Dienstag, 28. Januar 2020

Die drohungen des käpt’n plattfuß (teil 2)

Fortsetzung

Im zweiten und letzten teil gibt es ein paar originalschnipsel aus dem interview mit Hasso Plattner, die im Digitec Podcast der FAZ nachgehört werden können.

[8:11]Hasso Plattner: »Jetzt ist es aber so, daß noch nie in der geschichte der menschheit einzelne so schnell, also kleine gruppen so schnell etwas bauen können, damit erfolgreich werden können wie in der software. Selbst in der hochphase des automobilbaus, wo es also -zig automobilfirmen gegeben hat, das war nicht so einfach ein auto zu bauen, einen betrieb aufzubauen, in die massenproduktion zu gehen. Das ist in der software unvergleichlich viel einfacher, weil die vorabinvestitionen relativ gering sind.«
Das stimmt auffallend, daß man heutzutage mit relativ geringer investition software entwickeln kann. Computer sind heute für die meisten menschen in den industriestaaten eine selbstverständlichkeit - und jeder der einen computer besitzt, hat im prinzip das produktionsmittel für softwareentwicklung in der hand. Er muß »bloß« programmieren lernen und ideen haben. Aber nicht jeder der programmieren kann, hat ideen. Und nicht jeder, der ideen hat, hat den geschäftssinn, andere abzuzocken und damit reich zu werden. Ansonsten gäbe es wohl keine open source software.

Der vergleich mit der autoindustrie ist ziemlich schräg. Regnet es manna vom himmel und materialisieren sich autos dank ausgefuchster software einfach von selbst oder müssen die im jahr 2020 noch irgendwo hergestellt werden? Ich habe den verdacht, daß letzteres zutrifft, denn ein gewisser Elon Musk hat letztens rund 41 millionen in den Brandenburger sand gesetzt, weil er dort elektroautos produzieren will. Exkurs: Das war sicherlich ein schnäppchenpreis. Allerdings ist noch lange nicht gesagt, daß da jemals irgendwas produziert wird, wasserschutzgebiet und alles. Hat herr Musk dies gelände jemals gesehen? Ich hingegen bereits vor einigen jahren schon, in der gegend steppt der bär, mein fahrrad blieb im sande stecken. In Brandenburg liebt man gescheiterte großprojekte. Nicht produzierte riesenluftschiffe (Cargolifter) und ein ganz leiser großflughafen (BER) sind nur ein paar beispiele. Eine unsichtbare giga-autofabrik paßt gut in diese sammlung.
[11:11]Hasso Plattner: »Das land ist finanziell [...] ein wie auch immer definiertes grundleben mit grundgesundheit, grundeinkommen, grund- äh,äh,äh-wohnung zur verfügung stellen...«
Das klingt erstmal nett, daß an die grundbedürfnisse aller gedacht werden soll - nur hat er ja bereits betont, daß er nicht bereit ist, dafür mehr steuern zu zahlen. Der plebs soll sich selbst finanzieren - das ist eine sehr schäbige idee: erst läßt man die menschen gegeneinander konkurrieren und am schluß nimmt man den gewinnern was weg, um es auf alle zu verteilen. Besonders gut scheint Plattner über seine mitmenschen zu denken:
Hasso Plattner: »Es wird passieren oder es ist jetzt so, daß große teile der bevölkerung, vielleicht 30%, vielleicht mehr, nicht mehr sich beteiligen können an dem wertschöpfungsprozeß...«
Warum können die sich denn nicht am wertschöpfungsprozeß beteiligen? Doch nicht, weil sie zu dumm dafür wären, sondern weil es in einem konkurrenzsystem verlierer geben muß. Man könnte ebensogut alle am wertschöpfungsprozeß beteiligen, indem man die vorhandene arbeit auf alle verteilt, das hätte den vorteil, daß alle eher feierabend machen können. Das paßt nur schlecht mit Plattners lebensunterhalt zusammen.
Hasso Plattner: »...die können sich nicht beteiligen, weil sie mit noch so viel schulung sie nicht das talent haben dazu. Man kann die fußballspieler, die in der 5. liga spielen noch so viel trainieren, daraus werden keine bundesligaspieler.«
Für einen großteil der berufe, die man ausüben kann, benötigt man nicht besonders viel talent. Glaubt herr Plattner, daß die fachverkäuferin an der wursttheke besonders talentiert sein muß, um blutmagen von kartoffelwurst unterscheiden zu können? Auch software-entwickler wird man nicht unbedingt des talents wegen. Um das zu sehen muß man sich bloß einmal mit Plattners lieblingsprogramm SAP-ERP (fachpersonal weiß, daß das die abkürzung für Schlechtes Anwender Programm - Eine Regelrechte Plage ist) befassen. Aber dafür benötigt man tatsächlich talent, denn sonst hat meine keine freude an diesen künstlerisch wertvollen eingabemasken. Sonst muß man nicht viel können, bloß lesen, schreiben, rechnen und vielleicht noch etwas von betriebswirtschaft verstehen. In der 1. Bundesliga muß man dafür nicht kicken, man muß sich nicht einmal für fußball interessieren.

