Samstag, 27. Oktober 2018

Aua, brennessel!

Deutschlandfunk Kultur mal wieder. Sarah Wieners grandiose speisekammer. Sie meint, daß beste, wo gibt, wären brennesseln. Und was wird auf dem bild gezeigt?
Natürlich keine brennessel, sondern die weiße taubnessel, die nur so tut als wäre sie eine brennessel, aber ansonsten weitgehend harmlos ist. Echte brennesseln sehen so aus:
Es läge mir natürlich fern, zu behaupten, daß frau Wiener taubnesseln nicht von brennesseln unterscheiden könnte. Das bild hat sie wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht.

Und dann wird es drollig:
Zitat Sarah Wiener:»[...]Pflücken Sie nichts, wo [...] Felder gedüngt [...] sind.«[...]
Dem weniger naturromantisch veranlagten menschen sind brennesseln, bitte was?

Zeigerpflanzen für sticktoffreichen boden. Das bedeutet, sie wachsen nur dort, wo ordentlich gedüngt wurde. Womit auch immer. Die sind immer lecker nitratbelastet.

Im fall der von taubnessel und brennessel sind zwei theoretisch eßbare pflanzen miteinander verwechselt worden. Wenn man allerdings pastinak und schierling, dessen wurzeln ebenfalls mild schmecken sollen, verwechselt, begeht man einen fehler, den man unter umständen nicht mehr korrigieren kann. Wenn selbst beim öffentlich-rechtlichen rundfunk, bei dem man zumindest meinen sollte, daß da fachkompetente menschen in der redaktion sitzen, solche verwechslungen passieren, kann ich botanisch unkundigen nur dringend abraten, irgendwelche wildpflanzen zu essen.

Und aus eigener erfahrung kann ich dazu sagen: die meisten eßbaren wildpflanzen sind das risiko, sich zu vergiften definitiv nicht wert - sie schmecken alle eher besch...eiden.

Kommentare:

  1. Brennnesseln wachsen auch dort, wo viel hin gebieselt wurde.
    Überhaupt sind sie ein typischer Kulturfolger: ich kenne kein
    Ruinengrundstück, wo sie nicht in deutlich höherer Dichte wachsen als auf unbespielterem Grund und Boden :D

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    1. Da wo viel hingepieselt wurde, ist der boden für gewöhnlich gut gedüngt. An sich ist es kein wunder, daß auf ruinengrundstücken oft brennesseln wachsen, denn dort waren wohl meist gärten, die gedüngt wurden und brennesseln dort ausreichend nährstoffe bekommen. Auf magerem boden wachsen die nicht.

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  2. Vielleicht geht es ein bisschen unaufgeregter mit diesem Video:
    Der Brenesselkrieg in Frankreich!
    https://www.youtube.com/watch?v=sVoNucYybsE

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    1. Entschuldigung für die Fehler in dem kurzen Kommentar!
      LG Troptard

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    2. Daß in Frankreich so viel aufhebens um die brennesselbrühe gemacht wird, war mir nicht bekannt. In Deutschland wird sie wohl hauptsächlich von hobbygärtnern verwendet, denn in gartenbüchern, die sich eher an fachpublikum richten, findet die brennesselbrühe keine erwähnung. Habe ich selbst auch schon angewendet, weil es so sagenhaft billig ist, ist aber wahrscheinlich auch mit vorsicht zu genießen, weil man womöglich gefahr läuft, den boden mit nitrat zu überdüngen.

      Was mich an dem video geärgert hat war, daß dort mal wieder die gleichung natur = gut - chemie = böse aufgemacht wurde. Was ist das denn, wenn brennesselplempe zwei wochen lang fermentiert? Für die gläubigen ist es vielleicht ein wunder, aus meiner sicht ist es ein chemischer vorgang. Mir geht diese naturverklärung auf den senkel, auch die behauptung, daß der mensch als jäger und sammler »im einklang mit der natur« gelebt habe. Wenn das dermaßen friede, freude, eierkuchen gewesen wäre, hätte sich vermutlich niemand gedanken darüber gemacht, wie man sich die sache mit der nahrungsbeschaffung irgendwie ein bißchen einfacher machen könnte. Die mußten nämlich auch zusehen, wie sie ihre möglichkeiten nutzen, um der natur ausreichend nahrung zu entreißen. Wenn man heute dahin zurück möchte, sollte man sich im klaren sein, daß auf diese art erheblich weniger nahrung pro hektar erzeugt wird und der großteil der bevölkerung verhungert. Aus meiner sicht eine extrem schlechte idee.

