Donnerstag, 15. September 2016

Dreizehn ganz toll radikale forderungen - teil 2

Fortsetzung. Das folgende klingt irgendwie ein bißchen wie schonmal gehört: nicht mehr arbeit soll besteuert werden sondern der verbrauch, In diesem fall der verbrauch von rohstoffen. Und weil sinniger weise für alle konsumartikel, die man bekommen kann irgendwie rohstoffe verbraucht werden, läuft es auf eine schöne konsumsteuer hinaus, die jeder, der irgendwas braucht zu blechen hat:
»4. Umbau des Steuersystems weg vom Arbeitseinkommen hin zum Rohstoffverbrauch, vor allem um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern - Flüge oder Heizen würden teurer«
Wie groß der eigene ökologische fußabdruck ist kann man bei »Brot für die Welt« beim »fußabdrucktest« erfahren. Es macht spaß, mit dem ding ein wenig rumzuspielen, denn dieser fußabdruckrechner gibt der welt nicht nur rätsel auf, er ist sogar für den einen oder anderen lacher gut:

In puncto ernährung habe ich mal dreist behauptet ein bio-engelchen zu sein und mich obendrein völlig vegan zu ernähren.

Das ergebnis war folgendes:
»Fleisch- und Wurstverzehr
Super, Du isst kein Fleisch! Das ist gut für die Umwelt und Deinen ökologischen Fußabdruck. Vielleicht können
andere von Deinen Erfahrungen profitieren und Du kannst ihnen vegetarischen Genuss schmackhaft machen?
Tierische Produkte
Respekt: Du kommst ganz ohne tierische Produkte aus. Vielleicht kannst Du helfen anderen ihre
Berührungsängste vor veganer Ernährung zu nehmen.
Fischverzehr
Du isst kein Fisch. Gut! Da freut sich der Fisch und Dein Fußabdruck.
Bio Lebensmittel
Dein Einkaufskorb ist komplett bio. Super! Weiter geht´s: Kaufen Deine Schule, Dein Arbeitgeber, Deine
Gemeinde oder Deine Kommune auch schon bio und fair ein?
Regional und saisonal
Du isst regional und saisonal. Das braucht eine Menge Wissen. Organisiere doch einen saisonalen Kochkurs und
gib etwas davon weiter!
Lebensmittelverschwendung
Wenn Lebensmittel wirklich verdorben sind, muss man sie wegschmeißen. Achte jedoch darauf, dass sich solche
Fälle nicht häufen! Fordere auch den Lebensmittelhandel auf, Verschwendung zu vermeiden!«
Super, komplett bio und vegan! Hat der arme Justus Liebig eigentlich seine stunden völlig umsonst im labor vertrödelt, als er vor 170 jahren an der erfindung des kunstdüngers arbeitete, um damit höhere erträge zu erzielen? Und kann mir mal irgendjemand erklären, wie so ein wunderbar veganer bio-hofkreislauf eigentlich funktioniert? Falls mir jemand das plausibel erklären kann, könnte ich evtl. über eine ernährungsumstellung nachdenken.

Wenn ich ungefähr das eingebe, was meinen tatsächlichen gewohnheiten entspricht, kommt folgendes dabei raus:
Fleisch- und Wurstverzehr
Dein Fleischverzehr liegt leicht unterm Durchschnitt, aber trägt schon zu einem hohen Fußabdruck bei. Du kannst versuchen, einen weiteren Tag in der Woche Fleisch oder Wurst durch neue pflanzliche Alternativen zu ersetzen.
Tierische Produkte
Es gibt zu jedem tierischen Produkt gesunde Alternativen: Experimentiere mit Tomaten, Pilzen, Möhren, Gurken, Zwiebeln, Erbsen, Nüssen, Avocado & Co! So wird Dein Speiseplan interessanter und Dein Fußabdruck kleiner.
Fischverzehr
Wenn Du Fisch kaufst, kannst Du auf das MSC-Siegel achten. Außerdem gibt es Fischführer, die erklären welche Fische unbedenklich sind. Karpfen und Forelle sind meist okay.
Bio Lebensmittel
Öko-Landwirtschaft schont Tiere, Gewässer, Boden und Klima. Durch die Wahl von Bio-Produkten kannst Du dazu beitragen. Überlege bei welchen Produkten Dir Bio-Qualität wichtig ist (tierische Produkte?)!
Regional und saisonal
Im Sommer kannst Du Dich leicht mit heimischen Obst und Gemüse versorgen. Wie wäre es für die anderen Jahreszeiten mal mit einem saisonalen Kochkurs?
Lebensmittelverschwendung
Verschwenden beenden: Verbessere Deine Einkaufsplanung! Schaue regelmäßig in Kühlschrank und Vorratsschrank nach, welche Lebensmittel aufgebraucht werden müssen! Verwende Reste für neue Gerichte!
Meine reste bewahre ich stets für’s jüngste gericht auf! Und dafür muß ich gar nicht erst in den kühlschrank gucken!

