Montag, 21. März 2016

Foto am montag (203)

Aguja bzw. blaubussard (geranoaetus melanoleucus)

Sonntag, 20. März 2016

Juhu! Moderne sklaverei nur ein moralisches problem!

Alle jubeljahre kommt das thema auf, daß eben nicht unser wunderbares wirtschaftssystem, sondern das unmoralische konsumverhalten der menschen in den industriestaaten schuld sei am elend der menschen in den entwicklungsländern, die häufig von ihren löhnen noch weniger leben können, als das in den sogenannten »reichen ländern« der fall ist.

So auch in den vergangenen wochen wieder, denn die BWL-professorin Evi Hartmann von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg hat ein buch darüber geschrieben unter dem titel »Wie viele Sklaven halten Sie?« in dem sie die behauptung aufstellt, jeder von »uns« halte ca. 60 sklaven, um einem bequemen leben nachgehen zu können.

Das ist eine merkwürdige behauptung, denn der großteil der menschen in den industrienationen führt nicht gerade ein besonders bequemes leben.

Letzte woche hat die autorin dem WDR ein interview gegeben. Das 1€blog hat keine kosten und mühen gescheut, es der nachwelt zu erhalten und es in voller länge mitgeschrieben, damit es nicht ungehört oder ungelesen im archiv des WDR verschwindet, natürlich nicht unkommentiert:

Zitat moderatorin: »Wenn Sie, wie ich, kleidung tragen,nahrung zu sich nehmen, ein auto fahren oder ein smartphone haben, arbeiten derzeit ungefähr sechzig sklaven für Sie und mich. Diese these stammt von Evi Hartmann, BWL-professorin an der Universität Erlangen-Nürnberg und sie wendet sich in ihrem aktuellen buch zum thema ›Globalisierung und Moral‹ auch direkt an uns alle - ›wie fühlen Sie sich damit?‹ fragt sie. Der menschliche anstand läßt eigentlich nur eine antwort zu, ›schlecht‹ natürlich. Aber hand auf’s herz - fühlen wir uns wirklich schlecht, wenn irgendwo am anderen ende der welt jemand ausgebeutet wird, damit wir unsere konsumbedürfnisse befriedigen können? Da muß wohl ordentlich gerüttelt werden an unserer ignoranz und selbstzufriedenheit und das versucht das buch ›Wie viele Sklaven halten Sie?‹, steht in fetten roten lettern auf dem buchdeckel. Evi Hartmann, die autorin ist jetzt am telefon. Einen schönen guten tag, frau Hartmann.«

Zitat Evi Hartmann: »Hallo!«

Zitat moderatorin: »Müssen wir uns alle in grund und boden schämen?«
Es gibt keinen anlaß sich für etwas »in grund und boden zu schämen« wofür man nichts kann. Die normalen lohnarbeitenden menschen oder die arbeitslosen in den industriestaaten haben die verhältnisse, wie sie in der kapitalistisch organisierten welt sind, nicht so eingerichtet.

Und wenn sie sich dafür einfach mal schämen würden, daß die lohnarbeitenden menschen am anderen ende der welt noch beschissener dran sind als sie selbst, wäre denen damit nicht im geringsten geholfen.

Aber hören wir, was prof. Hartmann dazu zu sagen hat:
Zitat Evi Hartmann: »Ja, ich glaube, wir sind da alle eingeschlossen, wir sind da allle betroffen, wir sind da alle drin in diesem kreislauf. Ob als konsument, ob als produzent, ob als lieferant. Am ende sind wir mit verantwortlich...«
Nein. Keinesfalls. Wenn sich ein h4empfänger in Deutschland dafür schämt, daß er billigware aus Bangladesh kauft, bringt das der näherin dort kein essen und keine versorgung im krankheitsfall ein. Wenn er die ware nicht kauft, die er so nicht bestellt hat, sondern die hier so angeboten wird, weil die unternehmen mit seiner armut rechnen, geht es der armen näherin definitiv an den kragen. Dann verliert sie ihren scheißjob und damit ihre armselige existenz, weil es dort leider keine unterstützung für arbeitslose gibt.

Egal, wie man seinen konsum ausrichtet. Man kann es immer nur falsch machen.
Zitat moderatorin: »Und warum schämen wir uns so wenig und ändern nichts?«
Weil wir daran erst einmal nichts ändern können. Und es den armen menschen in den entwicklungsländern leider auch kein brot einbringt, wenn wir uns schämen würden.

Schämen könnten wir uns höchstens dafür, daß wir es uns gefallen lassen, uns selbst ausbeuten zu lassen.
Zitat Evi Hartmann: »Das ist genau die fragestellung im buch, die ist, warum denke ich darüber nicht nach, warum ist moral keine fragestellung? Und das fängt auch wieder an beim konsument, der das credo ›geiz ist geil‹ vor augen hat und immer günstiger einkaufen will, dann haben wir im prinzip in den unternehmen die einkäufer, die druck von ihrem chef kriegen, einkaufsoptimale bedingungen, einkaufssavings, einsparungen zu realisieren. Dann haben wir die produzenten, die anlagen auslasten wollen und am ende wird der druck weitergegeben, wenn wir jetzt bei der textilbranche bleiben, bis hin zu den näherinnen in Bangladesh, die ohnehin schon zu einem hungerlohn arbeiten und dann noch günstiger arbeiten müssen. «
Das mit der moral ist eine extrem schäbige sache. Da läßt man die armen auf dieser seite der welt für einen lohn malochen, der gerade mal dafür ausreicht, daß sie ihre bedürfnisse auf dem untersten niveau mit artikeln von der anderen seite der welt befriedigen können und wirft ihnen obendrein auch noch vor, daß das unmoralisch wäre.

Welcher konsument ist denn mit dem slogan »Geiz ist Geil« an den markt herangetreten?

Überhaupt keiner. Das war der werbeslogan einer elektromarktkette, die die armut der hiesigen menschen ansprechen wollte.

