Donnerstag, 29. September 2011

Mechthilds Antwort

In der vergangenen folge »Neues aus der Anstalt« warf Erwin Pelzig etliche dinge und fragen auf, hier ein kleiner teil davon:

»…und ich möchte so gern wissen, warum man bei den sparpaketen das geld jetzt immer bei den vielen holt, die nichts haben und nichts bei den wenigen, die alles haben - daß man es denen einfach abnimmt!
Würd ich gerne mal wissen, würd ich so gerne mal wissen!
- und wenn man es denen mal abnimmt, möcht ich gerne mal wissen, was daran ungerecht sein soll, weil, so wies jetzt ist, ists ja auch ungerecht - und wenns offenbar nicht ohne ungerechtigkeit geht, dann möcht ich gerne wissen, obs nicht gerechter wäre, die ungerechtigkeit auf möglichst wenige menschen zu verteilen, das aber möglichst gerecht(…)?«

»Gerechtigkeit« bedeutet, daß das »recht« herrscht - und wenn man sich anschaut, wer seit jahrhunderten festgelegt hat, was »recht« sei - und was nicht, muß man sich über gar nichts wundern. Nach deren definition ist die »gerechtigkeit« hergestellt wenn die mehrheit, zu der sie ja glücklicherweise nicht gehören, unter den grausamkeiten zu leiden hat.

In sofern zieht man als angehöriger der mehrheit stets die »arschkarte«, das »gesetz« darüber haben diejenigen geschrieben, die das nicht betrifft.




der von mir zitierte text ist hier ab ca. 1minute28 zu hören.

Donnerstag, 22. September 2011

Der Papst im Bundestag


ist wahrlich fehl am platz. Für mich ist diese rede (ich habe sie mir angehört, verlinke sie aber auf keinen fall, also selber googeln) ein weiterer beweis, daß hierzulande die trennung zwischen kirche und staat alles andere als gelungen ist.

Meinetwegen kann derjenige, der glaubt »gottes stellvertreter auf erden« zu sein, seine predigt im Olympiastadion halten, dort sind schließlich auch schon andere gewesen, an die man besser nicht geglaubt hätte. Ich bin doch nicht vor vielen jahren dem »verein der heiligen« entronnen, um dann später deren oberhirten im parlament zu hören!

Im gegensatz zu mir ist »unser« werter herr bundeswirtschaftsminister und ex-bundesgesundheitsminister Phillip Rösler (den »doktor« schenke ich ihm) vor einigen jahren nicht aus der katholischen kirche aus- sondern in sie eingetreten.

Da erkennt man das moderne Christentum: »wem der zahn erkrankt ist, dem schlage man ihn aus. Und seelig sind die kranken, denn man wird es ihnen heimzahlen!«

Auch eine form der mitmenschlichkeit.

Mittwoch, 21. September 2011

Die heimlichen Strippenzieher

Etwas erstaunt hat mich diese doku des ZDF. Nicht erstaunt hat mich, wie das hier mit den lobbyisten und lobbyvereinen läuft, erstaunlich fand ich, daß das ausgerechnet im ZDF gesendet wurde.





Beim anschauen des films wird einem klar, warum vieles genau so läuft, wie es läuft - und weshalb man sich das kasperletheater mit dem wählen sparen kann. Es sind ohnehin nicht die gewählten, die bestimmen, was getan wird.

Sonntag, 18. September 2011

Das Ergebnis der Berliner Wahl


In diesem fall sagt tatsächlich ein bild mehr als tausend worte, allerdings sind noch zu viele flaschen zum container, bzw. zu viele wähler an die urne gewandert.

Hier das vorläufige ergebnis. Über die wahlbeteiligung konnte ich nichts genaues erfahren. Mittags lag sie medienberichten zufolge bei 19 %, um 16 uhr bei 46 %, nach 18 uhr bei 59 %.

Möge sich jeder selbst ausrechnen, wer hinter dem hochgefeierten bügermeister steht, der mit grandiosen 28,5 % aus 59 % wählern im amt gehalten wurde.

Schon ein wenig gefreut hat mit der absturz der gelben eitergrindpartei. Aber nur ein wenig.

