Dienstag, 15. Januar 2013

Im leseland DDR waren bücher mangelware

Im eisernen kampf gegen den realsozialismus hat das zeitzeugenblog des spiegels einestages vor einiger zeit bilder und text eines herrn Wittenburg veröffentlicht. Seine lieblingsbeschäftigung scheint es gewesen zu sein, idealer weise leere schaufenster in der DDR zu fotographieren - und wo die schaufenster dann einfach nicht leer sein wollten, war es offenbar auch nicht recht. Dann gab es zu viel. Und zwar vom falschen: zu viel wurst, zu viel bier, zu viel schnaps, zu viel gemüse in gläsern und äpfel vom vorjahr. Und an literatur natürlich nur die dröge politische, nichts als Marx, Engels, Lenin und natürlich die geschichte der SED.
Zitat: Das "Leseland DDR" war für bildungshungrige Leser ein sehr armes Land. Die wenigen Verlage - mit Ausnahme der SED-Eigenen, die systemkonforme politische Schriften verlegten - litten nicht nur unter der Zensur, sondern auch einem knapp bemessenen Papierkontingent. Bis ein zeitgemäßer Roman erscheinen durfte, vergingen in der Regel drei Jahre. Der Import von Druckerzeugnissen aus dem Westen war verboten. Viele Bücher wurden unter dem Ladentisch gehandelt. In den Bibliotheken gab es "Giftschränke" für verbotene Schriften. Ein Glück war es, dass man sich unter Freunden Bücher und Zeitschriften gegenseitig ausleihen konnte.
Eigentlich nicht uninteressant, sich durch die bilderserie durchzuklicken, wenn nur die teilweise dämlichen bildunterschriften nicht wären.

Weil die DDR für »bildungshungrige leser« ein »armes land« war, waren bücher ein beliebtes mitbringsel Westdeutscher DDRbesucher. Westdeutsche schüler und studenten kauften in der DDR gern naturwissenschaftliche fachliteratur und natürlich auch klassiker. In der DDR war das bezahlbar.

P1130431
Eine auswahl bücher, die in der DDR selbstverstänlich wegen des knapp bemessenen papierkontingents nie gedruckt worden wären - und schon gar nicht wessiautoren wie Peter Rühmkorf.

Wie begegnete man denn in der BRD der papierknappheit, die es dort genau so gab? Das papier wurde teurer und somit die bücher für viele leute unbezahlbar. Lesenswerte texte, die aber schlecht vermarktbar sein würden, blieben ungedruckt, während all das schöne papier mit gut verkaufbarem - und sei es schund, bedruckt wurde. Wie bei allen anderen dingen auch regelte (und regelt bis heute) das geld, was gedruckt wird und was nicht. Was in der DDR »zensur« hieß, nennt man im westen gemeinhin »lektorat«. Interessant am literaturbetrieb der DDR ist, daß ein schriftsteller, dessen werk nicht gedruckt wurde, sei es aus politischen gründen oder tatsächlich aus materialknappheit, deshalb nicht in wirtschaftliche not geriet, weil er dann ein ausfallhonorar bekam.

Im buchladen zu stehen und nicht das zu bekommen, was man gern hätte, war keinesfalls ein »privileg« des DDRbürgers. Daß bücher vergriffen sind, nicht neu aufgelegt werden und man an die texte, die von interesse sind, einfach nicht rankommt, kommt bis heute vor. Ohne staatlichen »giftschrank«.

Kommentare:

  1. Meine liebe Mechthild,
    Was manche Wessies für Müll plappern, was kann man vom Spiegel anders erwarten als DDR feindliche Hetze, auch nachdem es die DDR nicht mehr gibt! Die DDR war wirklich Leseland und Bildungsstaat. Bücher waren nicht „Mangelware“, nur manche begehrte Titel waren „Bückware“ und einige waren nur erhältlich auf den Stand von Buchexport Leipzig auf der Leipziger Messe und Frankfurter Büchermesse oder andere im Ausland. Der Grund war: harte Devisen. Diese Bücher waren zum Teil, aber nicht nur, sogenanntes „neutralen“ oder „bürgerlichen“ Inhalts. Ich bewahre eine sehr angenehme Erinnerung daran daß ich tagtäglich in der Buchhandlung („Ulrich von Hutten“ in Frankfurt (Oder) war und fast eben sooft in der Bezirksbibliothek. Interessant für Bücherfreunde war auch das moderne Antiquariat. Manche Bücher die damals von enigen begehrt waren haben schon längst ihren Reiz verloren.
    Sehr liebe Grüße aus dem schneebedeckten Flandern,
    Deine Nadja

    AntwortenLöschen
  2. "Und an literatur natürlich nur die dröge politische, nichts als Marx, Engels, Lenin und natürlich die geschichte der SED."

    Spätestens nach diesem Artikel kann ich dem Blog nur das Prädikat "Nicht lesenswert" geben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kannst Du meinethalben gern tun. Wie das mit dem genannten zitat in verbindung steht, muß ich wohl nicht verstehen.

      Löschen
    2. Tut mir leid, ich habe an diesem Tag wohl zuviel gelesen und habe den Spiegel, diesen komischen Herren und dich in einen Topf geworfen...Meine Reaktion war wohl etwas zu spontan *g* da auch ich, dieses Leseland DDR ganz anders in Erinnerung habe und mich an diesem Tag noch etliche andere Seiten zu diesem Thema genervt hatten.

      Grüße aus Krefeld

      Löschen

anmerkungen willkommen, mißbrauch strafbar.