Mittwoch, 21. August 2019

Die Bielefeldmillion

Eigentlich weiß es jeder: die stadt Bielefeld gibt es nicht. Deshalb hat Bielefeld jetzt eine million ausgeschrieben für denjenigen, der es auch stichhaltig beweisen kann, daß es Bielefeld nicht gibt.

Leider kann ich gar nichts beweisen, auch wenn es sich, als ich im edlen selbstversuch dort hinreiste, zumindest anfühlte wie durch ein loch in der zeit gefallen zu sein. Dort standen komischer weise obendrein auch noch die herren John Lever und Mark Burgess an der theke rum und haben bier getrunken.

Und das ist schon ziemlich unwahrscheinlich. Ich meine nicht, daß die bier trinken, sondern, daß die das ausgerechnet in Bielefeld tun müssen und zufällig ich an der selben theke stehe, ist eigentlich ziemlich undenkbar. Allerdings kein felsenfester beweis, daß es Bielefeld nicht gibt. Schade eigentlich.

Montag, 19. August 2019

Foto am montag (379)


Blaue holzbiene (xylocopa violacea)

Sonntag, 18. August 2019

Verabschiedungskultur

Bernd Höcke mal wieder.

Verabschiedungskultur ist nicht grundsätzlich was schlechtes. Ich stell mir vor, Höcke in einer rechtkantigen kiste und es gibt reichlich »Rosen auf den Weg gestreut«.

Peter Fonda

Mal wieder hat es einen dahingerafft. Weil ich ehrlich bleiben möchte, muß ich zugeben, daß ich beim legendären film »Easy Rider« immer eingeschlafen bin. Vermutlich bin ich die einzige, die leider gar nicht weiß, worum es da eigentlich geht.

Udo Lindenbergs version von »Born to Be Wild« war aber wahrscheinlich gar so verkehrt.

Mittwoch, 14. August 2019

Überall tretroller

Seit knapp zwei monaten sind hierzulande e-scooter erlaubt. Ich nenne die dinger trotzdem »tretroller«, auch wenn sie leider gar keine sind, weil man in der stadt ständig auf sie drauftritt oder über sie stolpert und wenn man nicht drüber stolpert, liegen die dinger im gebüsch rum oder zwischen s-bahn-gleisen, wo sie dann auch eher nicht wieder eingesammelt werden - und eingesammelt werden sie zum nächtlichen aufladen oft von lieferwagen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß der verkehr in großstädten dadurch auch nur für einen pfennig umweltfreundlicher würde.

Genutzt werden sie offensichtlich hauptsächlich von touristen, die ansonsten brav zu fuß gegangen wären und gelegentlich von teenies, die nachts kreischend zu dritt auf einem roller durch die straßen brettern. Ist ja strengstens verboten, zu zweit e-scooter zu fahren. Muß man eben zu dritt fahren. In dem alter hätte ich das problem ganz genauso gelöst.

Was mich wundert, ist, daß beispielsweise velomobile  überhaupt kein thema sind. Das wäre doch eine umweltfreundliche alternative - stattdessen wird über allerhand firlefanz und dicke elektroautos diskutiert.

Es geht halt nicht um den umweltschutz. Es geht um geschäftsmodelle. Das kotzt an.

Montag, 12. August 2019

Foto am montag (378)


Turmfalke (falco tinnunculus)

Sonntag, 11. August 2019

75 % für den staat

Ein freund, der ca. mitte der 60er jahre mal in einem kinderheim untergebracht war, hat mir vor etlichen jahren erzählt, daß er unheimlich glück gehabt habe, trotzdem eine vernünftige schulbildung erhalten zu haben. Ein engagierter mensch habe sich damals für ihn eingesetzt, daß er in ein internat kommt. Die anderen kinder mußten, wenn sie ca. 14 jahre alt waren, ihren lebensunterhalt verdienen. Dafür seien sie regelrecht an den nächsten großbauern verkauft worden, bei dem sie als hilfsarbeiter schuften mußten und vom lohn nur ein karges taschengeld behalten durften, das höchstens für eine schachtel zigaretten die woche oder etwas süßkram reichte.

Mich gruselte es, daß es so etwas in der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts hierzulande noch gegeben hat. Wir hatten beide keine ahnung, daß es derartiges bis heute gibt:

Oscar Wilde hat gesagt, daß man für das gute wie für das schlechte, das man tut, bestraft wird. Das stimmt. Allerdings würde ich noch einen obendrauf setzen: man wird immer mindestens doppelt bestraft: es ist nicht schlimm genug, in schlechten verhältnissen aufzuwachsen. Diese leute müssen dafür auch noch zusätzlich 75% ihres einkommens an »strafe« zahlen, obgleich sie im normalfall für ihre lebenssituation überhaupt nichts können.

