Montag, 18. August 2014

Bundeswehr und bullerei ganz oben

Will man wissen welches die beliebtesten arbeitgeber im lande sind, fragt man besser nicht die, die schon einige jahre »spaß« mit denen hinter sich haben. Sondern die jüngeren, die die »freuden des erwerbslebens« noch vor sich haben.

So passiert es seit einigen jahren im Schülerbarometer. Das Trendence Institut befragt hierfür ca. 12.000 schüler der klassen acht bis dreizehn per fragebogen nach den für sie beliebtesten arbeitgebern. Hierraus wird dann ein »ranking« erstellt.

Den schülern soll bei der arbeitgeberwahl die wertschätzung des arbeitnehmers und die sicherheit der stelle wichtig gewesen sein. An sich ist es irreführend, schülern einreden zu wollen, sie könnten ihren arbeitgeber wählen. Es ist seit je her umgekehrt: die dürfen sich bewerben und werden dann vielleicht ausgewählt. In den meisten fällen aber eben nicht.

Einige textilhändler sollen seit der letzten befragung an beliebtheit verloren haben, weil sie durch die diskussion über arbeitsbedingungen von den jugendlichen als »ausbeuter« wahrgenommen werden. Trotzdem ist lumpenhändler Primark erstmals vertreten, der ramsch gilt unter schülern mit wenig geld als schick. Und daß man in unserem schönen wirtschaftssystem generell überall ausgebeutet wird, hat sich leider noch immer nicht überall herumgesprochen.

Ansonsten finden sich im ranking allerhand unternehmen, die produkte anbieten, deren zielgruppe junge leute sind. Allerdings auch beispielsweise SAP. Was bietet SAP an, das für teenager interessant sein könnte? Liegt bei denen derzeit vielleicht die schrullige kombination aus übelstem programmcode und benutzerunfreundlicher buchhaltungssoftware »echt voll im trend«?

Auf platz eins und drei ist der staat der arbeitgeber. Polizei und bundeswehr. Sicherheit und wertschätzung kann man hier allerdings wohl kaum erwarten. Mit den alten, angestaubten, sicheren beamtenstellen von einst hat das nichts mehr zu tun. Die gibt es längst nicht mehr.

Sicher daran ist nur, daß die leute, die sich für eine solche arbeit entscheiden, den kopf für den staat hinhalten müssen und die wertschätzung dann posthum vom bundesprediger in salbungsvollen worten erhalten.

Derartige wertschätzung ist für die katz.

Foto am montag (120)

Sibirischer schnee-uhu (bubo bubo sibiricus)

Samstag, 16. August 2014

Krieg

August Stramm
Wehe wühlt
Harren starrt entsetzt
Kreißen schüttert
Bären spannt die Glieder
Die Stunde blutet
Frage hebt das Auge
Die Zeit gebärt
Erschöpfung
Jüngt
Der
Tod.

August Stramm, geboren am 29. juli 1874 in Münster, fiel am 1. september 1915 am Dnepr-Bug-Kanal im heutigen Weißrußland.
Das grab August Stramms auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf

Dienstag, 12. August 2014

Neues vom »Herrn der Akten«

Am vergangenen sonntag durfte der chef aller »stasi«akten im Deutschlandfunk einige sätze sagen. Unter anderem folgendes:

Roland Jahn:»[...]Gerade auch die Gleichsetzung von Staatssicherheit und NSA ist etwas, was ich ablehne, was uns einfach auch in der Beschäftigung mit der Vergangenheit deutlich wird.«

Weshalb es »uns« bei der beschäftigung mit der vergangenheit »deutlich wird«, daß man das MfS nicht mit der NSA gleichsetzen sollte, bleibt mir zumindest schleierhaft.

Hingegen könnte einem, wenn man sich mit der gegenwart beschäftigt, zumindest auffallen, daß das MfS vor rund 25 jahren gemeinsam mit dem staat, dessen interessen es schützen sollte, untergegangen ist. Während die NSA ein realexistierender geheimdienst unserer zeit ist.

Wenn man zwischen jener untergegangenen organisation und der NSA die gemeinsamkeit feststellt, daß es sich bei beiden um geheimdienste handelt, setzt man nichts gleich.

Eine möglichst totale kontrolle ist nämlich kein merkmal einer diktatur, sondern ein system- und grenzüberschreitendes interesse nationaler staaten. Alle leisten sich einen geheimdienst nach innen und außen, um die staatsmacht zu erhalten.

