Freitag, 15. Juni 2012

Nachtrag zu anfang des unsinns

Zum anfang des unsinns
Weil mir an anderer stelle vorgeworfen wurde, ich hätte mich an der diffamierung professor Hörmanns beteiligt, möchte ich noch ein paar worte dazu verlieren. Ich habe dort drastische worte gewählt und dazu stehe ich - zu jedem einzelnen wort, das ich schrieb. Fäkalworte eingeschlossen. Ich schrieb als antwort auf einen kommentar: 

Nicht ich habe herrn Hörmann ins rechte eck gestellt, dafür braucht der herr professor mich nicht - er schafft das allein.
Die idee das »schuldgeldsystem zu entlarven« hatten vor über 90 jahren schon andere, man kann also von »alter kacke in neuen kloschüsseln« sprechen. Die »Brechung der Zinsknechtschaft« und die aufteilung in »raffendes und schaffendes kapital« ist ein kernstück faschistischer ideologie.
Gottfried Feder war einer der vordenker. Er war mitglied der DAP aus der später die NSDAP hervorging. Das sollte man wissen, bevor man sich auf derartige bücher einläßt, sonst kann es passieren, daß man auf üblest schlammigen pfaden wandert.
Es ist alles andere als ein schmäh, den selben alten mist, der nachweislich eines der großen verbrechen der geschichte hervorgebracht hat, als den scheißhaufen hinzustellen, der er ist. Nicht ich bin zynisch - das, was in dem buch drinsteht, ist zynisch.
Übrigens ist es mir egal, woran menschen glauben. Spiritualität allerdings ist mit einem aufgeklärten, emanzipatorischen weltbild unvereinbar.

Nachschieben möchte ich das letzte zuerst: In der zeit der aufklärung fing man an, religion - und solche ist auch spiritualität jedweder form - von der philosophie und der wissenschaft - und das gilt nicht nur für naturwissenschaft, sondern auch für wirtschaftswissenschaft - zu trennen. Spirituelle menschen machen das rückgängig, weil sie für gewöhnlich »ganzheitlich« denken. Das argument, daß ich nicht wisse, was »richtige« spiritualität sei, ist schonmalgehört. Fortwährend das gleiche - entweder kommt als kritik, man habe keine ahnung, wäre dumm oder kennte »das richtige« nicht. Ich weiß, was spiritualität bedeutet, wofür sie gut ist und weshalb ich sie ablehne.

Ich habe nicht irgendeinen vordenker zinskritischer ideologie erwähnt. Ihn so zu bezeichnen ist grobe verharmlosung. Der »führer« schrieb in seinem dicken buch, daß er sein (im übrigen äußerst dürftiges) wirtschaftwissen von Gottfried Feder erlernt habe. Mit dieser theorie haben die nazis relevante wählerstimmen gewonnen - und sie wußten selbstverständlich auch, wer schuld ist am zinssystem: der jude. Mit dieser kritik wurde der millionenfache mord gerechtfertigt, weil es angeblich eine »jüdische weltverschwörung« gäbe.

In diesem zusammenhang ist es durchaus interessant, daß professor Hörmann behauptet nicht zu wissen, ob es den genozid in der hitlerzeit gegeben habe. Die verfolgung der juden, der politisch andersdenkenden, der homosexuellen, der »asozialen« und aller anderen, die den nazis nicht paßten, ist historisch ziemlich gut belegt. Gerade auch, was den massenmord an den juden betrifft, hierzu empfehle ich einen besuch im Haus der Wannseekonferenz in Berlin, dort wurde am 20. januar 1942 die »endlösung der judenfrage« beschlossen.

Die zinskritik ist absurd, weil sie den kapitalismus keinesfalls in der gesamtheit betrachtet: Die zinsgegner sagen, es sei schuld der banken (bzw. historisch betrachtet »der juden«), daß es vielen leuten dreckig geht, sie verurteilen das »raffende kapital« und loben das »schaffende kapital« - diese unterscheidung  ist unsinn, weil immer der arbeiter ausgepresst wird: Das Opel-Werk in Bochum, beispielsweise, gibt es doch nicht, weil die Bochumer alle mit fahrzeugen dieser art versorgt werden wollen, sondern nur so lange man einen gewinn daraus ziehen kann. Das bedeutet, daß der arbeiter immer um die früchte seiner arbeit betrogen wird.

Ich trete für überhaupt kein bereits vorhandenes »gesellschaftsbild« ein - ich laufe keinem »führer« oder sonstwem hinterher, der mir das denken abnehmen möchte. Genausowenig bin ich der große diktator oder volkserzieher, der den leuten den selbstausgedachten blödsinn aufdrücken will.

