Freitag, 17. Juli 2015

Vier jahre haft für Oskar Gröning

70 jahre nach ende der faschistischen diktatur hat die Deutsche justiz den arsch in der hose, einen 94jährigen wackelgreis zu verurteilen, der nicht in verantwortungsvoller position saß, sondern buchhalter in Auschwitz war und zu tun hatte, was man ihm auftrug. Dafür soll er nun für vier jahre ins gefängnis und wird vermutlich hunderttausende für die verfahrenskosten zahlen müssen.

Das urteil ist verlogen.

Die herren, die an der Wannseekonferenz teilgenommen hatten, also den massenmord an den juden zu verantworten hatten, sind teilweise wesentlich milder davongekommen. Z.b. Dr. Wilhelm Stuckart, damals Staatssekretär im Reichsministerium des Inneren, wurde zu 500 DM geldstrafe verurteilt oder Dr. Georg Leibbrandt, damals ministerialdirektor im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete wurde überhaupt nicht bestraft, weil das verfahren gegen ihn 1950 eingestellt wurde.

Unvergessen auch Hans Globke, mitverfasser der Nürnberger Rassengesetze, in der jungen BRD im wahrsten sinne des wortes die rechte hand Konrad Adenauers oder Filbinger, der nachweislich als richter menschen zum tode verurteilte.

Vor dem hintergrund, daß etliche der für die greuel der faschistischen diktatur verantwortlichen figuren nahtlos in der BRD karriere machen konnten, wirkt dies urteil besonders ekelhaft. Dieser tolle staat will sich, bevor es zu spät ist, noch ein bißchen reinwaschen und da ist der herr Gröning ein willkommenes bauernopfer, das der staat auf den letzten drücker noch bringen kann.

Das ist doch lächerlich, nach 70 jahren einen eher unbedeutenden beteiligten zu verurteilen. Das ist kein urteil, das den opfern und überlebenden von Auschwitz in irgendeiner form gerecht wird. Es geht allein darum, daß man jetzt sagen kann »wir haben unsere geschichte aber ganz supertoll aufgearbeitet«.

Über »gerechtigkeit« braucht man an dieser stelle nicht zu reden.

Kommentare:

  1. Ich bin bei diesem Thema etwas zwiegespalten: Einerseits kann ich Deiner Argumentation durchaus folgen, andererseits bewegt man sich doch auf äußerst dünnem Eis, wenn man im Zusammenhang mit Auschwitz von einem "eher unbedeutenden Beteiligten" spricht. Das verharmlost die Rolle der "kleinen" Mittäter in diesem mörderischen Irrsinn, ohne die die gesamte faschistische Maschinerie nicht denkbar gewesen wäre, doch zu sehr, finde ich.

    Dennoch kam dieser Prozess viel zu spät - zumal Gröning ja zuvor kein Unbekannter, sondern schon vor Jahrzehnten angeklagt worden war, ohne dass es zu einer Verurteilung gekommen ist.

    Gerade die deutsche Justiz wäre gut beraten, wenn sie insbesondere die heutigen präfaschistischen Tendenzen in Politik, Medien und Gesellschaft in den Fokus nähme, statt sich auf einen 94jährigen Greis zu stürzen, dessen Bestrafung trotz aller Schuld offensichtlich völlig sinnfrei ist. Davon allerdings werden wir auch in absehbarer Zukunft voraussichtlich nichts hören - stattdessen werden wohl auch weiterhin eher diejenigen juristisch verfolgt und verurteilt, die gegen den allerorten wieder aufkeimenden Faschismus des kapitalistischen Systems aufstehen.

    Diesen "Rechtsstaat" kann man getrost in der Pfeife rauchen.

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  2. Daß es nicht unbedingt meine lieblingsbeschäftigung ist, altnazis zu verteidigen, sollte klar sein.

    Wenn es den politischen willen gegeben hätte, wäre es möglich gewesen, Oskar Gröning bereits in den 50er oder 60er jahren zu verurteilen. Es war auch damals schon bekannt, daß er in Auschwitz gearbeitet hatte.

    Allerdings lebte in jener zeit die alte generation noch, die für die verbrechen verantwortlich war und die in der BRD gleich wieder auf hohen posten saß. Für die hätte die verurteilung des buchhalters womöglich konsequenzen gehabt. Da wäre es aufgefallen, daß der chef des kanzleramtes, Hans Globke, in der nazizeit verwaltungsjurist im reichsinnenministerium und mitverfasser der Nürnberger Rassengesetze war. Oder Schleyer, damals im vorstand der Daimler-Benz AG, in der nazizeit zuständig für die beschaffung von zwangsarbeitern, verantwortlich für das verbrechen der deportation der Tschechischen juden. Bundespräsident Lübke war in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde verantwortlich für den einsatz von KZhäftlingen als zwangsarbeiter. All das ist einfach so durchgegangen.

    Im gegensatz zu denen hat Gröning seine vergangenheit nicht geleugnet, er war mit anfang 20 bei der SS, die ihn nach Auschwitz schickte, wo er die wertsachen, die man den opfern geraubt hatte, verwalten mußte. Ob er wußte, worauf er sich einließ als er in die SS eintrat, kann ich nicht beurteilen. Allerdings war ihm die arbeit, die man ihm aufgetragen hatte offenbar so unerträglich, daß er den tod an der front eher in kauf nehmen wollte, als diese arbeit weiter zu machen.

    Der sogenannte »rechtsstaat« ist keine veranstaltung, die für »gerechtigkeit« (was auch immer man darunter verstehen mag) sorgen würde. Der rechststaat setzt verhältnisse in kraft, die das »volk« für die kapitalistischen interessen nutzbar macht. Und da stören ein paar faschos weit weniger als »linke spinner«, die etwas gegen den kapitalistischen verwertungsirrsinn haben.

    Für die opfer und ihre angehörigen mag das urteil symbolcharakter haben. Für die ist das jedoch gar nicht gedacht, es soll demonstriert werden, wie toll hier die »geschichte aufgearbeitet« wird und auch nach 70 jahren noch der letzte verbrecher aufgegriffen wird. Das berechtigt dann in aller welt zu weiteren sauereien.

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