuliert.
Zitat Wladimir Putin: »Sehr verehrte freunde,

Heute vor 15 jahren ist der allererste internationale nachrichtenfernsehkanal Rußlands, RT auf sendung gegangen. Damals war es noch schwer vorstellbar, wie grundlegend dieses projekt die globale informationsagenda verändern, breichern, vielfältiger machen würde. Heute werden Sie täglich von dutzenden millionen menschen in vielen ländern der welt gesehen und gelesen.

Dies ist eine stimme, der man vertraut und die man achtet. Und direkt gesagt ist dies auch eine stimme der wahrheit, die manche fürchten und gerne verschweigen würden. In wirklichkeit besteht der erfolg des senders eben darin, daß er den universellen gesetzen des ehrlichen, professionellen und freien journalismus folgt. Historisch gesehen ist für ihn die ablehnung jedes informationsmonopols, jeder zensur oder jedes wunsches kennzeichnend, sich das recht auf die wahrheit in letzter instanz anzumaßen. Und daher kommt es nicht von ungefähr, daß der sender mit wahren stars der globalen politik, persönlichkeiten des öffentlichen lebens, vertretern der massenmedien aus verschiedenen ländern der welt fruchtbar zusammenarbeitet.

Und Sie haben keine angst, unangenehme Fragen zu stellen. Sie bieten eine plattform für scharfe diskussionen, für unterschiedliche, mitunter unangenehme sichtweisen. Sie bieten ihrem multinationalen publikum die frischesten, aktuellsten und objektivsten tatsachen darüber an, was in Rußland und weltweit passiert.

In Ihren nachrichtensendungen, in Ihren interessanten, aufschlußreichen medialen projekten bieten Sie eine reiche, vielfältige palette von meinungen, ansichten, einschätzungen an. Ich bin mir sicher, daß Ihre stimme dank der hochprofessionellen qualitätsleistung Ihrer journalisten, redakteure und kameraleute nach wie vor auf allen kontinenten der erde hörbar sein wird. Ich möchte Ihrem sender und der ganzen belegschaft der medienholding eine gute entwicklung, tapferkeit, wagemut und erfolg wünschen.«
Spricht präsident Putin vom selben Russischen auslandssender, den ich kenne?

Selbst als Rußland noch Sowjetunion hieß, hatte ich ein eher positives bild von diesem land. Leider hat sich das gewandelt - und zwar seit im november 2014 RTDeutsch auf sendung ging. Offensichtlich habe ich von unabhängigem qualitätsjournalismus völlig andere vorstellungen als der herr präsident.

Ein beispiel für einen mangelhaften artikel. Gestern erschien ein gastbeitrag von Susan Bonath (wird hier nicht verlinkt - bei bedarf bitte suchmaschine des vertrauens anwerfen), die früher auch für die »junge welt« schrieb, es seit einiger zeit aber nicht mehr tut, sonst wäre jetzt ein guter zeitpunkt für eine abokündigung. Es ist mal wieder einer dieser pandemieleugnungsartikel und das ist zur abwechslung momentan gar nicht angebracht.
Zitat Susan Bonath: »Die Kliniken seien überlastet, der Corona-Kollaps drohe. Solche Meldungen schießen derzeit beinahe im Stundentakt durch die News. Das Robert Koch-Institut (RKI) wartet mit steigenden Todeszahlen auf – von Verstorbenen an oder auch nur mit dem Coronavirus. Am Mittwoch meldete die dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) untergeordnete Behörde fast 600 Tote. Die Politiker warnen, Bund und Länder reagieren mit immer härteren Lockdowns und Einschnitten in Grundrechte. Das wirft Fragen auf. Denn die angeblich gegenüber den Vorjahren massiv erhöhte Belegung der Kliniken entpuppt laut neuer Zahlen der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) als Schimäre, als reine Einbildung. [...] Die Daten fördern Erstaunliches zutage:«
An dieser stelle folgt ein endloses gewäsch, daß nun wirklich bewiesen sei, daß die pandemie nicht stattfindet, die kliniken quasi leer stünden und die bestatter alle insolvenz anmelden müßten, weil keine toten mehr kommen. Dabei bezieht sie sich auf diese studie. Und tatsächlich. Die daten fördern wirklich erstaunliches zutage. Nämlich folgendes:
Zitat Dr. Francesco De Meo: »Stellungnahme zu der missbräuchlichen Verwendung der Analyse der Effekte der SARS-CoV-2 Pandemie auf die stationäre Versorgung im ersten Halbjahr 2020

IQM distanziert sich von Behauptung: ›Die Analyse des Leistungsgeschehens in 421 IQM Mitgliedskrankenhäusern widerlegt eine COVID-19-Pandemie von nationaler Tragweite‹


Am 26.10.2020 hat die Initiative Qualitätsmedizin e.V. eine Analyse der Effekte der SARS-CoV-2 Pandemie auf die stationäre Versorgung im ersten Halbjahr 2020 unter Einbezug der §21 Routinedaten aus 421 Mitgliedskrankenhäusern veröffentlicht.