Bleibt alles beim alten. Ob beim kasperltheater nun ein paar piraten mitmachen, ist sowas von egal.

»Notizen aus der Unterwelt«,


das blog von Klaus Baum ist wieder online. Einige meiner leser und freunde hatten die »Notizen aus der Unterwelt« schon als »vermißt« gemeldet und fragten, was denn mit diesem verwaisten link los wäre.

Der link funktioniert nun endlich wieder und ich freue mich, dort neues von Klaus zu lesen.

Samstag, 17. September 2011

Solidarität für die jungeWelt


Offenbar haben gewisse menschen hierzulande verflucht angst, daß die bevölkerung anfangen könnte, über die vorzüge eines systemwechsels nachzudenken. Ansonsten gäbe es keinen grund, so ein geschrei zu veranstalten, wenn die jungeWelt einen artikel unter dem titel »Wege zum Kommunismus« abdruckt (auf die »berühmte« frage, wer den denn wolle, heißt die antwort immer noch »ich!«).

Daß man so etwas nicht denken darf und die jungeWelt vom verfassungsschutz beobachtet wird zeigt, daß dieser tolle staat ein problem mit pressefreiheit und pluralismus hat.

Man kann es als »ungehörig« empfinden, sich für den mauerbau zu bedanken, hierzulande fangen die menschen leider nicht an zu denken, wenn sie vor den kopf gestoßen werden. Die klammern sich an das, was sie über die mauer jeden tag aus den medien erfahren, als ob diese sicht die einzig mögliche sei. Und wundern sich über die grausamkeiten, die man ihnen antut.

Dabei hat es doch schon in der jungenWelt vom 7. Oktober 1969 gestanden, was passieren wird, wenn die »bonner republik« jemals die DDR aufkaufen würde.
Die haben damals schon gewußt, was Klaus Kinkel 1992 tun würde und Gerhard Schröder 2002 oder Phillip Rösler heute. Diese ausgabe der jw habe ich vor einigen jahren bei archivarbeiten gelesen - selten, nein nie, habe ich beim archivlesen derart präzise zukunftsprognosen gelesen: Die haben bereits damals gewußt, daß Deutschland nach der einheit sich wieder an kriegen beteiligen wird und eine aggressive außenpolitik führen wird, das sozialsystem zerkloppt wird und die arbeitsbedingungen für die lohnabhängigen beschissen.

Demzufolge paßt die jungeWelt nicht in diese kurzsichtige zeit, somit die richtige lektüre für alle, die nicht von gestern sind.


Mittwoch, 14. September 2011

Wahlkrampfpost



So etwas wie eine antwort auf einen brief der nicht an mich persönlich gerichtet ist.

Heute erreichte mich ein schreiben des chancenlosen spitzenkandidaten der CDU, Frank Henkel. Dieses »wolken-um-die-ecke-pusten« amüsiert mich, seit ich vor monaten seine lustige diskussionsseite gefunden hatte, auf der der »gute bürger« seinen frust loswerden konnte. Dort wurden durchaus skurile denkansätze verfolgt, wie beispielsweise, daß die armen leute kinder kriegen würden, damit sie für die h4 kassieren können, und auf diesem wege zu reichtum gelangen. Auch potentielle CDU-wähler sind offenbar manchmal denkschwach, CDU-mitglieder gelegentlich auch und die sitzen bereits in der bundesregierung.

»Berlin ist eine attraktive Stadt. Ich will dass das so bleibt. Aber ich sehe auch große Probleme. Eine Regierung muss diese Probleme anpacken, anstatt sie wegzulächeln.«

Das sollte er mal der grinsekatze aus dem Bundesarbeitsministerium erzählen - die von der LeyIn ist doch eine »parteifreundin« von ihm.