Gerade die, die staatliche unterstützung dringend brauchen würden, weil sie privat niemanden haben, werden dazu gezwungen, 75% ihres lohns an den staat abzugeben. Dieser staat ist über die erkenntnisse und erziehungsmethoden des 19. jahrhunderts offensichtlich nie wirklich hinausgekommen.

Mittwoch, 7. August 2019

Ratte analysiert wahlprogramme...

... und findet heraus, daß man ganz schön viel zeit zum lesen benötigt und die schwieriger zu lesen sind als Franz Kafka. Ratte ist natürlich keine gewöhnliche leseratte und hat mit niedlichen nagetieren wenig zu tun, sondern ist das »Regensburger Analysetool für Texte« oder kurz einfach Ratte, mit dem man den schwierigkeitsgrad von texten messen kann. Gedacht ist das für die auswahl von texten für den schulunterricht, man kann aber auch wahlprogramme, beispielsweise für die anstehende Landtagswahl in Brandenburg, damit analysieren.

Das hat der rbb kürzlich getan. Die texte werden dann nach anzahl der wörter und Fleschindex bewertet. Der Fleschindex ist nach seinem erfinder Rudolf Flesch, einem experten für die lesbarkeit von texten, benannt. Je höher der Fleschindex, desto leichter ist ein text zu lesen: unter 30 punkte - hochschulniveau, 30 bis 50 punkte - abiturniveau, 50 bis 60 punkte - MSA-niveau, über 60 punkte - einfaches Deutsch.

»Das Schloß« von Franz Kafka schnitt im vergleichstest mit 62,9 punkten ab, danach folgte »die Schachnovelle« von Stefan Zweig. Dann kommt eine weile gar nichts und als nächstes das programm der SPD mit 38,7 punkten, dicht gefolgt von der CDU. Freie Wähler, Linke, Grüne, FDP und AfD kommen alle auf einen Fleschindex von um die 30.

Auf anfrage sagten alle parteien, außer der AfD, die es nicht nötig hatte zu antworten, daß das wahlprogramm für die breite masse nicht das wichtigste im wahlkampf sei. Linke, FDP und Grüne bieten ihr wahlprogramm auch in »Leichter Sprache« an. Zwischen hochschulniveau und niveau von menschen mit lernschwierigkeiten gibt es für die nichts. Und überhaupt soll man sich offenbar mit den programmen gar nicht so genau befassen. Das läßt tief blicken.

Dieser Text hat übrigens einen Fleschindex von 63. Ich bin also ungefähr auf dem gleichen niveau wie Franz Kafka, obwohl ich noch nie vorhatte, ihm irgendwie nachzueifern.

Montag, 5. August 2019

Foto am montag (377)

Feldsperling (passer montanus)

Samstag, 3. August 2019

Deutsche zitronen - nicht bananen!

Europa
von Kurt Tucholsky

Am Rhein, da wächst ein süffiger Wein –
der darf aber nicht nach England hinein –
   Buy British!
In Wien gibt es herrliche Torten und Kuchen,
die haben in Schweden nichts zu suchen –
   Köp svenska varor!
In Italien verfaulen die Apfelsinen –
laßt die deutsche Landwirtschaft verdienen!
   Deutsche, kauft deutsche Zitronen!
Und auf jedem Quadratkilometer Raum
träumt einer seinen völkischen Traum.
Und leise flüstert der Wind durch die Bäume ...
   Räume sind Schäume.

Da liegt Europa. Wie sieht es aus?
Wie ein bunt angestrichnes Irrenhaus.
Die Nationen schuften auf Rekord:
   Export! Export!
Die andern! Die andern sollen kaufen!
Die andern sollen die Weine saufen!
Die andern sollen die Schiffe heuern!
Die andern sollen die Kohlen verfeuern!
Wir?
   Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein:
wir lassen nicht das geringste herein.
Wir nicht. Wir haben ein Ideal:
Wir hungern. Aber streng national.