Und die normalen leute, die heute für eine fachausbildung oder sogar ein studium tauglich sind, sollen dafür zukünftig einfach zu doof sein?

Aber es kommt noch besser:
[21:42]Hasso Plattner: »daß wir eine ungehemmte und unkontrollierte informationsverteilung in der welt jetzt haben, die sehr zum nachteil der kultur, der sicherheit und der politischen meinungsbildung funktioniert. Also Sie müßten hier jetzt eigentlich auftreten und sagen wie kann information in der welt verteilt werden, ohne daß die vor- und nachbearbeitung der professionellen journalisten da ist. Das ist ja fürchterlich, was jetzt über das internet verbreitet werden kann und sich durch ganz andere kanäle explosionsartig in ganz kurzer zeit verbreiten kann. Ohne jede kontrolle, ohne jedes sachliche hinterfragen.«
Herr Plattner traut auch hier seinen mitmenschen nicht übermäßig viel zu: leider sind wir alle nicht bloß zu doof, am werschöpfungsprozeß teilzunehmen. Wir sind obendrein zu blöde für’s internet, weil wir jeden mist glauben und den dann auch noch unhinterfragt weiterverbreiten.

Die unkontrollierte informationsverteilung in der welt haben wir nicht erst jetzt, sondern seit ca. mitte der 90er jahre. Und auch damals wurde bereits vom untergang der kultur geredet, weil jeder mitmachen könne, den größten blödsinn sehr schnell zu verbreiten und manch einer jede höflichkeitsform in der vermeintlichen anonymität vermissen lasse. Damals besuchte ich ein seminar, in welchem wir darüber diskutierten, wie man betrügern im internet aus dem weg geht oder auch falschmeldungen - »fakenews« gab es damals auch schon, die hießen bloß anders. Oder wie man seriöse quellen im internet erkennen kann. Das fazit war, daß insgesamt mehr für bildung getan werden muß, damit die leute das neue medium vernünftig nutzen können. Weil sich seit dem an den problemen mit der benutzung des internets nicht übermäßig viel geändert hat, ist wohl nicht genug für bildung getan worden. Bei Amerikanischen präsidenten, beispielsweise.

Herr Plattner allerdings hat offensichtlich kein besonders freundliches bild von seinen mitmenschen - im vergleich zu ihm sind wir alle konkurrenzversager, uns ist nichts besseres eingefallen als SAP. Folglich müssen wir kontrolliert werden, weil wir dumm sind.

Kommentare:

  1. Damit hat er leider recht: "Wir sind obendrein zu blöde für’s internet, weil wir jeden mist glauben und den dann auch noch unhinterfragt weiterverbreiten."
    Passiert so jeden Tag in jeder Firma und jeder Behörde. Die Schlimmsten davon kann man dann auf fefe.de bestaunen.

    "Die unkontrollierte informationsverteilung in der welt haben wir nicht erst jetzt, sondern seit ca. mitte der 90er jahre. Und auch damals wurde bereits vom untergang der kultur geredet, weil jeder mitmachen könne, den größten blödsinn sehr schnell zu verbreiten und manch einer jede höflichkeitsform in der vermeintlichen anonymität vermissen lasse." -> Das ist leider eine Flasche der damaligen Gegebenheiten. Mitte der 90er war die Mehrheit der Bevölkerung noch seeeehr weit entfernt, im Internet irgendwelche Dinge zu tun. Weder VW noch Aldi hatten eine Webseite, mit der was anzufangen gewesen wäre, noch konnte man mittels Vergleichsrechner mit seinem Modem günstig online gehen, sondern musste darauf vertrauen, dass einige Fachzeitschriften, einen mit den Informationen dazu nicht verarschten. Heute wäre es illusorisch anzunehmen, dabei nicht verarscht zu werden.
    Mitmachen im Internet war in Deutschland damals etwas, für Reiche, Nerds und die interessierte Bourgeoisie (was selten war).
    Das begann erst am Anfang des Milleniums anders zu werden. Auch wenn damals mehr Bandbreite auf dem Land, als in der Großstadt verfügbar war. Ein Umstand, der heute undenkbar in Deutschland ist, jedoch sich selbst in vielen Schwellenländern anders darstellt. Das Internet ist eine militärische Kommunikationsform, die fataler Weise der breiten Öffentlichkeit in gelernten Fragmenten zur Verfügung steht. Das kann so nicht gut gehen. Da hatten die Nerds von damals schon recht (Cerf, etc.).