»Sie kennen die Entwicklungen, die Rot-Rot seit Jahren ignoriert: hohe Arbeitslosigkeit, Integrationsdefizite, steigende Mieten, Unterrichtsausfall und Lehrermangel, brennende Autos, brutale Übergriffe im Nahverkehr, S-Bahn-Krise und Dauer-Staus.«

Als ob an den problemen, die unser bestes aller wirtschaftssysteme mit sich bringt, nun ausgerechnet der rot-rote Berliner senat schuld wäre! Wenn man willens ist, unternehmern maximale gewinne zu garantiern, ist arbeitslosigkeit absolut gewollt und ein teil des systems. Daß kapitalisten sich ungern in die  gesellschaft integrieren wollen, ist doch klar: die wollen ihre privilegien nicht aufgeben.
Daß ausgerechnet die CDU steigende mieten zum thema macht ist lächerlich, es war die Kohlregierung, die die mietpreisbindung aufgehoben hat. Unterrichtsausfall und lehrermangel gab es damals auch schon - und alle haben sich gefreut, früher ins freibad zu kommen.
Die nulltoleranzstrategie des Rudolph Giuliani hat den einsturz irgendwelcher türme nicht verhindern können, genauso wenig kann die politik verhindern, daß irgendwelche vollkoffer autos anzünden. Es sei denn man wollte totalüberwachung und jeden besitzer von streichhölzern der brandstiftung pauschal verdächtigen.
Die S-bahn krise hat verschiedene ursachen - hauptsächlich, daß das unternehmen gewinne an die DB AG abliefern mußte, zweckes börsengang derselbigen, was von der CDU unterstützt wurde.

»Damit finde ich mich genau so wenig ab wie Sie. Ich will da aufräumen, wo Berlin nicht mehr funktioniert. Nicht alle Aufgaben können über Nacht gelöst werden. Aber ich garantiere, dass ich hart arbeiten werde, damit sich die Dinge wieder zum Positiven wenden. Es ist Zeit für eine andere Politik.
Meine Partei hat gemeinsam mit vielen Berlinerinnen und Berlinern ein ehrgeiziges Programm entwickelt, das 100 Lösungen für die größten unserer Probleme unserer Stadt enthält. Das ist unser Angebot, und dafür werbe ich um Ihr Vertrauen.«

Aus dem 100 punkte programm: »Berlin nutzt seine internationale Ausstrahlung nicht«.
Gemein. Tschernobyl und Fukushima tun das schon. Mit dem Forschungsreaktor  kommt Berlin da vielleicht auch noch hin.

Außer mir hat kein einziger bewohner dieses hauses dies schreiben gelesen. Die anderen haben es aus dem briefkasten genommen und ungeöffnet in den hausflur geschmissen (richtig so!). Da könnte Frank Henkel, der so gern in Berlin aufräumen möchte, glatt mal herkommen, gleich damit anfangen - den mist wegräumen, den er selbst verursacht hat.

Aber in diese gegend traut der sich gar nicht rein.

Sonntag, 11. September 2011

Sonntagsfrage

An sich wollte ich noch etwas zur wahl in Berlin am kommenden Sonntag schreiben, aber an sich wurde dazu schon alles gesagt, bzw. geschrieben.


»Neues vom Glöckner« schrieb hierzu bereits am 8. August:
Was werde ich also im September tun? Ich werde der Wahl fernbleiben. Und ich würde mir wünschen, daß mindestens 50 % der Wahlberechtigten dasselbe tun. Dann könnte wenigstens kein Politiker mehr behaupten, er vertrete das Volk.
Gedanken(v)erbrechen schrieb am 14. August zum selben thema: 
Sie lassen die Leute aus einem reichhaltigen Angebot auswählen – wie das in der Marktwirtschaft üblich ist. Am Ende kommt aber dasselbe heraus: Eine Herrschaft, die regiert, und ein Volk, das regiert wird, diese Herrschaft aber gut finden muss, weil es sich diese ja selbst ausgesucht hat. 
Ich sehe das ähnlich und werde der wahl am 18. September 2011 fernbleiben. Nichtwählen heißt keinesfalls zustimmung, sondern, daß es niemanden gibt, dem ich zutraue, in meinem interesse zu handeln.

Die Letzte Rede Salvador Allendes

vom 11. september 1973


Dazu paßt auch der dokumentarfilm von Patricio Guzmán



Donnerstag, 1. September 2011

Zum Antikriegstag


Stimmen aus dem Massengrab
(Für den Totensonntag. Anstatt einer Predigt)
Von Erich Kästner 
Da liegen wir und gingen längst in Stücken.
Ihr kommt vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Wir aber liegen schlaflos auf dem Rücken,
weil uns die Angst um Euch nicht schlafen läßt.
 