Fahnen und Hymnen an allen Ecken.
Europa? Europa soll doch verrecken!
Und wenn alles der Pleite entgegentreibt:
daß nur die Nation erhalten bleibt!
Menschen braucht es nicht mehr zu geben!
England! Polen! Italien muß leben!
Der Staat frißt uns auf. Ein Gespenst. Ein Begriff.
Der Staat, das ist ein Ding mitm Pfiff.
Das Ding ragt auf bis zu den Sternen –
von dem kann noch die Kirche was lernen.
Jeder soll kaufen. Niemand kann kaufen.
Es rauchen die völkischen Scheiterhaufen.
Es lodern die völkischen Opferfeuer:
Der Sinn des Lebens ist die Steuer!
Der Himmel sei unser Konkursverwalter!
Die Neuzeit tanzt als Mittelalter.

Die Nation ist das achte Sakrament –!
Gott segne diesen Kontinent.


Zitiert nach Tucholsky - »Gesammelte Werke 1932«, rororo 1975

Man könnte meinen, Tucholsky habe die AfD schon gekannt.

Freitag, 2. August 2019

Gutes aus der region Berlin

Vorhin im supermarkt.

Ein schild mit der aufschrift »aus Deiner region«. Darunter: nichts als bananen. Vielleicht die berühmte, jedoch seltene Spreewaldbanane, die bereits in der DDR als mangelware galt und die ich bis heute noch nie gesehen habe? Da mußte ich doch wenigstens mal auf das etikett schauen. Und was stand drauf?

Equador. Also nicht ganz Spreewald. Aber doch wenigstens fast. Irgendwie scheinen die meinungen, was noch als »regional« gelten kann und was eher nicht, ein bißchen auseinanderzugehen.

Dienstag, 30. Juli 2019

Hitlergruß und nasse hose

In der diskussion zu »das wird man wohl mal sagen dürfen« habe ich ein foto erwähnt. Wie ich entdeckt habe, gibt es eine ganze doku über die entstehungsgeschichte des fotos. Es entstand in Rostock 1992. Die doku ist der reinste gruselfilm, weil sie einem noch mal vor augen führt, wie ganz normale leute, die über jahre hinweg friedlich in nachbarschaft mit ausländern gelebt hatten, sich von einem braunen mob aufhetzen ließen.


Foto am montag (376)

Kleiner panda (ailurus fulgens)

Freitag, 26. Juli 2019

Das wird man wohl mal sagen dürfen

Schrödingers ausländer arbeiten nicht und nehmen uns die arbeitsplätze weg!


SOCIAL MEDIA BULLSHIT-BINGO von Bob wurde auf youtube leider trotz hitqualität weitgehend ignoriert. Das beste musikvideo seit langem. Das muß ich hier auf jeden fall mal rumzeigen.

Dienstag, 23. Juli 2019

Foto am montag (375)

Schon ewig hatte ich keine amphibien mehr gesehen. Ist meist zu trocken für die. Mutmaßlich ist’s eine erdkröte.(bufo bufo).

Dienstag, 16. Juli 2019

Europa nicht den Leyen überlassen!

Martin Sonneborns rede gegen frau von der Leyen:

Wie dämlich die tante am schluß des videos grinst, da könnte man glatt die wut kriegen.

Aber Nico Semsrotts einwurf war auch nicht schlecht:

Montag, 15. Juli 2019

Foto am montag (374)

Wo man auch hinguckt, überall, überall fichtenkreuzschnäbel ringeltauben, die brüten (columba palumbus).

Samstag, 13. Juli 2019

Dümmer geht ümmer: solidarisches grundeinkommen

Nach etwas längerer abstinenz von meinem lieblingsthema »grundeinkommen« mal wieder etwas neues. Sämtliche modelle des »grundeinkommens« seien sie nun »bedingungslos« oder nicht, sind schäbig. Aber das erbärmlichste kommt, wer hätte es ahnen können, natürlich von der SPD und soll ab sofort in Berlin eingeführt werden.

Oh jubel! Auf den neuaufguß der ABM haben alle langzeitarbeitslosen schon lange gewartet, endlich wieder als arbeitnehmer dritter klasse wenigstens malochen zu dürfen!

Die stadt hat jahrelang öffentliche stellen im gemeinnützigen bereich abgebaut und jetzt sollen zur abwechslung einmal wieder langzeitarbeitslose zum schundlohn die lücken füllen. Mindestlohn oder gar tarif soll es geben, sofern es einen gibt. Das hört sich nahezu gut an, sofern man die ABMwohltaten kennt, die es vor einigen jahren in Berlin gab, bei denen bruttolöhne unter 1000€ oder nur knapp darüber als völlig normal galten. Bei vollzeit beim aktuellen mindestlohn von 9,19€ erhält man einen bruttolohn von ca. 1600€.

