Mittwoch, 15. Juli 2015

Ein »hoch« auf die bürgerliche demokratie! Zum zweiten

In einem interview gab der ehemalige Griechische finanzminister, Yanis Vavoufakis zu protokoll, daß ihm die debatte in der demokratie fehle.

Zitat: »Es ist nicht so, dass es nicht gut aufgenommen worden wäre – es ist eher so, dass es eine vollständige Verweigerung gab, sich auf ökonomische Argumentationen einzulassen. Unverblümt. Sie stellen ein Argument vor, an dem Sie wirklich analytisch gearbeitet haben – um sicher zu gehen, dass es logisch kohärent ist – und dann schauen Sie lediglich in leere Gesichter. Sie hätten genau so gut die schwedische Nationalhymne singen können – Sie hätten dieselbe Antwort bekommen. Und für jemanden, der akademische Debatten gewöhnt ist, ist das ist erschreckend. Da debattiert die andere Seite immer mit. Aber hier gab es gar keine Beteiligung. Man hat nicht einmal Genervtheit gespürt, es war so, als ob man einfach nichts gesagt hätte.«

Wer jemals eine »debatte« im bundestag angeschaut hat, könnte eigentlich wissen, daß die veranstaltungen in der quasselbude diesen namen nicht verdient haben, weil da nichts verhandelt und nichts erörtert wird, bei dem am schluß eine vernünftige lösung für alle steht. Dabei geht es nur um einen schlagabtausch, bei dem vernünftige argumente oder kluge gedanken nicht zählen, sondern ausschließlich die interessen des kapitals, für die hier regiert wird.

Schade, daß herr Varouvakis das fehlen »demokratischer skrupel« beklagt, anstatt das system, das eben genau so und genau für diese zwecke funktioniert, in frage zu stellen.

Kommentare:

  1. http://politiekencultuur.blogspot.be/2015/07/grecia-ruinata-6-greece-decides.html

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    1. Danke für den link!

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  2. Hallo Mechthild!

    Das Parlament ist aber keine akademische Seminarveranstaltung. Und selbst dort orientieren sich die Diskussionen meist im Rahmen der politischen Ökonomie.

    "Schade, dass herr Varouvakis das fehlen "demokratischer skrupel" beklagt, anstatt das system,..., in frage zustellen."

    Bei aller linksradikalen Rhetorik, war das wohl nie sein Anspruch. Und wenn er es gewagt hätte zu wollen, dann hätte er und seine Partei einen Plan haben müssen.

    Und wie das jetzt gerade abläuft, haben die selbst keine Skrupel ihr totales Scheitern noch als nicht abwendbaren Kompromiss, aber letztendlich doch noch als Erfolg zu verkaufen.

    Und was innerhalb der Partei abläuft, erinnert mich doch sehr an sozialdemokratische Theaterinszenierung. Und die Linken wohnen dem Spektakel aufopfernd bei. Sie wittern Verrat oder Erpressung! Alles auf personaler Ebene.
    Da kommst Du noch mit System.

    Bitte unbedingt fortsetzen!

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    1. Moinsen Troptard,

      ich weiß doch, daß es um die »systemfrage« leider nie gegangen ist, weil es fortwährend nur um die rettung des vorhandenen geht. Einem intelligenten mann wie Varouvakis tät ich es schon zutrauen, daß er an etwas denken hätte können, wofür er nicht gewählt war. Stattdessen wurde Tsipras dazu genötigt zu tun, wofür er nicht gewählt war. Die hoffnungsfrohen gedanken, die viele linksgesonnene menschen hierzulande nach dem wahlgewinn von Syriza hatten, konnte ich von anfang an nicht teilen.

      Es ist ein trauerspiel.

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