Wir haben Dreck im Mund und müssen schweigen,
Und möchten schreien bis das Grab zerbricht!
Und möchten schreiend aus den Gräbern steigen!
Wir haben Dreck im Mund. Ihr hört uns nicht.
 
Ihr hört nur auf das Plaudern der Pastoren,
wenn sie mit ihrem Chef vertraulich tun.
Ihr lieber Gott hat einen krieg verloren
und läßt Euch sagen: Laßt die Toten ruhn!
 
Ihr dürft die Angestellten Gottes loben.
Sie sprachen schön am Massengrab von Pflicht.
Wir lagen unten und sie standen oben.
»Das Leben ist der Güter höchstes nicht.«
 
Da liegen wir den toten Mund voll Dreck.
Und es kam anders, als wir sterbend dachten.
Wir starben. Doch wir starben ohne Zweck.
Ihr laßt Euch morgen, wie wir gestern, schlachten.
 
Vier Jahre Mord, und dann ein schön Geläute!
Ihr geht vorbei und denkt: sie schlafen fest.
Vier Jahre Mord und ein paar Kränze heute!
Verlaßt Euch nie auf Gott und seine Leute!
Verdammt, wenn Ihr das je vergeßt!


In Königs Wusterhausen gibt es keine Friedensstraße mehr.
 Ob das dem pazifisten Erich Kästner gefallen hätte?





Samstag, 13. August 2011

Noch ein gedenktag

Heute vor 140 jahren wurde Karl Liebknecht geboren.







  








Das Liebknechtdenkmal in Luckau. Dort war Karl Liebknecht von 1916 bis zum ende des Ersten Weltkriegs inhaftiert.

Im dezember 1914 hatte er als einziger reichstagsabgeordneter gegen die verlängerung der kriegskredite gestimmt, 1916 schloß die SPD ihn und weitere kriegsgegner aus der Partei aus.


Freitag, 12. August 2011

In eigener sache


Eigentlich soll das 1-euro-blog designmäßig schöner werden, worauf man aber lange warten kann. Aber in der seitenleiste hat sich was getan: dazugekommen sind »der tropfen am eimer«, »gedanken(v)erbrechen« und die »schrottpresse«, rausgeflogen ist das INSM-watchblog. Nach oben gerutscht ist »nebenbei bemerkt«, wo er auch bleibt. Verbotenerweise las ich den täglich auf arbeit. Unmöglich zu beschreiben, wie ich mich über die texte gefreut hab.

Sonntag, 7. August 2011

14. August 1944

Am 13. august will die NPD zum 50. jahrestag des mauerbaus am s-bahnhof Bornholmer Straße der mauertoten gedenken.





















Wie man auf diesem bild unschwer erkennen kann, liegt der s-bahnhof unter einer brücke. Sie trägt den namen Bösebrücke, östlich der brücke befand sich bis zum verschwinden der DDR der grenzübergang Bornholmer Straße.

Benannt ist die brücke nach Wilhelm Böse, einem kommunisten und widerstandskämpfer, der, wie der zufall es will, am 14. august 1944 von den nazis im knast zu Brandenburg ermordet wurde.

Wenn die NPD dann schon beim gedenken ist, kann sie an diesem ort, wenn sie schon mal dabei ist, auch gleich gegen sich selbst demonstrieren.

Dienstag, 2. August 2011

Hunger und moral

Ein interessanter artikel zur derzeitigen hungerkatastrophe in Afrika und findet sich bei modesty:

»Der Kapitalismus wird nicht infrage gestellt. Es gibt nur wieder zweifelhafte Appelle an die Moral: Wir sollten verzichten, unseren Konsum überdenken und Kohle auf das Spendenkonto überweisen. Aber nur als Privatmenschen, als gute Bürger. Und wenn der Ablass bezahlt ist, dann konkurrieren wir die anderen als Staat und Volkswirtschaft wieder in Grund und Boden.« Hier den gesamten artikel lesen.
Spenden und den eigenen konsum zu überdenken hilft nicht gegen den hunger in der welt. In den letzen jahren hat immer wieder in den zeitungen gestanden, daß gern mit böden in den hungerregionen spekuliert wird. Ich bin dafür, daß endlich die konzerne spenden und das land und die produktionsmittel denen überlassen, die davon leben müssen! 
Und natürlich nicht nur in Afrika.