Es ist eine verdrehung von fakten, wenn aus der materiellen armut, das leben mit billigartikeln auf niedrigstem niveau fristen zu müssen, »geiz« wird, der angeblich anderen das leben gründlich versauen tät.

Als professorin, die jeden monat ein ordentliches gehalt auf dem konto begrüßen darf, kann man selbstverständlich leicht über die schweine urteilen, die über jeden pfennig nachdenken.
Zitat moderatorin: »Würden Sie denn sagen, daß markt und moral aber prinzipiell zusammenpassen oder sind das doch zwei verschiedene welten die gehen nicht miteinander?«
Das sind zwei verschiedene sachen. Und eine wie die andere widerlich.
Zitat Evi Hartmann: »Ich glaube, das sind schon ... die hängen in einem system aber die haben verschiedene ausrichtungen. Das eine ist wirklich die fragestellung, was sind die kosten, wie optimiere ich die, wenn ich aus unternehmenssicht da draufschau? Und andererseits, was ist der nutzen? Das sind zwei fragestellungen, die einen konflikt erwirken, der aber vielleicht lösbar ist. Der durch kleine schritte lösbar ist. Nur bisher ist ja die fragestellung nach der moral gar nicht inkludiert in nem meßsystem, der einkäufer, der einkaufersparnisse realisieren muß, hat ja gar nicht zum ziel moralischer zu handeln.«
Na ja eben, der einkäufer hat »moralisches handeln« nicht zum ziel. Und das aus gutem grund.

Kleiner hinweis: der grund ist nicht der »geiz« der hiesigen lohnarbeiter.
Zitat moderatorin: »Und wenn das über den weg läuft, daß mittlerweile nachhaltiges wirtschaften vielleicht für eine gewisse klientel tatsächlich ein verkaufsargument sein könnte? Funktioniert das auf dem weg oder ist das zu dürftig?«
Das ist allerdings dürftig und funktioniert nicht, weil es allerhöchstens eine »gewisse klientel« anspricht, die es sich leisten kann oder möchte, sich vom drückenden schlechten gewissen ein klein wenig freizukaufen.
Zitat Evi Hartmann: »Das ist ein erster schritt, ich seh die fragestellung so klar, als uniprof würde man immer so ganzheitlich optimieren wollen, das ist vielleicht zu schwierig und das es dauert auch zu lang und kleine schritte sind eben ein weg dahin. Kleine schritte können schon etwas bewegen. Auch bei beispielhaften unternehmen, die, äh, die es ja gibt. Es gibt ja genug ›best practices‹, die zum beispiel den ›living wage‹, also das gehalt an die näherinnen in Bangladesh zahlen, die den lebensunterhalt sicherstellen, es gibt ja beispiele, die sich da ordentlich verhalten.«
Kleine schritte wohin? Der begriff »living wage« zeigt, wie schäbig die angelegenheit ist: es geht nicht darum, den menschen ein anständiges leben zu ermöglichen, sondern bloß um ein lohn, der die armen leute am anderen ende der welt ganz sicher im hamsterrad hält, um die kapitalisten auf dieser seite der welt ordentlich satt zu bekommen.
Zitat moderatorin: »Hat die moral im geschäftemachen auch etwas zu tun mit der eigenen unternehmenskultur? Sehen Sie auch da zusammenhänge?«
Zur »unternehmenskultur« gehört nun einmal das gewinnmaximieren und das steht ohne zweifel in direktem zusammenhang mit der armut an jedem ort auf der welt.
---
Ende des ersten teils. Teil zwei enthält, was frau Hartmann dazu gesagt hat und eine sehr gute frage der moderatorin, die mir namentlich leider nicht bekannt ist.

Mittwoch, 16. März 2016

Volksabstimmung in der Schweiz zum BGE (3)

Was sind das eigentlich für menschen, die das BGE befürworten und mit welchen argumenten tun sie das?

Im Deutschsprachigen raum sind das recht ähnliche leute, die teilweise grenzübergreifend zusammenarbeiten. Weil es um die volksabstimmung in der Schweiz geht, möchte ich als erstes über eine Schweizer antroposophin berichten, die dort die Initiative für das Grundeinkommen mit ins leben gerufen hat.

Ursula Piffaretti ist mitbegründerin der Freien Gemeinschaftsbank der Schweiz, begründerin einiger Waldorfschulen und erbin eines handelshauses für autoteile.

Um etwas über ihre gedanken zu erfahren, habe ich mir ein älteres interview mit dem titel »Geld ist mehr als Geld« in welchem es um den geist des geldes gehen sollte. Wer sich das anschauen möchte, möge bitte hier gucken. Das interview dauert ungefähr eine halbe stunde. Das thema geld kommt im engeren sinne nicht zur sprache, damit hatte ich aber auch gar nicht gerechnet. Antroposophen reden oft eine menge, ohne auch nur ein wort zur sache gesagt zu haben. Ob es nun ihre weltanschauung ist, die ihnen verbietet bei einem thema zu bleiben, die antroposophie gemeinhin eher menschen anzieht, die sich nicht sachlich mit einem thema beschäftigen können oder vielleicht auch an ganz etwas anderem liegt, habe ich bisher nicht herausgefunden.

Was geld ist und welche funktionen es hat, braucht sie nicht zu erklären. Weiß ja schließlich jeder: geld, das sind so lustig bunt bedruckte zettelchen, mit was draufgeschrieben auf beiden seiten. Ist ja klar, daß man das braucht, um zu leben.