›Mit der Auswertung der Routinedaten und der Veröffentlichung der Ergebnisse beteiligt sich IQM an der Förderung von Transparenz. Die Analyse zeigt, dass Routinedaten einen relevanten Beitrag zum Monitoring des Fallzahlverlaufs und Leistungsgeschehens in den Krankenhäusern leisten können.

IQM distanziert sich ausdrücklich davon, dass die Analyse genutzt wird, falsche Behauptungen zur COVID-19-Pandemie zu untermauern und die Relevanz sowie die Auswirkungen von COVID-19 zu verharmlosen.

Die Analysen dienen ausschließlich der transparenten Aufbereitung und Unterstützung unserer Mitgliedskrankenhäuser während der Pandemie. Sie dienen ausdrücklich nicht der Verleugnung des zunehmenden Infektionsgeschehens von Covid-19.‹

Dr. Francesco De Meo, Präsident des Vorstandes IQM, 25.11.2020«
Hier handelt es sich um eine sentinelstudie. Das bedeutet, daß die teilnehmenden arztpraxen oder in diesem fall krankenhäuser, anonymisiert daten über bestimmte erkrankungen erheben, um zu sehen, ob die vorkommen und das wird ans RKI gemeldet. Es handelt sich hierbei um stichproben, die nicht repräsentativ für die gesamte bevölkerung sind. Auch wenn das einige einschlägig vorbestrafte bekannte herren immer wieder behaupten, um ihre persönlichen meinungen als »wissennschaftlich fundiert« darzustellen. Dabei machen die es sich zunutze, daß die meisten medizinischen laien das ohnehin nicht wissen, was das ist und ihnen dann schon glauben, aber nicht mit mir!
Zitat Susan Bonath: »Ein Blick in das Register zeigt: Die Gesamtzahl der bereitstehenden ITS-Betten sinkt kontinuierlich. So meldeten die Kliniken beispielsweise am 1. Juli rund 32.600 bereitstehende Betten, von denen rund 21.500 belegt waren. Jetzt weist die DIVI nur noch rund 27.300 verfügbare Betten aus. Nach allem, was bekannt ist und wie auch DIVI-Pressesprecher Torben Brinkema die Situation gegenüber der Autorin vor einigen Wochen einschätzte, liegt das ›lediglich‹ am Personalmangel.«
Ob Torben Brinkema es übermäßig lustig findet, in so einem artikel erwähnt zu werden? Immerhin arbeitet er für die DIVI und deren präsident, prof. dr. Uwe Janssens hat in der letzten zeit öfter interviews gegeben. Ja, auch er hat beklagt, daß es zu wenig personal gibt und das ist seit jahren bekannt. Aber, daß das das einzige problem wäre, hat er nicht gesagt, sondern auch, daß es die pandemie gibt und es so nicht weitergehen kann.

Immerhin schrieb RTDeutsch heute an diesen artikel »RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.« In diesem fall sieht das aber eher nach falscher ausgewogenheit aus, denn mit jemandem, der beispielweise die schwerkraft leugnet, gibt es nichts zu diskutieren. Denen muß und im grunde darf man, wenn man als ein seriöses medium gelten will, kein forum bieten. Dieser artikel ist nicht aufgemacht, wie ein »meinungsartikel«. Es sieht aus, als sollte es »wissenschaft« sein, viele leser werden das glauben und das ist schlecht.

Hier noch ein paar bildchen und zahlen, die nicht meine meinung sind, sondern bloß die schnöde realität:
Neuinfektionen und todesfälle im
wochendurchschnitt vom 15.10.20 bis zum 10.12.20
Quelle:ntv/RKI
Datum Neuinfektionen im
7-Tage durchschnitt
Tote im
7-Tage durchschnitt
15.10.2020 4.603 21
22.10.2020 7.603 29
29.10.2020 13.140 54
05.11.2020 16.955 99
12.11.2020 18.762 155
19.11.2020 18.271 203
26.11.2020 18.290 273
03.12.2020 17.724 350
10.12.2020 19.475 406
Weil ich lesen kann, sogar zahlen und ich meine erkenntnisse nicht aus dem Rubikon gefischt habe, lehne ich mich mal weit aus dem fenster und wage eine prognose: das wird für viele in diesem jahr überhaupt kein fröhliches weihnachtsfest. Nicht, weil sie omma, oppa, familienangehörige und freunde nicht unterm weihnachtsbaum sehen werden, sondern unter der erde. Das ist weder meine persönliche meinung, noch wissenschaftlich fundierte erkenntnis. Es ist bloß meine befürchtung.