Etwas schmunzeln mußte ich dann aber doch darüber, daß ich einen kochkurs besuchen soll, weil ich nicht ausschließlich regional-saisonal einkaufe - zitronen zum beispiel wachsen nun leider nicht gut in Brandenburger obstgärten, allerdings sind die so ziemlich das einzige, bei dem ich tatsächlich auf bioqualität achte, sonst ist die schale gewachst und nicht zu gebrauchen. Und weil ich zu viel tierische produkte fresse, emfehlen sie mir ausgerechnet avokados. Wo kommen die dinger her, vielleicht aus Brandenburg? Nö, Amerika. Das macht aber nichts, ist ja gleich um die ecke.

Wenn man tatsächlich für die gesamte weltbevölkerung zurück zu einer öko-landwirtschaft wollte, müßte man wegen der geringeren erträge die landwirtschaftlich genutzte fläche wesentlich vergrößern und man müßte den nutzviehbestand ca. verfünf- bis versechsfachen, um ausreichend dünger zu bekommen. Das geht mit der veganen ideologie selbstverständlich bestens zusammen.

Das mit dem »ökologischen fußabdruck« zeugt ohnehin von einem fragwürdigen menschenbild. Da wird der mensch an sich schon als schädling betrachtet, der die welt allein schon durch seine fresserei kaputtmachen würde. Und das wird dann mit den flugmeilen gleichgesetzt, die einer auf dem weg zum shoppen nach Honkong machen muß, weil es in Berlin ja nichts zum anziehen gibt.

Wenn flüge oder heizen teurer werden, dann müßte ein besonders schlauer jetzt, wo es noch billig ist, extra viel fliegen, damit er sich dank erdwährmung das heizen dann später sparen kann. Lohnt sich mit sicherheit total.

»5. Massive Erhöhung der Erbschaftssteuer, um Ungleichheit zu reduzieren und die Staatseinnahmen zu erhöhen.«
Klar, man könnte einfach die erbschaftssteuer auf produktionsmittel ab einer bestimmten größe auf 100 %, um sie so zu vergesellschaften. Dann würde man den firmenerben auch die ewige steuertrickserei ersparen. Aber so haben das die figuren vom Club of Rome ganz bestimmt nicht gemeint.

»6. Mehr Urlaubstage für Arbeitnehmer, um mehr Freizeit zu schaffen und die vorhandene Arbeit besser zu verteilen«
Arbeitszeitverkürzung wird seit menschengedenken von den gewerkschaften gefordert. Mit dem erfolg, daß der gesetzliche mindesturlaub nie auf 30 tage erhöht wurde und in einigen branchen wieder 42,5 stunden gearbeitet wird. Anstatt der geforderten 35 stunden. Die arbeitgeber wollen für ihr geld eben möglichst viel haben und das steht im widerspruch zu einem guten leben mit viel freizeit.

Die idee, die arbeit besser zu verteilen ist auch nicht gerade eine brandneu. So lange die produktionsmittelinhaber nicht die leute sind, die die arbeit verrichten, werden die arbeitsbedingungen immer beschissen bleiben. Die besitzlosen menschen werden in diesem system in die lage gezwungen, zu den bedingungen arbeiten zu müssen, die ihnen von den besitzenden aufgedrückt werden.

Aber dafür hat der Club of Rome selbstverständlich auch ein patendrezept und darum wird es in teil 3 gehen.

Mittwoch, 14. September 2016

Dreizehn ganz toll radikale forderungen - teil 1

Der Club of Rome mal wieder. Der hat es 44 jahre nach »Die Grenzen des Wachstums« geschafft, den gleichen mist noch einmal in buchform binden zu lassen. Daran, daß aus den sinnigen ideen von anno dazumal nichts geworden ist, sei halt die gehirnwäsche des neoliberalismus schuld und natürlich nicht der kapitalismus, der an sich für alle nach rosenblüten duften könnte, wenn der dann mal nicht so wäre, wie er eben ist.