Aber was hat der »Herr der Akten« denn noch gesagt?

Roland Jahn:»Man kann das nicht gleichsetzen. Die Staatssicherheit ist eine Geheimpolizei gewesen, die dazu da war, die Macht einer Partei zu stützen und sicherzustellen. Die Arbeit eines Geheimdienstes einer Demokratie hat den Auftrag, Freiheit und Menschenrechte zu schützen. Und das ist der prinzipielle Unterschied. Und wenn das sozusagen aus dem Ruder läuft in einer Demokratie, müssen die Instrumente der Demokratie genutzt werden, um das zu korrigieren.[...]«

Wer würde denn leugnen wollen, daß das MfS dafür da war, die macht in der DDR zu erhalten? Dazu könnte man anmerken, daß das MfS offenbar nicht radikal bis zum äußersten gegangen ist, weil es den staat den es schützen sollte, dann eigentlich noch geben müßte. Jeder geheimdienst der welt dient nichts anderem als dem machterhalt. Die NSA (was übersetzt im grunde nichts anderes als »staatsicherheit« heißt) tut nichts anderes. Die will wissen, wie die leute in aller welt zur staatsmacht der USA stehen und ob sie ihr gefährlich werden könnten und nimmt im vorbeigehen technische neuentwicklungen und dergleichen mit.

Daß die DDR bestimmte technische neuentwicklungen vom westen abgekupfert hat, ist hinlänglich bekannt. Daß sie in großem ausmaß industriespionage betrieben hätte, um technische patente anzumelden, bevor die wessis das tun, ist zumindest mir nicht bekannt.

Vergleichen kann man unterschiedliche geheimdienste schon. Das ist etwas anderes als gleichsetzen.

Die herbeikonstruierten »prinzipiellen unterschiede«, die herr Jahn ausgemacht haben will, sind ein witz. Wenngleich auch kein guter. In dieser bürgerlichen demokratie wacht nicht das nach bürgerlich demokratischen ideen gewählte parlament über die zahlreichen geheimdienste. Stattdessen überwachen die geheimdienste einen teil der gewählten parlamentarier.

Und da sollen die »mittel der demokratie« als korrektorat auftreten?

Es darf gelacht werden!

Donnerstag, 7. August 2014

Asyl verlängert

Edward Snowden hat von Rußland eine aufenthaltsgenemigung erhalten und darf mindestens bis 2017 dort bleiben.

Ich hoffe sehr, daß er nicht auf die schnapsidee der GRÜNpartei eingehen wird, in Deutschland vor dem NSA-ausschuß auszusagen. In Deutschland wäre er nicht sicher. Ich erinnere an den US-Amerikaner Jeffrey Martin Carney, der im Kalten Krieg mit dem MfS kooperierte, später als Jens Karney in die DDR eingebürgert wurde, somit Deutscher staatsbürger war, als er im april 1991 in Berlin auf offener straße entführt und in die USA verschleppt wurde, wo auf ihn eine langjährige gefängnisstrafe wartete.

Soweit ich informiert bin, gibt es zwischen Deutschland und den USA ein auslieferungsabkommen. Das bedeutet, daß Snowden, wenn er nach Deutschland einreisen würde, sofort in die USA abgeschoben werden müßte.

Für Snowden wäre es das klügste in Rußland zu bleiben. Kein westliches land ist für ihn sicher.

Mittwoch, 6. August 2014

Mieten mit hintertür

Am Riverside Drive in New York gibt es ein neues 33 geschossiges luxuswohnhaus. Dort sind in den unteren sechs etagen 55 mietwohnungen für menschen mit niedrigem einkommen gedacht und die auf den restlichen stockwerken 219 luxuriöse eigentumswohnungen. Dafür, daß an wohnungen für familien mit niedrigen einkommen gedacht wird, verspricht die stadt New York steuererleichterungen.

Das ist sozialer wohnungsbau 20 : 80. Da könnte man fast neidisch werden: in NYC gibt es offenbar nur 20 % arme schlucker, die eine bezahlbare mietwohnung bräuchten, aber 80 % gut betuchte, denen der sinn nach luxus steht.

Da fragt man sich, wozu die dort überhaupt so etwas wie öffentliche förderung brauchen, wenn die armut doch ohnehin kein problem sei, in dem land in dem milch und honig zwar nicht für alle, aber doch zumindest für die, die sich ordentlich anstrengen, reichlich fließen.