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  3. Hach ja, Frau Wiener bedient mit ihrem Feelgood-Geschwurbel beim Kultursender halt das ganz achtsam im Einklang mit der Natur lebende Bionadebiedermeier. Handelt sich wohl um reine Zielgruppenorientierung - leider auf Kosten der Sendezeit von Herrn Pollmer. Aber der sagt ja auch so ketzerische Dinge wie die, dass Diät machen nix bringt und Glyphosat halb so wild ist.

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  4. "Aber der sagt ja auch so ketzerische Dinge wie die, dass Diät machen nix bringt und Glyphosat halb so wild ist."
    Das Diäten nichts bringen, sagt nicht nur der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, sondern eine ganze Armada von weiteren Experten ( Stichwort JoJo-effekt).

    Was unsere Mainstream-Medien nicht darin hindert, Diäten immer wieder zu bewerben und sie gleichzeitig kritisch zu hinterfragen. Und dafür lässt sich durchaus die Theorie der sich widersprechenden Botschaften, der "double blind theory", anwenden. Zumindest zu meiner Studienzeit en vogue und kein schlechter Erklärungsansatz für die bürgerliche "Schizophrenie".

    Was Planzenschutzmittel betrifft, so habe ich was meinen eigenen Gemüsegarten betrifft ganz klare dogmatische Prinzipien: Gift gerne für die anderen aber nicht für mich.

    Da bin ich nicht Kollektivmensch, sondern so ein widerlicher Individualist.

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  5. @ Stefan und Troptard,

    Pollmer schrieb bereits im Lexikon der Ernährungsirrtümer (erschienen im jahr 2000) darüber, daß es reine definitionssache ist, was als übergewichtig gilt. Ab BMI 25 gilt man als übergewichtig und wer einen BMI über 30 hat, ist per definition fettsüchtig. Breit angelegte studien hatten aber bereits damals belegt, daß gesundheitliche probleme, die für übergewicht typisch sind, erst ab BMI 40 signifikant ansteigen.

    Gefühlt liest man ungefähr drei mal die woche, daß »wir Deutschen« so fett sind wie noch nie und auch immer fetter werden. Da bekommen dann leute, die meinen, daß sie nicht dem schönheitsideal entsprechen würden, ein schlechtes gewissen und fangen wider besseres wissen an, diäten zu machen oder auf ernährungsberater zu hören. In der hoffnung, sie könnten vielleicht die ersten sein, bei denen es wirklich etwas gebracht hat. Das dann mit der »doppelbindungstheorie« erklären zu wollen und die leute deshalb zu psychiatrisieren, ist doch ein bißchen arg hoch gegriffen.

    Was mich an frau Wiener so nervt, ist ihre merkbefreitheit: sie faselt immer wieder davon, daß essen bei und viel zu billig sei. Und weil das so ist, stehen jede woche millionen menschen bei der Tafel an, weil sie nicht einmal ausreichend geld für das angeblich viel zu billige essen haben. Im juni sagte sie immerhin in einem interview, daß viele menschen sich bio gar nicht leisten können. Lösung dafür? Fehlanzeige. Stattdessen glaubt sie, daß es »ernährungspolitisch« wichtig sei »ihr wissen mit anderen [zu] teilen.« Aber wofür?

    Ich lehne mich da gern weit aus dem fenster und behaupte, daß personen wie Henri Martin, Norman Borlaug oder Justus Liebig - allesamt personen, die dinge entdeckt haben, die den heutigen öko-jüngern ein dorn im auge sind - »ernährungspolitisch« weit mehr geleistet haben als figuren wie frau Wiener.

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