Stattdessen allerhand konfuses zeug, daß der mehrwert in ihrem budget als unternehmerin angeblich nicht meßbar sei. Offenbar hat sie keine vorstellung davon, was in einem unternehmen der »mehrwert« eigentlich ist. Es bleibt natürlich nicht aus, daß sie behauptet, ihr geld bekäme angeblich »kinder«. Auch hier erachtet sie es nicht als nötig, der sache auf den grund zu gehen, weshalb eigentlich ihres »wirft«, das der meisten anderen menschen hingegen nicht. Obwohl das ja nun wirklich eine sehr komische sache ist.
»Ich habe immer grundeinkommen bekommen, ich war jung, man hat mir dann die schule bezahlt, dann hat mich mein mann unterhalten, das war ja ein grundeinkommen und dann habe ich die erbschaft angetreten [...]. Es war immer da ein grundeinkommen für mich. Und dann habe ich gemerkt, daß das sehr vielen nicht so geht. Sie möchten gern etwas tun und können es nicht.«
Ist immerhin etwas, daß sie bemerkt hat, daß es nicht allen so gut geht. Und wieder fehlt die frage »warum«? Sie nimmt es einfach als natürlichen zustand, daß sie nun einmal was geerbt hat, die anderen nicht und sie eben nach eigenem gutdünken ganz toll helfen kann:
»Und dann hab ich gemerkt, ich hab ja überschuß, so kann ich doch da helfen und es gibt ziemlich viele menschen, denen ich zum teil ein studium oder das leben oder ihre initiative so mit einem kleinen grundeinkommen, ganz abgestuft nach bedürfnis, ermöglicht habe und die haben sich etwas erarbeitet und nach einer zeit war es nicht mehr nötig.«
Und so hat sie ein paar leuten, die sie kannte, mit etwas kleingeld ausgeholfen. Diese leute haben es also geschafft, irgendwas zu machen, weil ihnen z.b. das studium bezahlt wurde. Mit dem geld hatten sie also einen vorteil in der konkurrenz. Wenn aber in einer konkurrenzgesellschaft, die ja eben gerade nicht abeschafft werden soll, alle den selben »vorteil« haben, wird halt nach anderen kriterien aussortiert.
»Aber ich mußte mich dann doch durchsetzen, weil es menschen gibt, die sind nicht begabt, geld zu halten oder geld so einzusetzen, daß es reicht. Und dann mußte ich sagen jetzt hör mal, das geht jetzt noch ein jahr, mach diese ausbildung, die du begonnen hast fertig, dann geb ich Dir noch ein startkapital und dann aus. Aber dann machen sie die ausbildung nicht fertig.«
Und so folgt die rede davon, daß sie dies »grundeinkommen« relativ bedingungslos gebe. Dann ist es aber eben nicht bedingungslos, wenn man bedingungen daran knüpft. Und vorrangig geht es nicht darum, daß die menschen ein gutes leben haben sollen, sondern sie sollen was für die nationale sache tun:
»Sondern, daß man weckt, was für impulse er selber hat, daß man hinhört, was wäre für diesen menschen eigentlich ein thema was er arbeiten möchte, was er beitragen möchte für andere, für sich, für die Schweiz[...]«
Es folgt ein lobgesang darauf, wie toll die reichen die kultur durch sponsoring finanzieren. Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz aussieht, in Deutschland jedenfalls sieht der kulturbetrieb eher traurig aus, seit es dafür weniger steuergelder gibt und vieles durch privates sponsoring finanziert werden muß. So großzügig, wie es sich manche geldsäcke hinlügen, sind die nämlich gar nicht.

Daß es durch das BGE zu lohnkürzungen kommen wird, sieht frau Piffaretti offensichtlich als etwas völlig normales an:
»Ich fürchte, daß die unternehmer damit nicht so leicht klarkommen. Denn, daß sie dann weniger lohn bezahlen würden, weil das von unten herreinwächst, das nehmen sie ja noch wahr, aber das umzusetzen ist die zweite frage, und daß sie dann die abgaben anders schichten müssen, das ist wohl ein problem praktischer art.«
Die unternehmer werden ihre abgaben keinesfalls anders schichten, denn wenn es nach Piffarettis antroposophen-kollegen Götz Werner geht, werden unternehmer dann gar keine steuern und abgaben mehr bezahlen, weil allein der konsum besteuert wird und es sonst keine sozialleistungen mehr geben soll.

Das ist eine sehr merkwürdige vorstellung von menschenfreundlichkeit.

Montag, 14. März 2016

Foto am montag (202)

Auf der wiese ziemlich gut getarnt, die fleißigen zeisige (carduelis spinus)

Samstag, 12. März 2016

Vom unsinn des »unproduktiven« finanzkapitals

Immer wieder muß ich lesen, daß das realkapital produziere, jedoch das finanzkapital hingegen unproduktiv und somit eigentlich unnütz sei.

Wenn man die falsche vorstellung hat, das ziel dieser wirtschaft sei, menschen mit nützlichen dingen zu versorgen, mag das plausibel erscheinen. Allerdings ist im kapitalismus der warenberg, der produziert wird, nur das abfallprodukt das auf dem weg zum gewinn produziert wird und das finanzkapital schießt das geld für diesen gewinn vor, um selbst daran zu verdienen.

Das finanzkapital versorgt die sogenannte realwirtschaft mit liquiden mitteln, wodurch dessen produktivität in gang gesetzt oder gehalten wird.

Das finanzkapital erwirtschaftet dadurch gewinne. Genau das ist es, wofür produktivität im kapitalismus benötigt wird. Und in diesem sinne war in den vergangenen jahrzehnten das finanzkapital die produktivste branche überhaupt.

Und wem das nicht schmeckt, dem sei angeraten, sich ernsthaft gedanken über das funktionieren des kapitalismus zu machen.

Freitag, 11. März 2016

Volksabstimmung in der Schweiz zum BGE (2)

Immer wieder erstaunlich ist es, wie sich die befürworter des BGE die gegner des BGE vorstellen. Und überhaupt. Leute wie mich gibt es gar nicht Denn »wer wollte denn schon gegen die absicherung gegen not und armut sein?« fragt Peter Kasser aus der Schweiz.