Die wollen mal wieder einen systemwechsel ohne systemwechsel, hat schließlich beim letzten mal auch ganz toll geklappt. Und weil schon 1972 der wachstumslose kapitalismus ein grandioser geistesblitz war, werden die herren hochschullehrer und wirtschaftswissenschaftler auch heute nicht müde, mit ihren köpfen gegen die selben wände wie damals zu rennen. Und wenn sie abprallen, laufen sie munter glatt noch mal davor. Davon kann ich sie kaum abhalten. Allen anderen möchte ich empfehlen, da bitte nicht mit zu machen und die köpfe für etwas besseres zu verwenden.

Nun zu den erstklassigen forderungen. Nur so zur abwechslung sind es die typischen ideen zur umverteilung, altbewährtes rezept, das bekanntermaßen schon immer bestens funktioniert hat.

»1. Grüne Konjunkturpakete - finanziert durch eine höhere Geldmenge oder höhere Steuern, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fördern«
Dagegen, maßnahmen gegen den klimawandel ergreifen zu wollen, kann wohl niemand ernsthaft was haben. Allerdings sind es erfahrungsgemäß immer die, die sich höhere steuern am ehesten leisten können, die am medienwirksamsten darüber gejammert haben, daß sie im falle von steuererhöhungen nicht mehr leben könnten. Weshalb steuererhöhungen immer von denen bezahlt werden, die zu einer medienwirksamen jammerei nicht eingeladen werden.

»2. Mehr Steuern auf fossile Energieträger wie Braunkohle, um alternative Energien zu fördern.«
Haben wir das nicht schon? Das heißt »ökosteuer« und wird mutmaßlich hauptsächlich von denen bezahlt, die mit einem fahrzeug einen weiten weg zur lohnarbeit zurücklegen müssen. Zweckgebunden ist das dadurch vereinnahmte geld wie alle steuern nicht, sondern wird wahrscheinlich hauptsächlich für rüstung und kriegseinsätze ausgegeben.

»3. Während der ökologischen Transformation: Subventionen für Arbeitnehmer, die in einen umweltverträglicheren Job wechseln«
Schulen wir halt alle piloten auf busfahrer um. Dann machen sie weniger emissionen auf arbeit und weniger lärm, das könnte man echt der umwelt zuliebe mal subventionieren. Kommen die urlauber etwas später nach hause, aber das stört ja niemanden.

Wenn man eine andere wirtschaft haben wollte, dann müßte man darüber nachdenken, welche arbeiten notwendig, brauchbar und gewünscht sind und welche nicht. Es ist unsinn, hier mal ein paar »schlechte« stellen abbauen zu wollen und dort mal ein paar »gute« zu bezuschussen.

In teil zwei wird der schlaue einfall mit dem »ökologischen fußabdruck« etwas genauer betrachtet.

Montag, 12. September 2016

Dienstag, 6. September 2016

AfD, LINKE und der einstürzende sozialstaat

Nach der wahl in MV wurde berichtet, daß geringverdiener und arbeitslose vermehrt AfD gewählt hätten. Das erscheint seltsam, denn die AfD hat keine sozialen verbesserungen für arme im programm, weshalb man glauben könnte, daß die armen eher die LINKSpartei wählen würden.

Daß sie das nicht (mehr) tun, muß einen nicht wirklich wundern. Die LINKE spricht die leute keinesfalls als besitzlose klasse an, deren probleme erst durch die staatsmacht in die welt gesetzt werden und wogegen es sich zu wehren gälte, sondern als bürger, deren probleme von einer guten regierung gelöst werden müßten. Das klappt nur immer nicht, wenn die LINKE mal irgendwo mitregieren darf. Die LINKE kann die gesetzmäßigkeiten des wirtschaftssystems, das sie schon längst nicht mehr abzuschaffen gedenkt, nicht außer kraft setzen.