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    1. Mir ist es bekannt, daß das internet als kommunikation des millitärs erdacht wurde. Deshalb wollte ich am anfang der öffnung für die allgemeinheit damit erstmal lieber nichts zu tun haben, obgleich mir zu der zeit computer nicht fremd waren.

      Mitte der 90er gab es in dem kaff, wo ich lebte einen provider, bei dem man zum normalen telefonortstarif ins internet konnte. Die einheit kostete zwölf pfennig. Leider weiß ich nicht mehr genau, wie lange die einheit dauerte. Nachts war die allerdings relativ lang und deswegen billig, sonst hätte ich mir das als reicher, bougeoiser nerd nicht leisten können. Die bandbreite war natürlich bestens, ich meine, ich hätte mit einem 24kmodem oder so angefangen, aber so genau will ich mich daran nicht erinnern.

      Interessant aber: ich war also reich, nerd und interessierte bougeosie gleichzeitig. Wer hätte das ahnen können? Hätt ich das damals bloß gewußt! Wie immer: alles falsch gemacht.

      Ich geb’s zu - ich les den fefe selten oder nie. Der ist bestimmt nicht schlecht, nur für mich eben nicht so interessant, vielleicht sollte ich da nach langer zeit wieder mal vorbeischauen.

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    2. Hinzu kommt, dass online sein in der Frühzeit ein wenig technisches Knowhow voraussetzte. So musste bei Win 95 das TCP/IP-Protokoll i.d.R. manuell installiert werden, es mussten diverse kryptische Einstellungen vorgenommen werden etc. Das fungierte auch zusätzlich als Hürde und beschränkte das Publikum eher auf Nerds/Studenten u.a.

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    3. Fenster 95? Habe ich privat nie besessen. Ich bin seit inzwischen über 25 jahren macnutzer. Nie werde ich vergessen, wie ich meinen ersten mac mit dem taxi nach hause gebracht habe: der fahrer war total nett, hat mitgedacht und hat das falsche gedacht. Der hat Englisch mit mir gesprochen, weil er felsenfest davon überzeugt war, daß eine Deutsche frau ganz bestimmt keinen computer kauft - und schon gar nicht so einen, der hat geglaubt, ich sei Ami. Seine neugierigen fragen habe ich dann einfach auf Deutsch beantwortet und der war völlig erstaunt, daß ich gut Deutsch spreche - und sogar fast akzentfrei.

      Ein mac ist was für faule. Ich mußte gar nichts installieren, um ins internet zu gehen, nur ein modem anschließen. Sonst nichts.

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    4. Oh, Apple-Besitzer wurden in den Neunzigern sehr beneidet von Windoof-Kisten-Geplagten. Das waren die ohne Systemabstürze und Festplattenchrashs. Und mit deutlich mehr Kohle.

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    5. Daran, daß es in den 90ern keine systemabstürze am Mac gegeben hätte, müßte ich mich erinnern. Und, ach, wäre das schön gewesen, wenn das mit dem reich sein dann gestimmt hätte.

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  2. Darf ich hier auch wieder ab und zu kommentieren? Ich bin ein echter loser. Ich habe nicht mal einen Mac.

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    1. Selbstverfreilich darfst auch Du hier kommentieren - im grunde darf das jeder.

      ABER: überlege Dir bitte VORHER, was Du schreibst. Ständiges schreiben - löschen, schreiben - löschen, schreiben - löschen akzeptiere ich nicht.

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  3. Kannst du dich noch an mich erinnern?
    Jetzt bin brav.

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    1. Na klar, an bekloppte erinnere ich mich immer.

      Schreib einfach etwas handfest verrücktes und schon wird alles wieder gut.

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  4. Du hast den Punkt relativ gut getroffen.
    Verschiedene Ärzte haben mir eine paranoide Schizophrenie
    diagnostiziert.
    Doch heute helfen mir die Medikamente
    relativ gut.
    Es geht weiter ohne Aussetzer.

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