Danach woher das eigentlich kommt, daß selbst normalverdienende arbeitnehmer in reichen ländern wie der Schweiz oder Deutschland ständig von armut bedroht sind, wird lieber nicht gefragt.
»Das BGE lässt sich sowieso nicht finanzieren

Hier besteht seitens der Befürworter tatsächlich Handlungsbedarf, siehe dazu den Link "Finanzierung".«
Für mich ist das überhaupt kein argument, denn wenn der staat bestimmte maßnahmen für notwendig hält, dann finanziert er sie. Allerdings hat der staat keine interesse daran, die armut abzuschaffen. Staaten mit einer kapitalistischen wirtschaftsordnung haben eher interesse daran, armut nützlich zu machen, was ihnen zu weiten teilen auch gelingt.
»Dann arbeitet eh niemand mehr

Seltsamerweise sind es immer die "Anderen", die dann angeblich nicht mehr arbeiten wollen. Direkt befragt bestätigt aber jeder, dass er oder sie selbstverständlich normal weiter arbeiten würde, BGE hin oder her. Warum dann alle "Anderen" nicht mehr arbeiten sollten, wird nicht klar. Möglicherweise werden aber jene, die mit ihren jetzigen Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, tatsächlich eine Auszeit nehmen, um sich im Leben neu zu orientieren. Dies wird bestimmt nicht zum Schaden der Gesellschaft sein, sondern im Gegenteil darf davon ausgegangen werden, dass diese Leute neu gestärkt und motiviert aktiv am Gemeinschaftsleben teilnehmen werden, zum Wohle der ganzen Gesellschaft! Gleichzeitig wird so ein gesunder Druck zugunsten einer humanen, sinnvollen Arbeitsgestaltung erzeugt, der sich nur positiv für die Lebensqualität der Gemeinschaft auswirken kann.«
Nein. Bestätigt keineswegs jeder, daß er dann normal weiterarbeiten würde.

Ich nämlich würde nicht arbeiten, wenn ich auch so genug geld zum leben bekäme. Wer arbeit kennt und danach rennt und sich nicht drückt, der ist verrückt! Ich bin doch nicht bescheuert. Wieso sollte ich aktiv und motiviert am gemeinschaftsleben teilnehmen und mich womöglich kaputtmachen, wenn ich ausreichend geld hätte, von dem ich mir alles kaufen könnte, was ich will?

Arbeit macht das leben süß - doch faulheit stärkt die glieder! Weil ich süßkram ohnehin nicht besonders mag, würde ich lieber mit gestärkten gliedern durch die welt laufen. Das würde ich auch allen anderen empfehlen. Schließlich ist arbeit mühsal und das sollte man sich nur im notwendigen rahmen antun und wenn dank ausreichender geldmenge keine notwendigkeit besteht, läßt man es besser bleiben.
»Wer macht dann die schlecht bezahlte "schmutzige" Arbeit?

In der freien Marktwirtschaft entscheidet das Gesetz von Angebot und Nachfrage über die Lohngestaltung. Bleibt das Lohnangebot schlecht, wird sich kaum jemand um "schmutzige" Arbeit reissen, das Lohnangebot wird entsprechend verbessert werden müssen.«

Es gab eine zeit, da wurden in Deutschland beispielsweise müllwerker relativ gut bezahlt. Ein für arbeitgeber günstiger nebeneffekt der h4reform war, daß das heute nicht mehr so ist, weil es damit möglich ist, menschen zu arbeiten zu zwingen, die sie normalerweise zu diesen konditionen nicht machen würden.

Unter anderem aus diesem grund darf man sicher sein, daß es kein BGE geben wird, von dem man auch nur halbwegs vernünftig leben könnte.
»Wer ist überhaupt BGE-bezugsberechtigt?

Einige Befürworter verknüpfen die Bezugsberechtigung mit dem Wohnsitzrecht sowohl von Schweizern wie von Ausländern - hier besteht wohl ein detaillierter Erklärungsbedarf, was es mit diesem Wohnsitzrecht genau auf sich hat. Andere Befürworter verknüpfen das Bezugsrecht mit der Staatsbürgerschaft, so wie beim Stimm- und Wahlrecht.

Dann werden wir von Ausländern überschwemmt, die sich hier niederlassen und auch ein BGE beziehen wollen

Diesem Argument haben die Befürworter zur Zeit nicht viel entgegenzuhalten. Sie beschwichtigen auf drei Fronten:
1) Das ist doch wunderschön, wenn die Ausländer hierher kommen wollen, sie sind alle willkommen hier. - Das Argument tönt sehr hohl, denn irgendwann hat auch die reiche Schweiz zu wenig Geld, um beliebig vielen Ausländern ein BGE zu zahlen.
2) Das wird schon nicht passieren, wir müssen nur dafür sorgen, dass es den Ausländern in ihrem eigenen Land gut genug geht. - Auch das ein eher tönernes Argument, denn das Kaufkraft-Gefälle zum nahen und weiten Ausland wird auch bei einem relativ niedrigen BGE auf absehbare Zeit sehr hoch bleiben.
3) Die bestehenden Gesetze genügen vollauf, um die Einwanderung von unerwünschten Ausländern zu unterbinden. - Eine eher blauäugige Behauptung, denn diese Gesetze können problemlos unterlaufen werden, wenn im Gegenzug ein zusätzliches BGE winkt.
Ein Lösungsansatz wäre vielleicht, die Sozialleistungen für Ausländer vorerst unverändert auf dem jetzigen Stand beizubehalten und das BGE in einem ersten Schritt nur für die in der Schweiz wohnhaften Schweizerinnen und Schweizer einzuführen. Diskussionspartner seien aber gewarnt: jede kritische Frage zu diesem Thema etwa an BIEN-CH Vizepräsident Albert Jörimann wird postwendend mit persönlichen Beleidigungen der unflätigsten Art quittiert - wie der Schreibende am eigenen Leib erfahren musste!«
Das sind zwei punkte, die mir ehrlich gesagt herzlich egal sind, gleichgültig, ob man das auf die Schweiz, Deutschland oder irgendein anderes land bezieht.
»Was passiert, wenn ein Auslandschweizer in die Schweiz zurückkehrt und sich hier niederlässt?