Und was bleibt davon übrig? 1.181€20, sagt der brutto-netto-rechner:

Sehr schön ist hier die werbung für die Riester-Rente in der mitte. Klar, wer dermaßen üppig verdient, hat ganz gewiß im monat 175 € im monat für eine windige geldanlage über, um später nicht als armutsrentner zu enden. Schließlich hat man auch geld für eine eigentumswohnung, ein auto, das fährt, eine Montgolfière, eine segelyacht. Und einen außenbordmotor.
Ist das anständig bezahlt?

Ich meine, nein.

Der arbeitsmarktexperte Jürgen Schupp meint, ja. Im interview mit der Zeit
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Die Jobs sind nicht toll bezahlt, aber auch nicht prekär. Ich halte sie für ein faires Angebot.«
Es ist immer wieder schön, wenn irgendwelche professoren, die sehr bequem auf ihren lehrstühlen hocken darüber sprechen, welche arbeitskonditionen sie für andere als »nicht prekär« einstufen.

Einem bericht des rbb zufolge liegt die armutsgefährdungsschwelle (tolle wortschöpfung) in Berlin aktuell bei 1.215€ und meinen bescheidenen berechnungen zufolge liegt der betrag von 1.181€20 leider irgendwie darunter. Und der herr professor meint, daß man in der situation, in der man als »armutsgefährdet« gilt, nicht irgendwie »prekär« beschäftigt wäre. Schöne ansicht. Obendrein ist der mann dann auch noch unredlich, indem er dinge vergleicht, die man so nicht vergleichen kann:
Zitat prof. dr. Jürgen Schupp: »Das sind je nach Tarif ungefähr 1.200 Euro netto und damit deutlich mehr als der Hartz-IV-Regelsatz von 424 Euro.«
Einmal den nettoverdienst vor abzug der wohnkosten und einmal den regelsatz nach abzug der wohnkosten. Mich erinnert das an diesen schlauen professor, der vor jahren behauptete, man könne billigschuhe für 10€ 20 jahre lang tragen. Sicher, wenn man 40 paare davon hat, könnte es möglich sein. Ansonsten: knifflig.

H4empfänger bekommen im durchschnitt in Berlin im schnitt 916€. Das bedeutet, daß sie 424€ regelsatz für sich und 492€ für ihren vermieter erhalten. Wenn man das Solidarische Grundeinkommen mit h4 vergleichen möchte, muß man also entweder 1.181€20 mit 916€ vergleichen oder, sofern man davon ausgeht, daß die leute die gleiche miete zahlen müssen, oder 689€20 mit 424€. Man hat also mit arbeit 265€20 mehr als ohne.

Da steht man mit dem Solidarischen Grundeinkommen noch beschissener da, als man es mit der ABM war, wo man meist so schlecht verdiente, daß man aufstocken mußte: Da wurde für gewöhnlich so aufgestockt, daß man für gewöhnlich knapp 300€ mehr hatte als ohne arbeit. Plus: mit dem niedriglohn in der ABM bekam man auch den »Berlinpass«, mit dem man den ÖPNV billiger nutzen kann (aktuell 27€50 statt 81€), günstiger ins schwimmbad kommt, bibliotheken nutzen kann, äußerst preisgünstig ins theater und sogar in die oper gehen kann, sofern es kurz vor beginn restkarten gibt. Auch diese nicht unbedingt schönen verhältnisse noch zu verschlechtern ist klassisch SPD. Bei so schönen maßnahmen wundert man sich glatt, daß keiner, der bei trost ist, die noch wählt.

Wenn es im öffentlichen bereich an arbeitskräften mangelt, dann wäre doch beispielsweise eine steile lösung, leute, die dafür geeignet sind auszubilden, umzuschulen oder fortzubilden und ganz normale stellen auszuschreiben, auf die ein jeder sich bewerben kann.

Es ist klar, wer sich beim Solidarischen Grundeinkommen mit wem solidarisieren soll. Umgangssprachlich sage ich dazu »küss die hand, die Dich schlägt!«

Keine wohltat für arme, sondern auch wieder nur maßnahme, etwas zu kaschieren anstatt es zu bewältigen.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Benimmregeln für beutegreifer

Etliche jahre nach dem »problembären« Bruno könnte ein neuer bär nach Bayern eingewandert sein. Hoffentlich hält er sich an die regeln.