Sonntag, 31. Juli 2011

Der Dopppelanschlag von Oslo: »Ist’s Wahnsinn auch, so hat es doch Methode.«

Alle Medien sind sich ziemlich1 einig: „Die Tat eines Irrsinnigen“, „Wahnsinn“, Psycho“ usw. Deswegen sei die Tat auch „nicht zu begreifen“, „nicht zu erklären“ und „nicht zu kommentieren“. Das mag als erste Reaktion verständlich sein. Immerhin stehen jedermann die Bilder von der Insel und der Innenstadt von Oslo vor Augen und hat jedermann die Zahl der Toten im Kopf. Doch es handelt sich bei diesen Verlautbarungen gar nicht um erste verstörte Reaktionen. Keiner der Schreiberlinge, die sich für unfähig erklären, angesichts der „Wahnsinnstat“ einen Kommentar abzugeben, legen Griffel oder Laptop weg, sondern legen los. Und wie. Der Befund „Wahnsinn“ oder „Irrsinn“ steht deshalb auch nicht für erste Sprachlosigkeit, sondern transportiert bereits knallharte Befunde: Die Attentate, so lauten sie, sind Ausgeburten eines kranken Gehirns, der Täter nicht bei Verstand2, weswegen sich eine ernsthafte Befassung mit der Tat verbietet - als ob die im Interesse von Presse und TV liegen würde.
Dabei wird überall ausführlich aus dem 1500 Seiten umfassenden Manifest des Attentäters zitiert und es werden Ausschnitte aus seiner Erklärung bei der ersten Anhörung vor Gericht vorgelegt, in denen er seine Motive klar und deutlich offenbart. Zusätzlich werden Hintergründe recherchiert, etwa über Norwegens Ausländerpolitik berichtet oder die rechtsextreme Szene in Skandinavien beleuchtet. Das scheint jedermann sofort zu wissen: Die Gedanken, die seine Motive ausmachen, hat er nicht erfunden; er weiß sich da einig mit rechten Gruppierungen, die Ähnliches denken wie er, und außerdem reagiert auf die norwegische Ausländerpolitik. Den text von Freerk Huisken bitte hier weiterlesen.

Dienstag, 19. Juli 2011

Wenn das milchmännchen zweimal rechnet

Im fernen südwesten unserer mäßig schönen republik hat sich die LpB (landeszentrale für politische bildung Baden Würtemberg) für das wahlfaule volk etwas einfallen lassen: Beim »Zweiten Freiburger Bildungsüberfall« sollen die bewohner des stadtteils Freiburg-Weingarten für die demokratie wachgerüttelt werden.
Wenn ich den text durchlese, stelle ich fest, daß in Baden-Würtemberg offenbar nicht die selben gesetze gelten wie in Berlin. 

Zitat: Wie selbstverständlich erscheint uns heute ein Leben in Freiheit. Frei von Bedrohung, Bevormundung, staatlicher Gängelung. Frei von Angst und Zwang.
Wenn ich nicht wüßte, daß es in BW marode AKWs und demnächst wahrscheinlich auch eine milliardenschwere bauruine gibt, käme ich fast auf die idee, ein asylgesuch zu schreiben. Die meisten menschen, die ich kenne, merken nichts vom »leben in freiheit«. Die leben in ständiger angst: Die arbeit zu verlieren, die miete nicht bezahlen zu können, vom »jobcenter« die nächste unterbezahlte arbeitsstelle aufgedrückt zu bekommen, die nicht abgelehnt werden kann. Eher wird der zwang als selbstverständlich hingenommen, weshalb er manch einem schon als freiheit erscheint: »die arbeit schmeckt mir gar nicht, aber ich habs noch vergleichsweise gut getroffen« denken die leute und freuen sich, daß »diesmal ja wenigstens ein teekocher« am arbeitsplatz zur verfügung gestellt wird.

Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Wahlrecht und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeit auch und gerade in Deutschland.
Wenn man hier an die aktuellen entwickungen »auch und gerade« in Deutschland denkt, fällt einem auf, daß man in der BRD noch nie hat sagen dürfen, was man von diesem saustall hält - und erst recht nicht auf arbeit. Sagen darf man es schon, es hat »bloß« materielle konsequenzen. In diesem system muß man nicht bedroht werden, daß man abgeholt und eingesperrt wird, wenn man nicht das richtige sagt. Eingesperrt ist man schon - und wenn man auf die idee kommt, etwas zu sagen, daß bestimmte ohren nicht hören wollen, dann wird es schlimmer, weil man seine materielle lebensgrundlage entzogen bekommt.

Mit »...und gerade auch in Deutschland.« ist das aber überhaupt nicht gemeint und auch nicht die immer stärkere einschränkung, beispielsweise der versammlungsfreiheit, sondern es wird die vergangenheit auf grausamste weise in einen topf gemanscht. Und weil die demokratie über alles erhaben ist, wird mit keinem wort erwähnt, daß zu jener zeit in der sauberen BRD die regimekritiker reihenweise eingesperrt, bestraft oder mit berufsverboten belegt wurden.

Und um zu beweisen, wie gut die demokratie ist, dann ausgerechnet ein zitat Winston Churchill:

»wenn es morgens um sechs an meiner tür läutet und ich kann sicher sein, daß es der milchmann ist, dann weiß ich, daß ich in einer demokratie lebe.«
Tatsächlich hat Churchill Hitler gehaßt - aber nicht, weil er was gegen die unterdrückung anderer völker gehabt hätte. Hitler stand den imperialistischen interessen Großbritaniens im wege, weshalb zähneknirschend die Sowjetunion unterstützt wurde.

Er hat auch gesagt »demokratie ist die schlechteste aller regierungsformen. Ausgenommen alle anderen.« So widerwärtig einem dieser mensch sein kann, der am liebsten nach dem ende des Zweiten Weltkrieges sofort einen neuen krieg vom zaun gebrochen hätte, weil man mit Hitler »die falsche sau geschlachtet« habe (die folge war die gründung der NATO und der Kalte Krieg). Dumm war er nicht.

Der Churchill hat gewußt, daß wenn man nicht so enden möchte wie der russische zar, es besser ist, dem volk die illusion zu geben, daß es mitbestimmen könne - damit man hinterher sagen kann »ihr habts doch so gewollt!«

Ich kenne niemanden, der im bezirk Freiburg-Weingarten lebt, ein morgendliches wachrattern wegen geringer wahlbeteiligung als »bildungsüberfall« zu bezeichnen ist übertrieben. Wahrscheinlich haben die leut gut begriffen, was sie hier im staat ausrichten können und tun dann eben genau das. Absolut konsequent und richtig.

Liebe LpB! Wenn es bei denen an der tür klingelt, kommt da normalerweise nicht der »freiheitsbote« mit milch oder guten gaben, sondern der kontrolleur vom amt, der gerichtsvollzieher, der vermieter, der die austehende miete eintreibt oder andere unangenehme gäste. Ihr »aufrechten demokraten« werdet nicht müde, die herrschaftsform, der Ihr Euch unterzuodnen habt zu loben, auch wenn die rechnung nicht aufgeht.

»Freiheit beginnt an der Haustür« (zitat aus dem Flyer) - und endet am fabriktor.

Freitag, 10. Juni 2011

Lohn macht doof

In einem etwas älteren artikel berichtete die Süddeutsche Zeitung über ein experiment, bei dem herausgefunden werden sollte, ob man kinder durch belohnung zu mehr hilfsbereitschaft motivieren kann.

Kann man nicht. Im experiment wirkte sich die belohnung negativ auf die motivation der kinder aus.

Im weiteren verlauf des artikels wird die frage aufgeworfen, ob es nicht möglich sei, mit null-euro-jobbern humane krankenhäuser zu betreiben, oder qualitätszeitungen zu schreiben.