Normalerweise kommt er per sofort in den Genuss des BGE, auch wenn er nie AHV-Beiträge bezahlt hat. Dabei ist jedoch eine Kompensation mit seinen ausländischen Rentenguthaben zu klären.«
Das ist aber komisch. Das BGE soll doch unabhängig von sonstigen einkommen gezahlt werden. Weshalb sollen dann ausgerechnet renten aus dem ausland angerechnet werden? Bescheuerter geht es wohl nicht.
»Was passiert mit jenen BGE-Bezugsberechtigten, die nach der Pensionierung in der Schweiz, aber noch vor Einführung des BGE, ins Ausland verreist sind, um sich dort niederzulassen, und dort jetzt ihre AHV beziehen? Erhalten sie anstelle der AHV neu das volle BGE im Ausland?

Das muss noch geklärt werden, vor allem bei gekürzten AHV-Renten. Eventuell wird in diesem Fall die jetzige AHV unverändert weiter geführt.

Und was passiert mit jenen BGE-Bezugsberechtigten, die sich nach der Pensionierung, und nach Einführung des BGE, im Ausland niederlassen?

Sie erhalten wohl das volle BGE, auch ohne Wohnsitz in der Schweiz.«
Wenn man sich in irgendeine armutsregion der welt absetzt, kann man von einem Europäischen BGE vielleicht leben, wer weiß?
»Wozu sollen auch die Reichen und Superreichen ein BGE erhalten, obschon sie dieses gar nicht brauchen?

Da kann man nur sagen: gleiches Recht für alle! Das BGE stellt ein (wirtschaftliches) Menschenrecht in einer reifen Gesellschaft dar, von diesem Recht darf niemand ausgeschlossen werden. Wenn die Gesellschaft der Ansicht ist, dass die "Reichen und Superreichen" sonstwie zur Kasse gebeten werden sollten, muss sie sich einen anderen Rechtsweg ausdenken.«
Seltsam, daß das, was für die reichen gelten soll, nicht auch für renten aus dem ausland gelten soll. Halt wie immer. Alle gleich und die reichen gleicher.
»Das BGE fördert den Müssiggang

Vergleiche dazu obigen Eintrag "Dann arbeitet eh niemand mehr".«
Das wäre durchaus ein argumet dafür. Allerdings wird das leider, leider nicht eintreten, siehe oben.
»Dann wird der Drogen- und Alkoholkonsum weiter zunehmen, wenn dafür gratis und bedingungslos Geld zur Verfügung steht

Geld war noch nie Auslöser für Drogen- oder Alkoholkonsum. Von daher stimmt es sicher nicht, dass dieser Konsum mit Einführung des BGE weiter zunehmen wird. Andererseits ist zu erwarten, dass die Beschaffungskriminalität wesentlich zurückgehen wird, wenn ein Basiseinkommen zur Verfügung steht. Im übrigen wird auch in Zukunft jeder Mensch für seine Lebensgestaltung die eigene Verantwortung tragen müssen.«
Es ist anzunehmen, daß weder der drogen- und alkoholkonsum zunehmen wird, noch die beschaffungskriminalität sinken wird - für eine anständige heroinsucht werden die drei kröten, die man als BGE erhält ohnehin nicht ausreichen.

Im übrigen bedeutet das BGE, daß es auch keine staatlichen hilfen mehr für schwerstabhängige geben wird. Es würde mit BGE wahrscheinlich nicht mehr drogenabhängige geben, jedoch würde es den süchtigen schlechter gehen, weil sie dann außer dem BGE keine unterstützung bekämen und dann auf die hilfe irgendwelcher betschwestern angewiesen wären, die ihnen dann zusätzlich zu ihrer krankheit auch noch moralische vorwürfe machen.
»Arbeit ist moralische Pflicht, dafür muss auch ein finanzieller Ansporn bestehen bleiben

Für all jene, denen (meist aus religiösen Gründen) Arbeit eine moralische Pflicht ist, wird es auch in Zukunft genügend Möglichkeiten geben, sich arbeitsam zu betätigen! Es soll aber niemand seine eigenen religiösen Moralvorstellungen anderen Menschen aufzwingen wollen!«
Das wäre glatt mal ein wort! Allerdings ist anzunehmen, daß mit dem BGE aus jener moralischen pflicht eine wirtschaftliche zwangslage wird, weil anzunehmen ist, daß das BGE nie so ausfallen wird, daß man davon ein auch nur halbwegs vernüntiges leben führen könnte.
»Frauen verlieren einen Grossteil ihres finanziellen Ansporns, sich in die Arbeitswelt zu integrieren und Karriere zu machen

Das BGE ersetzt nicht ein volles normales Lohneinkommen, am Ansporn selbst verändert sich somit gar nichts. Der Druck zugunsten der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Arbeitswelt dürfte dank dem BGE weiter zunehmen, denn "gleiches BGE" verlangt an sich schon "gleichen Lohn". Anteilmässig wird sich jedenfalls die Lohnanpassung ganz wesentlich zugunsten der Frauen verbessern, wenn das BGE als Lohnbestandteil in gleichem Umfang an Mann und Frau ausbezahlt wird.«
Hier wird mein verdacht bestätigt, daß das BGE kein gescheites lohneinkommen ersetzen soll. Wenn das der fall ist, wird damit die »gleichberechtigung« auf eine ziemlich ekelhafte weise durchgesetzt, nämlich daß der »gleiche lohn« keineswegs zugunsten der frauen sondern zu ungunsten der männer ausfallen wird, weil das BGE für ein angenehmes leben nicht reicht und dann jeder zusehen muß, wie er ein wenig dazuverdienen kann.
»Wie wird über die Höhe des BGE entschieden?
Darüber kann erst auf Grund einer intensiven Diskussion innerhalb der ganzen Gesellschaft entschieden werden. Das entscheidende Kriterium beim BGE ist die Absicherung eines menschenwürdigen Basiseinkommens, das die minimalen finanziellen Bedürfnisse eines jeden Menschen in dieser Gesellschaft abdeckt. Darin enthalten sind auch Ausgaben, die eine bescheidene Teilnahme am sozialen Leben ermöglichen (Kinobesuch, Essen auswärts, kleinere Ausflüge, u.ä.). Das BGE soll weder luxuriös noch notdürftig sein, sondern "anständig/bescheiden" in einem vernünftigen Rahmen.«
Beischeiden? Vernünftiger rahmen?