Wie man an der unteren graphik sehen kann, steigen die todesfälle immer noch an. Ich fürchte, daß es in den kommenden wochen 500 bis 700 tote geben wird, pro tag. Bis heiligabend also insgesamt zwischen ca. 7.000 bis knapp 10.000 - ich hoffe sehr, daß ich mich irre, denn wenn es so käme, wäre es eine katastrophe. Für diese halsstarrigen, alten männer, die teilweise sogar medizin studiert haben und immer noch behaupten, es gäbe keine pandemie, habe ich kein verständnis.

Wer bis hier her gelesen hat, möchte vielleicht auch noch was lustiges lesen. Es geht um die Berliner weinhändlerin Sophia-Maria Antonulas, die ich vor einigen wochen textmäßig auch schon mal »am wickel« hatte, es mir dann aber unmöglich war, weiter zu schreiben, weil ich nur noch dachte bretter, bretter, bretter... jedoch nicht die fliegenden, sondern diese hier:

Mittwoch, 8. Mai 2019

Was ich vor jahren schon sagte...


Zum tag des sieges über den deutschen faschismus wird am 9. mai in Berlin im Treptower Park (Rosengarten, nahe des Sowjetischen Ehrenmals) gefeiert. Ich freue mich auf ein »klassisches« konzert und nette menschen. Das foto ist ausnahmsweise nicht selbst gemacht, sondern wurde mir von einer aufmerksamen leserin zugesandt. Vielen dank!

Mittwoch, 3. Januar 2018

40 jahre Kombinat Mikroelektronik

Aus westlicher sicht galt der ostblock in puncto computertechnik als entwicklungsland. Kaum jemand erinnert sich, daß in Bulgarien einst prozessoren hergestellt wurden und dort mit dem Prawez sogar ein Applecompatibler computer gebaut wurde.

In der jw vom 2. januar war ein interessanter artikel von Jörg Roesler über halbleitertechnologie in der DDR. Darin schreibt er:
»Eigentlich – denn es wurde von den »Aufarbeitern« in den Medien einiges unternommen, um die Mikroelektronik in ihr Bild von der DDR-Wirtschaft einzupassen: Die Zuwendung zur Mikroelektronik in der DDR sei allein auf das Renommierbedürfnis der SED-Führung, insbesondere von Generalsekretär Erich Honecker und seines Wirtschaftssekretärs Günter Mittag zurückzuführen. Die SED-Führung habe die Vorstellung, die Bundesrepublik auf ökonomischem Gebiet einzuholen – ursprünglich eine Idee Walter Ulbrichts – nicht aufgeben wollen. Man habe sich aber technologisch überhoben. Statt des erhofften Millionengeschäftes sei die Mikroelektronik zum Milliardengrab geworden. Als Beweis für die verfehlte Technologiepolitik wird gern die Geschichte vom Ein-Megabit-Chip erzählt. Mit diesem Speicher sollte technologisch der Anschluss an westliche Standards erreicht werden. Im September 1988 sei der erste Ein-MB-Chip mit großem propagandistischen Aufwand – das Neue Deutschland berichtete seitenlang darüber – an Erich Honecker übergeben worden, der sich beeilte, damit vor Michail Gorbatschow zu prahlen. Dabei sei der Chip überhaupt nicht funktionsfähig gewesen. Honecker und Mittag hätten schlicht geblufft. Der 40. Jahrestag der Gründung des Kombinats Mikroelektronik am 1. Januar 1978 soll Anlass sein, sich anhand dieses Beispiels einmal genauer mit den wirklichen Problemen und Errungenschaften der DDR-Mikroelektronik zu beschäftigen.

[...] Haben die Medien also recht, wenn sie die Milliarden Mark verschlingende Mikroelektronikförderung in der DDR als ein »technologisches Desaster« bezeichnen? Nein. Man darf nicht vergessen, dass zwischen beiden Schätzungen mehr als ein Jahrzehnt rasanter Entwicklung der Mikroelektronik im Weltmaßstab lag und dass das in den Plänen der DDR von 1976 angestrebte Weltniveau 1988/89 nicht mehr mit dem der zweiten Hälfte der 70er Jahre vergleichbar war. Die SZS-Studie lässt damit immerhin auch diese Schlussfolgerung zu: Die DDR hatte sich im Wettbewerb auf diesem Gebiet nicht abhängen lassen. Das aber war angesichts der Hindernisse, die ihr in den Weg gelegt wurden, eine bemerkenswerte technologische Leistung.«

Den gesamten artikel kann man hier lesen.