Völlig unmöglich. Zwar bin ich durchaus in der lage, mir eine gesellschaft vorzustellen, die ohne geld funktioniert. In der derzeitigen gesellschaft jedoch hat der mensch exakt einen grund zu arbeiten: er muß zusehen, daß er sich geld verschaft, weil ihm sonst selbst dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten - z.b. wohnung, trinkwasser, essen - vorenthalten werden - allein über geld ist man vom allem, was man braucht ausgeschlossen - und da bekommt der lohnschreiber der SZ es tatsächlich hin, so zu tun, als stünde es einem frei, für lohn oder für spaß zu arbeiten. Das können sich aber die wenigsten leisten.

Es sei denn, man macht revolution und schafft das lohnsystem mitsamt den segnungen des rennens nach geld einfach ab! Aber soweit denken schreiberlinge bei der SZ leider nicht.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Polnische Gurken

Bei meldungen wie dieser fällt mir auf, daß in den normalmedien bei der berichterstattung über EHEC nie darüber nachgedacht wird, wie man das zeug, das zu ernährungszwecken auf den feldern gewachsen ist und nun untergepflügt wird, verwertet werden könnte - es wird davon ausgegangen, daß grünzeug, das für den rohverzehr gedacht ist auch nur so verwendet werden könnte, ausgenommen bestenfalls tomaten. Weil andere menschen ein problem mit der verwertung haben:

An meinem kaufverhalten, immer das preisgünstigste gemüse zu kaufen, habe ich nichts geändert. Weil ich keineswegs lebensmüde bin, habe ich sicherheitshalber die zubereitung meines essens (normalerweise esse ich gern rohkost) umgestellt - aus so ziemlich allem, das man roh essen kann, kann man auch irgendwas anderes machen, damit die leckeren gurken nicht weggeworfen werden müssen, empfehle ich, sie beispielsweise polnisch zuzubereiten:

1 gurke
1 zwiebel
1 - 2 eßlöffel butter
150 ml wasser, brühe oder weißwein
2 eßlöffel saure sahne,
 apfelessig, zucker, salz, pfeffer, dill nach belieben.

die gurke schälen, längs halbieren, die kerne entfernen und in stücke schneiden. Die zwiebel in feine stücke schneiden, in der butter glasig braten, die gurken hinzufügen, wenn sie leicht angebraten sind flüssigkeit hinzugeben, bei geschlossenem topf 5 minuten köcheln lassen, dann bei offenem deckel das wasser verdampfen lassen, so daß die gurke zart aber nicht verkocht ist. Mit den gewürzen und der sauren sahne nach belieben abschmecken. Schmeckt sehr gut zu gebratenem Havelzander, sofern man zufällig einen da hat. Wer keinen hat, verzichtet drauf und ißt halt pellkartoffeln dazu. Das zeug kann man gut ein paar tage im kühlschrank aufbewahren und bei bullenhitze als cholodnik (»kühli«) als erfrischung zwischendurch essen.

Ich kaufe genau so viel wenig wie sonst auch. Für den kapitalismus ist meine kaufkraft unbedeutend und mein »reste-nicht-wegschmeißen« gar schädlich: Ich werfe zu wenig eßbares weg.

Die leute kaufen jetzt bloß den vielen salat zum wegwerfen nicht. Das ist die EHEC-katastrophe.

Sonntag, 13. Februar 2011

Berlin: mehr als 98 % der teilnehmer stimmten für volksentscheid

Am sonntag fand in Berlin ein volksentscheid über die offenlegung der teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben statt (mehr zum thema beim Berliner Wassertisch.  Und hier der gesetzentwurf (pdf), der durch den volksentscheid angenommen wurde.

Die mehrheit der teilnehmer oder 665 713 personen stimmten mit »ja«. Das vorläufige ergebnis gibts unter:

Samstag, 22. Januar 2011

Zensur im Deutschen Fernsehen

Im Deutschen Fernsehen darf die dokumentation »der drückerkönig« nur noch zensiert gezeigt werden. Dr. h.c. Maschmeyer steht bei den ablehnungen der interview-anfragen des NDR blöde da, weil ihm alles auf die stirn geschrieben steht.