Ein studio, was auch immer die amis darunter verstehen, kostet 845 $. Eine einraumwohnung 908 $, eine zweiraumwohnung 1099 $. Für arme, die den in NYC geltenden mindestlohn von derzeit 8 $ pro stunde erhalten, ist das wohl eher nicht gedacht: Die müßten nämlich für die billigste variante bereits 57 % ihres lohns auf den tisch legen, um dort irgendwie hausen zu dürfen.

Für so wenig geld den haupteingang benutzen zu dürfen wäre zu viel verlangt. Die mieter des hauses müssen einen hintereingang benutzen. Die idee ist nicht neu und in London schon bekannt.

Der rührige konservative bürgermeister Londons, Boris Johnson, entdeckt im zweiklasseneingang sein herz für die armen: so könnten die kosten der mieter niedrig gehalten werden, weil sie es schließlich kaum leisten könnten, das teure personal der haupteingänge mitzufinanzieren.

Ja, warum eigentlich?

Donnerstag, 31. Juli 2014

Die hofnarren sollen schweigen

Bei der kabarettsendung »Die Anstalt«, vormals »Neues aus der Anstalt« hatte man schon lange den eindruck, daß sie so etwas wie die hofnarrensendung des ZDF war bzw. ist. Dort wurde oft in kabarettistischem rahmen kritik ausgesprochen, auf die man im »heute-journal« vergeblich gewartet hätte. Nur scheint es einigen medienvertretern nicht geschmeckt zu haben.

Der medieninitiative »das ZOB« gegenüber äußerte sich Max Uthoff folgenermaßen:



Zitat Max Uthoff:
»[…]Es handelt sich tatsächlich nicht um eine zensurmaßnahme des ZDF, es ergab… ist schließlich eine gerichtliche anordnung gewesen. Das ZDF hat uns unterstützt, hat die einstweilige verfügung nicht unterschrieben. Und so wurde das ganze vom gericht geklärt und in der ersten instanz haben wir sozusagen verloren in anführungsstrichen und mußten die inkriminierten stellen aus der mediathek rausnehmen.[…]Und bei der nächsten instanz werden wir schauen, ob das bestand hat, das urteil.
[…]
Wir sind immer noch der meinung, daß unsere behauptungen stimmen. Und das ist natürlich ein bißchen eine frage der korinthenkackerei. Herr Bittner zum beispiel, behauptet er sei nicht mitglied des german marshall fund. Und das stimmt auch, der ist nicht mitglied der ist participant, also teilnehmer. An dieser kleinigkeit hängt der sich auf […]«

Dazu noch einmal die gesamte sendung vom 29. april. Interessant wird es ab minute 37:



Zitat:
»Moment mal, ein journalist von »Der Zeit« arbeitetet an einem strategiepapier mit, das die außenpolitik Deutschlands neu ausrichtet - und schreibt dann hinterher wohlwollend über diese strategie […]«

Mir ist nicht bekannt, daß die eliten aus politik oder wirtschaft die kritik aus der »Anstalt« nicht ertragen hätten. Es läßt doch tief blicken, daß es die sogenannten »qualitätsjournalisten« sind, die den hofnarren des ZDF den mund verbieten wollen und nach zensur schreien.

Montag, 28. Juli 2014

Foto am montag (117)

Wenn man auf dem balkon gern nüsse und mandeln ißt, finden sich gelegentlich ungebetene gäste ein.

Die eichkatze war sehr fleißig. Sie hat den inhalt meines nußtellers in der ganzen nachbarschaft verteilt.

Freitag, 25. Juli 2014

Skandal: Tagesthemen bekommen für ehrlichen bericht programmbeschwerde

Im grunde hatte ich nichts darüber schreiben wollen. Vor zwei wochen äußerte sich in den tagesthemen ein gymnasiumsanwärter dahingehend, daß er nicht »durch so ein asiviertel« zur schule fahren wolle.

Im tagesthemenbericht war es um die wohnungsnot in Leipzig und die daraus resultierenden probleme gegangen. Laut bericht erstickt die stadt fast am zuzug aus dem umland, weil niemand damit gerechnet habe. Die folge ist auch mangel an infrastruktur. Darüber sagt die mutter des kindes, das »nicht durchs asiviertel will«, daß sie eine umfassende allgemeinbildung für ihren sohn wolle.