Das sind dehnbare begriffe. Entschieden wird nach kassenlage - und die sieht im zweifel immer mau aus.

Eines kann man mit sicherheit ausschließen: daß das eine verbesserung darstellt für menschen, die auf lohnarbeit angewiesen sind.

Donnerstag, 10. März 2016

Untergangsstimmung aus Rottenburg

Ein kurzer bericht über die »irren aus Rottenburg«. Haarsträubend, daß es menschen gibt, die diesen schwachsinn auch noch glauben.

Montag, 7. März 2016

Foto am montag (201)

Lachmöwen (chroicocephalus ridibundus)

Donnerstag, 3. März 2016

Piano Phase

Wie ich soeben aus Klaus Baums »Notizen aus der Unterwelt« erfahren habe, kam es am Sonntag in der Philharmonie in Köln zu einem eklat. Wegen dieses stückes von Steve Reich aus dem jahre 1967, das dem publikum »zu radikal« gewesen sei (in Köln sollte es auf dem cembalo gespielt werden, in diesem beispiel auf dem marimba):



Ich bin kein allzu großer fan von minimalmusic. Aber so »radikal«, daß es einem die zornesröte ins gesicht treiben müßte, ist das nun ehrlich nicht. Ganz im gegenteil, ich würde eher mit geschlossenen augen im konzertsaal sitzen und mir zu der musik passende bilder vorstellen - allerdings ist es nicht völlig auszuschließen, daß ich dabei, wenn die konzertsaalsitze sehr bequem wären, ganz friedlich schlafen würde.

Zuvor sei der aus dem Iran stammende cembalist Mahan Esfahani angebrüllt worden, er solle gefälligst Deutsch sprechen, als er auf Englisch eine einführung in das werk gab.

Es wird mir ein ewiges rätsel bleiben, weshalb menschen viel geld für konzertkarten ausgeben, wenn sie keinen blassen dunst haben, was sie erwarten wird. Erlebe ich in Berlin immer wieder, daß leute fein herausgeputzt ins konzerthaus gehen, teure karten ganz vorn gekauft haben und dann nicht einmal den ersten satz des konzerts durchhalten, geschweige denn bis zur pause.

An jenem abend wurden auch stücke von J.S. Bach gespielt, für mich ist es nachvollziebar, weshalb ausgerechnet der zusammen mit werken der Neuen Musik aufgeführt wurden. Allerdings hätten die veranstalter des konzerts sich vielleicht ärger erspart, wenn sie dazu geschrieben hätten, daß es sich nicht um ein barock-konzert handelt.

Daß der Bach zur kultur gehört, hat sich nach ein paar jahrhunderten rumgeschwiegen. Mit der »Neuen Musik« haben viele leute probleme. Meist kennen sie nicht einmal den begriff.

Montag, 29. Februar 2016

Foto am montag (200)

Meine badezimmerspinne Kunigunde. Auf diesem bild paßt sie gerade auf ihren frischgeschlüpften nachwuchs auf.


Soweit ich weiß, ist sie eine zitterspinne (pholcidae). Sie ist so etwas wie ein »guter hausgeist«. Sie hält mir die silberfischchen und andere übeltäter vom leib.

Freitag, 26. Februar 2016

Volksabstimmung in der Schweiz zum BGE (1)

Wie in jedem jahr wird auch in diesem wieder über das »bedingungslose grundeinkommen« diskutiert. Diesmal nicht völlig grundlos, denn in der Schweiz wird am 5. juni darüber abgestimmt, ob jeder bürger ein BGE erhalten soll. Im gespräch ist ein betrag von 2.500 Schweizer Franken (das entspricht derzeit rund 2270 €).

Das hört sich erstmal nach einem großzügigen angebot an. Ist es aber nicht, denn festgelegt ist dieser betrag in dem gesetzestext, über den abgestimmt werden soll, nicht. Außerdem sind die lebenshaltungkosten in der Schweiz höher als in Deutschland. Hinzu kommt, daß das BGE durch die erhöhung der mehrwertsteuer auf 50 % finanziert werden soll.

Das bedeutet einen extremen kaufkraftverlust, denn derzeit gelten in der Schweiz beneidenswert niedrige mehrwertsteuersätze, der normalsatz liegt derzeit bei 8 % und der ermäßigte satz für lebensmittel, medikamente und druckerzeugnisse bei nur 2,5 %. Wenn ein Schweizer derzeit für seinen wochenendeinkauf 100 SF zahlt, würde er nach dieser »sozialen großtat« 148,75 SF zu berappen haben. Diese preissteigerung würden vor allem die ärmeren leute zu spüren bekommen, denen man, ach, so sehr helfen möchte.

Man kann es gar nicht oft genug sagen: die mehrwertsteuer ist eine steuer, die allein von den endverbrauchern bezahlt wird. Wenn die mehrwertsteuer alle anderen steuern ersetzen soll, können unternehmen ihrer geldvermehrung völlig steuerfrei nachgehen.

Leider kommen die kommentatoren in der bürgerlichen presse zum thema BGE auf völlig bescheuerte argumente. So beispielsweise Nikolaus Pieper ende januar in der SZ:
»Aber es wäre grotesk zu glauben, dass die Grundlagen einer Gesellschaft nicht Schaden nehmen würde, wenn ein wesentlicher Teil des Einkommen nichts mehr mit der individuellen Leistung zu tun hätte, ob nun in Namibia oder in Deutschland.«
Jeder mensch, der halbwegs bei trost ist, weiß doch, daß das einkommen so gut wie gar nichts mit der individuellen leistung zu tun hat.

