Samstag, 6. Oktober 2012

Wegen guter wirtschaftlicher lage: Kein geld für altersrente

Vorhin fand ich auf tagesschau.de ein kurzinterview mit Jochen Hansen vom Institut für Demoskopie Allensbach zum thema altersvorsorge.

Damit ich nicht vergesse, was man im öffentlich rechtlichen fernsehen geboten bekommt, wenn der link in einigen wochen verschwunden sein wird, habe ich den text mitgeschrieben, man kommt aus dem staunen kaum raus (es folgt o-ton tagesschau):

tagesschau: Die ausgaben für die private alterversicherung sind also auf dem niedrigsten stand seit 2005. Warum will niemand mehr investieren?

Jochen Hansen: Im moment ist das gefühl relativ stark verbreitet, obwohl noch immer fast die hälfte anders denkt, wir haben genug getan und das ist sicherlich auch eine folge der relativ guten wirtschaftlichen lage.

tagesschau: Auf der anderen seite machen sich die menschen aber sorgen, wie sie im alter über die runden kommen sollen. Andererseits investieren sie nicht genug. Wie ist dieser widerspruch zu erklären?

Jochen Hansen: Sie kommen immer in den konflikt, mehreres zugleich zu wollen. Und altersvorsorge ist für viele doch etwas, was noch ziemlich weit von ihnen entfernt liegt, so daß die anderen ausgaben eigentlich einen höheren stellenwert haben, sieh es man auf die beruflichen investitionen, sehe man auf die im bereich des tourismus oder eben im bereich des häuslichen und altersvorsorge ist für sehr viele wirtschafts… ähem… gesellschaftliche kreise doch etwas, was dann nicht so dringlich ist und von daher gibt es einen gewissen widerspruch auch, den man aber aushält, weil er nicht innerhalb der nächsten ein, zwei jahren schon einzulösen ist.

tagesschau: Welche rolle spielt denn die schuldenkriese im euroraum in bezug jetzt auf die entwicklung was die altersvorsoge angeht?

Jochen Hansen: Insgesamt ist man schon sehr besorgt, also mehr als die hälfte, die hier wirklich deutliche auch auswirkungen sieht, aber vor allem denkt man, also, es könnte eine gefahr sein, daß nicht mehr genügend staatliches geld für die rentenversicherung da ist, so daß die renten gekürzt werden müßten. Im verhalten allerdings hält sich das, wenn man so will kündigungsverhalten sehr in grenzen, das heißt die meisten reagieren eher gelassen und warten ab.

tagesschau: Wenn vorgesorgt wird, in was vertrauen die Deutschen am meisten?

Jochen Hansen: Im moment sind die immobilien in sehr hohem grade praktisch gewünscht. Aber natürlich vertraut man auch nach wie vor in die gesetzliche rentenversicherung. Und dann in elemente wie gold innerhalb der letzten jahre zunehmend, aber sehr vieles bleibt eigenlich im gleichen rahmen, wie über jahrzehnte fast… wahrscheinlich… ahem… immer für richtig gehalten wurde.
Insgesamt kein wort davon, daß es sich hierbei um eine umfrage im auftrag der Postbank handelt, bei der herauskam, daß nur 16 % der befragten berufstätigen die »Riesterrente« für sicher halten, die staatliche schneidet immerhin mit 48 % ab.

Mit dieser information läßt sich die erste antwort einigermaßen interpretieren - die frage allerdings bleibt genau so dämlich im raum stehen, wie sie von anfang an war: altersvorsorge als »investition« ist eine wette auf das eigene leben - und wenn man jetzt schon nichts zum verknuspern hat, dann sieht es für das alter mau aus.

Dies mit der »relativ guten wirtschaftlichen lage« zu begründen ist finster. An der selben »relativ guten wirtschaftlichen lage« liegt es nämlich zufälliger weise, daß immer mehr menschen von ihrer arbeit nicht leben können, nebenher sozialleistungen beantragen müssen oder einem zweit- und drittjob nachgeben. Aber vermutlich liegt es an der »relativ guten wirtschaftlichen lage«, daß es diesen zweit- und drittjob überhaupt gibt.

Zum glück muß man vom öffentlich-rechtlichen fernsehen keine nachbohrenden fragen erwarten, stattdessen wird zwar immerhin erkannt, daß da ein widerspruch im raum steht, worin jedoch der widerspruch besteht, wird selbstverständlich nicht angesprochen.

Der widerspruch der hier im raum steht, ist der, daß lohnabhängige menschen, die den gesamten reichtum erarbeiten, den es in der welt gibt, kaum genug zum leben abkriegen, darauf ist das meinungsforschungsinstitut in all den jahren der meinungsforscherei nie gekommen. Ist es möglich, daß die einfach die falschen fragen stellen?

Da wundert es einen nicht, daß die herausgefunden haben wollen, daß die jungen leute ihr geld lieber verjuxen als es fürs altenasyl aufzusparen. Fällt es denn in den bereich »touristik«, wenn man gezwungen wird, täglich 200 km zur arbeit zu fahren - oder ist das »berufliche investition«?

Muß es einen wundern, daß die leute, die noch geld haben, lieber ein haus haben möchten, als es windigen versicherungsvertretern für ihre sexreisen hinterherzuwerfen?

Die erklärung, weshalb der guten wirtschaftlichen lage wegen das geld für die altersrente fehlt, blieb der herr vom Allensbach Institut leider schuldig.

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