Welche mutter, die halbwegs bei trost ist, würde das denn nicht wollen? Die frau ist künstlerin, in der DDR aufgewachsen, hat dort einen international anerkannten wettbewerb gewonnen und ist dort dementsprechend gefördert worden.

Anscheinend ist ihr nach der wende nicht genug allgemeinbildung vermittelt worden, daß sie in diesem »neuen« staat selbst für die bildung ihrer nachkommen verantwortlich ist. Kein kind »muß« auf eine bestimmte schule, sie kann ihr kind auf jedes internat der welt schicken, wenn die staatsschule zu ordinär ist. Sie muß halt bloß ein paar steine dafür locker machen. Für arme ist bildung schiksal, für reiche käuflich.

Daß die tagesthemen drüber berichten, wie selbstverständlich solche leute glauben, daß ihnen dieser staat doch etwas schenken müßte, das ihren bedürfnissen irgendwie entspräche, soll ein skandal sein.

Wie die leute dazu kommen so zu denken und die zustände, die die spaltung der gesellschaft vorantreiben, offenbar nicht.

Aber bei der ard ist halt leichter beschweren. Auch wenn die bloß mitgeteilt hat, wie bestimmte menschen denken. Da wird einmal was berichtet, das tatsächlich stimmt. Und schon ist es auch nicht recht.

Dienstag, 22. Juli 2014

Das patriachat

An sich könnte man frau dr. habil. Heike Diefenbach zustimmen, wenn sie in ihrem aufsatz »Das patriachat« (pdf) feststellt, daß der »staatsfeminismus« frauen als mehr oder weniger homogene gruppe zusammenfaßt und ihnen mit quotenregelungen ein gemeinsames interesse unterstellt, das ja tatsächlich nicht vorhanden ist.

Auch ihre kritik an der »feministischen philosophie«, daß frauen schwierigkeiten mit der »patriachal geprägten vernunft« hätten, geht meines erachtens völlig in ordnung.

Wenn sie nur nicht als lebender beweis für weibliche irrationalität dastünde. Auf seite 14 des verlinkten werkes schreibt sie:
»[…]Und bereits Bebel, der Begründer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung und (gemeinsam mit Karl Liebknecht) der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei im Jahr 1869[…]«
Wie der am 13. august 1871 geborene Karl Liebknecht bereits 1869 eine arbeiterpartei mitbegründen konnte, kann zumindest ich rational nicht erklären.

Aber bedeutende männer werfen eben ihren schatten voraus.

Samstag, 19. Juli 2014

Montagsschüttelreim

Ken Jebsen ging zur mahnwache,
verbreitete nichts als wahnmache,
er redete stunden blindwütig,
doch seinen theorien bloß windblütig.

Mehr ist mir zu dem thema nicht eingefallen, sonst gibt es dazu nichts weiteres zu sagen und etwas anderes als schweinreim wäre es kaum wert.

Aber nicht vergessen: Geht heute lieber in den wald, ja?!

Freitag, 18. Juli 2014

Montags zu hause bleiben - teil 4 - teilnehmer der montagmahnwachen

Im Juni führte die TU Berlin eine befragung der teilnehmer der »montagsmahnwachen für den frieden« durch. Daran nahmen in Berlin und vier anderen städten knapp 400 demonstranten teil, was einem knappen viertel der dortigen teilnehmer insgesamt entsprach.

Das altersspektrum der montagsmahnwache ist realtiv jung, fast 50  % der teilnehmer der montagsmahnwachen sind zwischen 25 und 39 jahren alt. Damit läßt sich vielleicht erklären, warum 39 % der leute sich auf einer links-mitte-rechts-skala nicht einordnen können, denn mit den jahren weiß man doch eigentlich, ob man eher progressiv, liberal oder eher konservativ/reaktionär denkt. Die teilnehmer der montagsmahnwachen sehen das zum teil als »bauernfängerei«.

»Bauernfängerei« ist es, wenn man wie unterhosenforscher Elsässer mit reaktionären ideen hausieren geht und dann von sich behauptet »links« zu sein.

Wenn man sich eine welt ohne widersprüche und konflikte wünscht, sollte man sich als erstes überlegen, wo denn die hauptursachen für konflikte liegen und worin die widersprüche in der gesellschaft denn liegen. Mit dem schuldgeld können die nämlich nicht aus dem weg geräumt werden, weil die ausbeutung im kapitalismus nicht allein durch den zins stattfindet, sondern auch durch die ungleichverteilung der produktionsmittel.