Ein manager bei VW bekommt nicht tausend mal so viel wie ein leiharbeiter bei VW, weil er tausend mal so viele autos in der stunde herstellen könnte oder tausend mal so lang pro tag arbeiten würde und am schluß tausend mal so kaputt wie ein arbeiter wäre. Der bekommt sein geld dafür, daß er die (leih)arbeiter produktiv macht. Das hat auch wenig mit »höherer verantwortung« zu tun. Wenn er seinen job nicht gut macht, sind es als erstes andere, die zur verantwortung gezogen werden, indem sie entlassen werden und ihre lebensgrundlage verlieren.
»Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Abschaffung des deutschen Sozialstaats bedeuten. Eine sehr grobe Rechnung macht dies deutlich. Um überhaupt seine Funktion zu erfüllen, dürfte ein Grundeinkommen nicht zu niedrig ausfallen. Bei einer Summe von 1000 € im Monat - einem Betrag, der in Diskussionen häufig genannt wird - würde das Ganze in Deutschland knapp eine Billion Euro kosten, das wäre mehr als Bund und Länder heute an Steuern einnehmen (800 Milliarden Euro). Die öffentlichen Haushalte müssten, um das Mindeste zu sagen, auf völlig neue Grundlage gestellt, die gesetzliche Rentenversicherung wäre schrittweise abzuschaffen. Und was ist mit Bedürftigen, die mehr brauchen als die 1000 Euro? An wen sollen sie sich wenden? Es gibt ja keine Bedarfsprüfung mehr.«


Immerhin wird danach gefragt, was mit bedürftigen ist, für die 1000 € nicht ausreichen. Der frage, wo denn eigentlich der fortschritt ist, wenn die menschen nicht aus ihrer prekären lage befreit werden, ihr leben nach der kassenlage einzurichten, wird nicht nachgegangen. Es sind beileibe nicht bloß h4empfänger oder leute mit überdurchschnittlichem anspruchsdenken, die probleme haben, ihren lebensunterhalt zu finanzieren. Es sind völlig durchschnittliche leute, die ohne groß unsinn zu machen in geldnot geraten. In unserem wirtschaftssystem wird leider nicht für die versorgung der menschen mit nützlichen dingen gearbeitet und gewirtschaftet, allein der profit zählt. Und da muß man sich nicht wundern, wenn es vielen menschen alles andere als wirklich gut geht.

Statt dieser frage lieber die heuchelei, daß man flüchtlinge, wenn man sie zur abwechslung mal nicht drangsalieren würde, keinesfalls integrieren könnte.
»Und noch eine, heutzutage nicht ganz unwichtige Frage: Wie soll die Integration von einer Million Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt gelingen, wenn jeder anerkannte Asylbewerber - und das wäre im neuen System zwingend - monatlich 1000 Euro bekäme, egal was er tut?«
Nirgendwo steht geschrieben, daß irgendjemand, der nicht staatsbürger ist, dieses BGE bekommen soll. Selbst bürger der EU, die rein theoretisch freizügigkeit innerhalb der EU genießen, können nicht einfach herkommen und hier leben, wenn ihnen danach ist. Wer die »wohltaten« des h4systems in anspruch nehmen will, muß schon was dafür getan haben.
»Es gibt viel, was für eine gleichmäßigere Verteilung von Einkommen und Vermögen zu tun wäre: Schulen besser ausstatten, Vermögensbildung der Arbeitnehmer fördern und anderes.«
Schulen besser auszustatten hilft leider gar nichts gegen ungleiche vermögensverteilung - oder gibt vielleicht Susanne Klatten einen teil ihres vermögens an arme, aber extrem kluge und gebildete menschen ab? Eher nicht. Die spendet hauptsächlich für CDU und FDP. Es ist unwahrscheinlich, daß man in diesen parteien die größten denker der menschheit findet.

Vermögensbildung der arbeitnehmer könnte meine augen zum leuchten bringen, wenn es dann so gemeint wäre, wie ich es denke.

Ist es aber nicht.

[Mit dem thema bin ich noch lange nicht fertig, mit dem artikel für heute schon. Hab’ noch ein paar nettigkeiten am wegesrand eingesammelt, die so schön sind, daß ich speien möchte. Darüber evtl. später mehr]

Montag, 22. Februar 2016

Foto am Montag (199)

Ein frecher Ami: waschbär (procyon lotor)

Sonntag, 21. Februar 2016

Wir Kellerkinder

Ein filmchen für den sonntagabend. Mit Wolfgang Neuss. Ich will gar nicht viele worte drum machen. Einfach (mal wieder) angucken.

Donnerstag, 18. Februar 2016

Sonneborn rettet die EU: krieg mit Polen


Ausgerechnet der Pole sagt, daß Deutschland aggressiver werden muß. Sofern die AfD die wahl gewinnen sollte wird er dann schon sehen, was er davon hat, wenn die ostelbischen junker sich »ihr« land zurückholen wollen.

Mittwoch, 17. Februar 2016

DiEM 25

Nach allem, was ich gehört hatte, dachte ich, daß Yanis Varoufakis einer der wenigen menschen in der politik ist, die für eine sache stehen. Er hat nicht an seinem posten geklebt und trat eher zurück als sich zwingen zu lassen, etwas zu tun, das er für falsch hielt.

Aus diesem grund war ich sehr neugierig auf »Democracy in Europe Movemt 2025« (DiEM 25). Varoufakis sagt, daß der kapitalimus die demokratie fressen wird, solange niemand die meinung sagt. [Mal am rande bemerkt: es ist schon interessant, daß die das video auf der verlinkten seite mit untertiteln in 10 sprachen anbieten, darunter sogar Persisch. Für die knapp 9 millionen Österreicher und die paar hanseln die in Schland leben war es offenbar zu viel aufwand, auch noch Deutsche untertitel anzufertigen].

