Freitag, 28. Februar 2014

28. februar 1933

»Jede sorge um die bürgerliche Kultur ist jetzt läppisch, wenn es wie jetzt zum Äußersten kommen soll.

Kommunisten und Sozialdemokraten müssen sich finden und mit ihnen muß das katholisch-universalistische Deutschland, die protestantische Bildung, das Judentum, die Künstlerschaft - müssen alle, alle, die noch einen Funken geistiger Ehre im Leibe haben, eine entschlossene Front bilden, damit diesen Kriegslümmeln, diesen Henkern deutscher Freiheit und Geistigkeit das Handwerk gelegt werde.«
Thomas Mann in einem Brief an Ida Herz, 28. Februar 1933

81 Jahre später hat sich wenig verändert, wenn man davon absieht, daß aus den »kriegslümmeln« teilweise »kriegslümmelInnen« geworden sind.

Auf die friedfertigkeit der christlichen kirchen muß man nicht hoffen, ist die kriegskanzlerIn pfarrerstochter und der präsident, der den krieg bejubelt, was er als »verantwortung in der welt übernehmen« bezeichnet, ein gottesmann.

Die sozialdemokratische basis wehrt sich nicht gegen die kriegstreiber in der parteispitze, kommunisten sind bekanntermaßen ohnehin alle verbrecher, das judentum spielt keine rolle mehr.

Und die sogenannte »künstlerschaft« scheint mit sich und dem kulturbetrieb zufrieden zu sein. Hungerleiderkünstler, die rebellisch werden könnten, gibt es heutzutage nicht mehr. Jedenfalls keine, die von bedeutung wären. Die künstler sind ebenso frei wie das lohnarbeitende proletariat, sich gegen das system zu sein und den kanten brot, den sie für das stillhalten bekommen können, abzulehnen.

Thomas Mann hatte eine völlig richtige idee, die mit antikommunismus jedoch bis heute nicht ausführbar ist und unausführbar bleiben wird.

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