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Mittwoch, 9. Dezember 2020

Schoppen statt shoppen!

Vorhin las ich in der Zeit einen merkwürdigen satz:
Zitat die Zeit: »590 Corona-Tote an einem Tag und der Glühweinverkauf geht weiter.«
Leider werde ich den kausalen zusammenhag zwischen glühweinverkauf und den coronatod zu sterben nie erfahren, weil der artikel dann recht schnell hinter der bezahlschranke verschwindet. Aber ich habe es schon immer gewußt, daß mit diesem fuselig stinkenden, erwärmten pennerglück mit gewürzen irgendwas nicht stimmt und es nicht verstanden, daß leute, nachdem sie sich stundenlang durch überfüllte »shops« gequält haben, sich danach auch noch am büdchen drängeln müssen, um sich dies kopfschmerzauslösende gebräu hinter die binde zu gießen. Wem’s gefällt...

Das einkaufen in der vorweihnachtszeit ist mir schon lange ein graus, weshalb ich es nicht schlimm finde, wenn es einmal wenigstens ein bißchen ausfällt. Das shoppen gibt’s nicht, den schoppen hingegen schon.

Mittwoch, 3. Januar 2018

40 jahre Kombinat Mikroelektronik

Aus westlicher sicht galt der ostblock in puncto computertechnik als entwicklungsland. Kaum jemand erinnert sich, daß in Bulgarien einst prozessoren hergestellt wurden und dort mit dem Prawez sogar ein Applecompatibler computer gebaut wurde.

In der jw vom 2. januar war ein interessanter artikel von Jörg Roesler über halbleitertechnologie in der DDR. Darin schreibt er:
»Eigentlich – denn es wurde von den »Aufarbeitern« in den Medien einiges unternommen, um die Mikroelektronik in ihr Bild von der DDR-Wirtschaft einzupassen: Die Zuwendung zur Mikroelektronik in der DDR sei allein auf das Renommierbedürfnis der SED-Führung, insbesondere von Generalsekretär Erich Honecker und seines Wirtschaftssekretärs Günter Mittag zurückzuführen. Die SED-Führung habe die Vorstellung, die Bundesrepublik auf ökonomischem Gebiet einzuholen – ursprünglich eine Idee Walter Ulbrichts – nicht aufgeben wollen. Man habe sich aber technologisch überhoben. Statt des erhofften Millionengeschäftes sei die Mikroelektronik zum Milliardengrab geworden. Als Beweis für die verfehlte Technologiepolitik wird gern die Geschichte vom Ein-Megabit-Chip erzählt. Mit diesem Speicher sollte technologisch der Anschluss an westliche Standards erreicht werden. Im September 1988 sei der erste Ein-MB-Chip mit großem propagandistischen Aufwand – das Neue Deutschland berichtete seitenlang darüber – an Erich Honecker übergeben worden, der sich beeilte, damit vor Michail Gorbatschow zu prahlen. Dabei sei der Chip überhaupt nicht funktionsfähig gewesen. Honecker und Mittag hätten schlicht geblufft. Der 40. Jahrestag der Gründung des Kombinats Mikroelektronik am 1. Januar 1978 soll Anlass sein, sich anhand dieses Beispiels einmal genauer mit den wirklichen Problemen und Errungenschaften der DDR-Mikroelektronik zu beschäftigen.

[...] Haben die Medien also recht, wenn sie die Milliarden Mark verschlingende Mikroelektronikförderung in der DDR als ein »technologisches Desaster« bezeichnen? Nein. Man darf nicht vergessen, dass zwischen beiden Schätzungen mehr als ein Jahrzehnt rasanter Entwicklung der Mikroelektronik im Weltmaßstab lag und dass das in den Plänen der DDR von 1976 angestrebte Weltniveau 1988/89 nicht mehr mit dem der zweiten Hälfte der 70er Jahre vergleichbar war. Die SZS-Studie lässt damit immerhin auch diese Schlussfolgerung zu: Die DDR hatte sich im Wettbewerb auf diesem Gebiet nicht abhängen lassen. Das aber war angesichts der Hindernisse, die ihr in den Weg gelegt wurden, eine bemerkenswerte technologische Leistung.«

Den gesamten artikel kann man hier lesen.

Donnerstag, 13. August 2015

Das innenministerium informiert

Pünktlich zum 13. august gibt es ein schönes abschreckungsvideo für balkanflüchlinge:

Dienstag, 11. August 2015

Под прикритие

Im grunde schaue ich nicht fern. Und schon gar keine serien. Sehr brutal, Osteuropäisch, sehenswert.

Mittwoch, 8. April 2015

Absturz des journalismus

In einer diskussion um RTdeutsch bemerkte ich im herbst des vergangenen jahres, daß ein gut gemachter auslandsrundfunk durchaus eine bereicherung der medienlandschaft sein kann. RTdeutsch gehört nach wie vor leider nicht dazu.

Viele Deutsche haben es noch nicht bemerkt, daß Bulgarien seit acht jahren mitglied der EU ist und »Radio Bulgaria« auch über eine Deuschsprachige internetseite mit täglich ca. halbstündigem programm verfügt. Dort ging es am ostersonntag um die berichterstattung zum absturz der Germanwingsmaschine.

Die einleitende frage war »Die Boykottkampagne gegen die BILD-Zeitung wegen der Germanwings-Berichterstattung könnte der Anstoß zu einem Überdenken der Rolle der Medien im deutschen Alltagsleben. Könnte das auch in Bulgarien passieren?«

Es wurde nicht nur über den absturz der Deutschen medien berichtet, sondern auch über den der Bulgarischen. Denn auch sie schickten trotz geldmangel korrespondenten zu den orten des geschehens, von wo sie viel und schlecht berichteten.
Nach dem Flugzeugunglück wurde jeder im Netz kurzerhand zum Experte. Dort tobt man sich aus: ob Tennis, Fußball, Krim-Annexion, Schuldenkrise oder eben Cockpit-Regeln – jeder kennt sich aus und lässt den wildesten Spekulationen freien Lauf. So geschehen ist es auch mit dem angeblich exklusiven Mitschnitt aus dem abstürzenden Flugzeug. Er lief mit der Bemerkung: "Noch ist unklar, ob der Mitschnitt echt ist". Allein diese Bemerkung ist Grund genug, ihn nicht laufen zu lassen.
Mit diesen sätzen endet der artikel bei Radio Bulgaria, den man hier auch ganz lesen kann.