Samstag, 20. August 2016

Rio

Nein, natürlich geht es nicht um irgendein langweiliges sport»event«, sondern um Rio Reiser. Zu dessen 20. todestag hat die ex-managerin der Ton Steine Scherben, die Grüne Roth, im Spiegel geschichtsblog »eines tages« einen text geschrieben, den ich teilweise merkwürdig fand.

Warum hat außer frau Roth niemand bemerkt, daß Rio Reisers homosexualität mitte der 80er jahre ein skandal war? Davon träumt frau Roth vielleicht in ihren feuchten träumen auch heute noch, aber von dem »skandal« ist beim radiohörer und fernsehgucker von damals wenig bis nichts angekommen. Soweit ich mich erinnere, war das zu jener zeit eher kein skandalthema.
Was würde er wohl denken über all die Verrücktheiten dieser Welt? Was über all die Gewalt, die Not, die Furcht? Über den Hass der Menschenverachter, über die Macht neuer Medien? Darüber, dass wir es in vielen Bereichen geschafft haben, den Staat auf unsere Seite zu ziehen - auf die Seite der Freiheit, der Bürgerrechte, der Vielfalt? Was würde er sagen zu unserem immer noch täglichen Kampf, all diese Freiheiten zu erhalten und weiter auszubauen, wie überrascht wäre er über unsere Feinde?
Auch ich habe keine ahnung, was Rio Reiser heute denken würde. Ich habe ihn ja nicht einmal gekannt. Allerdings hatte er sich schon in den frühen 90ern von der GRÜNpartei abgewandt.

Vielleicht ahnte er, in welcher form die GRÜNEN »den staat auf ihre seite« ziehen würden: laufzeitverlängerung für atomkraftwerke, sozialabbau, krieg und wollte diese dinge nicht mitmachen.

Kommentare:

  1. Hallo Mechthild!

    nicht zum Thema: Ein sehr guter Kommentar von Dir beim
    Roberto De Lapuente "Auf der suche nach dem rechten Linken".

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da stimme ich dir zu, Troptard.

      Ohne deinen Kommentar hier, hätte ich Mechthilds Ausführung
      bei as versäumt.Lese sehr selten bei Roberto.

      lg
      Hagnum

      Löschen
    2. Thx.

      So ganz ab vom thema ist das an dieser stelle nun auch wieder nicht, schließlich ging es im text oben um einen, der 1990 in die PDS eintrat, weil er sich von dieser partei etwas erhoffte. Diese partei stand damals für einen modernisierten sozialismus und nicht für die »verbesserung« des kapitalismus.

      Ich kommentiere bei »ad sinistram« selten. Aber das leidige thema »revolutionäre« und »realpolitische« linke ist wichtig. Als linker kann man so oder so nur in die sch... greifen: außerhalb des systems darf man nicht denken - ist schließlich alles traumtänzerei, weil gar nicht realisierbar - warum? wegen der gesetze des kapitals. Und innerhalb des systems kann man nicht denken - widerspricht den gesetzen des kapitals.

      Nebenher ein kleines beispiel aus der »realpolitik«: in Berlin ist momentan wahlkampf. SPD und LINKE plakatieren gleichermaßen »100.000 bezahlbare wohnungen für Berlin«. Das klingt toll.

      Wer sich allerdings an die jahre nach der jahrtausendwende erinnern kann, wird sich auch daran erinnern können, daß es damals massenhaft leere wohnungen in Berlin gab - und günstige sozialwohnungen, die der stadt gehörten. Und dann »rückbau«, auf Deutsch nennt man das »abriß«. Und wer nicht an gedächtnisschwund leidet, weiß noch welche regierung die stadt damit »attraktiv« machen wollte, um die übrigen sozialwohnung an investoren zu verschleudern. Das ist linke realpolitik: sich dem diktat des geldes zu beugen. Und sich dann wird sich mächtig gewundert, daß das interesse an linker politik gewaltig in grenzen hält.

      Löschen

anmerkungen willkommen, mißbrauch strafbar.