Die menschen müssen selbst etwas anderes wollen. Und das beginnt nicht mit dem ausdenken oder dem glauben kruder utopien, sondern im verstehen und der kritik des vorhandenen und vergangenen.

Kommentare:

  1. Liebe Mechthild!

    Gottfried Feder wurde zwei-, dreimal in "Mein Kampf" zustimmend erwähnt. Allerdings macht man es sich etwas zu einfach, aus diesem Umstand, eine direkte Verbindung von Zinskritik und Antisemitismus herstellen zu wollen. Feders Wirtschaftsprogramm wurde auch nicht in die Tat umgesetzt, als die Nazis die Macht übernahmen.

    Völkische Ideologie geht auch ohne Zinskritik. Zinskritik bietet aber eine Begründung für völkischen Antisemitismus. Antisemitismus besteht aber nicht nur aus Zinskritik. Zinskritik ist auch nicht der Kern des Antisemitismus. Postones Begriff des "strukturellen Antisemitismus" finde ich zu einseitig.

    Darüber hinaus gibt es auch andere Motive, als Antisemitismus begründen zu wollen, für Zinskritik. Schuldenmachen und Geld gegen Zinsen leihen gilt schon seit vielen tausend Jahren als ehrenrührig. Bankrotteure schossen sich früher eine Kugel in den Kopf, da sie von der Gesellschaft keine Gnade erwarten konnten. In den Weltreligionen spiegelt sich das wider. Und weil alle drei großen Religionen das Geldverleihen ablehnen, erscheint Gsells Zinskritik den Anhängern dieser Religionen als plausibel. Das hat zwar indirekt auch etwas mit Antisemitismus zu tun, ist mit diesem aber nicht identisch.

    Den meisten Anhängern erscheint die Zinskritik auch einfach plausibel, ohne die historischen Bezüge zu kennen. Irgendeine Form von Judenhaß oder irgendeine andere Art von Haß, also "struktureller Antisemitismus" ist dann nicht im Spiel.

    Also: "Zinskritik = Antisemitismus" ist zu platt. Man muß schon mehr Aufwand treiben, um Zinskritiker von ihrer Zinskritik abzubringen, zumal die Antisemitismusvorwürfe die Zinskritiker eher ihre Überzeugungen bestätigt.

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    1. Lieber Georgi,
      daß mein artikel zu kurz greift, ist mir durchaus bewußt. Dank für die ergänzung. Das geschriebene wollte ich nicht als die gleichung »zinskritik = antisemitismus« verstanden wissen, das ware tätsächlich arg platt. Tatsächlich hatte ich darüber nachgedacht, ob ich Silvio Gesells ansatz der zinskritik auch noch unterbringen sollte, ich habe das weggelassen, weil das den artikel gesprengt hätte. Ich wollte herausstellen, daß es interessant ist, daß ein zinskritiker wegen seiner einstellung zu historischen begebenheiten probleme bekommt – und Hörmanns theorien orientieren sich wohl eher nicht an Gesell.
      Zu meiner schande muß ich gestehen, daß ich etwas sehr wichtiges vergessen habe zu schreiben. Nämlich, daß die nazis, antisemitismus hin oder her, nie ein zinsfreies system durchgesetzt haben. Nach der machtergreifung wurde der olle Feder in eine professur gelobt, wo er dann einige jahre später verstarb.
      Die damaligen »empörten« oder weltverbesserer herbeizulocken, hatte er aber geschafft.

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  2. Ich finde diese Verbindung einfach nur absurd. Sorry, mehr fällt mir nicht dazu ein.
    Immer nur nach hinten zu blicken, ist nicht meine Welt. Aber viel Freude damit. Jeder soll tun, was er für richtig hält, solange sie anderen nciht damit schadet.

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    1. Daß Sie nicht gern über vergangenes nachdenken, habe ich bereits in einer früheren diskussion bemerkt. Als spiritueller mensch müssen Sie sich nicht übermäßig gedanken machen. Sie haben ihre weiteren leben, oder das jenseits, oder wie auch immer Sie Ihr leben nach dem tod bezeichnen mögen. Ich hingegen bin atheist. Ich glaube an das leben vor dem tod.

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  3. "Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. (1943)
    Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden - in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.
    Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.
    Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen.
    …Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen.
    …Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen."

    Bis hierhin eine erstaunlich korrekte Analyse. Hätte sich Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) die Ursache der Dummheit bewusst machen können, wäre er kein Theologe mehr gewesen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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