Die wähler wissen, daß sie in diesem staat gezwungen sind, um alles zu konkurrieren und das nehmen sie als gegeben hin. Nicht mal der LINKEN fällt es im traum ein, diesen scheiß abzuschaffen. Also besinnen die leute sich als wähler auf ihre nationalität und bevorzugen eine partei, die verspricht, wenigstens die ausländer auszusperren, die sich ihrer meinung nach ohnehin alle widerrechtlich hier aufhalten. Wenn es gegen den vermeintlichen inneren feind geht, kennt der Deutsche keine klassengegensätze mehr, sondern nur noch kriminelle ausländer, die den sozialstaat zum einsturz bringen.

Und das wäre eine frage, mit der sich LINKE endlich mal befassen sollten: wofür benötigt man eigentlich diesen blöden sozialstaat? Ist der sozialstaat nicht auch eingeständnis, daß ein großteil der leute bei den derzeitigen produktionsverhältnissen zwangsläufig so arm bleibt, in allen lebenslagen auf hilfe angewiesen zu sein?

Wäre es nicht längst an der zeit, diesen blödsinn abzuschaffen?

Montag, 5. September 2016

Foto am montag (227)

Roter vari (varecia rubra)

Donnerstag, 1. September 2016

»... und die Stadt gehört Euch!«

Wenn man derzeit durch Berlin latscht, sieht man gar einiges. Beispielsweise sowas hier:

Leider ist diese behauptung kein bißchen gelogen: UNS insassen gehört die stadt, nachdem die rot-rote regierung zehn jahre kommunales eigentum verschleudern konnte, weniger als zuvor.

Hingegen gehört sie EUCH, den investoren mit viel geld. Und womöglich wenn die sogenannte LINKE wieder mal mitregieren darf noch, viel mehr.

Das ist ehrlichkeit, die erschüttert. Aber nicht überzeugt.

Mittwoch, 31. August 2016

Sommerinterview mit Sonneborn


Leider muß in Berlin bald schon wieder gewählt werden. An den größtenteils langweiligen wahlplakaten kann man erkennen, daß die PARTEI ihr ziel »inhalte überwinden« bereits durchgesetzt hat, ohne im senat vertreten zu sein.

Hier geht es zum interview mit Martin Sonneborn »Der BER wird mit uns nicht weitergebaut.« Das ist mal ein wort.

Montag, 29. August 2016

Foto am montag (226)

Bekommt man leider selten oder nie zu sehen: großtrappe (otis tarda)

Sonntag, 28. August 2016

Bevölkerungsexplosion

In der letzten zeit kommen zu jeder passenden und vor allem unpasssenden gelegenheit kommentare, daß die machos aus Asien oder Afrika irgendwie »schuld« am welthunger wären, weil die triebgesteuert nicht von der schnackselei lassen könnten und nicht einmal im traum an verhütung denken würden. Und damit unterscheiden sie sich nicht im geringsten von Amerikanischen oder Europäischen machos. Die schätzen die vasektomie oder auch bloß kondome ebenfalls zu weiten teilen nicht übermäßig. In einigermaßen entwickelten ländern, in welchen frauen zugang zu bildung und medizinischer versorgung haben, stellt das jedoch kein allzu großes problem dar. Die können sich vorstellen, etwas anderes mit ihrem leben anzufangen, als alle naselang zu werfen und treffen selbst vorkehrungen dagegen.

Stichwort »überbevölkerung«: in puncto siedlungsdichte ist Europa davon weit mehr betroffen als Afrika. Jedoch ist es in Europa tradition, die eigenen probleme in andere weltregionen auszulagern. So dient die heutige »entwicklungshilfe« hauptsächlich dazu, drittweltländer als märkte zu erschließen. Sie ist ganz bestimmt nicht dafür da, den wohlstand irgendwelcher habenichtse in fernen ländern zu mehren oder sie womöglich konkurrenzfähig zu machen. Die sollen dienstbar sein, wenn der drittweltkapitalismus es verlangt. Ansonsten ist es egal was, aus denen wird.

Das problem ist nicht, daß es nicht möglich wäre, alle zu versorgen. Das problem ist das wirtschaftssystem, das darauf setzt, menschen auszugrenzen.

Samstag, 27. August 2016

Frohe ferien für alle kinder

Unter diesem namen organisierten menschen wie Else Funke, Viktoria Krützner und Lore Junge ab 1954 ferienfahrten für kinder. Dank dieser initiative konnten jedes jahr -zigtausende kinder aus Westdeutschland eine ferienreise unternehmen, auch wenn ihre eltern eigentlich viel zu arm waren, an so einen »luxus« wie reisen auch nur zu denken.

