Freitag, 10. Juni 2011

Lohn macht doof

In einem etwas älteren artikel berichtete die Süddeutsche Zeitung über ein experiment, bei dem herausgefunden werden sollte, ob man kinder durch belohnung zu mehr hilfsbereitschaft motivieren kann.

Kann man nicht. Im experiment wirkte sich die belohnung negativ auf die motivation der kinder aus.

Im weiteren verlauf des artikels wird die frage aufgeworfen, ob es nicht möglich sei, mit null-euro-jobbern humane krankenhäuser zu betreiben, oder qualitätszeitungen zu schreiben.

Völlig unmöglich. Zwar bin ich durchaus in der lage, mir eine gesellschaft vorzustellen, die ohne geld funktioniert. In der derzeitigen gesellschaft jedoch hat der mensch exakt einen grund zu arbeiten: er muß zusehen, daß er sich geld verschaft, weil ihm sonst selbst dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten - z.b. wohnung, trinkwasser, essen - vorenthalten werden - allein über geld ist man vom allem, was man braucht ausgeschlossen - und da bekommt der lohnschreiber der SZ es tatsächlich hin, so zu tun, als stünde es einem frei, für lohn oder für spaß zu arbeiten. Das können sich aber die wenigsten leisten.

Es sei denn, man macht revolution und schafft das lohnsystem mitsamt den segnungen des rennens nach geld einfach ab! Aber soweit denken schreiberlinge bei der SZ leider nicht.

Kommentare:

  1. Vielleicht funktioniert es, wenn der arbeitende Mensch in Naturalien bezahlt wird? Allein: Dann müsste es auch so sein, dass der zu bezahlende "Angestellte" sich aus einer Art "Warenkatalog" tagtäglich aussuchen darf, was er am Abend an Lebensmitteln und sonstigen notwendigen Dingen aussuchen und mitnehmen darf. Da stehen wir dann aber wiederum vor der Problem, wie der Gegenwert der Arbeit, die dieser Mensch denn gemessen werden soll - so das am Ende gesagt werden kann: "Ja, du darfst den Extra-Kanister Wasser mit nach Hause nehmen!" - oder eben nicht. Und wo/wie setzt man diese Messlatte dann an?

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  2. Meine sehr bewunderte Freundin Mechthild,
    Bist zitiert, hast inspiriert im Blog Sascha’s Welt: siehe dort:
    http://sascha313.blog.de

    Wünsche Dir noch viele solche Erfolge!

    Kannst mich auch noch nachträglich gratulieren zum Geburtstag (in mein Blog am 24.juni), werde mich äußerst freuen.
    Sehr liebe Grüße aus meine flämische Sommerfrische,
    Nadja
    <3

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  3. @Lars: oder Du darfst außer der Reihe mal einen Pfandbon einlösen ))))Die Entlohnung ist ja nun wirklich nicht das Entscheidende. Das Geld auch nicht. Und erst recht nicht wieviel. Entscheidend ist, wer die Produktionsmittel, die Maschinen, die Hallen, die Kassen usw. besitzt...
    Norbert

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  4. Das beispiel mit dem extra-kanister wasser empfinde ich als merkwürdig. Bei allen menschen, die ich kenne, läuft wasser »aus der wand«, zudem für gewöhnlich in trinkbarer qualität, man dreht einfach den hahn auf und kann trinken… gar darin baden! Daran würde sich nichts ändern, wenn man beschließen würde, daß es kein geld mehr gäbe. Immernoch würde es menschen geben, deren profession es ist, sich um um das funktionieren des wassernetzes zu kümmern - und um die wasserqualität. Andersrum betrachtet kann man genau an diesem wasserkanister festmachen, daß der kapitalismus nicht in der lage ist, die grundbedürfnisse der menschheit zu befriedigen: Es ist möglich, sauberes wasser in flaschen aus den merkwürdigsten regionen um die gesamte welt nach Europa oder USA (wo die versorgung mit sauberem wasser normalerweise ohnehin kein problem ist) zu schaffen, wenn nur das nötige geld dafür auf den tisch gelegt wird. Während gleichzeitig menschen verdursten oder an schmutzwasser krepieren, weil sie nichts haben und es für die leute, die sich was angeeignet haben, lukrativer ist, das lebensnotwendige an das zahlungskräftige publikum zu verschachern - menschliches grundbedürfnis wird zur geschäftsgrundlage.

    Man braucht keinen »naturallohn«, wenn man jedem menschen einfach zugesteht, was er braucht. Wasser (und natürlich auch wein), nahrung, ein dach über dem kopf, medizinische versorgung, bildung und kultur nicht als menschenrecht, für das man dann teuer bezahlen muß, sondern als selbstverständlichkeit.

    In einem system, in dem nützliches durch geld verteilt wird, geht es nie darum, was die menschen brauchen, sondern ausschließlich um das gewinn damit erziehlen: Krankenhäuser werden dicht gemacht, nicht weil das personal unfähig wäre und die patienten dauernd wegsterben - und schon gar nicht, weil die leute plötzlich alle gesund wären, daß sie keine behandlung nötig hätten, allein die mangelhafte rendite ist der grund.

    Menschen, die den »luxus« in dieser gesellschaft quasi ohne lohn arbeiten zu »dürfen« aufgenötigt bekommen, gibt es schon. Mit dem ergebnis, daß sie von den schönen oder nützlichen dingen ausgeschlossen werden. Wenn es dem menschen ohnehin zu eigen ist, ein »belohnungssystem« als unangenehm zu empfinden, dann kann man den lästigen zaster auch gleich abschaffen und statt für den profit für den verbrauch produzieren.

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