42,6 % der befragten gaben an, bei der letzten bundestagswahl die LINKSpartei gewählt zu haben, die »volksparteien« kamen auf zusammen knapp 7 %, während GRÜNE, PIRATEN und AfD jeweils zwischen 12 bis 15 % der stimmen bekamen.

Eine diktatur im nationalinteresse wurde von rund 90 % der befragten abgelehnt, interessanter weise waren jedoch knapp 20  % der ansicht, daß wir einen führer bräuchten, der zum wohl aller Deutschen mit starker hand regiert. Tut das die Merkel nicht schon? Mit starker hand regieren, zum wohle des nationalinteresses?

Antisemitischen oder NS-verharmlosenden äußerungen stand die breite mehrheit ablehnend gegenüber. Ungefähr 2 % waren der ansicht, daß der Hitlerfaschismus seine guten seiten hatte oder daß juden mit üblen tricks arbeiten würden, um zu erreichen, was sie wollen. Im vergleich zur gesamtbevölkerung liegt nach dieser befragung der anteil der rechtsextremen auf den montagsmahnwachen unter dem durchschnitt der gesamtbevölkerung.

Für mich stellt sich da nur die frage, warum leute, die offenbar wenig oder nichts mit den reaktionären ansichten des großteils der redner zu tun haben, sich hinstellen und denen zujubeln. Als würden sie nichts von dem begreifen, was dort geredet wird.

Morgen, am 19. juli soll in Berlin die erste bundesweite mahnwache stattfinden. Bleibt zu hause. Es geht nicht hauptsächlich um den frieden, sondern um werbung und selbstdarstellung einiger wichtigtuer.

Und wenn Ihr den Berlinaufenthalt schon geplant habt, packt die badehose ein und nichts wie raus zum Wannsee. Morgen werden hier temperaturen um 32°C erwartet, dann wird in der innenstadt eine unerträgliche hitze brüten. Also macht ein picknick im Treptower Park, schaut Euch die »gärten der welt« im Erholungspark Marzahn an, springt zur abkühlung in Müggel- Tegeler- oder Langen See oder was es sonst noch gibt.

Oder »geht mal in den wald! Ja?!« (Ken Jebsen).

Ausflugstipps gibt es hier.

Montags zu hause bleiben - teil 3.2 - redner der montagmahnwachen

Andreas Popp ist unternehmer und nach eigener auskunft finanziell unabhängig. Nicht verwechseln sollte man ihn mit dem gleichnamigen »piraten«, gemeint ist hier der Popp von der »wissensmanufaktur«.

Nachdem die sendung Kulturzeit negative kritik für das interview mit Jutta Ditfurth bekommen hatte, gab Popp seinerseits selbiger sendung ein fast einstündiges interview. Hinterher bezichtigte er Kulturzeit der »professionellen propaganda« und der »subtilen meinungsmanipulation«, weil in der 40-minütigen sendung, die schon immer aus mehreren filmbeiträgen oder kurzinterviews von ca. 5 bis  10 minuten länge bestand, »wichtige aussagen des interviews« verzichtet wurde.

Das 1€blog hat keine kosten und mühen gescheut und die wichtigen aussagen des interviews mitstenografiert. Selbstverständlich nicht ohne anmerkungen.
Popp: »Ich denke ich bin nicht links und nicht rechts, ich versuche lieber vorne zu sein«
In einer kapitalistischen konkurrenz ist es sicherlich besser, »vorne« zu sein. Dann sind nämlich die anderen zwangsläufig »hinten«. In den tresoren der Popp AG wurden 2010 laut bericht der Süddeutschen 800 kg gold und 42 t silber verwahrt. Man hat eindeutig ein bequemeres leben, wenn man mit derartigen anlagegeschäften reich wird, als wenn man in Afrika, Lateinamerika, Australien oder sonstwo das zeug aus der erde holen muß und trotzdem kaum genug für den lebensunterhalt verdient.
Popp: »Es geht nur noch um stimmen es geht nur noch um die privilegien der politiker und das ist wie die ›reise nach Jerusalem‹: wenn die musik aufhört zu spielen, dann sind ein paar leute übrig aber die stühle sind besetzt. Das ist der punkt«
Hier wird der niedergang des staates wegen »pöstchenschacherei« beklagt. Mir ist dazu sofort ein zitat eines anderen Deutschen »denkers« eingefallen, der einst schrieb: »Noch niemals wurde in der deutschen Geschichte schamlosere Günstlingswirtschaft getrieben als in der demokratischen Republik. Ein großer Teil [...] fällt auf das Konto jener Parteien, die einst die Bahn dem Tüchtigen freizumachen versprachen, dabei aber bei Besetzung von Ämtern und Posten ausschließlich die Parteizugehörigkeit im Auge hatten.«