Nach sieben jahren, also im sommer 1961, wurde die ferieninitiative verboten und die organisatoren vor gericht gestellt und wie kriminelle verurteilt. Den alten herren im nachfolgestaat des Dritten Reiches paßte das reiseziel nicht. Das war nämlich die DDR und wer die nicht vorschriftsgemäß haßte, war nicht nur verdächtig, sondern im zweifel zu bestrafen.

Zum glück hat es in der BRD nie so etwas wie ein gesinnungsstrafrecht gegeben.

Wer mehr darüber erfahren möchte, findet über dies thema momentan zwei artikel in der »jungen welt«:

drei kartons mit geschichte und kinderfreizeit vor gericht

Mittwoch, 24. August 2016

Im Kalten Krieg war alles besser

Früher als der krieg noch kalt war, wußte noch jedes kind, daß man für den katastrophen-, krisen- oder kriegsfall schnaps, kaffee, zigaretten und schokolade in möglichst großen mengen im hause haben muß.

Heute empfiehlt die bundesregierung, Selterswasser zu horten. Da gibt selbst der altbundespräsident Scheel nach 97 jahren freiwillig den löffel ab. Die zeiten sind lausig.

Montag, 22. August 2016

Foto am montag (225)

Wiesenschnake (tipula paludosa)

Samstag, 20. August 2016

Rio

Nein, natürlich geht es nicht um irgendein langweiliges sport»event«, sondern um Rio Reiser. Zu dessen 20. todestag hat die ex-managerin der Ton Steine Scherben, die Grüne Roth, im Spiegel geschichtsblog »eines tages« einen text geschrieben, den ich teilweise merkwürdig fand.

Warum hat außer frau Roth niemand bemerkt, daß Rio Reisers homosexualität mitte der 80er jahre ein skandal war? Davon träumt frau Roth vielleicht in ihren feuchten träumen auch heute noch, aber von dem »skandal« ist beim radiohörer und fernsehgucker von damals wenig bis nichts angekommen. Soweit ich mich erinnere, war das zu jener zeit eher kein skandalthema.
Was würde er wohl denken über all die Verrücktheiten dieser Welt? Was über all die Gewalt, die Not, die Furcht? Über den Hass der Menschenverachter, über die Macht neuer Medien? Darüber, dass wir es in vielen Bereichen geschafft haben, den Staat auf unsere Seite zu ziehen - auf die Seite der Freiheit, der Bürgerrechte, der Vielfalt? Was würde er sagen zu unserem immer noch täglichen Kampf, all diese Freiheiten zu erhalten und weiter auszubauen, wie überrascht wäre er über unsere Feinde?
Auch ich habe keine ahnung, was Rio Reiser heute denken würde. Ich habe ihn ja nicht einmal gekannt. Allerdings hatte er sich schon in den frühen 90ern von der GRÜNpartei abgewandt.

Vielleicht ahnte er, in welcher form die GRÜNEN »den staat auf ihre seite« ziehen würden: laufzeitverlängerung für atomkraftwerke, sozialabbau, krieg und wollte diese dinge nicht mitmachen.

Montag, 15. August 2016

Foto am montag (224)

Noch einmal der »vogel des jahres«:
Ein stieglitz (carduelis carduelis), auch »distelfink genannt. Auf diesem foto macht er seinem namen alle ehre.