Ich fürchte, daß das alles keine übermäßig gute idee ist. Mit diesem text wird Varoufakis’ idee angepriesen:

»Have you wondered why politicians aren't what they used to be, why governments seem unable to solve real problems? Economist Yanis Varoufakis, the former Minister of Finance for Greece, says that it's because you can be in politics today but not be in power — because real power now belongs to those who control the economy. He believes that the mega-rich and corporations are cannibalizing the political sphere, causing financial crisis. In this talk, hear his dream for a world in which capital and labor no longer struggle against each other, "one that is simultaneously libertarian, Marxist and Keynesian."«

Für die freunde der Deutschen sprache, die nicht viel freude daran haben, Englisch zu lesen, eine sinngemäße übersetzung: »Haben Sie sich schon mal gefragt, warum politiker, nicht mehr sind, was sie einmal waren und warum sie anscheinend nicht in der lage sind probleme zu lösen? Der ökonom und frühere finanzminister Griechenlands, Yanis Varoufakis, sagt, daß man in der politik aber trotzdem machtlos sein kann, weil die tatsächliche macht von denen ausgeht, die die wirtschaft beherrschen. Er glaubt, daß die megareichen und konzerne die finanzkrise ausgelöst haben, um den politischen bereich auszubluten. In diesem gespräch hören Sie von seinem traum von einer welt, in welchem kapital und arbeit nicht mehr gegeneinander kämpfen, "eine, die gleichzeitig libertär, marxistisch und keynesianisch ist"«

Für mich hört sich das schon fast nach gauckscher verwirrung an. Zitat Bundesprediger: »Daher gilt: Ich bin ein linker, liberaler Konservativer.« Das geht zwar überhaupt nicht, aber wer soll sich daran stören? Yanis Varoufakis bestimmt nicht.

Zum text. In einem punkt hat herr Varoufakis recht: die macht geht von den eigentümern der konzerne aus (wer sonst sind die megareichen?). Ansonsten sehe ich da nichts gehaltvolles: politiker waren noch nie, was man sich von ihnen erhofft. Sie lösen sehr wohl probleme. Nämlich die der wirtschaftlich relevanten und daran wird sich auch nichts ändern so lange es den klassengegensatz gibt. Und der läßt sich innerhalb des kapitalismus nicht auflösen.

Man kann nicht gleichzeitig für libertarismus, Keynes und Marx sein. Das sind drei welten, die einander weitgehend ausschließen. Libertarismus und keynesianismus haben gemeinsam, daß sie den kapitalismus und die klassengesellschaft retten wollen, allerdings auf unterschiedlichen wegen. Der marxismus hat die klassenlose gesellschaft und die abschaffung des kapitalismus als ziel. Aber offensichtlich ist es nicht einmal mehr möglich, daran auch nur zu denken.

Stattdessen lieber »ein bißchen hiervon - ein bißchen davon«. Das funktioniert so nicht. Man muß sich schon entscheiden, ob man den kapitalismus retten oder ihn in die tonne treten will.

Der ehemalige chefökonom von Syriza, Gianis Milios, bezeichnete Varoufakis als »libralen clown«. Ein clown ist eine tragische figur. Es ist ein trauerspiel.

Das, was »links« zu sein gedenkt, bietet auch an dieser stelle nicht einmal den gedanken an etwas anderes. Oder auch nur den traum eines gedankens an etwas anderes.

Irgendwie mußte ich an den chanson »l’opportuniste« von Jacques Dutronc denken. Wenn es auch sonst nichts gibt.

Musik!





»Je suis pour le communisme,
je suis pour le socialisme
et pour le capitalisme«

(»Ich bin für kommunismus, ich bin für sozialismus, ich bin für kapitalismus.«)

Hmmm.

Montag, 15. Februar 2016

Foto am Montag (198)

Gartenbaumläufer (certhia brachydactyla)

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ganz Berlin ein mahnmal (2)

In den letzten tagen habe ich mir etwas zeit genommen, fotos anzuschauen. Fand noch etwas zum thema »mahnmal für die opfer des kapitalismus«.
Eine der zahlreichen fabrikhallen von Borsig. Die ist noch im »originalzustand«. Das meiste ist inzwischen umgebaut oder abgerissen. Dabei wäre es doch wichtig, derartige industriedenkmäler wenigstens zum teil zu erhalten.
Das gelände ist derart riesig, daß es einem schwiemelig wird. Es wird daran erinnert, daß dort lokomotiven gebaut wurden. An die armen schweine, die sie zu bauen hatten nicht.

Eine würdige inschrift für eine gedenktafel wäre doch eine aus der Berliner Arbeiterbewegung:
»Wer nie bei Siemens-Schuckert war,
bei AEG und Borsig,
der kennt des Lebens Elend nicht,
der hat es erst noch vor sich.«

Dienstag, 9. Februar 2016

Autsch!

Der AfD ist die maus ausgesrutscht. Sagt Beatrix von Storch. Auf männer, frauen, kinder darf man an der grenze, wenn, dann nur ein ganz bißchen schießen. Womit denn? Vielleicht mit sektkorken, damit man denen gleich unsere kultur ein wenig näher bringen kann?

Wenn ich einmal was böses schreiben sollte, was ich ohnehin nie tue, weiß ich auf jeden fall, wer schuld ist. Die da nämlich:

Wenn ich nicht am computer bin, hüpfen die immer lustig kichernd auf der tastatur rum, schreiben krude texte, die mir vermutlich nie eingefallen wären.

Schuld sind immer die anderen. Oder die technik.

[Anmerkung: meine inzwischen ein halbes jahrzwölft alte technik läuft wieder wie der geölte blitz. Nach diesem umsturz brauchte ich ein paar tage pause. Bald geht es hier in gewohnter weise weiter.]

Montag, 8. Februar 2016

Foto am montag (197)

Heute beginnt das Chinesische jahr des affen.

Frohes, neues jahr!

Montag, 1. Februar 2016

Foto am montag (196)

Der »El Capitan« im Yosemite-Nationalpark


Das war natürlich sehr spannend. Auch wenn El Capitan durch abwesenheit glänzte und es in wirklichkeit auch gar nicht Yosemite war.

Nachtrag: Heute ist nicht nur the password-change-day sondern auch the betriebssystem-change-day. Es ist vollbracht.