Freitag, 14. Februar 2014

Wenn denken hülfe - letzter teil

Fortsetzung.

Wenn liberal gesonnene menschen beginnen, mitgefühl mit anderen zu zeigen, kann es passieren, daß einem die frühstückstulle aus dem gesicht fällt. Bittere krokodilstränen fließen, weil die armen arbeiter von bösen staatlichen gesetzen, die ihre interessen zumindest ein bißchen schützen sollen, daran gehindert würden, ihren interessen nachzugehen.
Zitat aus dem film: »Für Simon sieht es schlecht aus. Den job zu verlieren ist schon schlimm genug. Aber der mindestlohn benachteiligt ihn weiterhin, auch während seiner arbeitslosigkeit.

Weil Simon jung und unerfahren ist, wird Simons arbeit für einen unternehmer wahrscheinlich nur wenig umsatz erzeugen. Unternehmer befürchten, geld zu verlieren, wenn sie Simon zum mindestlohn einstellen. Also geben sie ihm absagen auf seine bewerbungen.«
Der arme Simon! Der ist jung und unerfahren und der staat wirft ihm noch knüppel zwischen die beine und benachteiligt ihn, indem er verbietet, zu jedem dreckslohn zu arbeiten. Wovon der junge mann leben soll, wenn er für weniger arbeiten muß, als er zum leben benötigt, spart der film großzügig aus.

Sicher, in einem land wie Bangladesh würde es Simon mit einem stundenlohn von 3 $ vergleichsweise prima gehen. Nur kann er seinen privaten lebensmittelpunkt nicht dorthin verlegen, wo der pfeffer wächst und wo die preise halbwegs zu seinem einkommen passen.
Zitat aus dem film: »Simon war zufrieden mit seinem job in der fabrik. Auch wenn er nur wenig verdiente. Er hatte gehofft, erfahrungen zu sammeln, um produktiver zu werden. Und die chance auf eine besserbezahlte und befriedigendere arbeit zu bekommen. Aber das neue gesetz hindert ihn daran. «
Wie ich bereits schrieb, ist der umsatz, den ein arbeiter erzeugt kein kriterium für seine einstellung, weil niemand errechnen kann, welchen umsatz einer tatsächlich erzeugt.

Entweder ist eine arbeit für ein unternehmen notwendig. Dann wird einer eingestellt, der sie erledigt. Oder sie ist nicht notwendig, dann findet sie nicht statt, gleichgültig wie billig die leute sind, die sie erledigen könnten.

Der kapitalismus ist keine wohlfühleinrichtung, bei der man, wenn man erstmal bescheidene forderungen hat, eine chance bekäme zu zeigen, was man kann und wenn man sich schön anstrengt in bessere verhältnisse aufsteigen könnte.

Millionen arbeiter erleben weltweit etwas völlig anderes: sie rackern sich ihr leben lang ab wie blöde, irgendwann werden sie nicht mehr gebraucht und landen auf der straße, egal wie gut sie die langen jahre malocht haben. Am ende des erfolgreichen arbeitslebens stehen sie mit genau so leeren händen da wie am anfang. Nur daß sie sich in der zwischenzeit womöglich auch noch berufskrankheiten eingehandelt haben. Im alter also noch ärmlicher dastehen als in der jugend.
Zitat aus dem film: »Deshalb wirkt ein mindestlohn so, als würde man die unteren sprossen der ökonomischen leiter entfernen. Wenn wir verhältnisse sehen, die uns unfair erscheinen, fordern wir häufig, dieses verhalten gesetzlich zu verbieten. Wir sollten aber bedenken, daß solche eingriffe unbeabsichtigte folgen haben. «
Wer soll dieses »wir« eigentlich sein?

Ich sehe keine ungerechtigkeit in den kapitalistischen verhältnissen, sondern ökonomische zwangsläufigkeiten. Und wenn man die als »nicht bekömmlich« einstuft, dann sollte man drauf kommen, daß das abgeschafft gehört.

Oder anders gesagt: wenn die unteren sprossen einer leiter nichts taugen, ist die gesamte leiter unbrauchbar. Dann sollte man nicht den untersten sprossen nachtrauern, sondern sich etwas anderes überlegen. Braucht man so etwas wie eine »ökonomische leiter« auf der der mehrheit der aufstieg ohnehin nicht möglich ist, ob nun mit mindestlohn oder ohne?
Zitat aus dem film: »Manche menschen vermuten, daß das verbot freiwilliger handlungen oft mehr schadet als nützt. Sie glauben, daß die eigentliche aufgabe des gesetztes darin besteht vor gewalttaten abzuschrecken. Und daß wir keine hürden errichten sollten, die friedliche menschen daran hindern, das beste für ihr eigenes leben zu tun«
Das klingt erstmal fast vernünftig. Was sollte gegen freiwillige handlungen oder friedliche menschen einzuwenden sein?

Bleibt die frage nach der »freiwilligkeit« offen. Das ist eine schäbige angelegenheit. Wer auf lohn zum leben angewiesen ist »will« arbeiten und zwar »freiwillig«. Aber nur, weil es ihm aufgeherrscht wird, daß er sich drum kümmern muß, einen lohn zu erhalten, damit er geld zum leben hat.

Daran ist nichts freiwillig.

Die leute gehen lohnarbeiten »aus freien stücken«. Aber nur, weil sie müssen.

Und friedlich ist auch nichts dran, wenn man aufgeherrscht bekommt, daß nach den regeln des privateigentums gewirtschaftet werden soll. Die minderheit, die eigentum an produktionsmitteln hat, diktiert der mehrheit die nutzungsbedingungen. Das ist ein gewaltverhältnis, das sehr zum nachteil der mehrheit der weltbevölkerung ausgeht. Wer da von »friedlichkeit« spricht ist entweder zynisch oder hat einiges nicht begriffen.

Wenn die figuren von »freiwilligfrei« schon mal dabei sind, etwas gegen gesetzliche bestimmungen zu haben, könnten sie genauso gut auch mal völlig freiheitlich das privateigentum an produktionsmitteln, das die mehrheit der weltbevölkerung in unvorstellbare not und in dinge zwingt, die abzulehnen sind, in frage stellen.



***

Nachbemerkung:

Eines möchte ich meinen lesern nicht vorenthalten: im abspann des films wird dafür geworben, man solle im internet nach dem alten herrn Bastiat suchen.

Ich mußte nicht nach ihm suchen, weil er mir bereits bekannt war. Das ist der, der einst die parabel schrieb, in der es sinngemäß darum ging, daß man sich über kakerlaken in der küche freuen solle, weil dann der kammerjäger geld verdient.

Die inzwischen verblichene Maggie Thatcher (ihrerzeit als die »strohdachdeckerin« bekannt) soll ihn bei einem besuch in Frankreich lobend als ihren lieblingsökonomen und »großen, Französischen denker« erwähnt haben. Die gastgeber jedoch waren klug genug, diesen »großen Französischen denker« bereits vergessen zu haben.

Ich empfehle, es den Franzosen gleich zu tun und den herrn Bastiat besser zu vergessen.

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