Samstag, 16. September 2017

Gefahr im verzug!

Wie das zdf kürzlich feststellte, wissen wir überhaupt nicht, daß wir alle in gefahr schweben, denn radikalen von links sind eine unterschätzte gefahr.

Zu anfang der doku werden bilder vom G20-Gipfel in Hamburg gezeigt, um kurz darauf eine zeitreise in die 70er jahre zu machen, als es die RAF noch gab, die insgesamt 33 menschen ermordete. Prominentes opfer war damals unter anderem Hanns Martin Schleyer, der nach seiner karriere bei NSDAP und SS ziemlich problemlos in der BRD an seine erfolge anknüpfen konnte.

Zu wort kommt auch der politologe Klaus Schroeder, professor am, ach, so linken Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Aufmerksame leser erinnern sich vielleicht an diesen typ, der ungleichheit für unverzichtbar und die ausländerfeindlichkeit in der mitte der gesellschaft für belanglos und eine folge der diktatur in der DDR hält.
Zitat: sprecher zdf: »Zum schwerpunkt linksextremismus hat Karsten Dustin Hoffmann promoviert. Er war mitglied eines forscherteams, das die politischen extremismus in der publizistik analysierte.«

Zitat: Karsten Dustin Hoffmann: »Wir haben festgestellt, daß das verhältnis der literatur rechts-links ungefähr 12:1 beträgt. Also es gibt zwölfmal mehr literatur zum thema rechte szenen, rechte militanz, rechte gewalt wie zum thema linke szene, linke gewalt und so weiter.«
Nicht erforscht hat das zdf, daß dieser »linksextremismusforscher« mitbegründer des kreisverbandes der AfD Rotenburg/Wümme, deren fraktionsvorsitzender er im dortigen kreistag ist. Damit ist er kein neutraler wissenschaftler, sondern in der extremismusdebatte eindeutig partei. So schrieb über ihn die jungle.world bereits im märz 2016:
Zitat jungle.world: »Auch Hoffmann neigt gerne zur Übertreibung. Er ist Sprecher der »Forschungsgruppe Extremismus und Militanz« (FGEM), die unter anderem »linksmotivierte Militanz« dokumentiert. Hoffmann und seine FGEM nehmen auch friedliche Blockaden und Verstöße gegen das Kunsturhebergesetz in die Statistik auf. Man muss kein Experte sein, um das politische Kalkül hinter der Zählweise zu erkennen. Je höher die Zahlen sind, desto größer wird die Legitimation für das eigene Weltbild und die eigene Forschungsgruppe. Gerade die AfD als Law-and-Order-Partei, in der Hoffmann nun mitwirkt, fiel bisher fast ausschließlich mit Forderungen nach mehr Maßnahmen gegen den »Linksextremismus« auf. So verlangte sie im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf stärkere Förderung von präventiven und zivilgesellschaftlichen Maßnahmen gegen den »Linksextremismus«. Staatliche Mittel für den Kampf gegen rechts sollten »aufgrund der geänderten Bedrohungslage teilweise umgewidmet werden«. Angesichts der derzeitigen rechten Gewalt in Deutschland spricht dieser grandiose Einfall für sich selbst.«
Und so muß es einen nicht wundern, daß behauptet wird, daß linke themen von »den bürgern« akzeptiert würden. Als beispiele werden die friedensbewegung, die umweltbewegung, die anti-antombewegung oder die bürgerbewegung gegen die »startbahn west« des Frankfurter Flughafens aus den 70er jahren genannt und aus diesen bewegungen habe sich sogar mal eine partei gegründet, die auch schon in regierungsverantwortung gewesen ist. Es mag stimmen, daß viele der bürgerbewegungen aus eher linken kreisen angeschoben wurden. Die bürgerbeteiligung daran war damals hoch. Aber eben nicht aus linken, also antikapitalistischen überlegungen, sondern weil die leute weder startbahn noch atomkraftwerk vor der eigenen haustür haben wollten. Die angst vor einem krieg war groß, weil viele sich noch an die bombennächte im Zweiten Weltkrieg erinnern konnten und so etwas sollte auf keinen fall wieder geschehen. Damals gab es sogar außerhalb der umweltbewegung die einsicht, daß auto fahren schlecht für die umwelt ist. Erreicht hat die GRÜNpartei, daß heute die GRÜNen tränen aus allen wolken fallen, wenn von der umweltschädlichkeit des autofahrens die rede ist, obwohl doch der Jockel Fischer berater eines großen automobilkonzerns ist. Das alles ist natürlich voll »links«.
Karsten Dustin Hoffmann:»Wenn ich mir anschaue, daß Deutsche popmusikgruppen, wie »Wir sind Helden«, »Fettes Brot« oder »Die Beginner«, em, in linken zenten wie der Roten Flora auftreten. Und es handelt sich dabei ja um ein zentrum, was die demokratie, so wie wir sie jetzt kennen, abschaffen will, und dafür auch bereit ist gewalt anzuwenden, und auch vor gewalt gegen menschen nicht zurückschreckt und dann frage ich mich schon, warum da kein gesellschaftlicher aufschrei kommt, wenn so ne band am abend dann in der Roten Flora auftritt und am nächsten tag in der stadthalle sonstwo. «
Über gewaltbereitschaft gegen menschen sollte man durchaus nachdenken. Da ist unser staat nicht unbedingt zimperlich und nicht nur in krisenregionen, in denen die bundeswehr ihre einsätze fährt, sondern auch hier vor ort. Für menschen, die am unteren rand der gesellschaft dahinvegitieren, ist das hier alles andere als eine gewaltfreie veranstaltung: säumige mieter, die mit polizeigewalt geräumt werden, obdachlose, die das stadtbild nicht stören sollen und gewaltmäßig von bestimmten plätzen entfernt werden oder auch arbeitslose, denen die lebensgrundlage per staatsgewalt wegsanktioniert wird. Das könnte schon zum nachdenken anregen, wie es hierzulande mit der gewalt gegen menschen aussieht.