Samstag, 30. Dezember 2017

Geheimnisse der geheimdienste

Neulich lief bei den SchleFaZ ein wirklich absurder agentenschmonzes. Das verrückte daran ist, daß dieser film tatsächlich vom BND unterstützt worden sein soll.



Während man beim BND die abgründe des Deutschen films erforschte, suchte man beim MfS nach den Geheimnissen der Russischen Küche:
Letzteres war vermutlich klüger.


Freitag, 7. Oktober 2016

Straße der DSF

Die FAZ hat mal wieder einen ganz schlimmen skandal aufgedeckt: nämlich daß es im osten noch straßennamen aus DDR-zeiten gibt. Beispielsweise in Güstrow, der achtunsiebzigstkleinsten stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Dort waren sie glatt so frech zu beschließen, daß die Ernst-Thälmann-Straße künftig Ernst-Thälmann-Straße heißen soll. Tatsächlich sind die Thälmann-Straßen fast nirgendwo umbenannt worden. In Berlin gibt es immerhin noch einen Thälmannpark mit denkmal, außerdem wird an ihn direkt vor dem Reichstag erinnert. Er war einer der 96 abgeordneten, die in der zeit der nazidiktatur ermordert wurden.

Sogar eine »Straße der DSF« gibt es noch in Güstrow. Und alle der befragten wußten, was DSF bedeutet, nämlich Deutsch-Sowjetische-Freundschaft. Das ist natürlich skandalös, wenn die menschen sich daran erinnern, daß die Russen zumindest im osten nicht immer nur als feinde betrachtet wurden. Das ist ein grund zur straßenumbenennung, allerdings hatten die anwohner der Güstrower südstadt unterschriften gesammelt, daß sie keine umbenennungen wollen.

Daran, wer August Bebel oder Clara Zetkin waren, konnten sich die befragten Güstrower angeblich nicht erinnern. Auch das ist selbstverständlich ein grund zur umbenennung. In Berlin hat man die Clara-Zetkin-Straße in Dorotheenstraße umbenannt. Daß sich der »neue« name auf Dorothea von Brandenburg bezieht, die ein geiziges und geldgieriges weib gewesen sein soll und überdies eine giftmörderin, interessiert niemanden. Das gräßliche weib ist zum glück bereits vor 327 jahren in die gruft gefahren.

Nach August Bebel hingegen wurden auch im westen straßen und plätze benannt. Ich kann mich erinnern, daß in Kassel die stadthalle in der nähe des Bebelplatzes liegt. Aber Kassel war zonenrandgebiet und zählt somit nicht so richtig, war schließlich der westliche osten.

Den Kasselänern jedoch muß man mal ordentlich ins gewissen reden, daß sie nicht einfach so einen platz nach irgendwelchen dahergelaufenen mitbegründern der Deutschen sozialdemokratie benennen dürfen.

Wo käme man denn hin, wenn alle das täten?

Mittwoch, 22. Juni 2016

Zum 22. juni 1941

In der jw von heute war ein interessanter artikel dazu von Kurt Pätzold:

»Erst 70 Jahre nach Kriegsende stattete ein Präsident der Bundesrepublik einem sowjetischen Kriegerfriedhof in seinem Staatsgebiet einen Besuch ab und absolvierte das übliche Ritual der Kranzniederlegung an einer Gedenkstele. Das tat 2015 Joachim Gauck. Dass er für diese Demonstration Stukenbrock wählte, war richtig und enthob ihn jeder Stellungnahme zu Inhalt und Form der Ehrungen, die im ostdeutschen Staat als eine selbstverständliche moralische Anstandspflicht angesehen worden waren. Wäre die Wahl auf die Seelower Höhen gefallen, hätte von allen Toten der letzten schweren Kämpfe an der Oder und auf dem Weg nach Berlin die Rede sein können.

Gauck selbst gehört zu den vernarrten Anhängern der Totalitarismusdoktrin. Er weiß, was er an ihr hat. In der Geschichtswissenschaft der Bundesrepublik profilierte sich eine Minderheit als deren Gegner und distanziert sich von der Gleichsetzung von faschistischer Diktatur und politischer Herrschaft der DDR. Das hat Konsequenzen für den Blick auf Tage wie den 22. Juni 1941 und den 8. Mai 1945 und Folgen für den Versuch, das 20. Jahrhundert zum »Jahrhundert des Sieges über den Totalitarismus« einzunebeln, woran permanent gearbeitet wird.«