Freitag, 12. August 2016

Der kartoffel


Im »kritischen sonntagsfrühstück« hat Stefan Gärtner letztes mal ein tolles zitat eines unbekannten autoren aus der »Süddeutschen« vom 5.8. gebracht, wegen dem ich mich kugeln mußte vor lachen:
»Die Kartoffel, oder richtiger, der Kartoffel, muß sich ändern, wenn er der gleiche bleiben will. Fakt ist: Seit über hundert Jahren wird nahezu jede Neuzüchtung weiblich benannt. Ich aufschreie: Warum? Wo bleibt die tolle Männerknolle? Nur weil es der Grammatik gefiel, dem Kartoffel einen weiblichen Artikel beizuordnen? Wie übrigens ziemlich vielen Gemüsen: die Gurke, die Aubergine, die Artischocke etc. Diese systematische Ungerechtigkeit ist nicht zu übersehen. Aber unsere Politiker sind auf den Kartoffelaugen ja bekanntlich blind. Sollen also weiterhin und bis in alle Ewigkeit Neuzüchtungen bei den Nachtschattengewächsen Frauennamen tragen? Wie, und ich möchte, daß es jeder für sich im stillen und ehrlich beantwortet, wie wollen wir uns vor unseren Söhnen rechtfertigen, wenn sie eines Tages fragen, warum wir damals nicht gegen die Töchter von Sieglinde, Linda und Nicola vorgegangen sind? … Aber wenn erst mal die neuen Kartoffelsorten mit den von uns ausgearbeiteten Arbeitstiteln ,Uwe’ für einen ertragreichen Salatkartoffel und natürlich unser mehligkochender ,Jens’ in den Supermärkten liegen, wird auch dem Endverbraucher dämmern, welcher Verdummungsstrategie er jahrelang aufgesessen ist ... Und dann ist alles denkbar, auch die Trans-Kartoffel.«
Hat die »Süddeutsche« das ehrlich so gedruckt? Sind das die probleme, die männer heutzutage haben?
Es ist so schön absurd, daß ich mir kaum vorstellen kann, daß es kein witz sein soll. Einer, der so denkt gibt seinen töchtern bestimmt nicht namen wie Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi-Kuusi und Upupa-Epops sondern weibliche namen nach kartoffelsorten. Reichskanzler, Ackersegen, La Ratte, Blue Salad, Shetland Black und Ballwitzer Rotwalzle. Das sind schöne, weibliche vornamen.

Aber es sollte zumindest einen aufschrei geben, daß männer nicht »Blue Salad«, »Rotwalzle« oder wenigstens »Ratte« geheißen werden sollen. Den weiblichen namen »Reichskanzler« hatten sich die völlig queeren transgender freaks ja früher schon einmal angeeignet.

Dienstag, 9. August 2016

Ein Radeburger

Heinrich Zille, der später in Berlin als der »Pinselheinrich« bekannt werden sollte, wurde 1858 in Radeburg bei Dresden geboren. Als er ungefähr zehn jahre alt war, zog die familie nach Berlin, wo er durch botendienste geld hinzu verdienen mußte.

Einige jahre später nahm er eine lehrstelle als lithograph an und eignete sich auch nach seiner lehre verschiedene drucktechniken an. Ab 1877 arbeitete er für die Photographische Gesellschaft Berlin. Diese arbeitsstelle verlor er dreißig jahre später, weil er um die jahrhundertwende das elend der hinterhöfe als gegenstand seiner künstlerischen arbeit entdeckt hatte und es im Wilhelministischen Deutschland nicht gern gesehen war, sich das arbeiterelend anzusehen und zu dokumentieren.

Die Ratte
»Von wat is’ se denn jestorb’n?«
»Uns’re wohnung is’ zu naß!«


Eine von Heinrich Zilles stärksten ausagen ist sicherlich »Man kann einen menschen mit einer wohnung genau so gut umbringen wie mit einer axt.«

Am 9. august 1929 starb der künstler an den folgen zweier schlaganfälle.

Montag, 8. August 2016

Foto am montag (223)

Trotz des klaren wassers fast unsichtbar:
Die bachforelle (salmo trutta fario)

Sonntag, 7. August 2016

Die schöne seite des nassen sommers

Die pilz-saison hat relativ früh und vielversprechend begonnen. Leider weiß ich nicht, was das hier für schnieke burschen mit roten samthüten sind:
Es könnten blutrote röhrlinge (xerocomus rubellus) sein. Keine ahnung - aber sehr hübsch anzusehen.

Das hier sind zwei bilderbuchexemplare des netzstieligen hexenröhrlings (boletus luridus):
Zum essen viel zu schade. Hoffentlich wurden sie nicht einfach plattgetreten.

Donnerstag, 4. August 2016

Ein oxymoron


Letztens ist mir ein erfreulich widersinniges wort über den weg gelaufen: »arbeitsdrohne«.

Welch ein herrlicher schwachsinn! Ein »arbeitsnichtstuer« bzw. »arbeitsfaulenzer«. Das klingt nach einem angenehmen lehrberuf.

Vielleicht über umschulung nachdenken und es dem ollen Lessing gleichtun?

»Faul zu sein sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.«

Montag, 1. August 2016

Foto am montag (222)

Kleiner oder roter panda (ailurus fulgens)