Dann wird sich in der doku noch ein wenig über »terror-mode« aufgeregt: ein modelable aus Hamburg verkauft kleidung mit RAFsymbolen. Wer es braucht. Einst war es in ordnung, mode zu ignorieren und gebrauchtkleidung zu tragen, heute haben auch die sich brav durchkommerzialisiert.

Gegen ende stellt oben genannter politologe Schroeder fest, daß derzeit im grunde nicht wirklich die gefahr eines neuen terrors von links bestünde.

Wie gut, daß wir wenigstens den leuten mal etwas angst gemacht haben.

Kommentare:

  1. Macht sich da etwa das ZDF zum Sprachrohr? Und wenn dann noch Aussagen vom BfV herangezogen werden, die ja in Bezug auf rechte Gewalt absolut neutral und unbeteiligt sind, geschweige denn, dass sie irgendwie über V-Leute die Szene finanzieren oder gar dieser ideologisch nahe stünden...

    ...ein Schelm, wer Arges dabei denkt;-)

    Und das dieses ominöse Literaturverhältnis so ist, wie es ist, kann natürlich auch daran liegen, dass es über rechts einfach mehr zu pinseln gibt und links einfach aufgebauscht wird, um die tatsächlichen Verhältnisse zu vernebeln. Die erfassten Straftaten sprechen da doch eine recht eindeutige Sprache, an der selbst bei allem Schönrechnen auch die Statistiker nichts dran ändern können, wobei bei linker "Gewalt" auch jeder Hasenpups von Sachbeschädigung eingerechnet wird, während andererseits Übergriffe der rechten Szene dieser gar nicht zugeordnet werden, sondern unter normaler Kriminalität laufen.

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    1. Ich hatte schon den eindruck, daß das zdf sich da zum sprachrohr macht. Wenn es den linken terror nicht gibt, muß man ihn wenigstens irgendwie herbeireden. Wäre ja auch schlimm, wenn im jahre 19 nach dem ende der RAF nichts mehr wäre, worüber man sich

      Absolut richtig, rechte gewalt wird oft nicht als solche wahrgenommen: wenn beispielsweise ein asylantenheim brennt, ist es sicherlich nicht falsch, wenn in alle richtungen ermittelt wird. Wenn ein auto brennt, wissen immer schon alle, daß das natürlich nur die linken gewesen sein können, obwohl längst bekannt ist, daß ein großteil der autos aus nicht-politischen gründen abgefackelt wird. Der NSU konnte unbehelligt morden, weil in richtung rechts nicht ermittelt wurde. Ist für den staat nicht bedrohlich, wenn ausländer ermordet werden. Viel schlimmer ist es, wenn ein farbbeutel gegen ein gebäude geschleudert wird, zumindest wenn das gebäude eine polizeiwache ist.

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  2. "Ich hatte schon den eindruck, daß das zdf sich da zum sprachrohr macht."

    Ironie-Tags vergessen;-)

    Das ist doch offensichtlich, dass hier ein Journalist/Redakteur 'seine' Meinung abgibt und keinen neutralen Artikel verfasst hat.

    Wahlen sind schon sonderliche Gewächse mit noch sonderlicheren Blüten, die sie treiben...

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