Einfach leute für die wahl agitieren zu wollen und hinterher von privilegien pofitieren zu können, scheint in der heutigen republik kein hindernis am erfolg des staates in der imperialistischen konkurrenz zu sein, wie es seinerzeit jener beklagte, der unter dem pseudonym »führer« bekannt und beliebt wurde.
Popp: »[…] Wenn ein umverteilungsprozeß stattfindet, wie wir ihn in ›plan b‹ deutlich beschreiben, nicht von arm nach reich, weil die armen haben nichts zu verteilen, sondern die ›fleißigen nach reich‹ […]«
Da hat »plan b« offensichtlich etwas falsches herausgefunden. Aber etwas anderes sollte man auch nicht von figuren erwarten, die sich auf den faschistischen zinskritiker Gottfried Feder beziehen. Im april des jahres wurde Feder auf deren internetseite noch folgendermaßen gewürdigt: An dieser Stelle soll auch der Erfinder dieser Methode der Staatsentschuldung gewürdigt werden. Es ist Gottfried Feder (1883 - 1941), der diese Idee schon 1919 in seinem „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“ veröffentlichte. Heute wird dieser große Wirtschaftstheoretiker leider noch immer mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht, obwohl er ab 1933 keine Rolle mehr spielte und seine Zinskritik von da an von Kapitalisten, Kommunisten und Nationalsozialisten gleichzeitig bekämpft wurde.

Der text kommt inzwischen in etwas »entschärfter« form daher, die falsche behauptung, Feder sei von den nazis bekämpft worden, haben sie nicht geändert. Auch selbst wenn diese textpassage gestrichen würde, änderte es nichts daran, daß auch das konzept des »plan b« auf Feders irriger annahme fußt, daß es »raffendes und schaffendes« kapital gäbe.

Aber zurück zur verteilung von fleißig zu reich. Wer lohnarbeiten geht, mag auch heutzutage gelegentlich noch einen lohn erhalten, der einen gewissen wohlstand ermöglicht. Im normalfall wird der wohlstand aber nie so groß sein, daß der lohnarbeiter sich einfach mitten im leben entschließen könnte, das arbeiten bleiben zu lassen. Mit dem wohlstand ist es nicht weit her, wenn das mit der lohnarbeit nicht mehr klappt. Also gehören sie zu den armen. Die armen haben nämlich etwas, das man ihnen wegnehmen kann: ihre lebenszeit und ihre arbeitskraft. Und genau das wird auch getan.
Popp: »[…]Ich weiß nur, daß irgendwann die chefin der wissensmanufaktur, die Pia Kästner, mir irgendwann mal die anfrange hinlegte, ob ich interesse hätte, dort aufzutreten. Und dann habe ich schlicht und ergreifend ein bißchen recherchiert, wer sind die handelnden personen, das war dieser Lars Märholz und ich hab ihn mir angesehen, mit seinen langen haaren, klassische linke szene, politisch aus meiner sicht unbeschrieben[…]«
Das ist mal etwas ganz neues, daß man politische gesinnung plötzlich an der frisur erkennen soll. Da fragt sich nur, weshalb einer aus der »klassischen linken szene«, trotz original-linkem fusselbart vermutlich mit läusen drin, ausgerechnet rechten ideen folgt und das mißgeschick es zudem zuläßt, daß erst redner mit rechtem gedankengut gefragt wurden.

