Freitag, 24. Juli 2015

Arbeitgeber fordern ende des achtstundentages

Ich auch. Für einen augenblick könnte ich fast den eindruck bekommen, die wären zur vernunft gekommen. Mir zumindest wäre ein vier stunden tag viel angenehmer. Nur darf man wohl davon ausgehen, daß die nicht zur vernunft gekommen sind. Die fordern anstatt kürzeren arbeitszeiten eine weitere flexibilisierung der arbeitszeiten, was im normalfall eine verdeckte ausdehnung der arbeitszeit bedeutet.

In diskussionen wird immer wieder gern behauptet, daß durch den technischen fortschritt im kapitalismus die arbeit für den menschen immer leichter und immer weniger würde. Wenn man die arbeitszeiten von ca. 1990 mit den heute üblichen vergleicht, könnte auffallen, daß damals fast überall weniger als 40 stunden die woche gearbeitet wurde. Die arbeitszeit sollte stufenweise auf 35 stunden pro woche abgesenkt werden. Heute sind eher 40 bis 42,5 stunden regelarbeitszeit üblich, obwohl sich durch den technischen fortschritt die produktivität pro stunde erhöht hat.

Das ist eben das problem, wenn man für kapitalistisches wachstum arbeitet: der technische fortschritt ist nicht zum wohl der menschen da, sondern für die gewinnsteigerung. Dann wird nicht die arbeitszeit für den einzelnen kürzer, weil die weniger gewordene arbeit auf die leute, die da sind, verteilt würde und alle leichter an ihren lebensunterhalt kämen. Stattdessen wird den einen der lebensunterhalt gestrichen, während die arbeit für die anderen nicht kürzer oder leichter wird.

Es geht nicht um die erleichterung der arbeit, sondern um ihre verbilligung. Und das kann man durch ihre flexibilisierung, indem man die grenze zwischen »arbeitszeit« und »freizeit« weiter verwischt, sehr gut erreichen.

Kommentare:

  1. Und da Frau Nahles dieses Ansinnen der Arbeitgeberschaft strikt abgelehnt hat, können wir also getrost davon ausgehen, dass diese "Flexibilisierung" demnächst gesetzgeberisch vorbereitet werden dürfte.

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    1. Die »Zeit« hat dazu geschrieben, daß A. Nahles davon nichts wissen will. Gegen ende des artikels jedoch folgendes:

      Das Arbeitszeitgesetz soll laut Nahles' Ankündigung 2016 angepasst werden, hieß es in dem Bericht. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums korrigierte den Bericht wenig später. Nahles wolle im kommenden Jahr ein Weißbuch veröffentlichen, in dem die Ergebnisse einer breiten Debatte über die Arbeitswelt im digitalen Zeitalter vorgestellt werden sollen. Auf dieser Grundlage solle dann beraten werden, wo gesetzlicher Änderungsbedarf bestehe.

      Da kannst Du Dir leicht denken, was kommt.

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  2. Nach meiner absolut maßgeblichen Erfahrung kann man in 1000 Stunden deutlich mehr schaffen, als man braucht. Pro Jahr, versteht sich. Da der Produktivitätsfortschritt immer weitergeht, könnte man als mittel-bis langfristiges Ziel die Größenordnung von 700 Jahresstunden formulieren.
    Das wäre aber schönes Leben für alle.

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    1. Vor einiger zeit habe ich mal ausgerechnet, daß wenn man sämtliche in der BRD geleisteten arbeitsstunden auf alle erwerbsfähigen personen verteilen würde, man eine 20-stunden-woche für alle einführen könnte, was bei 5 wöchentlichen arbeitstagen auf den 4-stunden-tag hinausliefe. Wenn man davon ausgeht, daß man im schnitt an 20 tagen im montat arbeitet, sind das im jahr 240 arbeitstage, damit kommt man im jahr auf 960 arbeitsstunden im jahr, 1000 stunden pro jahr sind also absolut realistisch.

      Das ginge allerdings nur, wenn wir ein wirtschaftssystem hätten, das auf die versorgung der leute und nicht auf wachstum und gewinn ausgerichtet wäre. Aber das geht ja nicht, denn einfach menschen zu versorgen ohne nebenher einen profit zu erwirtschaften, ist bekanntermaßen völlig unmöglich.

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  3. https://www.youtube.com/watch?v=FqQsi9i56Ps

    Minute 24: Wochenarbeitszeit 20 Std. reichen aus
    Äußerst interessant die Herkunft der Behauptung!

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    1. Interessanter hinweis, daß der herr von Nell-Breuning aus der CDU bereits in den 60er jahren die idee von der 20stundenwoche hatte. Es gab anfangs in der CDU durchaus mal ansätze für so etwas wie einen christlichen sozialismus. Hat sich aus naheliegenden gründen nie durchgesetzt.

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  4. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Gelöscht wegen link. Links zu derartigen schwachsinnsseiten sind hier verboten.

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