Welch zufall, welch zusammenspiel. Da hat dem Märholz das schiksal aber wirklich übel mitgespielt, daß ihm ausgerechnet für den ostermontag keine anderen als Jürgen Elsässer, Andreas Popp und Rico Albrecht eingefallen sind! Es gibt sonst schließlich keine menschen, die man als »klassischer linker« hätte fragen können.
Popp: »[…]und dadurch, daß wir den ›plan b‹ entwickelt haben wird sofort ein sozialistisches - und zwar linkssozialistisches gedankenmodell unterstellt, denn wir haben auch sehr, sehr stark mit der unterstellung des linksextremismus zu tun[…] aber da gibt es dann halt einige personen, die dann eben halt da bei uns ein sozialistisches modell entdecken wollen und dann eben halt gegen uns schießen. Ich weiß nicht, wo es herkommt, em , ich weiß auch es soll vor allem angst machen[...]«
Daß Popp hier tatsachen ins gegenteil verdreht, ist eine sache. Was er dem verehrten publikum an intelligenz zutraut, niederschmetternd.

»Das was ich den menschen sage, das wissen sie alles. Ich formuliere eigentlich ihr bauchgefühl. Mehr will ich gar nicht.«
Wenn mein bauchgefühl so beschissen wäre, würde ich dringend einen gastroenterologen aufsuchen.
Popp: »[…] Ich empfinde hier momentan bei diesen leuten, die kritisch sind gegenüber dem heutigen system manchmal gewisse parallelen zu den geschwistern scholl, die sich auch irgendwann mal gegen ein system gewehrt haben, ende der 30er jahre und anfang der 40er hingerichtet wurden dafür […]«
Manchen menschen ist nichts zu ekelhaft. Sophie und Hans Scholl haben ihr leben im kampf gegen den faschismus riskiert und wurden vom staat ermordet. Wer sich selbst oder andere sesselpupsende redenschwinger mit denen auf eine stufe stellt, macht sich lächerlich. Mir ist nicht bekannt, daß man in diesem staat für flugblätterverteilen gefahr liefe, vor gericht gestellt und geköpft zu werden.

Das immerhin nicht.

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Eigentlich hätte ich noch mehr material über die montagslaberer auf lager. Ungefähr ein vierteljahr lang habe ich mir angeschaut, was die so machen. breits anfang mai kritzelte ich in mein notizbüchlein folgendes:

»Für Elsässer scheint das alles generell eher eine werbeveranstaltung zu sein seine texte enden immer so ähnlich wie ›liebe kinder! Hat Euch mein märchen vom bibubabubobubärchen gefallen? Dann gebt mir Euer taschengeld und abonniert, damit ich zukünftig wenigstens ein paar beträge auf meinem konto begrüßen darf, wenn ich Euch schon bären aufbinde.‹

Klappern gehört zum handwerk und marktschreierei zum geschäft. Diese figuren wollen offenbar ›irgendwie im geschäft‹ bleiben. Und da sie anscheinend von allerhand windigen geschäftsmodellen leben, müssen sie das auch.

Aber weshalb soll ich mich deshalb auf die straße stellen und jubeln? Wer anstatt sich montags dies dampfgeplauder anzuhören zu hause bleibt und stattdessen beispielsweise ein gedicht von Brecht, Kästner, Tucholsky oder Mühsam liest (ich will nicht davon anfangen, Marx zu lesen) hat mit sicherheit mehr für den weltfrieden getan.«


Interessant daß Harzpeter schrieb: Bei Meister Jebsen habe ich irgendwie das Gefühl, dass er hauptsächlich in eigener Sache unterwegs ist. Vielleicht liebäugelt er ja damit, dass seine Auftritte und seine daraus resultierende "Halbprominenz" auch an anderer Stelle Aufmerksamkeit erregen und ihm bei einem großen Privatsender eine eigene Sendung Marke "Jebsen deckt auf", "Jebsen enthüllt", "Jebsen wühlt in der Scheiße", "Jebsen allein im Wald", "Jebsen hebt ab", "Jebsen fliegt mit" oder dergleichen einbringen könnten.

Ein kommentar, der kurz auf den punkt gebracht hat, was ich während meiner schreiberei die meiste zeit gedacht hab. Kein witz.

Mein lieblingszitat von unterhosenforscher Jürgen Elsässer möchte ich jetzt aber auch nicht einfach weglassen:
»Beim Blick in die eigene Unterhose ist doch jedem klar, dass es einen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt.«
Das verschafft einen gewissen einblick, womit dieser mann sich tagein, tagaus beschäftigt.

Elsässer rief zu »souverenitätkonferenz« auf. Wer etwas über deren sarrazynistischen charakter erfahren möchte, schaue bitte auf dem narrenschiff vorbei.